Biografie Sethos I.


Grab Sethos I.

Vorgänger Ramses I.

                           Bilder oben: links Merja Attika - rechts: Roland Unger, Abydos-Stele, Wikipedia CC-BY-SA-3.0 


(
Quellen und Literatur-Angaben am Ende dieser Seite - nummerierte Verweise im Text)
PM = Porter & Moss, Topographical Bibliography of Ancient Hieroglyphic Text, Reliefs and paintings 1927-1952

Die meisten der von Sethos I.  begonnenen Bauvorhaben waren in einem großen Maßstab geplant, so dass sie in seiner relativ kurzen Regierungszeit nicht vollendet werden konnten.

Unter seiner Regierung wurden zahlreiche in der Amarnazeit zerstörte Tempel und Darstellungen seiner Vorgänger restauriert. Er ließ die Denkmäler der Vergangenheit, die unter der Regierung Echnatons durch das Ausschlagen des Namens Amuns oder der Mut, oder auch nur der Bezeichnung „Götter“ sowie der Gestalt des Sem–Priesters beschädigt worden waren, pietätvoll restaurieren. Allerdings stand wohl nicht genug geschultes Personal zur Verfügung, so dass mancher Text durch die Wiederherstellung recht entstellt wurde. 

Piramesse 
-
(Ramsesstadt) - Qantir -

Ausgrabungen in Piramesse (arabisch Qantir / altägyptisch Per-Ra-mes(j) ), der einstigen Hauptstadt des Neuen Reiches am östlichen Rand des Nildeltas gelegen (im heutigen Gouvenement Asch-Scharqiyya, werden seit 1980 von den Archäologen des Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museums unter der Leitung von Edgar Pusch in Kooperation mit dem Team des Österreichischen Archäologischen Instituts (unter der Leitung von Irene Forster-Müller), das im wenige Kilometer südlich gelegenen Tell-el-Dab'a, dem antiken Auaris (Hauptstadt der Hyksos) gräbt, durchgeführt. Aufgrund neuerer Einblicke in die Bauaktivität von Sethos I. scheint sein Sohn und Nachfolger Ramses II. schon kurz nach dem Tode seines Vaters dessen "Sommerpalast" hier in Qantir als seine neue Hauptstadt ausgebaut zu haben. Aus einer in Abydos gefundenen Stele (Abydos Inscription Dédicatoire, Redford 1971, 112, n. 3) geht hervor, dass Ramses II. kurz nach seinem Regierungsantritt in die nunmehr nach ihm benannte Stadt reiste, welche demnach schon vorher gegründet worden sein musste.

Unter der Regierung von Sethos I. scheint eine größere Bautätigkeit in Qantir eingesetzt zu haben. Bei den Grabungen wurden in diesem Areal eine weitläufige Anlage gefunden, die wohl zur Verarbeitung von Bronze in einem fast industriellen Stil diente. Auch ließ Sethos I. vermutlich ein palatiales Gebäude errichten, wovon Fayencekacheln mit der Titulatur des Königs zeugen, die wohl einen Türdurchgang entstammen (Quelle: das Bibellexikon, Edgar B. Pusch, Henning Franzmeiner Nov. 2016). Allerdings stammen diese Fayencekacheln-Funde teilweise aus nicht-regulären Grabungen, sondern wurden unter unklaren Umständen zu Beginn des 20. Jahrhunderts geborgen, so dass der Umfang dieser Baumaßnahmen als bislang ungeklärt bleiben muss.

Des weiteren entdeckte man eine Bauschicht, die Dr. Edgar Pusch als "Streitwagengarnison" bezeichnete (1). Innerhalb eines "Streitwagenhofes" fand man einen oktogonalen Pfeiler aus K alkstein mit einer Höhe von ca. 2,50m - der anhand der Beschriftungen (im Vergleich zu weiteren Fragmenten) auf eine ursprüngliche Höhe von 3,66m (also exakt 7 Ellen) rekonstruiert werden konnte. Der Pfeiler im Streitwagenhof vom Bezirk Q I trug eine umlaufende Bedachung und eine Inschrift, die aus der Titulatur von Sethos I. bestand, welche dann später von seinem Sohn und Nachfolger Ramses II. überarbeitet und zu seiner eigenen Titulatur umgeschrieben wurde. Die Streitwagenanlage selber scheint aber erst in der Regierungszeit von Ramses II. genutzt worden zu sein - aber evtl. wurde die Streitwagenhalle während der Zeit von Sethos I. errichtet (siehe: Pusch in "Fragments", 202-203; Leclant 1982, fig. 11)

Achteckiger Pfeiler aus Qantir

Der hohe, schlanke Pfeiler aus Kalkstein (ca. 2.50 m hoch) wurde von den Ägyptologen mit Hilfe seiner Inschriften im Vergleich zu anderen Pfeiler-Fragmenten auf eine ursprüngliche Höhe von 3,66 cm rekonstruiert werden. Diese Pfeiler aus dem sog. Streitwagenhof in Qantir/Piramesse (Hof Q I) trugen eine umlaufende Bedachung.

Die Inschrift besteht aus der Titulatur und dem Namen von Sethos I. , die aber von dessen Sohn und Nachfolger Ramses II. überarbeitet und für sich geändert worden sind. (1)

Bild:  Courtesy of www.meretsegerbooks.com 

Über einen Antiquitätenhändler kamen Fayence-Intarsien in den Louve (Paris), die evtl. zu einer Palasttür von Sethos I. gehörten. Der Händler behauptete, sie stammten aus Qantir (siehe L. Habachi, ZÄS 100, 1974, S. 101-102 und PM IV. 9). Diese Behauptung wurde durch die Entdeckungsgeschichte und das Vorhandensein einer Fabrik für die Herstellung von Fayence in Qantir bestätigt, die alle auf der Regierungszeit von Sethos I. zurückgeführt wurden (2). Die Fayence-Intarsien gehörten zu mehr als einer Tür - einige von ihnen, die aus einem Türsturz stammen, sind mit Sternen und mit dem Horusnamen von Sethos geschmückt, während andere von den Türpfosten die fünfteilige Titulatur des Königs und den heraldischen Pflanzenmotiven von Ober- und Unterägypten als Inschrift und Verzierung trugen. Daraus kann geschlossen werden, dass Sethos eine offizielle Residenz an dem Ort errichten ließ, der von seinem Sohn Ramses II. später als offizielle Hauptstadt Piramesse diente. 

Fayence-Intarsien für eine Palasttür oder ein Tor mit der Titulatur von Sethos I, die evtl. zu einem Palast in Qantir gehörten.
- heute im Museum Louvre/Paris - 

Die beiden Fließen die wohl zur Verkleidung eines Tores gehörten, zeigen den Titel: "König von Ober- und Unterägypten, Herr der beiden Länder" und "[Herr] der Kronen (Sethos, geliebt von Ptah)".

Diese Fliese  zeigt den Beginn des königlichen Horusnamens.


beide Bilder: mit frdl. Dank Merja Attia, Finnland

Des weiteren entdeckte man eine Bauschicht, die Dr. Edgar Pusch als "Streitwagengarnison" bezeichnete (1). Innerhalb eines "Streitwagenhofes" fand man einen oktogonalen Pfeiler aus Kalkstein mit einer Höhe von ca. 2,50m - der anhand der Beschriftungen (im Vergleich zu weiteren Fragmenten) auf eine ursprüngliche Höhe von 3,66m (also exakt 7 Ellen) rekonstruiert werden konnte. Der Pfeiler im Streitwagenhof vom Bezirk Q I trug eine umlaufende Bedachung und eine Inschrift, die aus der Titulatur von Sethos I. bestand, welche dann später von seinem Sohn und Nachfolger Ramses II. überarbeitet und zu seiner eigenen Titulatur umgeschrieben wurde. Die Streitwagenanlage selber scheint aber erst in der Regierungszeit von Ramses II. genutzt worden zu sein - aber evtl. wurde die Streitwagenhalle während der Zeit von Sethos I. errichtet.

Qantara-Qantir-Auaris/Tell-el-Daba:

Sethos I. erneuerte den Tempel des Seth von Auaris, der bis zu dieser Zeit nicht viele Anhänger hatte, um den Gott, von dem die 19. Dynastie ihrer Königsideologie entsprechend abstammte, eine neue glanzvolle Residenz zu verleihen. Evtl. aus diesem Tempelbau des Seth stammt ein Barkenuntersatz von Sethos I. aus Quarzit, der mit vier Weiheformeln beschrieben ist. Habachi war der erste, welcher dieses Objekt als einen Barken-Sockel identifizierte - der in der Ägyptologie als "sqA" bezeichnet wird. Der Name und die Epiteta von Sethos I. waren zwar ausgehackt, aber Habachi konnte trotzdem das beschädigte Epithet "Herr von Avaris" lesen und damit die wahrscheinliche Herkunft bestimmen (siehe L. Habachi, ZÄS 100 - 1974, 95-102; Naville 1887, 21, Pl. 9D). (2)

Zwei Seiten zeigen den König beim Ritual des "smA-tA.wj" (der Vereinigung der beiden Länder), die anderen Seiten bilden ihn vierfach beim Stützen des Himmels ab. Auf jeder Seite verlaufen an den Flächen Inschriftenbänder, die sich - oben in der Mitte beginnend - an den senkrechten Kanten des Blockes entlang nach unten ziehen. Dieses Stück befindet sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien (Inventary-Nr. leider unbekannt). 

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Im archäologischen Museum in Ismailiya (Suez), Inventar-Nummer 2249, befindet sich ein ungewöhnliches Objekt aus Quarzit, das in Qantara gefunden wurde und das mit einigen Bauinschriften beschriftet ist. Der älteste Königsname auf diesem Objekt ist der von Sethos I. und daher ist anzunehmen, dass er ursprünglich unter dessen Regierungszeit geschaffen wurde. Es handelt sich um einen 2m hohen Untersatz, auf dessen Oberseite ursprünglich eine Falkenfigur aufgestellt wurde. Die obere Plattform ist von einer Hohlkehle eingefasst. Unterhalb davon befinden sich Ritualszenen, welche Sethos I. beim Weinopfer vor dem Gott Horus von Mesen zeigt und des weiteren  Krönungsszenen von Sethos I. und Ramses I., dem Vater und Vorgänger von Sethos I. Die Bauinschriften sind auf dem Block in Kolumnen auf den Seitenflächen wie auch als umlaufendes zweizeiliges unteres Inschriftenband angebracht. Eine Weiheformel Sethos I. in fünf Kolumnen mit rechts verlaufenden Hieroglyphen befindet sich auf der Vorderseite des Untersatzes (3).

Ramses II., der Sohn und Nachfolger Sethos I. fügt später unterhalb der Inschriften von Sethos I. seine eigenen Weiheformeln an. Diese gehen von einem Anchzeichen in der Mitte auf den beiden Seitenflächen weiter.

Eine Statuenbasis aus Quarzit von Ramses II., welche dem Horus von Mesen geweiht ist, wurde in Qantara/Qantana gefunden, die K. Kitchen zufolge gut zu dem Falkenuntersatz passen würde, da der Weihetext und der Stiftungsempfänger jeweils identisch sind (KRITANC I, 91 in Bauen, Stiften, Weihen, S. 558)

Dieser in Qantara gefundene Untersatz ist sehr interessant, weil hier ein Denkmal aus dem Delta vorliegt, auf dem die drei ersten ramessidischen Könige (Ramses I., Sethos I. und Ramses II.) präsent sind - gleichzusetzen mit der 400-Jahr-Stele aus Piramesse (3).

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Die 400-Jahr-Stele:
Die sogenannte 400-Jahr-Stele stammt ebenfalls aus der ramessidischen Hauptstadt Piramesse, aber der originale Aufstellungsort in der Stadt ist heute nicht mehr bekannt. Die Stele wurde 1863 von Auguste Mariette in Tanis entdeckt, wohin sie nach dem Umzug von Piramesse in die neue Hauptstadt verschleppt wurde. Mariette kopierte die Stele und vergrub sie dann wieder unter dem Sand von Tanis, wo sie 1933 von Pierre Montet wiederentdeckt und in das Museum Kairo gebracht wurde.

Ramses II. ließ diese Stele in Erinnerung daran aufstellen, als sein Vater und Großvater noch als Beamte unter König Haremhab in der Delta-Residenz das 400jährige Jubiläum der „Thronbesteigung“ des Gottes Seth gefeiert hätten. Seth ist auf dieser Stele in semitischer Tracht dargestellt, er ist also ein Baal. Die Einfügung des Baal-Kultes in der Gegend von Auaris hat nichts mit den Hyksos zu tun. Er wurde von semitischen Nomaden nach dem Ostdelta wahrscheinlich schon 70/60 Jahre früher gebraucht worden. 

Bei der 400-Jahr-Stele liegt einer der wenigen Fälle vor, in welcher von die Stele selbst berichtet wird und zeichnet sich durch einen Erzählstil aus, in dem berichtet wird, dass man sie in Auftrag gegeben hatte, um den Namen Sethos I. darauf für die Nachwelt zu erhalten. In dem Stelentext datiert Sethos die Stele - mit Billigung von Ramses II. - zum "Jahr 400, vierter Tag des 4. Monats der Überschwemmungszeit eines Königs namens Aa-pethi-seth Nubi (Groß ist die Stärke von Seth, der von Ombos"). Dieser unbekannte König kann aber niemand anders sein, als der Gott Seth selbst.

Die komplette Übersetzung der 400-Jahr-Stele in englisch ist hier zu finden  .

Um-Zeichnung der 400-Jahr-Stele

Im Bildfeld der Stele befindet sich ein Relief, das Ramses II. beim Weinopfer vor dem Gott Seth in seiner asiatischen Form seiner Erscheinung zeigt, d. h. er wird hier nicht mit seinem charakteristischen Seth-Kopf dargestellt, sondern als Baal mit menschlichem Kopf. Seine Züge sind nicht unbedingt ägyptisch, sondern eher fremdländisch, wie man es von einem Gott aus fremden Ländern zu erwarten hat: zurückweichende Stirn, zurückweichendes Kinn, eine dicke Nase und dicke Lippen. Das mit Quasten verzierte Kleid ist exotisch. In der rechten Hand hat er ein Anchzeichen und in der linken das was-Zepter, wie es die ägyptischen Götter haben.

Hinter Ramses II. ist Sethos I. als Beamter vor seinem Herrschaftsantritt dargestellt, welcher hier als Stifter der Stele fungiert. Er hat beide Hände im Anbetungsgestus erhoben und führt damit die passende Geste zu dem im Text aufgeführten Gebet eines Wesirs namens Sethos aus. Die Inschrift im unteren Teil der Stele sagt, dass Sethos, der Sohn von Paramessu und Tia, gekommen ist, um Seth zu verehren und an dieses Ereignis zu erinnern, in dem er die Granitstele errichten ließ (Quelle: (4) - Wallis Budge 1902/An History of Egypt, part III. and James H. Breasted, 1906e, Ancient Records of Egypt vol. III. Chicago)

Bild: public domain
The author died in 1934, so this work is in the public domain in its country of origin and other countries and areas where thecopyright term is the author's life plus 80 years or less.This work is in the public domain in the United States because it was published (or registered with the U.S. Copyright Office) before January 1, 1923.

 

Bubastis:

In Bubastis wurde 1891 von der Egypt Exploration Found ein Block in versenktem Relief aus rotem Granit gefunden (evtl. ein Türsturz aus einem Tempelrelief), der aus der Zeit Amenophis II. stammt und der von Sethos I. mit zwei Inschriften versehen wurde - nachdem er die Amarna-Zerstörungen an den Figuren des Amun beseitigt hatte. Die Darstellungen zeigen den König (Amenophis II.) mit der Blauen Krone auf dem Haupt, der rechts vor Amun-Re steht mit einem Weinopfer in den Händen. Die linke, gegengleiche Opferdarstellung des Königs ist verloren. In der Mitte des Reliefs - zwischen den beiden Rücken an Rücken sitzenden Amun-Figuren befinden sich zwei Textkolumnen mit einer Renovierungsinschrift von Sethos - wobei die Zeichen jeweils zur Gottesdarstellung orientiert sind. 

Der Block wurde in Bubastis gefunden und ist dort in späterer Zeit wiederverwendet worden. Der in der Bildmitte dargestellte "Imn-Ra.w Hrj-jb Pr.w-nfr" (Amun-Re, Oberster von Peru-Nefer) macht eine Herkunft aus Memphis aber sehr wahrscheinlich. Das Gebiet von Per-nefer schließt an das Hafengebiet an und lag südlich des großen Ptah-Tempels (3). 

Das Relief selber ist gut erhalten, abgesehen von großen Verlusten auf der linken Seite und leichten Beschädigungen am rechten Rand. Es gibt keine Farbspuren mehr. Der Block hat eine Höhe von 0,91m und eine Breite von 2.00m. 

Der Block mit Inschriften und Reliefdarstellungen aus Bubastis befindet sich heute im Britischen Museum (EA 1103).

 Block in versenktem Relief mit Renovierungsinschrift von Sethos I.
- Britische Museum EA 1103 - 

Foto: temple-relief: thanks to Trustees of the Britisch Museum
(Lizenz: CC-BY-NC-SA 4.0)

 

Umzeichnung der Inschriften auf dem Block aus Bubastis

Foto: temple-relief: thanks to Trustees of the Britisch Museum
(Lizenz: CC-BY-NC-SA 4.0)

 

Tell Birka

Dieser Ortsname ist arabisch und bedeutet "der See" und liegt bei Khatana, nahe Faqus im im östlichen Delta. Naville fand 1887 in der Nähe von Auaris (der alten Hxyksosstadt), mehrere Blöcke mit Kartuschen von Sethos I. und Siamun, davon auf einem Block, der sich in einem gepflasterten Bereich mit sechs Säulenbasen befand, die Doppelkartuschen von Sethos I. Er stammt entweder aus einem Tempelbau oder einem Gebäude, ähnlich dem in Qantir errichteten Palast (PM IV, 9) (siehe Navilole 19878, 21, Pl. 9D) (2).

Kom Sheik Raziq:

Der schottische Ägyptologe Campbell Cowan Edgar, (1870.1838), und spätere stellvertretender Antikendirektor des Museums Kairo fand 1914 in Kom Sheik Raziq (in der Nähe von Auaris) zwei Blöcke, die von einer kleineren Struktur stammen, die Sethos in Auaris bauen ließ, woher die Blöcke wahrscheinlich stammten. Die Inschriften auf den Blöcken bestehen aus dem Thron- und Geburtsnamen von Sethos I. mit Titeln und Epitheta, mit Namen und Titeln von Sethos I. die in entgegengesetzter Richtung angeordnet sind, was darauf hindeutet, dass sie Türpfosten waren (PM IV, 10) (C. C. Edgar, ASAE 13, 1914) (2). 

El-Mineiar:

Der schottische Ägyptologe S. Adam fand in den 50ziger Jahren des 20. Jahrhunderts in dem Areal von El-Mineiar einen Kalksteinblock mit den Kartuschen von Sethos Il, der wahrscheinlich aus dem Türpfosten eines zerstörten Tempels in El-Mineiar stammt. Adam fiel hier insbesondere ein Gebiet mit vielen Kalksteinsplittern auf, was vermuten ließ, das sich hier einst ein größeres Gebäude befand, das in späterer Zeit abgebaut und der Kalkstein verbrannt wurde. Andere Blöcke mit den Namen von Ramses II. und Merenptah könnten darauf hinweisen, dass es sich um einen Tempelbau handeln könnte. Kenneth Kitchen vermutet, dass El-Mineiar eine Siedlung oder Zwischenstation auf der Strecke zwischen Heliopolis und Auaris-Pi-Ramesse war (S. Adam, ASAE 55 - 1958) (2). 

Heliopolis:

Sethos I. ließ in Heliopolis (altägyptisch: Iunu; alttestamentlich: On) einige Baumaßnahmen durchführen, zu denen wohl auch ein Kalksteinpylon mit dahinter gelegenen Hof gehörte. Vor der Fassade des Pylons waren Obelisken und Sphingen sowie eine königliche Standstatue aufgestellt (siehe Raue, Heliopolis, 329-331). Diese Baumaßnahmen sind durch eine rechteckige Basisplatte mit später rekonstruierten Aufbauten aus rotem Quarzit (B. 87,5cm, L. 112cm und H. 28cm) überliefert. Die genauen Fundumstände des Objektes sind unklar. Es wurde in den 70ziger Jahren des 19. Jahrhunderts von William Shaw in Tell el Yahudiya (ca. 30 km nordwestlich von Heliopolis) erworben und in die USA gebracht, wo es 1875 erstmalig publiziert wurde (siehe W. Shaw, "The Temple of Heliopolis", in: The Overland Monthly XIV (1875, 441-442; 478-479). Die Sockelplatte wechselte später mehrmals ihren Besitzer und nahm ihren Weg durch diverse Veröffentlichungen. 1949 erwarb ein Amerikaner mit Namen Cooney das außergewöhnliche Objekt aus einer kleinen Sammlung für das Brooklyn Museum in New York. 1972 wurde das sogenannte "Tempelmodell" in einer umfangreichen Studie von Badawy bearbeitet. Albert Fehrenbacher ergänzte die fehlenden Elemente nach den Vorgaben von Badawy und heute ist - neben dem Original - eine Rekonstruktion des Objektes im Brooklyn Museum New York ausgestellt. (Charles Wilbour Fund 1949.490.183 und 66.228 [Rekonstruktiuon]) (Quelle: Ägypten-Münster: kulturwissenschaftliche Studien zu Ägypten/ Erhard Graefe, Artikel: Alexandra Verbovsek: Eine erhabene Kultstätte in der Art des Himmelshorizontes).

Votiv-Modell aus Heliopolis (Rekonstruktion)

heute im Brooklyn-Museum New York ( 66.228) Charles Edwin Wilbour Fund - 
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Obwohl das Architektur-Modell in Tell el Yahudiya aufgefunden sein soll, scheint der ursprüngliche Aufstellungsort Heliopolis gewesen zu sein, denn die Inschriften auf dem Sockel verweisen auf diesen Standort. An drei verschiedenen Stellen wird "Atum, der Herr der beiden Länder von Iwnu (Heliopolis) genannt und Iwnu als "Ruhestätte der beiden Horizonte" beschrieben, "in der die Herren von Heliopolis verweilen". (Quelle Alexandra Verbovsek - siehe oben).

Bei der Frage nach der Funktion des Objektes, soll es sich nach Breasted und Badawy (A. Badawy, op.cit, 7 ff) um ein Kultgerät gehandelt haben, während Dieter Arnold (Die Tempel Ägyptens: Augsburg 1996) es eher als ein Architekturmodell oder Votiv sehen möchte. P. J. Brand hält das Objekt ebenfalls für ein Ritualgegenstand oder ein Votiv (P. J. Brand, op.cit., 144). Es dürfte sich hierbei wohl um ein Votiv oder Weihegeschenk an den Sonnengott von Heliopolis gehandelt haben, das von Sethos I. gestiftet und im Kontext eines Tempels aufgestellt wurde und ein späteres Bauvorhaben des Königs ankündigen sollte. Dieses wird ersichtlich durch einen eulogischen Widmungsvermerk auf dem Sockel, deren Schriftzeichen zur Rückseite des Modells orientiert sind (siehe dazu S. Grallert, Bauen-Stiften-Weihen, S. 541).

Die Widmungsinschrift auf der rechten Sockelseite berichtet über die Herstellung des Tempelmodells, während die Inschrift auf der linken Seite des Sockels von den realen Baumaßnahmen Sethos I. berichtet. In wie weit diese Baumaßnahmen vollendet wurden lässt sich archäologisch nicht nachweisen, da der Tempelbereich in diesem Gebiet unzureichend erforscht ist. 

Sockel eines Votivs oder Architekturmodells

Ursprünglich standen in den exakt ausgeführten Vertiefungen der steinernen Basisplatte des Modells verschiedene Architektur-Elemente aus Stein, Holz und anderen Materialien, die heute leider verloren sind. Den Aussparungen zufolge, die sich auf der Oberseite des antiken Modellsockels befinden, lässt sich ein Pylontor rekonstruieren, vor dem zwei Obelisken und zwei stehende Königsstatuen im Festgewand standen sowie zwei Paar Sphingen lagen. 

Foto: Model of a Temple Gateway transp1764.jpg
Brooklyn Museum, Charles EdwinWilbourFund, 49.183
Lizenz: Creative Commons-BY
Fair use, as understood under the United States Copyright Act,

 



U
mlaufenden Darstellungen  zeigen Sethos I. in tiefer Verbeugung kniend auf dem Boden. Er hält in seinen Händen ein Opfertablett mit Gaben für die solaren Götter Re-Harachte, Chepri und Atum. 

Die Inschrift gibt darüber Auskunft, um welches Gebäude es sich hier handelt (6):


Foto: Model of a Temple Gateway transp1764.jpg
Brooklyn Museum, Charles EdwinWilbourFund, 49.183
Lizenz: Creative Commons-BY
Fair use, as understood under the United States Copyright Act,

 

"Der vollkommene Gott (= Sethos I.), der Denkmäler macht für seinen Vater Ra-Harachte, indem er einen Tempel aus schönem Quarzit erbaut mit einem doppelten Pylon aus weißem Kalkstein, Torflügel aus Bronze, zwei Flaggenmasten aus Grauwacke (?), der in Heliopolis, dem Horizont des Himmels, eingerichtet wurde. Die Mächte von Heliopolis jubeln bei (seinem) Anblick". 

Zitat aus: Kemet 3/2009, Autor Thomas Kühn

Von dem Obeliskenpaar, das Sethos I. vor seinem neuen Pylon errichten lassen wollte, konnte einer jedenfalls erst unter seinem Sohn und Nachfolger Ramses II. vollendet werden. Ramses ließ auf der Ostseite des Obelisken eine parenthetische Widmungsinschrift anbringen und nutzte gleichzeitig die Gelegenheit, die freien Flächen auf der Nord- und Südseite mit seinem eigenen Namen beschriften zu lassen. Auf der Hauptansichtsseite setzte er eine zusätzliche Inschriftenreihe links und rechts hinzu. Es handelt sich bei der Inschrift um eine Anrufung des Gottes Horus, in der auch erwähnt wird, dass sein Vater Sethos den Obelisken in Iunu (Heliopolis) aufstellen ließ. 

Das Gewicht des erhalten gebliebenen Obelisken in Rom  beträgt 235 Tonnen, bei einer Höhe von
32,77m (nach Habachi: Die unsterblichen Obelisken,S. 156) / 23,90m hoch (mit Basis und Kreuz 36,50m)

Der Obelisk auf der Piazza del Popolo (heutiger Name: "Obelisco Flaminio") war der erste seiner Art überhaupt, der im Jahre 10 im Auftrag von Kaiser Augustus aus Ägypten verschleppt und nach Rom transportiert wurde, um gemeinsam mit dem "Lateran-Obelisken" auf der Spina des Circus Maximus aufgestellt zu werden. Dort stand er bis ins frühe Mittelalter, bis er irgendwann umstürzte und unter dem Schutt des Circus Maximus unter Erde und Abfälle begraben wurde. 1471 wurde er von Leon Battista Alberte entdeckt, aber wieder vergessen, bis ins Jahr 1587 als er im Schutt des Circus Maximus ausfindig gemacht und 1589 im Auftrag von Papst Sixtus V. an seinem heutigen Standort auf der Piazza del Popolo verbracht und von dem Architekten Domenico Fontana dort aufgestellt wurde (Quelle: Wikipedia).

Der Obelisk Sethos I. im Circus Maximus

Bild: Atlas van Loon - gemeinfrei (1. Jan. 1649)

 

Obelisk Sethos I. auf der Piazza del Popolo

Er wurde 1589 im Auftrag von Papst Sixtus V. an seinen heutigen Standort verbracht und wurde durch seinen Architekten Domenico Fontana dort aufgestellt. An der Spitze ließ er sein Wappen, drei Berge gekrönt von einem Stern anbringen. Zwei Seiten der Basis zeigen noch die Weiheinschrift aus dem Jahren 10/9 v. Chr., die darauf hinweist, dass Kaiser Augustus den Obelisken - nach der Eroberung Ägyptens durch die Römer - nach Rom bringen ließ und ihn der Sonne zum Geschenk gegeben habe. (Quelle: Wikipedia)

Bild: saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

wird weitergeführt....

Quellen und Literatur:
1. Forschungen in der Ramsesstadt - Die Grabungen des Pelizaeus-Museum Hildesheim/Edgar Pusch/M. Bietak/
    Sonderreihe Antike Welt, Mainz 1993
2. The Monuments of Seti I: Epigraphic, Historical, and Art Historical Analysis / Peter James Brand, Brill-Verlag 2000
     (Buchvorschau-Version)
3. Bauen-Stiften-Weihen, Silke Grallert, Textband, Achet-Verlag Berlin, 2001
4. engl. Wikipedia - Year-400-Stele
5. deutsche Wikipedia - Obelisco Flaminio,
6. Kemet, Jahrgang 18, Heft 3, Juli 1009 (Autor Thomas Kühn/Die Obelisken von Heliopolis, S.  35)