Biografie Psusennes

Tanis Allgemein 

Amenemope

(Foto oben rechts: saamunra)

Entdeckung des Grabes:

Seit 1929 grub eine französische Expedition unter der Leitung von Pierre Montet in Tanis (San el-Hagar).  Der Ausgräber hatte zuvor in Byblos neben anderen bedeutenden Entdeckungen auch eine Gruppe von Königsgräber aus der Zeit um 1800 v. Chr. freigelegt. Um weitere Erkenntnisse über die Beziehungen zwischen Vorderasien und Ägypten zu gewinnen, wandte sich Montet einem Grabungsplatz im Nordosten des Nildeltas zu, dem 400 Hektar großen Siedlungshügel von Tanis.

Anfang 1939 machte Pierre Montet in den 11 Grabungskampagnen kurz hintereinander zwei sensationelle Entdeckungen. Es handelte sich dabei um die Grabanlage König Osorkons II. aus der 22. Dynastie und die von König Psusennes I. , dem 3. König der 21. Dynastie. Diese Grabanlagen lagen zusammen mit weiteren Königsgräbern der 22. Dynastie in der Südwestecke des hiesigen Tempelbezirks innerhalb der Tempelumwallung, die König Psusennes I. errichtet hatte. Man war bei der Untersuchung von Hausruinen am Rande des Tempelareals unerwartet auf die Königsnekropole der 21./22. Dynastie gestoßen

    Königliche Nekropole in Tanis:
                    NRT III.

 

Datei: NRT III.jpg
Autor:
Neithsabes
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Unported
             (CC BY 3.0)
- bearbeitet von Nefershapiland - 

 

 

 

 

Allgemeines:

Pierre Montet, der seit 1929 in San el–Hagar, dem griechischen Tanis, grub gelangte Anfang 1939 in der 11. Grabungskampagne kurz hintereinander zwei sensationelle Entdeckungen. Es handelte sich dabei um die Grabanlagen König Osorkon II. aus der 22. Dynastie und die König Psusennes I., des dritten Königs der 21. Dynastie. Der Komplex der Grabanlagen Psusennes I. war 20 x 12 m groß und bestand aus fünf Räumen sowie einem Vestibül. Er barg die Bestattung mehrerer Könige und Würdenträger. 

Diese Grabanlagen lagen zusammen mit weiteren Königsgräbern der 21. und 22. Dynastie in der Südwestecke des hiesigen Tempelbezirks (in einer Ecke des kleinen Muttempels), noch  innerhalb der großen Tempelumwallung, die König Psusennes I. errichtet hatte. Man war bei der Untersuchung von Hausruinen am Rande des Tempelareals unerwartet auf die Königsnekropole der 21. /  22. Dynastie gestoßen. Zuerst kamen große Steinplatten zutage, die eine Art ausgedehntes Pflaster bildeten. Was jedoch zuerst wie ein Pflaster aussah, war in Wirklichkeit die Abdeckung des Grabes König 
Osorkons II. 

Am 29.02. 1939 stieg Montet in das Grab von König Osorkon II. ein, welches sich aber leider als beraubt herausstellte. Danach wurden die Arbeiten hier abgebrochen, denn man hatte zwischenzeitlich in unmittelbarer Nähe ein weiteres unberührtes Königsgrab entdeckt. Die Arbeiter waren hier seit  zwei Wochen damit beschäftigt, eine etwa 19 x 12 m große Fläche von Steinbalken freizulegen, die das Dach eines weiteren Grabbaus bildeten. Die Fugen des Daches waren sorgfältig mit einer Art Zement ausgefüllt. Es war nicht die geringste Spur eines gewaltsamen Eindringens in das Grab festzustellen. Die Höhe des Grabbaus betrug ca. 5 Meter. Er bestand aus einem Mittelgebäude aus Granit, dessen Blöcke sorgsam zusammengefügt waren und von bronzenen Schwalbenschwänzen gehalten wurde und ein ihn umgebendes Bauwerk aus Kalkstein. Man entfernte zwei der Deckblöcke, um einen Zugang ins Innere zu schaffen, wodurch ein blockierter Schacht zum Vorschein kam, dessen Freiräumung einen Tag in Anspruch nahm

Am 18. 03 1939 stieg Montet in den Eingangsschacht hinab und betrat am 19.03.1939 über einen kurzen niedrigen Korridor die Vorkammer des Grabes. Der Eingangsschacht VI. zur Vorkammer III. war noch original vermauert, ihn freizuräumen dauerte einen Tag. Von der Schwelle der Vorkammer aus erblickte er einen silbernen Sarkophag mit Falkenkopf: "Durch einen Spalt sah man es drinnen golden blitzen." Trotz der Enge in der Kammer war sie voller kostbarer Schätze. Alle möglichen Gegenstände lagen auf dem Boden verstreut: Eingeweidekrüge (Kanopenbehälter), Statuen, Bronzegeräte  ......Vor dem Durchgang zur  4m x 2m großen Vorkammer fand sich eine Hundemumie, vielleicht der Lieblingshund des Königs? 

Zu seiner Überraschung fand Pierre Montet auf den Grabwänden Hieroglypheninschriften, in denen die Königsnamen Psusennes (Aa-xpr-Ra =Aa-Cheper-Re) und Amenemope vorkamen, dazu Darstellungen von Götterprozessionen. Die Götter, zweiundzwanzig an der Zahl, schreiten auf der einen Seite hinter Osiris, auf der anderen hinter dem Ba, der Seele des Verstorbenen. Dieses Wandmotiv ist nichts anderes als eine Kopie der Reliefs auf dem Rosengranitsarkophag, der ursprünglich Merenptah gehörte. Qualitativ sind diese in Kalkstein ausgeführten und bemalten Reliefs durchaus bemerkenswert.

In zwei Festzügen waren insgesamt 22 Gottheiten zu sehen, die aufeinander zuschreiten, darunter Horus und Nephthys, Neith, Thot, Selkis, Sobet und Bastet. Die Wanddekorationen bestehen vor allem aus Kopien und Texten des Neuen Reiches.  In der Vorkammer fand sich auch ein Relief eines Bes–artigen Dämons, der in jeder Hand ein Messer hält.

                       Götterprozession im Vorraum des Psusennes-Grabes. 
Das tanitische Relief zeigt in zwei Festzügen insgesamt 22 Gottheiten die aufeinander zu schreiten. Auf dieser Zeichnung aus der Grabungskampagne Montets sind 18 von ihnen abgebildet.
                                        (Zeichnung: Pernette Montet-Lézine) 

Montets Erstaunen wird noch größer als er den Inhalt dieser Grabkammer wahrnimmt. An der rechten Seite der Vorkammer befand sich eine Art Steinsockel, auf dem in der Mitte ein falkenköpfiger Silbersarg lag, der völlig intakt zu sein schien. Durch einen Spalt konnte Montet in seinem Inneren Gold schimmern sehen. Montet schrieb in sein Tagebuch: "Der Sargdeckel schien dekoriert zu sein, aber Staub, Schutt und Verputzstücke, die von der Decke herabgefallen waren, ließen keine Details erkennen". Nachdem auch seine beiden Begleiter Fougerousse und Georges Goyon sich ein Bild von der Neuentdeckung gemacht hatten, meinte Montet, dass sie nun bei Psusennes, dem tanitischen König angelangt waren. Zum Schutz des Grabes wurde die Mauer wieder verschlossen und Fougerousse beauftragte einen Schmied aus dem Dorf, am Grabeingang eine Eisentür anzubringen. Außerdem bat Montet den Chef der ägyptischen Sicherheitspolizei darum, eine Abteilung Soldaten abzustellen, "...damit das Grab und unsere Mannschaft Tag und Nacht bewacht werden."

Bei der Öffnung des Sarges am 21. März 1939 in Anwesenheit von König Faruk bemerkte Montet zu seinem größten Erstaunen, dass die Kartusche auf der Mumie nicht mit dem Namen Psusennes I. übereinstimmte, welcher sich überall auf den Wänden der Grabkammer befand. Wer war dieser unbekannte König, welche in dem Silbersarg bestattet ist und ins Grab des Psusennes gelegt worden ist? Der Sarg gehörte einem unbekannten König, dessen Name Heka-Cheper-Re Schoschenq lautete, der ein Jahrhundert später in die Vorkammer des Grabes von König Psusennes beigesetzt worden war. Die Mumie selber war durch die hohe Feuchtigkeit im Grab bis auf das Skelett zerfallen. Das Bitumen, das sie einst umgeben hatte, bildete nur noch eine schwärzliche Masse. Die Schmuckstücke die man auf dem Leichnam fand, befanden sich in einem ausgezeichneten Zustand. Schritt für Schritt wurden die Fundstücke geborgen und Montet brachte sie persönlich am 6. April 1939 ins Museum nach Kairo.

In Tanis führte eine abschließende Untersuchung der Vorkammer zur Entdeckung einer weiteren Tür, die von den Ausgräbern aufgebrochen wird und zu einem Raum führt, in dem ein riesiger Sarkophag steht, der sich jedoch als leer erweist. Name und Titel des einstigen Besitzers, eines General namens Anchef-en-mut, bei dem es sich wohl um einen Königssohn handelt dürfte, waren auf den bunt bemalten Wandreliefs und Inschriften der Süd–Ost und Westwand sowie auf dem Sarkophag  ausgekratzt. Da man aber bereits früher in der Vorkammer des Königsgrabes Kanopen eines General namens Anchef-en-mut (Fundnummer 308) gefunden hatte, ist davon auszugehen, dass dieser Anchef-en-mut auch tatsächlich in der neu entdeckten Kammer bestattet worden war. Seine Titel lauteten: „Erster großer Heerführer Seiner Majestät, leiblicher Königsohn (des) Ramses, Rindervorsteher, Oberamtmann des Amun, Prophet der Mut“.

Nach der Auffindung der Grabkammer des Anchef-en-mut  wurde die Grabung für das Jahr 1939 abgeschlossen, jedoch ab Januar 1940 mit der 12 Kampagne fortgesetzt. Der Krieg, der in Europa tobt, bringt die Ausgräber um das internationale Echo, das sie in normalen Zeiten, schon angesichts der Bedeutung des Silbersarges von Schoschenq II. und der vorher gemachten Entdeckung des ausgeraubten Grabes Osorkons II. verdient hätten. Europa hat andere Sorgen. Zwei Tage vorher haben die Deutschen die Tschechoslowakei überfallen und Prag besetzt. Inmitten dieses dramatischen Geschehens widmet die Presse der Entdeckung von Tanis, so sensationell sie auch sein mag, nicht mehr als drei oder vier Zeilen. Man berichtete, dass Montet am 21. März 1939 den im Delta gefundenen Sarkophag eines unbekannten Pharaos geöffnet habe.

Das Grab des Psusennes bildetet aber den strahlenden Höhepunkt, denn es ist ein intaktes Königsgrab, das von Montet und seiner Mannschaft im heiligen Bezirk des großen Tempels des Amun in Tanis freigelegt wird. Allerdings war die Lage im höchsten Grad ungünstig und es beginnt zwischen den Ausgräbern und den dramatischen Ereignissen in Europa ein wahrhafter Wettlauf  gegen die Uhr. Die Antikenhändler lagen schon auf der Lauer und warteten darauf, dass die Franzosen abreisen oder die Soldaten, die zur Bewachung der Gräber abkommandiert waren, sich die geringste Nachlässigkeit leisteten. Man war also gezwungen, die Erforschung dieses Abschnittes der tanitischen Nekropole möglichst schnell zum Abschluss zu bringen. Jede weitere Verzögerung erhöhte das Risiko eines modernen Grabraubs, der ebenso katastrophal wäre, wie die im Altertum begangenen. Montet war sich völlig sicher, an der Schwelle zu einer ganz großen Entdeckung zu stehen. Im Januar 1940 nimmt Montet seine Nachforschungen in Tanis wieder auf und entdeckt im Grabmal Osorkons II. den Schmuck des Prinzen Hornachte und findet am 15. Februar 1940 den Eingang zum unversehrten Grab König 
Psusennes I.

Ein unberührtes Grab:

Schon 1939 war Montet und seinem Team aufgefallen, dass sich an der Westwand der Vorkammer, bedingt durch die hohe Feuchtigkeit im Grab die Umrisse von Steinblöcken und die Lage der Fugen dazwischen abzeichneten, mit denen zwei Öffnungen sorgfältig vermauert waren. Diese Öffnungen waren nicht nur durch eine Mauer verschlossen, sondern waren unter einer hier aufgetragene Putzschicht, auf der sich Malereien befanden, unkenntlich gemacht worden. Die Malereien zeigten zwei Könige beim Opfer vor den Jenseitsgöttern. Die restlichen Wände der Vorkammer (auch über den beiden Zugängen zu den königlichen Kammern) zeigten in Relief ausgeführt, ein Defilee von Genien als Beschützer des toten Königs. Um sich Zugang zu den verborgenen Kammern an der Westseite der Vorkammer gelegen zu verschaffen, musste die Putzsicht über den Zugängen leider zerstört werden. Zuerst wurde die Vermauerung der nördlichen Tür entfernt, sie bestand aus kleinformatigen Blöcken die sich problemlos herausnehmen ließen. Dahinter kam ein riesiger Granitblock zum Vorschein, der den Zugang zur dahinterliegenden Kammer vollständig ausfüllte. Damit war aber auch klar, dass die Grabtür niemals aufgebrochen worden ist. Und wenn nicht ein Einbruch von der Rückseite her oder durch einen unterirdischen Stollen stattgefunden haben sollte - was aber mehr als unwahrscheinlich ist - dann war dieses Grab völlig unberührt.  

Aber zunächst einmal war der riesige "Granitwürfel", der in der Tür steckte, zu entfernen, um Zugang zur letzten Ruhestätte des Königs zu erhalten. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, bei dem man versuchte, "durch einen Spalt ein Kabel zu schieben, es um den Stein zu legen und ihn so aus seiner Lage zu ziehen", gelang es ihnen, eine insgesamt sechsfache Kabelwindung um den Block zu legen. Ein Flaschenzug wird installierst, der an einem quer vor die Außentür des Ganges gelegten Balkon befestigt ist. Der Block ließ sich problemlos auf den zwei runden Bronzestangen von 25 cm Länge und 2 cm Durchmesser herausrollen, auf denen man ihn einst gesetzt hatte, um ihn in seine Maueröffnung zu schieben. Diese immer noch intakten Rollen kamen nun noch einmal zum Einsatz und der Granitblock begann sich sofort zu bewegen, als die Leute anfingen, den Flaschenzug in Betrieb zu setzen. Am fünften Tag war er völlig aus dem Gang herausgezogen und lag nun an der Südwand des Vorraumes. Es handelte sich hierbei lt. Montet um die Hälfte eines Architravs eines Gebäudes Ramses II.

Am 15. Februar 1940 konnte Montet und sein Assistent Bucher endlich die Grabkammer Psusennes I. betreten. Diese Kammer wie auch die links neben der königlichen Kammer gelegene, liegt in dem Teil der Grabanlage, welche aus Granit errichtet worden war. Diese Räumlichkeiten waren ausschließlich den königlichen Begräbnissen vorbehalten. Der Rest der Grabanlage bestand aus Kalksteinblöcken.

In der schmalen Grabkammer war es so feucht, dass Wasser von den Wänden tropfte. Der vordere Bereich der  Grabkammer war angefüllt mit zahlreichen Gegenständen, die am Boden lagen: ein versiegeltes Gefäß, vier Kanopen, Hunderte von Uschebtis, deren Anordnung übereinander noch die Form des Holzkastens erkennen lässt, in dem sie einst verwahrt wurden, welcher aber im Laufe der Zeit aufgrund der Feuchtigkeit verfallen war, wie Montet berichtete. Doch ins Auge fielen zuerst die gleißenden Goldgefäße - das Kult- und Tafelgeschirr des Königs.

In der Sargkammer König Psusennes I. sind die drei Granitwände mit Darstellungen und Inschriften versehen. Die Rückwand (Westwand) zeigt den stehenden König mit Krummstab und Wedel bei dem wichtigen Ritus der Mundöffnung.  Der Text dazu:  

"Dein Mund ist geöffnet, Osiris–Re  Aa–cheper–Re!  Ptah hat den Mund des Re–Sohnes Psusennes geöffnet mit dieser seiner eigenen Hand, wie er den Mund der Götter geöffnet hat “.

Die linken und rechten Seitenwände tragen Inschriften - einen langen Text, der vom Aufstieg des Psusennes unter die Sterne berichtet, und eine teilweise zerstörte Litanei.

Über den Sargkammern, die mit ungleich großen Kalksteinblöcken abgedeckt waren, erhoben sich wahrscheinlich eine heute völlig verschwundene Kapelle; hierher kamen die Hinterbliebenen zur Feier des Totenkults, um die Opferriten auf einem schönen Opfertisch aus schwarzem Granit zu vollziehen, der erst vor kurzem einige Kilometer von Tanis entfernt gefunden wurde.

Der große aus Rosengranit bestehende Sarkophag des Königs, nimmt für sich allein den gesamten hinteren Teil (etwa die Hälfte des Raumes) der Grabkammer ein. In der vorderen Hälfte der Kammer lagen zahlreiche Gegenstände auf dem Boden. Ein großer versiegelter Kasten aus Alabaster, vier Kanopengefäße mit emblemartigen Köpfen waren an der Wand aufgestellt. Zwei große Holzkästen bargen einst Hunderte von Uschebtis aus Fayence und Bronze sowie Miniaturwerkzeuge. Ihre Anordnung ließ noch die einstige Form der längst zu Staub zerfallenen Holzkästen erahnen, der sie einstmals barg und im Laufe der Zeit verfallen ist. Durch die hohe Feuchtigkeit im Grab waren alle aus organischen Stoff wie Holz, Leder, und Elfenbein und somit alle daraus gefertigten Bestandteile der Grabausrüstung wie Holztruhen, Waffen, Zepter und Stäbe längst vergangen.

Vor dem Sarkophag lag eine große, nur grob bearbeitete Kalksteinplatte, die als Untersatz für kostbare Kultgefäße diente. Links vom Eingang stand auf einem bronzenen Opfertisch mit den Kartuschen Ramses II. ein großer silberner Opferständer. Weiter ein großes Gefäß aus Kalzitalabaster in altertümlicher Form mit zerstörten Inschriften, das deutlich zu erkennen gibt, dass es wiederverwendet worden war. Neben diesem großen Gefäß standen drei Gefäße aus massiven Gold sowie goldene Becher und Kelche. Montet notierte in seinem Tagebuch, dass sie einen rötlichen Schimmer hatten, als ob sie aus Kupfer wären. Aber es genügte, sie einfach mit Seife abzuwaschen, um ihnen den ganzen Glanz des Goldes zurückzugeben. 

Unter den Gegenständen, die Pierre Montet neben dem Sarkophag Psusennes I. vorfand, befanden sich zwei längliche Goldhülsen, die sich als die einzigen Überreste eines hier niedergelegten Bogens herausstellten. Es handelte sich bei ihnen um die Endstücke des Bogens, dessen organisches Materials längst vergangen war -  heute befinden sie sich in Kairo JdE 85887–85886–Fundnummer 413/414

Endstücke (Bogenkappen) eines Bogens

Die Bogenkappen zeigen die Kartuschen Psusennes I. und eines Königs, dessen Name Amenemnisu lautete.

Auf der einen Kappe stand der Thronname Psusennes I. (a3-xpr-Ra stp.nJmn)| zusammen mit demjenigen König Amenemnisu (Nfr-k3-Ra Ho3WAst)|.  Auf der anderen der Geburtsname von Königs Psusennes und der des Amenenemnisu-mery-amun.
Die Verteilung der Namen auf den Kappen spricht für eine enge Verbindung beider Herrscher.

Bild:   Bowcap Amenemnesut Psusennes by Khruner
User:  Khruner wikipedia, 5. März 2016
Lizenz: CC BY-SA-4.0

Dicht daneben fand man Bronzeklingen, Pfeilspitzen und Lanzenspitzen, deren vorderstes Ende mit Blattgold verziert war. Diese Kriegsausrüstung wurde wahrscheinlich durch einen Fellschild ergänzt, von dem nur die Goldverzierungen übrig geblieben waren:  Man muss sich den Schild ähnlich dem vorstellen, der auf den Reliefdarstellungen des Streitwagens Thutmosis III. ganz in Silber beschlagen und mit zwei Udjataugen aus Gold versehen dargestellt ist.  

Auf dem Deckel des Sarkophages befanden sich einst ein Holzkasten und ein goldener Stab, der einen Knauf in Form einer Lotosblüte hatte. Insgesamt verzeichneten die Ausgräber über 1000 Einzelstücke in der Sarkophagkammer, es dauerte eine Woche, bis die Mitarbeiter Montets die zahlreichen Fundstücke im Raumteil vor dem Sarkophag und in den engen Zwischenräumen beiderseits der Granitwanne inventarisiert, gezeichnet und fotografiert haben. 

Die Sarkophage Psusennes I.

Man war sich jetzt auch sicher, dass der Sarkophag selbst intakt war. Durch einen Spalt, der sich zwischen Deckel und Sargwanne befand, welcher mit Gips verfugt war, ist bewiesen, dass die Bestattung seit der Grablegung nicht mehr berührt worden ist. Am 21. Februar 1940 hoben die Ausgräber den Sargdeckel ab. 

      Rosa Granitsarkophag Psusennes I.

Der große, rechteckige Sarkophag aus Rosengranit befindet sich heute im Museum Kairo JdE. 87297 A/B
Höhe des Deckels:      0,66 m
Höhe der Wanne:        0,89 m
Sarkophag:
Länge:                          2.40 m
Breite:                          1,20 m
D
er Deckel ist eine wunderbare Steinmetzarbeit, er zeigt den toten König in Mumiengestalt.
Bild mit frdl. Dank Heidi Kontkanen, Finnland
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Details vom Deckel des Sarkophages - der auf einer Bahre liegende König trägt eine  lange, geriffelte Perücke und den geflochtenen Götterbart. Eine kleine, kniende Göttinnenfigur schützt den Kopf des Königs. 
Bild mit frdl. Dank Heidi Kontkanen, Finnland
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Der Sargdeckel zeigt den toten König in der Gestalt des liegenden Osiris. Bei dem Deckel handelt es sich um einen wiederverwendetes Teil aus dem Neuen Reich, welches Auszüge aus dem Amduat trägt. In Mumiengestalt ist der König halbplastisch aus dem Gestein herausgearbeitet. 

Foto: Jürgen Liepe, Berlin 
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Wie bei Osiris sind die Arme über der Brust gekreuzt, während er in seinen Händen Krummstab und Geißel hält. Auf dem Kopf trägt er eine lange, geriffelte Perücke und den geflochtenen Götterbart. Zwei kurze, rechteckige Pfosten, von denen einer einer kleinen Göttinnenfigur als Rückenstütze dient, befinden sich am Fuß- und am Kopfende des Deckels. Sie schützt den Kopf des Königs mit ihren ausgebreiteten Armen, ebenso wie die Figuren von Isis und Nephthys, die auf den Pfosten eingraviert sind.

Der Deckel des Sarges (wohl nicht die Wanne ?) wurde einst für König Merenptah aus der 19. Dynastie gefertigt., als er noch Kronprinz war. Zwar waren seine Namen durch die Psusennes I. ersetzt worden, doch blieb er auf der Gürtelschnalle der Deckelplastik unangetastet (sicherlich mit Absicht). Ab Merenptah weisen die königlichen Sarkophagdeckel ein Bildnis des Königs auf, welches im erhabenen Relief zwischen Isis und Nephtys lag, während die Deckelunterseite die Göttin Nut mit ausgebreiteten Armen zeigt.

Der Deckel könnte ursprünglich aus einer Nekropole des Deltas (vielleicht Pi–Ramses ?) stammen, in der die Könige der 19. Dynastie vielleicht Kenotaphe besaßen (?), ansonsten muss man davon ausgehen, dass der komplette Sarkophag aus dem Grab König Merenptah  im Tal der Könige herausgeholt und nach Tanis transportiert wurde.

        Innenseite des Sarkophagdeckels
Der Deckel zeigt auf seiner Innenseite die Relieffigur einer Göttin
in einem enganliegenden mit Sternen übersäten Gewand, die schützend die Arme über den toten König ausbreitet, wiederum halbplastisch gearbeitet. Diese Göttin ist von bezaubernder Schönheit. Ihr sternenbesetztes Gewand und die Begleittexte weisen sie als die Göttin Nut, die ägyptische Himmelsgöttin aus. 
Foto: Jürgen Liepe, Berlin 
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Innenseite des Sarkophagdeckels mit einer Darstellung der Göttin Nut

Sie ist umgeben von Sterngottheiten und den Barken der zweiten und dritten Nachtstunde und den Sternbildern des Nord- und Südhimmels.

Bild: mit frdl. Dank Heidi Kontkanen, Finnland
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Um den oberen Rand der Sarkophagwanne, ebenfalls aus Rosengranit, läuft ein Band mit zwei Hieroglyphenreihen. Unter diesen Inschriften befinden sich auf jeder Seite bildliche Szenen, bevölkert mit Göttern und Dämonen, über denen ihre Namen in kurzen Inschriften stehen. Die beiden Schmalseiten zeigen zwei Gruppen mit drei Figuren, getrennt durch einen in der Mitte gestalteten Palast. 

Zweiter mumienförmiger Sarkophag
- aus dunklem Granodiorit -

Am Fußende gibt es, von links nach rechts, einen falkenköpfigen Gott, einen ibisköpfigen Gott, einen Schakal, einen Gott in Menschengestallt, bewaffnet mit einem Messer, einen schakalköpfigen Gott und den Gott Horus in Gestalt eines Falken. Die Figuren am Kopfende sind, von links nach rechts, ein Falke über einem rechteckigen Gebäude, eine Gestalt mit Menschenkopf und einem Messer als Waffe, der Gott Horus mit einem Falkenkopf, ein Affe, der einen Bogen trägt, ein Nilpferd und ein zweiter Falke über einem rechteckigen Gebäude. An einem Ende der rechten Seite befindet sich ein Augenpaar über der verzierten Fassade einer von zwei Wächtern flankierten Scheintür. Eine Inschrift verweist auf das dem König gewährte Privileg, durch diese Augen zu sehen. Die restliche Seite zeigt zehn Unterweltgenien mit Menschen – oder Tierköpfen, dazwischen stilisierte Darstellungen von drei Palästen.

Die linke Seite weist 15 sitzende Gestalten auf, die nach rechts schauen und entweder Menschen– oder Tierköpfe haben. Am Beginn der Reihe befindet sich ein Palast, an ihrem Ende ein Fisch. Die Inschriften der Sargwanne stammen aus Grabtexten des Neuen Reiches wie dem „Pfortenbuch“ oder dem "Totenbuch“. Auf dem Boden der Wanne findet sich ein zwölf Zeilen langer, für das Mittlere Reich typischer Fries von Gegenständen:  Kronen, Schmuck, Stoffe, Sandalen, Stöcke, Zepter und Waffen. Entweder findet hier ein unerwarteter Rückgriff auf alte Traditionen statt, oder die Wanne stammt selbst noch aus dem Mittleren Reich.

In dem äußeren Sarkophag aus Rosengranit, den Montet in der Sargkammer von Psusennes I. entdeckte, befand sich ein vollständig erhaltener, außergewöhnlich kunstvoll gestalteter, mumienförmiger Sarg aus dunklem Granodioit. Er befindet sich heute im   (Länge: 220 cm; Breite: 65 cm; Höhe 80 cm). Der Stil und die Dekoration dieses sehr fein gearbeiteten Sarkophages erinnern an Beispiele aus der 19. Dynastie. Mumienförmige Steinsärge wurden damals häufig verwendet, vor allem zur Bestattung reicher Privatleute. Die Inschriften, welche auf seinen früheren Besitzer hätten hindeuten können sind vollständig getilgt und durch die Namen von Psusennes ersetzt worden. Seinen Reliefschmuck und seine Inschriften, in denen die Totengötter angerufen werden, ließ man hingegen unberührt. Diese Tatsache bestätigt die Vermutung, dass dieser Sarg requiriert  (wohl von einem ranghohen Würdenträger aus der späten 18. oder der frühen 19. Dynastie) und für die Bestattung König Psusennes I. wiederverwendet wurde. Im übrigen eine übliche Praxis bei den Herrschern der Dynastien von Tanis. 

Auf dem Deckel ist der Verstorbene mumienförmig und mit überkreuzten Armen dargestellt. Die Handgelenke zieren Armreifen und die Hände sind geschlossen. Die Göttin Nut breitet ihre Flügel um den Oberkörper des Toten, Isis und Nephthys beweinen Osiris, dazu kommen Anubis, der Gott der Mumifizierung und die vier Horussöhne, als Beschützer der Kanopen. Das Gesicht umrahmt eine massive, gesträhnte Perücke, welche die Ohren freilässt und bis zu den Schultern reicht. Die Gesichtszüge sind elegant und mit äußerster Feinheit wiedergegeben. Ein kurzer Kinnbart weist nach unten. Die mandelförmigen Augen und der fein geschwungene Mund könnten auch auf ein Werk der Nachamarnazeit hindeuten. Am Bauch ist die Göttin Nut mit ausgebreiteten Armen und Schwingen dargestellt. Eine doppelte Hieroglyphenspalte führt vor diesem Bild bis zu den Zehenspitzen hinab. Parallel zur mittleren Inschrift verlaufen zwei weitere Textkolumnen, eine auf jeder Seite. Gekreuzt werden sie von drei horizontalen Hieroglyphenreihen, die sich über die Seitenwand erstrecken; zu ihnen gesellt sich eine mit den Linien der Arme übereinstimmende vierte Reihe. In den Texten des Sarges sind häufig die Namen König  Psusennes I. eingestreut, indem man die ursprünglichen Hieroglyphen entfernte. 

Auf dem unteren Teil des Sarkophages sind verschiedene Göttergestalten (die vier Horussöhne, Thot und Anubis) abgebildet, welche mit dem Begräbniskult verbunden sind. Deren Wünsche für den Verstorbenen stehen in Hieroglyphen geschrieben vor jeder Abbildung. Auf der linken Seite befindet sich in Schulterhöhe ein dekoratives Motiv, das aus einem Augenpaar über der Fassade eines Palastes besteht. Die Göttinnen Isis und Nephtys sind jeweils am Fußende des Deckels und am Kopfende des Sarges dargestellt. Sie beschützen nun den mit Osiris gleichgesetzten Verstorbenen.

Im Spalt zwischen dem Innen- und Außensarkophag lagen eine ganze Sammlung an Stäben, Zeptern und Waffen, darunter ein Bronzeschwert, von dem nur das mit Goldblech verkleidete Heft erhalten geblieben war, fein ziseliert und mit einem Falkenkopf als Knauf. Der Körper des Vogels ist mit einem feinen Federmuster bedeckt. Die Bronze-Klinge des Schwertes ist der Oxydation zum Opfer gefallen (heute im Museum Kairo JdE 85854)

Weiter lagen zwischen inneren und äußeren Sarkophag drei Bronzeschwerter, deren Klingen durch die Feuchtigkeit total vergangen waren, nur die Griffe waren erhalten geblieben. Eines davon trug den Namen des Generals Wen–djebau–en– djed; ein anderes Schwert besaß einen besonders schönen Griff (Bronze mit Blattgold belegt - Kairo JdE  85854)
Nur der Griff (Hohe 16cm), der einem Falkenkopf aufweist, ist erhalten geblieben. Das Heft weist in überaus feiner Ziselierung ein Federmuster auf. 

Es fanden sich insgesamt bei König  Psusennes I. mindestens sechs Stäbe, die meisten fanden sich auf dem Boden des Rosengranitsarkophags. Der hauchdünne Blattgold-Überzug der Holzstäbe hat dem Zerstörungswerk der Jahrtausende getrotzt und die eleganten Formen ihrer kugeligen– oder lotosförmigen Knäufe bewahrt. Einer der am besten erhaltenen  Stäbe (Fundnummer 447), ahmte eine königliche Streitkeule nach, wie sie seit der Frühzeit in den symbolhaften Szenen erscheint. Die Inschriften und die kleinen Vignetten, die in diese Insignien ziseliert sind, preisen aber keineswegs die Stärke und Tapferkeit des Herrschers. Es sind vielmehr Darstellungen der Götter von Tanis, Amun, Mut, Sachmet und Chons, die dem König ihren Schutz gewähren. In den oben erwähnten Darstellungen ist der König zu sehen, wie er vor Amun räuchert. Der  Gott verleiht ihm dafür Leben, Heil und Gesundheit.

Weitere Überreste von Stäben:

Fundnummer                       Bezeichnung
438 Goldene  Stabhülle
443 Goldener Stabknauf
460 Silberne Gabel (Stabende)
464 Goldenes Rohr
474 Stabverzierung aus Gold
Inschrift:
njswt (-bijt?) HmnTr Tpj n Jmn PAsbAxaj.mnwt 

 

Dritter mumienförmiger Sarkophag
 - aus Silber mit Goldeinlagen -

In Anwesenheit von König Faruk wurde am 28.02  1940 der anthropomorphe Deckel des schwarzen Granitsarges geöffnet. Ein weiterer Sarg des Königs kam zum Vorschein. Es handelte sich um einen Sarg aus massiven Silber, mumiengestaltig, über und über ziseliert. Anders als die beiden anderen usurpierten Granitsarkophage ist der mumiengestaltige Silbersarg einzig und allein für König Psusennes hergestellt worden. Deckel und Sargwanne wurden in Treibarbeit hergestellt und vernietet. Sehr gut ausgeführte Ziselierungen überziehen die Oberfläche. Ziseliert sind die Streifen des Königskopftuches, der breite Blütenhalskragen, die Armreife, die hieroglyphischen Inschriften und die Schutzgottheiten, die den Körper mit ihren Schwingen einhüllen.

Silbersarg des Psusennes I.
(Kairo JE 85917 - Material: Silber und Gold, Länge 185 Meter)

Die Gesichtszüge sind idealisiert und erinnern an Königsbildnisse der Ramessidenzeit. Über der Stirn zieht sich ein Goldband bis zu den Ohren, die darüber befindliche Uräus-Schlange ist aus massiven Gold gearbeitet. Die Augen sind mit Glaspaste eingelegt und schwarz umrandet.

Der König trägt das Nemes-Kopftuch und den künstlichen Bart. Eine erhabene Linie um die Wangen imitiert den zur Befestigung des Zeremonialbartes verwendeten Riemen. In seiner vor der Brust überkreuzten Armen hält der König Krummstab und Wedel. 

Um den Hals trägt er den breiten Halskragen aus Blumenperlen, jedoch nicht mit Steinen oder Glasmasse eingelegt, sondern nur in das Silber eingraviert, der in nach oben gerichteten Lotosblumenmotiven endet. 
Der König wird auf dem ausgezeichnet erhaltenen Deckel des Silbersarges eingehüllt in Mumienbinden gezeigt. Im unteren Bereich des Silbersarkophages sind Isis und Nephthys abgebildet. Die beiden Schwestergöttinnen hatten die Aufgabe, den zum Osiris gewordenen Verstorbenen zu bewachen, zu beweinen und ihn auf seine Wiedergeburt vorzubereiten.

Das Innere des Sarkophages ist mit dem Bild der Nut verziert, die auf dem Symbol für Gold (nub) steht.
Auf Brust und Bauch sind drei Vögel mit ausgebreiteten Flügeln dargestellt, die sich bis auf die Sargwanne erstrecken. Die drei Vögel - jeweils mit einem Kopf eines Geiers, eines Widders und eines Falken - haben als Symbole der Ewigkeit Schen-Ringe in den Klauen. In zwei hieroglyphischen Textzeilen, die bis zu den Füßen herablaufen, richtet der König eine Bitte an die Göttin Nut:

"Gesprochen von dem Osiris, dem Herrn der beiden Länder, Aa-xpr-Ra,  Psusennes: O du meine Mutter Nut, breite deine Flügel um mich! Mache, dass ich unter den unzerstörbaren Sternen weile!"

Der König wollte also wie die Polarsterne werden, die nie verschwinden. Der restliche Platz auf dem Sarg ist mit feinem Federdekor verziert, dem Rischimuster. 

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Urheber: Jerzy Strzelecki   -  Originaldatei  -
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Bei der Öffnung des Silbersarges stellte Montet fest, dass Deckel und Sargwanne durch Zapfen und Bolzen zusammengenietet waren. Um die Nieten aufsägen zu können, "erweist es sich als nötig, beide zusammen mit Gurten anzuheben" (lt. Grabungstagebuch Montet). Als man dann am 1. März1940 versuchte, den Silbersarg aus dem zweiten Granitsarg zu heben, löste sich bedauerlicherweise der Boden der Sargwanne. Dies war der hohen Feuchtigkeit zuzuschreiben die in der Kammer herrschte und in den Sarkophag eingedrungen war, diese hatte den Boden des Silbersarges bereits von den Seitenteilen abgelöst und er war in zahlreiche Stücke zerfallen. So wurden Deckel und Seitenteile alleine abgehoben, während der Boden und der ganze Sarginhalt in der Granitwanne liegen blieben. Später wurde die Sargwanne im Magazin von Kairo sorgfältig restauriert.

Silbersarg :
Auf den Beinen des Deckels befinden sich zwei symmetrische Kolumnen mit demselben Text:

(Hieroglyphen-Abbildung: Karl Jansen-Winkeln/Inschriften der Spätzeit Bd. II.)

Goldmaske  - (Kairo JE 85913) -

Für den innersten Schutz der königlichen Mumie wurden die kostbarsten Materialien ausgewählt. Die Mumie des Königs ist "in Gold gekleidet". Das Gesicht der Mumie Psusennes I. war mit einer goldenen Totenmaske bedeckt worden und sein Körper liegt unter einem großen "Überwurf", einem ein Meter langen, ziselierten Goldblech, das ihn von der Brust bis zu den Fußknöcheln bedeckt. An Fingern und Zehen trägt er mit Ringen geschmückte Goldkappen. 

Die großartige Goldmaske Psusennes I. steht gleichrangig neben der  Tutanchamuns, unterscheidet sich aber von ihr durch ihre beeindruckende Schlichtheit.

     Goldmaske König Psusennes I.
    heute im Museum Kairo
JE 85913

Die goldene Totenmaske (Kairo JdE  85913) besteht aus Gold, Lapislazuli und Glasfluss (Höhe 48cm, Breite 38cm) und war aus 0,6mm starkem Goldblech in meisterhafter Arbeit getrieben. 

Bild:      Psusennes I mask by Rafaele.jpg
Autor:  
Larazone (MS Rafaele)
Lizenz:   Creativ Commons-Lizenz 
               Namensnennung 2.0 US-
               amerikanisch (nicht portiert)

Die goldene Mumienmaske Psusennes I. (Kairo JdE 85913) wurde auf die um die Mumie gewickelten Binden gelegt, um die Gesichtszüge des Verstorbenen und damit seine Identität für alle Ewigkeit zu bewahren. Sie ist mit dem würdevollen und zugleich entrückten Gesichtsausdruck die vollkommenste der vier Masken, die in Tanis entdeckt wurde. Sie besteht aus zwei genau zusammenpassenden Teile, die durch fünf auf der Innenseite umgebogene Goldnägel zusammengehalten wurden. Die nüchterne Eleganz, die dieses Stück auszeichnet ist typisch für die Arbeit aller Kunsthandwerker aus Tanis.  Mit höchster Sensibilität hat der Goldschmied bei diesem Meisterwerk tanitischen Goldschmiedekunst das Idealporträt des Königs gestaltet, das zeitlose Jugendlichkeit ausstrahlt und gleichzeitig strenge Erhabenheit. Die alten Ägypter glaubten, dass die Leiber der Götter aus Gold bestünden, deshalb garantierte dieses Metall dem König Unsterblichkeit und Zugang zur Unterwelt, Seite an Seite mit den Göttern. 

Auf dem breiten Brustteil der Maske, zwischen den Lappen des Kopfputzes, die beide Schultern bedecken ist ein breiter ziselierter „Usech“– Kragens zu sehen, der aus zwölf Streifen besteht, die Perlenschnüre imitieren, und drei breitere, mit Tropfen und Blumenmotiven verzierten Bändern.
Die Augen wirken mit ihren eingelegten Glaseinlagen besonders lebendig, die Augäpfel bestehen aus weißem Glas, während die Pupillen die Augenlider und die Augen-Konturen aus schwarzem Glasfluss gefertigt sind. Eine dünne Linie um die Wangen aus schwarzem Glas imitiert das Band zur Befestigung des Zeremonialbartes. Der mit einem kleinen Goldnagel am Kinn befestigte Götterbart ist in kunstvoller Gravur geflochten. Als Kopfbedeckung trägt der König das traditionelle "Nemeskopftuch" mit fein in das Metall ziselierten Streifen. Die Uräus-Schlange (Kobra)  bäumt sich drohend vor der Stirn auf. Ihr sehniger Leib ringelt sich oben auf dem Scheitel der Maske.

 Mumienplatte über dem Bauchschnitt:
 -
heute im Museum Kairo JE 85821 -

Bei der Mumifizierung haben die Einbalsamierer die inneren Organe durch einen Leibschnitt auf der linken Seite entnommen. Die Bauchhöhle wurde gereinigt und mit fäulniswidrigen Stoffen gefüllt. Der Schnitt wurde mit Fäden verschlossen und mit einer Auflage abgedeckt. Diese war im allgemeinen aus Wachs, aber man hat auch zwei Exemplare aus Gold gefunden, eins auf der Mumie von Psusennes I. und eins auf der seiner Mutter, Henuttaui. Die Platte sollte heilen, eine Narbe über den Schnitt bilden, den die Einbalsamierer gemacht hatten, und so verhindern, das negative oder böse Elemente in den Körper des Verstorbenen eindrangen. 

Mumienplatte aus Gold

Über dem Bauchschnitt, den die Balsamierer zur Entnahme der inneren Organe vorgenommen hatten, war eine rechteckige, mit getriebenen und nachziselierten Inschriften und Darstellungen versehene Platte (Paraschistentäfelchen) aus Goldblech angebracht – heute Kairo JE  85821.

Material:  Goldblech, 
Maße: Höhe 9,9cm; Breite 16,6cm; Dicke 0,07cm

Bild: mit frdl. Dank saamunra 2017
- alle Rechte vorbehalten - 

Die Mumie Psusennes I. erhielt eine mit getriebenen und nachziselierten Inschriften und Darstellungen versehene "Inzisionsauflage" aus Goldblech, die an vier Enden perforiert und über dem Bauchschnitt an den Mumienbinden aufgenäht wurde. Unterstrichen wird die Unheil abwehrende Bedeutung der Platzte durch die eingravierten Dekorationen, bei denen auch den kleinsten Details größte Aufmerksamkeit gewidmet worden war. Die "Mumienplatte" Psusennes I. ist mit einem "udjat"-Auge (ein Schutzsymbol nach altägyptischen Glauben) verziert, das körperliche Unversehrtheit garantierte und den Verstorbenen schützen sollte. Die Linien unter dem Udjat-Auge stellen die von dem Gott aus Schmerz und Trauer vergossenen Tränen dar und entsprechen dem Muster der Falkenfeldern. Das Udjat-Auge auf der Platte wird auf jeder Seite von zwei Gottheiten flankiert; sie sind stehend dargestellt und haben die Arme zum Zeichen der Anbetung erhoben. Die Figuren verkörpern die vier Horussöhne, welche als Schutzgötter der Eingeweide fungieren und sollten die in den Kanopen aufbewahrten inneren Organe des Verstorbenen schützen. Die Köpfe der vier Götter sind alle mit der königlichen Uräus-Schlange versehen und werden nach einer Tradition unterschieden, die sich während des Neuen Reiches bildete. 

  1. Hapi wird als Pavian dargestellt,

  2. Amser als Mann,

  3. Duamutef als Schakal

  4. und Kebebsenuef als Falke.

Die Namen der Horuskinder sind über ihren Köpfen in die Plakette eingraviert, neben der Kartusche, die den Thronnamen des Königs enthält: "Für den Osiris-König Psusennes Meriamun, der gerechtfertigt ist." Eine dünne Linie umrahmt die ganze Komposition. Die Horuskinder  tragen einen kurzen Plisseerock und den "usekh"-Kragen.  Die Löcher an jeder Ecke zeigen an, dass die Platte auf die Mumienbandagen genäht wurde. Breite: 9,9 cm; Höhe: 16,6 cm; D: 0.07 cm

Mumienbrett aus Gold

Eine Art Deckblech aus Gold, das die Wölbung des Brustteils der Maske aufnimmt, bedeckte Körper und Füße. Diese über 1 m lange Goldfläche zeigt als Grundmuster die Mumienbinden, außerdem weist sie Darstellungen und Texte auf, die denen am Silbersarg entsprechen.

Abgebildet sind Krummstab und Wedel, darunter die minutiös gravierte Darstellung eines großen Vogels, der mit ausgebreiteten Schwingen den Toten beschützt. Dieser Vogel, elegant in seiner ziselierten Zeichnung, trägt das Widderhaupt des Sonnengottes. Schutzformeln bedecken das Goldblech in seiner ganzen Länge von 1,25m und seiner Breite von 0,43m, in Höhe der Füße der Mumie wachen die Figuren von Isis und Nephthys über den König. 

Goldenes Deckblech

Pierre Montet fand im Silbersarg des Psusennes I. ein goldenes Deckblech, das die Mumie des Königs von der Brust bis zu den Fußknöcheln bedeckte. 

Diese über 1m lange Goldfläche zeigt als Grundmuster die Mumienbinden, außerdem weist sie Darstellungen und Texte auf, die denen am Silbersarg entsprechen.

Abgebildet sind Krummstab und Wedel, darunter die minutiös gravierte Darstellung eines großen Vogels, der mit ausgebreiteten Schwingen den Toten beschützt. Dieser Vogel, elegant in seiner ziselierten Zeichnung, trägt das Widderhaupt des Sonnengottes. Schutzformeln bedecken das Goldblech in seiner ganzen Länge von 1,25m und seiner Breite von 0,43m, in Höhe der Füße der Mumie wachen die Figuren von Isis und Nephthys über den König.      

Bild : mit freundlichem Dank saamunra
       - alle Rechte vorbehalten - 

In der Mitte der Platte befindet sich ein Udjat-Auge, das links und rechts von je zwei Horussöhnen in Adorationsgestus flankiert wird    rechts Duamutef und Kebechsenuef,  links Hapi und Amset, die Schützer der Eingeweide. Die Horussöhne sind mit einem Schurz bekleidet an dem ein Stierschwanz herabhängt, auf ihren Häuptern erhebt sich eine Uräusschlange. Über dem Udjat–Auge steht die Inschrift: „Für den Osiris–König Psusennes Meriamun, der gerechtfertigt ist “. Die Platte weist einen feinen Rahmen mit vier Löchern an den Ecken auf, mit denen sie einst an den Mumienbinden befestigt war.

 

Sandalen aus Gold:

 

Sandalen aus Goldblech
- Kairo JE 85842 - Länge 23,5 cm -

An den Füßen trug der König Sandalen aus Goldblech. Das Rosetten– und Fischgrätmuster auf den Sohlen entspricht ganz dem Muster auf den Sandalen, die 500 Jahre früher die Frauen aus dem Harim Thutmosis III. getragen hatten.

Bild: mit frdl. Dank saamunra
- Ausschnitt erstellt durch Nefershapiland -
         
- alle Rechte vorbehalten -

 

Halsschmuck

Der Silbersarg und die Goldmaske Psusennes I. tragen in feiner Ziselierung breite Halskragen. Dieser im Neuen Reich so gebräuchliche Schulterschmuck fehlte jedoch in der opulenten Schmuckausstattung der Mumie. Statt dessen trug die Mumie Psusennes I. bei ihrer Entdeckung drei mächtige Kolliers ähnlich jeden, die auf den Tempelwänden dargestellt waren. Die Verleihung des "Ehrengoldes" an verdiente Amtsinhaber in dieser speziellen Form als Halsschmuck ist häufig dargestellt. Auch in Tanis wird Psusennes auf einem Relief bei dieser Zeremonie gezeigt. Die hierbei überreichten Ehrenzeichen gleichen erstaunlich genau den ihm ins Grab mitgegebenen Exemplaren. 

Um den Hals der Mumie lag ein über sechs Kilogramm schwerer goldener Halsschmuck, der in seiner reichen Fülle und technischen Vollendung ein einmaliges Schmuckstück ist.

fünfreihiger Ehrengoldkragen Psusennes 
Kairo JdE  85751/ Fundnummer 483 - Material: Gold, Lapislazuli - 
Gesamtlänge: 64,5 cm - Durchmesser: 30 cm - Gewicht: 6315 gr. 
(einst vollständig, mit sechs Reihen hat er wohl ca. um 10.000 Gramm gewogen)

Der schwere Ehrengoldkragen, der um den Hals des Königs lag, setzt sich aus dem Kragen und einem Anhängerabschnitt zusammen. Ursprünglich bestand er aus sechs Reihen runder Goldscheiben (mehr als 5000 konnten geborgen werden, der Rest muss wohl schon vor der Bestattung des König verloren gegangen sein), doch konnte man aus ihnen nur noch fünf Reihen wiederherstellen.

Den Verschluss des Kragens bildet eine flache trapezförmige Schließe mit rundgebogenen Schmalseiten. Seine sechsfach perforierten Seitenblenden kamen nach der Entdeckung abhanden. Beide Seite des Verschlusses tragen die gleiche Darstellung: unter einem geflügelten Skarabäus erscheint die Kartuschen Psusennes I. in der Mitte ein papyrusförmiges Säulchen, unten und oben eingerahmt von zwei Kobrafriesen mit Sonnenscheiben auf ihren Häuptern. Auf der Vorderseite war der Dekor noch teilweise mit erhaltenen Lapislazulieinlagen versehen, während das Bild auf der Rückseite nur graviert ist. 

Am Verschluss hängt ein Bündel von geflochtenen Goldschnüren, 14 an der Zahl, die in goldenen Kapseln in Form von Blütenkelchen enden. In diesen Kapseln sind wiederum zwei geflochtene Goldketten mit Blütenkelchenden befestigt und in dieser zweiten Reihe wieder je zwei Ketten, so dass das untere Ende des Gehänges aus 56 Blütenkelchen aus getriebenen Goldblech mit geperlten Rändern besteht. Bedenkt man, wie rigoros die Überwachung des Goldes (von Kusch ?) in dieser Epoche, nach der Inflation der ausgehenden Ramessidenzeit, gehandhabt wurde, steht man sprachlos vor der Pracht dieses Geschmeides.
(
Text nach Gold der Pharaonen/W. Seipel/KHM-Ausstellungskatalog 27.11.2001-17.3.2002)

Bild: mit freundl. Dank saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

Psusennes besaß noch einen zweiten siebenreihigen Halsschmuck (Fundnummer 484), welcher dem ersten "schebju"-Kragen sehr ähnlich ist. Auch er lag um den Hals des Königs. Montet fand von diesem Kragen 110 Blütenanhänger unter dem Kopf der Mumie.

Goldkollier mit Königskartuschen und angehängten Ketten 
- Kairo JdE 85751 /Fundnummer 484 - Gold, Lapislazuli -
Gesamtlänge: 64,5 cm - Durchmesser: 30 cm

Datei:   Jewellry of Psusennes I by John Campana.jpg
Autor:  John Campana (Tutincommon)
Lizenz: Creative Commons Attribuzione 2.0 Generico

 

Dieser siebenreihige Halsschmuck besteht aus 5000 dünnen Goldscheiben und wiegt nicht weniger als 8000 Gramm. Der Verschluss aus Gold, Karneol, Lapislazuli und grünem Feldspat ist trapezförmig und ist mit feinen, ins Metall eingravierten Linien verziert und zum Teil mit Lapislazuli und Glasfluss eingelegt. Oben in der 6,2 cm hohen, mit Zelleneinlage verzierten goldenen Schließe,  befindet sich eine geflügelte Sonnenscheibe, welche die Kartuschen des Königs mit den Geburts- und Thronnamen von Psusennes I. schützt, denen seine königlichen Titeln vorausgehen und denen beschwörende Worte für den König folgen. Flankiert werden die Kartuschen von Bildern zweier sitzender Gottheiten: Rechts von der Kartusche ist der Gott Amun mit zwei langen Federn auf dem Kopf dargestellt. Er hält ein "Anch"-Zeichen (das Symbol für ewiges Leben) und ein "Was"-Zepter (Machtsymbol von Göttern und Königen) in den Händen. Links befindet sich die Göttin Mut. Sie hält die gleichen Zepter in den Händen und trägt die Doppelkrone Ober- und Unterägyptens sowie eine Uräusschlange an der Stirn. 

Auf der Rückseite der Plakette stehen die Königsnamen Psusennes I. in einer einzigen Kartusche, die sich in der Mitte befindet und von zwei Uräusschlangen flankiert wird. Die rechte Schlange trägt die weiße Krone und stellt die Göttin Nechbet dar, die linke trägt die rote Krone und stellt Wadjet dar. 

Die zehn als Gegengewicht dienenden Kettchen verästeln sich immer weiter und laufen schließlich in 98 blütenförmige Glöckchen aus - ein schillernder Strauß, der sich über den Rücken des Königs ausbreitete und bei jedem Schritt leise tönte.

Der dritte dieser "schebju"-Kragen besteht aus fünf Reihen mit zusammen 382 hohlen, scheibenförmigen Goldperlen. Diese Perlen wurden hergestellt, in dem man Goldblech in einer entsprechenden Form zu einem stumpfen Kegel von 1,25 cm Durchmesser hämmerte. Anschließend wurde der Kegel am Boden mit einem großen Loch versehen und mit einer zweiten Kegel längs der Mittellinie zusammengelötet. Vier Gruppen zu je fünf so entstandener Scheibenperlen sind fest miteinander verbunden und bilden die Stege. - Material Gold, Durchmesser ca. 20 cm, Montet Kat.-Nr. 482.

Der Verschluss besteht wieder aus einem trapezförmigen Kästchen von 6,5cm Länge. Auf seiner Außenseite wurde durch Treibarbeit ein Muster erzeugt, welches das netzartige Aussehen der Perlenschnüre nachahmt. Die Innenseite des Verschlusses ist glatt und trägt die ziselierten Namen und Titel des Königs. An der Unterkannte des Verschlusses finden sich sieben angelötete Ringösen. An ihnen war ein Steg befestigt, der das quastenartige Gegengewicht hielt, das leider verloren gegangen ist. Entwurf und Herstellung des Kragens zeugen von einem hohen Grad handwerklichen Könnens.

Ein weitere Halsschmuck des Königs  (ohne Abbildung) bestand aus zwei Reihen zylindrischer (Zylinderperlen) Stücke abwechselnd aus Gold und Lapislazuli. Ein Glied in der Mitte der äußeren Reihe weist die Form einer Kartusche auf und zeigt in blauer Einlegearbeit den Namen Psusennes und den Titel „Hoherpriester des Amun“ in der Kartusche  Kairo, JdE 85757 / Fundnummer 487(?) - Material Gold und dunkelblauer Lapislazuli; Maße: Länge 95,5 cm.

Es wurden zahlreiche Schmuckstücke an der Mumie Psusennes I. gefunden, u. a.  Ringe, Armreife, goldene Finger- und Zehenhülsen sowie sechs Pektorale, mehr als 30 Ketten mit Anhängern und sechs Perlenschnüre.

               Halskette Psusennes I.
             Kairo: JE 85755 - 85756
             
  - Maße der Kette:  56 cm -
Dieses Schmuckstück besticht durch seine Schlichtheit und seinem Material aus graublauem und weiß geäderten Lapislazuli, den die Ägypter aus dem Vorderen Orient importierten. Offenbar unterhielt Psusennes I. rege Handelsbeziehungen zu den Zentren, die Lapislazuli exportierten. Die Halskette besteht aus zwei Reihen Lapislazuliperlen in leicht abnehmender Größe, in der Mitte geteilt durch  je eine Perle aus Gold. Die äußere Schnur der Kette zählt 30 Perlen, die innere 26. 

Die Schließe der Kette besteht aus einer goldenen doppelten Kugelperle, die mit einem Flachteil verbunden sind, von 3,1cm Länge, in das die Kartuschen des Königs eingraviert sind: „ Psusennes, Hoherpriester des Amun “, eine Seite der Verschlussteile ist zur Befestigung der Schnüre durchbohrt.  

Bild: mit freundl. Dank Hans Ollermann - Flickr-Album
-
alle Rechte vorbehalten

Berühmtheit erlangte diese Kette durch eine der Lapislazuliperlen von besonders intensiver Färbung ohne Äderung, die eine exakt gravierte Inschrift in Keilschrift trägt. Diese Inschrift bestehend aus drei parallelen Textzeilen und besagt dass sie ein Geschenk des assyrischen Großwesirs  Ibach–Ilu / Ibaschschi–Ilu / IbaSSiilu an seine älteste Tochter namens "Napalta" war, der sie dem Schutz der Götter Enlil und Ninlil empfahl, den Gottheiten der Stadt Enlil nahe Assur gelegen. Niemand soll sie sich aneignen, weder durch einen Eid bei Gott oder dem König. 
          Beschriftete Perle - JdE 85756
         - Maße: Durchmesser 1,8 - 2,5 cm -

Aufgrund paläographischer und historischer Studien datieren Assyriologen diese Perle in das 14. bzw. 11. Jahrhundert v. Chr. Ungeklärt ist wie die Perle in den Besitz Psusennes I. gelangte.

Ein weitere Halsschmuck des Königs bestand aus zwei Reihen zylindrischer (Zylinderperlen) Stücke abwechselnd aus Gold und Lapislazuli. Ein Glied in der Mitte der äußeren Reihe weist die Form einer Kartusche auf und zeigt in blauer Einlegearbeit den Namen Psusennes und den Titel „Hoherpriester des Amun“ in der Kartusche  Kairo, JdE 85757/ Fundnummer 487(?). 

Material:  Gold und Lapislazuli - Maße:  Länge 95,5cm.

Goldene Finger- und Zehenhülsen:
- Kairo JdE 85822, 85826 und 85826 A - 

Nicht nur der Kopf, sondern auch Körper, Finger und Zehen der Mumie waren mit einer unvergänglichen schützenden Hülle bedeckt. Kunstvoll bandagiert wurden die Finger und die Zehen in goldene Hülsen gesteckt, die Finger- und Zehennägel mit nachziselierter Umrandung dargestellt. Die Fingerhülsen aus Gold besitzen eine Länge zwischen 5,5 - 5,8 cm. (Kairo JE 85822-85825, 8526A). Sie reproduzieren in präziser Ziselierarbeit die anatomischen Details wie die Fingernägel oder die Nagelhaut in Ritzumrandung nach. Alle Hülsen trugen einen Haltering, mehrere überdies Ringe mit Edelsteinen.

Ringe, Arm- und Fußreifen:

Über die goldenen Fingerhülsen waren nicht weniger als sechsunddreißig Ringe gestreift, mehr als von jedem anderen König erhalten blieben. Zumeist handelt es sich nur um einfache Goldreifen. Dieser neue Typus von Ring, (dünne, massive Goldringe, die auch auf die Zehenhülsen gesteckt waren) dienten wohl hauptsächlich zur besseren Befestigung der Finger und Zehenhülsen. Bei den anderen Ringen handelt es sich teils um Ringe mit drehbaren Zierplatten, Skarabäen oder Udjat– Augen, oder mit Inschriften, die den Toten unter den Schutz der thebanischen Göttertriade Amun, Mut und Chons stellen.

Ring mit drehbarer Ringplatte – Gold und Lapislazuli / Höhe 1,1cm, Breite 1,5cm.

Das Motiv der Ringplatte zeigt das Horusauge, ein Teil des Rings ist mit dünnem Golddraht umwickelt
                                -
Kairo, JdE 85824 B -

Bei zwei der links gezeigten Ringe handelt es sich um Fundnummer 566 und 570 (welche?)
Auf der Rückseite des Steins befindet sich  die Kartusche des ntr nfr (MrjjJmn  PA sbAxajmnwt)|.
Fundnummer

weitere Ringe aus der Bestattung des Königs

562 Ring
565-569-574-591 vier Ringe mit komplementären Inschriften
587 Ring - Inschrift auf Rückseite des Steins: (aAxprRa Stp.nJmn)
595 Ring - Inschrift auf Rückseite des Steins in sehr kleiner, kaum lesbarer Schrift:  
596 Ring -  mit Kartusche und Inschrift außen
597 Ring
umlaufende Inschrift: 
  jnswt (- bjt?) Hmntr  tpj  n  Jmn  PAsbAxamnwt

Den rechten Daumen schmückte ein als Miniaturarmreif gestalteter Ring, aus Goldblech getrieben und in Cloisonne–Technik verziert (heute in Kairo JdE 85222 A).Wie bei den großformatigen Vorbildern ist sein Dekor in senkrecht voneinander geschiedenen Feldern angeordnet. Vier enthalten mit Lapislazuli und Karnalin ausgelegte Rhomben und Vierecke. Zwei Königskartuschen auf Lapislazuli werden von von goldenen Perlschnüren eingefasst und heben sich von dem eingelegten Schachbrettmuster ab.

Am Körper des Königs wurden zahlreiche Schmuckstücke gefunden: darunter 26 Armreifen, zehn am rechten Arm und zwölf am linken Arm, zwei Bänder in Kniehöhe und zwei an den Fußknöcheln. Dazu mehr als dreißig Ketten mit Anhängern, sechs große Halskragen, sechs Pektorale, sechs Perlenschnüre und mehr als dreißig Anhänger sowie anderes.

Die große Anzahl von Armreifen zeigt überdeutlich, welche Bedeutung die alten Ägypter dieser Art Schmuck beimaßen.
Einige der Armreifen sind paarweise gearbeitet. Bei einem dieser paarweise gearbeiteten und getragenen Ensembles, gleichen Typs wie der Armschmuck des Priesterkönigs Pinodjem I. (siehe Kairo JdE  85912 – aus der Cachette in Deir el Bahari), sind die Reifen auf ihrer glatten Innenseite mit „Ost“ beziehungsweise „West“ beschriftet, was „links“ und  "rechts“ bedeutet, doch waren sie vertauscht auf die Arme der Mumie geschoben. Jeder Reif besteht aus zwei ungleichen Teilen, die Enden sind ineinander gesteckt. Die Schlichtheit der Zeichnung und die Harmonie der leuchtenden Farben fügen sich zu einer in dieser Zeit seltenen Eleganz.

Gelenkarmreif mit Verschluss
Aus dünnen Goldblech hohl hergestellt, sind diese Armreifen sehr leicht. Ihr Dekor verbirgt die gelöteten Nähte. Zwei Bänder ineinandergreifender Goldspiralen auf blauem Grund säumen eine Inschrift, die ebenfalls aus Gold in Lapislazulieinlagen, außen um den Reif läuft:
"Es lebe der König von Ober– und Unterägypten, Herr der Beiden Länder, Aa–cheper–Re, der Erwählte des Amun, mit Leben beschenkt ewiglich.  Der Sohn des Re,  Herr der Erscheinungen, Psusennes–geliebt-von–Amun, mit Leben beschenkt wie Re ewiglich“.

Zwei schlichte Armreifen eines Typs, der ansonsten unter königlichem Schmuck nicht vertreten ist, tragen Widmungsinschriften der Gemahlin Psusennes I. Jeder Reif ist in zwei Hälften gearbeitet, die jeweils aus sieben aneinander gelöteten hohlen Halbringen bestehen, abwechselnd glatt und gerippt. Auf der Innenseite des dritten und fünften Ringes sind folgende Inschrift eingraviert:

Oben: „König von Ober– und Unterägypten, Herr der beiden Länder,  Erster Prophet des Amun–Re–König–der– Götter,  Sohn des Re, (Psusennes–geliebt–von– amun)| “

Unten:  „Gemacht (von der) Ersten Großen Königsgemahlin seiner Majestät, Herrin der Beiden Länder  (Mut–nedjem)| “.

 

    Armreif von König Psusennes

heute in Kairo JdE 85760 - am rechten Arm des Königs  gefunden.

Material: Gold
Maße: Höhe 4,5 cm, Durchmesser: 6,9 cm,
Durchmesser der einzelnen Röhren 0,6 cm.
Gewicht: 128 Gramm
                                             

(Bild: Albert Shoucair)

Um den linken Arm der Mumie lag ein massiver goldener Armreif  - Kairo JdE  85772. (Äußerer Durchmesser 10,5cm, innen 6,5cm, Breite 3,2cm), der mit nahezu 1742 gr. Gewicht zu schwer war, um im Leben getragen zu werden. Vermutlich handelt es sich hierbei um einem Schmuck mit rein ritueller oder funerärer Funktion. Dieser Armreif, der im Profil die Form eines verlängerten Hexagons hat, geht auf einen Schmucktypus zurück, wie er bereits im Neue Reich ab der 19. Dynastie hergestellt wurde. Auf der Innenseite verläuft in feiner Gravur die Inschrift:

 „Worte zu sprechen von Amun–Re, König der Götter: 
Ich verleihe dir Stärke und Tapferkeit, auf dass du die Köpfe deiner Feinde schlägt  Der König von Ober– und Unterägypten,  Aa–cheper–Re, der Erwählte des Amun. Sohn des Re, Herr der Erscheinungen, Erster Prophet des Amun–Re, König der Götter, Psusennes–geliebt–von–Amun “.

Armband Fundnummer 548 – Ziegler/Stierlind, Tanis, 68 (32) - Kairo JdE 85772
 - (vergl. Jansen-Winkeln: Inschriften der Spätzeit, Bd. II.) -

Am rechten Arm der Mumie befand sich das kleinere Gegenstück des obigen Armreifs - ebenfalls mit einer Segensformel, aber diesmal ausgesprochen von Mut, der Gemahlin Amuns (Fundnummer 540)

*

Unter den 26 Armreifen König Psusennes I. fällt einer durch den Reiz seines unkomplizierten Stils auf. Es handelt sich um einen zylindrischen Reif aus einem Stück Goldblech getrieben, (ohne Verschluss) der unten und oben leicht verdickt ist. Er bezieht seinen Reiz vom funkeln der bunten Steine, die direkt in das Gold des Reifs eingesetzt sind. Außen um den Reif läuft zwischen zwei mit Feldspat ausgelegten Rillen ohne weiteren Zierat eine Inschrift in großen, einprägsamen Hieroglyphen:

„ König von Ober– und Unterägypten, Herr der Beiden Länder, Herr der Stärke/Schwertes, Erster Prophet des Amun–Re–König – der–Götter, (Psusennes–geliebt–von–Amun)| mit Leben beschenkt “.

 

         Armreif Psusennes I.
Fundnummer 538: Rebus – Armreif  
Gold, Lapislazuli, Kornalin, Feldspat,
H. 3,5 cm; äußerer Durchm. 12,2cm.

Als Zentralmotiv hebt sich ein markantes Udjat–Auge heraus, das sich zusammen mit einem Pavian als Rebus für „König “ in das Epitheton des Amun–Re „König der Götter“  eingefügt.  Auf der glatten Innenseite verlaufen in entgegengesetzter Richtung zwei fein ziselierte Königstitulaturen mit gemeinsamen Anfang: 

„ Es lebe der vollkommene Gott, mit furchtbarem Arm, und tapferem Herzen wie Month zu seiner Stunde, der König von Ober– und Unterägypten A –cheper–Re, der Erwählte des Re ewiglich. Es lebe der vollkommene Gott, Herrscher aller Freude, der Herr, auf den man stolz sein kann, der Sohn des Re, Psusennes–geliebt–von–Amun, der ewig lebt !“.

 Armband Psusennes I. - Kairo JdE 85779

Material: Gold, Lapislazuli,
Höhe: 3.6 cm - Länge 21,5 cm
In Einzelteile zerfallen, konnten zwei identische Armbänder im Kniebereich der Mumie geborgen werden. Aufgrund ihrer Lage in der sie Montet fand, nahm er an, sie wären kurz unterhalb der Knie getragen worden. In ähnlicher anatomischer Position wurden jedoch auch bei Tutanchamun Armreifen gefunden, so dass man mit Sicherheit auch bei Psusennes I. davon ausgehen kann, dass es sich hier um ein Paar Armbänder handelt. 

Ein jedes hat vier rechteckige goldene Platten zeigt die Kartuschen König Psusennes I. auf lapislazuliblauem Grund. Auch die Rückseiten sind beschriftet: „Gemacht von Hohenpriester des Amun, Nes–ba–neb–djed (Smendes)“. 
Dazwischen liegen jeweils vier bewegliche mondsichelförmige Glieder, abwechselnd aus Gold und goldgefasstem Lapislazuli. Diese Mondsichelglieder verbinden die Armgänger mit den Armreifen zu einem Ensemble.

 

Fundnummer                        weitere Armbänder aus der Bestattung Psusennes I.
598/599 Kompositions-Armbänder
524/558 mit Inschrift:  Inschrift auf der Rückseite des Steins: "Mut, die Psusennes-meriamun beschützt."
543/547 Armband
551 Armband
552 Armreif mit drei Herzen - Kartusche auf zwei der Herzen
554 Armband: auf Rückseite des Steins die Kartusche Psusennes I. 
600/601  Außen Thronname (aAxprRa)|, innen Stiftungsvermerk vom Hohenpriesters des Amun, Smendes II.  Sohn des Menkheper-re 
Kairo JdE 85764 Ein weiterer Armreif besteht aus dickem gedrehten Golddraht und weist einen Durchmesser von 5,8cm auf. Als einziges Schmuckelement weist er eine einzelne tonnenförmige Achatperle auf.

 

Ensemble Paar Arm- und Fuß-Reife

                             - Kairo JdE  85781 - Fundnummer.: 600/601 -
Außen: Thronname (aAxprRa)|,  (Aa-cheper-re)  
Innen:   Stiftungsvermerk vom Hohenpriesters des Amun
, Smendes II., 
Sohn des Menkheperre.
Smendes II., Sohn des Menkheperre. 
 
(Quelle: Inschriften der Spätzeit: Karl Jansen-Winkeln, Bd. II.)

Material: Gold, Lapislazuli und Karneol - Höhe: 5,5 cm; max. Innendurchmesser 6,6 cm

Ein ungewöhnliches Ensemble bilden je ein Paar Armreife und Armbänder, die identisch sind mit zwei Fußreifen, die man in der korrekten Position an den Fußgelenken des Königs fand.

Die beiden identischen Armreife/Fußreife haben die Form eines nach unten sich leicht  erweiternden Zylinders aus zwei ungleichen Hälften. In der kleineren, einer etwa quadratischen goldenen Platte, ist der Thronname in Lapislazuli- und Karneoleinlagen eingelegt. Man sieht den geflügelten Skarabäus, der eine Sonnenscheibe vor sich her schiebt, darunter die Hieroglyphe aa, die von zwei Uräen flankiert wird. Das gesamte Ensemble bildet den königlichen Thronnamen Aa-cheper-re. Entlang des oberen und unteren Randes verläuft ein Fries aus kleinen Lapislazuli und Goldperlen. 

Das zentrale Teil ist an beiden Seiten durch Scharniere mit dem Restreif verbunden, der mit waagerechten Halbmonden abwechselnd aus Gold und Lapislazuli verziert ist. An der Innenseite befinden sich eine Widmungsinschrift des Hohenpriesters des Amun Smendes II. und Sohn des Hohenpriesters des Amun zu Karnak Men-cheper-re.

„Gemacht vom Ersten Propheten des Amun, Smendes, Sohn des Men–cheper–Re“.

Königliche Pektorale:

Sechs Pektorale fanden sich auf der königlichen Mumie, zwei in durchbrochener Goldarbeit in Kapellenform mit Emaileinlagen, vier mit geflügelten Skarabäen mit farbigen Mustern.

Pektoral aus Gold:
heute in: Kairo JdE 85786/Fundnummer Montet 506
Höhe des Pektorals: 12 cm


Beim ersten Pektoral in durchbrochener Arbeit aus Gold, mit bunten Einlagen, Höhe 12cm - wurde die traditionelle Form in Gestalt einer kleinen Kapelle, oben mit Hohlkehlenbekrönung gewählt. Trotz der Vielfalt an Einzelheiten, die sich alle auf die Wiedergeburt des toten Königs beziehen, ist die Gesamtkomposition harmonisch und wirkt durch die durchbrochene Arbeit und die farbenreiche Zelltechnik ausgesprochen leicht.

Die Rückseite zeigt das gleiche Motiv wie die Vorderseite jedoch hier in das Goldblech ziseliert. 

Die Göttinnen Isis und Nephthys, gekennzeichnet durch ihre Namenshieroglyphe, schützen mit ihren ausgebreiteten Flügelarmen die beiden Kartuschen des Königsnamens, die als Flügel eines in der Mitte befindlichen Skarabäus fungieren. Der Skarabäus erhebt sich auf einem Djed-Pfeiler. Links und rechts zwischen Kartuschen und Flügelarmen befinden sich Shen–Ringe. Über jeder Göttin befindet sich ein Udjat-Auge mit Uräus.

Die nur 2cm hohe Basis des Pektorals zeigt zweimal den verklärten Toten, wie er einmal mit Osiris in einer Barke sitzt und den Gott rudert, das andere Mal rudert er den Phönixvogel, Symbole der Ewigkeit. Die zugehörige Kette des Pektorals besteht aus einer Doppelreihe tropfenförmiger Glieder, abwechselnd in Gold und Lapislazuli. Das Gegengewicht des Schmuckstücks zeigt in Zelltechnik ein Pflanzenmotiv.  

 

Pektoralanhänger 
heute in: Kairo: 85796 - 85791 - 85795 Fundnummer: 505 
Höhe des Pektorals: 13,8 cm; B: 13,5 cm; Stärke 0.7 cm
 -  Material: Gold, Lapislazuli, Feldspat, Roter Jaspis  -

Das zweite Pektoral Psusennes I. ist dem oben beschriebenen in gewisser Weise ähnlich.
Wieder heben die Göttinnen Isis und Nephthys (diesmal ohne Flügelarme) dem in der Mitte befindlichen geflügelten Skarabäus zum Himmel empor. "Ich bin gekommen, um dein Schutz zu sein", verkünden die beiden Göttinnen. Der Skarabäus aus Lapislazuli erhebt sich auf der Kartusche mit dem Königsnamen  „Psusennes, geliebt von Amun“. Darüber schwebt die geflügelte Sonnenscheibe, von der Uräen herabhängen, dazwischen die Kartuschemit dem Thronnamen des Königs „Aa–cheper–Re  setpen–Amun“.  Das Ganze ist wieder von einer Kapelle mit Hohlkehle umschlossen. Das Pektoral ist in feinster Zelltechnik ausgeführt, Figuren, Skarabäusflügel, Schwingen der Sonnenscheibe, Kapelle, ebenso die Basiszone, in der sich verschiedene Symbole der Wiedergeburt der Sonne abwechseln (Djed–Pfeiler und Isisblut, darüber Sonnenscheiben).
Die Rückseite des Pektorals zeigt das gleiche Motiv wie die Vorderseite, nur diesmal in das Goldblech ziseliert. Der Skarabäus zeigt auf seiner Unterseite die Königskartuschen mit ihren zugehörigen Titeln darüber. Die Kette des Pektorals besteht aus einer Doppelreihe goldener und schwarzer tropfenförmiger Glieder mit einer Länge von 41cm.

Vier Pektorale des Königs zeigen das Motiv des geflügelten Skarabäus. Jedes der vier Stücke hat seinem eigenen Charakter und legt damit Zeugnis ab von der Kreativität der ägyptischen Künstler.

  Pektoral in Form eines geflügelten Skarabäus  -
heute in: Kairo: JE 85788 - 85799
Maße Anhänger: H. 10,5 cm, B. 12,5 cm, 
Skarabäus: Höhe 6,5 cm, Breite 4,5 cm
Material: Gold, roter und grüner Jaspis, schwarzes, rotes und blaues Glas, grüner Feldspat
Gegengewicht: H. 4 cm; B. 2,5 cm, Kette: Länge 42 cm

Länge der Kette: 42 cm
Fundnummer Montet: 510

Im Silbersarg lag ein prächtiger, kunstvoller Brustschmuck, der außerdem noch andere Stücke in schöner Goldschmiedearbeit enthielt, direkt auf der Mumie Psusennes I. Das Hauptthema ist, wie auch bei den anderen Pektoralen, die Wiedergeburt der Sonne - dargestellt in Form eines geflügelten Skarabäus aus grünem Jaspis - auf ihrer endlosen Reise. Er trägt über dem Kopf die königliche Kartusche mit dem Namen „Psusennes, geliebt von Amun“ anstelle der traditionellen Sonnenscheibe und ruht auf einem "shen-Ring".

Hieroglyphen und Flügel des Skarabäus sind aus bunten Einlagen gefertigt. Im ziselierten Dekor der Rückseite aus Goldblech ist jede Hieroglyphe des Könignamens ein kleines Meisterwerk. Die Unterseite des Skarabäus trägt das 30. Kapitel des Totenbuches, welches das Herz des Toten beschwört, beim Totengericht nicht gegen ihn auszusagen.

Das Gegengewicht (menkhet) in Blütenform ist ebenfalls mit bunten Einlagen geschmückt, die Kette zum Umhängen besteht aus tropfenförmigen Gliedern, abwechselnd in Gold, Lapislazuli und einem roten Stein (?) in Doppelreihe.

 

Pektoral  in Form eines geflügelten Skarabäus
heute in:  Kairo Inv. Nr. 85790 - Fundnummer Montet: 508 -
B: 11,1 cm, H. 10.1 cm. 
Länge der Kette: ca. 92 cm
Material: Gold, Granit, roter Jaspis, Lapislazuli, hellgrüner Feldspan


Ein zweites Pektoral dieser Art gleicht dem oben beschriebenen aufs Haar, ist jedoch nicht
ganz so meisterhaft gearbeitet. Ein großer Herzskarabäus mit Flügeln aus blaugrauem Granit hängt an einer aus Golddraht geflochtenen Kette. Die Flügel des Skarabäus sind mit bunten Einlagen versehen, roter Karneol und tiefdunkelblauer Lapislazuli.  An der schmalen Goldfassung der Unterkante sind vier zusätzliche Elemente angelötet. Am Körperende des Skarabäus ist ein "Schen"-Ring mit Einlagen aus hellem Feldspat angesetzt, der die Sonne aus Karneol umfasst. Dieser Schen-Ring ist Symbol für die zyklische Wiederkehr der Sonne und für die Ewigkeit. Eine liegende Kartusche, welche die Flügel miteinander verbindet, ist als Kopf des Skarabäus eingesetzt. Sie trägt den Eigennamen des Königs: "Psusennes, geliebt von Amun". Die Hieroglyphen sind aus Lapislazuli in den Goldgrund eingelegt. Üblicherweise befindet sich anstelle der Kartusche, die Sonnenscheibe, die Cheper in Gestalt des Skarabäus an Morgen emporhebt. 

Der Skarabäus besteht aus blaugrauem Granit und trägt auf der Unterseite einen magischen Text in acht Zeilen, der in linksläufigen Kursivhieroglyphen eingraviert ist. Hier wird das Herz Psusennes in verschiedenen Seinsformen und sein Ba mit allen Möglichkeiten der Bewegung angesprochen.

Herz des Osiris, des  König, des Herrn der beiden Länder Aa–cheper–Re   Setep–en– Amun, Sohn des Re Psusennes, geliebt von Amun. Er sagt: Mein Herz ist das Herz des Re, das Herz des Re ist mein Herz, mein Hat–Herz gehört mir, so wie meine Gestalt, mir gehört mein Herz, ruht in mir, mein Ba geht heraus gemeinsam mit dem Leib, er steigt auf zu jedem Ort, den er wünscht, er tritt ein in den Himmel [ ..... ].“

Die Mumie Psusennes I. wies elf Herzskarabäen von sehr ähnlicher Art auf. Amulette in Form eines IbHerzens, das in der altägyptischen Vorstellung zufolge als Sitz des Verstandes galt, besaßen im Zusammenhang mit dem Jenseits und dem damit verbundenen Jenseitsgericht eine besondere Bedeutung für den Toten. 

          Amulett in Form eines Herzens

Ein sehr schönes Exemplar dieser Gattung bestehend aus tiefblauem Lapislazuli und ist teilweise mit Goldblech überzogen. Oben ist eine waagrechte zylindrische Aufhängeöse angearbeitet, deren Enden in Gold gefasst sind. Auf der Vorderseite ist der Sonnengott schreitend, das Was–Szepter und ein Anch–Zeichen haltend, in drei verschiedenen Gestalten abgebildet. Als Gott Re mit Falkenkopf und Sonnenscheibe, als Atum mit Pschent–Krone und als Chepri mit dem Skarabäus auf dem Kopf. Rechts davor steht die Kartusche mit dem Geburtsnamen Psusennes I.  Links davon zwischen Kartusche und Götterdarstellungen sind drei Schriftzeichen untereinander angebracht, die „zum Schutz von“ lauten.

                                  Die gesamte Inschrift ist demnach zu lesen:             
„Re, Atum, Chepri sind zum Schutz für den Sohn des Re, Psusennes“.
Material: Lapislazuli und Gold -  Höhe: 4,7 cm,
Ägyptisches Museum Kairo, Inv.-Nr.: 85804; Fundnummer Montet: 519                                  

Weitere Amulette, die auf der Mumie des Königs gefunden wurden, bestanden aus dünnem gepresstem Goldblech. Sie sollten dem Schutz der Mumie dienen. Ihre Höhe beträgt zwischen 3 cm und 4 cm. Als Motiv dienten Falken, Geier, Kronengöttinnen und Seelenvögel. Die Amulette stellen in Miniatur große Halskragen oder Pektorale mit ihren Gegengewichten dar. Die Innenzeichnungen sind fein ziseliert. Auf der Rückseite befinden sich winzige Ringe, die der Fixierung der Amulette mittels eines Fadens auf den Binden diente (heute in Kairo: JdE 85820=SR 8487; Kairo JdE  85815=SR 8482 u. a.). Amulett  JdE 85820 stellt einen Falken mit Menschenkopf dar, der den Ba des toten Königs darstellt, der in seinen Fängen "Shen"-Ringe hält. und Amulett JdE 85815 stellt die Kronengöttinnen Nechbet und Uto dar, wobei auch Nechbet einen ShenRing hält. Die beiden anderen stellen einen Falken und einen Geier dar.

Eine funkelnde Karneolschlange an einem Golddraht lag um den Hals der Mumie. Man sah in ihr die Personifikation eines Schutzgeistes an den Toren des Jenseits. Der Schlangenkörper misst 6 cm in der Länge, ihre Augen waren eingelegt. 
Fundnummer Montet: 626 - Kairo JdE800
Material:  Gold, Karneol und Obsidian,
Maße:       Länge des Golddrahts 75 cm, Schlangenkörper 6 cm

Die Ausgräber benötigten die Zeit vom 3. 3. 1940 bis zum 7. 3. 1940. um all die Schmuckstücke, die auf der Mumie des Königs lagen, zu bergen.

Kanopen des Königs:

Nach altem Brauch waren die Eingeweide Psusennes I. in vier Kanopengefäße aufbewahrt und nicht in den Körper zurückgelegt, wie dies zu gleicher Zeit bei den Mumien im thebanischen Raum geschah. Kanopen nennt man die Krüge, die Leber, Lunge, Magen und Eingeweide enthalten, welche man dem Leichnam während der Mumifizierung entnommen hat.

Die vier unversehrten Kanopen entdeckte man vor dem rosaroten Granitsarkophag auf dem Boden. Dort befanden sich auch andere Gegenstände der Grabausstattung:

ein Tierskelett in einem Holzsarg, 

ein Alabastergefäß mit Henkel, 

Uschebti aus Alabaster und Bronze

 sowie einige kleine Werkzeuge die zu den Uschebti gehörten.

Die aus Kalzitalabaster (mit Blattgold) Dahergestellten Kanopen (Kairo JdE  85915, JdE  85914, JdE  85917, JdE  85916 zeigen die Köpfe der vier Schutzgötter, die über die Eingeweide wachen, die Horuskinder: Amset mit Menschenkopf, Hapi mit Affenkopf, Duamutef mit Schakalkopf und Kebehsennef mit Falkenkopf. Die Horuskinder werden wiederum von den Göttinnen Isis, Nephtys, Neith und Selkis bewacht.

Die Kanopen aus Kalzitalabaster mit den Köpfen der vier Schutzgötter
- hier im Bild: links Hapi mit dem Paviankopf (JdE 859167) - Höhe 39 cm;
- rechts: Amset mit Menschenkopf (JdE 85914) - Höhe 43 cm -

Bild: mit frdl. Dank Hans Ollermann
- alle Rechte vorbehalten -

Kanopen treten in der Grabausstattung ab dem Mittleren Reich auf. Die Deckel wurden aber erst ab der Ramessiden-Herrschaft in Gestalt der Horuskinder gefertigt. Die Kanopendeckel von Psusennes sind mit einer feinen Goldschicht und mit blauer Glaspaste überzogen. An der Stirn der vier Horuskinder sitzt eine Uräusschlange aus vergoldeter Bronze. Die Kanopengefäße tragen jeweils eine vierspaltige Hieroglypheninschrift, die jeweils eine Göttin und ein Horuskind einem Gefäß zuordnen. Isis und Amset dem Menschenkopf, Nephthys und Hapi dem Paviankopf, Neith und Duamutef dem Schakalkopf und Selkis und Kebehsenuef dem Falkenkopf.

Uschebtis des Königs:

Uschebtis (auch Shabti oder Schawabti) sind kleine Statuen mit meist mumienförmiger Gestalt, die im alten Ägypten seit der I. Zwischenzeit dem Verstorbenen ursprünglich als eine Art Ersatzkörper für den Fall, dass seine Mumie zerstört oder beschädigt wurde, mit ins Grab gegeben wurde. Diese frühen Uschebtis tragen nur kurze Inschriften mit Name und Titel des Verstorbenen. Seit der 13. Dynastie trugen die Uschebtis erstmals eine längere Aufschrift, die sich in den verschiedensten Varianten bis zum Ende der pharaonischen Zeit erhält. Dieser sogenannte Uschebti-Spruch - "ein Uschebti Arbeit leisten zu lassen im Totenreich" - schildert Zweck und Aufgabe der Totenfigur und macht deutlich, dass sich diese vom Abbild des Toten zu seinem Stellvertreter gewandelt hat. Das Wort "Uschebti" bedeutet wahrscheinlich "Antworter", weil der Verstorbene in den jenseitigen Gefilden zur Arbeit aufgerufen wurde und stattdessen der Uschebti "antworten sollte, d. h. er nahm dem Verstorbenen alle unangenehmen öffentlichen Arbeiten ab. Die Uschebtis waren die "Stellvertreter" des Verstorbenen, die an Stelle dessen die Befehle des Gottes auszuführen hatten.

In der Bestattung Psusennes I. fanden sich mindestens 167 Arbeiter- und 7 Aufseher-Uschebtis (sog. "Reis"-Uschebtis) aus Bronze, die ursprünglich zusammen mit Modell-Gefäßen und -Geräten in zwei Holzkosten deponiert waren, welche aber aufgrund der Feuchtigkeit zerfallen waren. Bronze wurde als Material damals nur selten für die Herstellung von Uschebtis verwendet. Vermutlich enthielten beide Behältnisse zusammen mit den Uschebtis aus glasierter Quarzkeramik zwei Sets aus jeweils 365 Arbeiterfiguren und 40 Aufsehern. 

Eine senkrecht verlaufende Hieroglypheninschrift, in welcher der Geburtsname von Psusennes I. enthalten ist, befindet sich unterhalb der verschränkten Arme der Figur.  Alle  (bis auf die 2. rechte inschriftlose Aufseher-Figur auf dem unteren Bild)  tragen die Aufschrift: "Osiris, König Pa-sib-cha-niut-meri-Amun" (Der Stern, der in der Stadt  [Theben] erschienen ist, geliebt von Amun).

    Uschebti-Figuren Psusennes I. aus Tanis
Die drei ersten (linken) Figuren stellen Arbeiter-Uschebtis dar. Sie halten Hacken in den Händen. Die beiden rechten Figuren stellen Arbeitsgruppenführer (Aufseher) dar, erkennbar an den vorspringendem Mittelteil des Schurzes und der Peitsche in den Händen. 
heute in: Sammlung Kofler-Truniger, Luzern
Material: Kupervollguß
Maße:    
  Höhe 7,5 - 7,8 cm 
(Bild: MÄS 5 1964 H.-W. Müller)

 

Bronze Uschebti Psusennes I.
 Britisches Museum EA68526
- Herkunft Tanis/Grabung Montet -

Bronze Ushebti mit einer sog. dreiteiligen Perücke und gekreuzten Armen, in denen er landwirtschaftliche Geräte hält. Im unteren Bereich befinden sich hieroglyphische Inschriften. Auf dem Rücken trägt er einen Saatgut-Korb.
Inschrift: Wsjr nsw mr-Imn PA-sbA-xa-n-Njwt
- Psusennes I. -
H. 7,46 cm; Breite 2,26 cm; Tiefe 1,73 cm

Bronze-Uschebti Psusennes I.
Country Museum of Art, Los Angeles
M.80.198.39

Geschenk von Frank J. und K. Victoria Ferlitta
 Material: Bronze,
Maße: Höhe 8,3 cm; Breite 2,6 cm.



Foto: @Trustees of the British Museum 
CC BY-NC-SA 4.0)
Order Nr.: FI 000888681
File:  Shabti with birth-name of king Psusennes 
Autor: Ashley Van Haeften
Lizenz: CC BY-2.0

 

Zwei Arbeiter-Uschebtis Psusennes I.
aus Bronze/Kupferlegierung aus Tanis
Höhe: 7,5 cm

Accession-Nr. 48.160.3

Bild: MMA shabti of psusennes I 558557
User: Metropolitan Museum New York
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0 "Fair use"

Auch im Museum Kairo befinden sich Uschebtis aus der Bestattung König Psusennes I.(JdE 85920N und JdE 85920 - Höhe: 14,3 cm und 13,5 cm) aus bemalter Fayence. Auf der unteren Hälfte der Figuren befindet sich der Totenbuchspruch Nr. 6. 

Im Louvre-Museum in Paris befinden sich  weitere Uschebti aus der Bestattung Psusennes I.. - u. a. eine Figur aus Bronze (Louvre  E 25435) und eine Figur aus Kupfer.

Ein bronzener Uschebti, der aus der Bestattung Psusennes I. in Tanis stammt, befindet sich heute in der altägyptischen Sammlung des Übersee-Museum Bremen (siehe Philipp v. Zabern-Verlag / Waldemar Koch-Stiftung/Aus Gräbern, Heiligtümern und Siedlungen 2015).

Des weiteren befindet sich ein Arbeiter-Uschebti aus Bronzvollguß im Museum Leiden (Inv. F 1960/9.15). Er ist 7,8 cm hoch und 2.4 cm breit. Die Inschrift lautet: Osiris, König Psusennes-Meriamun. Auch er stammt wie die anderen Uschebtis aus dem Königsgrab in Tanis.

Während des II. Weltkrieges wurde 1943 das Magazin in Tanis, in dem die Uschebtis aus dem Grab gelagert waren, geplündert. Zahlreiche Figuren aus Bronze und glasierter Quarzkeramik gelangten über den Kunsthandel in die Sammlungen verschiedener Museen in der gesamten Welt sowie in Privatbesitz. 

Kultgeschirr:

Bei der Öffnung der Sargkammer des Psusennes I. in Tanis erblickten die Ausgräber vor dem schweren Sarkophag aus Rosengranit großartiges Gold- und Silbergeschirr, das für den ewigen Gebrauch im Jenseits angefertigt war. Sechs der 20 Metallgegenstände aus dem Begräbnis Psusennes I. waren um den Sarkophag angeordnet. Die anderen 14, darunter auch die Opferschale (Kairo JdE  85905/Fundnummer 404), waren in Gruppen auf dem Boden der Sargkammer, zwischen den Uschebti und der Südwand der Kammer verteilt. 

                    Opferschale Psusennes I.
             -  Kairo JdE 85905/Fundnummer 404 -
Material: Silber und Gold; 
Maße: Durchmesser 15,2 cm
                   Opferschale Psusennes I.
                         -  Kairo JE 85904  -
Material: Silber und Gold; 
H. 3,6 cm - Dm 17 cm
Diese Opferschale aus der Bestattung Psusennes I. ist ein bemerkenswertes Kunstwerk. Sie hat die Form einer Halbkugel, in deren Mitte ein Goldnagel angebracht ist. Vier weitere Goldnägel sind oben am Rand befestigt. Gegenüber befindet sich eine Hieroglypheninschrift in einer Kartusche: "(Es lebe der vollkommene Gott, der Herr der Beiden Länder, der Hohepriester des Amun    Psusennes)|“           

 

 

 

Die Silberschale mit dem Namen von Psusennes ist ein sehr bemerkenswertes Kunstwerk mit ungewöhnlichem Dekor: auf dem Boden breitete sich  eine Rosette aus acht Blüten und acht Lotosknospen aus. Daraus steigen zwanzig gebrochene Linien empor, die sich geschwungen unter dem Rand wieder zusammenfügen. Der bewegliche Goldhenkel läuft durch die beiden breiten Ringe einer angeschraubten, in der Mitte gewölbten Platte, deren beide Enden die Form von Palmetten haben. Die Titulatur Psusennes ist auf der Gegenseite unterhalb des Randes zu lesen. In der Bestattung von Wendjebau-en-djed, dem Obersten der Bogenschützen des Königs, fand sich eine ähnliche Silberschale, die ein Geschenk des Königs an ihm war.

Kultgeschirr Psusennes I. im "Tanis-Raum" des Kairo-Museum

- Bild: mit frdl. Dank saamunra - alle Rechte vorbehalten

 

Kultgeschirr aus Gold 
aus dem Grab König Psusennes I.
 in Tanis

Goldene Karaffe: (oben Mitte):
Kairo JdE 85892/Fundnummer 396
Material: dünnes Goldblech
Maße:  Höhe 38 cm 
Dieser elegante, goldene Wasserkrug ist eines der schönsten Stücke aus dem Tafelgeschirr des Königs. Der flache Boden des Krugs schwillt nach oben hin leicht glockenförmig an, bevor er dann in einen langen, schlanken Hals endet, der sich oben zu einer Papyrusdolde mit fein ziselierten Blättern erweitert. In dem Gefäßkörper sind die Kartuschen des Königs eingraviert: 
"Der König von Ober– und Unterägypten, (Aacheperre Setepenamun)|, Sohn des Re, Herr der Kronen (Psusennes  Meriamun)|". (Quelle:Ägypt. Museum Kairo, Nat. Geograph. Art 2001)

 

Bild: Mit frdl. Dank saamunra

Goldene Vase (oben Mitte)
Kairo 85896/Fundnummer Montet 399
Material: Goldblech
Maße: Höhe 7,6 / 7,7cm; Durchmesser 9cm; Durchmesser Hals 6.3cm; Durchmesser Boden 5 cm;
Diese Vase mit einem herzförmigen Bauch ist geschmückt mit 24 ovalen Auswölbungen. Der Gefäßhals trägt in seiner glatten zylindrischen Zone vier eingravierte Kartuschen, die jeweils paarweise aufeinander ausgerichtet sich. Die Inschrift lautet von rechts nach links: 
"
(Psusennes–geliebt von Amun)| und (Aa–cheperRe  Setepen–Re)|,"
Die zwei anderen gehören der Mutter König Psusennes I. 
"Verehrerin der Hathor, Henuttaui"
und "Göttliche Mutter des Chons". 
Einzigartig ist, dass die königliche Mutter hier zwei Kartuschen statt der gewöhnlichen Einzelkartusche erhält. 
(Quelle: Katalog Gold der Pharaonen, S. 113 KHM, Wien, 2001)

Goldener Becher/Schüssel Psusennes I. (rechts unten)
 - Kairo JdE 85893/Fundnummer 367 (?) - 
Material: Gold - Höhe 17 cm; Dm 10,2 cm  
Dieser Becher mit flachem Boden und sich nach oben erweiternden Seiten erinnert in der Form an eine Lotusblume. Die schlichte Form des Bechers steht im Kontrast zu dem dreigeteilten Stängel, der oben am Rand des Bechers eine elegante, durchbrochene Lotosblüte bildet und an der Unterseite in einer kleinen Palme endet. Der Griff ist mit drei goldenen Nieten am Becher befestigt. Auf der anderen äußeren Seite (gegenüber des Griffs) sind die Kartuschen des Königs mit seinen Titeln eingraviert:
Der König von Ober– und Unterägypten, der Herr der Beiden Länder, Aacheperre  Setepen- Amun, der Sohn des Re, der Herr der Kronen, Psusennes Mery-Amun “.

Das schüsselförmige Becken wurde in der Sargkammer Psusennes zusammen mit einer offensichtlich dazugehörigen Wasserkaraffe entdeckt. Evtl. diente das Becken bei Empfängen des Königs zum Auffangen des Wassers aus der goldenen Karaffe (Kairo JdE 85892/Montet Fundnummer 397). Ähnliche zusammengehörende Gegenstände fand man in einigen Privatgräbern des Neuen Reiches (z.B. im Grab des Nebamun), wo Becken und Wasserkrug ineinander gestellt unter dem Gabentisch platziert waren. 

(Quelle: Katalog Gold der Pharaonen, S. 113 KHM, Wien, 2001)

Gieß- und Schöpfschale Psusennes und Mutnedjmet 
           - Kairo JdE 85898/Fundnummer Montet 401 -
Material: massives Gold  
Maße: H.4,7 cm; Dm 10,9 cm; L. 30 cm

Dieses halbrunde Gerät zum Schöpfen und Gießen, dessen Griff in einen Entenkopf mit elegant geschwungenem Hals ausläuft, wurde beim Bestattungsritual verwendet. Auf der Oberseite des Henkels ist eine zweizeilige Widmungsinschrift mit dem Namen des Psusennes und seiner Gattin, der Königin Mutnedjemet, eingraviert.

„Gemacht von der Großen Königsgemahlin, Herrin der Beiden Länder, Mut nedj–met. Der Gute Gott, Herr der Beiden Länder, Herr des Machens (von) Dingen, (Hohepriester des Amun, Psusennes)| - Die große königliche Gemahlin, die Herrin der Beiden Länder, (Mutnedjemet)| “.

Bild: Jürgen Liepe, Berlin, alle Rechte vorbehalten

 

Goldschale und goldener Krug mit herzförmigen Bauch

Goldschale mit Zierovalen /links:
(heute im Museum Kairo JdE 85897/Fundnummer Montet 403)
Material: Gold - Maße: Höhe 3 cm, Dm 16 cm
Die Schale hat die Form einer offenen Blüte mit 16 ovalen, nach außen gewölbten Blütenblättern, deren Mitte von einer 16 blättrigen Rosette eingenommen wird. Die darüber verlaufende Inschrift kündet vom Ruhme des Königs und nennt den Namen seiner Tochter Istemcheb.

Krug mit herzförmigen Bauch/rechts:
- heute Museum Kairo JdE 85896 -
Material: Goldblech
Maße: Höhe 7,6 / 7,7cm; Durchmesser 9cm; 
Durchmesser Hals 6.3cm; Durchmesser Boden 5 cm;
Diese Vase mit einem herzförmigen Bauch ist geschmückt mit 24 ovalen Auswölbungen. Der Gefäßhals trägt in seiner glatten zylindrischen Zone vier eingravierte Kartuschen, die jeweils paarweise aufeinander ausgerichtet sich. Die Inschrift lautet von rechts nach links: 
"(Psusennes–geliebt von Amun)| und (Aa–cheperRe  Setepen–Re)|,"
Die zwei anderen gehören der Mutter König Psusennes I. 
"Verehrerin der Hathor, Henuttaui"
und "Göttliche Mutter des Chons". 
Einzigartig ist, dass die königliche Mutter hier zwei Kartuschen statt der gewöhnlichen Einzelkartusche erhält. 

Die Vase hat einen herzförmigen Bauch, geschmückt mit 24 ovalen Auswölbungen. Unter dem Gefäßrand befindet sich eine glatte zylindrische Zone, in die vier senkrechte Kartuschen eingraviert sind, welche den Thron- und Eigennamen Psusennes I. und die Kartuschen mit dem Namen der königlichen Mutter Henuttaui enthalten.
Von rechts nach links lesen wir: 

 (Psusennes–geliebt von Amun)| und (Aa–cheper–Re  Setepen–Re)|,
die zwei anderen gehören der Mutter König Psusennes I.
(Verehrerin der Hathor, Henuttaui)| (Göttliche Mutter des Chons)|. 

Einzigartig ist, dass die königliche Mutter hier zwei Kartuschen statt der gewöhnlichen Einzelkartusche erhält.
(Quelle: Katalog Gold der Pharaonen, S. 113 KHM, Wien, 2001)

Bild: Jürgen Liepe, Berlin - alle Rechte vorbehalten -

 

Weiteres Kultgeschirr in der Bestattung Psusennes I. 
Fundnummer Gegenstand
395 Silberne Schnabelkanne, sog. "nemset"-Vase, diente als Wasseropfer
398 Goldkelch - mit Inschriften auf Kelch und Fuß
400 (?) Schöpfkelle aus Silber - Kairo JdE.....(?)
402 Schöpfgefäß - unter dem Ausguss Kartuschen Psusennes

405

Schale - am Rand Kartusche mit Namen Psusennes
407 Silbergefäß - Kartusche außen am Rand
408 Silberschale
409 Silberschale

Vor dem Sarkophag des Königs stand auf einem bronzenen Opfertisch aus der Zeit Ramses II. ein silberner Altarständer mit Aufsatz, Fundnummer 391/392

Kolumne aus Ständer: : (siehe dazu: Inschriften der Spätzeit, Bd. II. Karl-Jansen-Winkeln)

Zur Grabausstattung des Königs gehörte auch ein ritueller Kohlenrost aus Bronze ( Kairo JdE  85910 - Höhe 24 cm; Breite 26,5 cm; Länge 33,5 cm), der aus der Zeit Ramses II. stammt. Der Kohlerost hat die Form eines Kastens mit vier Füßen und einer Hohlkehle am Deckel. Die Heizplatte weist vier in gerader Linie angeordnete Löcher auf, dazu eine doppelte Reihe runder Vertiefungen.

Auf der Vorderseite steht in einem rechteckigen Rahmen eine Inschrift mit der Kartusche Ramses II. Der Text bezieht sich auf eines der Sed–Feste Ramses II. Dieses Fest wurde erstmals 30 Jahre nach der Thronbesteigung und dann alle drei Jahre gefeiert, um die königliche Macht zu erneuern. 

Die Inschrift berichtet, das Ramses II. ein Anhänger von Ptah–Tatenen und vor allem von Re–Harachte, der Hauptgottheit seiner Hauptstadt Pi–Ramses war. Ursprünglich dürfte der Rost zur Ausstattung eines eigens erbauten Tempels in Pi–Ramses gehört werden.  Der Kohlerost wurde vermutlich für kleine Opfergaben verwendet oder um Duftharz zu verbrennen. Im Grab Psusennes I. benutzte man ihn als Untergestell für einen großen Silberständer, der als Altar für Trankopfer diente. Höchstwahrscheinlich galt in der Zeit des Königs dieser Kohlerost bereits als altehrwürdige Antiquität.

Zur Grabausstattung Psusennes I. gehörten auch Modellwerkzeuge aus Fayence - Fundnummer 334 - 389.

Am 7. 3. 1940 wurden all diese Funde ins Museum von Kairo überführt. Normalerweise wäre damit die Kampagne beendet gewesen, aber auf Drängen König Faruks wurde die Grabkammer, die neben der Psusennes I., ebenfalls in der Granitstruktur des Grabbaus gelegen, geöffnet. Schon beim ersten Betretten der Vorkammer war Montet aufgefallen, dass sich südlich des ersten Durchgangs ein zweiter abzeichnete. Wie beim ersten, musste leider die Putzschicht mit Malereien, die einen opfernden König zeigten, zerstört werden um die dahinter liegende Kammer zu erreichen

Bei dem opfernden König handelte es sich um Amenemope,  dem Nachfolger Psusennes I., der vor Isis und Osiris dargestellt ist. Wie bei Psusennes I. war die Türöffnung durch einen Architravbloch aus Granit blockiert, der genauso auf Bronzerollen gelagert war wie bei Psusennes I. und genauso leicht herausrollt werden konnte. Wie sich herausstellte, war in dieser Kammer ursprünglich die königliche Gemahlin Psusennes I. namens Mut–nedjemet beigesetzt, deren Begräbnis jedoch später zugunsten der Bestattung von König Amenemope entfernt wurde. In den Inschriften auf ihren Sarg, die nicht gelöst wurden trug sie die Titel. 

„Königstochter, Königsschwester, Königsgemahlin des Landesherrn“.
Weitere Titel die sie trug:
"
Zweiter Prophet des Amunrasonter, Große des Hauses (Vermögensverwalter) der großen Mut, Herrin von Ascheru, Prophet des Chons in Theben – Neferhotep, Gottesmutter des Chonspichrod, des großen Erstgeborenen des Amun“.

Am 3. 5. 1940 wurden die Funde vom Begräbnis König Amenemope ins Museum gebracht und die Grabung endgültig geschlossen.

Erst am 15. 4. 1945 konnte die Forschungsarbeit bedingt durch den Zweiten Weltkrieg wieder in Tanis aufgenommen werden. Man hatte sich entschlossen, den wunderbaren Sarkophag, in dem Psusennes I. gelegen hatte, nach Kairo zu überführen. Dazu war jedoch ein künstlicher Mauerdurchbruch notwendig. Durch diese künstliche Dachöffnung wird das Grab heute zur Besichtigung durch Besucher betreten. Bei den Arbeiten dazu entdeckte man drei bronzene Schwalbenschwänze (Kairo JdE 8785–87859), die das Mauerwerk zusammen hielten. Die Inschriften auf den Schwalbenschwänzen lieferte Montet die Information, dass dieses Grab wirklich für König Psusennes I. und dessen Gemahlin Mut-nedjemet erbaut worden waren.

Zwischen den beiden Sarkophagkammern I. und II. war in der Trennwand in Höhe des Sarkophags eine Öffnung entdeckt worden, die dem Ba des Königs und seiner Gemahlin den gegenseitigen Besuch ermöglichen sollte. Diese Maueröffnung war jedoch verschlossen und verputzt worden. Wie Montet zu der Meinung gelangte, dass die Königin Mut–nedjemet die Mutter und nicht die Gemahlin Psusennes I. wäre, ist schwer nachvollziehbar.

Während der Kampagne des Jahres 1946 wurde zur Überraschung aller eine weitere unversehrte Grabkammer im Kalksteinmauerwerk des Königsgrabs gefunden. Der Architekt Alexandre Lezine, der ab 1946 an den Arbeiten teilnahm, hatte darauf hingewiesen, dass der innere Grabkomplex nicht denen der Außenmaße entsprach. In der südöstlichen Ecke war noch Platz für eine weitere Kammer, auf die es aber vom Vorraum aus keinen Hinweis gab. Man hob deshalb am 13. 2. 1946 eine der gewaltigen Abdeckplatten aus Sandstein ab und fand darunter das unversehrte Grab des Generals Wendjebaendjed  (Wen–djebau–en–djed). Es ist nicht bekannt zu welchen Zeitpunkt Königin Mut-nedjemet, Anchef-en-mut und Wendjebauendjed bestattet wurden. Wahrscheinlich fanden ihre Begräbnisse erst nach der Beisetzung König Psusennes I. statt, denn unter den Grabbeigaben des Königs befinden sich Beigaben, die die Namen dieser drei Personen tragen, so dass anzunehmen ist, dass sie an seiner Bestattung teilnahmen. 

Dagegen kann man natürlich einwenden, dass wir nicht wissen, zu welchem Zeitpunkt die Gegenstände für die königliche Grabausstattung zusammengestellt wurden. Das Königsgrab wurde dann für das Begräbnis von König Amenemope wieder geöffnet, und in der Folgezeit wurden noch drei weitere Könige in der Vorkammer beigesetzt.

Königliche Mumie

Trotz der aufwendigen Bestattungsweise blieb keine der königlichen Mumien von Tanis erhalten. Weder Mumienbinden, noch die mit Salbe präparierten Mumien fanden die Ausgräber, sondern nur kümmerliche Knochenreste, auf denen der Totenschmuck funkelte. Auch von der Mumie König Psusennes I. war bei ihrer Entdeckung nur mehr ein Skelett übrig, das 1940 von Dr. Derry untersucht wurde. Er entdeckte, dass das Gebiss des Königs in sehr schlechtem Zustand war und mehrere Abszesse aufwies, von denen einer am Gaumen aufgebrochen sein musste. Die Knochen seiner Rücken– und Lendenwirbel waren übereinandergewachsen, was auf eine besonders schmerzhafte Art von Rheumatismus, als "Spondyloarthritis" bekannt, schließen lässt, dergleichen eine Gelenkverletzung am Fuß. 

Über das Alter in dem er gestorben ist, liegt keine Aussage vor.


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