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Biografie Amenophis II.

Grab Amenophis II.

Im Freilichtmuseum von Karnak wurde kürzlich (2006) die Rekonstruktion einer Alabaster-Kapelle König Amenophis II. wiedererrichtet. In "Fachkreisen" wird diese Kapelle auch "Bushaltestelle" genannt.
Der Barkenschrein wurde aus wiederverwendeten Blöcken (zum Teil mit dem Namen Ramses II. beschriftet) errichtet, die teilweise aus dem Mut-Bezirk stammen. Auch im 3. Pylon fanden sich wiederverwendete Blöcke von teilweise riesenhaften Ausmaßen, die von einem Alabasterschrein stammen - es ist aber fraglich, ob sie zu dieser Kapelle gehörten.

Rekonstruktion der Alabastakapelle Amenophis II.
Rechts und Links davon das Obeliskenpaar Thutmosis I.
(Bild: Elvira Kronlob)

Nach französischen Ägyptologen vom CFEETK befand sich der ursprüngliche Standort der Kapelle einst zwischen den Obeliskenpaaren Thutmosis I. vor dem IV. Pylon. Falls diese Vermutung der Franzosen bezüglich des Standortes dieser Kapelle richtig sein sollte, wäre dies ein äußerst ungewöhnlicher Ort für eine Barkenkapelle, da sie sich damit genau in der Achse der Prozessionsstraße befand und sie an ihrer Rückwand keinen Durchgang aufweist.

Rekonstruierte Rückwand der Kapelle
- evtl. befand sich hier die sog. "Schießstele" 
und weitere Reliefdarstellungen des Königs beim Erschlagen der Feinde, einbringen der Gefangenen und vor dem Gott Amun -
(Bild: Elvira Kronlob

Die Kapelle wurde exakt zwischen dem Obeliskenpaar Thutmosis I. eingefügt.

(Bild: Elvira Kronlob)

Da die Kapelle genau vor dem Portal des 4. Pylons mit dem Eingang nach Osten platziert war und keinen Durchgang in der Rückwand besaß, mussten Prozessionen mit der Götterbarke aus dem Tempelinneren kommend, die in der Kapelle Station machten, sie umgehen, wenn sie den Tempel mit der Götterbarke auf den Schultern in Richtung Kaianlage verlassen wollten. - Genau das gleiche war der Fall bei der Rückkehr des Gottes in sein Allerheiligstes. Die Vermutung der Franzosen hinsichtlich des ursprünglichen Standortes der Kapelle beruht auf der Tatsache,  dass an ihren Seitenwänden links und rechts (an ihrem vorderen Drittel) Zungenmauern seitlich abgehen, die eine leichte Schräge nach oben aufweisen. Diese Wände sollen die Kapelle mit den beiden Obelisken zu ihrer Seite verbunden haben - so jedenfalls die Hypothese des französischen Teams (CFEETK).

Reste der ursprünglichen Bilddekoration 
an der Eingangsfront der Kapelle
Amun hält in der linken Hand das Was-Zepter, in der rechten ein Anchzeichen.
(Bild: Elvira Kronlob)

Hier sind sehr schön seitlich die Zungenmauern der Kapelle zu erkennen, die die Verbindung zwischen ihr und den Obelisken herstellte.
(Bild: Elvira Kronlob)

 

Barkenschrein Amenophis II.
- die sogenannte "Bushaltestelle" kurz
vor der Vollendung der Rekonstruktion -
(Bild: mit freundl. Genehm. saamunra)

Alabaster-Kapelle Amenophis II. von hinten
im Open Air Museum Karnak.
(Foto: Hanne)

Die Alabaster-Kapelle Amenophis II. wurde bereits von König Thutmosis IV. wieder abgebrochen, der an ihrer Stelle einen Säulenvorbau an den 4. Pylon Thutmosis I. anfügte.

An der Rückwand dieser Barken-Kapelle Amenophis II. befand sich angeblich die sogenannte "Schießstele" und weitere Reliefdarstellungen des Königs beim Erschlagen der Feinde, Einbringen von Gefangenen und vor dem Gott Amun.

Sogen. "Schießstele" Amenophis II.

Es handelt sich um einen Block aus Rosengranit mit einer bildlichen Darstellung des Königs beim Bogenschießen auf seinem Kampfwagen.

Material:  
Rosengranit  /  Maße:  Höhe 1,70m; Breite 2,34m
 
Fundort: Tempel von Karnak
Heute: Luxor-Museum, J. 129 (BA E9)

Er wurde 1927 verbaut im 3. Pylon des Amun-Tempels zu Karnak wiedergefunden, wo das zerbrochene Stück als Füllmaterial verwendet worden war. Dieses berühmte Relief, das aus einem größeren baulichen Zusammenhang herrührt und dem als Pedant eine Kriegsszene zugeordnet war, zeigt den König beim Bogenschießen auf eine Zielscheibe 

Reliefblock aus Rosengranit mit bildlicher Darstellung des Königs beim Bogenschießen auf seinem Kampfwagen.

(Bild:
Das Alte Ägypten/Arne Eggebrecht)

Diese sog. "Schießstele"
befindet sich im Luxor-Museum Nr. J.129
( 2000 noch vor dem Museum im Garten)

(Bild: saamunra)

Der König steht mit schussbereitem Bogen, den Pfeil auf der Sehne eingelegt, auf dem leichten von zwei Pferden gezogenen Streitwagen, die in voller Bewegung gezeigt sind, was durch den „ Absprunggalopp “ verdeutlicht wird. Wie es bei Darstellungen des Königs zu Wagen Konvention ist, wird er ohne seinen Wagenlenker gezeigt; die Zügel um die Hüfte gelegt. Er visiert einen als Ziel aufgestellten Pfahl an, der bereits von zahlreichen Pfeilen getroffen ist. Die unfehlbare Treffsicherheit des Wagenkriegers ist angedeutet, dass die Pfeile, die ihr Ziel bereits erreicht haben, alle im gleichen Abstand stecken, während der aufgelegte Pfeil gleich dieser Vorgabe entsprechend eingeschlagen wird. Die Inschrift nimmt in ihren oberen Teil auf die Szene mit folgenden Worten Bezug:

„ Der vollkommene Gott, mächtig an Kraft, der mit seinen beiden Armen handelt vor seinem Heer, stark mit dem Bogen; der treffsicher schießt, ohne dass seine Pfeile fehlgehen; und zwar schießt er auf Kupferbarren, indem er sie durchbohrt wie Papyrus, ohne überhaupt an irgendeine Holz(scheibe) zu denken entsprechend seiner Kraft; der Starkarmige, dessen gleichen es nicht gibt; Month, wenn er auf dem Streitwagen erscheint. “

Anhand des Textes müsste das Ereignis der königlichen Schüsse also ausschließlich in dem bestehen, was sich an dem Pfahl angelehnt findet: das Durchbohren von Kupferbarren.

Es hat aber den Anschein, als seien die anderen Pfeile im oberen Teil des Pfahles eingeschlagen.  Ein Kupferbarren ist dort nicht auszumachen, und Rätsel gibt auch die Umwicklung in mittlerer Höhe des Pfosten auf. Der Text der sich auf den von fünf Pfeilen durchbohrten Kupferbarren bezieht, lässt sich folgendermaßen übersetzen:

Die große Schießscheibe aus Kupfer vom Kupferland von 3 Finger Dicke, auf die Seine Majestät schoss. Der Starke durchbohrte sie mit zahlreichen Pfeilen, und er veranlasste, dass sie 3 Handbreit auf der Rückseite dieser Zielscheibe herauskamen; der treffsichere schießt jedesmal, wenn er zielt, der Heldenhafte der Besitzer von Kraft. Seine Majestät unternahm dieses Vergnügen im Angesicht des ganzen Landes."

Andere Übersetzung:
„ Der Starke hat mit zahlreichen Pfeilen durchbohrt, wobei er drei Handbreit auf der Rückseite des Ziegels herausfahren ließ.

Ein ähnlicher, auch aus rotem Granit bestehender Block von nahezu gleich Größe. der ebenfalls in Karnak gefunden wurde, befindet sich heute im Ägyptischen Museum Kairo, JdE 36360.  

(
Zeichnung aus: Zayed, Une Représentation, Melanges Mokhtar I, pl.2)

Obere Register:
Es zeigt Amenophis II. wie er einen Feind mit dem Sichelschwert erschlägt und dem Gott Amun eine Gruppe von Gefangenen zuführt. Der König hält dabei einen Stab und eine Keule in der linken Hand, die rechte streckt er im Darbringungsgestus dem Gott entgegen. 

Untere Register:
Der König fesselt einen Gefangenen. In der nächsten Szene sieht man Amenophis II. auf seinem Streitwagen stehend, Zügel, Bogen und Peitsche in den Händen haltend. An den Wagen gebunden laufen dahinter zwei Reihen Gefangener, auch im Wagenkasten befinden sich Gefangene, ebenso ist einer an die Deichsel des Wagens gebunden. Auch auf dem Rücken der Pferde, die den Wagen ziehen, sitzen Gefangene.

Es ist zu vermuten, dass der obere Block aus Rosengranit (die "Schießstele"), der sich im Jahre 2000 noch vor dem Luxor-Museum im Garten befand und der hier als Umzeichnung abgebildete Reliefblock, (heute noch in Karnak befindlich) in den gleichen Kontext gehört.

Sedfest-Kapelle/Tempel:

Ein kleiner länglicher Tempelbau, evtl. ein(e) Sedfest–Kapelle/Tempel – damit ist wohl der Bau an der linken Seite des Hofes zwischen dem IX. und X. Pylon, die beide von Haremhab errichtet wurden, gemeint.

Blick in den Sedfest-Tempel bis hin zur heute zerstörten Statue
(Bild: mit frdl. Genehmigung saamunra)

Die große Südachse des Karnakbezirkes zeigt die zunehmende Bedeutung der südlichen Prozessionsroute am Ende der 18./Anfang 19. Dynastie. Es ist anzunehmen, dass schon zu Beginn der 18. Dynastie viele Kultbauten diesen südlichen Teil des Tempels säumten. Schon Thutmosis III. hat diese Feststrasse bis hin zum Mut-Bezirk ausbauen lassen

Die kleine Kapelle an der Ostseite, wohl für ein Sedfest Amenophis II. errichtet, ist aber das bemerkenswerteste Bauwerk an diesem Hof zwischen IX. und X. Pylon. Einen Bezug zu diesem Jubiläumsfest Amenophis II.  liefern uns die Inschriften auf den Pfeilern. Hier wird ein:

"Erstes Mal des Wiederholens des Sedfestes (des) Königs.....) "

genannt. In den Reliefs wird der regenerative Aspekte des Königtums (Min und ityphallischer Amun-Re) betont.

Die Form dieses Kulttempels Amenophis II. erscheint in ihren Grundzügen, wie dem Rampenzugang und auch der zentrale Pfeilersaal (siehe Grundriss oben) mit den zwei Achsen zu den seitlichen Ausgängen, ähnlich dem Jubiläumsbau von Sesostris I. (weiße Kapelle). Das Bauwerk Amenophis II. besteht aus einem Portikus mit 12 Pfeilern vor einer quadratischen Halle mit 20 Pfeilern, die ihrerseits von 2 kleineren Pfeilerhallen und Nebenkammern flankiert wird.

Kapelle Amenophis II. / Sethos I.
- linke Seite des Hofes zwischen IX. und X. Pylon -
(Plan:
bearb. von Nefershapiland nach "Das alte Ägypten / Kunst als Fest, Ägypt. Museum Turin)

Jedoch wurde dieser in Form und Raumanordnung ungewöhnliche Bau, der offensichtlich kein Sanktuar besaß, sondern nach Osten mit einer Scheintür abschließt, erst in späterer Zeit aus wiederverwendetem Baumaterial an diesem Standort errichtet. Wohl stammen die Säulen von einem Bau Amenophis II., da sie seinen Namen tragen, der jedoch an einem uns nicht bekannten Standort im Gebiet (eventuell zwischen dem 7. und 8. Pylon, oder zwischen dem 8. und 9. Pylon stand) der Südachse des Karnak-Tempels gelegen haben wird.

Amenophis IV., Haremhab und auch Sethos I. hatten im Bereich des Festhofes und auch am Bau Amenophis II. zahlreiche Änderungen vorgenommen. Haremhab wollte damit wohl Platz für seinen Pylon schaffen und es ist zu vermuten, dass er den Kultbau Amenophis II. von seinem bisherigen Standort  (evtl. zwischen dem heutigen 8. und 9. Pylon), versetzen und ihn dabei um einige Bauelemente, wie einen Pfeilervorbau erweitern ließ. Das Baumaterial bezog er wohl aus den abgerissenen Echnaton-Bauten in Karnak (vergl. Borchardt, op.cit.S. 61 Anmerkung 3) und auch von einem Amenophis III.-Bau, welcher von Tutanchamun restauriert wurde. In der 19. Dynastie setzte dann König Sethos I., wie in Ägypten allgemein üblich, seine Kartusche an verschiedenen Stellen in die Wanddekoration ein.

Sethos I. setzte seine Kartusche an verschiedenen Stellen in die Dekoration, wie hier noch sehr schwach an einem Pfeiler erkennbar, (siehe rote Umrandung) ein.
(Bild: Gitta Warnemünde)

Vergrößerung der von Sethos I. usurpierten Pfeilerdekoration. Die Kartusche in der unteren Zeile ist nicht sehr gut zu lesen, doch erkennt man bei genauerem Hinsehen noch deutlich die beiden Schilfblätter und links den Namen des Gottes Ptah.
(Bild: mit frdl. Genehmigung von Gitta Warnemünde)

Interessant wäre die Frage zu klären, warum Haremhab ausgerechnet dieses Bauwerk versetzen und dann wiedererrichten ließ und es nicht einfach in seinen Neubeuten in Karnak als billiges Baumaterial verwendete?

Sedfest-Tempel - rechte Seite
Amenophis II./Sethos I.
-
zwischen IX. und X. Pylon -
(Bild: mit frdl. Genehmigung saamunra)

Sedfest-Tempel - linke Seite
Amenophis II./Sethos I.
zwischen IX. und X. Pylon
(Bild: mit frdl. Genehmigung saamunra)

( Textquellen: nach "Theben - Heilige Stadt der Pharaonen" /S. Donadoni, Hirmer-Verlag München und nach Beschreibung  von "Gast A." zum Sedfesttempel des Amenophis II. im Karnak-Tempel vom 12.02.2004 

im Ägyptologieforum:    (2. Beitrag von oben)

Dem Opet-Tempel aus ptolemäischer Zeit im Tempelbezirk zu Karnak ging ein Bau Amenophis II. voraus. Er ließ auch im Mont-Tempel zu Karnak Bauarbeiten durchführen. Des weiteren fanden sich Blöcke, Szenen und Inschriften sowie Topographische Listen, die aus der Zeit Amenophis II. stammen innerhalb des Tempelbezirks von Karnak.

(Co-Autor J. H. Pirzer)


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