zurück zu Kairo

Zitadelle

Nilkreuzfahrt

Al-Fustat:

Muslimische Araber eroberten Mitte des 7. Jh.  Ägypten und brachten die islamische Religion und die arabische Sprache ins Land.  Unter der Führung von Amr Ibn al-As,  Kommandeur der Armee von Kalif Omar I., brachen 639 n. Chr. die Araber von Medina aus auf, um Ägypten, die reichste Provinz des Byzantinerreiches zu erobern. Zu diesem Zeitpunkt war Alexandria noch Hauptstadt Ägyptens. Nach monatelanger Belagerung nahmen die arabischen Truppen die an der Deltaspitze des Nils gelegene, byzantinische Festung, welche die Griechen ca. 100 Jahre n. Chr.  "Babylon" genannt hatten, ein. (Quelle: Wikipedia-Enzyklopädie

Ein Jahr später fiel Alexandria und im Jahr 641 n. Chr. wurde das Militärlager Fustat gegründet, aus dem später Al-Qahira (969 n. Chr.) oder Alt-Kairo entstand. Der Name Fustat geht auf das arabische Wort "Zelt" zurück und weist auf den Charakter der ehemaligen Zeltstadt hin. Amr Ibn al-As, inzwischen Stellvertreter des Kalifen,  ließ die erste Moschee auf ägyptischen Boden im Zentrum von Fustat bauen.  Allerdings ist davon im heutigen Bauwerk der Amr-Moschee fast nichts mehr zu sehen.

Die Omaijaden-Kalifen von Damaskus machten Al-Fustat zur  Provinzhauptstadt von Ägypten. Sehr lange während ihrer über 500jährigen Geschichte galt sie als reichste Handelsstadt im islamischen Raum. Hochwertige Produkte aus den Töpfereien, Glasbläsereien, Webereien, Kupfer- und Goldschmieden waren im ganzen nahen Osten berühmt. (Omaijaden: 661 - 750 n. Chr.)

Schon hundert Jahre später eroberten die Abbasiden die Garnisonsstadt Fustat und sie wurde beim Sturz der Omaijaden (750 n. Chr.) vernichtet.  Herrscher der Abbasiden war Harun al Rashid, der von Bagdad aus, Handel und Kunst nach Al-Fustat brachte. 

Ahmed Ibn-Tulun, als Sohn eines ehemaligen türkischen Sklaven geboren, später als Staathalter für den abbasidischen Kalifen von Bagdad über Ägypten eingesetzt, löste sich Mitte des 9. Jh. von seinem Auftraggeber und gründete als alleinherrschender Emir eine eigene Residenzstadt, Al-Qata'i, nördlich von Fustat. (Tuluniden: 870-905 n. Chr.)  Die Dynastie des Ibn-Tulun hatte allerdings nur 35 Jahre Bestand.

Al-Qahira oder Kairo

Mit dem Bau der neuen arabischen Hauptstadt Misr Al-Qahira (die Stadt des siegreichen Mars),  die 969 n. Chr.  unter dem schiitischen General Gawhar ("Jafar"), dem mächtigen Feldherr des fatimidischen Kalifen Al Mu'izz, erbaut wurde,  schlug die Geburtsstunde des heutigen Kairos. Gawhar es-Saqalli, ein ehemaliger Sklave aus Sizilien, der zum Islam konvertierte, gründete die Stadt als neuer Herrschaftssitz des Fatimiden-Geschlechtes in Ägypten. (Schiitische Fatimiden 969-1171 n. Chr.)  Sie lag im Gegensatz zu ihren Vorgängern Al-Fustat (641 n. Chr.), Al-Aksar (750 n. Chr.) und Al-Qata'i, die immer an den Wasserwegen  lagen, nicht mehr direkt am Nil, sondern am "Khalig el-Masri", einem Kanal, der schon von den Pharaonen gebaut wurde und der bis zum Roten Meer führte.

Al-Qahira oder Kairo, die "Siegreiche" , entstand genau dort, wo heute der Khan el-Khalili liegt. Frühere islamische Zentren wurden zu Vororten Kairos. Am Ende des 11. Jahrhunderts n. Chr. vergrößerten armenische Architekten die alte Stadtmauer aus Lehmziegel durch eine große Steinkonstruktion. Von den 60 Toren, die einst Einlass in die im byzantinischen Stil erbauten Verteidigungsanlage boten, existieren heute noch drei der Tore:  das nach einem Berberstamm genannte Bab el-Suweila im Süden (1092), Bab el-Futuh ( Tor der Eroberungen) und das Bab el-Nasre im Norden. (Siegestor)

          Bab al-Nasre /Siegestor

Das Bab al Nasre im islamischen Kairo ist eine massiv befestigtes Tor an der nördlichen Stadtmauer von Kairo. Rechteckige Steintürme flankieren den Rundbogen des östlichen Portals.


Bild-Autor:   Md iet
Lizenz:          Creativ Commons Attribution-Share
                      Alike 3.0 Unported 
Originalbild:    hier 

 

Das ursprüngliche Tor Bab al-Nasre wurde 969 n. Chr. von Gawhar al Siqilli, dem großen Fatimiden-General, als Bestandteil eines Verteidigungswall erbaut. 
1121 n. Chr. ersetzte der fatimidische Wesir Badre al-Jamali das ursprüngliche Tor Bab al-Nasre im Zuge der Stadtvergrößerung durch das heutige Bab al-Izz (Gate of Prosperity). Doch bis heute nennen die Bewohner Kairos das Tor bei seinem ursprünglichen Namen Bab al Nasre (Tor des Sieges)

Die Samenhändler und Schlachter hatten ihre Stände in der Nähe des Bab el-Futuh aufgebaut. Die Pferdewagen der Gemüsehändler wurden ebenfalls am Tor der Eroberungen entladen. Das Stadttor ist berühmt wegen der Knoblauchhändler. Wahrscheinlich gibt es in ganz Kairo keine einzige Knoblauchknolle, die nicht durch die Hände der Kaufleute am Bab el-Futuh gegangen ist. 

       Bab el-Futuh in Kairo

"Das Tor der Eroberungen" - Das Bab el-Futuh, am Stadtrand der Fatamiden-Stadt wurde im 11. Jahrhundert in die Stadtmauer eingefügt. Es wurde von drei syrischen Brüdern erbaut, die ein Wesir des Kalifen El Mostansir nach Ägypten rief. 

 

(Die Zeichnung stammt aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert und gilt daher als Gemeinfrei)

Kairos Reichtum beruht zum größten Teil auf seinen Gewürzhandel. Der Legende nach waren die Gewürze göttlicher Herkunft. Direkt vom Paradies hinab auf die Bäume gefallen, soll der Nil sie mitgerissen haben und in Ägypten angeschwemmt. 

Bab-al-Futuh (Tor der Eroberungen

File: Cairo-Bab-al-Futuh.jpg
Autor: Baldiri
Lizenz: Creative Commons Lizenz 3.0 Unported
Bild: mit frdl. Genehmigung von Uli
www.aegyptenfans.de

 

Bab Zuweila nach David Roberts

Das Bab Zuweila 
mit den beiden auf den Stadttoren gebauten Minaretten.

Dieses Bild ist gemeinfrei, da die Schutzfrist 70 Jahre nach dem Tod des Autors abgelaufen ist.

File: Cairo-Bab-Zuwayla.jpg
Autor: Baldiri
Lizenz: 
Creative Commons Lizenz 3.0 Unported

Das imposante Bab Zuweila ist das einzige Stadttor, welches von der mittelalterlichen Stadtbefestigung 
Al-Qazira noch steht. Gebaut wurde es zur gleichen Zeit wie die beiden Nordtore und bis Ende des 19. Jahrhunderts noch jeden Abend zugemacht. Die Hauptplätze der Stadt befanden sich damals in der Marmeluckenzeit vor dem Tor.

Unter großem Spektakel fanden hier öffentliche Hinrichtungen statt. Sultan Mu'ayyad ließ Anfang des 
15. Jh. die Minarette einer Moschee auf die massiven Mauern des Tores setzen.  Er ließ die Mauern eines Gefängnisses, das bis an die Stadtmauern reichte, niederreißen und errichtete dort 1420 die nach ihm benannte Sultan Mu'ayyad-Moschee.

Rund um den ursprünglichen Stadtkern von Al-Qahira, gewachsen um die El-Ashar-Moschee, die knapp ein Jahr nach Stadtgründung gebaut wurde, befinden sich hier auf vier Quadratkilometern etwa 450 altislamische Bauwerke, die als Weltkulturerbe gelten.

Moscheen

Zeugnisse aus der frühen islamischen Zeit sind in Ägypten eher selten zu finden. Einige bedeutende findet man in Kairo, wie die Ibn-Tulun-Moschee und die ältere Amr-Moschee. Von deren ursprünglichem Bau ist aber nichts erhalten geblieben. Ebenso die Al-Azhar-Moschee, die von Gawhar gegründet wurde.

Die islamische Sakralarchitektur ist von drei Moscheeformen geprägt. Die sogenannte "Hofmoschee" ist der älteste Typus, mit einem arkadengesäumten, offenen Innenhof und einem seitlichen Portikus, der nach Mekka weist. Meistens findet man diese klassische Anordnung bei den großen Moscheen. Die große El-Akmar-Moschee in Kairo ist das älteste Beispiel des klassischen Typs. Häufig wurde der Grundriss dem Straßenverlauf angepasst, doch verblieb die Ausrichtung nach Mekka.

Ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts setzte sich in Ägypten eine ganz andere Form durch, die eine spezielle Ausprägung erfuhr: die "Liwan-Moschee"- Das Zentrum dieses Moschee-Typs war der überdachte Hof, auf dem sich vier überwölbte Hallen (Liwane) öffnen. Viele Liwan-Moscheen sind von bescheidenen Ausmaßen, da die städtische Wohndichte bereits sehr hoch war. Häufig bestehen sie aus unterschiedlichen Nebengebäuden, jenseits der den eigentlichen Gebetsraum begrenzenden Straßen. Ein charakteristisches Beispiel hierfür ist die 1480 n. Chr. in Kairo errichtete Kidjmas el-Ischaki-Moschee, die vom Stallmeister des Sultans Kait Bey, Emir Kidjmas el-Ishaki auf einem kreuzförmigen Grundriss erbaut wurde. Sie liegt höher als die Straße. Das untere Geschoss der Moschee wird von Geschäften eingenommen. Das Portal ist mit Marmor und Koranversen verziert. Besonders zu erwähnen ist hier das prächtige Minbar mit Intarsien aus Elfenbein. Ein vergittertes Fenster geht auf das Mausoleum, welches für Kidschmas gedacht war, der jedoch in Damaskus bestattet wurde.

Ein dritter Moschee-Typ, der sich an den Kuppel-Moscheen Istanbuls orientierte, entstand schließlich unter der osmanischen Herrschaft. Typisch osmanisch ist der Grundriss der Malika Safija-Moschee in Kairo (erbaut 1610 n. Chr.). Nach der türkischen Eroberung Ägyptens 1517 entstand durch den byzantisch-osmanischen Stilsein Sanktuarium, das von einer großen Kuppel überwölbt war; davor befand sich ein Hof, den mit kleinen Kuppeln bedeckte Arkaden umgaben.

Islamische Sakralarchitektur

Minbar

Der Iman hält von der Minbar-Kanzel aus seine Predigt. Die Minbar ist aus verziertem Holz und manchmal auch aus Marmor. Meistens ist die Minbar neben der Gebetsnische (mihrab) an der qibla-Wand  (Kibla-Wand)  errichtet, auf welcher der Chatib (Islamsiche Prediger) am Freitag die Predigt (Chutba) hält. Einst wurden von der Minbar-Kanzel aus auch die Anordnungen der jeweiligen Herrscher verkündet. 
Die Ursprünge des
Minbars reichen in die Zeit des Propheten Mohammed zurück, welcher der Überlieferung nach aus Palmenstämmen zwei Stufen mit einem Sitz errichten ließ, damit seine Gläubigen ihn besser sehen konnten.

Mihrab-Nische

Mihrab nennt man die Gebetsnische in der Wand, welche die Gebetsrichtung (Kibla) nach Mekka angibt. Sie ist meist reich verziert mit Mosaiken, Halbedelsteinen, polychromer Marmorverzierung, bemalter Keramik aus den Fayencewerkstätten von Iznik, Bögen aus ornamentierten, abwechselnd hellen und dunklen Steinen (der sogenannten Ablak-Technik. Es gibt aber auch einfache, geschnitzte Holznischen. Auf jeden Fall befindet sich in jeder noch so kleinen Moschee eine Einrichtung, die die Gebetsrichtung zeigt.

 

Amr Ibn el-As-Moschee:

Die im heutigen Stadtteil Fustat liegende älteste Moschee Ägyptens, die nach dem arabischen Feldherr des Kalifen Omar benannt wurde, entstand um 641/42 n. Chr. und gilt als die erste Moschee in ganz Afrika. Sie befand sich an der Stelle des ersten Zeltlagers der islamischen Eroberer.

Die Moschee hatte einen rechteckigen Grundriss. Als Baumaterial benutzen die Architekten Stein- und Lehmziegel sowie Palmenstämme und Palmwedel für die Überdachung. 

Mehrmals wurden große Teile der Amr-Moschee zerstört.  Ein neuer Hof (Sahn) den 672 n. Chr. die Omaijaden anlegten ,veränderte ebenso die Gesamtansicht der Moschee, wie der 710 n. Chr. erfolgte Wiederaufbau. (nach einer weiteren Zerstörung) Unter der Herrschaft der Abbasiden (827 n. Chr.) nahmen die neuen Herren eine Erweiterung an der Südwestseite vor. Unter den Fatimiden (969-1171 n. Chr.) erlangte die Moschee eine besondere Wertschätzung: sie erhielt drei Minarette. Abermals wurde die Amr-Moschee 1175 bei einem Brand vernichtet, kurz darauf aber wieder aufgebaut.

Auch die Mamelucken erweiterten und bauten die Moschee um, insbesondere nach einem Erdbeben im Jahre 1303. In den folgenden Jahrhunderten verfiel die älteste Moschee Ägyptens. Erst Ende des 18. Jh. begann man sie zu restaurieren und weitere Erneuerungen einzufügen.

Amr Ibn el-As-Moschee

Wir haben keine wirklichen Vorstellung, wie die Moschee ursprünglich aussah, wie dieser kurze Bericht über die wechselvolle Geschichte der Amr Ibn el-As-Moschee deutlich zeigt. Vom Ursprungsbau sind nur noch Fundamente erhalten.

 

Ibn Tulun-Moschee:

Ahmed Ibn Tulun, der aus Samarra, einer Stadt im Irak kam, wurde 835 n. Chr. als Sohn eines ehemaligen türkischen Sklaven geboren. Nach der Loslösung von Bagdad und der Gründung einer eigenen Dynastie, baute er nordöstlich der Vorgängerstädte Al-Fustat und Al-Askar seine neue Hauptstadt Al-Qata'i. 

Die Moschee, die Ibn Tulun  im Zentrum der Hauptstadt errichten ließ (876-879 n. Chr.), ist das einzige Bauwerk, welches von seiner Residenzstadt übrigblieb. 

Bild:      Ibn-Tulun-Moschee in Kairo
Autor:   Berthold Werner
Lizenz: 
(CC BY 3.0)

Neu war die Architektur mit einem quadratischen Grundriss.  Als Vorbild dienten anscheinend die Kaaba in Mekka (z.B. der Sahn) und die große Moschee von Samarra . Deutlich wird dieses bei dem 40 m hohen Minarett, das sich an dem der großen Moschee orientierte, welche wiederum von den Zigarrats (Stufenturm babylonischer Tempelanlagen)  in Mesopotamien inspiriert war. 

Blick in die Moschee auf das Minarett

Minarett der Ibn Tulun Moschee in Kairo. Besonderheit ist die außen umlaufende Wendeltreppe.
Bild:      Ibn-Tulun-Moschee in Kairo2
Autor:   Berthold Werner
Lizenz: 
(CC BY 3.0)
Bild:      Ibn-Tulun-Moschee in KairoMinarett
Autor:   Berthold Werner
Lizenz: 
(CC BY 3.0)

Die Ahmed Ibn Tulun-Moschee ist völlig restauriert worden und ist nach der Amr-Moschee die älteste Moschee in Kairo. Sie wurde aus Ziegeln erbaut, mit Holzdecken und an den Wänden elegant verzierten Stuck. Im hinteren Teil befinden sich aus Stein gemauerte Teile. Die von einer quadratischen Mauer umschlossene Moschee (die Seiten sind ca. 160 m lang) ist dank ihres spiralförmigen Minaretts schon von weitem zu erkennen. Die Moschee liegt in einem Hof mit spitzförmigen Arkaden und rechteckigen Pfeilern, die an den Seiten von Säulen umrahmt sind. In der Mitte des Hofs erhebt sich ein Brunnen aus dem 15. Jahrhundert. Auf der südöstlichen Seite des Hofs mit seinen fünf Pfeilerreihen befindet sich der Gebetsort. 

Ein Zeugnis der frühen Mamluken-Zeit ist der Minbar mit dem typischen Sternendekor, der genauso wie der Reinigungsbrunnen in der Mitte des Innenhofes vom ersten Restaurateur der Moschee im Jahr 1296 stammt, dem Sultan Husam el Din Lagin. Allerdings besitzt die Minbar nicht mehr die einstigen Intarsien-Tafeln, welche sie einst schmückten - diese befinden sich heute im Victoria- und Albert-Museum in London. Ebenso ein Original aus dieser Zeit ist der mit Glas- und Steinmosaiken verzierte Mihrah (Gebetsnische) in der Mitte der Ostwand, über der sich eine hölzerne Halbkugelkuppel befindet. Eine rechts daneben befindliche Tür bildete den Privatzugang des Ibn Tulun zur Moschee.

Auf der nordöstlichen Seite des Baukomplexes befindet sich - fast zu Füßen des Minaretts - die Schulmoschee von Sarghatmach, die auf die Mitte des 14. Jahrhunderts zurückgeht. In ihr befindet sich ein Sarkophag aus weißem Marmor.

Bis auf wenige Änderungen, wie dem oberen Teil des Minaretts, dem Brunnen und die Holzkanzel, die später zugefügt wurden, blieb die ursprüngliche Moschee im wesentlichen erhalten. Zur Zeit der Tuluniden war die Ibn Tulun-Moschee allerdings mit Gold, Marmor und Edelhölzern ausgeschmückt. Die schmucklose Strenge der inneren Mauer wird von 128 Fenstern und 23 Toren gemildert, bei denen sich kein einziges Muster wiederholt.

Eine zweite Außenmauer versieht das Bauwerk mit einem umlaufenden Außenhof zwischen den Mauern, welcher wohl als Schutz gegen die herandrängenden Läden der Basare und dem von ihnen hervorgerufenen Lärm dienen sollte. Der umlaufende Holzfries mit Koranversen umzieht den ganzen Hof und ist aus Sykomorenholz geschnitzt. 

Ibn Tulun, der türkische Stadthalter, baute eine Moschee, die einer Festungsanlage mehr ähnelte als einem Gotteshaus. Die Größe des Bauwerkes war so groß, dass es Platz für alle Bewohner der umliegenden Stadt bot. 

Im Gegensatz zu den sonst in den Moscheen verwendeten Marmorsäulen, ließ Ibn Tulun jetzt erstmals Backsteinpfeiler aufmauern, die mit Putz überzogen und an den Ecken säulenartig geformt sind. Diese werden durch leicht hufeisenförmige Arkadenbögen miteinander verbunden - ähnlich den 200 Jahre später in Europa benutzten gotischen Stilelementen. Knospen und Blätter bilden die Verzierung der Kapitelle der Pfeiler; die Gewölbe zeigen erste Ansätze für Arabesken-Verzierungen. 

In den späteren Jahrhunderten wurde die Ibn Tulun-Moschee als Weberei, Pilgerstation, Lagerplatz und Armenhaus missbraucht. Zwei nebeneinander liegende Wohnhäuser an der Nordostecke der Moschee aus dem 16. und 17. Jh., die 1935-42 von dem britischen Militärarzt Major Gayer-Anderson zu einem Museum zusammengefasst wurden, beherbergen heute eine umfangreiche Sammlung von orientalischen Kunstgegenständen sowie Möbeln, Teppiche, Seidenstoffen und arabischen Gewändern aus verschiedenen Epochen.

Die "Ibn-Tulun-Moschee" ist eine der ältesten erhaltenen Hofmoscheen der islamischen Welt

Das 40 m hohe Minarett 
(Bildquelle:
käuflich erworbene Postkarte)

 

Al-Azhar-Moschee:

Die Al-Azhar-Moschee wurde von dem Fatimiden-General Gawhar es-Saqalli neben dem zentral gelegenen Fatimidenpalast, der mit seiner 29 ha großen Fläche einen Teil des heutigen Khan el-Khalili Marktes einnahm, in den Jahren 970-972 errichtet. Die Al Azhar-Moschee, d. h. die "Blühende", entstand neben der Stadtumfassung. 

Der große Innenhof der Al Ashar-Moschee stammt noch aus der Gründerzeit
und misst 48 x 43 m.


(Bild mit freundl.  Genehmigung Mutnedjmet)

Von links nach rechts:
Minarette des Sultan Al-Ghury, 
Sultan Qaqebay und Sultan
Al-Ashraf Qaywtbay-Moschee 
und der Akbagha-Schule.
(Bild: Mutnedjmet)

 

        Al-Azhar-Moschee in Kairo

Der gesamte Komplex der im 970 gegründeten Moschee hat überbaute Fläche von weit über 8000 m², auf der um das  ursprüngliche Gebäude herum, weitere Bauwerke aus verschiedenen Zeitepochen stehen. Unter den Fatimiden war es ein religiöses Zentrum und unter den Mamelucken Sitz einer Schule für Theologie und arabische Philologie. Im Laufe der Zeit entwickelte es sich zu einer der berühmtesten Universitäten Ägyptens und der ganzen islamischen Welt.

Der Komplex hat 5 Minarette und sechs Portale. Die Arkaden ruhen auf 300 Marmorsäulen und in die Moschee gelangt man durch ein Tor, das aus dem Jahre 1469 stammt. Dieses Tor, das man "Tor der Barbiere" nennt, wird von einem davor liegenden Portal mit Doppelbogen aus dem 18. Jahrhundert eingerahmt. Hier befanden sich die Frisöre, wo sich die Studenten die Haare schneiden ließen.

Durch ein weiteres Tor aus dem 15. Jahrhundert, über dem ein Minarett erbaut wurde, gelangt man in den eleganten, zentralen Hof, der einen Umfang von 48 x 35 m hat. Die persischen Bögen der Arkaden lassen vermuten, dass sie fatamidischen Ursprungs sind.

Im Norden und Süden wechseln sich Reihen von Säulen und Pfeilern ab, dagegen befindet sich im Osten ein Betsaal mit acht Säulenordnungen, welche am Aufliegepunkt der (spitzen) Bögen zu zweien oder dreien gruppiert sind. Im Betsaal befinden sich auch die "mihrab" (Nischen), davon eine reich verzierte Hauptnische, die sich noch an ihrem ursprünglichen Platz befindet und eine Kanzel, die Kibla Minbar.

Es wird diskutiert, dass das Vorbild für diese Moscheen, die unter den Omaijaden entstandene Große Moschee in Damaskus (nach 705 n. Chr.) sein könnte. Der Haupthof (sahn) und das Mittelschiff, das in der Al-Azhar-Moschee zum (alten) mihrab (der Gebetsnische) führt, findet sich auch in Kairouan (Tunesien): Die Verbindung der in Kairo herrschenden Fatimiden zu ihrem "Ursprungsland" Tunesien  wird hier deutlich.
(Zitat: KEMET Heft 3/2004)

Zunächst wurde in der angegliederten Universität in der schiitischen Tradition des Islams unterrichtet, später dann unter Salah ed-Din in der sunnitischen Glaubensrichtung. Auch heute noch zieht diese Universität mit ihren vier orthodox-sunnitischen juristischen Fakultäten und einer Bibliothek mit über 60.000 Bänden,  muslimische Studenten aus aller Welt an. Mit ihrer ersten Vorlesung im Jahre 983 ist die Al-Azhar die älteste islamische Universität und hat nach wie vor eine weltweite hohe religiöse und wissenschaftliche Bedeutung. 

Von den Minaretten, die man besteigen darf, 
genießt man einen weiten Blick über das Häuser- und Gassengewirr des orientalischen Stadtteils
 von Alt-Kairo.
(Bild:
Paul Kamp)

Die künstlerischen Vorbilder der 
Al Ashar waren die Moscheen von Al-Qairawan und Al-Zeituna in Tunesien.
(Bild: Mutnedjmet)

Schon von weitem ist die Moschee im Stadtbild Kairos an ihrem von Sultan El-Ghuri gestifteten Minarett mit den Zwillingstürmchen über dem Haupteingang, dem "Tor der Barbiere" (Bab el-Mauzaynin) zu erkennen. Die Moschee Al-Azhar hatte sechs Minarette. 

Der Moschee-Komplex wurde in den letzten Jahren mehrfach restauriert und erweitert. Aus der Gründerzeit stammt noch der große Innenhof, der 48 x 34 m misst, mit den spitzbogigen Arkaden. Der östlich gelegene 80 x 50 m große Gebetssaal besteht aus einem neunschiffigen Saal, der früher als Lehrsaal diente.  

Der Mihrab (Gebetsnische) 
 
Al-Azhar-Moschee in Kairo
(Bild: Mutnedjmet)

Einen wichtigen Bestandteil der islamischen Moschee-Architektur stellen die Kuppeln dar.
(Bild: Mutnedjmet)

Der Komplex besitzt  sechs Eingangstore und fünf Minarette. Die verschiedenen Nationalitäten hatten alle getrennte Unterkünfte, zu denen sie durch ihr eigenes Tor gelangten. Im nördlichen Teil der Moschee befindet sich das Grab von Gawhar Bey.

Sultan Hassan-Moschee:

Zu Füssen der Zitadelle erhebt sich das Glanzstück mamelukkischen Architektur, die 1356 - 1363 n. Chr. errichtete Sultan Hassan-Moschee, und zugleich eine der größten Moscheen der Welt. 1391 wurde sie von einer Gruppe rebellierender Mamelukken in eine Festung umgewandelt, um von hier aus die Zitadelle angreifen zu können.

Wie viele andere Mamelukken-Herrscher hat sich auch Sultan Hassan eine prachtvolle Grabmoschee vor seinem Tode errichten lassen. Hassan gehörte wie sein berühmter Vater an-Nasr Mohammed zu den Bahri-Mamelukken. Die Herkunft des Namens leitet sich aus dem Wort "bahr" her, d. h. "Fluss". Die ersten Kasernen der Mamelukken müssen demnach wohl am Fluss gelegen haben. Möglich war dieser Prachtbau wahrscheinlich nur, weil die königlichen Kassen während der Pestepidemie von 1348 mit Geldern der Verstorbenen aufgefüllt wurden. Die Bauzeit dauerte 7 Jahre und es entstand ein Bauwerk, welches alle Ausmaße der bisherigen Grabmoscheen übertraf und auch eines der höchsten Minarette besaß.  Ursprünglich sollten 4 Minarette mit einer Höhe von 80 m die Grabmoschee schmücken.  Nachdem aber einer der Türme einstürzte und viele Menschen unter sich begrub, gab man den ehrgeizigen Plan auf und man begnügte sich mit 2 Minaretten.

Die meisten mamelukkischen Gotteshäuser wurden als sogenannte 4-Iwanen-Moscheen entworfen. In der Mitte des Hofes  liegen kreuzförmig vier mächtige Gebetshallen an. Die Sultan Hassan- Moschee unterscheidet sich im Gegensatz zu dem üblichen Typ der Hofmoschee, in einer Kombination aus Moschee und Lehranstalt, einer sogenannten Madrasa-Moschee.  Hierzu gehören Unterrichtsräume und Unterkünfte für Lehrer und Schüler, welche einst den 4 verschiedenen Theologie-Schulen des orthodoxen Islam dienten. Sie bildeten ein deutliches Zeichen, dass der Glaube an Allah ein einziger ist, auch wenn er in verschiedenen Punkten anders ausgelegt werden kann. Um das Brunnenhaus herum saßen die Studenten mit ihren Lehrern und diskutierten über den Koran und seine Auslegung.

Der Eingang zur Moschee
 - verziert mit Arabesken und Kalligraphien -
(Bild: Nefershapiland)

Die Sultan Hassan-Moschee
 eine der größten Moscheen der Welt
(Bild:
Nefershapiland)

Man kann die Unterrichtsräume von der Seite des Innenhofes betreten. Am zentralen Reinigungsbrunnen, der in der Mitte des Innenhofes liegt, vollzieht der Gläubige die vorgesehenen rituellen Waschungen, bevor er im Gebet vor Allah tritt. Fast alle Moscheen bestehen aus einem umschlossenen Hof, dem San, welcher von Arkaden (Arab. Riwak) umgegeben ist. Am Ende weist er einen Gebetsraum auf, womit die Moschee im Gesamtgrundriss  Mohammeds Haus nachbildet.

Ein Brunnenhaus steht in der Mitte des Hofes

Heute dienen die großen Hallen nur noch Gebetszwecken. Die Gebetsnische (der Mihrab) wird durch ein hölzernes Schriftband betont, in der die Suren verewigt sind, die sechs Verse der "Siegessure" des Koran. Die östliche Seite, die Kibla-Wand,  weist nach Mekka, der Mihrab gibt die heilige Richtung an.

An Hunderten von Ketten, sind kunstvoll gefertigte emaillierte Öllampen befestigt. In dem 40 Meter hohen Haupt-Iwan ist noch die ungewöhnliche große marmorne Gebetstribüne erhalten.  Auf sorgfältig gearbeiteten Arabeskengrund sind die kufischen Lettern direkt in Gips geschnitten.

An Ketten befestigte emaillierte Öllampen
hängen von der Decke

Der Mihrab (Gebetsnische) und die Minbar (Gebetskanzel) befinden sich an der Ostwand der Sultan Hassan-Moschee

Zur Rechten der Kanzel des Vorbeters, dem ursprünglichen Platz des Kalifen, erhebt sich die besonders ausgezeichnete Versammlungsmoschee des "Freitagsgebetes". Die goldveredelte Mekkawand ist mit Marmorintarsien verzierten Koransprüchen dekoriert. Über allen die 48 Suren. Die Innenausstattung der Mosche gehört zu den Meisterwerken der islamischen Kunst.

Sultan Hassan wurde wie etliche Herrscher vor ihm, ermordet. Er ließ für sich eines der größten Mausoleum erbauen, konnte darin aber nicht beerdigt werden, da sein Leichnam nie aufgefunden wurde. Er kann nicht mehr in seinem Grabmahl bestattet werden. Dieses ist nicht nur ein Mittel der Attentäter, die Tat zu verschleiern, sondern ist für den Menschen der alten Zeit vor allem ein Weg, der endgültigen Rache. Der Verstorbene kann nicht mehr am Tage der Auferstehung von den Engeln im Grabmahl angetroffen werden.

Al-Nasir Mohammad:
-
Madrasa und Mausoleum -

Nördlich vom Gebäudekomplex von Sultan Kala'uns, dem Vater von al-Nasir Mohammad, schließen sich direkt die von Malek el-Adil begonnene und 1303 n. Chr. von Mohammed al-Nasir, der über Ägypten zu verschiedenen Zeiten zwischen 1293 und 1340 herrschte, vollendete Madrasa/Medresse und das Mausoleum an. Das Wort "Medresse" bezeichnet im arabischen im engeren Sinne den Typus der islamischen Hochschule. Wörtlich bedeutet es "Ort des Unterrichts", d. h. Schule oder Lehranstalt. Beide Gebäude wurden zwischen 1299 und 1304 errichtet.
Obwohl der Sultan an-Nasre Mohammed zweimal entthront wurde, war er letztendlich siegreich und regierte insgesamt 42 Jahre lang, bis er 1340 n. Chr. starb. In dieser Zeit ließ er über 200 Gebäude in Kairo errichten. Das bekannteste Gebäude aus dieser Ära ist zweifellos die Moschee an der Zitadelle.

Ostfassade der Medresse Mohammed Naszir

(Bild Mutnedjem)

Christliches Portal 
der Medresse Mohammed Naszir.
(Bild Mutnedjem)

Bemerkenswert ist das gotische Portal aus Marmor, welches aus einer christlichen Kirche in der syrischen Hafenstadt Akkon aus dem 13. Jahrhundert stammt. Nasirs Bruder, Sultan Ashraf Khalil, brachte es als Siegestrophäe nach Kairo mit. 1295 wurde es beim Bau der ersten kreuzförmigen Medresse Kairos verwendet.

Der gesamte Komplex Sultan El-Nasir Mohammeds zeigt deutlich Ähnlichkeiten mit dem Gesamtkomplex seines Vaters, Sultan El-Mansur Kalaun, der ebenfalls in der Bein Al-Qasreen steht. Bein Al-Qasreen bedeutet "zwischen den Palästen" und bezeichnet den Straßenabschnitt der Sharia al-Muizz li-Din Allah, der zum nördlichen Rand des Basars Khan al-Khalili führt. Allerdings gibt es die beiden Paläste, auf die er sich bezieht, schon seit mehr als 600 Jahren nicht mehr.

Von der ausgedehnten Anlage stehen im Hintergrund noch bedeutende Mauerreste mit Fragmenten von den einstigen schönen Gipsskulpturen, die zwischen den Magazinen und Werkstätten sowie den ärmlichen Wohnungen eingebaut waren. Sultan al-Nasris Monumente in Bein Al-Qasreen sind in baufälligem Zustand und das Innere ist evtl. schon bald für Besucher nicht mehr zugänglich, aber weit interessanter als das verfallene Innere ist die schöne Fassade zur Linken des christlich-gotischen Portals. Allein die schönen nordafrikanischen Stuckarbeiten an der Fassade, am Minarett und an den Torbögen sind Grund genug zu einem Besuch.

Während wenig vom Gebäude selber blieb, werden die vier Liwans, je eins für die vier Schulen der sunnitischen Rechtswissenschaft, benutzt. Das Minarett wurde wahrscheinlich gleichzeitig und vielleicht sogar von den gleichen Arbeitern errichtet, die den Qala´un Komplex wiederherstellen ließen. 

Minarett der Medresse al-Nasir
- Reich verziert mit schönen Struckarbeiten - 
(Bild Mudnedjem)

Gipsskulpturen des "Kibla" der Medresse Mohammed Naszir.

(Bild:
Mudnedjem)

Ein breiter Fries in Mamlukenrundschrift zieht sich unter den Fenstern hin, während über der Terrasse die achteckige alte Struktur  der eingestürzten Kuppel sichtbar wird. Das Minarett, dessen reiche Gips-Ornatierung fast alle Typen der arabischen Kunst aufzeigt, erhebt sich neben ihr. Besonders schön und aufwendig sind die Stalaktiten an den Gesimsen entwickelt, welche die Galerien tragen. Die nur spärlich gegliederten Mauerflächen seiner viereckigen unteren Etage werden durch breite Schriftfriese, Ranken und vielgestalteten Medallions verziert. Das ganze obere Geschoss erscheint leichter und eleganter.


home

Sitemap

Zitadelle

Kairo