Biografie Amenophis I.

Bauten Amenophis I.

Mumie

Amenophis I. war anscheinend der erste König, der Grabanlage und sog. Totentempel voneinander trennte. Seit der Entdeckung des "Totentempels" Amenophis I. (und eines zunächst als eigenes Bauwerk betrachteten Tempels der Ahmes-Nefertari) ind der Ebene von Dra 'Abu el-Naga durch Spiegelberg im Jahre 1896 und der von Howard Carter 1912 als Grab dieses Königs angesehenen Anlage "AN B" in den Hügeln von Dra 'Abu el-Naga schien die Trennung von königlichem Grab und königlicher Kultanlage erwiesen und wurde in der ägyptischen Literatur adaptiert.

Interessant ist auch ein weiteres mit der Person des Königs als Erneuerer des königlichen Grabgedankens zusammenhängendes Phänomen, nämlich die große Bedeutung, die er zusammen mit seiner Mutter Ahmes-Nefertari für die Bevölkerung von Theben hatte. Dieses ist deutlich bei der Dekoration der Gräber in der Ramessidenzeit in Deir el Medineh  und Dra 'Abu el-Nage zu erkennen, wo das vergöttlichte, königliche Paar so häufig dargestellt und genannt wird, dass die Möglichkeit besteht, Amenophis I. und seine Mutter Ahmes-Nefertari sind evtl. die Begründer der "Handwerkertruppe der kgl. Totenstadt". Das würde auch seine Rolle als Schutzpatron für Deir el Medineh erklären.

Es gab in den vergangenen 100 Jahren mehrere Ansätze, die Grabanlage König Amenophis I. zu lokalisieren. 1910 hat A. Weigall erstmals den Vorschlag gemacht in der Anlage KV 39 das Grab zu identifizieren. Auch Ch. Nims und in jüngerer Zeit Aidan Dodson, B. Manley und J. Rose haben sich dieser Überlegung angeschlossen. Weigalls Vermutung basiert auf der Interpretation der Angaben des Papyrus Abbott, konkrete Hinweise auf die Identität des ursprünglichen Grabbesitzers von KV 39 fehlen trotz einer neuen Untersuchung von J. Rose.

Diese Untersuchung brachte zwar etwas verbesserte Kenntnis der Architektur dieser Anlage, doch legen sie eher einen späteren Ansatz des Grabes nahe. F.-J. Schmitz hält die "Cachette royal "(DB 320) in Deir el-Bahari für die Grabstätte Amenophis I. und A. Niwinski dagegen das Plateau hoch über den Tempel der Hatschepsut für den Begräbnisort des Königs. Erst jüngst lokalisierte A.-C. Thiem die Lage des Grabes versuchsweise am südlichen Rand des Talkessels von Deir el-Bahari.

Übersichtsplan Theben-West

Das Deutsche Archäologische Institut Kairo begann im Jahre 1993/94 in Zusammenarbeit mit der Universität von Kalifornien Los Angelas mit der Ausgrabung einer Anlage in einem ungewöhnlich großen und weithin sichtbaren Felsgrabkomplexes unmittelbar kurz unterhalb der Kuppel des mittleren Hügelbereiches von Dra 'Abu el-Naga, welche die Bezeichnung K 93.11/K 93.12 erhielt. Bis zum Jahre 2000 konnte K93.11 vollständig ausgegraben und dokumentiert werden. 

Der Grabkomplex K93.11 bildet die nördliche Hälfte einer als Doppelanlage geplanter Grabstätte; den südliche Teil, K93.12, begann man  in der Herbstkampagne 25. Sept. - 11. Dez. 2006 und in der Frühjahrskampagne 17. Febr. - 5. April 2007 auszugraben.

Die Anlagen liegen etwa in der Mitte der Hügelkette von Dra ´Abu el–Naga, welche sich vom Eingang zum Tal der Könige im Norden bis zum Zugang des Felskessels von Deir el–Bahari im Süden hinzieht. Die Anlagen befinden sich kurz unterhalb der Hügelkette und bestehen aus jeweils zwei große Höfe, die den eigentlichen Felsgräbern vorgelagert sind.

Für die beiden Höfe wurde eine horizontale Fläche mit den gewaltigen Ausmaßen von ca. 40m (Nord–Süd) auf 45m (Ost–West) aus dem Fels gearbeitet, die durch eine im Fels stehen gelassene Mauerzüge in einen nördlichen und einen südlichen Hof unterteilt war. Jeder dieser Höfe wiederum war durch ebenfalls aus dem Fels gearbeitete Mauerzunge mit jeweils zentralem Durchgang in einen westlichen und einem östlichen Hof geteilt. Den östlichen Abschluss der Gesamtanlage bildet eine gewaltige Terrassenmauer von ca. 8m Höhe und 50m Länge aus unbearbeiteten Kalksteinbrocken verschiedener Größe, die bei den Steinbrucharbeiten beim Aushauen der Höfe und Grabinnenräume anfielen.

Den westlichen Abschluss der Höfe bildet die nahezu senkrechte Felsfassade von etwa 12m Höhe bei K93.11 und 8m Höhe bei K93.12. In der durch die erwähnten Pylondurchgänge markierten 
Ost–West–Achse der beiden Hofanlage finden sich an der Westfassade jeweils die Eingänge zu den eigentlichen Grabinnenräumen. Diese weisen eigentümliche und einander sehr ähnliche Grundrisse einer Form auf, die in der thebanischen Nekropole nur in wenigen weiteren Beispielen bekannt sind.

Nördl. Grabanlage K93.11:

Die nördliche Grabanlage K 93.11 wird in der Topographical Bibliography von Porter Moss als dekoriertes Felsgrab der Ramessidenzeit unter der Nummer 293 aufgeführt und dort dem Hohenpriester Ramsesnacht und bei K 93.12 dem Bürgermeister der Stadt und Wesir Nebmaatrenacht zugewiesen. KV 93.11 wurde nach seiner Erstanlage 400 Jahre später unter Ramses VI. durch den Hohenpriester des Amujn Ramsesnacht wiederbenutzt, indem er die zwei Vorhöfe und den östlichen Teil des Innenraumes aufwendig in eine Kultkapelle umgestalten ließ. Die Anlage des Hohenpriesters ist vermutlich bereits in spätramessidischer Zeit (um 1100 - ca. 50 jahre nach ihrer Errichtung) mutwillig zustört und zerschlagen worden. In nachramessidischer Zeit, als die Anlage bereits zerstört war, wurde das Gelände in zwei Phasen wieder benutzt: In der 3. Zwischenzeit und in der Spätzeit diente K93..11 weiterhin als Bestattungsplatz. Während man in der 21./22. Dynastie die zwei vorhandenen Hauptschächte für neue Begräbnisse benutzte, wurden in der 26. Dynastie entlang der Wände des zweiten Vorhofs mehrere kleinere Schächte und  Kammern für Bestattungen angelegt. Danach wurde der Platz erst wieder in spätantiker/koptischer Zeit genutzt.

Bei der nördlichen Anlage K93.11 führt ein mit 3m Höhe und Breite ungewöhnlich weiter Eingang in einen Vorraum, auf den ein nahezu quadratischer Vier–Pfeiler–Raum folgt. An diesen schließt sich, in der Grabachse liegend, ein weiterer kleiner, kapellenartiger Raum an, der als eigentliches Kultziel der Anlage zu betrachten ist, obwohl er nie vollständig fertiggestellt wurde. In der Mitte des Grabraumes, zwischen den Pfeilern, findet sich wieder der Hauptschacht der Grabanlage, der mit etwa 3,54 x 2,5m Grundfläche erstaunliche Ausmaße aufweist und bis in einer Tiefe von 10m abgesenkt wurde. Der Grabinnenraum ist stellenweise nicht vollständig aus dem Fels gearbeitet: der hintere linke Pfeiler ist noch mit dem Felsmassiv verbunden, die restlichen Pfeiler und die Kapelle sind teilweise nur grob bearbeitet, die Wände sind nur im Eingangsbereich einigermaßen geglättet. An einigen Stellen haben sich Reste von Wandverputz (Nilschlamm und Kalksteinmörtel) erhalten, bis zu fünf bis sechs Lagen übereinander, die aber ausnahmslos nicht aus der Zeit der Anlegung des Grabinnenraumes stammen dürften.

Am Boden des Hauptschachtes öffnet sich eine ebenfalls ungewöhnlich hohe und breite Passage
(2,30m x 2,50m), die sich in einem leichten Bogen über etwa 20m nach Norden hinzieht. Die Passage endet in einer kleinen Kammer auf höherem Niveau; direkt vor dieser Kammer wurde im Boden der Passage eine sargförmige Vertiefung für die Aufnahme wohl eines Holzsarges angelegt. Auf Höhe des Passagenbodens sind beiderseits dieser Vertiefung längliche horizontale Aussparungen aus dem Fels gearbeitet, die als Auflage für große Sandsteinplatten zur Abdeckung dieses „ Sarkophages “ dienten.

Etwa in der Mitte der unterirdischen Passage fanden sich an beiden Seiten und an der Decke deutliche Reste einer Vermauerung. Die unterirdische Anlage ist demnach tatsächlich für eine Bestattung benutzt und anschließend versiegelt worden. 

Grabanlage K 93.12:

Die Innenräume des südlichen Grabes K93.12 bestehen aus einem Vestibül, das in einen fast quadratischen Vier–Pfeiler–Raum mündet. In der Kammermitte befindet sich zwischen den Pfeilern ein großer senkrechter Schacht von bislang unbekannter Tiefe. Die Anlage K93.12 wird seit Herbst 2006 ausgegraben. Es fanden sich Architekturteile der Kultkapelle, die der Hohepriester des Amun, Amenophis, hier am Ende der 20. Dynastie einbauen ließ. 

Von der Kultkapelle zeugen über 300 Relieffragmente aus Sandstein, von denen viele den Namen und die Titel des Hohenpriesters Amenophis nennen. 

In der Wahl des Platzes, einem "heiligen Ort" der 18. Dynastie, ist Amenophis seinem Vater, dem Hohenpriester des Amun, Ramsesnacht, gefolgt, der rund 29 Jahre zuvor eine gleichartige Kapelle in den Vorhof von K 93.11 errichten ließ. Bereits nach der ersten Kampagne konnte festgestellt werden, dass der archäologische Befund in K 93.12 jenem in K 93.11 sehr ähnlich ist. Demnach gibt es drei Hauptphasen:

  1. Die Ausschachtung der Gräber und der Höfe in der frühen 18. Dynastie, 

  2. ihre Wiederbenutzung in der 20. Dynastie und 

  3. schließlich die "Versiegelung" durch die koptische Überbauung. 

Zur Identität des Erbauers:

Durch die Konzeption der Doppelgrabanlage K 94.11 und K 93.12, ihrer Größe und wegen ihrer herausragende Lage sowie durch ihre ungewöhnliche Architektur und schließlich ihr Entstehungsdatum zum Ende der 17. Dynastie oder Anfang der frühen 18. Dynastie schließen die Fachleute aus, dass es sich dabei um eine private Grabanlage handelt.

Als mögliche Besitzer der Grabanlagen kommen grundsätzlich Herrscher der 17. und der frühen 18. Dynastie in Betracht. Aufgrund der Aufwendigkeit der Anlagen ist allerdings nur ein Herrscher zu erwägen, der sowohl längere Zeit regiert hat als auch über ausreichende Mittel zur Errichtung solcher Anlagen verfügen konnte. Dies läst sich aber nur von wenigen Königen der 17. Dynastie sagen, nämlich Rahotep, Sechemre Wadjchau Sebekemsaf, Sechemre Schedtaui Sebekemsaf, Sechemre Wepmaat Intef, Nubcheperre Intef und Seqenenre Ta–aa.  Einzugliedern in die Gruppe möglicher Besitzer des Grabes K93.11 sind noch die ersten beiden Könige der 18. Dynastie, Ahmose und Amenophis I.

Es wurden im Vorhof von K 93.11 in den untersten Schichten der Hofverfüllung große Mengen von Keramik-Scherben gefunden, welche in die frühe 18. Dynastie datiert werden. Es fand also zu diesem Zeitpunkt hier ein wie auch immer gearteter Grabkult statt. Evtl. besteht hier zwar die Möglichkeit, dass sich der Kult hier auf eine ältere Bestattung aus der 17. Dynastie bezogen hat, erscheint aber eher unwahrscheinlich, da sich aus dieser Zeit weder Keramik noch andere Objekte hier finden ließen. So ist eine Datierung der Grabanlage in diese Zeit eher abzulehnen.

Der Kult für die in K 93.11 bestattete Person war offensichtlich nicht beschränkt auf die frühe 18. Dynastie. Im Schutt der Vorhöfe und im Grabinneren fanden sich weitere Hinweise darauf, dass der Ort auch während der Ramessidenzeit eine ungewöhnliche Bedeutung hatte.

Anhand diese Befundes bleiben als Kandidaten eigentlich nur noch König Ahmose oder Amenophis I. übrig.

Es ist klar ersichtlich, dass die Anlage K 93.11/K 93.12 bewusst als Doppelanlage gebaut wurde, also für zwei Personen gleicher Stellung. Eine solche Konstellation eines Paares, welches postum spätestens seit der Ramessidenzeit in vielfacher Weise in der thebanischen Nekropole präsent war, ist nun für König Amenophis I. und seine Mutter, die Königin Ahmes–Nefertari, bezeugt, der damit versuchsweise die südliche Parallelanlage, K 93.12 zuzuschreiben ist. Diese Konstellation, die nun möglicherweise schon zu Lebzeiten zu der ungewöhnlichen Konzeption einer königlichen Doppelgrabanlage führte, spiegelt sich wider in der ebenfalls „doppelten“ Kultanlage, dem sicher zu Lebzeiten Amenophis I. am Fruchtlandrand von 
Dra ´Abu el–Naga errichteten Tempel Mn-jst des Amenophis I. und der Ahmes–Nefertari.


siehe Totenkult in Dra Abu el-Naga

Heute ist dieser Tempel vollkommen verschwunden. Es ist aber auffallend, dass die Tempelachse des von König Amenophis I. für sich und seine Mutter Ahmes-Nefertari errichteten Baus, wenn man sie nach Norden verlängert, genau durch die Höfe der Anlage K 93.11/K 93.12 führt. Dieses dürfte mehr als nur ein Zufall sein.

Ein weiteres Indiz für die Zuweisung der Anlage K 93.11 und K 93.12 an den Herrscher Amenophis I.  bzw. seine Mutter, Ahmes-Nefertari ergab sich im Frühjahr 2007 mit der Auffindung eins kleinen Fragmentes einer Sitzstatue aus schwarzem Granit, auf dessen Basis der in Kartusche geschriebene Thronname dieses Königs erhalten ist: Djeser–ka–Re.

Aufgrund des Grundrissplanes des Grabinnenraums (ein Vierpfeiler–Raum mit einem mittigen Grabschacht von rund 10m Tiefe), der sich deutlich von denen der privaten Felsgrabanlagen des Neuen Reiches unterscheidet, sowie seiner enormen Ausmaße steht es außer Zweifel, dass es sich bei K 93. 11 um eine königliche Grabanlage des frühen Neuen Reiches handelt. Mit einiger Wahrscheinlichkeit sind die Anlagen K 93. 11 und K 93. 12 König Amenophis I. und seiner Mutter Ahmes-Nefertari zuzuweisen. 

Bestätig wird diese Annahme der Datierung der Gründung dieses Felsgrabes an den Beginn des Neuen Reiches durch den Fund von Keramik der frühen und mittleren 18. Dynastie in den untersten Schichten der Hofverfüllung.

Papyrus Abbott:
- Beschreibung des Grabes - 

(nach Polz - "Der Beginn des Neuen Reiches")

Eine amtliche Kommission untersuchte im Jahre 16 König Ramses IX. die Königsgräber in Theben-West nach Spuren von Plünderungen. Als 1. wurde nach einer Liste das Grab Amenophis I. untersucht, das nach Beschreibungen 120 Ellen unter einer Landmarke nördlich des "Tempels des Garten Amenhoteps" lag. Leider ist es ungewiss, um welche Tempelanlage es sich handelt.

1.  nA  mrw  jzwt  maHawt  sjp  m  hrw  pn  jn  nA  rwDw

2.  tA  Axt  nHH  n  njswt  (+sr-kA-<Ra>)|  anx  wDA  snb  zA Ra (Jmn-Htp)| anx  wDA
    
snb  nt
jrr mH  120

3.  m  mDwt  m  pAjj.st  aHjj  pA  a- qA  xr.tw  r.f  mH.t  pr (Jmn-Htp)| anx  wDA  snb  n

4.  pA  kAmw

 

1.  Die mr -, jz - und maHat - Gräber, die inspiziert werden an diesem Tag durch die Beamten:

2.  Der Horizont der Ewigkeit des Königs (Djeser–ka–<Re>)| , LHG, Sohn des Re
    (Amenophis)|, LHG, welches 120 Ellen misst.

3.  an Höhe von seinem aHajj, der hohe/lange Weg wird es genannt, < im > Norden des Hauses
    des (Amenophis)| vom

4.  Garten.

Nach Erhart Gräfe - Papyrus Abbott II, 2-4:

„ .............. Der Horizont der Ewigkeit des Königs Djeser – Ka (sic), Leben, Heil, Gesundheit, des Sohnes des Re Amenhotep, Leben, Heil, Gesundheit, (nt j  jr(j) mH  120 m mDt  m  pAy = s  aHay) der 120 Ellen an Höhe hat an seinem Standort (?) – pA  aw  oAj  xr = tw  (j)r = f   den hohen Platz nennt man ihn – nördlich des Tempels des Amenhotep – vom – Garten, Leben, Heil, Gesundheit ........................"..

Das besagt wohl, dass dieses Grab („ Horizont der Ewigkeit “) Amenhoteps I. liegt (ungefähr) 120 Ellen nördlich über der Ebene des Tempels des Amenhotep – vom – Garten und werde (im Sinne einer Landmarke) „ Der hohe Platz “ genannt.

Ob die Ägypter mit den 120 Ellen eine senkrechte Höhendistanz gemeint haben können (wie sollten sie diese gemessen haben ?) oder rein pragmatisch 60m mehr oder weniger steil bergan, ist für die Bestimmung des Grabplatzes von geringer Bedeutung.

(Co-Autor: J. H. Pirzer)
Quellenangabe:  
Beginn des Neuen Reiches / D. Polz
Begegnung mit der Vergangenheit – 100 Jahre in Ägypten / D. Polz
DAIK – Rundbrief 2007 / D. Polz


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