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Karnak - Tempel des Amun

Karnak Licht- u. Tonshow

Der III. Pylon Amenophis III. bildet die östliche Rückwand des großen Säulensaales. Der heute stark zerstörte Pylon befindet sich zwischen dem II. und IV. Pylon entlang der Ost-West-Achse des Tempel-Prozessionsweges. An der Fassade seiner Tortürme ragten links und rechts je vier Fahnenmasten auf. Eine zeitgenössische Architekturdarstellung aus dem Grab des Neferhoteps, eines hohen Beamten der Tempelverwaltung von Karnak, zeigt vor dem III. Pylon einen Tempelgarten mit Bäumen und einem rechteckigen Wasserbecken, das durch einen Kanal mit dem Nil verbunden war. 

        Schematische Zeichnung aus dem Grab des Neferhoteps (TT 49)
Der Amun-Tempel, wie er nach der Errichtung des III. Pylons durch Amenophis III. aussah. Im oberen Register erkennt man Pylone mit Flaggenmasten, einen Obelisken und den Säulenbaldachin Thutmosis IV.  vor dem Tor des IV. Pylon.

Dort wo sich später das große Hypostyl von Sethos I. und Ramses II. erhebt, gruppieren sich jetzt noch Bäume und Büsche um ein großes Wasserbassin mit Blumen, welches durch einen Kanal mit dem Nil verbunden ist.

Der III. Pylon wurde von Amenophis III., dem Sohn von Thutmosis IV., unter Verwendung älterer Blöcke erbaut. Eine Regel besagte, dass jeder neue Pylon dem ihn vorangestellten, an Höhe und Volumen übertreffen musste. Aus diesem Grund war auch der III. Pylon höher, breiter und tiefer als der IV. und an der Fassade seiner beiden Tortürme ragten links und rechts vier Fahnenmasten auf.  Ein Großteil der für den Bau verwendeten Steinblöcke (im Fundament des Pylons und als Füllmaterial) stammt deshalb aus Bauten vor der Zeit Amenophis III. Die Archäologen haben diese Blöcke aus dem Kern des Pylons entfernt und dabei festgestellt, dass viele von einem Schrein Sesostris I. stammen, andere von einem Schrein Hatschepsut sowie zwölf andere Gebäude. Im einzelnen handelt es sich um 

  1. die Chapelle Blanche Sesostris I.
  2. die Chapelle d'Albatre von Amenophis I. (Alabasterkapelle)
  3. die Kopie der Chapelle Blance von Amenophis I.
  4. die Chapelle Rouge der Hatschepsut
  5. das Alabaster-Barkensanktuar Thutmosis III.
  6. das Alabaster-Barkensanktuar Thutmosis IV.
  7. Pfeiler des Hofes Thutmosis IV.,
  8. und anderer, kleinerer Monumente.

Einige dieser im III. Pylon verbauten Kapellen wurden im Freilichtmuseum von Karnak (Open Air Museum) wiederaufgebaut.

Durch einen Stelentext aus dem Totentempel des Königs in Theben–West kann geschlossen werden, dass der Abschluss der Bauarbeiten am 3. Pylon nach dem 5. Regierungsjahr des Königs liegt. Die Reliefs der östlichen Seite des Pylons entstanden wahrscheinlich zwischen dem 30. und dem 38. Regierungsjahr von Amenophis III.  Der III. Pylon weist eine technische Neuerung auf. Bisher war Kalkstein das bevorzugte Baumaterial in Karnak gewesen und wo es nicht das einzige war, benutzte man es zumindest zur Verkleidung eines Mauerkerns aus dem weniger wertvollem Sandstein - ein Material, das für die zarten Reliefs der thutmosidischen Zeit viel zu körnig gewesen wäre. Die Außenschale des III. Pylon bestand nun aber aus Sandstein, während sich der Kernbau aus wiederverwendeten Blöcken zusammensetzte, die man durch den Abriss von älteren Kapellen und Tempelteilen gewonnen hatte. Der Sandstein stammte aus den nicht sehr weit entfernten Steinbrüchen von Gebel el-Silsila und bot den Vorteil - auch wenn er nicht so glatt und fein wie Kalkstein war - dass er in wesentlich größeren Blöcken verarbeitete werden konnte, welche nicht so leicht brachen.

Mit diesem für die damalige Zeit gewaltigen Pylon, dessen Tor mit Gold beschlagen und dessen Boden verziert war mit Silber und an dessen Fassade der Tortürme links und rechts je vier Fahnenmasten aufragten, schuf Amenophis III. eine beeindruckende neue Tempelfront.

Zur Zeit der Hatschepsut und Thutmosis III. erstreckte sich vor dem damaligen Haupteingang des Tempelhauses, dem IV. Pylon, ein großer Hof mit einem zentralen Portal, das ebenfalls die Ausmaße eines Pylons gehabt haben könnte. Daran schloss sich nach Süden die Querachse des Tempels mit dem VII: und VIII. Pylon an. Unter Amenophis III. wurde dieser Vorhof, den Thutmosis IV., (Vorgänger und Vater Amenophis III.) noch kurz vorher mit reliefgeschmückten Pfeilern und einer reichen Wanddekoration verschönert hatte, abgerissen, um Platz für den neuen III. Pylon zu schaffen. Vor dem neuen Pylon entstanden dann später die zentrale Kolonnade und der Große Säulensaal.

                  Blick entlang des südlichen Pylonturms


                           
Bild: Elvira Kronlob

                  Blick entlang des südlichen Pylonturms
  
Am südlichen Ende des III. Pylons befindet sich als Abschluss das Tor Ramses IX. Durch diesen Bau wurde ein Teil der Dekoration des III. Pylons verdeckt. Rechts ist der Granitsockel des Obelisken Thutmosis III. zu sehen.
                            
Bild: Elvira Kronlob

Der Pylon maß 98 Meter in der Breite und 14 Meter in der Tiefe, bei einer Höhe von 40 m. Er ragt aber heute nur noch 1/4 seiner früheren Höhe empor. Eine Darstellung des Opetfestes an der Westwand des Luxortempels (nördliche Ecke des Säulenganges von Amenophis III.) gibt den Pylon in seiner ursprünglichen Form wieder.

Ob Amenophis III. auch für dem Bau der Vorhalle am 3. Pylon verantwortlich war kann nicht mit Sicherheit entschieden werden. Nach Haeny ist die Vorhalle König Echnaton zuzuschreiben, dessen Bildnis an der nördlichen Außenseite des Vorbaus angebracht ist. Dennoch könnte der Rohbau auf Amenophis III. zurückgehen.

Die Theorie, dass das Mittelschiff des großen Hypostyls (Mittelteils der Großen Säulenhalle) schon von Amenophis III. erbaut oder geplant wurde, ist heute wiederlegt. Der 3. Pylon war als neue Eingangsfront des Karnaktempels gedacht. Dies machte es erforderlich, das gesamte Umfeld vor dem Pylon und auch den Prozessionsweg neu anzulegen.

Durch den unter Amenophis III. errichteten 3. Pylon erreicht man einen schmalen, rechteckigen Hof, auf dem in unter Amenophis III. vier massive Obelisken standen, die heute allerdings bis auf den rechten Obelisken (D) von Thutmosis I. alle zerstört sind.

(Plan nach Porter & Moss - bearbeitet von Nefershapiland)

Tritt man durch das Tor des III. Pylon, befindet man sich in einem schmalen, rechteckigen offenen Hof, der seinerseits im Osten durch den IV. Pylon Thutmosis I. abgeschlossen wird. In diesem Hof standen  zur Zeit Amenophis III. vier massive Obelisken, je zwei von Thutmosis I. und Thutmosis III.  

              Blick in den Durchgang des 3. Pylons zum Hypostyl
    links und rechts die Granitsockel der Obelisken Thutmosis III. 

Schmaler Hof zwischen III. und IV. Pylon
mit Blick auf den Obelisken Thutmosis I. (Mitte)
und den Obelisken von Hatschepsut (links).

Bild: mit herzlichen Dank an Elvira Kronlob File:  Karnak 48.JPG   aus Wikipedia Commons
Autor:    Rèmih
Lizenz:    Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3,0 Unported

 

Granitsockel des  (südlich) zerstörten Obelisken 
von
Thutmosis III.  

(Bild: Elvira Kronlob)  

       Blick von links in den Durchgang des III. Pylons
             (nördliche Seite
) mit dem Granitsockel 
                 
des 2. Obelisken Thutmosis III.
                  
                   (Bild: Elvira Kronlob)

 

Blick Richtung Tordurchgang des III. Pylons

(Bild: Elvira Kronlob)

Bruchstück des zerstörten Obelisken Thutmosis I.
vor dem Nordturm des III. Pylons
(Bild: Elvira Kronlob)

 

Südlicher Turm des III. Pylons:

 

Porter & Moss 182 - 3. Pylon Rückseite - Südturm

Der König weihräuchert und libiert vor der [thebanischen Triade], dazu Reste von 71 Kolumnen Text mit einem Baubericht Amenophis III. zusammen mit einer Liste der Gaben an Amun. Hier auch am rechten Ende eine Stele mit Spuren eines Stiftungstextes über Zuweisungen an Amun.

An der Basis des Pylons drei Textzeilen, die oberste von Ramses II. oder Ramses III., am rechten Ende der Textzeilen vier Szenen.

Ramses III. in jeder Szene:

Szene 1 Der König opfert [Wein ?] vor Amun
Szene 2 Der König opfert eine Sphinx die ein Salbgefäß hält vor Month 
Szene 3 Der König opfert vor Chons
Szene 4 Der König weihräuchert vor einer Göttin

 

                                                                 Rechter südliche Turm des III. Pylon - 

Auf der Rückseite (im Osten) des rechten (südlichen) Turmes steht eine ausführliche Liste mit den Tributen, die Amenophis III. aus den asiatischen Ländern erhielt. Diese Liste ist allerdings beschädigt und recht schwer zu lesen.

(Bild: Elvira Kronlob) Bild: Dieses Bild wurde vom Autor Daniel Csörföly gemeinfrei gestellt.

In einer Inschrift an der Südhälfte des südlichen III. Pylonturms bezeugt der König seine Verehrung für Amun–Re, dabei wird der Pylon bezeichnet als:

„ ………………… ein neues Denkmal für Amun, ein sehr großes Tor vor Amun – Re, dem Herrn der Throne der Beiden Länder, ganz mit Gold bedeckt (wohl das Portal gemeint) und geschmückt mit dem gemeißelten Bild des Gottes als Widder, eingelegt mit echtem Lapislazuli und verziert mit Gold und kostbaren Steinen. Dergleichen hat man nie zuvor geschaffen. Es ist gepflastert mit reinem Silber; an beiden Seiten des äußeren Tores stehen Stelen aus Lapislazuli. Seine mit Gold verzierten Fahnenmasten streben gen Himmel.
Das Gold dafür hat Seine Majestät aus dem Lande Karai mitgebracht, bei Ihrem ersten siegreichen Feldzug, bei dem Sie das elende Kusch schlug.                  

 

Begrenzt wird der schmale Hofbereich am Ende der Südlichen Mauer 
zwischen III. und IV. Pylon durch ein Tor aus Sandstein, welches Ramses IX. einbauen ließ und damit zum Teil die Reliefdarstellung Amenophis III. in diesem Bereich verdeckt.

                                   Bild: Elvira Kronlob

                                 Stiftungstext Amenophis III.-  am südlichen Turm des 3. Pylon
Darstellung Amenophis III. beim Weihräuchern und Libieren, zum Teil durch den Torbau Ramses IX. verdeckt (linkes Bild) vor der thebanischen Triade (heute zerstört), die wohl am Ende des Stiftungstextes (nicht im Bild) dargestellt ist. Zwischen den beiden Darstellungen befinden sich 71 Kolumnen eines Stiftungstextes. 

                                                               (Bilder: Elvira Kronlob)

 

71zeilige Stiftungsinschrift des Königs für den Amun-Tempel
(Bilder: Elvira Kronlob)

In Reliefs ist der König beim Opfer vor Amun–Re, dessen Gemahlin Mut und Chons dargestellt. Es gibt auch Darstellungen der Göttertriade beim alljährlichen Opetfest. Auf einer der Stele aus dem Totentempel Amenophis III. wird der Grund zum Bau des Pylons genannt.

   A3/KS 001:     Südturm /Ostseite   - nach S. Grallert in "Bauen - Stiften - Weihen" 
       Bauinschrift Amenophis III. am Südflügel des 3. Pylons  Helck Urk. IV, 1722 – 1733

Ausrufen der Lobpreisung durch den KN …. Ich bin sein ältester Sohn  …… , ich leitete unter seiner Aufsicht, indem (ich) mich mit seiner Stärke vereinigte, indem (ich) mit seiner Kraft eroberte, [ … ], bauend jede Arbeit in seinem sHnTr. Meine Majestät stiftete sehr große Gottesopfer von Neu[em als täglicher Bedarf an den Festen im Himmel] und auf Erden, echt und rein vor (ihm?) in der s.t   wr.t, in der sich die DfA Opfergaben vereinigten …..… Ich brachte für ihn Silber, Gold, echten Lapislazuli, Türkis, Jaspis, Karneol, schwarzes Kupfer, Bronze, Blei, Farben, jsmr] (und) jeden [Edel]stein, jedes herrliche orH.t Gefäß aus Elektron ohne Ende herbei, [um das, was er lobt zu tun an den Jahreszeitenfesten, die in seiner s.t der Richtigkeit geschehen …. Ich leitete [die Arbeiten am sHnTr meines Vaters Amun, Herrn der Throne beider Länder, ich errichtete für ihn eine x]m–Kapelle am/als wirksamen Ort, an dem er zu sein wünschte, gearbeitet in Sandstein, [ich füllte seinen rApr mit allen vollkommenen Sachen, Rindern, Geflügel, Wein, allen rnpj.t–Pflanzen, allen DfA Opfergaben wurden für ihn eingesammelt zu den Zeiten. Was das eben Existierende betrifft [ … ] alles [ … ] als das, womit er zufrieden ist, fest machte und trefflich machte, wie er es wünschte. Deben – Gewicht dieses Denkmals: (Materialliste …………………………..…. ) … Mein Vater Amun – Re, Herr der Throne beider Länder, jubelte (beim) Anblick der zahlreichen Denkmäler aus trefflichem Sandstein, die ihm sein Sohn KN gemacht hatte.

Die Zahl von diesen ist [ … ]. [Ich machte für ihn ein mAw als Gottesopfer vor Luxor], bepflanzt mit allen, wohlriechenden SA Bäumen [ … ]. [Ich errichtete für ihn ein] großes [Tor] vor der Hw.t nTr, die beiden Türflügel, erhöht und vergrößert, aus Zedernholz vom [Libanon, überzogen mit Gold, Lapislazuli, allen herrlichen Edelsteinen], indem es dieses ganze Land erleuchte. Man schaut seine nfr.w wie den Horizont, [in dem re aufgeht] [ … ] indem er erweiterte seine Länge, eine herrliche ary.t des [Allherrn] [ … ] herrlich [ … ] für/dieses Tor(s) … [ … ], [vergrößerte] seinen pr, aus dem Wunsch heraus ?, das Denkmal für den, der ihn lobt, zu erheben. Deben – Gewicht für dieses Denkmal (Materialliste ……. ) ……. [Meine Majestät brachte Gold herbei zu ihm vom Berg von KAry auf dem ersten siegreichen Feldzug des Schlachtens das elende Kusch als Tri]but der Großen aller Fremdländer. Denkmal [ … ] großesTor aus Elektron [ … ] [Ich machte für ihn eine große Flussbarke (namens) „ Amun – Userhat] aus echtem Zedernholz vom Liba[non], das ich gefällt hatte auf den Fremdländern des Gotteslandes, herbeigebracht von den Bergen Retjenus durch die Fürsten aller Fremdländer, einen herrlichen pr  wr aus Elektron, [große] Obelisken [ … ] …………. “

 

 An der Basis des Pylons drei Textzeilen: die oberste von Ramses II., die beiden darunter von Ramses III. 
Vor dem südlichen Pylonturm steht eine
Stele mit einem Stiftungstext  (Lt. PM aus der ramessidischen Zeit)
(Bilder: Elvira Kronlob)

 

   Restliches erhaltenes Basisteil des südlichen Pylonturms
                    kurz vor dem Mitteldurchgang 
Unten an der Basis vier Szenen in denen Ramses III. vor den  Göttern opfert

(Bild: Elvira Kronlob)

    Beginn des südlichen Pylonturms nach dem Durchgang
  rechts die Basis des zerstörten Obelisken Thutmosis III.
links an der Basis 4 Szenen, in denen Ramses III. vor den Göttern opfert.

(Bild: Elvira Kronlob)

 

Nördlicher Turm des III. Pylons:

 

  Inschrift Amenophis III. am Nordflügel des 3. Pylons  Helck Urk. IV, 1733

1733 „ [Viermal auf die Schenkelstücke schlagen], ein großes Opfer  weihen dem Vater [Amunre], Herrn der Throne der beiden Länder, dem Herrn des Himmels, [mit Brot, iwA - ] Rindern, wnDw–Rindern, allen guten und reinen Dingen, Spenden und allerlei [Grünzeug] für den Vater [Amunre, Herrn der Throne der beiden Länder, der] ihm (dafür) Leben, Dauer, Heil [gibt] sowie das Vollenden von Millionen von Jahren, für seinen Sohn 
[(InmHtp Herrscher von Theben)|, den er liebt, den König von Ober–und Unterägypten, Herrn der beiden Länder] (NbmAa.tRa)|, wegen [seiner] Beliebtheit bei seinem Vater [Amunre], der ihm die Kraft [ausgewählt] hat. “

Interessant sind die Szenen auf der Ostseite des nördlichen Pylonturms, die Amenophis III. zeigen, der während des wichtigen Opet-Festes auf Amun-Re's riesiger Barke auf dem Nil segelt. Jedes Jahr, während des großen "Opet-Festes" und dem "schönen Fest vom Wüstental" wurden die heiligen Barken von Amun-Re, Mut und Chons in einer großen Prozession in den Tempel von Luxor geführt. 

Die Barken von Amun-Re und dem König nehmen auf der östlichen Front des Nordflügels die gesamte Nordhälfte ein. Die nicht mehr in voller Höhe erhaltene Darstellung zeigt die Flussbarke des Amun, auf der zweimal Amenophis III. vor und hinter dem Barkenschrein steht, in dem die Prozessionsbarke des Amun auf einem Sockel ruht. (Zu den jeweils hinter dem König befindlichen Spuren einer weiteren, überarbeiteten kleineren Königsfigur und den möglichen Identifikationen siehe Murnane in JARGE 16 und W. Helck in MDAIK 37)

Die große "Userhat-Flussbarke" auf dem Mittelteil des nördlichen III. Pylonturms

Auf dem Deck der Flussbarke steht ein Naos, welcher die heilige Götterbarke des Amun beherbergt. Der Naos, auf dem die heilige Barke ruht, steht auf einem Treppenabsatz, der mit diversen Nilgöttern dekoriert ist und welcher zusätzlich die Masten und die Obelisken trägt.

Der König steht vor dem Götterschrein und bringt Opfer dar, während er am Heck der Flussbarke mit einem langen Ruder diese navigiert.

                                       (Bild: Elvira Kronlob)

 

                                                          Königsdarstellungen am Heck und Bug der Flussbarke Userhat.

Hinter beiden Darstellungen des Königs war ursprünglich eine königliche Figur in kleinerem Maßstab dargestellt, die man später entfernte und durch einen Opferaufbau ersetzte. Um wen es sich dabei handelte ist nicht bekannt - die Vermutung geht evtl. dahin, dass es sich dabei um eine Darstellung von Amenophis IV./Echnaton gehandelt hatte.
                                                                        Bilder: Elvira Kronlob

 

             Darstellungen auf dem Rumpf der Userhat-Barke
Der König kniet vor dem thronenden Amun–Re und opfert "nw–Gefäße". 
Links daneben ist in einer ziemlich beschädigten Szene der stehende König vor dem thronenden Amun-Re zu sehen, hinter ihm befindet sich eine weibliche Figur, die ihn mit beiden Händen an Arm und Schulter berührt. Die weibliche Person trägt eine Geierhaube mit einem nicht genau bestimmbaren Aufsatz darauf.
Evtl. handelt es dabei um Königin Teje oder eine der Königstöchter - oder aber um die Göttin Mut. (Quelle: Ali El Sharkawy in seiner Dissertation „Der Amun – Tempel von Karnak“
                                 (Bild: Elvira Kronlob)

Gezogen wird die Barke des Amun durch ein Schiff, das durch Ruderer bewegt wird. Die Boote fahren nach links, d.h. aufgrund der Ausrichtung des Pylons in südliche Richtung. Außer dieser Ausrichtung lässt sich nichts erkennen, das auf eine Fahrt zum Luxortempel hinweisen könnte. 

Amenophis III. war sehr stolz auf diese großartigen Boote und ließ eine Stele aus schwarzem Granit in seinem Totentempel auf dem Westufer von Theben aufstellen, in der er verkündete:

"Ich errichtete ein weiteres Denkmal für meinen Erzeuger Amun-Re, Herrn der Throne der beiden Länder, der mich auf seinen Thron fest eingesetzt hat, indem ich ihm ein großes Schiff auf dem Fluss baute, „Amunre ist der mit starker Stirn“, aus neuem Zedernholz, das Seine Majestät auf den Bergen des Gotteslandes gefällt hatte und das von den Bergen Retenus durch die Fürsten aller Fremdländer herangeschleppt worden war, sehr weit und groß, ohne dass es etwas Ähnliches schon gegeben hätte, sein Inneres (?) gereinigt mit Silber, in seiner ganzen Länge mit Gold beschlagen.

Die Barken nehmen auf der östlichen Front des Nordturmes die gesamte Nordhälfte ein. Es sind prachtvolle Boote von 130 Ellen (etwa 68 Meter) Länge. 

        Das Schleppschiff der Amunbarke

(Zeichnung aus: "Karnak" von Golvin & Goyon.)

 

                                                      Königliches Schleppschiff der "Userhat-Barke"
Nur einTeil des königlichen Bootes, welches die Barke Userhat mittels eines Seils schleppte, ist noch erhalten. Von den sechzig Bootsleuten, die das Schiff rudern, sind nur noch die am rückwärtigen Ende erhalten.
Das Königsschiff trägt eine sehr große Kabine, die gekrönt wird mit einem Uräenfries. 
                                                                          (Bild:
Elvira Kronlob)

 

                                                 Heck des Königsschiffes

Zwischen dem 1. Bootsmann und dem stehenden König befinden sich 3 Priester, die  in verehrender Haltung zur heiligen "Userhat-Barke" blicken.

(Bild: Elvira Kronlob)

 

                                       "Erschlagen der Feinde-Szene" auf dem Bug des Königsschiffes am III. Pylon.
Am Bug des Königsschiffes (Schleppschiff) befindet sich ein kleiner Kiosk, der das rituelle Niedertreten und Erschlagen der Feinde zeigt. Der Pfeil markiert auf dem linken Bild die Lage der Szene. Das rechte Bild zeigt eine Vergrößerung der Szene.
                                       (Bild: Elvira Kronlob - bearbeitet von Nefershapiland)

 

            Der König beim Spenden von Opfergaben 
vor Amun und Mut, zwischen den Opfern und dem thronenden Götterpaar befindet sich eine stehende Göttin
                          
(Bild Elvira Kronlob)
      Der König bei der Darbringung von Opfergaben
 wie Rindern usw. Er trägt den kurzen Vorbauschurz mit Schmuckgehänge und hält in der linken Hand ein Anch-Zeichen
                        (Bild: Elvira Kronlob)
 

Durch ein Tor Ramses IX. aus Sandstein auf der Südseite des Hofes zwischen III. und IV. Pylon gelegen, gelangt man in südlicher Richtung in den 1. Hof der Südachse (Cachethof). Ein Durchgang auf der Nordseite des Hofes führte in Richtung des Ptah-Tempels und dem Monthbezirk.

         Blick durch das Tor Ramses IX.  - Außenseite
auf den Hof zwischen III. und IV. Pylon. In der Mitte des Hofes steht der letzte noch stehende Obelisk 
Thutmosis I. - Das Tor von Ramses IX. wird mit dem Begriff bxn bezeichnet, der ansonsten meist für Pylone verwendet wird.

                                    Bild: Elvira Kronlob

                   Türdurchgang rechte Seite 
Kartuschendekoration sowie der König Ramses IX. mit einem Blumenstrauß gegenüber von Amun-Re.




                         Bild: Elvira Kronlob

(Co-Autor: J. H. Pirzer)



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