Bilder: links - gemeinfrei/Wikipedia - rechts public domain/Emile Prissee d'Avennes)


KV 11 - Grab


Baupolitik Ramses III.

Die Namen Ramses III.


Eigenname:
Ra - msj - sw HoA - Jwnw
HoA - Jwnw
"Re ist es, der ihn geboren hat, Herrscher von Heliopolis."
(Ra–mes–su   heqa –on) 
( nach Schneider)

Thronname:
wsr - m3at - Ra   mrj - Jmn   "Reich an Maat, ein Re, Geliebter des Amun"
(Usermaat-Re - Meriamun)
(nach Schneider)

Horusname:
1) KA - nxt aA - nsyt
2) KA - nxt mAj - pHtj nxt - anb  

     - xpS HAo - sTtjw
3) kn mnh - mnw   sxtp - nb - r -Dr 
    m - n3(y). f - 3xwt

und 13 weitere....

1) "Starker Stier, mit großem Königstum
2) "Starker Stier, kraftvoller Löwe mit starkem Arm, Herr der Schlagkraft, der die Asiaten gefangen nimmt."
3) " Starker Stier, mit herrlichen Denkmälern, der den Allherrn mit seinen Wohltaten zufrieden stellt
(nach Schneider)

Goldname:
1) Wsr - rnpwt - mj - Jtm 
2) NTrj - m - prf = f - m - Xt  swHt - jqrt n - Hr - Axtj
und zwei weitere.....
1) "Reich an Jahren wie Atum"
    " Reich an Jahren wie Amun"
(nach Schneider)
(nach Höber-Kamel)
 - Kemet - 

Nebtiname:
1) Wr Habw - sd - mj - tA - Tnn
2) Wsr - pHtj - mj - jt = f - MnTw sksk - pDt - 9 - dr - m - TA =sn

und 2 weitere.....

1)" Gross an Sedfesten wie [Ptah-]Tantenen"
2) " Reich an Kraft wie sein Vater Month, Vernichter der 9 Bogen (Feinde Ägyptens), Bezwinger in ihrem Land."
(nach Schneider)
Die Möglichkeit den Thronnamen eines Vorgängers einfach zu übernehmen, findet sich im Neuen Reich erstmals unter Ramses III. Vorher war es ein ungeschriebenes Gesetzt, dass jeder König sich einen eigenen originären Thronnamen auswählte. (nach Dautzenberg - GM 156)

Auf die kurze Regierungszeit Sethnachte folgte die seines Sohnes Ramses, den ihm seine Gemahlin 
Tija-Merieniset/ Teje-merenese geboren hatte. Der neue Könige nannte sich Wsr - mAat - Ra mrj - Jmn, Rameses (Ramses). Er war der 2. König der 20. Dynastie. Als Thronbesteigungstag ist der " 26. Tag des 1. Monats der smw-Jahreszeit" gesichert.

Die Regierungszeit Ramses III. ist vor allem durch die "historischen" Darstellungen im Tempel von Medinet Habu und durch die reichen Aktenbestände aus Deir el Medina gut dokumentiert. 

Regierungszeit: 1182/83 - 1152/1151 v. Chr.      (nach J. v. Beckerath)
1187      - 1156          v. Chr.      (nach Th. Schneider L. d. Ph.)
Dynastie: 20. Dynastie
Vorgänger: Sethnacht(e)
Vater: Sethnachte                                 (nach Schneider)
Mutter: Tija-Merieniset                         (nach Schneider)
Geschwister: -----------------
Kinder: Amun(her)chepeschef (I.) QV 55,
Ramses, QV 53
Prinz ? KV 3
Sethherchepeschef QV 43
Paraherwenemef QV 42
Chaemweset QV 44
Menthuherchopschef KV 13
Pentawer - Sohn der Königin Ty - Grab ist unbekannt.

Töchter:  Nebtaui, Meritamun, Bentanat

Gemahlinnen: Isis-ta-Hemdjeret (QV 51), 
Titi (QV 52),

Ramses dürfte bei der Thronbesteigung schon um die 30 Jahre alt gewesen sein. Sicher hatte er an der Machtergreifung und dem Machterhalt seines Vaters Sethnachte einen gewichtigen Anteil. Die Regierungszeit Ramses III. ist durch zahlreiche Dokumente auf Papyrus und Ostraka sowie Monumenten des Königs bestens belegt. (Belege aus Jahr 2 bis Jahr 32) Als höchstes Regierungsjahr Ramses III. ist auf einem Ostraka der Arbeitersiedlung Deir el-Medine das 32. Jahr belegt.

Gestorben ist Ramses III. wahrscheinlich am "14/15. Tag des III. Monats der smw - Jahreszeit", denn an diesem Tag bestieg sein Sohn und Nachfolger Ramses IV. den Thron. (o Der el-Medine 44)
Die Nachricht vom Tode Ramses III. und der Thronbesteigung Ramses IV. wurde der Arbeiterschaft von Der el-Medine bereits am " III. smw, Tag 16" überbracht.
(o Der el-Medine 39 und p Turin Kat. 1949 + 1946 KRI V 557 - 558).  Es ist davon auszugehen, dass der Tod Ramses III. und die Thronbesteigung seines Nachfolgers nicht in seiner unterägyptischen Residenz stattfand, sondern in dem nur etwa 1 1/2 km von Deir el Medina entfernten Palast von Medinet Habu.

(p Turin Katalog 1949 + 1946 verso 1,10 - 15)

Bericht über die Benachrichtigung der Nekropolenarbeiter:
" III. Monat der smw-Jahreszeit (Sommerzeit), 16. Tag..............
der Tag an dem Mentmose (der Polizeichef) zu der Mannschaft
des Grabes sagte: der königliche Horusfalke User-maat-Re-meri-Imen, Sohn des Re......................ist zum Himmel aufgeflogen und der König
User-maat-Re - Setepenamun sitzt an seiner Statt auf dem Thron des Re....................................."

Das Arbeitstagebuch des Grabschreibers vermerkt am selben Tag: (O DM 39,16)

" Der Falke ist zum Himmel aufgeflogen".

(Ramses III. könnte also an den Folgen des auf ihn verübten Anschlags (?) am 14. III. smw gestorben sein - rein hypothetisch)

Diese Feststellungen sind auch nicht zu erschüttern durch den erst später geschriebenen Papyrus Harris, auf den " III. smw 6" seines 32 Jahres datiert ist. Es handelt sich hier auf jeden Fall um eine Rückdatierung. Aber wir wissen nicht, weshalb man dafür diese 9 Tage vor dem Regierungswechsel liegenden Datum wählte.
König Ramses III. hat also 31 Jahre, 1 Monat, 18/19 Tage auf dem Thron Ägyptens gesessen.

Familie Ramses III.:

Die Person König Ramses III. markiert einen Wendepunkt in der ägyptischen Chronologie, an dem eine neue Entwicklung zum Durchbruch kommt. Nach außen hin ist man bestrebt, die Tradition des bedeutendsten König der 19. Dynastie, Ramses II., fortzuführen. Ramses III. kopiert ihn nicht nur in seinen Bauten, sondern er bildet auch seinen Thron- und Geburtsnamen nach den von Ramses II. Er geht sogar soweit, dass er seinen Söhnen die gleichen Namen gibt wie die von Ramses II. und sogar die Truchsesse des ägyptischen Hofes erhielten die gleichen Namen wie die am Hof unter Ramses II.

Dieses auffällige Festhalten an die Vergangenheit, zeigt den Mangel an eigener Vitalität (?), der hier sichtbar wird.

Die Große königliche Gemahlin Ramses III. war die Tochter eines Syrers namens Habassillat, die den Namen Isis - ta - hemdjeret ( deren Mutter den Namen Habasjit [ Hbnrd oder Hmdrt ] trägt, die dem König einen Thronerben schenkte ( Ramses IV.). Sie wurde unter König Ramses VI. mit großem Pomp in Ta Set Nefer (Tal der Königinnen) in QV 51 beigesetzt. Ihre Mumie ruhte in einem riesigen Sarkophag aus rotem Granit, dessen Reste noch immer in ihrem Grab zu sehen sind.

Weitere Frauen Ramses III. waren die Königin Titi ( QV 52), die Mutter des Prinzen Amunherchepeschef (QV 55), die den Titel einer Gottesgemahlin und Große königliche Gemahlin trug ( Inschrift im Grab QV 55) und eine unbekannte Frau mit dem Namen Minnefer (?).

Erwähnt werden soll noch die Tatsache, dass nur Amun(her)chepeschef und Prinz Ramses in ihren Grabstätten als von der Großen königlichen Gemahlin bezeichnet werden.
( nach Kent Weeks )

Als Töchter Ramses III. sind die Prinzessinnen 

Nebtaui
Meritamun 
und Bentanat

bekannt.

Als Söhne Ramses III. sind bekannt:

QV 55  Amun(her)chepeschef. (I.)
QV 53  Ramses (der spätere Ramses IV. )
KV   3  Prinz ? (evtl. identisch mit Prinz Ramses oder Prinz Amun(her)chepeschef
QV 43  Sethherchepeschef
QV 42  Paraherwenemef
QV 44  Chaemwese
             Pentawer, Sohn der Königin Ty - sein Grab ist unbekannt
             Amunherchopeschef (II.)
             Mentuherepeschef ( kein Grab - evtl. vielleicht KV 13 ?)
             Prinz Meriamun

             Prinz Meritamun 

Baubeschreibung der Prinzengräber

(evtl. muss aber man aber mit der Möglichkeit rechnen, dass einige der Prinzen Söhne Ramses VI. sind. [ nach Altenmüller].

Beamte und das Hebsed-Fest Ramses III.:

Aus der Regierungszeit Ramses III. sind uns etliche höhere und niedere Beamten namentlich bekannt. Dazu zählten elf Truchsesse zum Teil fremdländischer Herkunft. Von den elf tragen fünf unägyptische Namen. Einer heißt z. B. " der Libyer Jenene", ein anderer führt den phönizischen Namen "Ba 'almahar".

Türsturz des Ramses-user-chepesch

     Türsturz des Ramsesuserchepesch, Beth Shean
Bild:        A copy of the Egyptian plate Beth-Schean
Autor:     I-Okatah (indonesische Wikipedia)
Lizenz:    CC B-SA 3.0   
  (Bild: nach James, The Iron Age at Beth Shan, Fig. 92)

 

Das Amt des Hohenpriesters des Amun zu Karnak war in Händen eines gewissen Bekenchons (III.), dann gab es einen "User-maatre-nacht" und "Ramsesnacht". Der Bürgermeister von Theben ist ein Mann mit Namen "Paser".

Zu Anfang der Regierung Ramses III. bekleidete das Amt des Wesirs ein "Hori" ( #rj), der dieses Amt schon unter Sethos II. innehatte, dann ab dem Jahr 16 des Königs taucht der allgegenwärtige Wesir 
Ta (To)
auf.


Zur Person des Wesir Ta / To

Auch der Königssohn von Kusch, ebenfalls mit Namen Hori bekleidete dieses Amt auch bereits unter König Siptah.

Vorarbeiter der Nekropolen ist seit dem 3. Jahr König Merenptah ein gewisser HAj, der diese Stellung bis in das 19. Jahr Ramses III. innehatte. Der Nekropolenschreiber Nhw-m-mut (I) ist schon unter Sethos II.l belegt und im 11. Jahr Ramses III. dann als Vorarbeiter genannt. Der im Streikpapyrus genannte Polizeibeamte MnT-msj aus Theben ist ab Jahr 6 Sethos II. bekannt und übte sein Amt noch im 4. Jahr von Ramses IV. aus.

Bereits Ende des 29. Jahres Ramses III. liefen die Vorbereitungen für das im 30. Jahr geplante Erneuerungsfest des Königs. Der Wesir sollte die benötigten Götterfiguren der südlichen Landeshälfte nach dem Norden in die Residenz bringen. (Meldung vom 28. Tag des IV. Monats der prt - Jahreszeit im Nekropolentagebuch.) Zu diesem Datum "Jahr 29, IV. prt 28" ist zu bemerken:

Papyrus Turin 1880, rto. II.18:

Abreise des Wesirs aus Theben zur Residenz, um die Götterbilder zum Hebsed zu bringen. Das Datum liegt knapp einen Monat vor dem Beginn des 30. Regierungsjahres Ramses III. Die Vorbereitung und die Tatsache, dass Ramses III. mit Sicherheit über das 30. Jahr hinaus regierte, machen es so gut wie sicher, dass er dieses Heb-Sed-Fest tatsächlich gefeiert hat, obgleich es sich anders als wie bei Amenophis III. keine Überreste der Zulieferung zum Fest und bisher auch keine Darstellungen gefunden haben.

Das große Hebsed-Fest des nunmehr etwa sechzigjährigen Königs fand offenbar in der Ramsesstadt im Delta statt, (nach der Inschrift im Grab des Hohenpriesters Setjau in El Kab werden die Götterbilder in die Ramsesstadt geholt), wo die archäologische Fundlage nicht so günstig ist, wie im oberägyptischen Theben.

Angesichts der vielleicht (?) schlechten wirtschaftlichen Lage und der aufgestauten Unzufriedenheit im Lande kam der Feier anscheinend große politische Bedeutung zu, denn Ägypten bedurfte dringend anscheinend einer Erneuerung und Regeneration, die von der Staatsspitze ausgehen musste. 

Aber war die wirtschaftliche Lage wirklich so schlecht, wie man allgemein heute annimmt? Es ist äußerst schwierig eine Einschätzung der wirtschaftlichen Lage Ägyptens während der 20. Dynastie zu geben. Anscheinend war die Lage nicht so schlecht, wie oft vermutet wird. Der Preis für Emmer  (Weizen) lag vom Jahr 8 bis Jahr 14 bei 1,5 Deben, ein extrem niedriger Wert. Bei Gerste zeigt sich das gleiche Bild: bis Jahr 14 lag der Preis bei ca. 2 Deben, dann im Jahr 14 sinkt er sogar auf 1 Deben. Nachher steigt er bis Jahr 23 wieder auf 2 Deben und bleibt so bis zum Regierungsende. Diese niedrigen Preise zeugen eigentlich von stabilen Verhältnissen und nicht gerade von einer Wirtschaftskrise, eher das Gegenteil ist der Fall.

Trotzdem trieb aber anscheinend Ägypten innenpolitisch auf einen bedrohlichen Konflikt zu. Offensichtlich wurden Palastintrigen gesponnen um einen bestimmten Prinzen die Thronfolge zu sichern. 


siehe dazu die Harimsverschwörung

Außenpolitik:

Die Regierungszeit von Ramses III. ist vor allem durch die "historischen Inschriften" und Darstellungen im Tempel von Medinet Habu und durch die reichen Aktenbestände aus Deir el-Medina gut dokumentiert.

Medinet Habu - sogenannte "historische Inschriften":

Nubischer Krieg (ohne Datum, wohl vor Jahr 5 oder fiktiv)
1. Libyscher Krieg (Jahr 5)
Seevölkerschlacht zur See (Jahr 8)
Seevölkerschlacht zu Lande (vielleicht Jahr 8, vielleicht fiktiv)
2. Libyscher Krieg (Jahr 11)
Asiatischer Feldzug (fiktiv)

Die frühen Jahre des Königs waren voll schwerer Gefahren für das Land Ägypten. Im Süden war die Lage nach wie vor ruhig. Das ägyptische Nubien war immer noch fester Bestandteil des Reiches. Der Vizekönig unter Ramses III. war hier ein Mann namens Hori III. (Hrj / Hri ) Die drei Szenen, die sich im Tempel von Medinet Habu über kriegerische Auseinandersetzungen in diesem Gebiet erhalten haben, sind wahrscheinlich rein konventionell und wohl Wiederholungen von Szenen aus früherer Zeit. 

Die Gefahr für Ägypten kam zum Teil von Westen, jedoch hauptsächlich aus Nordosten. Unter Aufbietung aller Kräfte gelang es dem ägyptischen Staat dennoch zwei gefährliche Bedrohungen abzuwenden, wobei zumindest in einem Fall die Geschichte der gesamten ägyptischen Kultur auf dem Spiel stand.

Der große außenpolitische Verdienst Ramses III. ist vor allem die Abwehr der von Westen einfallenden Libyer und der von Nordosten gegen das Delta vordringenden sogenannten Seevölker, die gerade da hethitische Reich vernichtet hatten zwischen dem 5. und 11. Jahr seiner Herrschaft.
Quellen dafür sind die Schlachtdarstellungen und Berichte auf den Wänden seines Totentempels in Medinet Habu, dessen Bauabschluss im 12. Jahr Ramses III. liegt.

Die erste Auseinandersetzung (1. Libyerfeldzug) entstand mit den Libyern oder besser als "Tjehu" bekannte Völkerstämme (eine Koalition der Meschwesch, Seped und Libu), die laut den Inschriften auf einem Beutezug unterwegs waren im 5. Jahr Ramses III. (etwa 1180 v. Chr.). Nach den Inschriften in Medinet Habu begann damit, dass sich der Stamm der Libu weigerte, einen in Ägypten erzogenen Prinzen als Häuptling anzuerkennen. Die Weisheit des ägyptischen Königs, die in den hieroglyphischen Beischriften so hoch gerühmt wird, galt ihnen offenbar nichts.

Die "Libu" verbündeten sich mit den schon unter Amenophis III. bekannten Meschwesch (Maswas / Meschwesch) und einem sonst unbekannten Stamm der Spd (Sped / Seped) und leistete den Ägyptern Widerstand (Inschrift im 2. Hof mit zugehöriger Reliefdarstellung und an der nördlichen Außenwand. 

Die Libyer drangen anscheinend in das Delta ein und erreichten sogar seinen Mittelpunkt, wo sie Städte und das flache Land im Xois-Gau verwüsteten. Die Schlacht gegen den Feind fand nahe bei der Stadt "Wosermaatre-miamun auf der Höhe von Temehu" statt, wobei Temehu / Tjemehu der Name eines anderen libyschen Stammes ist und Wosermaatre-miamun der Thronname Ramses III.
In der Schlacht kämpften auf ägyptischer Seite auch Söldner insbesondere Schirdana. Die Berichte nennen zweifelhaft hohe Zahlen von getöteten und gefangengenommenen Feinden, die nach Ägypten abgeführt wurden. Die Berichte nennen 12.535 Gefallene und über 28.000 Gefangene.

Trotz der Versicherung der Berichte, den Tjemehu sei das Rückgrad für immer und ewig gebrochen worden, musste Ramses III. in seinem 11. Jahr (ca. 1174 v. Chr.) erneut gegen die Meschwesch kämpfen. Die Reliefszenen über den libyschen Krieg des Jahres 5 müssen längere Zeit nach den Ereignissen in die Wände gemeißelt worden sein, denn die dazugehörigen Inschriften enthalten bereits Anspielungen auf einen viel gefährlicheren Feind als es die Libyer je waren und der sich nun dem Lande von Norden her näherte.

Die Ereignisse nahmen ihren Anfang durch den Zusammenbruch des Hethiterreiches. (Vernichtung der Hauptstadt Chattuscha - Brandzerstörung und Siedlungsabbruch) unter dem Ansturm der Phryger. Dadurch kamen die Völker der anatolischen Südküste und der ägäischen Inseln in Bewegung. Es handelte sich um eine richtige Völkerwanderung, deren Ziel es war, Gebiete für eine dauerhafte Ansiedlung zu finden. Die zu Fuß unterwegs waren, führten ihre Frauen und Kinder und ihr Hab und Gut auf zweirädrigen hohen Karren, die von Buckelochsen (Zeburindern) gezogen wurden mit sich. 

Karte um 1200 v. Chr. - Vermutlich drangen die Seevölker
aus der Ägäis ins östliche Mittelmeer nach Ägypten vor. 
Sie griffen Ägypten zu Land und zu Wasser an.
(siehe rote Pfeile)


Diese Völkerschaften verwüsteten und besetzten die Küste von
Ammurru und machten der ägyptischen Herrschaft in Syrien ein Ende. So berühmte Orte wie Alalah, Karkemisch, Ugarit, Aschdot, Aschkalon, Nija und Katna wurden vernichtet. Auch Zypern fällt an die Seevölker.  Mit wenigen Worten umreißt Ramses III. beim Beginn seiner Schilderung in den Inschriften in Medinet Habu die Lage:

" Die Fremdländer, die alle die Trennung vollzogen hatten von ihren Inseln, aufbrechend und verstreut unter die Truppen der Länder. Kein Land konnte vor ihren Waffen bestehen: Hatti, Kjdi ( = Kizzuwatna), Karkemisch, Arzawa, Alasia.
Abgeschnitten von ihrem Land schlugen sie ihr Lager in Amurru auf und vernichteten das Volk und das Land war, als sei es nie gewesen. Sie näherten sich Ägypten..................................
Es war ihr Bund der  pu - l - s' a'-ta', si - ka - r, s'a' - ka - lu' - s', da - nu' und wa - sà - s', vereinte Länder.....................................
Ich aber organisierte die Grenze von Syrien (
sa' - hi) "

Eisenschwerter gegen Bronzesäbel, Schiffe mit Rammsporn gegen Fußsoldaten, Völkerscharren auf der Suche nach Siedlungsraum, die mit Feuer und Schwert das Eisenzeitalter einläutete. So sieht eine typische Beschreibung der Seevölkerbewegung aus, die um 1200 v. Chr. den Mittelmeerraum in Aufruhr versetzte. 

Die Zeilen aus dem Totentempel Ramses III. in Medinet Habu enthalten fast alle Informationen, die uns das alte Ägypten über die Seevölker hinterlassen hat. Sie waren so kraftvoll und aggressiv, dass einige  der mächtigsten Königreiche der Levante unter dem Seevölkeransturm zusammenbrachen. 

Die Peleset (ägyptisch: prst /plst) werden von den Ägyptologen allgemein mit den Philistern aus der Bibel identifiziert. Im Onomastikon (Namens- oder Wörterverzeichnis) des Amenemope, vermutlich 1100 v. Chr. entstanden, werden die Peleset als Teil der besiegten Seevölker aufgeführt, die von den Ägyptern an der Küste von Kanaan angesiedelt wurden. Eine der berüchtigsten Völkerschaften der Seevölkerkoalition stellten die Tjekru dar. Sie sind auf der Nordwand des Tempels in Medinet Habu dargestellt, wo Ramses III. den Göttern zwei Reihen von Gefangenen präsentiert. Ein Register gefesselter Libyer, das andere zeigt die "Gefallenen von Tjekr", welche hier stellvertretend für alle Seevölkerstämme stehen.

In seinem 8. Jahr musste nun Ramses III. gegen diese Völkerflut zu den Waffen greifen, denn sie setzten sich zu Wasser und zu Lande gegen die ägyptischen Besitzungen in Palästina in Bewegung. Der Feind näherte sich Ägypten auf zwei Arten zu Lande und mit einer Flotte, die auf die Nilmündung zusteuerte, zu Wasser.

Es ist nicht bekannt, wo der ägyptische König die Landschlacht gegen die Invasoren geschlagen hat - es muss irgendwo im palästinensischen Raum gewesen sein. Von der Landschlacht ist nicht viel überliefert ( es gibt Gelehrte, die sie für fiktiv halten), aber das Relief, das als erstes seiner Art in der Geschichte eine Schiffsschlacht darstellt, enthält einige interessante Einzelheiten. Alle Informationen über die Seevölkerschlacht und deren Verlauf basiert ausschließlich auf die Darstellungen, die Ramses III. an der nördlichen Außenwand seines Tempels in Medinet Habu anbringen ließ. 

Die Seeschlacht entfaltet sich in zwei Szenen gegen die Angreifer. Ein Relief zeigt Ramses III., wie er die feindlichen Gefangenen dieser Schlacht begutachtet, das andere präsentiert die Schlacht selber. Den größten Teil der Nordwand nimmt die Kampfdarstellung ein und ist daher die wichtigste Szene des gesamten Panoramas.

Das Schreckensszenario, das der König in den Inschriften entwirft, war keine Übertreibung. Die in Bewegung geratenen Völkerschaften stürzten sich auf die hochzivilisierten Städte Syriens um Beute zu machen. Die Bevölkerung ist ausgelöscht und ermordet worden, denn kaum eine der Städte des 2. Jahrtausends v. Chr. hat den Seevölkeransturm überlebt und ist wieder besiedelt worden. Als später sich wieder Stadtzentren bildeten, waren es ganz andere Orte, die nun von Bedeutung wurden. Die alten Tells bleiben verödet liegen.

Da Ägypten schon frühzeitig vor der herannahenden Gefahr gewarnt war, konnte eine schlagkräftige Flotte zusammengezogen und ausgerüstet werden. Während der kriegerischen Auseinandersetzungen lag das ägyptische Armeehauptquartier in einem der Forts an der Straße von Sile nach Raphia.

Die gegnerische Flotte fuhr in eine der Nilmündungen im Mündungs- und Lagunengebiet des Ostdeltas ein und rollte ihre Segel auf. Sie bereiteten einen Überraschungsangriff vor wie sie es wohl schon früher oft getan hatten. Doch plötzlich sahen sie sich der ägyptischen Flotte gegenübergestellt, die ihnen den Rückzugsweg versperrte. Panik brach vermutlich bei den feindlichen Schiffsmannschaften aus. Die Ägypter begannen mit Enterhaken die Segel der Eindringlinge zu zerreißen und ihre Masten zu zerbrechen. Bald waren die feindlichen Schiffe steuerlos und wurden zertrümmert. Waffen und Körper der erschlagenen Feinde trieben im Wasser und wurden an Land gespült. Das ägyptische Herr metzelte jeden nieder, der an Land entkommen konnte oder wurde zumindest gefangengenommen. Die schwere Bedrohung durch die Seevölker war damit abgewiesen und Ramses III. konnte sich als Retter seines Reiches und Bezwinger der Fremdländer rühmen.

Auf der Südstele in Medinet Habu aus dem 12. Jahr Ramses III. sind erneute schwere Kämpfe gegen die Seevölker verzeichnet, ebenso auf der sog. rhetorischen Stele aus Deir el-Medine. (Zwei "Rhetorische Stelen" bei Deir el-Medine)

" Er plünderte die Länder [ der Tjemehu ] der Libu und der Meschwes. Er veranlasste, dass sie den Fluss überquerten und nach Ägypten gebracht wurden. Sie wurden in den Festungen des starken Königs angesiedelt. Sie hören die Sprache der Menschen ( d. h. ägyptisch) indem sie dem König dienen. Er machte, dass ihre Sprache verschwand, er verdrehte ihnen die Zunge. Sie gingen auf einem Weg, den sie vorher nicht hinabgestiegen waren."

Die gefangenen Seevölker werden teilweise in das ägyptische Heer integriert und zum Teil in Ägypten angesiedelt. An der palästinischen Küste siedelte man die Palastu / Pulsata und Zikar (si - ka - r) an, wo sie das Reich der Philister bildeten. Sicher ging diese Landnahme nicht friedlich vor sich. Von ägyptischer Seite wurde vermutlich der Versuch unternommen, diese Neuansiedlung wieder unter ägyptischer Oberhoheit zu unterwerfen. Dieses konnte sicher wohl nur auf dem diplomatischen Wege erreicht werden. ( Folgt man dem Papyrus Harris I. dann gründete Ramses III. in Gaza einen dem Gott Amun geweihten Tempel). Damit ging möglicherweise der Versuch zusammen, im Inneren Palästinas Stützpunkte zu halten, wie in Besan und vielleicht Megiddo.

Ausgrabungen in Besan führten zutage, dass unter Ramses III. der Oberdomänenvorsteher Ramses - woser - chepes hier ein Haus besessen hatte. Eine Statue Ramses III. stand ebenfalls dort. Die archäologischen Gegebenheiten scheinen eine Wiederbesetzung der Festung nach einer Zerstörung unter Ramses III. erkennen lassen. Die letzte ägyptische Besatzung geht bruchlos in israelische Besiedlung über. Es ist aber anzunehmen, dass die Versuche dort ägyptische Stützpunkte aufzubauen keinen längeranhaltenden Erfolg gehabt haben. Auf alle Fälle ist in dem Bericht des Wn - Imn (Wenamun) am Ende der 20. Dynastie, von einer ägyptischen Herrschaft in Dor bei den ´Zikar ( s't -  ka -  r ) nichts mehr zu erkennen. Der dort ansässige Herrscher bi - di - r erscheint als völlig selbständige Dynastie.

Im Papyrus Harris I. 76, 9/10 wird von einem Feldzug gegen den edomitischen Stamm der Se 'ir (Seir) im Gebiet von Timna berichtet, der vermutlich der Sicherung der Küstenstraße diente. Es ist belegt, dass für Ramses III Expeditionen zu den Bergbaugebieten in Timna und dem westlichen Sinai unternommen wurden.

Da die Ansiedlung der "Palastu und Zikar" im alten Stammesverband und unter ihren eigenen Herrschern erfolgte, nützten diese die Schwäche der ägyptischen Staaten aus um sich selbstständig zu manchen. Die Philister des Alten Testaments gelangten in dieser Weise in ihre Gebiete an der Küste Südpalästinas. Es ist aber nicht vergessen, dass sie eigentlich aus "Kaphtor", also Kreta und der in der Nähe liegenden anatolischen Küste stammten. Das Gebiet hin bis nach Nordpalästina war wohl unter Ramses III. noch in ägyptischer Hand. Eine lebensgroße Sitzstatue des Königs fand sich in dem wichtigsten Stützpunkt Besan (Betshean), südlich des Tiberiassees. Außerdem lässt sich aus seiner Zeit die Renovierung des hiesigen Tempels nachweisen. Allerdings gibt es Wissenschaftler, die dieses in Zweifel ziehen, auch dass diese Statue von Ramses III. selbst hier aufgestellt wurde und glauben eher an einen späteren Export.

In Megiddo fand sich der Schreibzeugbehälter eines Boten Ramses III. und ein Skarabäus mit seinem Namen. Ein weiterer Skarabäus des Königs wurde in Lachisch gefunden.

Kaum war die Gefahr aus dem Norden gebannt, da musste sich Ramses III. in seinem 11. Regierungsjahr wieder nach Westen gegen die Libyer wenden. Wieder ist es der Stamm der Meschwesch (Maswas) unter dem Fürsten Meschascher (Mesarer), Sohn eines Kaper (Keper), der in die Gebiete bis zum konopischen Nilarm eingebrochen war. Besonders der Gau von Xois wurde wieder schwer heimgesucht. 

Zusammen mit fünf untergeordneten Häuptlingen mit einer Anzahl kleinerer, sonst unbekannter Stämme: den Isabit, Qajaqas, Sajatep, Hasa, Biqau und Libu, stießen sie aus dem fernen Westen vor und überfluteten zuerst das Gebiet eines anderen Stammes, der Tehen, bevor sie Ägypten erreichten. Die Schlacht wurde am
" 10. Tag des 4. Monats der smw - Jahreszeit, Jahr 11" geschlagen, an einem Ort, der wohl am Rande des Westdeltas lag, namens "Sandburg " und "Stadt des Wsr - mAa.t - Ra - mrj - jmn auf dem Berg, Scheitel der Erde". Beide Städte sind nicht mehr zu lokalisieren.
Die Libyer werden auf den Reliefs in Medinet Habu (Inschriften am 1. Hof, am 1. Pylon, Reliefs am 1. Pylon hier als Da5um
"Tag 8 des 2. Monats der prt-Jahreszeit, Jahr 11" angegeben) auf Streitwagen gezeigt. Unter den Beutestücken sieht man auch ihre Schwerter, welche die beinahe unglaubliche Länge von 1 1/2 bis 2 Metern haben. Seite an Seite mit den ägyptischen Soldaten sehen wir Schirdana kämpfen, wieder wurden die Libyer geschlagen, der Feind wurde ungefähr 15km weit verfolgt bis zur Stadt Nascho (dem "Herrensitz auf den Dünen").  Meschescher selbst wurde gefangengenommen. Sein Vater Keper kam später, er bat um Frieden und um das Leben seines Sohnes. Über das endgültige Schicksal des Meschescher ist nichts bekannt.

Nach der angegebenen Zahl der Gefallenen "2175" und 2052" gefangener Libyer einschließlich Frauen und Kinder, davon nur 1200 Männer, war diese zweite Invasion bedeutend kleiner als die erste. 42.721 Stück Vieh fiel den Ägyptern in die Hände, darunter Rinder, Schafe, Pferde usw. Des weiteren erbeuteten sie 603 Bögen, 239 lange Schwerter des mykenischen Typs und 93 Streitwagen.

Die gefangenen Libyer werden wieder in Soldatensiedlungen im nördlichen Mittelägypten und im Delta angesiedelt. Der Viehbesitz wird dem Amuntempel von Karnak überwiesen.

damit waren die Kämpfe Ramses III. um den Bestand Ägyptens abgeschlossen. Diese für Ägypten erfolgreichen Abwehrkämpfe Ramses III. waren die letzte größere Machtentfaltung Ägyptens auf längere Zeit. Weitere Feldzüge nach Asien und Nubien werden zwar auf Reliefs und in Inschriften in Medinet Habu erwähnt, allerdings ist ihre tatsächliche Durchführung anzuzweifeln.

Unter Ramses III. mehren sich die Zeichen, die auf eine innere Krise Ägyptens hindeuten. Glücklicherweise blieb Ägypten von weiterer Gefahr an seiner nördlichen Flanke bis zum Angriff der Assyrer im 8. Jahrhundert verschont, obgleich die asiatischen Besitzungen entweder noch unter Ramses III. oder seinen unmittelbaren Nachfolgern verloren gingen. 

Im Westen dagegen war die Erleichterung nur vorübergehend, denn die Anwesenheit von plündernden Libyern innerhalb Ägyptens wird im Verlauf der 20. Dynastie wiederholt erwähnt. Kitchen weist bereits auf einen möglichen Streifzug im 28. Jahr Ramses III. hin. Nachdem Ramses III. seine Regierung außenpolitisch erfolgreich begonnen hatte, sind seine späteren Jahre anscheinend durch wachsende innenpolitischen Schwierigkeiten geprägt - obwohl dieses Bild auch täuschen kann.


Probleme in Deir el-Medineh
( sogen. Arbeiterstreik)

Für den " Tag 24, I. Monat der Ax.t - Jahreszeit" im Jahr 1 Ramses IV. berichtet das Ostraka Deir el-Medineh Nr. 40 ( o De M 40 rt. 15 + Strassburg H 42 = KRI VI 116 - 118, VII 329 - 330) " Jw.tw  m  smAt " - " Man begrub" d. h. das Begräbnis Ramses III. fand 70 Tage nach seinem Tod statt.
Nach Papyrus Turin 107,17 kamen Facharbeiter zum Königsgrab, um dort eine Sonderaufgabe zu erfüllen.

" Der Kellermeister (Mundschenk ?) des Königs, Amunchu, brachte die vier obersten Alabasterschneider ..............................................
zusammen mit zwei Männern [Arbeitern ?]. Sie wurden den schrägen Gang hinabgeleitaet und der Schreiber Amunnacht schloß sie im Grab ein.
Sie verbrachten die ganze Nacht bis zum Morgendämmern im Grab und arbeiteten innen und außen am Alabasterschrein. Sie vollendeten ihn und er wurde mit Figuren bemalt."

Lebensdaten nach G. E. Smith:
Möglichstes Höchstalter:     ca. 67 Jahre
möglichstes Mindestalter:    ca. 63 Jahre
Regierungszeit:                     32 Jahre

nach E. F. Wente: 
Möglichstes Höchstalter:    50 Jahre und mehr (Nähere Angaben sind nicht zu machen)
möglichstes Mindestalter:   50 Jahre ca.
Regierungszeit:                    32 Jahre


( Co-Autor: J. H. Pirzer)

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