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Tempel der Hatschepsut

            

Ruinen von Theben (Lithografie von David Roberts)

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen, besichtigten wir noch einmal den großen Karnak-Tempel im Herzen von Luxor. Am Eingang erwartete uns die gleiche Prozedur wie am vorigen Abend: Taschenkontrolle durch die Touristenpolizei. Glücklich war, wer nur ein kleines Täschchen dabei hatte oder nur den Fotoapparat, er konnte ungehindert passieren. Pech für einige, die ihre riesige Fotoausrüstungstasche oder gar den Rucksack mit sich schleppten. Sie mussten den Inhalt kontrollieren lassen.  

Die Tempelanlage von Karnak ist vielleicht der größte religiöse Komplex der Welt. In diesem Zentrum werden die Götter Amun, Mut und Chons - die thebanische Triade - verehrt. An diesem  gigantischen Tempelkomplex wurde mehr als 2000 Jahre lang gebaut bis in die römische Zeit hinein, Tempelteile abgerissen und wieder neu gebaut, wobei er ständig  hauptsächlich nach  Westen und zum Teil auch nach Süden und Osten  erweitert wurde. Die größten ägyptischen Könige haben hier ihre Spuren hinterlassen, deren Erhabenheit und Schönheit sich wohl kaum ein Besucher der Tempelanlage entziehen kann.

Die Tempelanlage von Karnak befindet sich in Karnak, einem Dorf etwa 2,5 Kilometer nördlich von Luxor und am östlichen Nilufer. Die heute noch sichtbaren ältesten Baureste des Tempels stammen aus der 12. Dynastie unter Sesostris I.

Der Tempel des Amun mit seinen 10 Pylonen (die Zählung der Pylone erfolgt in der Reihenfolge, wie sie letztendlich standen, nicht wie sie gebaut wurden. Man kann also nicht unbedingt Rückschlüsse über das Baujahr treffen, jedoch über den Standort) breitet sich über einer Gesamtfläche von ca. 2 Quadratkilometer aus und enthält neben dem Tempel des Reichsgottes Amun auch noch den Tempel des Chons, den Tempel der Opet, den Tempel des Ptah, den Tempel des Amenophis II. und verschiedene Stationskapellen für die Götterbarken. Auch für die Gattin des Amun, die löwenköpfige Göttin Mut wurde ein Tempel erbaut.

Einst verband eine Allee, welche links und rechts von 365 Sphingen gesäumt wurde, den Amun-Tempel mit dem 2,5 km entfernten Luxor-Tempel. .

Sphingen-Allee und Kaianlagen:

Der Hauptzugang zum Tempel des Amun von Westen her, war ein Kanal. Die unter Leitung von Georges Legrain am Ende des 19. Jahrhunderts durchgeführten Grabungsarbeiten haben die Gesamtlage des Eingangsbereiches geklärt. 

Eine Rampe an der Ostseite des Kais senkte sich zu einer gepflasterten Sphingen-Allee, dem sogenannten "Opferweg", welcher bis zum I. Pylon führte. Die Allee wurde auf beiden Seiten gesäumt von Widder-Sphingen mit dem Körper eines Löwen und dem Kopf eines Widders - Symbole des Gottes Amun. Zwischen den Tatzen der Sphingen stehen kleine Figuren des Königs  - in der Pose des Osiris. Diese Allee wird heute von 40 Widder-Sphingen gesäumt - vor dem Bau des I. Pylon reichte sie aber mit 124 Sphingen bis zum II. Pylon. Nach Vollendung des I. Pylons stellte man 84 Sphingen an die Seitenwand des 1. Hofes, von wo aus sie dann an eine andere Stelle verlagert werden sollte, was aber niemals geschah.

Blick von der Kai-Terrasse auf die Sphingen-Allee
und den I. Pylon des Amun-Tempels.

         Symbole des Gottes Amun - Widdersphingen
Figuren mit dem Körper eines Löwen und dem Kopf eines Widders. - Zwischen den Tatzen steht eine kleine Figur des Königs.

Bild: The copyright holder of this work (Karely)  hereby release it into the public domain. This applies worldwide.

(Bild: Elvira Kronlob)

Ihren Anfang nahm diese Zugangsallee an einer erhöht angelegten Plattform (Kaianlage), die zur Anlage des davor liegenden großen Hafenbeckens gehörte. Eine erste Kaianlage dürfte wohl schon unter der Regierung von Ramses II. in der 19. Dynastie errichtet und später von Sethos II. durch einige Sphingenfiguren und zwei Obelisken erweitert. In späterer Zeit bezeugen die gefundenen Blöcke im Fundament der Anlage aus der 21. Dynastie einen weiteren Umbau und die Erweiterung.

Früher standen auf den Nordost- und Südostecke der Plattform zwei 4 Meter hohe Obelisken, einer davon, der für Sethos II. (19. Dynastie) errichtet wurde, steht heute noch.

 

(Bild: Jon Bodsworth 

 

Antike Kai-Aufwege vor dem I. Pylon


(Bild: Elvira Kronlob)

Modell des I. Pylon mit Sphingen-Allee im Info-Zentrum
Zwischen Zugangsallee und Achoris-Tempel befinden sich die Anlegestelle, die Treppen und die Zugangsrampen.
(Bild:
Elvira Kronlob)

Von dem  Hafenbecken führte ein Kanal nach Westen hinaus zum Nil. Nur die Anlegestelle, die Treppen und Zugangsrampen am Westende des Kanals sind ausgegraben worden, aber die Gesamtanlage lässt sich unschwer rekonstruieren, da sie im Grab des Neferhoteps in der thebanischen Nekropole (Ende der 18. Dynastie) in den Wandmalereien des Grabes abgebildet ist.

     Wandmalerei im Grab des Neferhoteps

Darstellung des Nils (linke Seite) und des Kanals, welcher den Fluss mit dem Hafenbecken vor dem 1. Pylon des Karnak-Tempels verband. Hier begann die westliche Zugangs-Allee zum Tempel des Amun. Den Anfang der Allee schmückten Wasserbecken mit Lotusblumen. Beiderseits des Kanals sind üppige Gärten mit verschiedenen Blumenarten und Papyrusteichen zu sehen.

(Bild:
nach Alexander Badawi)

Lange Zeit ging man davon aus, dass die Kaiterrasse während der festlichen Prozessionsfahrten als Landungsbrücke für das prachtvolle Schiff "User-hat" (Mit mächtigem Bug), welches die Prozessionsbarken von Amun, Mut und Chons bei ihrer Ausfahrt nach Luxor anlässlich des "Opet-Festes" oder nach Medinet Habu auf dem Westufer beim "Talfest" aufnahm, diente. Die neueren Untersuchungen ergaben aber, dass das fast 70 m lange Prunkschiff des Gottes Amun im Hafenbecken kaum genug Platz zum Manövrieren hatte, welcher nötig war, um die Tempelbarke auf das große Schiff Userhat umzusetzen, auf dem der Gott bei den großen Festen nach Luxor und Theben-West fuhr. Aber mit Sicherheit fanden hier auf den Kaiterrassen kultische Handlungen statt, wie beispielweise beim den Festlichkeiten während des Einsetzens der Nilüberschwemmung u. a.

Achoris-Tempel:

Außerhalb der schützenden Umfassungsmauer, etwas abseits der Kaianlagen, befindet sich im Süden ein kleines Heiligtum aus der 29. Dynastie, welches eindeutig Bezug nimmt auf die Terrasse der Kaianlagen und die Treppenrampe, welche einst in das Hafenbecken hinabführte. Diese Kapelle/Barkenstation war lange Zeit von der Straße aus gut zu sehen, heute ist sie nur noch von der äußersten Ecke des Vorplatzes aus zu sehen. Zugänglich ist sie von dem kleinen römischen Heiligtum, vor dem I. Pylon. 

Dieter Arnold datiert diese Barkenstation für Amun als Bauwerk angefangen unter Nepherites I.. Sie sollte dem Gott auf seiner Reise in und aus dem Karnak-Tempel dienen. Die Dekoration stammt von Psamuthis und Achoris hat die Barkenstation dann vollendet und ließ seine Kartuschen gegen die von Psamuthis austauschen.

 

           Südliche/rechte Außenwand des Achoris-Tempel.
Unterhalb der Hohlkehle mit Rundstab befindet sich ein Wasserspeier in Form eines liegenden Löwen. Er sollte das Regenwasser auf dem Tempeldach ableiten.
     Blick entlang der Südseite des Stationskapelle 
Die Halbschranken der Interkolumnien sind mit Rundstab und Hohlkehlen bekrönt. Im Hintergrund der Turm des I. Pylons.
                                                            (Bilder: mit frdl. Genehmigung saamunra)
 

Ungewöhnlich und interessant ist der Grundriss des Bauwerks. Ein Teil des Gebäudes bestand aus einen Breitraum, der an drei Seiten geschlossen war mit einen Sockel im Zentrum. Der  übrige Teil des Bauwerks bestand aus einer Art Säulenvorbau (Kiosk) bestehend aus 2 x 3 Papyrusbündel-Säulen mit zwei Eingängen, wobei die Öffnungen an der Längsseite sehr viel schmaler war als die an der Querseite welche die gesamte Breite des Gebäudes einnahm.

Der nördliche Eingang maß 2,2m in der Breite, der westliche dagegen ca. 5m. und war damit extrem breit. Diese Besonderheit beruht wohl darauf, dass die Götterbarke auf den Schultern der Priester durch den nördlichen Eingang mit ihrer Spitze voraus in die Kapelle getragen wurde. Dort wurde sie mit ihrer Breitseite auf den Barkensockel gesetzt. Beim Hinaustragen wurde sie nicht gedreht, sondern evtl. mit der Breitseite hinausgetragen. Diese Annahme  ist natürlich rein hypothetisch (siehe E. Blyth: Karnak - Evolution of a Temple)

Die Interkolumnenschranken, die die Säulen verbanden, sind im Norden und Westen so geöffnet, dass die Gottesbarke mit dem Bug voran von Norden eingeführt, aber mit der Breitseite nach Westen hinausgetragen werden konnte. Es dürfte damit ziemlich sicher sein, dass es sich deshalb bei dem Bau um ein Barkenstationsheiligtum für die Prozessionsbarke des Amun  bei seinem Auszug und Rückkehr in den Tempel handelte.
Das linke Bild zeigt den breiten Westeingang und das rechte Bild den schmäleren Nordeingang der Barkenstation.
                                                                                (Bilder: Elvira Kronlob)

Bei seiner Ausgrabung konnten genügend Bauteile geborgen werden, die eine Rekonstruktion des Bauwerkes auf einer Fläche von 10 x 18 Metern ergab. Das Naosteil ist ca. 6 Meter lang. Nur die untere Hälfte des Bauwerkes war bei der Auffindung noch vorhanden, war aber in einem desolatem Zustand, während der heutige obere Teil von französischen Archäologen zum Teil wiederaufgebaut und restauriert wurde. Die oberen Teile sind stellenweise ergänzt.

Beschreibung lt. Porter u. Moss (PM)

PM 7-a-b-c Türsturz des Westtores mit dem Horusnamen und der Kartusche Psamuthis 
PM 7 b, c  Zwei Textkolumnen – Kartusche des Taharqa
PM  7 c Text
PM  8 Erhalten blieb der König vor Month und vor Amun
PM  9 Erhalten blieb der König vor Atum und vor Amun (Text am Fenster)
PM  10 Zwei Register - der untere Teil ist zerstört.
I.   König mit einem Gott und Sefkhet (?) vor der thebanischen Triade
II.  König Psamuthis (Kartusche usurpiert von König Achoris) weihräuchert
      und libiert vor der Barke des Amun
PM 11

Zwei Register unterer Teil zerstört:
I.  
Zwei Szenen
  1.  König opfert Wein vor Amun
  2. König und Göttin vor Min

II. König Achoris weihräuchert und libiert vor der Barke des Amun

PM 12 Der König weiht Opfer vor Amun und eine Götterliste

Der Bau wurde wohl bereite unter Nepherites I. begonnen und unter Psamuthis fortgeführt. Vollendet wurde das Gebäude jedoch erst durch König Achoris, weshalb der Bau heute als „Achoris–Kapelle“ bezeichnet wird. In den Inschriften der Kapelle erscheinen jedoch die Namen mehrerer Könige. Griechische Graffiti an den Wänden des Bauwerks bezeugen die Anwesenheit  griechischer Söldner, die infolge des Bündnisses Achoris und Euagoras nach Ägypten kamen.

Da zahlreiche Säulentrommeln noch genau dort lagen, wohin sie beim Einsturz des Gebäudes gefallen waren und sich außerdem der Grundriss in allen Einzelheiten auf der Sandsteinpflasterung abzeichnete, war zu erkennen, dass die Proportionen des Gebäudes dem "Goldenen Schnitt" sehr nahe kommen, ein Faktum, das auch bei der Datierung eine wichtige Rolle spielt. Das Gebäude besteht aus einem Schrein, dem eine offene Halle mit insgesamt sechs Papyrussäulen vorgelagert ist. Die sechs Säulen der Kapelle stammten ursprünglich aus einem Bau König Taharqas, der sicher ebenfalls vor der Tempelfront stand, und bei dem es sich wohl um eine ähnliche Barkenstation  gehandelt hat. 

Von den Außenseiten des Baus sind lediglich die Türdurchgänge dekoriert. An beiden Eingängen befinden sich die üblichen Dekorationen, die den König beim Eintreten in die Kapelle zeigen. Während im Nordeingang nur noch je eine Kolumne königlicher Titulatur erhalten ist, trägt die Innenseite des Westeinganges Texte eines Gesprächs mit Atum und Geb sowie mit Amun. Die Ostseite dieses Eingangs ist mit Begrüßungsszenen verziert in denen Amun und Month den König empfangen.

  Nördl. Türpfosten westl.  Eingangs          -   Oberkante   - 

   Nördl. Türpfosten - westl. Eingang
                  - Mittelteil -
".......König von Ober- u. Unterägypten
(!-k-ru)| ……..

     Nördl. Türpfosten westl. Eingangs.         - Sockelzone -

                                                                                (Bilder: Elvira Kronlob)

Die Bauform des nördlichen Ausgangs lässt vermuten, dass der Bau so nicht ursprünglich geplant war und dass dieser Architekturteil erst später hinzukam. In ptolemäischer und römischer Zeit lag die Barkenstation inmitten einer Siedlung, von der sich Reste von Keramik und in Gestalt von Graffiti fanden

An der Rückwand des Naos ist die Dekoration in zwei Sektionen aufgeteilt. Die Nordhälfte zeigt den König und einem Opferaufbau vor Amun, dahinter eine listenförmige Anordnung mir Genien der Sonnenlitanei; den Darstellungen des Königs und es Gottes fehlen die Beine. An deren Stelle sind sauber gearbeitete Vertiefungen, die die Schrittstellung der Beine erkennen lassen. Borchardt sieht in den Vertiefungen keine Ausbesserungsarbeiten, sondern getrennt eingesetzte Einlagen (eventuell mit Metallüberzug). Dem wiederspricht allerdings Lauffray, der hierin keinen Sinn erkennen kann. Wieso sollte man die Beine besonders hervorheben, den Oberkörper jedoch nicht? Deshalb plädiert er für eine Reparatur an diesen Stellen.

Um die Götterbilder herum befinden sich zahlreiche viereckige Zapfenlöcher. Sie diente laut Lauffray wohl zur Befestigung eines Metallüberzugs, der wohl vergoldet war.  In einer sich im Süden befindlichen senkrechten Reihe von Bohrungen fanden sich noch Zementreste. Nach Traunecker dienten diese Bohrungen zur Befestigung eines Gitters oder einer leichten Tür, die das Bildnis des Gottes bedeckten konnte.

        Blick vom Westen her in die Barkenkapelle
               - im Hintergrund der 1. Pylonturm -
      Der König weihräuchert vor der Barke des Amun,
       welche auf einem Sockel ruht.
      - linke Seite im hinteren Bereich des Barkenschreins -

(Bild: mit frd. Genehmigung saamunra)

                          (Bild: Elvira Kronlob)

Die Reliefdarstellung im hinteren Bereich des Barkensanktuar zeigen den reich verzierten Schrein, der sich auf der tragbaren Prozessionsbarke befand, in dem das Kultbildnis des Amun stand. Unten am Schrein befindet sich links und recht jeweils eine Darstellung der Göttin Meret. Rechts ist nur noch der Kopfschmuck der Göttin erkennbar, links ist die Darstellung jedoch noch gut erhalten. Zwischen den Darstellungen der Göttin knien die Seelen von Pe und Dep in Jubelgestus dargestellt, davor als erste Figur jedoch der König. Die Fahrtrichtung der Barke zeigt nach Westen. Auf der rechten Seitenwand des Barkenschreins findet sich eine identische Szene mit dem König weihräuchernd vor der Heiligen Barke wie auf der linken Wandseite

I. Pylon des Karnaktempels:

Der gewaltige I. Pylon von Karnak war der größte jemals in Angriff genommene Torbau, misst in der Breite mehr als 110 Meter. Wahrscheinlich betrug seine ursprüngliche Höhe einst etwa 35-40 Meter und seine Tiefe ca. 15 Meter - er wurde aber nie vollendet. Das lag aber wohl nicht an seinen gigantischen Ausmaßen, sondern es erscheint vielmehr so, dass die Bautätigkeit nach der Regierungszeit des Nektanebos mehr und mehr auf andere Bauprojekte verlagert wurde, vor allem auf Instandsetzungsarbeiten. In jedem der beiden Türme wurden acht große Fensteraussparungen eingelassen, darunter befanden sich vier Nischen mit mindestens 46 Meter hohen Fahnenmasten. In der Mitte zwischen den beiden Pylontürmen befindet sich ein 19 Meter hohes, 75 Meter breites und fünf Meter tiefes Tor, welches in der Antike mit Holztüren verschlossen wurde

 

1. Hof und Kolonnaden:

Passiert man den Eingang am I. Pylon, eröffnet sich ein großer weiter Hof, in dem sich zwei Tempelgebäude befinden: im Norden das von Sethos II. erbaute Stationsheiligtum für die heilige Barke des Amun und im Süden ein  kleiner von Ramses III. erbauter Tempel. Der große Hof hinter dem I. Pylon übertrifft mit seinen 8000 Quadratmetern Grundfläche alle anderen Tempelhöfe von Ägypten. Zu beiden Seiten dieses großen Hofes wurden bei der letzten großen Umgestaltung des Vorhofbereiches unter Scheschonq I. zu Beginn der 22. Dynastie Kolonnaden errichtet. Während die nördliche die Barkenkapelle Sethos II. in das Hof-Areal integrierte, flankierte die südliche das Stationsheiligtum Ramses III.. Benannt sind diese beiden Kolonnadenhallen nach ihren Erbauern, den in der Delta-Stadt Bubastis regierenden Königen der 22. und 23. Dynastie - die Bubastidenhallen.

Ursprünglich säumten über hundert Widdersphingen den Aufweg der Anlegestation am Nilkanal bis zum heutigen II. Pylon den Amun-Tempels. Nach dem Bau des Taharqa-Kioks mussten  einige dieser Sphingen zur Seite geräumt werden und stehen heute noch vor den Bubastidenhallen.

Der "Große Hof" im Karnak-Tempel
 wird seitlich von den Kolonnaden aus der Epoche der libyschen Bubastiden-Dynastie begrenzt. Davor befinden sich einige Widdersphingen als Reste des Teils der Sphingen-Allee vom Umbau des Hofes.
(Bild: Elvira Kronlob)

Widdersphingen vor den Kolonnaden im 1. Hof
Zwischen ihren Vordertatzen halten sie kleine Figuren des König - in der Pose des Osiris.


(Bild: Mutnedjmet)

Auffällig ist eine riesige Konstruktionsrampe aus Lehmziegeln, deren Überreste sich an die östliche Front des Südturmes des I. Pylon anlehnt. Diese antike Rampe bestand aus einer Reihe von Lehmziegelmauern, die rechtwinklig an den I. Pylon stoßen und deren Zwischenräume mit Schutt verfüllt waren.

Antike Baurampe an der linken Rückseite des I. Pylon
Diese antike Rampe wurde für die Platzierung der Steine benötigt und soll mindestens 34 Meter hoch  gewesen sein.

(Bild: Jon Bodsworth)

Der sogenannte Tripple-Schein von Sethos II.
Hinter dem I. Pylon befindet sich im 1. Hof rechts ein der thebanischen Triade geweihter Schein, den Sethos II. erbauen ließ.
(Bild: Elvira Kronlob)

 

Tripple-Schrein Sethos II.

Direkt links hinter dem Eingang des I. Pylon in der Südostecke, befindet sich ein kleiner Dreifach-Schrein, den Sethos II. (19. Dynastie) für die Göttertriade von Karnak errichten lies. Die nach Süden ausgerichtete Frontseite führt zu den Eingängen der Kapellen für Mut, Amun und Chons. Er diente wohl als Rastplatz für die Heilige Barke während der Prozessionen und als Verehrungs- u. Gebetsstätte aller Götter.

Der Dreifachschrein für die Triade von Luxor
Sethos II. ließ diesen kleinen Barkenschrein für die Göttertriade Amun-Mut-Chons errichten.

Kultnische der Mut
oberhalb der rechten Nische opfert der König Salbe vor Mut.

Datei:  Karnak55.JPG
Autor:  Rèmih (aus Wikipedia)
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported
             license.

(Bild: Elvira Kronlob)

Da dieser Bau dann über zwei Jahrtausende unter einer Ziegelrampe begraben lag, die als Baugerüst für den 1. Pylon diente, ist er ausgezeichnet erhalten. Der Grundriss ist einfach und besteht nur aus drei parallelen Kultkammern. Ursprünglich wurde der Eingang zur mittleren Kultkammer von zwei überlebensgroßen Statuen des Königs flankiert, welche sich heute im Ägyptischen Museum von Turin und im Louvre in Paris befinden. Der mittlere Raum war Amun geweiht, der in menschlicher Gestalt auf der linken Wand dargestellt ist und rechts als widderköpfiger Gott. Der linke Raum ist Mut geweiht, während die rechte Kultkammer Chons gehört.

Der Eingang zur mittleren Kammer war ursprünglich von zwei überlebensgroßen Statuen des Königs flankiert. Eine davon befindet sich heute im Louvre die andere in Turin.

Der Dreifachschrein trug den Namen „Hw.t  Sethos im Haus des Amun“. Er diente als „Verehrungs- und Gebetsstätte aller Götter“. An der Tempelfassade befindet sich nur eine einzige Weiheformel unterhalb der Hohlkehle mit Rundstab als oberes Inschriftenband: (Quelle: S. Grallert in "Bauen-Stiften-Weihen")

Weiheformel:   005
„(Werk des) KN, das er gemacht hat als sein [De]nkmal [für] seinen [Va]ter Amun [-Re], König der Götter [ … ] “

Oberes Inschriftenband:
Weiheformel:   001
„(Werk des) KN, das er gemacht hat als sein [Denkmal] für [seinen] Vater Amun – Re, Herr der Throne [beider Länder], Vorderer von Karnak, (nämlich) das Machen für [ihn]eine herrliche Hw.t  [ … ] nfr.w [ ] jedes Fest [ … ] in der „ Hw.t  des (Sethos, den Ptah – geliebt von Ptah)| ………“  

Unteres Inschriftenband:
Weiheformel:   002
„(Werk des) KN, das er gemacht hat als sein [Denkmal] für [seinen] Vater Amun – Re, König der Götter, (nämlich) das Machen für ihn ein Millionenjahrhaus aus Sandstein, seine Türen sind aus echtem Zedernholz, sein schöner Name (ist) „ Hw.t (Sethos, den Ptah – geliebt von Ptah)|, im pr des Amun ………………. “ 

Unteres Inschriftenband:
Weiheformel:   003
„(Werk des) KN, das er gemacht hat als sein [Denkmal] für [seinen] Vater Amun – Re, König der Götter, (nämlich) das Machen für ihn eine Hw.t [ … ] [Amun – Re], Herr der Götter, vor Karnak, eine s.t   sn tA   swAS   snmH  für alle Götter ………..“

Unteres Inschriftenband:
Weiheformel:   004
„(Werk des) KN, das er gemacht hat als sein Denkma für seinen Vater Chons – in Theben Neferhotep, (nämlich) das Machen für ihn eine s.t   wr.t  von Neuem aus Sandstein in trefflicher Arbeit der nHH Ewigkeit …………..“

(Lt. S. Grallert in „Bauen – Stiften – Weihen“ befinden sich alle anderen Weiheformel im Inneren des Baus in den Barkenschreinen des Amun– Re und des Chons).

Barkenschrein Sethos II.: Mittlere Kapelle des Amun: - Westwand: 
Die Barke des Amun wird von der Göttin Waset angebetet, 
nach rechts gewandt, opfert der König vor der Götter-Triade von Karnak.
      (zusammengefügtes Bild von: Elvira Kronlob)

 

                        Barkenschrein Sethos II.: Mittlere Kapelle des Amun: -Ostwand
Auf der Ostwand der mittleren Kapelle befinden sich zwei Szenen. In der hier gezeigten Szene bringt Sethos II. den Göttern Amun, Amaunet und Ptah eine Figur der Maat dar. Die Göttin Waset steht anbetend mit dem Rücken zu ihm, hinter dem König vor der Barke des Amun (der Widderkopf der Barke ist noch erkennbar). Der rechte Teil der Wand ist sehr zerstört und auf Bildern kaum zu erkennen.

Bild:   Triple shrine of Sety II wall detail
User:   kairoinfo4U (by Flickr-Album)
Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

 

Darstellung Prinz Sethi-Merenptah

In der Mutkapelle des Barkenschreines Sethos II.. im 1. Hof des Karnaktempels wird ein Prinz Sethi-Merenptah mit einem Fächer und den Heqa-Stab in seiner linken Hand
hinter seinem Vater (?) Sethos II. gezeigt. Er ersetzt hier die Figur des Kanzlers Bay. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass der Prinz in den letzten Regierungsjahren Sethos II.. geboren wurde und dann im Jahre 4. von König Siptah verstarb. Unseres Erachtens  gibt es jedoch nicht den geringsten Beweis dafür!

(Bild: Elvira Kronlob)

 

Die mit Blumen geschmückte Barke des Amun
- Kapelle des Amun -
(Bild: Elvira Kronlob)

 Kapelle der Mut  - Innenwand
oberer Abschluss mit Hohlkehle.
(Bild: Elvira Kronlob)

 
Stationstempel Ramses III.

Zu den am besten erhaltenen Bauten im Karnak-Tempel gehört ein weiterer Stationstempel, welcher im Auftrag von Ramses III. (20. Dynastie) errichtet wurde. Der Bau liegt quer zur Tempelachse an der Südseite vor der damaligen Tempelfront dem heutigen 2. Pylon. Ramses III. richtete sich nach dem Plan seines Totentempels in Medinet Habu am Westufer von Theben. Dieser Tempel vereinte beispielhaft alle Elemente eines Heiligtums des Neuen Reiches in sich.

       Barkenstation Ramses III.
      
Pylon-Eingang mit zwei Statuen
Der Eingang wird von einem kleinen Pylon gebildet, der links und rechts von zwei kolossalen Standstatuen Ramses III. flankiert wird. Die Pylontürme zeigen an der Außenseite den König bei der traditionellen Zeremonie "des Erschlagens der Feinde". Mit der traditionellen Waffe, dem Streitkolben, in einer Hand steht er vor Amun und hält mit der anderen Hand die Gefangenen am Schopf fest. Die Namen der Städte und Länder in Nubien und Westasien, aus denen die Gefangenen stammen, standen daneben, sind aber inzwischen zerstört.

Bild: Karely - thanks for public domain

Mehrere Darstellungen der Amunbarke deuten an, worum es sich bei diesem kleinen Tempel wirklich handelt. Er ist nichts anderes als eine monumental erweiterte Barkenstation für die großen Prozessionen des Amun, vergleichbar mit dem gegenüberliegenden Stationsheiligtum von Sethos II. im großen Hof.

       Eingang Tempel Ramses III. im 1. Hof von Karnak
Zwei kolossale Standstatuen flankieren den Tempeleingang 
                           (Bild:
Jon Bodsworth)

Hinter dem Eingang öffnet sich ein Hof
- umgeben von kolossalen Königsstatuen -
(Bild:
Jon Bodsworth)

 

Hinter dem Pylon öffnet sich ein Hof, der zu beiden Seiten von Pfeilern des mumiengestaltigen Osiris-König flankiert ist. Diese Statuen tragen auf der symbolischen Nordseite links innen vom Eingang die Rote Krone Unterägyptens und auf der gegenüberliegenden "Südseite" die Weiße Krone Oberägyptens. 
Datei:   Karnak Temple, Egypt.JPG
Autor:   Tizianok, Mai 2007
Lizenz:  Creative Commons-Share Alinke 3.0 Unport.

In den Inschriften wird die große mit Bronze beschlagene Doppeltür aus Akazienholz beschrieben, die das Tor verschloss. Ebenfalls im Innenhofbereich auf der Rückseite des Eingangspylon befindet sich ein Torvermerk, der den Namen des Tores selbst wiedergibt. 

R3 / T3/Tv 001:
„ Großes Tor des KN. Sein schöner Name, den Seine Majestät gemacht hat <im> pr <des Amun> (lautet) „ (Ramses, Herrscher von Heliopolis)|, der einen Platz im pr des Amun fand “

Neben den primären Bauinschriften befinden sich im Tempel auch sekundäre Bauinschriften. Zum einen findet sich eine Dankesreden des Amun–Re an den König innerhalb einer Darstellung des Opetfestes auf der westlichen Außenmauer, zum anderen ist beiderseits des Zugangs zum Tempelinneren je ein königliches Selbstlob aus der Rückwand des Portico aufgezeichnet. Dort ist Ramses III. einmal beim Opfer vor Amun–Re und Chons (R3/KS 003) und einmal in gleicher Weise vor Amun und Mut (R3/KS 002) abgebildet. Somit ist die gesamte thebanische Triade vereint, deren Barkenräume im hinteren Teil des Tempels angelegt sind.  

In den Darstellungen auf der westlichen Außenmauer des Tempels wird die Prozession der heiligen Barken während des Opetfestes von Karnak in den Luxortempel gezeigt, ähnlich den Szenen auf der Großen Kolonnade von Luxor. Ein kleiner Peristylhof im Inneren des Tempels besteht aus je einer Reihe von 8 Pfeilern vor der West- und der Ostwand. Statuen des Königs in der Gestalt des Osiris stehen vor den Pfeilern. Auf der Rückseite der Pfeiler sind verschiedene Gottheiten dargestellt und auf der linken (östlichen) Mauer des Hofes wird die Barke des Amun in einer feierlichen Prozession von den Priestern getragen.

Im Hintergrund dieses Hofes steigt eine Rampe zu einem erhöhten Pronaos an, mit vier Osiris-Pfeiler in der ersten Reihe und mit Papyrusbündelsäulen in der zweiten. Dann schließen sich ein Hypostyl mit zweimal vier Säulen und die drei Barkensanktuare mit den Sakristeien an, die der thebanischen Triade Amun, Mut und Chons geweiht waren.

 

Bubastiden-Portal:

Zwischen dem II. Pylon und dem Stationstempel Ramses III. steht ein Tor, welches von den Ägyptologen "Bubastiden-Portal" genannt wird. Dieser Begriff geht auf die Könige der 22. Dynastie zurück, die aus der Stadt Bubastis im Nildelta kamen. Die Steine des Tores stammen aus einem Steinbruch südlich von Theben bei Gebel el-Silsila und eine lange Inschrift des Architekten Horemsaf (Caminos 1952) nennt König Scheschonq I. als Auftraggeber für die letzte große Umgestaltung des Vorhofbereichs im Großen Hof. (JEA 28, S. 46ff)

"Seine Majestät gab den Auftrag zum Bau eines sehr großen Pylons....um Theben auszuzeichnen, seine Doppeltore ragen Myriaden von Ellen empor, über einen Ehrenhof für seinen Vater Amun-Re, den König der Götter, und er soll mit einer Kolonnade umgeben sein."

Der königliche Oberbaumeister Hor-em-saf wurde damit beauftragt, Steinmaterial innerhalb eines bestimmten Gebietes von Gebel el-Silsila für zwei Großbauvorhaben in Karnak abzubauen. Außer ihm wurde auch noch der Königssohn und Hohepriester des Amun Juput mit der Aufgabe betraut, so steht es in den Inschriften. Eines der Großbauvorhaben war zweifellos der südöstliche große Portaldurchgang, das sogenannte Bubastiden-Portal. Dieses Tor zwischen dem II. Pylon und dem Stationstempel Ramses III. wurde noch in der Regierungszeit Scheschonq I. fertiggestellt und mit den ersten Dekorationen versehen. Die einzelnen Reliefszenen wurden mit großer Kunstfertigkeit in den Sandstein geschnitten und die zarten Konturen der Götter- und Königsgestalten sind wahre Meisterwerke der altägyptischen Reliefkunst.

Auf der Stirnseite des Portals ist eine Szene zu sehen, welche Scheschonq I. zeigt, wie er von der Brust der Göttin Mut mit lebensspendender Muttermilch versorgt wird.. Des weiteren ist in einem anderen Relief der Sohn Scheschonq I., der König Osorkon I. dargestellt, wie er von Amun-Re und seiner Gattin Mut gekrönt wird. 

Auf der Ostwand des großen Portals ist eine Szene dargestellt, in der König Osorkon I. von Amun ein Schwert und Palmzweige als Symbol für ein langes Leben erhält. Der Gott Chnum überreicht ihm dann in der Szene darunter ein Anch-Zeichen (das Symbol für langes Leben) und der König wird von der Göttin Hathor gesäugt. 

Relief mit dem Namen Scheschonq I.
und seines 2. Sohnes auf dem Bubastiden-Portal
Das Bubastiden-Portal in Karnak
- es zeigt die Kartusche von Scheschonq I. -

Foto:    Neithsabes
Lizenz: GNU-Lizenz für freie Dokumentation
Die Originaldatei ist   hier   zu finden

Foto    Original uploader was Markh  at en.wikipedia
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Originaldatei ist   hier  zu finden.

Der Hohepriester des Amun und Prinz Osorkon, leiblicher Sohn von König Takelot II., ließ an den Wänden des inneren Portalbereiches des Bauwerkes einen langen, heute allerdings stark beschädigten Hieroglyphentext einmeißeln. Es ist eine Zusammenstellung der dramatischen Ereignisse jener Tage um das Jahr 835 v. Chr., als es in Theben zu einem Aufstand gegen den im Delta residierenden König kam, welcher dann durch eine militärische Intervention des Osorkon niedergeschlagen wurde. Am Ende der Inschrift wurden anschließend alle in Karnak befindlichen Heiligtümer aufgelistet, welche dann von Osorkon versorgt wurden. 

 
Kolonnade des Taharqa:

           Kolonnade des Taharqa
Taharqa ließ in der Mitte des 1. Hofes (sog Bubastidenhof) einen monumentalen Ruhealtar für die Götterbarke des Amun errichten. Dieser Kiosk, ein Säulengang bestehend aus 2 x 5 Papyrussäulen - zum Teil durch niedrige Schranken verbunden - umschloss eine Innenfläche von 14 x 30 Meter. In seinem Zentrum beherbergte er einen älteren Altarblock aus Alabaster. Die riesigen Säulen mit offenen Papyrus-Kapitellen sind fast 19 Meter hoch. Während der Herrschaft von Ptolemäus IV. waren sie durch eine dünne Steinmauer verbunden. Gebildet werden diese Säulen aus genau 24 sorgfältig behauenen Kalksteinlagen, auf denen ein offenes Papyruskapitell (Durchmesser 4,93m) mit Abakus thront, eine Steintrommel bildet die Basis der Säulen.
                       (Bild:
Elvira Kronlob)

Eine Säule der rechten Seite ist vollständig erhalten, sie wurde 1927/28 wiederhergestellt.  Von der linken Reihe sind fünf Säulen zum Teil noch erhalten Die Überdachung dieses Bauwerks ist umstritten. Wegen der erheblichen Spannweite von 16,25m kommen Steinplatten wegen der Last ihres Eigengewichts nicht in Frage. Stattdessen hat man eine leichte Holzkonstruktion oder ein riesiges Stoffsegel (das freilich 570 m2  groß gewesen sein müsste) vorgeschlagen. Eine neue Theorie besagt, dass die hohen Säulen statt einer Bedachung heilige Embleme oder Götterbilder, wie überdimensionale Insignienstäbe trugen. Der Kiosk war jedoch durch eine Dachkonstruktion direkt mit dem Vestibül des II. Pylons verbunden. Durch die Errichtung dieser zentralen Anlage unter König Taharqa musste die Alle der Widdersphingen, die den Prozessionsweg säumten, versetzt werden. Für eine mögliche Wiederverwendung wurden sie an der südlichen und nördlichen Säulenkolonnade zwischengelagert, wo sie sich noch heute befinden.

Blick vom I. Pylon auf das Mittelfeld des 1. Hofes mit den Überresten des Kiosk, 
den der kuschitische König Taharqa vor dem II. Pylon errichten ließ. 
(Bilder: Elvira Kronlob)

Ein großer Alabasterblock in der Mitte des Baus diente als Ruheplatz für die Heilige Barke während der zeremoniellen Prozessionen. Später wurden die Kartuschen dieses Kiosks von Psammetich II. usurpiert

Kolossal-Statuen von Ramses II.

Vor dem II. Pylon, welcher von Haremhab begonnen und von Ramses I. und Ramses II. weitergebaut und während der ptolemäischen Periode mit weiteren Anbauten versehen wurde, steht vor der Nordseite (links) des Tores zwischen den Pylontürmen eine Statue von Ramses II. aus rotem Granit, die von verschiedenen späteren Königen usurpiert wurde. 

Die nahezu vollständigen Bruchstücke der Statue wurden bei Aufräumarbeiten am eingestürzten Nordflügel des II. Pylon von Chevrier im Jahre 1954 entdeckt und heute steht die fast 14 Meter hohe Statue auf ihrer Basis aus Quarzit im 1. Hof des Karnaktempels. Sehr wahrscheinlich stellt sie Ramses II. dar, jedoch wurde sie in der 21. Dynastie vom Priesterkönig Pinodjem restauriert und mit seinem Namen und Titeln neu beschriftet. Bekleidet ist er mit dem Königsschurz und dem Nemeskopftuch sowie der Doppelkrone auf dem Kopf. Als Insignien seiner Herrschaft hält er in den vor der Brust gekreuzten Händen den Krummstab und die Geißel. Vor den Beinen des Königs steht die sehr viel kleinere Statue einer Königin mit einer sehr hohen Federkrone und einem Wedel als Zepter, in der die meisten Ägyptologen im allgemeinen seine Tochter-Gemahlin Merit-Amun erkennen wollen.

Statue Ramses II. und seiner Tochter Merit-Amun im 1. Hof des Karnak-Tempels
(Bilder und Ausschnitt vom Bild: Elvira Kronlob)

Zwei weitere monumentale Statuen von Ramses II. flankierten den Eingangsbereich zum II. Pylon, allerdings ist nur eine davon erhalten, während von der anderen Statue nur noch die Füße erhalten sind.
II. Pylon

Der zweite Pylon wurde von König Haremhab am Ende der 18. Dynastie teilweise aus Blöcken, die aus älteren Bauten östlich des Amun-Tempels von Amenophis IV./Echnaton stammen, errichtet. Fast ein Jahrtausend lang, - von Haremhab bis Nektanebos I.  - bildete der II. Pylon, der den Namen "Erleuchtung Wasets" trug, die Eingangsfront des großen Amun-Tempels. Im unteren Teil des Pylons befinden sich große Löcher, die von den Archäologen stammen, welche im Inneren nach weiteren, wieder verwendeten Blöcken gesucht haben.

            Vestebül  vor dem II. Pylon in Karnak

Die beiden Türme des II. Pylonen sind etwa bis zur Hälfte ihrer einstigen Höhe erhalten geblieben. Das Gebäude dürfte ursprünglich etwa 98 m lang, 14 m stark und ca. 35 m hoch gewesen sein - Das eigentliche 39,5 m hohe Tor wurde von Ptolemäus VIII. restauriert.

Als Füllmaterial für den Bau verwendete man Steine und Blöcke aus dem abgerissenen Atontempel von Amenophis IV. (Echnaton)

Haremhab begann auch mit dem Bau des kleinen Vestebüls vor dem Durchgang, welches dann von Ramses II. vollendet wurde. Die Szenen im Vestebül zeigen Ramses II. vor Amun, der die Feinde Ägyptens zerschmettert. An der Südmauer sind Darstellungen der heiligen Barke der thebanischen Triade mit den Kartuschen von Ramses II. und III.  zu zu sehen. Auf den Türpfosten opfert Ramses II. den Göttern.

Bild:    Karnak Tempel second pylon
User:   kairoinfo4U (by Flickr-Album)
Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

Es sind uns keine wissenschaftlichen Arbeiten über den II. Pylon bekannt, aber mehrere Wissenschaftler haben sich im Rahmen anderer Arbeiten mit ihm beschäftigt. Auf der Ostmauer im Hof des Chons-Tempels befindet sich ein Relief des 
II. Pylon aus der Zeit des
Herihor (21. Dynastie). Der II. Pylon des großen Karnak-Tempels hat auf diesem Relief
 8 Fahnenmasten, vier an jedem Turm. Diese Masten mit den langen, schmalen Fahnen stehen auf Sockeln und steigen aus Nischen empor. Die Nischen vor der Südmauer bestehen aus grauem und rosa Granit, die vor der Nordmauer aus Kalkstein und Alabaster.
(Barguet, o.c., 54)

Der II. Pylon ist hohl und innen unterteilt und sein Füllmaterial besteht aus sogenannten Talata-Steinblöcken. Diese stammen aus dem abgebrochenen Aton-Heiligtum von Echnaton, welches im Osten von Karnak stand. Verschiedene Teile des II. Pylon wurden u. a. durch Feuer und Explosionen zerstört. Heute sind die beiden Türme noch bis zur Hälfte ihrer ursprünglichen Höhe erhalten. Im der Grabanlage des Neferhotep (TT 49) in Theben befindet sich ein Wandbild, welches evtl. ein naturgetreues Abbild der damaligen Anlage sein könnte.

Auf der westlichen Seite der Vorhalle/Südhälfte, welche vor dem II. Pylon errichtet wurde,  sind Kartuschen von Haremhab angebracht, die aber von Ramses I. und Ramses II. usurpiert wurden. Lediglich im 4. Register auf der Seitenwand eines Opfertisches sind Haremhabs Kartuschen unberührt. (siehe Seele, Coregency 8, Fig. 1-3) Einige der unbearbeiteten Stellen auf der Innenseite der Vorhalle wurden durch Ramses I. dekoriert. Er rühmte sich in einer Inschrift, dass "er dieses Denkmal für seinen Vater errichtet habe".  Aber die oben genannten Kartuschen lassen daran Zweifel aufkommen.Vieles spricht dafür, dass Haremhab den Bau des II. Pylon und seiner Vorhalle veranlasste, da die ältesten sichtbaren Dekorationen von ihm stammen. Diese Theorie wird auch von den Wissenschaftlern im allgemeinen vertreten.

Vestebül vor dem II. Pylon von Karnak mit Dekoration

Foto    Original uploader was Rèmih aus der engl. Wikimedia Commons
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Originaldatei ist  hier   
Bild:    Karnak Tempel second 1pylon
User:   kairoinfo4U (by Flickr-Album)
Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0


Wenn man den II. Pylon durchschreitet, betritt man das Hypostyl - besser bekannt als "Großer Säulensaal". Kein Teil des Amun-Tempels ist berühmter oder beeindruckender als diese zwischen dem II. und III. Pylon befindliche Säulenhalle von 103 m Länge und 53 m Tiefe. Dieser Teil des Tempels ist wohl eines der größten sakralen Bauwerke aller Zeiten, von dessen Größe und Schönheit weder Fotos noch statistische Zahlen einen Eindruck vermitteln können.

 


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Karnak Tempel 2. Teil
- Großer Säulensaal -


( Einige der hier eingefügten Fotos stammen aus dem Archiv von Jon Bodsworth, der diese "copyright free" gestellt hat. 
Dafür möchte ich hier an dieser Stelle meinen ausdrücklichen Dank ausrichten. - Thanks to Jon Bodsworth! )



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