Nebenpyramiden Cheops

West- u. Ostfriedhof Cheopsbezirk

Pyramide des Cheops

Herodot von Halikarnassos (um 485-425 v. Chr.),  schildert König Chufu/Cheops (um 2620-2580 v. Chr.) in seinem umfassenden Geschichtswerk, "die Historien", als tyrannischen Herrscher mit einem schlechten Charakter, der vor nichts zurückschreckte und das ägyptische Volk gnadenlos ausbeutete. Nach Herodot soll der Bau der großen Pyramide 30 Jahre gedauert haben. 

"Bis zur Regierungszeit von Rhampsinitos***hat in Ägypten, so erzählen sie weiter, die vollkommenste Ordnung und großer Reichtum geherrscht. Aber sein Nachfolger Cheops hat das Land in tiefstes Unglück gestürzt. Zunächst hat er alle Heiligtümer zuschließen lassen und das Opfern verhindert. Weiter hat er alle Ägypter gezwungen, für ihn zu arbeiten. - Fünfzig Jahre lang war dieser Cheops König, und als er starb, folgte ihm sein Bruder Chephren auf den Thron." (Quelle: Historien II., 128)

*** Rhampsinit, altägyptisch Rau-mesisu-sa-Net (Ramses, Sohn der Neith) ist ein mythischer ägyptischere König, eine literarische Figur, dem der antike Historiker und Schriftsteller Herodot einige Geschichten zuweist. Eine handelt von einem Meisterdieb, eine andere von der Hadesfahrt des Königs. (Quelle Wikipedia)

Herodot schrieb über die angebliche Verruchtheit und Schlechtigkeit des Königs:

"Cheops war ein so verruchter Mensch, dass er in seiner Geldnot die eigene Tochter in ein Freudenhaus brachte und ihr eine bestimmte Geldsumme zu schaffen befahl".

(Herodot: Historien, II, 126; -  übersetzt nach A. Hornefer, Stuttgart 1971)

Herodot berichtet weiter, dass der König Cheops alle Tempel im Lande schließen ließ und sogar alle Opferungen und Feste verbieten ließ und sein Volk jahrelang in den Arbeitsdienst zwang. Unter anderem berichtet Herodot auch von Halikarnassos über die Bautechnik und Bauzeit der großen Pyramide und des Aufweges.

"Bis zur Regierungszeit von Rhampsinitos hat in Ägypten, so erzählen sie weiter, die vollkommenste Ordnung und großer Reichtum geherrscht. Aber sein Nachfolger Cheops hat das Land in tiefstes Unglück gestürzt. Zunächst hat er alle Heiligtümer zuschließen lassen und das Opfern verhindert. Weiter hat er alle Ägypter gezwungen, für ihn zu arbeiten. Die einen mussten aus den Steinbrüchen im arabischen Gebirge Steinblöcke bis an den Nil schleifen. Über den Strom wurden sie auf Schiffe gesetzt und andere mussten die Steine weiterziehen bis hin zu den sogenannten libyschen Bergen. Hundertausende Menschen waren es, die daran arbeiteten und alle drei Monate abgelöst wurden. 

So wurde das Volk bedrückt, und es dauerte 10 Jahre, ehe nur die Straße gebaut war, auf der die Steine dahergeschleppt wurden, eine Werk, das mir fast ebenso gewaltig scheint, wie der Bau der Pyramide selbst. Denn die Straße ist 5 Stadien lang, zehn Klafter breit, an der höchsten Stelle acht Klafter hoch und aus geglätteten Steinen hergestellt, in die Tiergestalten eingemeißelt sind.

Zehn Jahre vergingen also, bis diese Straße und die unterirdischen Kammern auf jener Höhe, auf der die Pyramiden stehen, gebaut waren. Die Kammern sollten seine Grabkammern sein, und er baute die als Inseln, indem er einen Nilkanal in den Berg hineinleitete. An der Pyramide selber wurde zwanzig Jahre gearbeitet. Sie ist vierseitig und jede Seite acht Plethren breit und ebenso hoch. Sie besteht aus geglätteten, aufs genaueste ineinander gefügten Steinen, von denen jeder mindestens dreißig Fuß lang ist."
(Herodot, Historien II., in der Übersetzung von A. Hornefer, Alfred Kröner-Verlag Stuttgart 1971)

Herodot beschrieb in seinen Historien auch über eine an der Außenseite der Großen Pyramide befindlichen Inschrift, von welcher er meinte, dass sie die Menge der von den Arbeitern verzehrten Rettiche, Zwiebeln und Knoblauch aufzählte.

"An der  Pyramide ist in ägyptischen Buchstaben verzeichnet, welche Mengen von Rettichen, Zwiebeln und Knoblauch die Arbeiter verzehrt haben. Wenn ich mich recht an die Summe erinnere, die mir der Dolmetscher nannte, der die Inschriften entzifferte, so waren es eintausendscheshundert Talente Silbers."
(Herodot, Historien II., in der Übersetzung von A. Hornefer, S. 154 , Kröner-Verlag Stuttgart 1971)

Die modernen Forschungsergebnisse bestätigen im allgemeinen die Beschreibungen Herodots über den Bau der Cheops-Pyramide, jedoch nicht seine Aussage über das unterirdische Insel-Grab, sowie seine Meinung über das Sklavenheer, welches zu Frondiensten beim Pyramidenbezirk gezwungen wurde. Die üblen Bezeichnungen, welche Herodot über den König Cheops in seinen Historien verlauten ließ, sind historisch gesehen durch nichts zu beweisen. In der Vergangenheit ließen sie aber Cheops in einem schlechten Licht als "gottlosen Tyrann" erscheinen.

Die Annahme, dass große Sklavenheere - wie in dem 1955 gedrehten Monumental US-Film von Howard Hawks "Land der Pharaonen", mit Jack Hawkings als Pharao Khufu - die Pyramiden gebaut haben, gilt heute als überholt. 

Erst mit dem Feldzug Napoleons im 18. Jh., als auch eine Schar von Wissenschaftlern und Zeichnern ins Land kam, wurden die Bauwerke Ägyptens aus der Aura des "Geheimnisvollen" enthoben und das wissenschaftliche Interesse an den Kulturen in Ägypten stieg insbesondere durch die Entschlüsselung der Hieroglyphen im Jahre 1822durch Jean-Francois Champollion.

Allgemeines:  Chufu / Cheops
 (ca. ca. 2620 - 2580 v.Chr. n. Schneider)

Der gängigen Lehrmeinung nach wurde die große Pyramide von Giseh vom König Chufu(i)-Chnum - was übersetzt heißt:
"er beschützt mich, (nämlich Chnum)",  zu Beginn der 4. Dynastie erbaut. Bekannter ist dieser Pharao unter seinem griechischen Namen "Cheops", den der Historiker Herodot uns überliefert hat. 

Geburtsname  :   xwj.f-wj   "er beschützt mich"     nach Schneider
Thronname      : --------- ---------  
Horusname      : MDd(w)                                      "Der (die Feinde) zerdrückt"
nach Schneider
Nebtiname       : MDd-r-nbtj "Der (die Feinde) zerdrückt entsprechend den beiden Herrinnen " nach Schneider 

 

Goldhorusname :  Bjkwj-nbw     
"Gold (Goldener) der zwei Falken"  nach Schneider
weitere Namen : Manetho :   Suphis
Herodot   :  Cheops
Diodor     :  Chembes/Chemmis 
   
Regierungszeit:

Altes  Reich

ca. 2620 -2580 v. Chr.

nach Turiner Papyrus:  23  J. 
Manetho                     :  63 J.

möglich sind auch 46 effektive Regierungsjahre (lt. Schneider: Lexikon d. Ph.) 
Vater:  Snofru  (mit Vorbehalte)    
Mutter: Hetepheres I. (nach Schneider und Lehner)  
Gemahlinnen: Meritites I. (Mrj.t-jtj.S)
Henutsen  (Hnwt-Sn) ****
weitere namentl. nicht bekannte Frauen

 (zeitgenössisch nicht belegt)
 (zeitgenössisch nicht belegt)
 
Geschwister:

 

Prinz Rahotep, 
Prinz Nefermaat (umstritten)
Ranefer, 
Anchhaf (umstritten)
Prinz Kawab, (umstritten)
Netjeraperef
Hetepheres I.,  u. a.
 

(lt. Stadelmann evtl. Sohn Cheops) (umstritten, evtl. auch Sohn Cheops)

 
Kinder: Djedefre (Radjedef),
Chephren, Babaef I., Hordjedef,
Minchaef,
Chaef-Chufu (G 7130-7140),
Kawab
Duaenhor
Hetepheres II., Meresanch II.,
Chamerenebti I.
Neferetiabet -( Mastaba G 1225)



(umstritten: evtl. ident. mit Chefren)
(umstritten: evtl. Bruder Cheops ?)
(nicht gesichert - evtl. Kinder Kawabs

(umstritten: evtl. Tochter Djedefres)
(mit Vorbehalt)




llt. Gundacker

Grabmal in Giseh:

Achet Chufu ("Horizont des Chufu") Pyramide

**** Der Text der sog. "Inventory Stele", (von Mariette im Isis-Tempel vor der Nebenpyramide G I-c entdeckt), die in die 26. Dynastie datiert wird, erwähnt eine Prinzessin Henutsen (Hnwt-Sn) als Besitzerin einer der Königinnenpyramiden des Cheops (GI-c) Anhand zeitgenössischer Dokumente lässt sich die Existenz einer "Prinzessin" mit diesem Namen jedoch weder als Gemahlin noch als Tochter des Cheops nachweisen.

Abstammung und Familie:

Von der Person des Grabinhabers ist historisch wenig überliefert. Cheops ist bislang nach allgemeiner Auffassung ein Sohn von Pharao Snofru und der Königin Hetepheres I. und damit der 2. König der 4. Dynastie. Diese Auffassung ist aber nicht durch Dokumente abgesichert. Die Königsmutter Hetepheres ist durch den Fund ihres Grabmobiliars in der Schachtanlage G 7000 x östlich der Cheopspyramide in Gisa, welche 1925 von Reisner entdeckt wurde, bekannt  -  
siehe  Hetepheres 
 

In keiner bisherigen wissenschaftlichen Veröffentlichung konnte eine vollkommen schlüssige Darstellung der familiären Verhältnisse der 4. Dynastie gegeben werden. Dieses liegt an der dürftigen zeitgenössischen Beleglage über die Mitglieder der königlichen Familie. Über die Person Cheops,  die Länge seiner Regierung und deren Ereignisse ist so gut wie nichts bekannt und selbst die wenigen Fakten sind widersprüchlich.

Ca. um 2580 v. Chr. verstarb Snofru, der Vorgänger König Cheops. In der einschlägigen Literatur wird davon ausgegangen, dass Cheops ein Sohn Snofrus war. Cheops ist zeitgenössisch als Prinz nicht belegt, es existiert auch keine Grabstätte für ihn als Prinzen. Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob für Kronprinzen überhaupt solche Grabstätten angelegt wurden, dieses trifft allerdings auch für alle anderen Könige der 4. Dynastie zu. 

Nebenpyramiden

An der Ostseite der Cheopspyramide standen vier kleine Nebenpyramiden, von denen heute noch drei zu erkennen sind. 

Es handelt sich dabei um die sog. Kultpyramide und die drei Königinnenpyramiden, welcher Gräber der weiblichen Mitglieder der Königsfamilie waren, wobei die Namens-Zuordnung in allen drei Fällen rein hypothetisch bleiben muss. 

 

 

Die 3 Königinnenpyramiden der Cheops-Pyramide - Zuordnung bislang rein hypothetisch. 
- v. links: evtl. Hetepheres (G1-a); evtl. Meritites I. (G1-b) und
evtl. Henutsen (G1-c - umstritten) -

                                                         Bild: Sebi - der dieses Werk als gemeinfreies Werk veröffentlicht.

 

Hetepheres I.  (xtp-hr.s)
- Mutter Cheops -    
"Ihr Antlitz ist gnädig" (nach Silke Roth)
Titel:
Mw.t-nsw.t-bjtj  =  "Mutter des Königs von Ober- und Unterägypten"
S3.t-ntjr  =  "Gottestochter" mit dem Zusatz: n.t Xt=f
                                              (Quelle: Chr. Theis /Kemet 4/2010 S. 12)
mw.t n.j-sw.t-bj.t.j =
"Mutter des Königs von Ober- und Unterägypten"
Hrp-scmt(j.w) cnD.t =
"Leiterin der Schlächter des Akazienhauses"

Dd.t ix.t nb.t iri.t=tw n=s = Die irgend etwas sagt, das man (dann sofort)
                                                    für sie ausführen wird.
s.t-nTr (n.j)t x.t=f
die Gottestochter von seinem Leibe, Hetepheres." 
                                         
(Quelle: Theis/Kemet 4/2010, S. 17)                                 
Grabanlage: 
Mastaba bei der Pyramide des Snofru, Dahschur – Nord (?)
G 7000x in Giza / evtl. nur ein vorläufiges Grab (?)
Pyramide GIa, Giza (?)
Ehemann:    Snofru
Vater:
          unbekannt
Mutter:        unbekannt
Kinder:        Cheops
Belege und Funde / Anmerkungen:
G7000x = Siegel, Vasenfragment aus Byblos (P.Montet in Kèmi 16 (1962, S. 87)
weitere Funde aus G7000x  = Inschrift Baldachin (Kairo JdE 57711), längliche Kiste mit Stoffbehängen (Kairo JdE 7203),
auf Fragmenten vom Deckel einer Truhe und vergoldetes Schmuckkästchen für Armreifen –( Kairo JdE 53265 - Quelle Roth)
Quelle: Chr. Theis ( Kemet 4/2010), Janosi: Pyramidenanlagen der Königinnen,
R. Gundacker, Hetepheres u. das Rätsel ihrer Bestattung in Sokar 12/2006, Dodson Royal families, S. Roth: Königinnen

Hetepheres I., deren Name übersetzt "Ihr Gesicht ist gnädig" bedeutet, war die Mutter des Cheops/Chufu. Ihre Abstammung liegt im Dunkeln, selbst ihre Stellung als "Königliche Gemahlin" des Snofru ist nicht eindeutig nachweisbar, da der Titel einer "Königsgemahlin" für sie nicht belegt ist. Da aber in den Siegelabrollung aus der Schachtanlage G7000x eine gewisse Beziehung sowohl zu Snofru als auch zu Cheops belegt ist, legt Peter Jánosi (Quelle: Giza in der 4. Dynastie - Wien 2005, S. 62) die Überlegung nahe, dass Hetepheres evtl. eine Nebenfrau des Snofru gewesen war, ohne Anspruch auf den Königinnenstatus. Neben ihrem Status als "Mutter des Königs von Ober- und" Unterägypten" besaß sie den Titel einer "Leiterin der Schlächter des Akazienhauses“, der eine wichtige Funktion im Totenkult für den König hatte, der sich wohl auf den Vater des Cheops, König Snofru, bezog. Roman Gundacker (siehe Hetepheres I. In: Sokar. Nr. 12, S. 32) schließt daraus, dass sie „deshalb niemals an einem anderen Ort als Giza bestattet gewesen sein kann.“

Der amerikanische Ägyptologe Mark Lehner hält es für möglich, dass für Hetepheres I. bei ihrem evtl. plötzlichen Tod die Grube, welche man als G Ix bezeichnet, zusammen mit dem Schachtgrab G7000x Bestandteile eines nicht fertiggestellten Grabkomplexes mit einer Königinnenpyramide bildeten. Später wurde der Bau von G7000x und G Ix als Pyramide aufgegeben und man begann 28 m weiter im Westen mit dem Bau der neuen Pyramide G I-a, welche als Begräbnis für die Königin Hetepheres geplant war (siehe Lehner: The Pyramid Tomb of Hetep-heres and the Satellite Pyramid of Khufu. SDAIK 19, Mainz 1985)

Lehner schlug nun eine Verlegung der Kultpyramide in die 1. Königinnenpyramide G I-a vor; dieses ist aber nach der Entdeckung der Kultpyramide westlich der Königinnenpyramiden auszuschließen, (siehe Jánosi: Pyramidenanlagen der Königinnen, S. 18). Weiter führt Lehner aus, dass nach der Aufgabe der im Norden gelegenen Kultpyramide die Bestattung der Hetepheres I. von der anfänglich vorgesehenen Pyramide G I-a in die neu erbaute Pyramide G I-b verlegt wurde.

Dieser sehr komplizierten Darlegung Lehners widerspricht Peter Jánosi (siehe die Pyramidenanlagen der Königinnen, Wien 1996). Seiner Meinung nach handelt es sich bei G 7000x um eine bereits vorhandene Grabanlage aus älterer Zeit, die wohl unter Cheops an verschiedenen Stellen erweitert wurde. 

                                                                                 
                                                      siehe dazu auch: G 7000x der Grabschatz der Hetepheres

Der Befund von G 7000x erlaubt also keine befriedigende Erklärung, die allen Details gerecht wird. Sowohl Reisners als auch Lehners Rekonstruktionsvorschläge vermögen einen Großteils der Probleme plausibel zu erklären, doch stößt eine umfassende Rekonstruktion in beiden Fällen auf unbeantwortbare Widersprüche. Allen bisherigen Lösungsvorschlägen stehen eine oder mehrere ungeklärte Fragen im Befund der Felsanlage entgegen. Es wird sich wohl nicht mehr mit Sicherheit rekonstruieren lassen, welchem Zweck G 7000x erfüllte. 

Der leere Sarkophag und die nicht akzeptierbare Aufstellung der Gegenstände lassen Zweifel aufkommen, ob G 7000x als Grab einer Königsmutter in diesem Zustand zurückgelassen worden wären. Es wird daher vorgeschlagen, G 7000x nicht als Grabanlage der Königsmutter zu betrachten. Der Ort der richtigen Bestattung der Hetepheres I. bleibt unbekannt.

(Quelle: Zitat Peter Jànosi in "Die Pyramidenanlagen der Königinnen/Verlag Akademie der Wissenschaften Wien 1996)

 

Meritities I.    ( Mrj.t jtj=s)

- Ehefrau von Cheops -
"Die von ihrem Vater Geliebte"  (nach Roth "Königsmütter)
Titel:
wr.t-Htc nj.t Cnfrw                 
wr.t-Htc nj.t #wj=f-wj  
         
Hm.t-nj cwt mr(jj).t=f
[[xrp.t]] ccmt(j.w) SnD
xt(.t) Hrw
Mrjj.t-jtj=c
 jmAx(w.t) xr
#aj?f-Raw
                                                                      
(Quelle: R. Gundacker "Genealogie"/Sokar 16)
"die groß an Auszeichnungen des Snofru"
"die groß an Auszeichnung des Cheops"
"die Königsgemahlin, die er liebt"
" [Leiterin] der Schlächter des Akazienhauses" 
"Gefolgsfrau des Horus"
"Meritities (die ihr Vater liebt),
"Ehrwürdig bei Chephren"
Grabanlage:    Grab: G1-b (rein hypothetisch)
Ehemann:    König Cheops
Vater:
          evtl. Snofru (umstritten)
Mutter:        unbekannt
Kinder:        
Hetepheres II.
Belege und Funde / Anmerkungen:
heute verschwundenes Scheintürfragment
aus dem Ostfriedhof  (die sog. "Stele"), Vasendeckel aus Byblos, rekonstruiertes Relief aus der Mastaha G 7110/20 des Kawab / Ostfriedhof. 
Quellen: 
R. Gundacker "Beitrag zur Genealogie der 4. Dynstie" Sokar 16, S. 22; S. Roth "Königsmütter", J. Tyldesley "Die Königinnen des Alten Ägyptens" A. Dodson "Royal families";

 

      Inschriften auf verschollener "Stele 
 - aus dem Ostfriedhof Cheopskomplex -

Der Name der Königin Meritities I. fand sich auf einer  Scheintür (sog. "Stele"), die von Mariette auf dem Ostfriedhof der Cheops-Nekropole gefunden wurde. Er gibt leider nicht den genauen Fundort der "Stele" an. Die Stele ist heute nicht mehr vorhanden, wurde aber glücklicherweise damals von de Rougé kopiert.

(Bild: nach de Rougé aus Reisner/Smith: A History of Giza Necropolis, Vol II., Harvard Univ. Press 1955 - bearbeitet u. gezeichnet von J. H. Pirzer)

Die Königin Meritites/Meritities I. galt lange Zeit als eine Tochter König Snofrus. Heute geht man allgemein aufgrund ihres Titels "die groß an Auszeichnung des Snofru..." davon aus, dass sie wohl eher eine Gemahlin König Snofrus war, welche in sehr jungen Jahren dessen Frau geworden ist. Man nimmt weiter an, dass sie nach dem Ableben Snofrus dann in den Harem seines Nachfolgers Cheops wechselte, der sie dann später zu einer seiner Hauptfrauen machte, was auch aus ihrem Titel "die groß an Auszeichnung des Cheops" und "die Königsgemahlin, die er liebt", abgeleitet werden kann (Quelle: R. Gundacker "Genealogie der 4. Dynastie". Sokar 16, S. 27) 

Es existieren nur wenige gesicherte Belege, aus denen wir Namen und die Titel von Meritities entnehmen können.
Diese sind:

  1. ein heute verlorenes Scheintürfragment

  2. und Fragmente eines Reliefs aus der Doppelmastaba G 7110/7120 in Giza.

Innerhalb der Kapelle der Königinnenpyramide G I-b und in deren Umgebung wurden weitere Bruchstücke eines Reliefs gefunden, welche man evtl. Meritites zuschreiben kann.

Aus ihrem Titel "[Leiterin] der Schlächter des Akazienhauses" (siehe Gundacker "Genealogie" S. 23) ist abzuleiten, dass sie an dem Totenkult eines Königs beteiligt war, anzunehmen ist hier der Totenkult des Cheops. Wahrscheinlich starb sie erst im hohen Alter unter der Regierung des Chephren, was aus ihrem Titel "ehrwürdig bei Chephren" abzuleiten ist. Roman Gundacker schlägt außerdem vor, aufgrund dieses Titels in ihr evtl. die Mutter des Chephren zu sehen.

Aus ihrer Ehe mit König Cheops ging die Tochter Hetepheres II. hervor, abzuleiten aus der Filiationsangabe aus der Mastaba G 7110/7120 in Giza und evtl. ein Sohn. Roman Gundacker regt aufgrund des oben genannten Titels "ehrwürdig bei Chephren" eine Mutterschaft dem späteren König Chephren gegenüber an, obwohl es keinen sicheren Beleg für den Titel "Mutter des Königs von Ober- und Unterägypten" gibt, wenn man die Reliefbruchstücke, welche in der Königinnen-Kapelle von G I-b gefunden wurden, wegen ihres fragmentarischen Erhaltungszustands nur rein hypothetisch auf sie anwendbar, außer acht lässt. Weitere Kinder der Meritities sind nicht belegt, aber natürlich nicht auszuschließen.

Rainer Stadelmann ("Die ägyptischen Pyramiden" /Wissensch. Buchgesellschaft Darmstadt 1991, S. 125) schließt aufgrund des Stelenfundes unweit der Pyramide G I-b, auf die Königin Meritities I. als deren Besitzerin, während Peter Jánosi ("die Pyramidenanlagen der Königinnen") zwar auf die "Relieffragmente und Teile einer Königinnentitulatur" hinweist, aber dazu schreibt (Zitat:) "Der Name der Eigentümerin ist nicht bekannt." George A. Reisner und William S. Smith schlugen noch die Königinnenpyramide G I-a als Grab von Meritities vor, wobei aber heute mehrere Forscher diese Pyramide als standesgemäßes Grab für Hetepheres  I. als Mutter des Cheops ansehen. Roman Gundacker schließt sich hierbei der Meinung Stadelmanns an, dass G I-b nun evtl. der Königin Meritities zuschreiben wäre.

Henutsen      (Hnw.t = sn)

- Ehefrau von Cheops - (hypothetisch)
"Ihre Herrin"
Titel:
SA.t nswt = "Königstochter"
Grabanlage:   rein hypothetisch G I-c
Ehemann:    Cheops
Vater:
          unbekannt
Mutter:        unbekannt
Kinder:        evtl. Prinz Chaef-chufu /falls Henutsen identisch ist mit der in seiner Mastaba
                     dargestellten Königin.
Belege und Funde / Anmerkungen:
"Inventory Stele"(JdE 2091; PM III.² /)
Quellen: 
R. Gundacker "Beitrag zur Genealogie der 4. Dynstie" Sokar 16, S. 22; 

Der Name von einer weiteren evtl. Königsgemahlin des Cheops kann "Henutsen" gewesen sein. Dieser für die Königinnenpyramide G I-c überlieferte Name ist nicht zeitgenössisch, sondern wird nur auf einer Stele aus der 26. Dynastie überliefert. Im Alten Reich ist dieser Name öfters belegt, was es als möglich erscheinen lässt, dass bei der Abfassung der sog. "Inventory Stele" auf einen historischen Namen Zugriff genommen wurde. Zeitgenössisch lässt sich diese Frau mit Namen Henutsen allerdings weder als weitere Gemahlin König Cheops noch als Königstochter (auf der Inventory-Stele wird sie als "Tochter des Königs [sat-nesut)" erwähnt) nachweisen.

Die sog. "Inventory-Stele" wurde 1858 in den Ruinen des Isis-Heiligtums, welches sich an der Ostseite von G I-c befindet, von Auguste Mariette gefunden (JdE 2091; PM III.² / Helck, RE XXIII, 2201 f).  Lt. den archäologischen Untersuchungen im 19. und 20 Jahrhundert durch Petrie und Reisner soll das schon seit dem Ende des Mittleren Reiches in Trümmern gelegene kleine Heiligtum während der 18. Dynastie restauriert und erweitert worden sein. (siehe M. Verner / die Pyramiden 1998). Das gleiche geschah während der 21. und 26. Dynastie und fungierte nun als Kultstätte der Isis als Herrin der Pyramiden und wurde zum Pilgerziel von vielen Reisenden, die an diesen Ort kamen, um die Göttin zu verehren.

Die Prinzessin Henutsen wird auf der Inventory-Stele lediglich als "sat-nesut" (Königstochter) bezeichnet. Der österreichische Ägyptologe Peter Jánosi führt in seinem Buch "die Pyramidenanlagen der Königinnen" aus, dass die Pyramide G I-c von Anfang an Bestandteil des Planentwurfs des Cheops-Komplexes war. Rainer Stadelmann geht davon aus, dass die benachbarte Doppelmastaba G 7130-7140 dem Prinzen Chaef-chufu gehörte, welcher später (nach der Theorie Stadelmanns) als König Chephren den Thron bestieg und schlägt vor, dass dieser auch nach seiner Thronbesteigung als Erbauer der Pyramide G 1-c anzusehen wäre.

Der Prinz Chaef-Chufu ist in seiner Mastaba G 7130-40 mit seiner Mutter, welche hier den Titel einer "Königin" trägt abgebildet (siehe Simpson, Kawa, 11, pl XVIa, Fig. 26). Der Name dieser Königin ist nicht erhalten geblieben. Einige Forscher gehen aufgrund der Position der Mastaba G 7130-40 zur Königinnenpyramide G I-c davon aus, dass diese Frau identisch ist mit der Eigentümerin der dritten Nebenpyramide, welche aus obigen Gründen der Prinzessin "Henutsen" zugewiesen wird. Diese Theorie wird aber durch keine konkreten Tatsachen oder Befunde bestätigt, d. h. es existieren keine beweiskräftigen Hinweise, welche die Identität der im Grab des Prinzen Chaef-chufu dargestellten Königin mit der auf der Inventory genannten Königstochter Henutsen zeitgenössisch belegen und dass diese dann in der Königinnenpyramide G I-c bestattet wurde.

Inschrift der Inventory-Stele

" Es lebe Horus Medju Hor, König von Ober- und Unterägypten, Cheops, dem Leben gegeben ist. Neben dem Haus des Sphinx nordwestlich des Hauses des Osiris, des Herrn von Rasetjau, errichtete er das Haus der Isis. Neben dem Tempel dieser Göttin baute er eine Pyramide für des Königs Tochter Henutsen."

(Quelle: "Die Schätze der Pyramiden/Zahi Hawass 2003)

 

Djedefre /Radjedef:        ( +d.f-ra oder ra-Dd.f )

 

- allgemein als Sohn Cheops angesehen / Nachfolger Cheops -
"Er ist dauerhaft (wie) Re"
Titel:
"König von Ober- und Unterägypten"
Grabanlage: Pyramidenanlage in Abu Roasch 
Ehefrau    Chentetenka und evtl. Hetepheres II.
Vater:
       Cheops
Mutter:     unbekannt 
Kinder:      Baka, Setka, Hornit und Nikau-radjedef und Hetepheres u. Neferhetepes.
                   ungesichert: Bicheris (evtl. identisch mit Baka oder Setka)
Belege und Funde / Anmerkungen:
Turiner Königspapyrus Kol. III. , 11; Abydos-Liste Nr. 22, Sakkara-Liste Nr. 18, TP Nr. III./11 beschädigt, Pyramidenanlage Abu Roasch, 
Quellen: 
Königspapyrus Turin
(Nr.III./11), Pyramidenkomplex in Abu Roasch, Verner/Pyramiden, Lexik. der Pharaonen.
Djedefre oder nach anderer Lesung auch Radjedef wird heute allgemein als ein Sohn des Cheops betrachtet. Die Identität seiner Mutter ist unbekannt. Er ließ sofort nach seiner Thronbesteigung die letzten Baumaßnahmen am Pyramidenbezirk Cheops (seines Vaters) ausführen und sorgte für die standesgemäße Bestattung Cheops. Dazu gehört auch die "Bestattung" der königlichen Barken in den Schiffsgruben neben der Pyramide. Die Abdeckplatten weisen mehrfach die Königskartuschen des Djedefres auf.
(Bild: Jon Bodsworth - public domain
bearbeitet von Nefershapiland)

Djedefre wählte für seine eigene Pyramidenanlage einen neuen Standort aus, der etwa in 8 km Luftlinie von Giza entfernt auf einem Felsrücken nahe der heutigen Siedlung Abu Roasch lag. Die Pyramidenanlage wurde von Djedefre während seiner vermutlichren Regierungszeit von 8 Jahren erbaut. Die Djedefre-Pyramide ragt auf dem Felsvorsprung etwa 150 Meter über dem Niltal empor. Unter den Wissenschaftlern ist umstritten, wie weit der Djedefre fertiggestellt war. Nach neuerer Forschung durch das Gemeinschaftsprojekt des Institut Francais d'Archèologie Orientale (IFAO) und der Universität Genf unter Leitung von Michel Valloggia gehen diese davon aus, dass die Pyramide vollendet wurde. Das heutige Bild der Pyramide entstand durch den Jahrhunderte währenden Steinraub. Dieser begann vermutlich bereits in der Ramessidenzeit, erreichte seinen Höhepunkt aber in römischer Zeit.

Die Totenkultanlagen wurden evtl. nach dem Tod des Djedefre eilig mit billigen Material für einen funktionierenden Totenkult hergerichtet. Das dieser über eine längere Zeit vollzogen wurde, beweisen die Tausende von Opfergefäßen, welche sich im Bereich des Totentempels fanden. Der Sonnengott Re stieg unter der Regierung Djedefres zur zentralen Gottheit in Ägypten auf.

Djedefre nannte seinen Pyramidenbezirk "das Sternenzelt des Djed-ef-Re".

Chephren:                 (xaj=f-Ra)

 

- allgemein als Sohn von Cheops angesehen / wohl Nachfolger Djedefres
"Er erscheint wie Re"
Titel:
"König von Ober- und Unterägypten"
Grabanlage: Pyramidenanlage in Giza, "Groß ist Chafre".
Ehefrau    Chamerernebti I. (Halbschwester), Meresanch III. (Nichte), Persenet u. Hekenuhedjet
Vater:
       Cheops
Mutter:     evtl. Henutsen oder auch evtl. Meritities I. ("Ehrwürdig bei Chephren")
Kinder:      
Menkaure (Mykerinos), Chamerernebti II.
                  Cheneterka, Duaenre, Nebemachet, Niuserre,
                   Schepsetkau, Anchmare, Achre und Iunmin
                   sowie die Töchter Hemetre und Rechetre.
Belege und Funde / Anmerkungen:
sog. "Galarzagrab"(bezügl. Chamerernebti I.), LG 88 auf dem Central Field in Giseh (bezügl. Persenet u. Hekenuhedjet, Turiner Papyrus, Baugraffiti für Chephren, Granitblöcke in Bubastis und Tanis, Siegelabdrücke in Saqqara u. Ragagna, Graffiti im Wadi Hammamat u. in Buhen u.a.
Quellen: 
Ägypten u. das Alte Testament 46, Dodson "Royal families", Lex. d. Pharaonen/Schneider, Herodot - Zweites Buch 127, Anthony J. Spalinger (Dated Texts of the Old Kingdom),
Der Prinz Chephren war evtl. ein weiterer Sohn Cheops und bestieg nach dem Tod seines Bruders Djedefre den Thron Ägyptens. Er führte die Neuorientierung seines evtl. Bruders fort und führte ebenfalls den Titel "Sohn des Re". 

Es existieren nur wenige zeitgenössische Belege über seine Person oder über seine Regierungszeit. Chephren ist vor allem durch den Bau seiner Pyramidenanlage in Giza und durch die zahlreichen Statuen aus dem Pyramidenumfeld bekannt.

(Bild: Jon Bodsworth - public domain - bearb. v. Nefershapiland)

Wahrscheinlich war Chephren einer der jüngeren Söhne des Cheops. Er folgte seinem Vorgänger Djedefre nach dessen relativ kurzer Herrschaft auf den Thron (falls nicht die Regierung des ephemeren Bicheris zwischen ihm und seinem Vorgänger Djedefre einzuschieben ist). 

Der deutsche Ägyptologe Rainer Stadelmann identifiziert den Prinzen Khaefkhufu (Besitzer der Mastaba G 7130-7140, welche in der 1. Reihe des Familienfriedhofes des Cheops liegt) wegen der Namensähnlichkeit mit dem späteren König Chephren. Leider ist durch die starke Zerstörung der Mastaba in späterer Zeit nicht mehr eindeutig nachweisbar, ob diese Grabanlage jemals für eine Bestattung dieses Prinzen verwendet wurde.

Falls der Prinz Khaefkhufu wirklich mit Chephren identisch ist, kommt eine Bestattung von ihm in dieser Mastaba nicht in Betracht, denn nachweislich fand die Grablegung Chephren in der zweiten Pyramide von Giza statt.

Über die Person seiner Mutter gibt es zeitgenössisch keine Belege.  Roman Gundacker schlägt versuchsweise die Königin Meritities I. aufgrund ihres Titels "ehrwürdig bei Chephren" als Mutter des späteren Königs Chephren vor (siehe R. Gundacker "Beitrag zur Genealogie der 4. Dynstie" Sokar 16, S. 22). Andere Forscher sehen jedoch die auf der sog. "Inventory-Stele", (von Mariette an der Ostseite von G I-c entdeckt) als "Königstochter" genannte Prinzessin Henutsen als die Mutter des Chephren an. Wie aber schon oben bei "Henutsen" ausgeführt, existieren keine beweiskräftigen Hinweise, welche die Identität einer im Grab des  Prinzen Chaef-chufu dargestellten Königin mit der auf der "Inventory-Stele" genannten Königstochter Henutsen zeitgenössisch belegen .

-  Hordjedef/Djedefhor:   (Hr Dd=f / Dd=fHt)

 

- allgemein als Sohn von Cheops angesehen 
"Er überdauert (wie) Horus".
Titel:  sA-nsw = "Königssohn" 
Grabanlage: Doppelmastaba G 7210-20 auf dem Ostfriedhof des Cheops-Pyramidenkomplex
Ehefrau    unbekannt
Vater:
       Cheops
Mutter:     evt. Meritities I.
Kinder:      unbekannt              
Belege und Funde / Anmerkungen:
Wadi Hammamat Kartusche 4, Papyrus Westcar Kol. 6.22, Doppelmastaha G 7210-20,
Quellen:
v. Beckerath: Djedefhor "Lexikon der Ägyptologie. Bd. 1", Dodson: "Complete Royal Families",
Lexik. der Pharaonen/Schneider, Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie. S. 64–65, Porter & Moss Bd. III. S. 191.

Der Prinz Hordjedef oder auch Djedefhor war wohl ein Sohn von Cheops. Vermutlich war seine Mutter die Königin
Meritities I. Diese Annahme "fußt" allerdings nur auf die Annahme, dass die Mastaba-Besitzer in dieser Gräberreihe von der in G I-a bestatteten Königin abstammen. Wir wissen also nicht sicher, wer seine Mutter ist. Auch in den Erzählungen des Papyrus Westcar wird seine Abstammung von Cheops nicht direkt erwähnt, sondern es wird hier immer nur von einem "Prinz" erzählt. 

Die Grabmastaba G7210-7220 des Hordjedef befindet sich auf dem Familienfriedhof des Cheops-Komplexes (Ostfriedhof), unmittelbar östlich von der Mastaba des Prinzen Kawab. Die Mastaba blieb unvollendet und es ist nicht sicher, wo hier jemals wirklich eine Bestattung für Hordjedef stattgefunden hat.

Die Dekorierung der Grabanlage wurde nicht vollendet und in einer späteren Zeit sogar zum Teil zerstört. Die Annahme Reisners, der diese Zerstörung als Ergebnis einer Familienfehde unter den Nachkommen des Cheops sehen wollte, wird heute von den Ägyptologen abgelehnt. Man geht heute davon aus, dass die Mastaba für eine Nachbestattung umgestaltet werden sollte. Im Ägyptischen Museum Kairo befindet sich ein Sarkophag aus Rosengranit, der in der Mastaba gefunden wurde.

Hordjedef genoss spätestens (evtl. schon eher) ein hohes Ansehen. Er galt als großer Gelehrter und Weiser (siehe "die Lehre des Hordjedef") dessen Name im Mittleren Reich mehrfach in verschiedenen literarischen Werken erwähnt wird. Des weiteren handelt eine Erzählung des "Papyrus Westcars" vom Prinzen Hordjedef. In dieser Geschichte, welche am Hof des Königs Cheops spielt, lässt sich Cheops von den Prinzen "Wundergeschichten" erzählen. Als vierter der Prinzen erzählt Hordjedef von seinem Freund dem Zauberer Djedi aus der Pyramidenstadt Djed-Snofru bei Meidum, den er an den Königshof gebracht hatte. Dieser Zauberer verkündet dem König, "dass nach seinem Enkel Mykerinos die Söhne des Sonnengottes Re, die zukünftigen Könige der 5. Dynastie, den Thron von Ägypten besteigen würden". Auch über ein Kunststück des Zauberers Djedi berichtet der Papyrus Westcar: Er trennte den Tieren den Kopf ab und setzte ihn anschließend wieder auf, ohne dass diese dabei starben.

-  Khufukhaf I. / Chaef-Chufu - 

 

- allgemein als Sohn von Cheops angesehen 
"Cheops erstrahlt."  (nach Wolfhart Westendorf)
Titel:  sA- nsw  = "Königssohn" 
Imi-ra-semat-imentet    =   "Leiter der westlichen Wüste" (Quelle: Stadelmann SAK 11)
Grabanlage: Doppelmastaba G 7130-7140 Pyramidenkomplex des Cheops in Giza
Ehefrau    Nefret-kau
Vater:
      Cheops
Mutter:    evtl. Henutsen (rein hypothetisch(
Kinder:     Wetka und Iuenka  und eine Tochter
Belege und Funde / Anmerkungen:
Doppelmastaba G 7130-7140
Quellen:
Dodson: "Complete Royal Families", Schneider/Lex. d. Pharaonen, 
Lexik. der Pharaonen/Schneider, Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie. S. 64–65, Stadelmann: "Die ägyptischen Pyramiden" Wiss. Buchges. Darmstadt 1985, Tyldesley: "Chronicle of the queens of Egypt"

Die Herkunft und Abstammung des Chaef-chufu I. als Sohn des Cheops ist zeitgenössisch nicht gesichert. Die Wissenschaftler schließen seine Identität als Sohn Cheops aus der Position seiner Doppelgrab-Mastaba G 7130-40. Es liegen dafür aber keine zeitgenössischen Belege vor. Während die Mastaba G 7130 seiner Gemahlin Neferet-kau gehörte, ist für ihn das Grab G 7140 belegt.

Wie oben bei Prinz Chephren schon ausgeführt, vermutet Rainer Stadelmann (siehe Stadelmann SAK 11, 1984, 165ff.), dass "Chaef-chufu nach dem Tod seines Halbbruders Djedefre seinen Namen in "Chaefre - "Er erscheint wie Re" (Chephren) änderte und den Thron Ägyptens bestieg. Diese Argumentation von Stadelmann wurde von A. O. Bolshakov in den Göttinger Miszellen 146/1994, 11ff. mit gewichtigen Argumenten widerlegt (Quelle: Janosi/Giza in der 4. Dynastie, S. 104 Anmerkung 522)

Auf den Wanddekorationen in der Grabkapelle seiner Mastaba wird der Verstorbene reich geschmückt mit feinsten Hochreliefs in verschiedenen Posen und bekleidet mit einem zeitgenössisch modischen Gewand neben seiner Mutter dargestellt, welche den Titel einer Königin trägt. Auf einer Statue (Kairo CG 46), welche 1888 im sog. "Isistempel" (bei der Königinnenpyramide G I-c) gefunden wurde, ist für ihren Besitzer der "Wesirtitel" belegt, der Titel eines "Ältesten Königssohn", welcher in der 4. Dynastie mit dem Wesir-Amt verbunden war ist in seiner Mastaba aber nicht belegt.

Der Name des Besitzers ist auf der Statue weggebrochen, aber ein Statuenfragment, das aus dem Schacht der Mastaba G 7130x stammt (heute im Museum Boston), trägt den Namen des Chaef-chufu. Dieses Fragment könnte lt. Peter Jánosi (in Giza in der 4. Dynastie, S. 104, Anm. 520) Teil dieser Statue gewesen sein und damit für Chaef-chufu in den letzten Jahren - nach der Fertigstellung seiner Grabdekorationen - ihn als Wesir ausweisen (siehe dazu Reisner u. Smith in Giza II. 10). Auch Dodson in "Complete Royal Families benennt für Chaef-chufu den Titel eines Wesirs.

Bezüglich der Darstellungen seiner Mutter in der Grabmastaba liegen keine Hinweise vor, dass diese Königin tatsächlich mit der in der "Inventory-Stele" genannte "Henutsen" identisch ist, noch dass die dargestellte Mutter des Chaef-chufu in der Königinnenpyramide G I-c bestattet war, wie allgemein angenommen wird. Die Beischrift zu der Darstellung seiner Mutter lautet: "Seine Mutter, die ihn geboren, sie, die Horus und Seth sieht, in großer Zuneigung."

Neben einer Darstellung von Chaef-chufu und Nefert-kau in der Grabkapelle erscheinen dort verschiedene Kinder der beiden. Zwei Söhne mit den Namen Wetka und Iuenka werden beim Papyrusopfer dargestellt, eine unbenannte Tochter steht hinter ihren auf Hockern sitzenden Eltern.

Horbaef / Baefhor: Hr bA=f / BA=f Hr

 

- vermutlich ein Sohn Cheops -
 
Titel:  sA-nsw ="Königssohn"
Imi-ra-semat-imentet   =  "Leiter der westlichen Wüste" (Quelle: Stadelmann SAK 11)
Grabanlage: Mastaba G 7420/10 Ostfriedhof Cheopspyramide.
Ehefrau    Meresanch II. ? (seine Schwester ?)
Vater:
      evtl. Cheops
Mutter:    unbekannt
Kinder:     Sohn Djati und Tochter Neferetkau
Belege und Funde / Anmerkungen:
Doppelmastaba G 7420 Ostfriedhof Giza; Sarkophag mit seinem Namen/heute in Kairo; Fragmente mit den Inschriftenresten @r/// (Reisner-Smith in Giza II.)
Quellen:
Dodson: "Complete Royal Families", Schneider/Lex. d. Pharaonen, 
Lexik. der Pharaonen/Schneider, Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie. PM

Horbaef (auch Baefhor gelesen) war vermutlich ein weiterer Sohn König Cheops. (Der Name des Prinzen ist nicht gesichert) Über seine familiären Beziehungen liegen keine sicheren Beweise vor. Verheiratet war er mit der Prinzessin Meresanch II. (ebenfalls eine Tochter Cheops), die wohl seine Schwester war. In seiner Grabstätte werden seine Kinder Djati und die Tochter Neferet-kau genannt.

Wahrscheinlich ist Horbaef Eigentümer der Doppel-Mastaba G 7420/10 auf dem Ostfriedhof der Cheops-Nekropole. In dieser Grabanlage wurden neben einigen Relief-Fragmenten mit den Resten einer Inschrift (@r/// - was sich lt. Reisner zu dem Namen Hor-baef ergänzen läßt /was allerdings Seipel in "Königinnen, 137f" anzweifelt) auch eine kleine hölzerne Frauenstatuette gefunden (nach Porter/Moss, Band 3, S. 194), die aus der 6. Dynastie stammt und sich heute im Ägyptischen Museum Kairo befindet.

Die Zuweisung dieser Mastaba G 7420 erfolgte auch aufgrund eines großen Sarkophages aus Rosengranit (Herkunft unbekannt), der sich heute im Museum Kairo befindet und der seinen Namen trug. Leider versäumten es die Ausgräber, die genaue Fundposition dieses Sarkophags zu vermerken, aber die Mastaba G 7420 ist aufgrund ihrer enormen Größe die einzige Bestattungsanlage, welche infrage kommt, da alle anderen möglichen Mastabas eine zu kleine Grabkammer aufweisen (siehe G.A. REISNER, Giza I, 168).Horbaef ist aber auf dem Deckel und der Sarkophagwanne nur als "Prinz" ( sA-nsw) belegt. Es besteht also die Möglichkeit, dass der Besitzer der Mastaba G 7420 nicht identisch ist mit dem Eigentümer des großen Rosengranitsarkophages, da schon B. Schmitz in "Königssohn" darauf hinwies, dass "Personen, die diesen Titel ohne jeden weiteren Zusatz tragen, keine gebürtigen Prinzen waren". (also nur "Titular-Prinzen)

Minchaef/Chaefmin  (Mn.wxa=f / xa=f Mn.w)

 

- vermutlich ein Sohn Cheops -
"Er erscheint, der Gott Min"
Titel:
sA-nsw-smsw (n Xt.f) = Altester Königssohn (von seinem Leib)
tAtj = Wesir
Grabanlage:  Mastaba G 7430 A
Ehefrau    Meresanch II. ? ( seine Schwester ?)
Vater:
      wahrscheinlich Cheops
Mutter:    unbekannt (evtl. Henutsen)
Kinder:     
Belege und Funde / Anmerkungen:
Doppelmastaba G 7430/40 Ostfriedhof Giza;
Quellen:
Dodson: "Complete Royal Families", Schneider/Lex. d. Pharaonen, 
Lexik. der Pharaonen/Schneider, Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie. PM

Der Prinz Min-chaef oder nach anderer Lesart Chaef-min  war wahrscheinlich ein Sohn Cheops. Evtl. war seine Mutter die oben erwähnte "Henutsen", was aber nicht beweisbar ist. Er war Besitzer der Doppel-Mastaba G 7430/40 auf dem Ostfriedhof (Familienfriedhof) der Cheops-Nekropole. In seiner Grabanlage wurde ein beschrifteter Rosengranit-Sarkophag des Grabbesitzers gefunden, der sich heute im Museum Kairo befindet.

Min-chaef trug den Titel eines "Ältesten Königssohnes von seinem Leib" und den Amtstitel eines Wesirs (Quelle:Dodson - Complete Royal families). Laut Reisner war die Grabmastaba beim Tode des Cheops nicht vollendet, sondern nur als roher Kernbau vorhanden. So ist wohl die Verkleidung unter Chephren erfolgt.

Chamerernebti I.          ( #a mrr nb.tj )

- wahrscheinlich Tochter Cheops -
"Die Geliebte der Beiden Herrinnen erscheint”
Titel:
"leibliche Königstochter"                                             = 
zA.t nswt n.it x.t=f
"Königsgemahlin, seine Geliebte"                               = 
Hm.t nswt mrj.t=f
"Mutter des Königs von Ober– und Unterägypten" ` = 
mw.t nswt bit  
"Gottestochter"                                                             = 
sAt nTr
"Die den Horus-Seth schaut"                                        = 
mAA.t @r.w StS
"Die groß ist an
Hts–Szepter"                                       =  wr.t Hts 
"groß ist an Gunst"                                                        =  wr.t 
wr.t Hz.t 
"Priesterin des Thot und Priesterin des
Tjaisepef"      = Hm.t nTr DHwti Hm.t nTr *Ai-zp=f
Grab: :  kein Grab identifiziert
              - rein hypothetisch: G III. b oder C (lt. S. Roth ÄAT)
              - rein hypothetisch: sog. Galarzagrab (lt. V. Callender)
Vater:              evtl. Cheops oder Djedefre (?) 
Mutter:           unbekannt
Kinder:            Chamerernebti II., Menkaure (Mykerinos) (umstritten)
Belege und Funde / Anmerkungen:
1.
Fragment eines  psSkf–Messers (Mundöffnungsgerätes)
    aus dem Totentempel des Mykerinos mit Ritzinschrift, die
    Chamerernebti als Eigentümerin ausweist.
2. Türsturz vom Eingang zum Grab  der Chamerernebti II. 
    (
#a i mrrNb.t i II. ) sogenannte "Galarzagrab"
3.
Relief am Eingang zum Grab der Chamerernebti II. (Galarzagrab)- (PM III2, 274)
4. Fragment eines Statuenkopfes [der
#a imrrNb.t i] in Giseh 
5.
Relief im Grab des N.iRa.wmAa.t in Giza 
Quellen:
Dodson: "Complete Royal Families"; Schneider/Lex. d. Pharaonen, 
  Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie, B. Schmitz "Königssohn", Silke Roth "Königsmütter"
J. Tyldesley  "Königinnen des Alten Ägypten". R. Gundacker: "Genealogie der 4. Dyn. /Sokar 20"

Chamerernebti I. trug den Titel einer "leiblichen Königstochter" und die Wissenschaftler gehen allgemein davon aus, dass sie eine Tochter König Cheops war (einige Wissenschaftler ziehen auch Djedefre als Vater in Betracht) wenngleich es dafür keinen wirklichen Beweis gibt.

Auf einem Türsturz aus dem Grab ihrer Tochter Chamerernebti II., dem sog. "Galazagrab", wird die vollständige Titulatur Chamerernebtis I. genannt. Demzufolge war sie 

  1. eine leibliche Königstochter ,

  2. Königsgemahlin, seine Geliebte,

  3. die den Horus und Seth schaut (ein Königinnentitel des Altes Reiches),

  4. die groß ist an Hts-Szepter und

  5. die groß ist an Gunst

  6. Mutter des Königs von Ober- und Unterägypten,

  7. Gottestochter,

  8. Priesterin des Thoth,

  9. Priesterin des Tjaisepef.

(Quelle: siehe Roth "Königsmütter", S. 82; Dodson "Royal families")

Wahrscheinlich war Chamerernebti I. eine Gemahlin des Chephren, welcher lt. Silke Roth "Königsmütter" damit als Vater des Mykerinos/Menkaure identifizieren ist. (vergl. B. Seipel, Königinnen, 127) Der Wiener Ägyptologe Peter Jánosi zieht dagegen den ephemeren Nachfolger des Chephren, Bicheris, als Sohn der Chamerernebti I. in Betracht, ebenso wie Callender/Janosi in MDAIK 53 (1997, 19f), welche neben Chephren auch den Cheops-Nachfolger Djedefre als Ehemann der Chamerernebti I. erwägen. Die Zuordnung des Mykerinos als Sohn des Chephren und der Chamerernebti I. beruht auf die Familienrekonstruktion der 4. Dynastie von George A. Reisner.

Chamerernebti trägt auf dem Türsturz im Grab ihrer Tochter die Geierhaube und hält in der rechten Hand ein Anch-Zeichen und in der linken ein Papyrusszepter (dieses waren bis Ende der 6. Dynastie die Attribute der Königsmütter). Sie wird in den Inschriften dieses Grabes ihrer Tochter als "Königsmutter" bezeichnet. Chamerernebti I. war in einer heute völlig zerstörten Darstellung auf dem Grabeingang zusammen mit ihrer Tochter und deren Sohn Chuenre dargestellt, wobei die verwandtschaftlichen Verhältnisse durch die Inschrift: "[Ihre] älteste [Tochter]" [zA.t=s}smsw.t" belegt wird. In gleicher Manier erscheint auf dem Türsturz des Grabes die Titulatur der Königsmutter an erster Stelle, während die der Tochter an zweiter Position folgt und durch "zA.t=s smsw.t " eingeleitet wird (Zitat S. Roth "Königsmütter", S. 83.

Im Totentempel des Chephren wurde ein aus Alabaster gefertigter kleiner, abgebrochener Frauenkopf, gefunden, der mit einem vermutlich aus Metall gearbeiteten Uräus (heute verloren) geschmückt war (heute ägyptisches Museum Leipzig - Inv. Nr. 1965), welchen Silke Roth als Anhaltspunkt für eine Identifizierung Chamerernebti I. als Mutter Mykerinos anführt (Roth "Königsmütter S. 87). Dieses Köpfchen wurde von Biri Fay (Beleg IV.4.4/4:6, Fay, L'art de l'Ancien Empire, 103 - bei Silke Roth, "Königsmütter S. 87, Anm. 471) anhand kunsthistorischer Vergleiche in die Zeit des Mykerinos datiert. (vergl. Gundacker: Genealogie der 4. Dynastie, Sokar 20, S. 32) Lt. Gundacker ist es aber auch möglich, dass (Zitat) "der Uräus erst nachträglich angebracht wurde und gar nicht mehr aus Mykerinos Regierungszeit stammt, was lediglich gestattete, die Dargestellte als Mutter des Nachfolgers Mykerinos zu identifizieren, nicht aber dessen selbst. Gundacker führt nun aus, dass (Zitat) "andererseits angesichts des Fehlens jeglicher Aufschrift für den Fall, dass die vorliegende Bearbeitung bereits vollständig in Mykerinos Regierung ausgeführt wurde, nicht aussagt, dass es sich um Chamerernebti I. handelt."

Ein Foto dieses kleinen Kopfes siehe hier - Flickr Album Horus -

Reisner fand bei seinen Ausgrabungen rund um den Totentempel des Mykerinos das Fragment eines "Peseschkaf-Messer" (psSkf–Messer) (Mundöffnungsgerät( welches die Ritz-Aufschrift trägt:
"mw.t- njcwt #ajmrrNb.tj"
(Königsmutter Chamerernebti)

Reisner gibt als Fundort nur an, dass der Fund in einem Loch im Boden eines Korridors im Nordwesten des Tempels, welcher zu mehreren Magazinen führt, gemacht wurde.
(Quelle:Reisner, Mycerinus - und Porter u. Moss Bd. III., S. 32f)

Silke Roth möchte in diesem Fund und dem Fundzusammenhang eine Bestätigung für die Verbindung Chamerernebtis zu Mykerinos sehen (Roth "Königsmütter", S. 82).

(Zeichnung:  nach ÄAT 46 S. Roth, Königsmütter, S. 536 bearb. v. Nefershapiland)

           
Unter den Gelehrten wird seit vielen Jahren darüber diskutiert, ob das sog. Galarzagrab ursprünglich für Chamerernebti I. oder für ihre Tochter Chamerernebti II. errichtet worden war. George E. Daressy ging noch davon aus, dass das Galarzagrab die letzte Ruhestätte Chamerernebtis I. und diese die Mutter Chephrens war. Erst Elmar Edel (siehe Edel, Inschriften AR IV, S. 333-336 und Edel Inschriften AR V. S. 183-187) identifizierte das Galarzagrab als Bestattungsanlage für Chamerernebti II. Heute gehen die meisten Wissenschaftler davon aus, dass diese Grabstätte ursprünglich für die Königsgemahlin Chamerernebti I. begonnen und später von ihrer Tochter Chamerernebti II. vollendet wurde. Spätestens zum Zeitpunkt des "Aufstiegs" zur "Königsmutter"  von Chamerernebti I. war wahrscheinlich diese Grabstätte nicht mehr angemessen - evtl. stand zu diesem Zeitpunkt für sie eine andere Begräbnisstätte zur Verfügung - und sie übertrug es ihrer Tochter.

Meresanch II.       (Mr=s anx)

 

- Tochter Cheops
 
Titel:  
Hmt nswt (hemt nesut)   = Königsgemahlin
sAt-nsw n.it x.t=f           = Königstochter von seinem Leib
mAA.t
@r.w StS = die Horus und Seth schaut
Grabanlage: Doppel-Mastaba  G 7410 B Ostfriedhof Giza
Ehemann:     evtl. Prinz Horbaef
Vater:
           Cheops
Mutter:         Meritites I.
Kinder:        
Sohn Djati und Tochter Neferetkau
Belege und Funde / Anmerkungen:
Doppelmastaba 7410 Giza; Sarkophag; Relieffragmente aus der Opferkapelle - beides in Boston
Quellen:
Dodson: "Complete Royal Families", Schneider/Lex. d. Pharaonen; 
Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie.  

Meresanch II. war eine Tochter König Cheops und es wird allgemein angenommen, dass sie in 1. Ehe mit einem Prinzen Horbaef (evtl. Sohn König Cheops - also ihrem Bruder) verheiratet war und in zweiter Ehe mit einem König, wobei hier eigentlich nur Djedefre, Bicheris oder Chephren infrage kommen. Sie war lt. Inschrift in ihrem Grab die Mutter von Djati (mastaba G 7810 lt. Dodson "Royal Families"), welcher die Titel "leiblicher Königssohn" und "Expeditions-Aufseher" trug (siehe Dodson) und einer Tochter mit Namen Neferet-kau (C) (belegt mit ihrem Gemahl in G 7820) sowie weitere Tochter mit Namen Nebty-tepites.

Meresanch II. war Besitzerin der Mastaba G 7410 B (PM III.². 194) in welcher Relieffragmente aus der Opferkapelle gefunden wurden, die sich heute im Museum of Fine Art in Boston befinden. Diese Relieffragmente zeigen Meresanch II. in einem Boot sitzend. Merkwürdigerweise belegen die Inschriften in ihrer Grabkapelle nur den Titel "leibliche Königstochter" für Meresanch II., während auf ihrem Sarkophag für sie der "Königinnentitel" (Hmt nswt = hemt nesut) belegt ist. Daher wird in der Wissenschaft allgemein angenommen, dass sie mit dem Prinzen Horbaef in 1. Ehe verheiratet war (aus dieser Ehe stammen auch die Kinder) und nach dem Tode von Horbaef dann in 2. Ehe mit einem König, dessen Identität ungeklärt bleiben muss. Die Zuweisung der Mastaba G 7410 B für Meresanch II. gilt als gesichert, hingegen bleibt die Zuweisung von G 7420 A für Horbaef umstritten (siehe oben).

Während der Ausgrabungen von 1927 (Reisner) wurde der Sarkophag der Meresanch II. auf dem Ostfriedhof von Giza gefunden. Der heute im Museum of Fine Art in Bosten befindliche Sarkophag besteht aus Rosengranit und der Deckel ist mit einer Opferliste und der Darstellung des Gottes Anubis als Schakal. Eine der Sarkophagseiten zeigt die stilisierte Darstellung einer Palastfassade, in deren Zentrum sich die Palasttüren befinden. Links von der Palastfassade befindet sich die Inschrift: "Königstochter von seinem Leib", auf der rechten Seite steht: "...die Horus und Seth schaut" (mAA.t @r.w StS), die Königsfrau Meresanch, seine Geliebte". Der Anubis-Schakal, die Palastfassaden und einige der Inschriften tragen noch Reste der originalen Farbe.

Sarkophag von Meresanch II aus Mastaba G 7410B Giseh

Material: roter Granit
heute: Museum of Fine Arts, Bosten
Datei: 
Sarcophagus of Quenn Meresankh II.

Autor:  Hans Ollermann / 
Flickr-photos , Museum of Fine Art
Lizenz: All rights reserved by Hans Ollermann

 

Hetepheres II.

- Tochter Cheops
 
Titel:  
Hmt nswt (hemt nesut) = Königsgemahlin
sAt-nsw n.it x.t=f        = Königstochter von seinem Leib
mAA.t @r.w StS = die Horus und Seth schaut
Grabanlage:
als Gemahlin Kawabs:
Doppelmastaba G 7110/7120 Ostfriedhof Cheops; 
als evtl. Gemahlin des Djedefre: Mastaba bei der Djedefre-Pyramide, Abu Roasch (?)
Mastaba G 7520-7530, später Mastaba 7530-7540 mit Felsgrab 7530 (sub) von Meresanch III. Giza evtl. abgetreten an ihre Tochter Meresanch III. (PM III.², 197-199)
Ehemann:     Prinz Kawab und evt. Djedefre, Bicheris oder Chephren
Vater:
           Cheops
Mutter:         unbekannt, evt. Meritites I. (lt. Reisner u. Smith)
Kinder:        
Djedefmin, Kaemsechem, Duaenhor (umstritten) und Meresanch III.          
Belege und Funde / Anmerkungen: teilweise nach Roth: Königsmütter, S. 389-90)
Mastaba G 7530-7540 und Felsgrab G 7530sub:
Zwei Steinmetzgraffiti am Oberbau der Mastaba [PM III², 197]M
Sarkophag Hetepheres II. - später Meresanch III.: Kairo JdE 54935 [PM III.², 199]
Doppelstatue Hetepheres II. und Meresanch III.: Boston 30.1456 [PM III², 199];M
Relief im Grab Meresanch III. - Hauptraum, Ost-Wand (Papyrusrascheln), [PM III² 198];
Relief im Grab Meresanch III. - Hauptraum, West-Wand [PM III.² 198];
Statuen im Grab Meresanch III. - Nordraum (10 halbplastische Statuen, Architrrav) [PM III.² 199]
weitere Funde:
Friesinschrift an der Mastaba des
xmt.nw (Chemetnu) - (Mastaba G 5210) Giza [PM III.², 155]
Gefäßdeckel, Privatsammlung (KBIÄF, 32 Taf. 10, 12) - Fundort unbekannt
Quellen:
Dodson: "Complete Royal Families", Schneider/Lex. d. Pharaonen, 
Lexik. der Pharaonen; Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie.  Tyldesley: Königinnen des Alten Ägyptens 2006.

Hetepheres II. war eine Tochter von König Cheops. Über ihre Mutter ist nichts überliefert, es sei denn, man folgt Reisner und Smith ("A History of the Giza Nekropole, Vol. H, The Tomb of Hetepheres, CambridgeMass. 1955, 6f."), welche die "Königin Meritities, die Besitzerin der nördlichsten Königinnenpyramide G I-a als Mutter von Hetepheres II. und ihrem ersten Gemahl Kawab ansehen möchten. 

Alle Informationen, welche wir von Hetepheres II. besitzen, stammen aus dem Grab ihrer Tochter Meresanch III. in der Nekropole 7000 in Giza (G 7530-7540) und von dem an ihre Tochter übertragene Sarkophag sowie eine Nennung auf einem Architrav im Grab eines Totenpriesters mit Namen Chemetnu (Mastaba G 6210), welcher auch im Grab G 7530sub genannt wird (siehe Gundacker: Genealogie der 4. Dynastie, Sokar S. 34). 

Über ihre letztendliche Grabstätte ist nichts bekannt. Ursprünglich war für sie und ihren Mann Kawab eine Bestattung in der Doppelmastaba G 7170-7120 vorgesehen. Kawab und Hetepheres II. waren die Eltern von Meresanch III. und den Söhnen Djede-min, Kaem-sechen und evtl. Duanhor. Aufgrund des frühen (?) Todes des Kawabs wurde er dort allerdings allein bestattet und der für Hetepheres II. vorgesehene 2. Grabschacht blieb leer.

Lt. den Inschriften im Grab ihrer Tochter Meresanch III. (G 7530-7540) und der Inschriften auf dem später ihrer Tochter Meresanch III. überlassenen Sarkophag (heute Kairo JdE 54935 - PM III.², 199) muss sie später in einer zweiten Ehe einen bislang unidentifizierten König geheiratet haben

Belege für Hetepheres II. in Mastaba G 7530-7540 und Felsgrab G 7530sub u. Sarkophag.

- Quellen:  (Jànosi Hetepheres II., S. 54 ff. in ZÄS 123, 1996 u.  Ein Beitrag zur Genealogie der 4. Dynastie / R. Gundacker in Sokar 16/2008)
  1. Zwei Steinmetzgraffiti am Oberbau der Mastaba (PM III², 197

  2. Sarkophag Htp-Hr=sa II. (Hetepheres II.) - später Meresanch III.) Kairo JdE 54935 (PM III.², 199.

  3. Doppelstatue Hetepheres II. und Meresanch III.: Boston 30.1456 (PM III.², 199=

  4. Relief im Grab Meresanch III., Hauptraum Ost-Wand (Papyrusrascheln), PM III.²

  5. Relief im Grab Meresanch III., Hauptraum, West-Wand (PM III.², 198

  6. Statuen im Grab Meresanch III., Nordraum (10 halbplastische Statuen, Architrav) 
    PM III.², 199

In einer horizontal umlaufenden Stiftungsinschrift auf dem Sarkophag Meresanch III. befindet sich die Titulatur der Hetepheres II. (D. Dunham-W. K. Simpson, Mersyankh IIl, 21, pI. XV, Fig. 14. in Janosi ZAS Hetepheres II. 1996).Diese Inschrift besagt, dass Hetepheres diesen Sarkophag an ihre Tochter Meresanch III. übertragen hat.

"Hiermit übergebe (ich) (dies) (meiner) Tochter," 
[oder: " der Königstochter und ]
der Königsgemahlin Merisanch (III.)"

(Quelle: Gundacker Genealogie der 4. Dynastie, Sokar 16, S. 39)

Aus der Inschrift ist wohl zu entnehmen, dass beide Personen zum Zeitpunkt der Übergabe noch am Leben waren und Hetepheres den Sarkophag aus unbekannten Gründen nicht mehr  für sich benötigte. Wenn man von der Annahme ausgeht, dass Hetepheres in zweiter Ehe evtl. mit Djedefre (Chephren ist lt. Gundacker auszuschließen, da dieser mit ihrer Tochter Meresanch III. verheiratet war; dagegen Jánosi, der Chephren (?) doch in Betracht zieht - siehe ZAS Hetepheres) verheiratet war ließ sie sich nach der wohl kurzen Ehe mit diesem König, die bereits unter Cheops begonnene Mastaba G 7520/30 ausbauen. König Chephren ließ dann für seine Gemahlin Meresanch III. die Anlage G 7530sub hinzufügen. Roman Gundacker folgert nun (siehe Gundacker Genealogie), dass Hetepheres II. beim Tode des Chephren diese Anlage 
G 7520/30 ihrer Tochter überließ. Er vermutet Hetepheres II. als Mutter von dem Djedefre-Sohn Bicheris, was bedeutet, dass sie als Mutter des (evtl.) Djedefre-Nachfolgers Bicheres ein "angemesseneres Grab zu erwarten hätte". 
Da Bicheres aber wohl vorzeitig starb, ließ sein Nachfolger Mykerinos nun "in Form der Pflichterfüllung" die Königinnen-Pyramide G I-c für Hetepheres herrichtete. (Wobei man evtl. die "angenommene Besitzerin" der Königinnenpyramide G I-c Henutsen gleichsetzen kann). Meresanch III. ließ nun den Grabbau 7520/30 zu G 7530/40 umgestalten, unter dem nun nur noch das weiter ausgebaute Felsgrab G 7530sub lag. Vermutlich starb Hetepheres II. im gesegneten Alter von ca. 70-75 Jahren in der Regierungszeit von Mykerinos.
(siehe Gundacker Genealogie der 4. Dynastie, S. 43 Sokar 16)

Diese Theorie muss aber in vielen Punkten rein hypothetisch bleiben - kann daher nur durch Neufunde weiter untermauerst und bewiesen werden. 

Hetepheres II. mit "goldenem Haarnetz"
Hauptkultkammer Grabanlage ihrer Tochter

Hetepheres II. und Meresanch III.
Kalksteindoppelstatue aus dem Grab der Meresanch III. G 7540

(Zeichnung: Aus der Arbeit von: DunhamDows, Simpson William Kelly : "The Mastaba of Queen Mersyankh III", Giza Mastabas 1 - bearb. v. Nefershapiland)
Darstellung im Grab von Meresanch III. Hetepheres scheint  ein "goldenes Haarnetz" zu tragen, was aufgrund der verschiedenen fehlerhaften Annahmen zu Legenden über ihre ethnische Herkunft führte.

Datei: HetepheresII-and-MeresankhIII-PairStatue
            MuseumOfFineArtsBoston.jpg
User:   Captmondo
Lizenz: Creative Commons CC-BY-SA-2.5

 

Östl. Wand des Hauptraumes  Grab Meresanch III.
In der Darstellung des "Papyrusraschelns" wird die Mutter der Meresanch III., Hetepheres II., ausdrücklich als:
"Ihre Mutter, die Tochter des Königs von Ober- und Unterägypten Chufu."

Umzeichnung des Relief im Grab der Meresanch III.
- Östliche Wand - Hauptraum -





       (Bild: Reisner 1927 bmfa - Bildausschnitt) Umzeichnung aus  GiM  1, Abb. 4, Beleg IV.3.1/2:5 (Kelly-Simpson: Giza Mastabas, Boston) bearb. v. Nefershapiland

Auffallend ist, das Hetepheres II. im Grab ihrer Tochter Meresanch eine bedeutende Stellung und eine außergewöhnliche Betonung ihrer Person im Bild- und Statuenprogramm einnimmt. Es ist kein anderes Grab einer Königin mit einer solchen Hervorhebung bekannt.

Im Pyramidenbezirk des Djedefre (ihres mutmaßlichen 2. Gemahls) von Abu Roasch wurde eine Sphinx-Skulptur gefunden mit gelber Farbe im Gesicht. Aufgrund der Fundlage und der Einschätzung als evtl. weibliche Sphinx möchten einige Ägyptologen diese als Sphinx-Darstellung der Hetepheres sehen.

   Sphinxfigur aus bemaltem Kalkstein
Kairo: JE 35137 - Länge 74 cm

Königinnensphinx, die vermutlich eine der ersten Sphinx-Darstellung der ägyptischen Geschichte ist.

Einige Ägyptologen möchten diese Sphinx, die im Pyramiden-Komplex des Djedefres in Abu Roasch gefunden wurde, Königin Hetepheres II. zuschreiben. Die Zuweisung erfolgte vermutlich aufgrund der Fundlage und der gelben Farbe des Gesichtes. (evtl. eine weibliche Sphinx-Variante)

(Bild: Jon Bodsworth - public domain)

 

Neferetiabet / Nefret-Jabet  (Nfr.t j3b.t)

 

- Tochter Cheops (umstritten) - 
 
Titel:  
sA.t-nsw nfr.t-iAb.t             = Tochter des Königs, Nefertiabet
Grabanlage: 
Mastaba G 1225 auf dem Westfriedhof in Giza
Ehemann:     unbekannt
Vater:
           Cheops
Mutter:         unbekannt
Kinder:         unbekannt
Belege und Funde / Anmerkungen:
Opfertafel aus Mastaba G 1225, Westfriedhof in Giza (heute im Louvre E 15501 )
Sitzfigur aus dem Grab (heute in München(
Quellen:
Dodson: "Complete Royal Families", Schneider/Lex. d. Pharaonen, 
Lexik. der Pharaonen; Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie.  

Nefretiabet war vermutlich eine Tochter von König Cheops (umstritten) und ihr gehörte die Mastaba G 1225 auf dem westlichen Gräberfeld der Cheopspyramide. Im Inneren ihrer Mastaba wurde eine gut erhaltene Opfertafel gefunden. Sie befindet sich heute im Louvre. 

       Opfertafel der Prinzessin Neferetiabet/Nefret-Jabet
                        -  heute im Louvre Paris E 15501 - 
Die Opferplatte wurde lt. Reisner (Giza I. 403) 1902 von M. Ballard gemeinsam mit dem sie umgebenden Mauerwerk des Tumulus herausgebrochen.

Sitzfigur aus dem Grab der Nefret-Jabet in Gizeh
heute im Staatl. Museum Ägypt. Kunst in München 


Datei:  Neferetiabet.jpg
Autor: 
Einsamer Schütze
Lizenz: Creative -Commons-Lizenz Namensnennung
             3,0 Unported aus Wikipedia
Datei:  Nefret-Jabet 2500 BC statue.jgp
Autor: 
Manfred Werner (aus Wikipedia)
Lizenz: Creative -Commons-Lizenz Namensnennung
             3,0 Unported aus Wikipedia

Auf der Opfertafel der Prinzessin Neferetiabet/Nefret-Jabet aus ihrer Mastaba G 1225 in Giza ist diese mit einem langen Pantherfell-Kleid bekleidet und trägt eine schwarze Landhaarperücke. Nefret-Jabet sitzt nach rechts gewendet vor einem Opfertisch auf dem Brotopfer gestapelt sind. Unter dem Opfertisch sind weitere Opfergaben zu sehen: 

links unter dem Opfertisch:   Textilien und Salbe

rechts unter dem Opfertisch: Brot, Bier, Oryx, Geflügel und Rindfleisch.

Auf der rechten Seite der Opfertafel befindet sich eine Bestandsliste der Kleider und Textilien, welche sie für die Götter opfert.

Es liegen keine näheren Informationen über die Eigentümerin der Mastaba vor. Anhand des niedrigsten Rangstufe eines Prinzessinnentitel (Königstochter) ist nicht ersichtlich, ob sie tatsächlich eine leibliche Königstochter war oder ob es sich hierbei nur um einen Rangtitel handelt. Die Wissenschaftler nehmen aber aufgrund der Position ihres Grabes an, dass sie eine Tochter König Chufus war. Allgemein wird sie als Gemahlin einem der männlichen Grabbesitzer in G 1200 zugeordnet.

Die 24,25 m x 11,05 m große Mastaba besaß ursprünglich einen Bestattungsschacht, in welchem Nefret-Jabet bestattet wurde. Der Schacht enthielt eine Passage und eine Kammer. Die Ausgräber fanden Fragmente eines weißen Kalkstein-Sarkophages mit einem flachen Deckel. In einer der Ecken befand sich eine Grube, welche die Kanopenausstattung der Prinzessin aufnehmen sollte. In der Bestattungskammer wurden auch einige Schalen und Vasen gefunden. In einer späteren Zeit wurde ein zusätzlicher Schacht gegraben, welcher aber komplett geplündert war.

Kawab:    K3 wab

 

- Bruder oder Sohn des Cheops -
Titel:  
sA nswt n Xt.f smsw
jrj-pat
HAtj-a
tAjtj-sAb-TAtj
xrp jA.t nb.t nTrj.t  ((belegt im Grab seiner Tochter Meresanch III.)
"Ältester Königssohn (of his body)"
"Erbprinz"
"Fürst, Reichsgraf"
"Wesir"
"Leiter jeder göttlichen Stätte" 
weitere Titel  Kawabs sind nur fragmentarisch erhalten und können nur teilweise aus den Schriftfragmenten ergänzt werden, wie z. B.: "Palastverwalter", "Vorlesepriester", "Kultadlatus Duaus".
Auf dem Sarkophag Kawabs stehen neben verschiedenen Varianten des Prinzentitels auch die religiösen Titel: "Gottesdiener der Selkis", "Günstling Anubis".
Grabanlage: 
Doppelmastaba G 7110/20
Ostfriedhof der Cheopspyramide.
Ehefrau:        Hetepheres II.
Vater:
            Snofru oder Cheops
Mutter:          unbekannt.
Kinder:          Kawab der Jüngere,
Meresanch III., Djedefmin, Kaemsechem, 
                       Duaenhor (umstrittem)           
Belege und Funde / Anmerkungen:
Kapelle und Statuenfragmente aus der Mastaba G 7120 Ostfriedhof Giza; Steinsarkophag des Kawab (heute in Kairo); Beischriften und Darstellungen im Grab seiner Tochter Meresanch III.; Mastaba des Totenpriesters Chemetnu (G 5210) aus der 19. Dynastie; Statue aus Memphis (heute Kairo JdE 40431) mit Inschriften und Restauration durch Chiemwase (Sohn Ramses II.)
(siehe dazu: R. Gundacker/Genealogie der 4. Dyn./Sokar 16, 2008, S. 27-33)
Quellen:
Dodson: "Complete Royal Families", Schneider/Lex. d. Pharaonen, 
Lexik. der Pharaonen; Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie.; W. K. Simpson: Giza Mastabas Vol. 3. The Mastabas of Kawab, Khafkhufu I. u. II. 1978; Roman Gundacker: Ein Beitrag zur Genealogie der 4. Dynastie. In: Sokar, Nr. 16, 2008, S. 22–51

Die Abstammung Kawabs ist nicht vollkommen sicher zu bestimmen. Man hielt ihn lange Zeit für einen Sohn von Cheops und seiner Gemahlin Meritites I., der als Kronprinz nach Cheops dazu ausersehen war, den Thron Ägyptens zu besteigen, der aber noch während der Regierungszeit seines Vaters verstarb. In seiner Doppel-Mastaba G 7110/20 fand Reisner ein Fragment, welches zusammen mit anderen Bruchstücken zu einer Szene ähnlich der in Chaef-chufs Mastaba G 7130/40 gefundenen Darstellung zusammengesetzt und ergänzt wurde. Dort ist der Grabherr zusammen mit seiner Mutter zu sehen. Das Relieffragment in der Mastaba G 7110/20 von Kawab enthält den Namen Meritities, woraus aber nur zu entnehmen ist, dass die Mutter von Kawab diesen Namen trägt. Sowohl W. Seipel (siehe Seipel: Königinnen, 100f) und S. Roth (Königsmutter, 48 Anm. 256) sind der Meinung, ob diese in der Kawab-Mastaba erwähnte Frau nun die Hauptgemahlin des Cheops und die evtl. Besitzerin der Königinnenpyramide G I-a war, bleibt bislang völlig offen.

Die Herkunft des Kawab ist nicht mit völliger Sicherheit zu bestimmen. Lange Zeit wurde er als ältester Sohn von König Cheops und dessen Gemahlin Meritites I. angesehen. Dodson tituliert Kawab in "Complete Royal Families" als "Ältester Königssohn (of his Body)" - und als früh verstorbener Thronerbe Chufus/Cheops. Nach neueren Erkenntnissen scheint er aber eher ein Sohn Snofrus und somit ein Bruder Cheops gewesen zu sein.
Kawab bekleidete zahlreiche Ämter, darunter auch das Amt eines Wesirs. Sein Name und seine Titel sind in seinem Grab  (G 7110/20) dokumentiert (allerdings nur fragmentarisch).
(nach Zitat Roman Gundacker: Ein Beitrag zur Genealogie der 4. Dynastie, Sokar 16)

 

   Relief aus dem Grab des Prinzen Kawab

Das Bild zeigt aber aller Wahrscheinlichkeit nicht den Grabbesitzer Kawab selbst (lt. Text Museum of Fine Arts in Boston), sondern einen seiner Aufseher bei einer Vogeljagdszene in den Sümpfen. Dieser befindet sich auf einem kleinen Boot und hält ein Ruder in seinen Händen. Hinter ihm befindet sich ein Reiher, der auf einem Käfig mit Stockenten steht. Obwohl dieses Relief-Fragment alles ist, was von der Szene erhalten blieb, ist doch anzunehmen, dass sich im mittleren oder hinteren Bereich eine große Figur des Kawab selbst befindet.

Abmessungen:
Höhe: 55,2 cm; Breite: 36,8 cm; Tiefe: 20,9 cm
Material: Kalkstein

Bild:        Relief aus dem Grab des Prinzen Kawab
Urheber: Marcus Cyran
Lizenz:    CC BY-3.0

Ebenso wie Roman Gundacker hegt auch der Wiener Ägyptologe Peter Jánosi Zweifel daran, ob Kawab überhaupt ein Sohn des Cheops war. Ebenso weist auch Jánosi mit Recht daraufhin, dass alle für die Abstammungsthese herangezogenen Argumente hauptsächlich aus den Untersuchungen von G. A. Reisner stammen und auf die Theorie basieren, dass auf dem sog. "Familienfriedhof Giza 7000 ursprünglich nur direkte Nachkommen König Cheops eine Grabmastaba zugewiesen bekamen. Allerdings trug Kawab den in Dodsons "Complete Royal Families" erwähnten Titel des "Ältester Königssohn (of his Body)" schon vor seiner Ernennung zum Wesir, und ist daher als Sohn eines Königs anzusehen. Fraglich ist hier nur, wessen Sohn? Allgemein sind die Ägyptologen heute der Ansicht, dass Kawab eher ein Sohn Snofrus (also ein Halb-/oder Vollbruder Cheops) war als der Thronfolger Cheops.

Eine in Memphis gefundene Sitzstatue (Kairo JdE 4031), ist der einzige Beleg für den Titel Kawabs als "leiblicher Königssohn, Fürst und Wesir". Diese wurde von Prinz Chaemwaset (dem Sohn Ramses II.) aus der 19. Dynastie restauriert und von Giza nach Memphis gebracht, wo sie am 20. Juni 1908 in Mit-Rahina gefunden wurde. Der Titel "Wesir" ist weder in seiner Grab-Mastaba noch im Grab seiner Tochter (im welchem er als ihr Vater dargestellt ist) belegt. Nur auf der unten abgebildeten Sitzstatue (heute in Kairo JdE 40431) ist uns der Wesirtitel für Kawab überliefert, wobei die Beschriftung aus der 19. Dynastie stammt.

                    Sitzfigur des Prinzen Kawab, aus Mit-Rahina mit Inschrift des Chaemwase
heute im Museum Kairo (JdE 40431 - gefunden am 20. Juni 1908 in Mit-Rahina)
Material:
Diorit, Kopf und Schultern sowie Teile der Fußplatte sind abgebrochen. 
Höhe des erhaltenen Fragmentes 55 cm. 
Die Figur stellte den Prinzen Kawab sitzend und das Leopardenfell tragend dar. Während die Inschrift auf der Vorderseite des Sitzes aus dem Alten Reich stammt (Titel und Name des Kawab [KA-wab], ist die Inschrift auf den drei Seiten des Sitzes von dem Prinzen Chaemwase angebracht worden.  
(Bilder: Chaemwese ÄA Band 27/Farouk Gomaa 1973)

Eine weitere Erwähnung des Kawab befindet sich im Grab des Totenpriesters Chemtenu (G 5210) in Giza. Dieser erscheint auch in den Darstellungen im Grab der Meresanch III. in der Funktion der Aufseher der Totenpriesters (siehe B. SCHMITZ, „Königssohn), Interessanterweise trägt Kawab auch in den Grabinschriften von Chemtenu in G 5210 (19. Dynastie) nicht den Wesirtitel, sondern nur die Titel des "Iripats" und des "Königssohns", was merkwürdig erscheint, da Chemtenus Bestattung sicherlich später als die Lebenszeit von Kawab zu datieren ist.

Als weiterer Beleg für die Titel des Kawab dient sein Granit-Sarkophag (heute Kairo JdE 54937), der in seiner Mastaba gefunden wurde. Die Inschriften auf diesem Sarkophag lauten:

  1. "A boon which the king gives and Anubis, foremost of the divine booth, a burial in the necropolis as a possessor of a well provided state before the great god, officiant of Anubis, priest of Selket, Kawab
  2. A boon which the king gives and Anubis, foremost of the divine booth, a burial in the necropolis in the western cemetery, having grown gracefully old, the king’s son of his body, Kawab
  3. King’s eldest son of his body, officiant of Anubis, Kawab."

(Quelle: Simpson, William Kelly. The Mastabas of Kawab, Khafkhufu I and II. Giza Mastabas 3. Boston: Museum of Fine Arts, 1978. pg 1-8, Plate I-X, Retrieved from gizapyramids.org)

 

Steinsarkophag des Kawab - Museum Kairo
- ein königlicher Prinz Ägyptens während der 4. Dynastie -
evtl. ein Sohn Snofru oder Cheops -

        Relief des Kawab im Grab der Meresanch III:

Datei:  Kawab.JPG (Originalbild) - in Wikipedia
Autor:  Udimo
Lizenz: Creative Commons-Lizenz, Namensnennung 3.0 Unported
Bild: aus "Die Welt aus der wir kommen" / Piggott 1961
Droemer Verlag Stuttgart 

Eine Darstellung Kawabs befindet sich auf der Ostwand des Hauptraumes in der Mastaba seiner Tochter Meresanch III. Neben der Grabbesitzerin selber ist dort auch ihre Mutter Hetepheres II. dargestellt. Aus den Inschriften geht eindeutig das Familienverhältnis dieser drei Personen zu der Grabeigentümerin Meresanch III. hervor. Zwar geht aus den beigefügten Inschriften die Abstammung der Hetepheres II. als leibliche Tochter Cheops klar hervor (was im Alten Reich selten der Fall ist - nur im Grab eines Totenpriesters der Königin Rechitre wird diese als "Tochter des Chephren" genannt /siehe dazu S. Hassan, Giza VI/3, 22 - bei Janosi, giza 4. Dynastie), die Abstammung ihres Vaters Kawab wird aber nicht genannt. Dazu gibt es evtl. zwei Gründe

(Zitat: siehe Janosi, Giza 4. Dynastie)

"Entweder war die Abkunft des Kawab zur Zeit der Anbringung der Inschrift so selbstverständlich und daher nicht erwähnenswert oder aber Kawab war eben kein Sohn des Cheops (seine Abstammung wird nur aufgrund der Position seines Grabes erschlossen)."

 

Statuen und Bildnisse des Cheops:

Es existieren so gut wie keine absolut gesicherten rundplastische Darstellung König Cheops, wenn man von der kleinen Sitzstatue, die sich heute im Museum Kairo 8(JE 36143) absieht. Diese kleinformatige Plastik  aus Elfenbein fand Flinders Petrie 1903 im Chontamenti-Tempel in Abydos. 

Von der Statuen-Ausstattung der Tempel seines Pyramidenbezirks blieben nur Fragmente erhalten. 

                          Sitzstatue Cheops/Khufu
                    - heute Museum Kairo: JdE 36143 -
      Material: Elfenbein; H. 7,5 cm; L. 3,9 cm, B. 2.5 cm

Von dem Erbauer der großen Pyramide in Giza existiert nur ein einziges gesichertes Abbild. Sie stellt den thronenden König auf einem Block-Thron mit kurzer Rückenlehne da. Auf dem Kopf trägt er die rote unterägyptische Krone. Die linke Hand ruht ausgestreckt auf seinem Oberschenkel, in der rechten Hand, die auf der Brust liegt, hält er die Geißel.

Links und rechts neben den Füßen am Thron befand sich einst eine Inschriftenzeile, von der sich nur die rechte mit dem Horusnamen erhalten hat, während die linke Seite ganz zerstört ist. Bei der Auffindung war die Statuette zerbrochen, erst Wochen später wurde der Kopf gefunden.

(Bild: Thanks to Jon Bodsworth for public domain)

Die Wissenschaft ordnet heute König Cheops/Chufu aufgrund stilistischer Ähnlichkeit mit der oben beschriebenen kleinen Sitzstatue aus Kairo oder aufgrund der Fundsituation noch eine Reihe weiterer Funde zu. Im Museum of Fine Art in Boston befinden sich Fragmente von insgesamt drei evtl. Cheops-Statuen.

  1. Fragment Nr. 25.1509a-b
    Bruchstücke von einer Alabaster-Sitzstatue - von ihr sind zwei Fragmente erhalten geblieben. Sie wurden
    1925 bei den Ausgrabungen der Harvard University of Bosten in der Nähe des Hetepheres-Schachtes gefunden.
    Eines der beiden Bruchstücke zeigt den rechten Arm des Königs, der auf  seiner Brust ruht.
    Das zweite Fragment stammt von einer Statuenbasis und einem Fuß.
    - Bilder siehe hier -

  2. Fragment Boston (Accession-Nr. 27.1466)
    Das zweite Fragment aus Boston  wurde in der Mastaba des Idu (G 7102) auf dem Familienfriedhof des Cheops in Giza gefunden. Es gehört zu einer lebensgroßen Alabaster-Statue des Königs, welche ebenfalls von dem Ausgrabungsteam der Harvard University 1925 gefunden wurde. Das modern zusammengefügte Fragment umfasst die Flügelspitze des Horusfalken und Teile eines Hinterkopfes.
    - Bild siehe hier -

  3. Fragment Boston
    In Boston befindet sich ein weiteres Fragment mit den Resten eines Löwenkopfes, der evtl. zu einem Thron des Königs gehörte
    (siehe dazu Smith: A History of Egyptian Sculpture and Painting in the Old Kingdom).

Außer den Fragmenten in Bosten existieren noch drei Statuenbasen - alle in Giza gefunden - welche nach Meinung der Wissenschaft zweifelsfrei Cheops zugeordnet werden können. 

  1. Im Museo Egizio in Turin befindet sich das Fragment einer Kalkstein-Statuenbasis mit den Maßen 3,3 cm x 4,5 cm x 2,6 cm. Es zeigt den linken Fuß des Königs. Daneben befinden sich Reste einer Kartusche von der noch die beiden Hieroglyphen "....fu" zu  lesen sind. Daraus wurde dann der Name des "Chufu" ergänzt (siehe dazu: Porter u. Moss, S. 12 und D. Stockfisch Diss. Mainz 1994 / und www.de.wikipedia.org/wiki/Cheops , Anm. 23)

  2. Im Museum of Fine Art in Boston befindet sich eine weitere Basisplatte mit Resten der Füße (Accession-Nr.: 24.2711) mit den Abmessungen 8.2 x 7.5 x 2.7 cm. Das Alabasterfragment  (Travertin) wurde 1924 von der Harvard-University-Museum of Fine Arts Expedition in der Nähe der Königinnenpyramide G I-a gefunden.
    Die Kartusche mit dem Namen Cheops ist vollständig erhalten geblieben.
    - Bild siehe hier -

  3. Ein weiteres Fragment einer Basisplatte mit Resten von Füßen befindet sich ebenfalls in Boston (Accession-Nr. 13.3448); auch hier sind noch wie beim Turiner Fundstück Reste der Kartusche mit dem Namen Cheops erhalten.
    Das 8.9 cm hohe Stück wurde von der Harvard-Expedition 1913 im Schutt der Mastaba G 2391gefunden (nordwestlich der Cheops-Pyramide).
    - Bild siehe hier -

Im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum befinden sich zwei weitere Objekte aus Alabaster, welche man aufgrund ihrer Stilistik der frühen 4. Dynastie zuordnet. 

   Oberkörper einer katzenförmigen Göttin

Im Roemer- u. Pelizaeus-Museum in Hildesheim befindet sich das Fragment eines Gruppenbildes mit einer katzenförmigen Göttin aus Alabaster, von dem sich nur der Oberkörper erhalten ist. Der Fundort ist unbekannt.  Die Hauptbruchstelle verläuft in Höhe der Taille und fällt dann schräg in Richtung Rückenplatte ab. 

Die Haltung des rechten Armes und und die Reste der dünnen, deutlich abgesetzten Rückenplatte machen deutlich, dass es sich hier um eine Gruppenstatue handelt. Die katzenförmige Göttin (evtl. Bastet oder Sachmet) ist bekleidet mit einem eng anliegenden Frauengewand, welches einst farbig bemalt war. Sie trägt eine dreigeteilte Perücke.

Mit ihrer linken Hand umfasst die Löwengottheit den König, der nicht mehr erhalten ist. 

Wahrscheinlich betrug die ursprüngliche Gesamthöhe der Gruppenplastik ca. 105 cm (ca. 2 Ellen), was aber von der Höhe der nicht mehr vorhandenen Basisplatte abhängig ist. Die heutige Höhe beträgt 44,8 cm - Breite 23,5 cm - Material: Kalzit-Alabaster

Aufgrund der Stilistik und der archäologischen Befunde für königliche Totentempel der 4. Dynastie und der ablesbaren Priorität für königliche Gruppen hinsichtlich ihrer Aufstellung, ist für dieses Fragment einer Gruppenplastik am ehesten an eine Aufstellung im Taltempel des Cheops als ursprünglichen Aufstellungsort zu denken. 
(Quelle: Matthias Seidel/HÄB 42 - (Die königlichen Statuengruppen)
Gerstenberg-Verlag 1996)

     Bild: Nefershapiland 2007

 
Das zweite Objekt besteht aus vier Fragmenten (Inv.-Nr. 5416, 6447 und 6448 - die Fragmente A und B werden unter einen Inventar-Nr. geführt) obwohl sie untereinander keinen direkten Anschluss besitzen, doch mit großer Sicherheit zu demselben Objekt eines Thronsitzes gehört, welches zu einer Statuengruppe Cheops oder Chephrens mit einer unbekannten Gottheit gehört. Die Fragmente aus Kalzit-Alabaster wurden von Junker auf dem Südfriedhof (G I S), nahe der Cheopspyramide gefunden. Lt. M. Seidel in HÄB 42 können die Fragmente aufgrund der Fundlage nur in die Regierungszeit des Cheops oder Chephren datiert werden.

                     Granitblock mit dem Horusnamen von Chufu

Dieser Granitblock aus der Regierungszeit des Chufu/Cheops wurde in Bubastis gefunden. Möglicherweise gehörte er einst zu dem Totentempel des Cheops bei der Großen Pyramide, der wohl sekundär dorthin verschleppt wurde. Er befindet sich heute im Britischen Museum.

(Quelle: Schneider/Lexikon der Pharaonen, S. 100) 

Bild:    GraniteSlabWithNameof Khufu-BristischMuseum-August19-08.jpg
Autor:  CaptMondo
Lizenz: Creative Commons CC-BY 2.5

                                                                                         *

Die zeitliche Einordnung des Kopfes einer königlichen Statue in Berlin ist dagegen sehr unsicher (Inv.-Nr. 14396). Adolf Erman kaufte  den kleinen Kopf aus Breccie (Gestein, das aus Gesteinstrümmern eckiger Form besteht, die in einer feinkörnigen Grundmasse liegen) im Jahre 1899 in Giseh. Edna Russmann, Kurator im Brooklyn Museum, möchte hierin eine Darstellung König Cheops sehen, was aber bei anderen Wissenschaftlern sehr umstritten ist, da die Kriterien dafür nicht sehr eindeutig sind.

 

 

Objekt:
Material:
Maße:
Herkunft:
heute in:
Königskopf
Breccie
H: 13,8 cm; B: 11,3 cm; T: 12,7 cm
unbekannt
Museum Berlin: Inv.-Nr.
14396

Der Kopf weist Beschädigungen an Nase, Mund und Kinn auf, ansonsten scheint er gut erhalten. Er zeigt einen König, der eine Löckchenperücke trägt, darüber ein Stirnband mit Uräus. Die Identität des Königs, den dieser Kopf darstellt, ist in letzter Zeit heftig diskutiert worden. E. Russmann sieht in dem Köpfchen König Cheops, während K. Finneisen und D. Wildung in ihm eher ein Bildnis von König Niuserre aus der 5. Dynastie vermuten (auch dieser wurde ohne Bart dargestellt). Von Rainer Stadelmann kommt der Hinweis, dass die Uräusschlange auf der Stirn des Königs (so wie sie hier zu sehen ist), erst seit der Regierungszeit König Chephren belegt ist. ***

(*** siehe dazu: R. Stadelmann: Formale Kriterien zur Datierung der königlichen Plastik der 4. Dynastie. In: Nicolas Grimal/Les critéres de datation stylistiques à l'Ancien Empire)

                                                                                       *

Auch die Zuordnung eines Kopfes im Brooklyn Museum New York (Inv.-Nr. 46.167), dessen Fundort unbekannt ist, wird sehr kontrovers diskutiert.

Der Kopf ist 54,3 cm hoch und besteht aus Rosengranit. Teilweise ordnet man ihn aufgrund der Gesichtsform König Cheops zu, teilweise auch seinem Großvater Huni. 

 

Datei:      StatueHead BrooklynMus.prig
Urheber:  Keith Schengili-Roberts 
Lizenz:     CC-BY-SA 3

 

Das gleiche gilt für einen kleinen Kopf mit der oberägyptischen Krone mit ähnlichen Gesichtszügen, der sich im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München  (Inv. Nr. A 7086) befindet. 

Er ist nur 5,7 cm hoch und besteht aus Kalkstein. 

Anmerkung: Es gibt keinerlei Beweis, dass es sich bei diesem Köpfchen um Cheops handelt. Die Zuweisung an Cheops erfolgte nur aufgrund von stilistischen Merkmalen.
(
siehe Sylvia Schoske: Staatliche Sammlung Ägyptischer Kunst München. Zaberns Bildbände zur Archäologie 31, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1995, S. 43f.)

Bild:    Cheops head 2600 BC, Munich.jpg
Autor:  Manfred Werner  
Lizenz:
CC BY-SA 3.0

Außer seinem Pyramidenkomplex in Giza existieren so gut wie keine Spuren einer eindeutig gesicherten Bautätigkeit des Königs im Lande. Ein Granitblock mit dem Horusnamen des Königs Khufu wurde in Tida bei Buto gefunden. Auch in Bubastis und Tanis fand sich der Name des Königs auf Steinblöcken, von denen vermutet wird, dass sie hierher in späterer Zeit verschleppt wurden. In den Alabastersteinbrüchen von Hatnub ( @w.t-nbw), südöstlich von Achet-Aton gelegen, fand sich eine Felsinschrift aus der Regierungszeit Cheops. Dieses deutet auf eine Steinbruch-Aktivität vor Ort unter der Regierung des Königs hin. In einer aus ptolemäischer Zeit stammenden Inschrift aus dem Tempel der Hathor in Dendera wird König Cheops als Stifter eines Vorgänger-Baues des ptolemäischen Heiligtums der Göttin Hathor genannt.

Das Fragment einer aus Alabaster bestehenden Vase, welches das Serech mit dem Horusnamen des Königs Cheops zeigt, fand sich in der bedeutenden Stadt Koptos, der Hauptstadt des 5. oberägyptischen Gaus, am Ostufer des Nils gelegen. Im Heiligtum des Min von Koptos existierte bis in Neue Reich hinein ein Königskult für Cheops.

Eine Dioritschale, die den Geburtsnamen des Königs zeigt, wurde in der oberägyptischen Stadt Hierakonpolis gefunden. Bei Hierakonpolis, dem alten Nechen, handelt es sich um einen der wichtigsten Kultplätze des Gottes Horus.

Die Königsliste von Abydos nennt auf einem Fragment, welches sich heute im Museum von Kairo befindet, den Namen des Cheops/Chufu. 

Auf einem Bruchstück des Annalensteins (des sog. Palermostein), welches sich heute im Museum von Kairo befindet, haben sich aus der Regierungszeit des Königs einige wenige Informationen erhalten. Erwähnt wird die Herstellung einer 14 Ellen messenden Statue Cheops und einer Götterstatue. Weiter wird evtl. vom Bau eines 100 Ellen messenden Schiffes (wohl aus Zedernholz) berichtet. Als Nilstandshöhe in diesem Jahr wird "3 + x Ellen, 6 Handbreit, 3 Finger" genannt. In den Jahresfeldern, unterhalb der Angabe der Nilstandshöhe könnte evtl. von der Gründung eines landwirtschaftlichern Betriebes die Rede sein. Allerdings ist nicht sicher, ob diese Jahresfelder zur Regierung Cheops gehören (Quelle: Schneider / Lexikon der Pharaonen, S. 200) 

In einer erst vor kurzem entdeckten Nebenpyramide im Pyramidenbezirks Djedefre in Abu Roasch, des Sohnes und Nachfolgers Cheops, fanden sich Bruchstücke einer Alabasterschale, die den Geburts- und Horusnamen des Königs zeigen (siehe M. Valloggia 2002).

In einem Höhlenheiligtum - wohl für eine löwenköpfige Göttin - welches zwischen Saqqara und Abusir liegt, entdeckte ein Forschungsteam der Waseda Universität bei den Ausgrabungen in den Jahren 2001-2003 u. a. die Fragmente eine Statuette aus Terrakotta, die einen ruhenden Löwen zeigt, dessen Kopf nicht vorhanden ist. Vor der Brust des Löwen befand sich eine kleine Statue König Chufus, dessen Name zwischen den Löwenpranken eingraviert ist: "nsw-bity (#wfw)|". Es wurden in dem Löwenheiligtum weitere Statuetten gefunden, die allerdings keine Namen trugen. Jedoch fanden sich Standfigürchen einer löwenköpfigen Göttin, von denen einige am rechten Fuß die Darstellung eines nackten kindlichen Königs mit Nemes-Kopftuch und dem Finger im Mund zeigen. Eine der Darstellungen zeigt am erhalten gebliebenen Rückenpfeiler den Horus-Name König Chufus. Da in diesem Höhlenheiligtum auch Statuetten König Pepi I. aus der 6. Dynastie  gefunden wurden, kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass auch die Statuetten mit dem Namen Chufus evtl. als Weihegaben an Chufu aus dieser Zeit stammen (Quelle: MDAIK 51 2005, Sakuji Yoshimura, Nozomu Kawai, Hiroyuki Kashiwagi/Wasada Universität).

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Aktivitäten unter Cheops auf dem Sinai beweisen zwei benachbarte Felsreliefs (sog. Zauberbilder) im Wadi Maghara auf dem Sinai. Das eine zeigt den König beim Erschlagen der Feinde, was ihn symbolisch wie schon seine Vorgänger als Beschützer der dortigen Minen darstellt. 

    Cheops beim "Erschlagen der Feinde".

Der König wird hier in der bekannten Pose beim Erschlagen der Feinde gezeigt. Der Gott Thot mit dem
wAs-Zepter in der Hand auf der rechten Bildseite. Er fungieret hier als "Herr der Fremdländer".

Über der Darstellung auf dem Felsrelief steht der Geburtsname des Königs:

„(Chnum–Chufu)|, der Große Gott“,
darunter:
"Schlagen der 
Iwn.tjw“ .

Über dem König schwebt ein Falke, darunter befinden sich die Hieroglyphen für „Schutz, Leben und (Frische??)."

Zeichnung: Lepsius Denkmäler, Tafelwerke, Abt. II., Bd. II.

                       (Das Bild ist gemeinfrei)

 

   Dreispaltige Inschrift aus Felsrelief Wadi Maghara

In der hier als Umzeichnung dargestellten Inschrift des benachbarten Felsreliefs aus dem Wadi Maghara auf dem Sinai befindet sich rechts der Horusname (D) des Chufu/Cheops. Auf dem "Serech" befindet sich der Horusfalke, im oberen Feld der Palastfassade wird der Horusname "mDdw" (Beckerath Handbuch) wiedergegeben. Links daneben steht der unvollständige Nebti-Name (C) "MDd-r-nbtj" [Medjed er Nebti = Der (die Feinde) zerdrückt, entsprechend den beiden Herrinnen" / nach Schneider]. In der Bildmitte (A) befindet sich der in eine Königskartusche geschriebene  Geburtsname des Königs (hier in der Kurzform  "Chuiefui" / allgemein als "Chufu" [er beschützt mich / nach Lexikon der Pharaonen] gelesen.

A: "Kurzer" Geburtsname Chufu's
B:  Goldhorusname
C:  unvollständiger "Nebtiname"
D:  Horusname
 
(Zeichnung nach Lepsius/Tafelwerke Abth. II. Bl. 2
   bearbeitet von Nefershapiland)

Unter der Königskartusche erscheint der Goldhorusname (B), welcher üblicherweise aus einem Falken (hier abweichend zwei Falken) besteht, der auf der Hieroglyphe für Gold (nbw) sitzt.  

Ganz rechts befindet sich nach rechts gewand die Upuaut–Standarte, vor ihr sind noch einige Hieroglyphen Zeichen zu erkennen, von denen die oberste „Beschenkt“ oder „Gegeben“ bedeutet. Es handelt sich damit wohl um einen Segenswunsch. Zwischen Upuaut–Standarte und Geburts- und Goldhorusnamen befinden sich noch drei Zeichen: ein Falke sowie die Hieroglyphe für T und mA.

Im Wadi Hammamat findet sich ein wichtiges Dokument, welches zwar erst aus der 12. Dynastie stammt, jedoch die Namen König Cheops und seiner Söhne Radjedef, Chephren, Hordjedef und Bauefre nennt. Da alle Namen in Kartuschen geschrieben sind, vermutete man früher, dass diese Personen auch als Könige regierten. Heute wird dies größtenteils von den Wissenschaftlern abgelehnt, da es dafür keine zeitgenössischen Belege gibt.

Als Grund der Nennung von Cheops und seiner Söhne im Steinbruchgebiet von Wade Hammamat könnte ihr dortiger Status als Beschützer der dort hinziehenden Expeditionen gelten. 

„Der König von Ober– und Unterägypten, dem ewiglich Leben gegeben ist, #wf(w), RaDd.f, Raxaj.f, !rDd.f, RabA.w.f


(
Bild nach Dodson/F. Debono bearbeitet von Nefershapiland)

Auch außerhalb der Grenzen Ägyptens ist der Name des Königs bezeugt. In den unternubischen Diorit-Steinbrüchen, westlich von Abu Simbel gelegen, wurde durch Beamte seiner Zeit eine Stele errichtet. 
Auch zu der alten Handelsstadt Stadt Byblos an der phönizischen Küste lassen sich zu seiner Zeit Handelsverbindungen nachweisen. Es fanden sich dort eine Kupferaxt, auf der möglicherweise die Inschrift "Bootsmannschaft des Cheops" eingraviert ist. Außerdem fanden sich  Fragmente von Alabastergefäßen, welche den Namen des Königs trugen.

Regierungsdauer:

Wenn auch Herodot König Cheops eine Regierungsdauer von ca. 50 Jahren zuschrieb, ist dieses durch nichts zu belegen. Es ist bis heute unbekannt, wie lange die Regierung des Cheops gedauert hat. Uns liegen nur spärliche Informationsquellen aus den zeitgenössischen inschriftlichen Vermerken vor, die in Felsinschriften in der westlichen Wüste oder in Form von Bauarbeitergraffiti auf Steinblöcken in seiner Pyramide gefunden wurden und zum anderen aus altägyptischen Königslisten sowie dem Geschichtswerk Manethos, das uns leider nur teilweise durch spätere Geschichtsschreiber überliefert ist.

Das bislang höchste belegte Datum seiner Regierung stammt aus einer erst 1999 entdeckten Felsinschrift in der lybischen Wüste, südwestlich der Oase Dachla. Genannt wird in dieser Inschrift das "Jahr nach dem 13. Mal der Zählung". Da uns nicht bekannt ist, ob diese Zählung damals bereits jedes Jahr durchgeführt wurde, oder wie früher in einem zweijährigen Turnus (oder in uns nicht bekannten Intervallen) ist eine Interpretation eines solchen Datums relativ. 

Bei Zugrundelegung einer "einjährigen" Zählung würde dies das "27. Regierungsjahr" Cheops bedeuten. Im Turiner Papyrus werden jedoch nur 23 Jahre vermerkt, wogegen Manetho die hohe Zahl von 63 Jahren angibt, was wohl mit ziemlicher Sicherheit zu hoch gegriffen erscheint. In Anbetracht seines enormen Pyramidenkomplexes ist wohl eine Regierungsdauer um die 30 Jahre oder etwas darüber eher wahrscheinlich. Thomas Schneider (Lexikon der Pharaonen) geht sogar von einer 46jährigen Regierungszeit aus, das wäre eine Verdoppelung der angegebenen Jahre des Turiner Papyrus.

Westfriedhof und Ostfriedhof


siehe Cheops-Nekropole



Literatur und Quellen


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