Bilder: links - gemeinfrei/Wikipedia - rechts public domain/Emile Prissee d'Avennes)


KV 11 - Grab Ramses III.


Baupolitik Ramses III.


Nachfolger Ramses IV.



(Quellenangaben am Ende der Seite - nummerierte Verweise im Text)

Regierungszeit: 1182/83 - 1152/1151 v. Chr.      (nach J. v. Beckerath)
1187      - 1156          v. Chr.      (nach Th. Schneider L. d. Ph.)
Dynastie: 20. Dynastie
Vorgänger: Sethnacht(e)
Vater: Sethnachte                                 (nach Schneider)
Mutter: Teje-Mereniset   (nach Schneider und Dodson)            
Geschwister: -----------------
Kinder: Amun(her)chepeschef (B), QV 55,
Ramses (C) QV 53,  (späterer König Ramses IV.)
Amun(her)chepeschef (C) (späterer König Ramses VI.)
Prinz ? KV 3
Sethherchepeschef QV 43, vermutl. späterer König Ramses VIII.)
Paraherwenemef QV 42
Chaemweset QV 44
Menthuherchopschef (B), 
Pentawer - Sohn der Königin Ty - Grab ist unbekannt.
Ramsers-Meritatum
Ramses-Meriamun

Töchter:  unbekannt/ evtl. (Dua)tentopet als Schwestergemahlin von Ramses IV. (QV 74)

Gemahlinnen: Isis-ta-Hemdjeret (QV 51), 
Titi/Tyti (QV 52),
Teje (Ty) - Mutter von Prinz "Pentawer"

Auf die kurze Regierungszeit Sethnachtes folgte die seines Sohnes Ramses, den ihm seine Gemahlin Teje-Mereniset/Tija-Merieniset geboren hatte. Der neue König nannte sich Wsr-mAat-Re mrj-Jmn (User-maat-Re-meri-Amun) - stark ist die Wahrheit des Re, Geliebter des Amun. Ramses III. war der 2. König der 20. Dynastie. Als Thronbesteigungstag ist der "26. Tag des 1. Monats der Schemu-Jahreszeit" gesichert. 

Die Datierung der Regierungszeit von Ramses III. ist vor allem durch die historischen Darstellungen im Tempel von Medinet Habu und durch die reichen Aktenbestände aus Deir el-Medina gut dokumentiert. Insbesondere durch eine Inschrift aus dem 7. Regierungsjahr: "Am 9. Schemu III ruhte Amun-Re, der Götterkönig, im Haus der Millionen von Jahren von Ramses III. im Tempel des Amun im Westen von Theben" (1). 

In diesem Zusammenhang verweist der Ägyptologe Rolf Kraus auf den Festkalender und die zugehörige Verbindung zum altägyptischen Mondkalender, wo das "Ruhen des Amun-Re" im zweiten und dritten Monat der Jahreszeit Schemu traditionsgemäß an einen Neumondtag gebunden ist - weshalb für das Datum des 9.Schemu III: nur 1181 v. Chr. als siebentes Regierungsjahr infrage kommt. Infolgedessen ergibt sich nun in Addition der verstrichenen sechs Regierungsjahre 1187 v. Chr. als Zeitpunkt der Krönung, die Ramses III: am 26. Schemu I als Vereinigungs- und Krönungsfest feierte (1) - (siehe auch Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten/Gerstenberg-Verlag Hildesheim 1985, S. 138 u. S. 207). 

Ramses dürfte bei der Thronbesteigung schon um die 30 Jahre alt gewesen sein. Sicher hatte er an der Machtergreifung und dem Machterhalt seines Vaters Sethnachte einen gewichtigen Anteil. Die Regierungszeit Ramses III. ist durch zahlreiche Dokumente auf Papyrus und Ostraka sowie Monumenten des Königs bestens belegt. (Belege aus Jahr 2 bis Jahr 32) Als höchstes Regierungsjahr Ramses III. ist auf einem Ostraka der Arbeitersiedlung Deir el-Medine das 32. Jahr belegt.

Gestorben ist Ramses III. wahrscheinlich am  „14/15  Tag des III. Monats der smw–Jahreszeit“, denn an diesem Tag bestieg sein Sohn und Nachfolger Ramses IV. den Thron (o Der el – Medine 44). Die Nachricht vom Tode Ramses III. und der Thronbesteigung Ramses IV. wurde der Arbeiterschaft von Der el–Medine bereits am „III. smw ,Tag 16“ überbracht, (p Turin Kat. 1949 + 1946 verso 1, 10 – 15 / KRI V  557 - 558), d.h. es ist  davon auszugehen, dass der Tod Ramses III. und die Thronerhebung seines Nachfolgers nicht in seiner unterägyptischen Residenz stattfand, sondern in dem nur etwa 1 ½ km von Deir el–Medina entfernten Palast von Medinet Habu (?) (p Turin Katalog 1949 + 1946 verso 1,10 - 15).

(p Turin Katalog 1949 + 1946 verso 1,10 - 15)

Bericht über die Benachrichtigung der Nekropolenarbeiter:
" III. Monat der smw-Jahreszeit (Sommerzeit), 16. Tag..............
der Tag an dem Mentmose (der Polizeichef) zu der Mannschaft
des Grabes sagte: der königliche Horusfalke User-maat-Re-meri-Imen, Sohn des Re......................ist zum Himmel aufgeflogen und der König
User-maat-Re - Setepenamun sitzt an seiner Statt auf dem Thron des Re....................................."

Das Arbeitstagebuch des Grabschreibers vermerkt am selben Tag: (O DM 39,16)

" Der Falke ist zum Himmel aufgeflogen".

(Ramses III. könnte also an den Folgen des auf ihn verübten Anschlags (?) am 14. III. smw gestorben sein - rein hypothetisch)

Diese Feststellungen sind auch nicht zu erschüttern durch den erst später geschriebenen Papyrus Harris, auf den " III. Schemu 6" seines 32 Jahres datiert ist. Es handelt sich hier auf jeden Fall um eine Rückdatierung. Aber wir wissen nicht, weshalb man dafür diese 9 Tage vor dem Regierungswechsel liegenden Datum wählte. König Ramses III. hat also 31 Jahre, 1 Monat, 18/19 Tage auf dem Thron Ägyptens gesessen.

Die Namen Ramses III.


Eigenname:
Ra-msj-sw HoA-Jwnw HoA-Jwnw "Re ist es, der ihn geboren hat, Herrscher von Heliopolis."
(Ra–mes–su   heqa –on) 
( nach Schneider)

Thronname:
wsr-m3at-Ra mrj-Jmn "Reich an Maat, ein Re, Geliebter des Amun"
(Usermaat-Re - Meriamun)
(nach Schneider)

Horusname:
1) KA-nxt aA-nsyt
2) KA-nxt mAj-pHtj nxt-anb-xpS HAo- sTtjw
3) kn mnh-mnw sxtp-nb-r-Dr m-n3(y).f- 3xwt

und 13 weitere....

1) "Starker Stier, mit großem Königstum
2) "Starker Stier, kraftvoller Löwe mit starkem Arm, Herr der Schlagkraft, der die Asiaten gefangen nimmt."
3) " Starker Stier, mit herrlichen Denkmälern, der den Allherrn mit seinen Wohltaten zufrieden stellt
(nach Schneider)

Goldname:
1) Wsr-rnpwt-mj-Jtm
2)
NTrj-m-prf=f-m-Xt swHt-jqrt n-Hr-Axtj
und zwei weitere.....
1) "Reich an Jahren wie Atum"
    " Reich an Jahren wie Amun"

 

(nach Schneider)
(nach Höber-Kamel)
 - Kemet - 

Nebtiname:
1) Wr Habw-d-mj-tA-Tnn
2) Wsr-pHtj-mj-jt=f-MnTw sksk-pDt-9-dr-m-TA =sn

und 2 weitere.....

1)" Gross an Sedfesten wie [Ptah-]Tantenen"
2) " Reich an Kraft wie sein Vater Month, Vernichter der 9 Bogen (Feinde Ägyptens), Bezwinger in ihrem Land."
(nach Schneider)
Die Möglichkeit den Thronnamen eines Vorgängers einfach zu übernehmen, findet sich im Neuen Reich erstmals unter Ramses III. Vorher war es ein ungeschriebenes Gesetzt, dass jeder König sich einen eigenen originären Thronnamen auswählte. (nach Dautzenberg - GM 156)

 

Familie Ramses III.

Ramses III. war ein großer Bewunderer seines großen Vorfahren Ramses II., wobei er sogar seinen Söhnen  die gleichen Namen gibt wie die von Ramses II. und sogar die Truchsesse des ägyptischen Hofes erhielten die gleichen Namen wie die am Hofe seines Vorfahren.


Familie von Ramses III.

Erwähnt werden soll noch die Tatsache, dass nur Amun(her)chepeschef und Prinz Ramses in ihren Grabstätten als von der Großen königlichen Gemahlin bezeichnet werden (nach Kent Weeks)

Die Töchter von Ramses III. sind in der Prinzenprozession hinter ihren Brüdern dargestellt, wurden aber niemals namentlich beschriftet. Eventuell ist die Gottesverehrerin des Amun mit dem Namen Tentopet, die im Chons-Tempel in Karnak zusammen mit Ramses III. erscheint, eine Tochter von Ramses III. Ihrem Vermögensverwalter Amenophis gehört das thebanische Grab Theben Tomb (TT) 346 in Scheich Abd el-Qurna (1 + 2). Es gibt Hinweise darauf, dass sie evtl. auch identisch war mit der Königin (Dua)tentopet (DwAt en.t Jpt), der Gemahlin von König Ramses IV. (evtl. war sie auch die Mutter von König Ramses V.) (2). Damit wäre sie gleichzeitig Schwester oder Halbschwester von Ramses IV. (1+2).

Tentopet/Duatentopet in ihrem Grab Queens Valley 74

Bild: Lepsius Denkmäler (1849-1859) - public domain

 

Innenpolitik:

Die Figur König Ramses III. markiert einen Wendepunkt in der ägyptischen Geschichte, an dem eine neue Entwicklung zum Durchbruch kommt. Äußerlich ist man bestrebt, die Tradition des bedeutendsten Königs der 19. Dynastie Ramses II. fortzuführen, wobei Ramses III. ihn nicht nur in seinen Bauten kopiert, sondern er bildet auch seinen Thron- und Geburtsnamen nach denen von Ramses II. 

Abgesehen von den umfangreichen Schenkungen zugunsten der Götter, deren Mitwirken es dem König ermöglicht, das "Böse" von Ägypten abzuwehren und die "Maat" (die gottgewollte Weltordnung) zu verwirklichen, ist die Innenpolitik unter der Regierung von König Ramses III. nur bruchstückhaft dokumentiert.

Seine Großzügigkeit sicherte dem König die Unterstützung einer mächtigen Priesterschaft, wobei vor allem die großen Tempelbezirke von Karnak und Medinet Habu und in Heliopolis und Memphis reich mit Ländereien, Landarbeitern und Handwerkern, Lebensmittellieferungen, Edelmetallen, Kupfer und Steuereinnahmen bedacht wurden.

Nach dem Papyrus Harris I. (p Harris I, 12a, 6-8), der sich heute im Britischen Museum befindet und eine detaillierte Liste der königlichen Geschenke enthält, überwies Ramses III. 290m8 1/8 dbn in Gold an den Amuntempel von Karnak (dieses sind 26,48 kg). Am Ende der Regierungszeit von Ramses III. besaß allein der Amuntempel in Karnak 86.486 Leute, 433 Gärten, 83 Transportschiffe, 46 Werften, 65 Städte und Dörfer, davon 9 in Palästina, 421.362 Rinder, sowie einen Bodenbesitz von 864.158 Aruen (eine Arure sind 2.735 Quadratmeter), was ungefähr 1/10 des fruchtbaren Ackerlandes entsprach (siehe G. Lefebvre: Histoire des grands prêtres d'Amonde Karnak jusqu'a la XXIe dynasty, Paris 1929, S. 167 in dt. Wikipedia)

Insgesamt überwies Ramses III. dazu noch 50.000 dbn an Gold (= 4550 kg) an den Amuntempel von Karnak. An diverse andere Tempel wurden nach p Harris I. 1663 dbn Gold (= 151,34 kg) überwiesen.

Viele der zeitgenössischen Quellentexte überliefern uns ein ruhiges und positives Bild der Lage im Lande (siehe dazu die Dokumente der Tempelstiftungen and den Amuntempel von Karnak und diverse andere Tempel des Landes) und bezeugen damit eine Vorstellung von wirtschaftlicher Blüte und einem "unerschöpflichen" Reichtum während der Regierung von Ramses III. Dem Großen Papyrus Harris I. zufolge war die Lage also völlig ruhig und stabil wie es hier geschildert wird:

"Ich möchte, dass die Frau Ägyptens sich frei bewegen konnte, wohin sie immer wollte, unbelästigt von anderen auf ihren Wege. Ich ließ die Soldaten und die Wagentruppe während meiner Zeit untätig herumsitzen....."

(zitiert nach Gardiner, Geschichte des Alten Ägyptens, Augsburg 1994, S. 325)

In diesen Texten nimmt der König Bezug auf die chaotischen Zustände, die vor seiner Thronbesteigung herrschten, wo angeblich Raub und Plünderungen an der Tagesordnung waren und betont damit, dass die Bedingungen für die Bevölkerung unter seiner Herrschaft nun viel besser wären.

Nachdem Ramses III. seine Regierung außenpolitisch höchst erfolgreich begonnen hatte, sind seine späteren Jahre anscheinend durch wachsende innenpolitische Schwierigkeiten geprägt. So scheint es auch Quellen (siehe u. a. den "sog. Turiner Streikpapyrus, Ostraka Berlin 10663, Chicago 16991) gegeben zu haben, die von  Preissteigerungen, Korruption, ausbleibender Besoldung der staatlichen Angestellten, Streiks und Unruhen berichteten und schließlich in Arbeitsniederlegungen gipfelten,  was vermuten lässt, dass es mit der Verwaltung und Organisation des Staates wohl nicht alles zum Besten stand. Aufgrund dieser Quellen und Schriftstücke ist zu schließen, dass Ramses III. zumindest in der zweiten Hälfte seiner Regierungszeit mit wirtschaftlichen und administrativen Problemen zu kämpfen hatte, die darin gipfelten, dass er sich gezwungen sah, einen Wesir aus Athribis aus seinem Amt zu entlassen. Jedenfalls setzte der König im Jahre 16 seiner Regierung den Wesir Ta als Landverweser von Ober- und Unterägypten ein. Es scheint so, als ob die Regierung von Ramses III. zusätzliche Kontrollen bei den Zuteilungen für die Tempelstiftungen benötigte, was unter den früheren Regierungen nicht üblich war (12). Der Wesir Ta war zunächst nur für die oberägyptische Verwaltung in Theben zuständig, leitete aber auch als zuständiger Wesir Inspektionen in der Arbeitersiedlung Deir el-Medina und überwachte die Arbeiten am Königsgrab. 

Ein an den Wesir gerichtetes Schreiben aus dem Jahr 25 (einige Quellen sprechen auch von dem 29. Jahr (12) ) unter Ramses III. zeigt, dass die Korruption und Bestechung auch nicht vor der Administration und Verwaltung der Arbeitersiedlung von Deir el-Medina halt machte, was dann letztendlich mit dem ersten dokumentierten Streik der Weltgeschichte endete und in Ägypten mit dem Ausdruck "Passieren der Mauern" bekannt wurde.

Siehe dazu     - Arbeiterstreik unter Ramses III.

Als weitere Indizien für eine innenpolitische Krise dienen uns die Zusammenlegung der beiden Wesirate von Ober- und Unterägypten, die Kontrolle der Rationen für den Tempel durch den König und mehrfach erfolgter Grabraub. Evtl. muss  hier die Frage gestellt werden, ob nicht auch die Probleme der Nachfolgeregelung einschließlich der Haremsverschwörung ebenso als Anzeichen einer innenpolitischen Krise gesehen werden müssen. Siehe dazu  - Haremsverschwörung.

Trotz dieser Spannungen wurden Baumaßnahmen in großem Stil in Angriff genommen, wobei man auch hier bei der Errichtung von Baudenkmälern mit dem "Vorbild" Ramses II. wetteiferte. Da diese Baumaßnahmen - hauptsächlich mit Schwerpunkt Theben und Memphis - auch vollendet wurden, kann also die wirtschaftliche Lage des Staates nicht so schlecht gewesen sein, wie dieses oft behauptet wird (12). 
siehe dazu 
Bauten Ramses III.

Außenpolitik:

Ägypten war unter der Regierung von Ramses III. von auswärtigen Kräften bedroht, wie wir aus dem Großen Papyrus Harris (entstand kurz nach dem Tod von Ramses III.) erfahren. Er erwähnt Kämpfe gegen die sog. "Seevölker" und berichtet von einem Versuch dieser Mächte zu Lande in Ägypten einzudringen. Die unmittelbare Gefahr für Ägypten konnte Ramses III. zwar abwenden, doch dokumentieren die großformatigen Darstellungen und Inschriften auf den nördlichen und westlichen Außenwänden des Tempelgebäudes in Medinet Habu als historische Quelle die wachsende Bedrohung des ägyptischen Reiches durch feindliche Angriffe (1 + 12)

Medinet Habu – sog. „historischen Inschriften“ (13):

  1. Nubischer Krieg (ohne Datum - wohl aus Jahr 5 oder fiktiv) (PM 193-194)

  2. Libyscher Krieg (Jahr 5) 

  3. Seevölkerschlacht zur See (Jahr 8) (188-198)

  4. Seevölkerschlacht zu Lande (vielleicht Jahr 8 - vielleicht fiktiv)

  5. Libyscher Krieg (Jahr 11) (187)

  6. Asiatischer Feldzug (fiktiv) (190-91)

 

Feldzüge gegen die Libyer und die "Seevölker" in Medinet Habu

Darstellung: dt. Wikipedia/Autor: Pufacz - public domain
 - neu bearbeitet und beschriftet(@) Nefershapiland/ - all rights reserved 

Die militärische Lage im Süden des Reiches war nach wie vor ruhig, denn das ägyptische Nubien war immer noch fester Bestandteil des Reiches. Als Vizekönig unter Ramses III. fungierte ein Mann namens Hori III. (Hrj/Hri). Er war Nachfolger seines Vaters Hori II., der das Amt seit dem 6. Regierungsjahr von König Siptah innehatte. Im Tempel von Medinet Habu (innere Nordwand des 2. Hofes) sind drei Szenen über kriegerische Auseinandersetzungen in diesem Gebiet erhalten geblieben, die aber wahrscheinlich rein konventionell und wohl Wiederholungen von Szenen aus früherer Zeit sind.

Für die Interpretation der Darstellungen ist zu berücksichtigen ist, dass zumindest in Nubien, wahrscheinlich auch in Vorderasien unter Ramses III. keine Kriege mehr geführt wurden (dazu detailliert O'Connor 2000 / in Historisches Textbuch zum Alten Testament) und so etwas wie eine friedliche Ko-Existenz zu herrschen schien, worauf auch die relativ häufigen Belege aus der Zeit Ramses III. hindeuten.

Libysche Feldzüge:

An der äußeren nördlichen Rückwand und der nordöstlichen Außenseite des 2. Hofes, befindet sich von Nord nach West  eine fortlaufende Serie von sechs Szenen mit Darstellungen der Kampfhandlungen gegen die Libyer. Die Inschriften aus dem 5. Regierungsjahr Ramses III. berichten von einem Konflikt gegen die sog. "Libyer, die von Westen her eindrangen und aus einer Koalition von drei libyschen Volksstämmen bestand (besser als Tjehu bekannt): die Meschwesch, Libu und Seped. Diese hatten sich zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen Ägypten vorzugehen. Wenn man den Inschriften in Medinet Habu Glauben schenken darf, begann alles damit, dass sich der Stamm der "Libu" weigerte, einen in Ägypten erzogenen Prinzen als Häuptling anzuerkennen. Stattdessen behaupteten sie, der ägyptische König hätte sich unberechtigt in ihre Thronfolgerangelegenheiten eingemischt (die Weisheit des ägyptischen Königs, die in den hieroglyphischen Beischriften so hoch gerühmt wird, galt ihnen offenbar nichts). 

Nördliche Rückwand des Totentempels Ramses III. in Medinet Habu (PM 193)

Der Bilderzyklus aus dem Jahr 5 beginnt auf der nördlichen Rückseite (PM 193) des Totentempels. Ramses III. erhält das Sichelschwert vom Gott Amun. Als Zeuge wohnen Chonsu, der hinter Amun steht, und Thot, hinter dem König, der Handlung bei.
Das Schwert symbolisiert die göttliche Sanktionierung des Krieges und die königliche Weihe für den Sieg (nach saoc12).

Die Inschrift über dem König lautet: "Seine Majestet setzte sich, sein Herz ist stark an Kraft und Tapferkeit gegen das Land, welches in der Macht seiner Feinde ist. Es ist sein Vater (Amun) der ihn aus seinem Palast in Theben heraus geschickt hat. Er hat ihm ein Schwert gegeben, um seine Feinde von sich zu stoßen und alle zu zerstören, die sich ihm nicht unterwerfen. Für ihn sind die Wegen offen, die in der Vergangenheit niemals betreten wurden".

Bild:     Medinet Habu, outer western temple-wall battle
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

Nördliche Außenwand des Totentempels Ramses III. in Medinet Habu (PM 193)

In der weiteren Szenenfolge verlässt der König den Tempel (rechte Bildseite). Er hält das Sichelschwert und einen Bogen in seinen Händen, gefolgt vom Kriegsgott Month und begleitet von Priestern, die vier Standaten von den Göttern Upuaut, dem "Öffner der Wege", Chonsu, Mut und Amun tragen. In den Darstellungen oben links sind zwei Trompeter zu sehen. Einer von ihnen bläst zum Aufbruch. 

Die Szenen auf der Nordseite enden mit einem dramatischen Moment. Als die Trompete erklingt und die Arme abmarschbereit steht, besteigt der König seinen Streitwagen. Hinter dem König stehen oben rechts seine persönlichen Begleiter und die Prinzen. Vor ihm sehen wir seinen Leibwächter und weitere Truppen. Diese Szene ist die am besten erhaltene Darstellung auf der nördlichen Tempelwand (oi.uchicago.edu - saoc 12).

Bild:     Medinet Habu, outer western temple-wall battle2
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

Der Bilderzyklus vom I. libyschen Feldzug unter Ramses III. aus dem Jahre 5 setzt sich auf der äußeren nordöstlichen Tempelwand des 2. Hofes fort. Gezeigt wird die Abfahrt des Königs in seinem Streitwagen, begleitet wird er von seinem Löwen (PM 187, 1. Szene). Vor dem König fährt ein weiterer Streitwagen mit der Standarte des Amun. Begleitet wird der König von ägyptischen und Söldnertruppen (die ausländischen Truppen marschieren in getrennten Rassen unten links in der Darstellung.

Nordostwand des Totentempels von Ramses III. (PM 187)

Die Darstellungen aus dem I. Krieg gegen die Libyer setzen sich auf der hinteren nordöstlichen Wand des "Millionen-Jahrhaus von User-Maat-Re Meriamun" (Ramses III.) in drei Szenen fort.
Bild:    Medinet Habu, Ramses III. Tempel
Autor:  Olaf Tausch, Wikipedia 17.10.2014
Lizenz: CC BY-3.0

 

Nordostwand des Totentempels von Ramses III. (PM 187 - 3 Szenen)
- Der König zieht mit seinen Truppen in die Schlacht gegen die Libyer -

Die Darstellung an der Nordostwand wird durch später hinzugefügte religiöse, schreinartige Wandreliefs oder "Fenster" (nach Porter & Moss)aus koptischer Zeit unterbrochen, wobei die Pferdedarstellung teilweise zerstört wurden. 

Der König fährt auf seinem Streitwagen in den Krieg gegen die Libyer (1. Libyerkrieg) - begleitet von seinem Löwen. Vor ihm befindet sich ein Streitwagen mit der Standarte des Amun sowie  ägyptische Soldaten und Söldnertruppen (Scherden, Philister und Nubier - nach Porter & Moss), und weitere ägyptische Streitwagen. 

Bild:     Medinet Habu, outer northern temple-wall battle and victory scenes 1
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

Nordostwand des Totentempels von Ramses III. (PM 187 - 3 Szenen)

Fortsetzung der obigen Szenen an der nordöstlichen Seite der Mauern. Der König in seinem Streitwagen verfolgt die fliehenden Libyer. Er wird von ägyptischen und ausländischen Söldnertruppen begleitet. 
Bild:     Medinet Habu, outer northern temple-wall battle and victory scenes 1
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

Nordostwand des Totentempels von Ramses III. (PM 187 - 3 Szenen)
- Ramses bei der Siegesfeier über die Libyer -

Der König steht nach dem Sieg über die Libyer auf dem Balkon des "Erscheinungsfensters" und begrüßt die unten im Hof wartenden Würdenträger, die respektvoll zurückgrüßen. Hinter ihm wartet sein Streitwagen. Ägyptische Offiziere führen die libyschen Gefangenen vor, während die Schreiber gewissenhaft die in drei Haufen gestapelten abgeschlagenen Hände der getöteten Feinde und zwei Stapeln mit Phallis aufzeichnen. Die Szene liegt an einer ägyptischen Festung (PM 187 und oi.uchicago.edu saoc 12) 
Bild:     Medinet Habu, outer northern temple-wall battle and victory scenes 4
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

SWeitere Kriegsszenen und der großen Siegesfeier über die geschlagenen Libyer (aus dem Jahre 5) befinden sich auf den westlichen und südlichen Innenwänden des II. Hofes des Totentempels in Medinet Habu. Auf der Rückwand des II. Pylons überrennt der auf seinem Streitwagen stehende König die demoralisierten Libyer. Nach dem Sieg werden die gefangenen Libyer vor seinem Streitwagen gebunden und die auf den Darstellungen fährt der auf seinem Wagen stehende König, begleitet von den Soldaten und Beamten in Richtung Heimat. Die die Körper der erschlagenen Libyer sind unter seinem Streitwagen dargestellt. Die zentralen und unteren Bereiche der Szene sind schwer beschädigt, aber bei den oberen Partien der Darstellungen haben sich sogar Teile der originalen Bemalung erhalten. 

Bei der anschließenden Siegesfeier nach der Schlacht wohnt der König rückwärts auf seinem Streitwagen sitzend dem "Zählen der abgeschlagenen Hände und Phallis" bei. Lt. der Inschrift über den aufgetürmten Händen und Phallis sind des 12.535 Phallis und 12.535 Hände. Höflinge führen die Gefangenen in vier Reihen gefesselt vor den König. Über dem König steht ein hieroglyphischer Kriegsbericht.

Begleitet von seinen Soldaten und Höflingen steht der König in der nächsten Szene auf seinem Streitwagen und fährt zurück nach Ägypten. Vor und neben dem Streitwagen sind wiederum 3 Reihen von gefesselten libyschen Gefangenen zu sehen. Als Abschluss der Szenenfolge führt der König, der die Atef-Krone trägt, die in drei Reihen gefesselten Gefangenen vor die in einem Schrein sitzenden Götter Amun und Mut. Auf der inneren Westseite des 2. Hofes befinden sich ein langer historischer Text aus dem Jahre 5 vom 1. libyschen Feldzug gegen die nördlichen Völker (PM 94-5). 

Alle anderen Reliefs und Inschriften in diesem II. Hof gelten den Göttern, ihrer Huldigung und ihrem Kult.

Westliche Innenwand des II. Hofes in Medinet Habu
- der König bei der Überwachung der Zählung der abgeschlagenen Hände und Phallis (PM 93-95) -

Die Siegesfeier über die Libyer aus dem Jahr 5 setzt sich auf der inneren südlichen und westlichen Wand des II. Hofes im unteren Register der Wand fort. 

Der König sitzt rückwärts gewendet auf seinem Streitwagen und informiert sich über das Zählen von den auf
drei Haufen gestapelten abgeschlagenen Hände der getöteten Feinde und einem Stapeln mit Phallis. Die gefangenen libyschen Feinde werden von den Prinzen und Beamten in 4 Reihen vor den König geführt. 

Neben dem Streitwagen des Königs stehen drei Wedelträger

Bild:     Medinet Habu inner temple-wall victory scenes
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

Zählen der abgetrennten Hände der getöteten Feinde
- Westliche Innenwand des II. Hofes von Medinet Habu -

In der oberen Reihe ist ein Hofbeamter zu sehen, der die abgeschlagenen Hände der getöteten Feinde zählt, dahinter ein Schreiber, der alles gewissenhaft notiert. Ein Prinz in vornehmer Kleidung, die sogar noch Reste von ihrer ursprünglichen Bemalung aufweist (ebenso auf der Kleidung der Gefangenen)  führt weitere Gefangene heran.
Bild:     Medinet Habu inner temple-wall victory scenes
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

Die "Libu" verbündeten sich mit den schon unter Amenophis III. bekannten Meschwesch (Maswas / Maschwesch) und einem sonst unbekannten Stamm der Spd (Sped / Seped) und leistete den Ägyptern Wiederstand (Inschrift im 2. Hof mit zugehöriger Reliefdarstellung, und an der nördlichen Außenwand). König Ramses III. gelang es fürs Erste, die angreifenden Volksstämme mit seiner Streitmacht zurückzuschlagen und machte dabei viele Gefangene, die in Mittel- und Unterägypten in Militärkolonien zwangsweise angesiedelt wurden. Dort mussten sie unter Aufsicht Handelsrouten schützen und viele von ihnen wurden als Söldner in die ägyptische Armee eingegliedert.

II. libyscher Feldzug:

Aber die Libyer gaben nicht auf, so dass Ramses III. sechs Jahre später (Jahr 11) einen erneuten Vorstoß der Nachbarn im Westen abzuwenden hatte. Aus den Darstellungen von Medinet Habu erfahren wir, dass - trotz der Versicherung in den vorherigen Berichten "den Tjemehu sei das Rückgrat für immer und ewig gebrochen worden" - die Armee von Ramses in seinem 11. Jahr (ca. 1174 v. Chr.) erneut gegen die Meschwesch kämpfen musste. 

Medinet Habu - Erster Hof / Südliche Wand (PM 66)
Ramses III. bei der Militärparade

Ramses III. steht in seinem Streitwagen und wird von seinem Löwen, den ägyptischen Truppen und ausländischen Söldnern sowie den Höflingen begleitet. Der Abmarsch der Truppen beginnt mit dem Signal des Trompeters, der in der zweiten Reihe vor einem Trupp scherdischer Söldner (Shardana) steht. Hinter dem König folgen die Wedelträger und die Attendanten des Königs.

Auf der rechten Seite - hinter dem Streitwagen des Königs, befindet sich ein Tor, dessen bildliche Darstellungen in einer späteren Zeit erheblich verändert wurden. 

Bild mit freundl. Dank an Francois Oliver (Meretseger Books, Paris) für public domain (mit Namensnennung)
- Courtesy of www.meretsegerbooks.com -

 

Medinet Habu - Ende der Nordwand vor dem I. Pylon (PM 191)

Der König verfolgt die demoralisierten Libyer. Er wird von der ägyptischen Infanterie und den Streitwagen begleitet. In der oberen linken Ecke der Darstellung befinden sich zwei ägyptische Festungen, die mit Bogenschützen bemannt waren und von denen ägyptische Soldaten Pfeile schießen und Speere auf die fliehenden Feinde werfen (saoc12). Der Name der beiden Festungen steht in der Inschrift: die rechte Festung "die Stadt des Ramses" - der Ort, der auf dem Hügel des Up-ta (Horus?) ist" (Leipziger Ägyptologische Studien / Heft 6 – H. D. Schaedel) und über der linken Festung: die Stadt "Haut-sha" (House of Sand) (sao12 - Seite 61).

Bild:    Medinet Habu inner temple-wall victory scenes
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017 (Detailausschnitt erstellt von Nefershapiland)
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

weiter mit Plate 67/68 Ramses III. in Battle with the Libyans, Exterior, First Plylon North Tower West Fassade

 

 

 

 

 

Medinet Habu - 1. Hof Ostwand

Der König in seinem Streitwagen bei der Verfolgung der demoralisierten Libyer. Er wird von der ägyptischen Infanterie und weiteren Streitwagen begleitet. Ägyptische Bogenschützen schießen Pfeile von zwei Grenz-Festungen auf die fliehenden Feinde. Über der Festungstür steht der Name der Festung: „Ramses III., der Ort, der auf dem Hügel des Horus der Erde ist" (Quelle: Leipziger Ägyptologische Studien / Heft 6 – H. D. Schaedel). Die Inschriften berichten, dass die Festung auf einem Hügel in der nordwestlichen Ecke des Deltas liegt (nach saoc 12) (17).

Bild:    Medinet Habu2793-48
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

 

Anscheinend drangen die Libyer diesmal in das Delta ein und erreichten sogar seinen Mittelpunkt, den Gau von Xois am kanopischen Nilarm, wo sie Städte und das flache Land verwüsteten (Großer Pypyrus Harris). Am Ende waren es zwar wieder die Ägypter, denen es gelang, die Libyer in einer Schlacht zwischen Pi-Ramesse und einem Ort namens "Sandburg" zu besiegen und sie letztendlich aus dem ägyptischen Staatsgebiet zu verdrängen, aber die Reliefszenen und Inschriften in Medinet Habu enthalten bereits Anspielungen auf einen viel gefährlicheren Feind als es die Libyer je waren und die sich jetzt nun dem Land von Norden her nährten (13). 

 

 

Medinet Habu - Nordseite der äußeren Tempelwand
 (PM 191) - Kampf gegen die Stadt Tunip und Verfolgung der Libyer (Jahr 11)

Die Bilder in zwei Registern zeigen oben den König in seinem Streitwagen - begleitet von seinen Soldaten und den Streitwagen -  bei dem Angriff auf die Stadt Tunip.
Bild:    Medinet Habu inner temple-wall victory scenes
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

 

Darstellung der Grenzfestung
Ramses III. in Medinet Habu

Über der Tür ist der Name der Festung zu erkennen: "User-maat-Re Meriamun, der Ort, welcher auf dem Hügel des "Horus der Erde" ist.

Die Abwehrschlacht gegen die Libyer im Jahre 11 tobt zwischen zwei ägyptischen Grenzfestungen.

Umzeichnung: 
aus Leipziger
Ägyptologische Studien / Heft 6 – H. D. Schaedel - bearbeitet von Nefershapiland.

Nach Gardiner könnten sich die beiden Festungsstädte in der nordwestlichen Ecke des Deltas befunden haben. Die Distanz zwischen den beiden Festungen hat 8 "iters" betragen, was ungefähr 10 Meilen ist (saoc12, Seite 61). "Haut-sha" bedeutet "Haus auf dem Sand" und "Up-ta" kann mit "Beginn des Landes" übersetzt werden (saoc12, Seite 61 - Anm. 1b).

Medinet Habu - Ende der Nordwand vor dem I. Pylon (PM 191)

 

 

 

 

Medinet Habu - Nordwand
Erstürmung einer syrischen Festung

 

Bild:     Medinet Habu Ramses III. Tempel Nordostwand 02
Autor:  Olaf Tausch, Wikipedia17.10.2014
Lizenz: CC BY-3.0

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Bild: 
Medinet Habu, outer northern temple-wall battle and victory scenes 3

Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

 

 

 

 

Medinet Habu - 1. Hof - Ostwand

Der König in seinem Streitwagen bei der Verfolgung der demoralisierten Libyer. Er wird von der ägyptischen Infanterie und weiteren Streitwagen begleitet. Ägyptische Bogenschützen schießen Pfeile von zwei Grenz-Festungen auf die fliehenden Feinde. Über der Festungstür steht der Name der Festung: „Ramses III., der Ort, der auf dem Hügel des Horus der Erde ist" (Quelle: Leipziger Ägyptologische Studien / Heft 6 – H. D. Schaedel). Die Inschriften berichten, dass die Festung auf einem Hügel in der nordwestlichen Ecke des Deltas liegt (nach saoc 12) (17).
Bild: 

 

 

 

Die beiden Türme des I. Pylon von Medinet Habu
nach Porter & Moss (coloriert von Nefershapiland)
(@) Copyright Nefershapiland

Rückseite des 1. Pylon
63-64)  
63) Großer Text mit dem Datum "Jahr 11" mit dem Bericht über den zweiten libyschen Feldzug des Königs. Unter dem Text befindet sich eine Szene, die den König in seinem Streitwagen zusammen mit schardischen Söldnern (mit runden Hörnerhelmen) bei der Verfolgung der Libyer zeigt. Unter den fliehenden Libyern befindet sich auch der Häuptling der Meschwes mit Namen Meshro, Sohn des Kapro, auf seinem Streitwagen (nach Porter  Moss 64) 

 

Nördliche Außenseite des 1. Pylon von Medinet Habu (PM 64)
- der libysche Krieg Jahr 11 -

Auf der nördlichen Außenseite der Tempelwände wird der libysche Krieg in drei Szenen dargestellt: 
Fortsetzung des Berichts über den zweiten Libyerfeldzug auf der rechten Rückwand des 1. Pylons. Unter dem Text befindet sich eine Szene; sie zeigt den König, der auf einem Balkon des Palastes oder im sog. "Windows of royal appearance" (Erscheinungsfenster) steht und in den Hof hinab blickt. Es handelt sich hier wohl um eine Art erhöhten Balkon, von dem sich der König ausgewählten Personen des Hofstaates und des Beamtentums zeigt, meist wohl um Gunstbeweise zu verteilen. Der König lehnt mit seinem rechten Arm auf ein Kissen (oder Ähnliches), während er mit dem linken Arm gestikuliert.

Hinter dem König stehen zwei Fächerträger. Vor ihm, auf dem Hof, blicken sein ältester Sohn und zwei Wesire zu ihm auf. Dahinter ein Offizier oder Hofbeamter, der die abgeschnittenen Hände zählt, die dann von einem Schreiber notiert werden.

Dem König werden die libyschen Gefangenen vorgeführt - einschließlich dem  Häuptling der Meshwes namens Meshro, und seinem Vater Kapro, dazu erbeutete Streitwagen. Ein Hofbeamter zählt die abgeschnittenen rechten Hände.

Im unteren Register (unterhalb der Balkondarstellung) kommen von links Priester in gebeugter Haltung, während auf der rechten Seite weitere Hofbeamte die abgeschnittenen Palli der getöteten Libyer zählen und notieren.

Bild:    Medinet Habu, north wall battle and victory scenes 
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

Vorführen der libyschen Gefangenen (Relief in Medinet Habu)

Hier im Bild der Häuptling der Meshwes namens Meshro, vorgeführt von einem ägyptischen Prinzen (mit der Seitenlocke), dahinter zwei weitere
lybische Gefangene.

Bild:   Medinet Habu 2828 PM 63
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

Unteres Register der Darstellungen - Zählen der abgeschnittenen Phalli 

Auf der rechten Seite (im unteren Register) ist wiederum ein Hofbeamter zu sehen, der die abgeschnittenen Phalli der getöteten Libyer zählt, während ein weiterer Schreiber die Anzahl notiert. Es folgen eine Reihe von Prinzen.

Bild:   Medinet Habu 2833 PM 63
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

die sog. "Seevölkerschlacht"

Am Anfang seiner Regierung scheint das Verhältnis zwischen Ramses III. und der Levante noch recht friedlich gewesen zu sein und die Asiaten unter dem ägyptischen Protektorat wurden "geduldet" und lediglich ihre Unterwerfung wurde angestrebt. Als Begriff für den ägyptischen Herrschaftsbereich in der Levante diente dabei das Toponym "Djahi". Die Verteidigung der gelegentlichen Angriffe der sog. "Seevölker" in dieser Zeit - vor allem von den Philistern - wurden zumeist von den dort stationierten ägyptischen Verbänden und den einheimischen Söldnern vorgenommen (16). 

Wahrscheinlich wurden die Soldaten, die aus der Levante stammten, aber auch in das reguläre ägyptische Herr integriert, wobei zahlreiche Asiaten in der ägyptischen Armee Karriere machten (siehe Helck, Beziehungen, 368-390). Auf den Wänden von Medinet Habu gibt es einige Darstellungen unter denen vielleicht auch Asiaten zu identifizieren sind. Einige der dort dargestellen Krieger tragen einen Hörnerhelm mit Knauf und sind zumeist mit Kurzschwert und Lanzen bewaffnet und mit einem unterteilten kurzen Schurz bekleidet. Evtl. handelt es sich hier um Soldaten aus dem Volk der "Scherden", (ägypt.: "Srdn"). Auch im Papyrus Harris wird an verschieden Stellen von den Scherden gesprochen, wobei in allen Belegen betont wird, dass diese ein wichtiger Bestandteil des ägyptischen Heeres waren (16). Sie waren berufsmäßige Söldner und fochten schon mit und gegen die Ägypter in zahlreichen Schlachten am Ende der späten Bronzezeit. Bereits unter Ramses II. machten die Scherden als Piraten die Küsten des Landes unsicher, wurden von ihm später als Söldner in die ägyptische Armee integriert und sind in der berühmten "Kadesch-Schlacht" gut dokumentiert.

Die Beamten, die in den Garnisonsstädten der Levante arbeiteten, waren etabliert und auf ein Minimum reduziert. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass beide Kulturen sich langsam annähern. Aber nach dem Verlust einiger wertvoller Gebiete in der Levante, ergibt sich ab dem Jahre 8. der Regierung von Ramses III. der Eindruck von einem Wandel der Beziehungen zwischen den Ägyptern und den Völkern der Levante, wobei dieser Wandel allerdings nur in sehr vage gehaltenen Formulierungen zu erkennen ist. Die ursprüngliche Bevölkerung dieser Gebiete wurde feindlicher beurteilt und die neuen Machthaber , die Philister, wurden als "dort lebend" bezeichnet. Eine Erwähnung der Philister "als Vasallen"  im Großen Papyrus Harris, ist dabei sehr aussagekräftig.  Allerdings stammt dieser Bericht nicht aus der Zeit von Ramses III., sondern erst von seinem Sohn und Nachfolger Ramses IV. (16).

Im Jahre 8 fand die Schlacht gegen die "Seevölker "statt - ein Bündnis von Völkern, deren ursprüngliche Herkunft in den Inschriften auf den Tempelmauern von Medinet Habu (nördliche Außenwand) als "....sie kamen vom Meer (jam)" oder "von den Inseln inmitten des Meeres" (Helck/Drenkhahn) angegeben werden. Die Invasoren waren dem ägyptischen Einflussgebiet sehr nahe gekommen, so dass sich der König gezwungen sah, gegen diese Gefahr vorzugehen, denn was sich da auf Ägypten zugbewegte, war keine ausländische Streitmacht, die sich hinterher wieder zurückzog. Dieses Völkerbündnis der "Seevölker" kam, um das Gebiet für immer in Besitz zu nehmen und hatten sogar ihre Familien mitgebracht, wie die Inschriften in Medinet Habu zu berichten wissen.

" Im 8. Jahr Ramses III. kam eine Woge von Seevölkern südwärts, zu Land und zur See. Sie überrannten Anatolien, Cilicia, Zypern und Nordsyrien bis zum Hethiterreich, und errichteten ein Lager irgendwo in der nordsyrischen Ebene, als Vorbereitung auf die Invasion Ägyptens. Die zu Land unterwegs waren, reisten in Ochsenkarren, die mit ihrem Hausrat beladen waren, begleitet von ihren Frauen und Kindern".

(
Wilson 1951, 259 - The Culture of Ancient Egypt, Chicago 1951 - übersetzt in (12) von Sabine Albers)

Angesichts dieser großen Bedrohung war der ägyptische König gezwungen zu handeln und sammelte seine Truppen. Die Streitmacht des Königs setzte sich aus Berufssoldaten und Söldnern zusammen. Auf den Tempelwänden von Medinet Habu sind die logistischen Vorbereitungen für den Kampf gegen die Invasoren dargestellt. Der Kronprinz wird bei der Truppenaushebung und der Ausgabe der Waffen gezeigt und stellen die Rekrutierung von Truppen im Beisein der Generäle, der Obersten der Bogenschützen und der Truppenkommandierenden dar. Die Waffenausgabe wird von zwei Schreibern dokumentiert. Nach der Waffenausgabe setzt sich das ägyptische Heer in Bewegung. Der Tross des ägyptischen Heeres wird vor allem aus Fußsoldaten gebildet, die mit Speeren, Schwertern, Schilden sowie mit Pfeil und Bogen bewaffnet sind.

Nördliche Außenwand des Tempels von Medinet Habu
Waffenausgabe und Mobilmachung für den Krieg gegen die Seevölker

Ramses III. steht auf einem erhöhten Podest und überwacht die Austeilung der Ausrüstung und der Waffen an seine Armee. Dann spricht er zu seinen Truppen: "Bringt die Ausrüstung heraus. Schickt Truppen  heraus, um die rebellischen [Länder] zu zerstören, die Ägypten nicht kennen, mit der Kraft meines Vaters Amun". (17)

Der Kronprinz, ein leiblicher Sohn des Königs, leitet die Waffenausgabe. Höflinge und Schreiber überwachen die gesamte Aktion. Er spricht zu den Kommandanten der Armee und zu den Kommandanten der einzelnen Truppenverbände und deren Offizieren. Die Inschrift über dem Kronprinzen an der Basis lautet: "So spreche ich im Namen des Königs, holt herbei jeden Mann (mustert heraus) der dienstfähig ist und in der Liste Seiner Majestät steht und lasst sie vor den König treten, damit sie die Waffen erhalten....". (17)

Im hinteren Bereich des Bildes ist zu sehen, wie die Waffen und die Ausrüstung von den Beamten des Hofes an die Soldaten verteilt werden. Zu erkennen sind Speere, Bogen und Köcher, Streitäxte und Sichelschwerter.

Bild:    Medinet Habu outer northern temple-walls, victory scenes
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

Das ägyptische Reich sah sich aufgrund der Bedrohung nun gezwungen, sich dem Feind in einer Land- und Seeschlacht zu stellen und Ramses III. zeigte hier sein militärisches Geschick, wobei er seine eigene Leistung dadurch glorifiziert, dass in den Inschriften an den Wänden seines Totentempels in Medinet Habu das "Schreckgespenst" der später von ihm besiegten "Seevölker" hervorgehoben wird:

"Kein einziges Land hielt vor ihren Armen stand (die Länder) von Hatti, Qedi, Karkemisch, Azawa und Zypern waren (nun) entwurzelt. Ein Feldlager [wurde aufgeschlagen (wAH) an einem Ort im Innern von Amurru. Sie richteten seine Leute und sein Land zugrunde, wie wenn es nie existiert hätte".
(KRI V, 40)

Die "Seevölker" sammelten sich in Amurru (wohl im Levante-Gebiet) und stießen in zwei Gruppen auf Ägypten vor. Die eine Gruppe bestand aus Fußtruppen, die zu zusammen mit ihren Frauen und Kindern auf dem Landweg unterwegs waren, während die andere Gruppe mit ihren Schiffe entlang der Küste in Richtung Nilmündungen im Ostdelta segelten. 

Nördliche Außenwand des Tempels von Medinet Habu
- Ramses III. marschiert gegen die Seevölker -

Diese Darstellung zeigt den operativen Aufmarsch in Richtung "Djahi" (in etwa das heutige Palästina) gegen die Landtruppen der Seevölker. 

Der ägyptische König fährt in seinem Streitwagen an der Spitze des Heeres, begleitet von den ägyptischen und ausländischen Söldnertruppen. Die Infanterie besteht hauptsächlich aus Fuß-Soldaten, die mit Schwertern und Speeren bewaffnet sind, dazu kommen Bogenschützen und Streitwagen, die von Pferden gezogen werden.

Die Darstellung des königlichen Pferdes ist wieder von einem später hinzugefügten religiösen, schreinartigen Wandrelief aus koptischer Zeit (oder Fenster ?) teilweise zerstört, wie schon an anderer Stelle an der Nordwand.
Bild:    Medinet Habu outer northern temple-walls, victory scenes Seapeople
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017 (Bild unten beschnitten v. Nefershapiland)
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

Nördliche Außenwand des Tempels von Medinet Habu
- Die Landschlacht gegen die sog. "Seevölker" im Jahre 8 -

Der König steht in seinem Streitwagen im Kampf gegen die Landstreitkräfte der Seevölker-Koalition. Dieses Krieggeschehen befindet sich in Höhe von Sile/Qantara, der ägyptischen Grenzfestung Ostdeltarand. Als Gegner der ägyptischen Armee sind fast nur Federhelmträger zu sehen, welche an anderer Stelle der Darstellungen in Medinet Habu als Peleset oder Tjeker benannt werden. Die Feinde tragen Wurfspeere, Langschwerter und Rundschilde. 

Am rechten Bildrand steht der König auf seinem Streitwagen, der den Angriff der Feinde abwehrt, bevor sie in Ägypten eindringen können. Die Peleset fliehen vor der ägyptischen Streitmacht oder flehen mit erhobenen Händen um Gnade. Ägypter und ihre Söldner der Scherden stellen sich den Fliehenden entgegen, die versuchen, sich in einem ungeordneten Chaos rückwärts zu bewegen. Die Darstellung der Landkampfszene vermittelt dem Betrachter aber keinen wirklichen Kampf, sondern insgesamt eher eine "Schlacht" oder ein "Abschlachten" der Feinde, denn der Feind scheint unmittelbar vor dem König im "Chaos" niedergemetzelt worden zu sein.

Bild:    Medinet Habu outer northern temple-walls, victory scenes Seapeople
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017 (Bild unten beschnitten v. Nefershapiland)
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

Nördliche Außenwand des Tempels von Medinet Habu
- Ramses III. im Streitwagen beim Kampf gegen die Seevölker -

Detail des obigen Bildes. Der König steht in seinem Streitwagen und schießt Pfeile auf die fliehenden Gegner. Die unterlegenen Feinde flehen im Chaos mit erhobenen Händen um Gnade.
Bild:    Medinet Habu outer northern temple-walls, victory scenes Seapeople
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017 (Bild unten beschnitten v. Nefershapiland)
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

Nördliche Außenwand des Tempels von Medinet Habu
- Die Landschlacht gegen die sog. "Seevölker" im Jahre 8 -

Der Kampf gegen die Landstreitkräfte der Seevölker war kurz, aber heftig. Auf beiden Seiten verfügten die Truppen über Streitwagen, diese scheinen aber eher eine untergeordnete Rolle zu spielen, denn die Kampfdarstellungen zeigen hauptsächlich den Kampf Mann-gegen-Mann. Die Streitwagen der Angreifer - soweit dieses zu sehen ist - sind mit sechs Speichen und rundem Wagenkorb leicht gebaut und ähneln damit den ägyptischen Modellen (13).
Bild:    Medinet Habu outer northern temple-walls, victory scenes Seapeople
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017 (Detailausschnitt erstellt von. Nefershapiland)
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

                                           Der Tross der Seevölker mit Ochsenkarren
                                   - Medinet Habu Nördliche Außenwand des Tempels -
Die Seevölker fliehen nach der verlorenen Schlacht zu Fuß und in ihren Wagen, während auf den schweren Ochsenkarren (Buckelrinder) neben den Fahrern auch ihre Frauen, Kinder mit ihrem Hab und Gut das Weite in der Flucht suchen. Interessant die rechte Szene, wie Frauen voller Panik versuchen, ihre Kinder aus/oder in (?) den Wagen zu hieven. Die viereckigen, sehr einfach gestalteten Wagenkästen sind aus schmalen Holzplatten mit Querleisten zusammengebaut und liegen mit ihrer Mitte auf der Achse auf (13). 

Bild: nach Wreszinski, Atlas II. Tf. 114 (bearb. v. dt. Bibelgesellschaft Stuttgart)

Die Inschriften aus dem Totentempel von Ramses III. in Medinet Habu und der Große Papyrus Harris enthalten fast alle Informationen, die uns aus der Zeit von Ramses III. über die "Seevölker" bekannt sind. Eine Vereinigung der Stämme der Peleset, Tjekru, Schekelesch, Danuna und Waschosch schmiedeten eine starke und aggressive Koalition, so dass unter ihrem Ansturm einige der einst mächtigsten Königreiche der Levante zusammenbrachen. Kurze Zeit später erreichte die Koalition der "Seevölker" über Land und Wasser das von Ägypten beherrschte Gebiet. Während die Landgruppen der Invasoren durch ägyptische Garnisonen in Palästina bei Djahi - das man dem heutigen Palästina bzw. Israel zuordnet - aufgehalten wurden, erreichten andere Gruppen auf dem Seeweg die ägyptische Küste an der Mündung eines nicht näher bezeichneten Nilarmes.

*

Die Szenen von der großen Landschlacht an der Nordseite des Tempels in Medinet Habu werden von einer interessanten Jagdszene unterbrochen. Der König (Ramses III.) ist hier mit einem langen Speer bewaffnet in seinem Streitwagen zu sehen, wie er einen Löwen erlegt, der aber heute leider nicht mehr sichtbar ist, da die gesamte rechte Seite der Darstellung zerstört ist. Ein weiterer, bereits getöteter Löwe ist unter dem Streitwagen zu erkennen. Ein anderer, vielleicht schwer verletztes Tier versucht sich in ein nahes Gebüsch zu flüchten. Divisionen von Soldaten marschieren im unteren Register, vielleicht auf dem Marsch von der siegreichen Schlacht an Land hin zur Seeschlacht auf der linken Seite. 

Die gesamte Szene ist stark stilisiert und unterscheidet sich in ihren Details von den anderen Szenen in Medinet Habu, wie man z. B. bei den Formalisierungen der Papyruspflanzen oder des Pferdekopfes sieht. 

Der König bei der Löwenjagd
Nördliche Außenwand des Tempels von Medinet Habu

Ramses III. steht mit einem langen Speer bewaffnet in seinem Streitwagen bei der Löwenjagd. Die Darstellung des Löwen hinter dem Streitwagen ist leider heute nicht mehr vorhanden. Ein weiterer bereits schon getöteter Löwe liegt unter dem Wagen und ein anderers, schon von den Pfeilen des Königs getroffenes Tier versucht sich ins nahe Gebüsch zu retten.
Bild:     Medinet Habu Ramses III. outer northern temple
Autor: Kairoinfo4U (Bildausschnitt erstellt von Nefershapiland)
Lizenz: CC BY 3.0

 

 

 

 

 

Zweiter Pylon Medinet Habu - Vorderseite

PM 83) Der König führt an Stricken hinter sich drei Reihen von Gefangenen die aus Seevölkern, Shardana und Palästinensern beststehend, vor Amun – Re und Mut, darunter zwei Textzeilen.
PM 84) Große hieroglyphische Inschrift über die Siege gegen die Seevölker

 

Zählen der abgetrennten Hände der getöteten Feinde
- Westliche Innenwand des II. Hofes von Medinet Habu -

In der oberen Reihe ist ein Hofbeamter zu sehen, der die abgeschlagenen Hände der getöteten Feinde zählt, dahinter ein Schreiber, der alles gewissenhaft notiert. Ein Prinz in vornehmer Kleidung, die sogar noch Reste von ihrer ursprünglichen Bemalung aufweist (ebenso auf der Kleidung der Gefangenen)  führt weitere Gefangene heran.
Bild:     Medinet Habu inner temple-wall victory scenes
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

Vorderfront des 2. Pylon von Medinet Habu (PM 83+84)

Auf dem linken Pylonturm führt der König gefangene Seevölker vor die thebanischen Götter Amun, Mut und Chons. Auf der rechten Seite (PM 84) befindet sich ein großer Text aus dem Jahr 8 mit einem Bericht über den Sieg gegen die Seevölker.
Bilder: mit freundl. Dank an Francois Oliver (Meretseger Books, Paris) für public domain (mit Namensnennung)
- Courtesy of www.meretsegerbooks.com -

 

Gefangene "Seevölker" - gebunden an Stricken (PM 83)
Der König führt sie vor die thebanischen Götter.
Darunter zwei Textzeilen.

Bild Lepsius III. - public domain

 

Gefangene "Seevölker" - gebunden an Stricken (PM 83)
Photo der obigen Zeichnung von Lepsius
Linke Seite des 2. Pylons von Medinet Habu

Bild. Medinet Habu Ramses III. Tempel Erster Hof 11 jpg
User:
Remih, Wikipedia, 8. 6. 2009
Lizenz: CC-BY-SA-3.0

 

Detailausschnitt: Gefangene "Seevölker" - gebunden an Stricken (PM 83)'
am 2. Pylon in Medinet Habu (hier wahrscheinlich "Philister").

Der König (nicht im Bild) führt sie vor die thebanischen Götter.
Darunter zwei Textzeilen.

Bilder: mit freundl. Dank an Francois Oliver (Meretseger Books, Paris) für public domain (mit Namensnennung)
- Courtesy of www.meretsegerbooks.com -

 

Hieroglyphische Inschrift über den Sieg gegen die Seevölker in Medinet Habu
- 1. Innenhof am zweiten Pylon des Totentempels Ramses III. (PM 84)
Bild:        Medinet Habu Ramses III. Tempel Erster Hof 16.jpg
User:      Olaf Tausch 17. 10. 2014, Wikipedia
Lizenz:    CC BY 3.0

Über den genauen Ablauf der Landschlacht ist leider nicht viel überlieferte, nur basierend fast ausschließlich auf eine Handvoll propagandistisch gefärbten Darstellungen, die Ramses III. an der nördlichen Außenwand seines Totentempels in Medinet Habu anbringen lässt. Eine der Darstellungen zeigt den operativen Aufmarsch seiner Truppen in Richtung von Djahi. Die Darstellungen zeigen den König in seinem Streitwagen an der Spitze seiner Truppen, wobei in diese auch schon Kontingente von in die ägyptische Armee eingegliederte Söldner aus Fremdvölkern angeschlossen sind. Diese sind aber nur mit Wurfspeeren und Kurzschwertern ausgerüstet (13).  

"Seine Majestät zieh aus, mutig und stark, um die rebellischen Länder zu zerstören. Seine Majestät zieht aus nach Djahi wie Month, um jenes Land zu zermalmen, das  seine Grenzen verletzt hat...[....]."
(Edgerton Wilson 1936, pl. 29 in (12) )

Ein weiterer Kriegsschauplatz der Landschlacht scheint bei Sile/Qantara gewesen zu sein. Die Gegner sind ausschließlich als Federhelmträger dargestellt und werden an einer anderen Stelle des Bilderzyklus als "Peleset, Tjeker oder Danuna" benannt, und sie tragen Langschwerter, Wurfspeere und Rundschilder. Die Ägyptologen identifizieren die "Peleset" heute im Allgemeinen mit den Philistern, die wir aus der Bibel kennen. Ihre originale Herkunft bleibt im Dunkeln, man vermutet evtl. , dass sie von Kreta über Arzawa in Anatolien eindrangen. Nach ihrer Niederlage gegen die Truppen von Ramses III. in den asiatischen Feldzügen siedelten sich die " Peleset" wie auch die " Tjeker" und Teile der " Scherden" in der Levante an (13). 

Noch bevor die Angreifer die Initiative ergreifen konnten, eilte Ramses mit seinen Truppen dem landwärts angreifenden Gegner entgegen. Der Kampf gegen die Landtruppen des Gegners war kurz, aber heftig, da beide Seiten über Streitwagen und über eine gut organisierte Infanterie, die in kleine Kampfgruppen aufgeteilt war, verfügten. Die Truppen der "Seevölker" versanken unter dem Ansturm der Ägypter im Chaos und versuchten zu fliehen. Der Sieg der Ramses-Truppen war lt. den Darstellungen in Medinet Habu so deutlich, dass der König mit seinen Truppen sofort ins Nildelta zurückeilen konnte und damit den von See her angreifenden anderen Teil der "Seevölker" einen wichtigen Schritt voraus war. 

Da Ägypten schon frühzeitig vor der herannahenden Gefahr gewarnt war, konnte eine schlagkräftige Flotte zusammengezogen und ausgerüstet werden. Das Hauptquartier der ägyptischen Armee lag während der kriegerischen Auseinandersetzungen in einem der Forts an der Straße von Sile nach Raphia.

Fünf gegnerische Schiffe fahren mit aufgerollten Segeln in eine der Nilmündungen im Mündungs- und Lagunenbereich des Ostdeltas ein (13), die im Gegensatz zu den ägyptischen Schiffen ohne Ruderer dargestellt sind (wahrscheinlich wurden sie beim Angriff eingezogen, um sich nicht gegenseitig zu behindern) (13). Sie bereiteten einen Überraschungsangriff vor, wie sie es wohl schon früher oft getan hatten. Doch plötzlich sahen sie sich der ägyptischen Flotte gegenübergestellt, die ihnen den Rückzugsweg versperrte. 

Als die "Seevölker" versuchten, mit ihren Truppen an Land zu gehen, empfingen sie die ägyptischen Bogenschützen mit einem Hagel von Pfeilen, die sie aus sicherer Entfernung von Land aus abschossen. Auf den Schiffer der "Seevölker-Koalition" entstand ein heilloses Durcheinander. Auf den Darstellungen sind feindliche Soldaten zu sehen, die kopfüber ins Meer stürzen, während andere versuchen sich an Land zu retten, wo sie bereits von den ägyptischen Kriegern im Papyrusdickicht eingefangen werden.

"Ein Netz wurde aufgestellt für sie, um sie zu fangen, jene, die in die Flussmündungen hereinkamen, waren verstrickt und in es hineingefallen, gefesselt an ihren Plätzen, niedergemetzelt und aufgehackt ihre Leiber."
(nach Gardiner/Geschichte des Alten Ägyptens 1962, S. 316)

Den Darstellungen von Medinet Habu zufolge waren die Verluste der Angreifer immens, da sie auf ihren Schiffen und im flachen Wasser der Deltamündung nur wenig Deckung fanden. Die Kampfdarstellungen der "Seevölkerschlacht" nimmt an der Nordwand des Tempels von Medinet Habu den größten Raum ein, und bildet die wichtigste Szene des gewaltigen Bildszenariums, ist aber nur bei günstigem Sonnenstand zu erkennen. 

Nach der ersten Angriffswelle der "Seevölker" ließ der ägyptische König seine Schiffe zu den völlig überraschten Angreifern auf ihren Schiffen hinausrudern und die ägyptischen Soldaten begannen einen Nahkampf. Das am weitesten in die Nilmündung eingefahrene Schiff wird von den zwei ägyptischen Schiffen angegriffen und aufgebracht. Auf dem Relief sieht man bei sehr genauer Betrachtung (und einem günstigen Sonnenstand) ein Entern mit einem Enterseil. 

Das Entern eines der "Seevölkerschiffe" markiert den Beginn des Kampfes Mann gegen Mann. Ein Enterseil wird von einem der ägyptischen Schiffe in Richtung Mast des gegnerischen Schiffes geworfen. Auf den Darstellungen ist zu sehen, dass der im Ausguck des "Seevölkerschiffes" stehende Mann bereits tödlich getroffen wurde. Ägypter werfen ihre Lanzen vom Bug ihres Schiffes aus auf die gegnerischen Soldaten und man sieht später die an Händen gefesselten Gefangenen im ägyptischen Schiff sitzen. Der Mast des "Seevölkerschiffes" ist gebrochen und das Schiff treibt kieloben im Wasser. Tote und Verwundete treiben in Richtung Land. Diejenigen der Gegner, welche den Angriff überlebt hatten, ertranken im Nil, einige Überlebende werden aus dem Wasser gezogen. In den unteren Registern der Darstellungen sehen wir gefesselte Gefangene, die registriert und "gebrandmarkt" und dann dann in langen Reihen abgeführt werden (12,13+ 14)).

Nach dem großen Sieg segelte die ägyptische Flotte nun mit zahlreichen gefesselten Gefangenen heimwärts. Ein Gefangener, der zu fliehen versucht, wird von einem der Soldaten auf der Uferböschung eingefangen. Die Niederlage der Angreifer ist vollkommen.

 

 

 

 

Medinet Habu - Nördliche Außenwand des Tempels
Seevölkerschlacht: PM 188 Szene 6 - 2. Register

Nach der großen Seeschlacht kehrt die ägyptische Flotte siegreich zurück. Der König steht auf dem Balkon des "Erscheinungsfensters" seines Palastes - vor ihm auf dem Hof stehen  zwei Wesire, zwei Beamte und Gefangene, die von den Prinzen herangeführt werden. Im unteren Register ist eine lange Reihe mit Gefangenen zu sehen, die von den Prinzen herangeführt und von den Beamten gezählt und markiert werden.
Bild:   Medinet Habu,l outer northern temple-wall 2
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

Medinet Habu - Nördliche Außenwand des Tempels
Seevölkerschlacht: PM 188 Szene 6 - 2. Register

1. Register: Der König begutachtet die Gefangenen von seinem "Erscheinungsfenster" aus. 
hinter ihm stehen 2 Fächerträger. Im Hintergrund ist die Festung Migdol sowie der Streitwagen des Königs zu sehen. Vor  ihm stehen zwei Wesire, zwei Beamte und Gefangene, die von den Prinzen herangeführt werden.
2. Register: Eine lange Reihe von Höflingen und Offizieren und Hofbeamte,
welche die abgeschlagenen Hände der getöteten Feinde zählen. In der unteren Szene ist eine lange Reihe von Gefangenen zu sehen, die von einem Schreiber gezählt und notiert werden, sowie mit einem Brandstempel markiert werden.
Bild:   Medinet Habu,l outer northern temple-wall 1
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

Detailfoto der oberen Darstellung
- Gefangene Peleset (Philister) -

Eine der bedeutendsten Gruppen unter den "Seevölkern", die Ägypten im 5. und 8. Jahr der Regierung von Ramses III. angegriffen haben, sind die Peleset. Diese ethnische Volksgruppe wurde von Jean-Francois Champollion bald nach seiner Entschlüsselung der Hieroglyphen mit den Philistern aus der Bibel identifiziert. Lt. den Darstellungen von Medinet Habu kämpfte Ramses III. gegen die Peleset sowohl auf dem Meer als auch in den Landschlachten. 

Photo: Kairoinfo 4U - Flickr-Album
  CC BY-NC-2.0

 

Die große Siegesfeier vor den Göttern PM 189, Scene 7
Medinet Habu - Nördliche Außenwand des Tempels

Der König präsentiert die Gefangenen des Seevölkerkrieges vor der thebanischen Triade. Darunter die eroberten Gebiete mit Namensringen.

Diese Darstellung bildet den religiösen Abschluss des Bildzyklus mit der Vorführung der Gefangenen vor den Göttern der Thebanischen Triade (Amun, Mut und Chons). 
Bild:   Medinet Habu,l outer northern temple-wall
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
Lizenz: CC BY-NC-2.0

 

Detailbild der großen Siegesfeier - PM 189, Szene 7

Der König führt an Stricken hinter sich zwei Reihen von Gefangenen die aus Seevölkern (oben) und Libyer (unten) bestehen. Darunter eine Inschriftenzeile mit einer stilisierten Fremdvölkerlist, die üblicherweise die Orte enthalten, welche der König bei seinen Feldzügen erobert oder zerstört hatte. Evtl. enthalten diese Listen aber auch die Orte, woher die Gefangenen stammten.
Bild:   Medinet Habu,l outer northern temple-wall
Autor: Kairoinfo4U im Flickr-Album 5.3.2017
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weiter Seite 219 und 196

 

 

6. Szene   Zwei Register

Register I.  

 

PM 188  - 189   der Krieg gegen die Seevölker

PM 188  von rechts nach links / sieben Szenen

1. Szene

Der König auf dem Balkon hinter ihm Fächerträger bei der Inspektion der Truppen.

Gezeigt werden kniende Standartenträger und Trompeter, sowie der Kronprinz mit Gefolge.

2. Szene

Der König auf dem Streitwagen mit Fächerträgern beim Auszug aus Zahu, begleitet von Fußsoldaten unter den sich auch ausländische Söldner befinden, dazu die ägyptische Streitwagentruppe. 

3. Szene

Der König im Streitwagen, darunter ägyptische Streitwagen, im Kampf gegen die Seevölkerleute unter denen sich auch deren Frauen und Kinder auf Ochsenkarren befinden.

4. Szene

Der König im Jagdwagen auf Löwenjagd. Darunter Soldaten unter denen sich auch fremdländische Söldner befinden.

5. Szene

Darstellung der Seeschlacht gegen die Seevölker. Der König schießt von Land aus mit dem Bogen auf die Schiffe der Seevölker.

6. Szene   Zwei Register

Register I.  

Der König auf dem Balkon, mit Fächerträgern. Im Hintergrund wartet sein Streitwagen, und die Festung Migdol ist zu sehen. Prinzen und die beiden Wesire sowie Beamte führen dem König Gefangene vor.

PM 188  - 189   der Krieg gegen die Seevölker

PM 188  von rechts nach links / sieben Szenen

1. Szene

Der König auf dem Balkon hinter ihm Fächerträger bei der Inspektion der Truppen.

Gezeigt werden kniende Standartenträger und Trompeter, sowie der Kronprinz mit Gefolge.

2. Szene

Der König auf dem Streitwagen mit Fächerträgern beim Auszug aus Zahu, begleitet von Fußsoldaten unter den sich auch ausländische Söldner befinden, dazu die ägyptische Streitwagentruppe. 

3. Szene

Der König im Streitwagen, darunter ägyptische Streitwagen, im Kampf gegen die Seevölkerleute unter denen sich auch deren Frauen und Kinder auf Ochsenkarren befinden.

4. Szene

Der König im Jagdwagen auf Löwenjagd. Darunter Soldaten unter denen sich auch fremdländische Söldner befinden.

5. Szene

Darstellung der Seeschlacht gegen die Seevölker. Der König schießt von Land aus mit dem Bogen auf die Schiffe der Seevölker.

6. Szene   Zwei Register

Register I.  

Der König auf dem Balkon, mit Fächerträgern. Im Hintergrund wartet sein Streitwagen, und die Festung Migdol ist zu sehen. Prinzen und die beiden Wesire sowie Beamte führen dem König Gefangene vor.

                                                                                                                                        

 

 

 

Ramses III. konnte zwar die unmittelbare Gefahr für Ägypten durch die "Seevölker" abwenden, trotzdem büßte sein Land ein Teil der Vorherrschaft über das ägyptische Einflussgebiet ein. Sowohl Palästina, wo er die beiden Seevölker, die Peleset (Philister) und Tjeker ansiedelte, wie auch Syrien gingen in der Folgezeit verloren (1). 

*

Über die Herkunft der "Seevölker" wird unter den Ägyptologen noch immer kontrovers diskutiert, wobei einige der früheren Forscher von der sog. "Anatolische These" ausgehen, andere favorisierten die "Adria/Balkan-These" die in jüngerer Zeit aber noch noch in abgeschwächter Form diskutiert wird. Diese Theorie geht davon aus, dass diese Völker erst in zweiter Linie mit dem zentralen östlichen Mittelmeer in Verbindung kamen - evtl. auf ihrem Weg nach Ägypten oder aber als Rückzugsgebiet. Andere Forscher berufen sich als Herkunftsgebiet auf die "Ägäische These", was auf das Gebiet der ägäischen Inselwelt bzw. kleinasiatischen Küste zurückgeht (13), wobei die Argumente für die dritte Theorie sprechen.

Die Bewaffnung und die Tracht der dargestellten Seevölker in Medinet Habu. In den Inschriften werden die "Seevölker" - mit Ausnahme der "Luka" als Meeresbewohner bezeichnet. Auch die Tracht unterscheidet sich von deutlich von der Bekleidung der ägyptischen Truppe. Die Kopfbedeckung ähnelt der, die in zahlreichen Varianten der ägäischen Helmform zu finden ist, wobei drei Grundformen unterschieden werden: der Hörnerhelm, der Federhelm und die nach hinten auslaufende Mütze. Auf den Darstellungen in Medinet Habu tragen die "Seevölker" einen auffälligen Riemenpanzer, wie er ähnlich aus vergleichbaren mykenischen Quellen (Scherben aus der Unterstadt von Mykene) bekannt ist und "bei denen die mit einer Niete befestigten Schulterstücke besonders deutlich zu erkennen sind und mit jenen an den Riemenpanzern der Seevölker übereinstimmen" (Haider, 1998, S. 67 in (13) ). 

 

 
 
 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beamte und das Hebsed-Fest Ramses III.:

Aus der Regierungszeit Ramses III. sind uns etliche höhere und niedere Beamten namentlich bekannt. Dazu zählten elf Truchsesse zum Teil fremdländischer Herkunft. Von den elf tragen fünf unägyptische Namen. Einer heißt z. B. " der Libyer Jenene", ein anderer führt den phönizischen Namen "Ba 'almahar".

Türsturz des Ramses-user-chepesch

     Türsturz des Ramsesuserchepesch, Beth Shean
Bild:        A copy of the Egyptian plate Beth-Schean
Autor:     I-Okatah (indonesische Wikipedia)
Lizenz:    CC B-SA 3.0   
  (Bild: nach James, The Iron Age at Beth Shan, Fig. 92)

 

Das Amt des Hohenpriesters des Amun zu Karnak war in Händen eines gewissen Bekenchons (III.), dann gab es einen "User-maatre-nacht" und "Ramsesnacht". Der Bürgermeister von Theben ist ein Mann mit Namen "Paser".

Zu Anfang der Regierung Ramses III. bekleidete das Amt des Wesirs ein "Hori" ( #rj), der dieses Amt schon unter Sethos II. innehatte, dann ab dem Jahr 16 des Königs taucht der allgegenwärtige Wesir 
Ta (To)
auf.


Zur Person des Wesir Ta / To

Auch der Königssohn von Kusch, ebenfalls mit Namen Hori bekleidete dieses Amt auch bereits unter König Siptah.

Vorarbeiter der Nekropolen ist seit dem 3. Jahr König Merenptah ein gewisser HAj, der diese Stellung bis in das 19. Jahr Ramses III. innehatte. Der Nekropolenschreiber Nhw-m-mut (I) ist schon unter Sethos II.l belegt und im 11. Jahr Ramses III. dann als Vorarbeiter genannt. Der im Streikpapyrus genannte Polizeibeamte MnT-msj aus Theben ist ab Jahr 6 Sethos II. bekannt und übte sein Amt noch im 4. Jahr von Ramses IV. aus.

Bereits Ende des 29. Jahres Ramses III. liefen die Vorbereitungen für das im 30. Jahr geplante Erneuerungsfest des Königs. Der Wesir sollte die benötigten Götterfiguren der südlichen Landeshälfte nach dem Norden in die Residenz bringen. (Meldung vom 28. Tag des IV. Monats der prt - Jahreszeit im Nekropolentagebuch.) Zu diesem Datum "Jahr 29, IV. prt 28" ist zu bemerken:

Papyrus Turin 1880, rto. II.18:

Abreise des Wesirs aus Theben zur Residenz, um die Götterbilder zum Hebsed zu bringen. Das Datum liegt knapp einen Monat vor dem Beginn des 30. Regierungsjahres Ramses III. Die Vorbereitung und die Tatsache, dass Ramses III. mit Sicherheit über das 30. Jahr hinaus regierte, machen es so gut wie sicher, dass er dieses Heb-Sed-Fest tatsächlich gefeiert hat, obgleich es sich anders als wie bei Amenophis III. keine Überreste der Zulieferung zum Fest und bisher auch keine Darstellungen gefunden haben.

Das große Hebsed-Fest des nunmehr etwa sechzigjährigen Königs fand offenbar in der Ramsesstadt im Delta statt, (nach der Inschrift im Grab des Hohenpriesters Setjau in El Kab werden die Götterbilder in die Ramsesstadt geholt), wo die archäologische Fundlage nicht so günstig ist, wie im oberägyptischen Theben.

Angesichts der vielleicht (?) schlechten wirtschaftlichen Lage und der aufgestauten Unzufriedenheit im Lande kam der Feier anscheinend große politische Bedeutung zu, denn Ägypten bedurfte dringend anscheinend einer Erneuerung und Regeneration, die von der Staatsspitze ausgehen musste. 

Aber war die wirtschaftliche Lage wirklich so schlecht, wie man allgemein heute annimmt? Es ist äußerst schwierig eine Einschätzung der wirtschaftlichen Lage Ägyptens während der 20. Dynastie zu geben. Anscheinend war die Lage nicht so schlecht, wie oft vermutet wird. Der Preis für Emmer  (Weizen) lag vom Jahr 8 bis Jahr 14 bei 1,5 Deben, ein extrem niedriger Wert. Bei Gerste zeigt sich das gleiche Bild: bis Jahr 14 lag der Preis bei ca. 2 Deben, dann im Jahr 14 sinkt er sogar auf 1 Deben. Nachher steigt er bis Jahr 23 wieder auf 2 Deben und bleibt so bis zum Regierungsende. Diese niedrigen Preise zeugen eigentlich von stabilen Verhältnissen und nicht gerade von einer Wirtschaftskrise, eher das Gegenteil ist der Fall.

Trotzdem trieb aber anscheinend Ägypten innenpolitisch auf einen bedrohlichen Konflikt zu. Offensichtlich wurden Palastintrigen gesponnen um einen bestimmten Prinzen die Thronfolge zu sichern. 

 

" Die Fremdländer, die alle die Trennung vollzogen hatten von ihren Inseln, aufbrechend und verstreut unter die Truppen der Länder. Kein Land konnte vor ihren Waffen bestehen: Hatti, Kjdi ( = Kizzuwatna), Karkemisch, Arzawa, Alasia.
Abgeschnitten von ihrem Land schlugen sie ihr Lager in Amurru auf und vernichteten das Volk und das Land war, als sei es nie gewesen. Sie näherten sich Ägypten..................................
Es war ihr Bund der  pu - l - s' a'-ta', si - ka - r, s'a' - ka - lu' - s', da - nu' und wa - sà - s', vereinte Länder.....................................
Ich aber organisierte die Grenze von Syrien (
sa' - hi) "

 

 

Auf der Südstele in Medinet Habu aus dem 12. Jahr Ramses III. sind erneute schwere Kämpfe gegen die Seevölker verzeichnet, ebenso auf der sog. rhetorischen Stele aus Deir el-Medine. (Zwei "Rhetorische Stelen" bei Deir el-Medine)

" Er plünderte die Länder [ der Tjemehu ] der Libu und der Meschwes. Er veranlasste, dass sie den Fluss überquerten und nach Ägypten gebracht wurden. Sie wurden in den Festungen des starken Königs angesiedelt. Sie hören die Sprache der Menschen ( d. h. ägyptisch) indem sie dem König dienen. Er machte, dass ihre Sprache verschwand, er verdrehte ihnen die Zunge. Sie gingen auf einem Weg, den sie vorher nicht hinabgestiegen waren."

Die gefangenen Seevölker werden teilweise in das ägyptische Heer integriert und zum Teil in Ägypten angesiedelt. An der palästinischen Küste siedelte man die Palastu / Pulsata und Zikar (si - ka - r) an, wo sie das Reich der Philister bildeten. Sicher ging diese Landnahme nicht friedlich vor sich. Von ägyptischer Seite wurde vermutlich der Versuch unternommen, diese Neuansiedlung wieder unter ägyptischer Oberhoheit zu unterwerfen. Dieses konnte sicher wohl nur auf dem diplomatischen Wege erreicht werden. ( Folgt man dem Papyrus Harris I. dann gründete Ramses III. in Gaza einen dem Gott Amun geweihten Tempel). Damit ging möglicherweise der Versuch zusammen, im Inneren Palästinas Stützpunkte zu halten, wie in Besan und vielleicht Megiddo.

Ausgrabungen in Besan führten zutage, dass unter Ramses III. der Oberdomänenvorsteher Ramses - woser - chepes hier ein Haus besessen hatte. Eine Statue Ramses III. stand ebenfalls dort. Die archäologischen Gegebenheiten scheinen eine Wiederbesetzung der Festung nach einer Zerstörung unter Ramses III. erkennen lassen. Die letzte ägyptische Besatzung geht bruchlos in israelische Besiedlung über. Es ist aber anzunehmen, dass die Versuche dort ägyptische Stützpunkte aufzubauen keinen längeranhaltenden Erfolg gehabt haben. Auf alle Fälle ist in dem Bericht des Wn - Imn (Wenamun) am Ende der 20. Dynastie, von einer ägyptischen Herrschaft in Dor bei den ´Zikar ( s't -  ka -  r ) nichts mehr zu erkennen. Der dort ansässige Herrscher bi - di - r erscheint als völlig selbständige Dynastie.

Im Papyrus Harris I. 76, 9/10 wird von einem Feldzug gegen den edomitischen Stamm der Se 'ir (Seir) im Gebiet von Timna berichtet, der vermutlich der Sicherung der Küstenstraße diente. Es ist belegt, dass für Ramses III Expeditionen zu den Bergbaugebieten in Timna und dem westlichen Sinai unternommen wurden.

Da die Ansiedlung der "Palastu und Zikar" im alten Stammesverband und unter ihren eigenen Herrschern erfolgte, nützten diese die Schwäche der ägyptischen Staaten aus um sich selbstständig zu manchen. Die Philister des Alten Testaments gelangten in dieser Weise in ihre Gebiete an der Küste Südpalästinas. Es ist aber nicht vergessen, dass sie eigentlich aus "Kaphtor", also Kreta und der in der Nähe liegenden anatolischen Küste stammten. Das Gebiet hin bis nach Nordpalästina war wohl unter Ramses III. noch in ägyptischer Hand. Eine lebensgroße Sitzstatue des Königs fand sich in dem wichtigsten Stützpunkt Besan (Betshean), südlich des Tiberiassees. Außerdem lässt sich aus seiner Zeit die Renovierung des hiesigen Tempels nachweisen. Allerdings gibt es Wissenschaftler, die dieses in Zweifel ziehen, auch dass diese Statue von Ramses III. selbst hier aufgestellt wurde und glauben eher an einen späteren Export.

In Megiddo fand sich der Schreibzeugbehälter eines Boten Ramses III. und ein Skarabäus mit seinem Namen. Ein weiterer Skarabäus des Königs wurde in Lachisch gefunden.

Kaum war die Gefahr aus dem Norden gebannt, da musste sich Ramses III. in seinem 11. Regierungsjahr wieder nach Westen gegen die Libyer wenden. Wieder ist es der Stamm der Meschwesch (Maswas) unter dem Fürsten Meschascher (Mesarer), Sohn eines Kaper (Keper), der in die Gebiete bis zum konopischen Nilarm eingebrochen war. Besonders der Gau von Xois wurde wieder schwer heimgesucht. 

Zusammen mit fünf untergeordneten Häuptlingen mit einer Anzahl kleinerer, sonst unbekannter Stämme: den Isabit, Qajaqas, Sajatep, Hasa, Biqau und Libu, stießen sie aus dem fernen Westen vor und überfluteten zuerst das Gebiet eines anderen Stammes, der Tehen, bevor sie Ägypten erreichten. Die Schlacht wurde am
" 10. Tag des 4. Monats der smw - Jahreszeit, Jahr 11" geschlagen, an einem Ort, der wohl am Rande des Westdeltas lag, namens "Sandburg " und "Stadt des Wsr - mAa.t - Ra - mrj - jmn auf dem Berg, Scheitel der Erde". Beide Städte sind nicht mehr zu lokalisieren.
Die Libyer werden auf den Reliefs in Medinet Habu (Inschriften am 1. Hof, am 1. Pylon, Reliefs am 1. Pylon hier als Da5um
"Tag 8 des 2. Monats der prt-Jahreszeit, Jahr 11" angegeben) auf Streitwagen gezeigt. Unter den Beutestücken sieht man auch ihre Schwerter, welche die beinahe unglaubliche Länge von 1 1/2 bis 2 Metern haben. Seite an Seite mit den ägyptischen Soldaten sehen wir Schirdana kämpfen, wieder wurden die Libyer geschlagen, der Feind wurde ungefähr 15km weit verfolgt bis zur Stadt Nascho (dem "Herrensitz auf den Dünen").  Meschescher selbst wurde gefangengenommen. Sein Vater Keper kam später, er bat um Frieden und um das Leben seines Sohnes. Über das endgültige Schicksal des Meschescher ist nichts bekannt.

Nach der angegebenen Zahl der Gefallenen "2175" und 2052" gefangener Libyer einschließlich Frauen und Kinder, davon nur 1200 Männer, war diese zweite Invasion bedeutend kleiner als die erste. 42.721 Stück Vieh fiel den Ägyptern in die Hände, darunter Rinder, Schafe, Pferde usw. Des weiteren erbeuteten sie 603 Bögen, 239 lange Schwerter des mykenischen Typs und 93 Streitwagen.

Die gefangenen Libyer werden wieder in Soldatensiedlungen im nördlichen Mittelägypten und im Delta angesiedelt. Der Viehbesitz wird dem Amuntempel von Karnak überwiesen.

damit waren die Kämpfe Ramses III. um den Bestand Ägyptens abgeschlossen. Diese für Ägypten erfolgreichen Abwehrkämpfe Ramses III. waren die letzte größere Machtentfaltung Ägyptens auf längere Zeit. Weitere Feldzüge nach Asien und Nubien werden zwar auf Reliefs und in Inschriften in Medinet Habu erwähnt, allerdings ist ihre tatsächliche Durchführung anzuzweifeln.

Unter Ramses III. mehren sich die Zeichen, die auf eine innere Krise Ägyptens hindeuten. Glücklicherweise blieb Ägypten von weiterer Gefahr an seiner nördlichen Flanke bis zum Angriff der Assyrer im 8. Jahrhundert verschont, obgleich die asiatischen Besitzungen entweder noch unter Ramses III. oder seinen unmittelbaren Nachfolgern verloren gingen. 

Im Westen dagegen war die Erleichterung nur vorübergehend, denn die Anwesenheit von plündernden Libyern innerhalb Ägyptens wird im Verlauf der 20. Dynastie wiederholt erwähnt. Kitchen weist bereits auf einen möglichen Streifzug im 28. Jahr Ramses III. hin. Nachdem Ramses III. seine Regierung außenpolitisch erfolgreich begonnen hatte, sind seine späteren Jahre anscheinend durch wachsende innenpolitischen Schwierigkeiten geprägt - obwohl dieses Bild auch täuschen kann.


Probleme in Deir el-Medineh
( sogen. Arbeiterstreik)

Für den " Tag 24, I. Monat der Ax.t - Jahreszeit" im Jahr 1 Ramses IV. berichtet das Ostraka Deir el-Medineh Nr. 40 ( o De M 40 rt. 15 + Strassburg H 42 = KRI VI 116 - 118, VII 329 - 330) " Jw.tw  m  smAt " - " Man begrub" d. h. das Begräbnis Ramses III. fand 70 Tage nach seinem Tod statt.
Nach Papyrus Turin 107,17 kamen Facharbeiter zum Königsgrab, um dort eine Sonderaufgabe zu erfüllen.

" Der Kellermeister (Mundschenk ?) des Königs, Amunchu, brachte die vier obersten Alabasterschneider ..............................................
zusammen mit zwei Männern [Arbeitern ?]. Sie wurden den schrägen Gang hinabgeleitaet und der Schreiber Amunnacht schloß sie im Grab ein.
Sie verbrachten die ganze Nacht bis zum Morgendämmern im Grab und arbeiteten innen und außen am Alabasterschrein. Sie vollendeten ihn und er wurde mit Figuren bemalt."

Lebensdaten nach G. E. Smith:
Möglichstes Höchstalter:     ca. 67 Jahre
möglichstes Mindestalter:    ca. 63 Jahre
Regierungszeit:                     32 Jahre

nach E. F. Wente: 
Möglichstes Höchstalter:    50 Jahre und mehr (Nähere Angaben sind nicht zu machen)
möglichstes Mindestalter:   50 Jahre ca.
Regierungszeit:                    32 Jahre


( Co-Autor: J. H. Pirzer)

Verwendete Quellen und Literatur:
1.  engl. u. dt. Wikipedia / Ramses III.; Duatentopet;
2.  Aidan Dodson, Dyan Hilton: The Complete Royal Families of Ancient Egypt/Kairo 2005
3.  Rolf Krauss: Sothis- u. Monddaten, Gerstenberg-Verlag Hildesheim 1985;
4.  Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen, Albatros-Verlag Düsseldorf 2002;
5.  Kenneth A. Kitchen: Ramesside Inscriptions, Oxford 1983;
6.  Jürgen v. Beckerath, Handbuch der Pharaonen;
7.  MDAIK Bd. 31.1 1975 - Zur bildl. Gleichsetzung des ägyptischen Königs mit der Gottheit, S. 105
8.  Peter Kaplony, Denkmäler der Prinzessin Neferure und der Königin Ti-Mienese in der Sammlung A. Ghertsos (Zürich).
9.  Jehon Grist, The Identity of the Ramessiude Queen Tyti, in: Journal of Egyptian Archaeology, Vol. 71 (1985) pp. 71-81;
11. Kent Weeks: Luxor und das Tal der Könige / Nat. Geogr. Art Guide;
12. Kemet/10.2005, Heft 4;
13. AIDA - Archäologie, Inschriften u. Denkmäler Altägyptens Bd. 2: Der Kampf der Seevölker gegen König Ramses III.
      Heike Sternberg-el Hotabi 2012;
14. Sir Alan Gardiner: Geschichte des Alten Ägyptens
15. OIC10/Medinet Habu Reports-Part1. The Epigraphic Survey, 1928-31 Uvo Hölscher
16. ÄAT Bd. 36.3 Das Königtum der Ramessidenzeit, Harrassowitz-Verlag 2003, S. 227 ff. Eileen Hirsch)
17. SAOC 12 (Historical Records of Ramses III. / Medinet Habu I. u. II. /Edgerton und John A. Wilson 1956)

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Literatur, Quellen


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