Biografie Psusennes I.


Tanis Allgemein 


Schoschenq I.

(Bilder oben: links/Mut - rechts/ John Campana - siehe unten  )

(Quellen und Anmerkungen, die im Text markiert sind, befinden sich am Ende der Seite)

Der Name des 4. Königs der 21. Dynastie lautete nach der manethonischen Überlieferung: Amenophtis/ Amenophthis. Wenn man Manetho folgt, hat Amenemope neun Jahre regiert.

Ob dieser König wirklich ein Sohn Psusennes I. und dessen Gemahlin Mutnedjmet war, ist nicht gänzlich gesichert. Auch die von K.  A. Kitchen (er bezieht sich dabei auf den Papyrus Brooklyn 16.205), Hornung, W. Helck und Beckerath angenommene Mitregentschaft mit Psusennes I. ist umstritten. Es sieht so aus, als ob Amenemope nach dem Tode des Psusennes I. auf den Thron Ägyptens kam - dieses wird aus dem Fragment einer fragmentarischen Aufschrift auf einer Mumienbinde (nach Darassy) erschlossen, die heute verschollen ist.
(Mumienbinden Kitchen, 3rd Interm. Period, § 387 Nr. 47):

"[Jahr 1/2 ]  Amenemopet = Jahr 49 [Psusennes I]“  oder
"[Jahr X]  Amenemopet (=) Jahr 49 [Psusennes I.]“  oder
„[Jahr 1 (?)] Amenemopet  =  Jahr 49 [Psusennes I.]“

Dies würde eine 1 bis 2 jährige Koregenz (bis 991) bedeuten, da ihm Manetho 9 Jahre zuweist, müsste für Amenemope 9 Jahre Alleinherrschaft bis + 2 Jahre, also 11 Jahre verrechnet werden.

K. Jansen–Winkeln bezieht das „Jahr 49“ der Mumienbinde nicht auf Psusennes I. sondern auf den Hohenpriester des Amun Mencheperre, was den Befund natürlich vollkommen verändern würde. Für Amenemope sind ziemlich sicher 10 Jahre belegt – nach K. Jansen–Winkeln könnte der betreffende Beleg auch zu König Siamun gehören – damit bliebe aber immer noch 9 gesicherte Jahre für König Amenemope übrig (3).

Aus dem 2. Jahr König Amenemopes stammt das Graffiti Nr. 1405 aus Theben–West, eines Schreibers mit Namen Anchefenamun. Auf einer Mumienbinde mit dem Namen des Hohenpriesters des Amun, Pinudjem II., befindet sich ein teilweise zerstörtes Datum eines „Jahr 5“ oder „Jahr 6“, das wohl Amenemope zuzuweisen ist. Auf einer Mumienbinde mit dem Namen des Hohenpriesters des Amun, Pinudjem II., befindet sich ein teilweise zerstörtes Datum eines „Jahr 5“ oder „Jahr 6“, das wohl Amenemope zuzuweisen ist.

Eine Mumienbinde mit einem „Jahr 10“ und dem Namen des Hohenpriesters des Amun Pinudjem II. (falls dieses Datum nicht wie K. Jansen–Winkeln meint, zu König Siamun gehört) könnte aus dem letzten unvollendeten Jahr König Amenemopes stammen, doch ist eben auch eine Zuweisung an König Siamun möglich. 

In die Regierungszeit König Amenemopes fällt die Amtszeit des Hohenpriesters des Amun namens Smendes (II.) eines Sohnes des Hohenpriesters des Amun, Mencheperre, dies bezeugt eine Inschrift am 10. Pylon zu Karnak. Smendes (II.) muss jedoch bald verstorben sein, da bereits in 5 Jahr (?) Amenemopes, Pinudjem II. ebenfalls ein Sohn des Mencheperre und Bruder des Smendes ( II.), Hoherpriester des Amun in Theben war (Mumienplakette aus Deir el – Bahari). König Amenemope führte in Tanis den Titel eines Hohenpriesters des Amun.

Dr. Aidan Dodson (siehe Afterglow, Seite 68) (2) vermutet, dass König Psusennes, alters- und krankheitsbedingt durch Arthritis und Probleme mit seinem rechten Fuß, sowie eine Anzahl von Zahnabszessen - seinen evtl. Sohn Amenemope als Koregenten ernannte. Basierend auf den fragmentarischen Mumienaufschriften wird von einigen Forschern vermutet, dass Amenemope ab diesem Zeitpunkt seine Regierungsjahre zählte - im Gegensatz zu der sonst üblichen Zählweise der früheren Koregentschaften in Teilen der früheren Dynastien. Die Dauer der evtl. Koregentschaft ist ungeklärt (2). 

Nach der Analyse seines Skeletts durch Dr. Douglas Derry (1942 - "Report on skeleton of king Amenemopet - Annales du Service des Antiquités L'Egypte. 41., p.149) war Amenemope ein gut gebauter Mann, der ein ziemlich fortgeschrittenes Alter erreichte. Nach Derry scheint es so, dass der König unter Infekten im Schädelbereich litt (u. a. Zahnabzesse), die dann zu einer Meningitis und schließlich zu seinem Tod führten.

Außenpolitisch tritt er nicht in Erscheinung. Lediglich die im Alten Testament erwähnte Asylgewährung für den edomitischen Kronprinz Hadad wird ihm zugeschrieben (1). Aus späterer Zeit ist eine Weisheitslehre überliefert, deren Verfasser König Amenemope gewesen sein soll - sie umfast dreißig Kapitel. Die Sammlung ist erfüllt von innerer Seelenruhe und sanfter Frömmigkeit. Manche Gelehrte sind der Überzeugung, dass diese Weisheitslehre für die Sprüche salomonisch als Vorbild gedient haben könnten. Diese Zuweisung ist aber rein hypothetisch und nicht belegbar.

Während seiner Herrschaft als König führt Amenemope den Titel "Hohepriester des Amun von Tanis" - wie es auch Psusennes I. vor ihm tat. Die Autorität Amenemope wurde auch in Theben - hier regierte zu dieser Zeit der Hohepriester des Amun, Smendes II., gefolgt von seinem Bruder Pinedjem II. (siehe Kitchen § 388-389 in (1), vollständig anerkannt.  Sein Name erscheint auf Grabbeigaben von mindestens neun thebanischen Gräbern, wie z. B. in dem des Kapitän der Barke des Amun, Pennestawy - aus dem 5. Regierungsjahr König Amenemope (1). 

König Amenemope ist abgesehen von seinem Grab in Tanis und den oben erwähnten thebanischen Bestattungen ein recht schlecht belegter Herrscher. Er führte die Dekorationen in der Kapelle der Isis "Herrin der Pyramiden in Giza" fort und erweiterte einen der memphitischen Tempel.

Von Amenemope sind uns weder Kinder noch seine Frauen überliefert. Sein Nachfolger war ein ziemlich unbekannter König mit dem Namen "Osochor der Ältere". 

Regierungs- und Familiendaten Amenenopes

Regierungszeit um 996/95-985/84 v. Chr. nach Jürgen von Beckerath
Dynastie 21. Dynastie ( III. Zwischenzeit)  
Vorgänger Psusennes I.   
Nachfolger Osochor "der Ältere"  
Vater evt. Psusennes I.  
Mutter evtl.  Mutnedjmet   
Ehefrauen unbekannt   
Geschwister evtl. Ramses-Anchefenmut, Oberfeldherr von Psusennes I. 
(wenn Psusennes I. der Vater von Amenemope ist)
 
Kinder unbekannt  

 

Namen Amenemopes
 ( nach von Beckerath/Handbuch der Pharaonen und Schneider/Lexikon d. Pharaonen)
Thronname: Wsr-mAa.t-Ra stp.n-Jmn
(User-maat-Re setep-en-amun)
"mächtig an Maat, ein Re /
Mächtig ist die Maat des Re
Eigenname: Jmn-m-jpAt mrj-Jmn
(
Amenemope-meriamun)
Amun ist in Luxor -Geliebter des Amun / Amun ist beim Opetfest

 

Bautätigkeit:

 

Tanis:

In Tanis fand man einen Kalksteinblock, der aus dem Tempel des Amun von Opet stammt - er zeigt den Thron- und Geburtsnamen von König Amenemope. Die Darstellungen zeigen den König opfernd vor Amun. Darüber Inschriften mit seinen Kartuschen (Quelle: Jansen-Winkeln, Inschriften der Spätzeit, Bd. I. - nach J. G. Westenholz, Royal Cities of the Biblical World, Jerusalem 1996, 145, Fig. 27)

Giza:

Unter der Regierung Amenemope wurden die von seinem Vorgänger begonnenen Vergrößerungen des Tempel der "Isis, Herrin der Pyramiden" vor der Königinnenpyramide G Ic vollendet. Erhalten blieben einige Architekturfragmente, die seinen Namen tragen und heute über die ganze Welt verstreut sind, u. a. ein Relieffragment im Museum Kairo JdE 4748 (Quelle: PM III, 18)

Auch im Neuen Museum Berlin befinden sich Fragmente dieses Tempelchen - eine Türlaibung (Berlin 7973 - PM III, 18); ebenso im Museum Fine Art in Bosten - Türpfosten- und Säulenteile (Exp.N. 26-4-12; 29-7-3; 29-7-6 und Exp.N. 37-7-1276 und 30-12-104) - des weiteren Säulenteile, heute im Museum Kairo (TN 16/2/25/6 der König opfert vor Ptah und Isis) - (TN 16/2/25/7 = JdE 28161 der König opfert Wein vor Osiris und Isis), Säulenteil mit Opferdarstellung: der König opfert die Maat an Ptah (Kairo TN 16/3/25/19 = JdE 28161) und der König vor Osiris (Kairo TN 16/3/25/7 = JdE 28162)

Da der Name Amenemope außerhalb von Tanis und Giza ansonsten kaum vorkommt, ist es wahrscheinlich, dass ein Kalksteinfragment, das sich heute im Museum von Edinburgh befindet, ebenfalls aus Giza stammt. Das Fragment zeigt Thron– und Geburtsnamen des Königs, sowie die Darstellung des Sphinx mit Königskopftuch und Götterbart und einem verzierten Überwurf auf den Schultern. Darüber sieht man das geflügelte Udjat–Auge, ein Anchzeichen in der ausgestreckten Hand. Vielleicht handelte es sich um das Bruchstück eines Türsturzes, an dem die königlichen  Kartuschen zwischen zwei Szenen angebracht waren (Relieffragment Edinburgh 1961.1069) - (siehe Jansen-Winkeln, Inschriften der Spätzeit, Bd. 1 - nach Zivie-Coche)

Memphis:

Aus Memphis im Gebiet von Mitrahina (Ptah–Tempel), stammt ein Block mit der Darstellung der Göttin Sachmet und den Namen Amenemopes (heute im Museum von Kairo, TN 3/7/24/11)

Theben:

Auf einer der Sphingen (Nr. 20) aus der Allee vor dem Muttempel in Karnak befinden sich auf der Vorderseite der Statuette rechts und links eine Kolumne, welche die Kartuschen Amenemopes trägt (Quelle: Jansen-Winkeln - Inschriften der Spätzeit, Bd. 1 - nach Cabrol, Karnak X, 1995, 45-6)

Sonstige Gegenstände:
aus anderen Bestattungen mit dem Namen Amenemopes -
(alles nach Jansen-Winkeln, Inschriften der Spätzeit, Bd. I.)

Unter den Fundstücken der Grabausstattung von Prinz Hornachte, dem Sohn König Osorkons II. in dessen Grab NTR I., fand sich eine kleine Horusstatuette, die die Namen Königs Amenemope zeigt – heute Kairo, JdE 87142/Fundnummer 88 (4).

Auch in der Bestattung des Pa-di-amun in Bab el-Gasus (2. Cachette) - A.24, fanden sich Nennungen mit dem Namen des Königs - (Sargensemble Kairo J.29623; Niwinski 1996) ebenso wie in den Bestattungen des Nes-Chonsu (Bestattung A.42), des Amun-nesut-nacht (Bestattung A.81), des Chonsu-mesiu (Bestattung A.82), des Amun-Hat-(pa)-mesu aus der Zeit des Siamun (A. 124) - wobei hier nach Jansen-Winkeln (4) auf einem Leichenband aus der Zeit Amenemope (siehe Daressy, ASAE 8, 1907, 33) seine Kartusche steht. Jansen-Winkeln führt in (4) noch weitere nicht-königliche Bestattungen auf, in denen Amenemope genannt wird.

Grab- und Grabausstattung:

Amenemope ließ sich zunächst innerhalb des Tempelbezirks von Tanis ein kleines Einkammergrab (Gruft IV.) in unmittelbarer Nähe des Grabes Psusennes I. – an dessen Nordwestecke gelegen – anlegen. Vermutlich wurde er später durch König Siamun in die ursprünglich für Mutnedjemet (die Königin von Psusennes) vorgesehene Kammer im Grab Psusennes I. umgebettet (Quelle: Kitchen und Goyon)

Grabungsfoto 1942

In der Mitte ist der Deckel des Sarkophags des Amenemope aufgestellt zu erkennen - links davon, an der Bildecke ist die zum Teil aufgedeckte Grabanlage des Königs zu sehen.

Bild: Pierre Montet: "La necropólis des rois Tanitas, Kêmi 9 (1942) pp. 3-96 (PL. XI)

 

Sarkophag aus gelbem Quarzit mit Deckel
- Fotomontage von Dr. Aidan Dodson - 

Obwohl die Grabanlage NRT IV. unvollendet blieb, fand das Team von Pierre Montet in NRT IV. einen schönen Sarkophag aus gelbem Quarzit. Die Sarkophagwanne stammt aus dem frühen Mittleren Reich, der Granitdeckel wurde aus einer beschrifteten Platte aus dem Alten Reich geschnitten und befindet sich heute auf dem Boden neben der Sargwanne im Open Air in Tanis. 

Photo: with many thanks to Dr. Aidan Dodson for photo and information
- alle Rechte vorbehalten -

 

Ursprüngliches Grab Amenemope
NRT - Grab IV.

Der Sarkophag in Grab IV. trägt Inschriften für König Amenemope: auf der Sargwanne rechts (siehe Karl Jansen-Winkeln - Inschriften der Spätzeit, Bd. I.)

Ein Bild der Sarkophag-Wanne ist in Aidan Dodson: Afterglow of Empire 2012 - Seite 69 zu sehen).

 

Bild:    NRT IV e.jpg
User:   Neithsabes,
 wikipedia - 4. Sept. 2008
Lizenz: CC BY 3.0

Über die Gründe, warum König Amenemope dann doch nicht in dem für ihn geschaffenen Grab bestattet wurde, kann nur spekuliert werden. Es gibt mehrere Möglichkeiten, diesen Umstand zu erklären:

  1. Der König wurde zwar zuerst in seinem für ihn geschaffenen Grabanlage NTR IV. bestattet, dann aber aus uns unbekannten Gründen in die Grabanlage König Psusennes I. NRT III. umgebettet. Die Gründe für eine mögliche Umbettung zu einem nicht bekannten Zeitpunkt könnten gewesen sein, dass man das Grab für nicht mehr sicher hielt, oder es bereits von Räubern heimgesucht worden war.

  2. Die zweite Möglichkeit wäre, dass Amenemope erst gar nicht in NRT IV. sondern gleich nach seinem Tode in NRT III. beigesetzt wurde; eventuell weil seine für ihn vorgesehene Grabanlage zu diesem Zeitpunkt noch unvollendet war ?

   Ursprüngliches Grab Amenemope

Kleines Einkammergrab (Gruft IV.) in unmittelbarer Nähe des Grabes Psusennes I. – an dessen Nordwestecke gelegen.

Bild:   Necropole de Tanis
User:   Neithsabes, wikipedia - 4. Sept. 2008
Lizenz: CC BY 3.0
(bearbeitet durch Nefershapiland 3.2.17)

Unseres Erachtens nach ist die zweite Möglichkeit die Wahrscheinlichere, da die Vermutung, dass eine königliche Grabkammer, die sich innerhalb eines geschlossenen Tempelbezirks zur Zeit der 21./22. Dynastie befand, geplündert werden konnte, jedenfalls nicht heimlich durch Grabräuber. Die königlichen Grabanlagen in Tanis hatten keine Zugangstreppen, sondern besaßen meist nur einen senkrechten Zugangsschacht und waren somit nur von oben zu betreten. Dieser Zugang (ebenso wie die Decken der Grabanlagen) bestanden aus mehreren tonnenschweren Granitblöcken, womit eigentlich eine heimliche Plünderung des Königsgrabes unwahrscheinlich erscheint.

Die Überlegung einiger Ägyptologen, die erste Grabanlagen König Amenemope wäre durch Grabräuber geplündert worden, unterstellt indirekt einen Verfall der königlichen Autorität in der 21. oder 22. Dynastie - was bedeuten würde, dass es in dieser Zeit nicht mehr möglich war, ihre eigenen Grabstätten zu beschützen. Zumal diese in einem von vornherein nicht für Jedermann zugänglichen Areal innerhalb eines abgegrenzten Tempelbezirk lagen. 

Aber gegenüber der früher vorherrschenden Meinung, ist die 21. Dynastie eine Zeit der Erneuerung und der neuen Ideen - nicht der Dekadenz und der Zerfalls. Auch wirtschaftlich scheint die 21. Dynastie recht dynamisch und erfolgreich gewesen zu sein - was sich auch in den Grabausstattungen der Könige der 21. und 22. Dynastie zeigt, welche nicht gerade ärmlich wirken, sondern ganz im Gegenteil. 

Die spätere Zusammenlegung von Königen in eine Art Familiengrab muss andere Gründe haben, als ein Argument für spärliche Mittel. Einer dieser Denkansätze könnte in einem sog. "Clandenken" der königlichen Familien zu finden sein, die zu dieser Zeit teilweise - wenn nicht wahrscheinlich schon gänzlich - libyscher Abstammung waren. Eine weitere Möglichkeit für die Zusammenlegung wäre eine Gefährdung der Gräber durch das steigende Grundwasser oder einer anderen Bedrohung unbekannter Art, wobei dann Umbettungen in einem gewissen Umfang vorgenommen wurden. Die Umbettung von König Amenemope fand wahrscheinlich unter der Regierung von König Siamun statt (5)

Entdeckung durch P. Montet:

Nach der Entdeckung der Grabanlage Psusennes I. durch P. Montet bemerkte man bei der Untersuchung der Vorkammer, dass sich südlich des Eingans zur Granitgrabkammer Psusennes I. ein weiterer Eingang zu einer anderen Granitkammer, hinter der noch unversehrten bemalten Putzschicht befand. König Faruk bestand darauf, dass dieser Eingang noch kurz vor Ende der laufenden Grabungskampagne geöffnet werden sollte.

Die Spannung war groß. In Anwesenheit von Faruk und seinem Gefolge, darunter Abbe Drioten, der Direktor der ägyptischen Altertümerverwaltung, sollte die Öffnung des Sarkophages erfolgen. Das untere Bildregister auf der Putzschicht stellte nämlich den König Amenemope vor den Göttern Isis und Osiris dar. Tatsächlich stellte man bei der Öffnung der Kammer am 16. April 1940 wie erwartet fest, dass es sich hier um das Begräbnis dieses Königs handelte.

Die Grabkammer war wohl ursprünglich für die Bestattung der Schwester und Gattin von Psusennes I., der Königin Mutnedjmet, die evtl. auch die Mutter von König Amenemope war (umstritten !), vorgesehen. Um Platz zu schaffen, wurde ihr innerer Sarg mitsamt ihrer Mumie entfernt. Ihr Verbleib ist ungewiss. Man ließ den Namen der Mutnedjmet auf den Wänden der Kammer und am Sarkophag ausmeißeln und durch die Kartuschen Amenemopes ersetzen. Jedoch sind die Auslöschungen und Ergänzungen der Inschriften äußerst flüchtig ausgeführt worden. Die Mumie König Amenemope wurde mitsamt dem vergoldeten Holzsarkophag in den Steinsarkophag der Königin überführt und die Grabausstattung auf dem Boden der Kammer verteilt.

Der große rechteckige Steinsarkophag war seinerseits schon  von einem Adligen aus der 19. Dynastie für die Königin übernommen worden. Vor dem Sarkophag standen und lagen kostbare goldene und silberne Kult- und Vorratsgefäße, Gefäße aus Keramik sowie zahlreiche Uschebtis. Offenbar waren alle diese Dinge in großer Eile vor dem Sarkophag niedergelegt worden, bevor man die Grabkammer schloss und diese für fast 3000 Jahre unangetastet blieb.  (6)

16.04.1040 Öffnung der Sargkammer König Amenemope
17.04.1940 Öffnung des königlichen Sarkophags Amenemopes in Anwesenheit v. König Faruk
03.05.1040 Transport der Schätze des Amenemopes nach Kairo

 

Grabausstattung:

Unter den Gegenständen vor dem Sarkophag befanden sich drei silberne Opferständer, ein Kessel, eine Kanne und Kanopengefäße. Viele dieser Dinge sind eindeutig als "wiederverwendet " zu erkennen. So u. a. ein großes Gefäß aus Kalzitalabaster in altertümlicher Form mit zerstörten Inschriften, welches wohl ursprünglich aus dem Grab von König Sethos I. stammte. Keinerlei Rückschlüsse auf die eventuelle ursprüngliche Grabausstattung des Königs erlauben ein paar Lanzenspitzen, die nahe beim Sarkophag lagen, denn in den anderen zum Teil ausgeraubten Gräbern der  tanitischen Könige der 22. Dynastie haben sich keinerlei Waffen befunden. 

Zur allgemeinen Enttäuschung kam bei der Öffnung des Granitsarkophags in Anwesenheit von König Faruk kein Silbersarg, wie bei Psusennes I., zutage, sondern nur ein einfacher Holzsarg. Wegen der hohen Feuchtigkeit im Grab war von dem Holz des Sarges so gut wie nichts mehr erhalten. Er war in sich zusammengesunken und nur das Kopfstück des Sarges blieb erhalten, da es mit dünnem Goldblech belegt war. Dies wirkt heute wie eine goldene Totenmaske (die in der Literatur auch meist so bezeichnet wird), welche die Gesichtszüge von Amenemope bewahrt hat (Mumienmaske: JE 86059 - Blattgold, farbige Steine, Höhe 30 cm). 

Kopfstück des Sarges
mit dünnen Goldblech belegt
JE 86059 Cairo Antiquities Museum

Ein Teil des Holzsarges aus der Bestattung des Amenemope ist erhalten geblieben, da Kopf und Hände mit dünnem Goldblech belegt waren, wodurch die Gesichtszüge des Königs bewahrt blieben.

Die "Maske" besteht aus Goldblech, in das die idealisierten Züge des Königs modelliert wurden. Das runde Gesicht mit dem fast kindlichem Ausdruck wird umrahmt von dem Nemes-Kopftuch, aus dem die Ohren herausragen. Diese stehen viel zu hoch im Vergleich den Augen. 

Bild: mit frd. Dank Mutnedjmet
- alle Rechte vorbehalten -

Diese sehr schöne, aber etwas nüchtern gearbeitete Maske aus Goldblech war ein integrierter Bestandteil des mumienförmigen Sarges aus vergoldeten Holz. Durch die Feuchtigkeit, die in allen tanitischen Gräbern vorhanden war, wurde das Holz des Sarges sowie der größte Teil der Königsmumien zerstört - nur die aus Gold bestehenden Teile wie Hände und Gesicht blieben erhalten. Das Gold verleiht dem idealisierten Gesicht göttlichen Glanz - sozusagen als Symbol der Unsterblichkeit.

Der vollendet ausgeführte Uräus bildet den Blickfang dieser Maske und erhebt sich über der Stirn, ebenso der lange, geschmeidige Körper der Schlange als Beschützerin des Königs. Sie galt als Symbol des glühenden Sonnenauges, das seine Feinde vernichtete. Die Pupillen, die Brauen und die Konturen sind aus Bronze gearbeitet, ebenso die Linien um die Wangen, die das Band für den Zeremonialbart darstellen. Kaum angedeutet sind die Lippen, deren Umrisse nicht betont sind. Während der Restaurierung wurde die Maske auf einem eigens aus Gips modelliertem Kopf befestigt, der ihr jetzt als Stütze dient. 

*

Ebenso wie bei König Psusennes I. wird der Kopf und die Schulter der Königsmumie durch eine aus dünnem Goldblech geschnittene und getriebene Totenmaske bedeckt. Sie ist jedoch von bedeutend schlechterer Qualität und mit ziemlich ausdruckslosen Gesichtszügen und das dünne Goldblech der Maske war zerknittert und zerbeult, konnte aber von den Restauratoren einigermaßen wieder hergestellt werden.

 

Totenmaske König Amenemope

Der König trägt das Nemeskopftuch und einen kleinem goldenen Uräus mit Doppelwindung. Augen, Augenumrandungen und Augenbrauen bestanden aus Einlagen. Die Maske weist weder ein Band noch einen Zeremonialbart auf.

Bild:    
DSC06938.JPG
- Amenemope mask

Autor: John Campana by Flickr-Album
Lizenz: CC BY 2.0 US-amerikanisch

Ebenso wie der Kopf waren auch die Hände, die einst die Herrschaftsinsignien hielten, mit Goldfolie überzogen. 

*

Die königliche Grabausstattung Amenemope ist ähnlich wie die von Psusennes I. - ist aber sehr viel "ärmlicher" ausgeführt - Finger und Zehenhülsen sind nicht vorhanden, ebenso fehlt das goldene Deckblatt, das bei Psusennes I. die Mumie bedeckte. Ein hypothetischer Grund dafür könnte sein, dass bei der Überführung (?) - oder Umbettung - in das Grab von Psusennes I. (NRT III.) viel davon abhanden kam (?). 

Teile der königlichen Grabausstattung 
von Amenemope

In der Mitte: großer Halskragen - aus 11 Perlenschnüren zusammengesetzt. Fundnummer Montet 644
darunter: Kette aus Goldscheiben, Fundnummer 668;
Goldanhänger in Falkenform - Montet 642
ganz rechts oben:
Pektorale - Fundnummer 645 
und Montet 646,
Armbänder: Kairo JdE 86027–86028;
Skarabäen und Armbänder aus Gold.


Bild: mit frdl. Genehmigung saamunra
- alle Rechte vorbehalten

Auf der königlichen Mumie befanden sich zwei Halskragen, zwei Pektorale, zwei Skarabäen, mehrere Herzamulette aus Lapislazuli und Chalzedon (nach Wikipedia: eine faserige, mikrokristalline Gefügevarietät des Minerals Quarz), ein großer, goldener Falke mit ausgebreiteten Flügeln in Einlegearbeit (Zellenschmelztechnik), sechs Armreifen sowie Ringe, außerdem noch mehrere Stöcke. Dazu kamen Gefäße aus Gold und Silber sowie Alabaster und Keramik.

Der König besaß zwei Pektoral - eines davon trug er an einer Kette um den Hals (heute im Museum Kairo JdE 86038=SR 8738). Das Pektoral wurde aus zwei Goldblechplatten gearbeitet, die man an den Borten verlötete, so dass sie ein dünnes, hohles Kästchen bildeten. Die Vorderseite ist in erhabenen Relief gearbeitet, während die Rückseite die gleiche Szene wie die Vorderseite zeigt, nur dass hier ziseliert ist. Die Szene zeigt den toten König, der Nemes-Kopftuch, breiten Kragen, Schurz und Stierschwanz trägt. Der König vollzieht ein Weihrauch- und Libationsopfer für den rechts auf den Thron sitzenden Osiris, den "Herrn der Ewigkeit". 

Die Inschrift zwischen ihnen spricht von einem "dreifachen" Weihrauch- und Libationsopfer für seinen "Vater Osiris". Über dem König ist die Sonnenscheibe mit zwei herabhängenden Uräen zu sehen. Davor die beiden Ringnamen des Königs, der als "geliebt von Osiris, dem Herrn von Abydos bezeichnet wird (6).

Pektoral aus Gold
- Fundnummer Montet: 646 -
Kairo: JdE
86038 = SR 8738

Material: Gold
Maße: H. 8,9cm; B. 8,8cm; T. 0,4cm
Länge der Kette: 92 cm

Unterhalb der Bildszene befindet sich ein Abschlussfries, das abwechselnd Djedpfeiler und Tjt-Amulette (Isisknoten) zeigt.  Im Oberteil des Pektorals, das die Form einer Kapelle mit Hohlkehle hat, schwebt die geflügelte Scheibe des Horus von Edfu. Links und rechts am Pektoral befinden sich zwei Ösen für eine Kette vom Typ "Colonne doublee" deren Enden in Goldhülsen eingelötet sind (6).

Bild: mit frdl. Dank Mutnedjemet
-
alle Rechte vorbehalten

Das zweite Pektoral (ohne Bild) - in durchbrochener Arbeit gefertigt - zeigt ebenfalls die Form eines Schreines mit zwei Seitenpfeilern und einem Architrav, über dem sich ein gekehlter Sims befindet, der den geflügelten Horus (Sonnenscheibe) von Edfu zeigt. Das Pektoral war bei seiner Auffindung durch das Team von Pierre Montet stark beschädigt. 

Im Inneren erscheinen die auf einem Podest sitzenden Figuren der Isis (links) und der Nephthys (rechts). Das Podest trägt die Inschrift „Der gute Gott (Amenemope, geliebt von Amun)| geliebt von Osiris, dem Herrn von Abydos“. Die beiden Göttinnen stützen einen Skarabäus aus Lapislazuli (Chepri), der mit seinen Vorderbeinen die Scheibe der neugeborenen Sonne (aus Gold) und mit den Hinterbeinen den Namen des Königs halten (Amenemope,geliebt von Amun). Vor den Göttinnen nennt ein Goldplättchen den Namen der jeweiligen Göttin. Oben sind zwei Ösen aufgelötet, die zur Befestigung einer Kette dienten - die jedoch heute fehlt. Die handwerkliche Verarbeitung des Stückes ist mäßig. Da es sich bei diesem Stück um Totenschmuck handelt, scheint, scheint man sich wenig Mühe gemacht zu haben, ein Meisterstück anzufertigen, darum ist es auch heute in so schlechtem Zustand. Auf der Rückseite findet sich das gleiche Motiv wie auf der Vorderseite -   hier ist es nur ziseliert (Museum Kairo, JdE 86037 / Fundnummer Montet 645 - Material Gold, Lapislazuli und Glaspaste, Höhe 8,9 cm; Breite 10,6 cm)

*

Goldanhänger in Form eines Falken 
Kette aus Goldscheiben, Fundnummer - wohl Fundnummer 642)
Material: Gold - Breite 37,5 cm

Auf dem Oberkörper des Toten lag ein mit bunten Steinen eingelegter Goldfalke.  Der Anhänger zeigt einen Falken mit ausgebreiteten Flügeln. Der nach links gewendete Kopf besteht aus massiven Gold, andere Teile wie der Schnabel, das Auge, der Nacken und das schmückende Motiv auf den Wangen dagegen sind aus dunklem Glasfluss gefertigt.

Die Flügel, der Körper und der Schwanz des Raubvogels wurden in Zelltechnik ausgeführt.
Die Klauen wiederum sind aus massiven Gold und halten jeweils einen Sen–Ring, an denen zwei Platten mit den Ringnamen des Königs befestigt sind.

Auf der rechten Platte kann man lesen: 
(Usermaatre  setepenamun)| geliebt von Osiris von Ra–Setau [Nekropole von Memphis]“; 
auf der linken Platte steht:
„(Amenemope meramun)| geliebt von Osiris, dem Herrn von Abydos “

Kleine Ösen an den Flügelspitzen dienten zur Befestigung an einer Kette oder Ähnlichen.

Bild:  mit frdl. Dank Hans Ollermann, Flickr-Album
- alle Rechte vorbehalten
(bearbeitet von Nefershapiland)

In der Bestattung König Amenemope wurden sechs Armbänder (oder Paare?) gefunden. Unter diesen heben sich zwei durch ihre bemerkenswerte Qualität ab. Beide Armreife sind identisch - sie tragen die Namen Psusennes I., wurden also für diesen König angefertigt. Der König besaß auch zwei einfache Armreife, die hohl aus Goldblech gearbeitet wurden. Das einfache Armbandpaar aus Goldblech besitzt in der Mitte eine Lapislazuli-Perle (ohne Bild).

Armbänder mit Namen Psusennes I.
gefunden an der Mumie
Amenemopes

Kairo, JdE 86027 – 86028; 
Fundnummer Montet
653/654
Material: 

Gold, Lapislazuli, Karneol, grüner Feldspat (?)
Maße: 
Höhe 7cm; Durchmesser max. 8cm

Bild:  mit frdl. Dank Hans Ollermann, Flickr-Album
- alle Rechte vorbehalten

(Ausschnitt erstellt von Nefershapiland)

In durchbrochener Arbeit sieht man als Hauptmotiv zwei geflügelte Skarabäen mit der Sonnenscheibe auf dem Kopf und den Sen–Ring zwischen den Hinterfüßen, dazwischen jeweils Thron- und Geburtsname König Psusennes I. mit der Sonnenscheibe darüber.

Die Körper der Skarabäen sind aus blauen Lapislazuli, ebenso wie die Einlagen der Kartuschen. Die feine Zelltechnik der Flügel und die durchbrochen gearbeiteten Einzelmotive lockern die strenge Komposition dieser Schmuckstücke auf. Diese Armbänder stellen eine späte Variante des steifen Armbandtyps dar. Sie bestehen aus zwei Halbzylindern, die an beiden Enden durch Scharniere verbunden wurden. Ein Teil der Einlagen dieser Armbänder ist verloren gegangen. Diese Armbänder fanden sich an der Mumie Königs Amenemope.

Um den Hals des Königs lagen zwei Halskragen, ähnlich denen des Psusennes I., doch von geringerem Goldgewicht. Einer trägt wieder den Namen seines Vorgängers Psusennes I. auf dem Verschluss. Er besteht - ebenso wie die beiden Halskragen Psusennes I. - aus einzelnen runden Goldscheiben, ist aber nur dreireihig (Fundnummer Montet: 668).

Der zweite Halskragen ist wegen seiner ungewöhnlichen winkelförmigen Gold- und Lapislazuli ("Ägyptischblau")-Perlen und seiner Lotosblütenanhänger beachtenswert (heute im Museum Kairo ? - Fundnummer Montet 644 - Maße: Durchmesser 26 cm, Länge des Anhängers 15 cm). Der Kragen setzt sich aus 11 Perlenschnüren zusammen, die an einem zweiteiligen Endstück befestigt sind. Beide Teile lassen sich mit Hilfe einer Nadel schließen, die man durch gebohrte Ösen steckt. Sie bilden zusammen ein trapezförmiges Goldelement, dessen Außenoberfläche mit Lapislazuli zu einem Winkelmuster eingelegt ist. Das Muster wiederholt das Dekor des übrigen Kragens. Die Kragenperlen bestehen aus durchbohrten Goldzylindern mit gezähnten Enden, die mit ähnlichen, Lapislazuli  imitierenden Perlen ineinandergreifen.

Zwei Gruppen zu je elf Goldperlen hat man fest miteinander verbunden; sie formen zwei Stege, die den Kragen in drei Sektoren teilen. An der Unterkannte der äußeren Verschlusshälfte finden sich sechs Ringe, die einen Steg halten, an dem fünf Quastenschnüre hängen. Diese bestehen aus Kettchen, deren Perlen dasselbe Muster wie der Kragen zeigen. Am Verschluss enden sie in einer goldenen Hülse, unten in einer Lotosblüte. An jeder Lotosblüte sind zwei ähnliche Kettchen befestigt, die ebenfalls einen Anhänger aus Lotosblüten tragen. Da Montet aus dem Sarg des Amenemope nicht so viele Perlen bergen konnte, um Kragen und Quasten vollständig zu restaurieren, gelangte er zu der Ansicht, dass die fehlenden Perlen dem Besitzer schon zu Lebzeiten verloren gingen, und dass man sie für die Bestattung einfach durch Schnüre ersetzte. Leider ist Montets Grabungsbericht nicht explizit genug, um zu entscheiden, ob man der Mumie den Kragen bereits in einem fragmentarischen Zustand beigegeben hatte oder ob eine andere Erklärung in Frage kommt. Es haben sich jedoch genügend Reste erhalten, um zu demonstrieren, dass Entwurf wie auch handwerkliche Ausführung des Kragens hohes Niveau besaß.

Kultgegenstände:

Vor dem Sarkophag fanden sich sieben Edelmetallgefäße, allen voran ein silberner Opferständer von 40cm Höhe. Er ist von äußerst klarer Linienführung, wahrscheinlich wurde er bei den Reinigungsriten verwendet. Auf seinem oberen Rand finden sich die beiden Kartuschen des Königs, ein Spruchband zieht sich senkrecht am Fuß des Altars hinab: „oh vollkommener Gott Amenemope, nimm diese Wasserspende, die aus Elephantine kommt“ 

  1. Altarständer mit flachem Aufsatz – Fundnummer 631,

  2. Altarständer mit flachem Aufsatz Kairo JdE 86102 / Fundnummer 630,

  3. Altarständer mit becherförmigen Aufsatz – Fundnummer 632 

Kultgeschirr aus dem dem Grab NRT III.
heute im "Tanis-Raum" des Kairo-Museum

Hes-Vase/Wassergefäß (rechts)
Kairo JdE 86098 (Fundnummer: Montet 633)
Material: Gold
Maße: H. 14,6 cm; Dm 5 cm
Die sog. "Hes"-Vase für die Wasser-Spende, aus dünnem Goldblech gefertigt und hat einen hohen, ausgestellten Fuß. 

Ein weiteres aus dünnem Goldblech gearbeitetes Kultgefäß - ein sog. "Libationsgefäß (eine sog. "Hes-Vase" für eine Wasserspende) befindet sich ebenfalls heute im Museum Kairo (Fundnummer Montet 633) und ist von klarer, schlanker Form. Das Gefäß besitzt einen breiten, flachen Rand und hat einen hohen, ausgestellten Fuß. Unter dem "Ausgussschnabel" ist als einziger Zierat der Name des Königs zu lesen „Der vollkommene Gott (Amenemope – geliebt von Amun)|  geliebt von Osiris, dem Herrn von Abydos“. Solche Gefäße wurden für Wasserspenden verwendet - ein Parallelstück fand sich in der Bestattung Psusennes I

Das Gefäß setzt sich aus fünf Teilen zusammen, die zunächst in Einzelformen äußerst fein getrieben und dann zusammengelötet wurden. Der Gefäßkörper und der Hals sind aus einem Stück und wurde dann mit den anderen Stücken verbunden: einer breiten scheibenförmigen Gefäßlippe, die noch eine leichte Gravurlinie über der Lötstelle besitzt, einen Trompetenförmig langgezogenen Fuß, der unten mit einer separaten Goldplatte geschlossen ist, und einer gebogenen, an der Gefäßschulter angelöteten Ausgusstülle. Das Gefäß aus der Bestattung von Amenemope ist 19,8 cm hoch und hat einen Durchmesser von 7,7cm (7). ____________________________________________________________________

Opferschale (links):
Silber, Gold
Kairo: JdE 85904
Höhe 3,6 cm, Durchmesser 17 cm
Die Silberschale mit dem Namen von Psusennes I. hat ein ungewöhnliches Dekor. Auf ihrem Boden breitet sich eine Rosette aus acht Blüten und acht Lotusknospen aus, aus denen zwanzig gebrochene Linien hervorsteigen. Unterhalb des Randes ist der Name Psusennes in einer Kartusche zu lesen. Eine ähnliche Schale aus Silber fand Montet unter den Grabbeigaben des Generals Wendjebauendjed, wobei es sich um ein Geschenk König Psusennes I. handelte.

Bild: Jürgen Liepe, Berlin - alle Rechte vorbehalten 

(Kairo JE 86099)
Ein weiteres Kultobjekt war ein sogenannter "nemset"-Kessel, aus Silber und Bronze für Wasserriten.  Derartige Gefäße wurden bei kultischen Handlungen verwendet, insbesondere während des wichtigen Rituals der "Mundöffnung" der Toten. Der Schnabel ist mit drei Nieten befestigt. Unter der Ausguss-Tülle auf dem Gefäßkörper befindet sich eine Inschrift, bestehend aus drei senkrechten Kolumnen in einer rechteckigen Einfassung:
" Der vollkommene Gott, (Usermaatre Setepenre), der Herr der beiden Länder, (Amenemope-Meriamun) geliebt von Osiris-Sokaris, Herr von Rosetau." Das Gefäß ist 12c cm hoch und hat einen Durchmesser von 11,5 cm. (7)

(Kairo JE 85009)
Ein goldenes Libations-Gefäß (Hes-Vase) - Höhe  19,8 cm, Durchmesser 7,7 cm., Gold
Das Gefäß ist von klarer schlanker Form, besitzt einen breiten Rand und hat einen hohen, ausgestellten Fuß. Unter dem Ausguss-Schnabel ist als einziger Zierrat der Name des Königs zu lesen.
"Der vollkommene Gott  (Amenemope-geliebt von Amun) - geliebt von Osiris, dem Herrn von Abydos."
Solche Gefäße wurden für Wasserspenden verwendet, ein Parallelstück fand sich bei Psusennes I. All diese Gegenstände wurden am 3. Mai 1940 mitsamt der ganzen Grabausstattung ins Museum von Kairo gebracht. (7)

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Karl Jansen-Winkeln (Inschriften der Spätzeit, Bd. I., Seite 101) führt als letztes ein Fayencesiegel (oder ähnliches) unbekannter Herkunft auf (LR III, 292 (1); Bonhéme, Noms royaux, 81) mit der Darstellung einer Kartusche König Amenemopes (E 8 - nach Beckerath/Handbuch) - wahrscheinlich aus seinem Grab in Tanis.

Uschebtis:

Pierre Montet entdeckte 1940 bei seinen Ausgrabungen eine Kiste mit 288 sog. "Arbeiter-Uschebtis" (sog. "Worker") 4 nur noch fragmentarisch erhaltene und 34 Aufseher-Uschebtis. Einige dieser Uschebtis wurden bei den Ausgrabungen am Anfang des Jahres 1943 gestohlen, zusammen mit einigen Bronze-Uschebtis König Psusennes I. und anderen Artefakten. Viele dieser damals gestohlenen Stücke befinden sich heute in den Museen oder privaten Sammlungen in der ganzen Welt.

Nach Inschriften der Spätzeit (Jansen-Winkeln) (4) befindet sich im Museum Kairo ein Kanopenkasten Amenemopes aus vergoldetem Holz mit Inschriften (JdE 86068), sowie ein Satz Kanopenkrüge (Fundnummer 625-628 / Kairo JdE 86064-7). Von den Uschebtis des Königs befinden sich die meisten heute im Museum Kairo.

(Co-Autor: J. H. Pirzer)

Quellen:
1.  dt. Wikipedia - Amenemope
2.  Dr. Aidan Dodson - Afterglow of Empire/The American University in Cairo Press 2012:
3. Karl Jansen Winkeln (2006) u. a. - Alte ägyptische Chronologie, Brill, Leiden/Boston;
4. Karl Jansen-Winkeln (Inschriften der Spätzeit, Bd. 1 - Harrassowitz-Verlag 2007)
5. https://en.wikipedia.org/wiki/Amenemope
6. Tanis - vergessene Schätze der Pharaonen / H. Stirlin u. Chr. Ziegler, Hirmer-Verlag;
7. Gold der Pharaonen, KHM Wien, Wilfried Seipel - Ausstellungskatalog 2001

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