Bauten Karnak

weiße Kapelle

Biografie Sesostris


(Bilder oben: mit frdl. Dank Gitta Warnemünde)

Allgemeines zu dem Begriff Gau:

Im Alten Ägypten waren die "Gaue" (altägyptisch spA.t ) über Jahrtausende gültige Verwaltungsbezirke entlang des Nils, die das gesamte Kernland umfassten. Entstanden sind die Gaue aus lokalen Fürstentümern des Neolithikums. Im Alten Reich gab es damals noch 38 Gaue. Später ergänzte man diese um 4 weitere. Die Gaue und ihre Gauvorsteher (Gaufürsten) waren im Verlauf der langen Geschichte Ägyptens mehr oder weniger unabhängig von der Zentralmacht des Pharaos. Fast jeder Gau hatte ein eigenes Wappen in Form einer Standarte und eine lokale Gottheit mit ihrem eigenen Mythos. Diese Gottheit wurde besonders verehrt und gewährte dem Gau dafür Schutz.

Während der griechisch-römischen Zeit teilte man das ägyptische Reich in 22 oberägyptische und 20 unterägyptische Gaue ein und jedes Gau wurde von einem Gaufürsten vertreten. Die älteste erhaltene "Gauliste" befindet sich an der Chapelle blanche, der weißen Kapelle Sesostris I. in Karnak.

Gauliste der Chapelle blanche:

Diese Gauliste Sesostris I. befindet sich an der Außenseite der gegenüberliegenden Seitenwände der Chapelle blanche (weiße Kapelle) in Karnak, die heute im Freilichtmuseum wiedererrichtet zu finden ist. Die Liste umfasst 22 oberägyptische und 16 unterägyptische Gaue. ( In späterer Zeit kamen noch 4 weitere Gaue hinzu) Auf der Nord- und Südseite werden die Gaue der jeweiligen Landeshälfte aufgeführt.

Die Gaue werden in der Sockelliste durch die entsprechenden Gauzeichen unterschieden. Hier stehen die ältesten auf einer Standarte, während die jüngsten ohne Standartenzeichen abgebildet werden. Dafür tragen sie Namensbezeichnungen und ihre Ausführung erscheint im erhabenen Flachrelief. In der 1. Zeile erkennen wir den Gaunamen und in der 2. Zeile werden die Götter genannt, in deren Tempel der Mess-Strick jedes Gaues, ( bw ntj  = "Ort, in welchem der Mess-Strick ist") aufbewahrt wird oder der Kultort des jeweiligen Gottes oder die Metropole des Gaus.

Lt. Wolfgang Helck gibt die geographische Liste am Sesostris-Kiosk in Karnak in der 3. Spalte Maßangaben an. Ferner finden sich am Ende des Textes Zusammenrechnungen, darunter eine Gesamtsumme der Länge Ägyptens. 

Nicht immer steht das Zeichen für einen bestimmten Gau in einem separaten Kasten, manchmal waren es auch zwei, die zusammen in einer Abteilung stehen.

Sinn und Zweck dieser Gauliste war die Anlage eines Katasters, d. h. die Nennung der Gau-Hauptorte und dazu die dort verehrten Götter, die dazu dienten, eine Identifizierung des Lagerungsortes des Mess-Strickes jedes Gaues zu ermöglichen, wobei der religiöse Sinn der Kapelle unbestritten ist.

Mit Hilfe dieser Gauliste auf dem Sockelrand der Weißen Kapelle Sesostris I. war es möglich, eine Karte der ägyptischen Gaue zur Zeit Sesostris I. zu erstellen. Unterägypten war damals zur Zeit Sesostris I. in nur 16 Gaue eingeteilt. Auf der Nordseite der Weißen Kapelle standen 22 Spalten zur Verfügung. Daher wurde die Spalte 17 für die "Legende" benutzt und die Spalten 18 bis 22 für weitere Katasterangaben.

Oberägyptische Gaue:

 

1.  (T3-stj)
    
Bogenland,    Nubierland
Gaugott:
Horus
- Elephantine -

2. ( Wtst-Hr)
   
Thron d.
    Horus
Gaugott:
Horus Behedeti
-
Edfu -
3.  (NXn)
   
Landeplatz
    Festungsgau
Gaugott:
Nechbet
- Elkab/Esna
4.  (WAst)
     Was-Gau
     Zeptergau
Gaugott:
Month,Amun
- Armant / später Luxor -

Oberägyptische Gaue 1 bis 4 (im gelb markiertem Bereich) 
(Bild: Gitta Warnemünde)

 

5. Gaubezeichnung
    fehlt (NTrwj)
   
beide göttl. Mächte
Gaugott:
Min
- Koptos -

6.  (Iqr) Krokodil

Gaugott:
Hathor
-
Dendera -
7.  (BAt) Bat Gaugott:
Göttintmit Kuhkopf
- Diospolites -
( Batiu)

Oberägyptische Gaue 5-7   (Bild: Gitta Warnemünde)


8.   (T3-wr
     
Großes Land
Gaugott:
Osiris Chontamenti
- Abydos, Metropole Thinis -

9.  (Mnw) 
    
Minu
Gaugott:
Min von Ipu
-
Panapolis -
10. (Wadjt) Kobra
      (Wadjet)-Gau
Gaugott:
Wadjet, Nemti
- Tjebu/Antaeopolis
11. (nicht lesbar)
      Seth-Gau
Gaugott:
Seth, Horus
-
Schas-hotep/Hypselis

Oberägyptische Gaue 8-11 (Bild: Gitta Warnemünde)

 

12.  (3tft) Atefet
       (nicht lesbar)
Gaugott:
löwenköpfige Göttin
Matit
-
El-Ataula -

13.  (Ndft Xntt)
     
vorderer (südl.)
       Granatapfelbaum
Gaugott:
Upuaut,
Asyut
14.  NDft pXt)
     
hinterer (nördl.l)
       Granatapfelbaum
Gaugott:
Hathor
Stadt: (kjs)
antik: Qusae

Oberägyptische Gaue 12-14 (Bild: Gitta Warnemünde)

 

15. (Wnt)
     
Hasengau
      Gau Wenet

 

Gaugott:
Unut, Thot
- Hermopolis 
(magna). El-Ashmunein 

16. MA-HD
  
Gazellengau (Antilopengau) 
Gaugott:
Horus von Hebenu
Hebenu, Pachet
17.  (Jnpwt) 
      
Gau Input  
       Hundsgau   
       (Schakalgau)
Gaugott:
Anubis
Stadt Henu (?)
(Hnw)

Oberägyptische Gaue 15-17 (Bild: Gitta Warnemünde)

 

18. ( antj) Anti,
      Gau des 
      Nemti/
      Anti-Falken
Gaugott:
Nemti
(Hwt-nswt)
Kom el-Ahmar, Sawaris

19. (W3bwi
     
Szepter-Gau
    beide Szepter 
Gaugott:
Seth
Per Medjet
griechisch:
Oxyrhynchos
20.   (Nart-xntt)
       
vorderer 
        Baumgau
Gaugott:
Herischef in Widdergestalt,
(H.t-nen Nesut)
Herakleopolis

Oberägyptische Gaue 18-20 (Bild: Gitta Warnemünde)

 

21. (Nart-pHwjt)
   
hinterer
    Naret-Baum-
    Gau,
   
Oleander-Gau
Gaugott:
Sobek(Maga)
Sobek-Horus,
Chnum,
es fehlt: Stadt 
(Smnw-Hr)
Schedet

22. (Mdnjt)
     
Messergau
Gaugott:
Hathor, Neith
(Tp-jHw
Per-nebet-tep-ichu
gr.:Aphroditopolis

Oberägyptische Gaue 21-22 (Bild: Gitta Warnemünde)

 

Unterägyptische Gaue:

 

1. Gau (Jnbw-HD)
 
"Weiße Mauer"
   - Memphis -
Gaugott:
Horus u. Ptah
Men-nefer

2. Gauzeichen: (xm)
    "Rinderschenkel"
    Schenkelgau
Gaugott:
Horus (der vor Chem/Letopolis
Chem, Letopolis
3.  Westgau (jmntt)
     Gau Jamentet
Gaugott:
Hathor,Hapi, Apis
(Hwt-jhjt) 
antik: Jamu

Unterägyptische Gaue 1-3  (Bild: Gitta Warnemünde)

 

 

4. südl. Schild (Nt)
    vord. Neith-Gau
Gaugott:
Neith /Sbk
Horus Behedeti
Stadt fehlt

5. Gau (Nt-mHti)
   
nördl.  Schild,
    hint. Neith-Gau
Gaugott:
Neith v. Sais
Horus Behederi
antik:Saw (Sais)
6.  Stiergau
     (xAsww)
   
Wildstiergau
Gaugott:
Uto, Horus, Re,

Stadt (H3sww) Chasu, Pe/Dep
(Per Uto)

Unterägyptische Gaue 4-6    (Bild: Gitta Warnemünde)

 

 

7.  Hapunengau
     westliche Hälfte
     (Wa-m-Hww 
     gs jmnt)
Gaugott:
HA (?)
westl. Gott Ha
keine Stadt 

8. Hapunengau
    östliche Hälfte
   (Wa-m-hww jAbtj)
Gaugott:
Atum, Osiris
antik: Teku
9.  Anedjti-Gau
     (andtj)
   
Weidegau
Gaugott:
Osiris v. Dedu
Stadt Busiris
(Per Osiris)
(+dw)

Unterägyptische Gaue 7-9   (Bild: Gitta Warnemünde)

Die Gauliste von Unterägypten auf der Chapelle blanche findet von den Gaubeschreibungen des 1. - 9. Gaus Übereinstimmung mit den sonstigen Quellen - anschließend weicht die Sesostris-Liste von der vorhergegebenen Reihenfolge ab. Außerdem sind einige Gaubeschreibungen nicht erhalten geblieben.

10.  verloren
       Gr. Stiergau
       (Km-wr)
Gaugott:
Chenti-cheti
Stadt: Kem-wer
(Atribes)

11.  verloren
      Gau der
   "Geschlachteten"
Gaugott:
Horus,
Stad: unbek.
12.  verloren
       Kalb und Kuh
Gaugott:
Gott: Onoris 
(
Tb-ntrt)
Tep-netjer
13. verloren
      - Ibisgau -
Gaugott:
Gott: Thot
Baqliya

Unterägyptische Gaue 10-13   (Bild: Gitta Warnemünde)

 

 

14.  (H3t-mhjt)
      
Fischgau
Gaugott:
kein Gott gen.
antik:Djedet
gr. Mendes

15.Gau (HqA-and)
   
Gau:Herrscher,
     Gesundheit,Heil
      
Gaugott:
Isis, 
Bastet v. Su
Stadt: Sw (Su)
Bubastis lt. Herodot
16. Gau (Hntj-j3btj)
      Teil des Ostgaus
Gaugott:
Horus v. Hw.t-bnw
Stadt: (Hwt-bnw),
evtl. Tanis ?

Unterägyptische Gaue 14-16   (Bild: Gitta Warnemünde)

 

Unterägypten war damals zur Zeit Sesostris I. in nur 16 Gaubezirke eingeteilt. Auf der Chapelle blanche stehen auf der Nordseite insgesamt 22 Spalten zur Verfügung. Daher benutzte man die Spalte 17 für die "Legende" und die Spalten 18-22 für weitere Katasterangaben.
                        (Bild: mit freundl. Genehmigung von Gitta Warnemünde)

Diese Datei wurde erstellt unter Zuhilfenahme folgender Medien: 

  1. Wolfgang Helck: Die altägyptischen Gaue, Wiesbaden 1974
  2. Wikepedia:  Textauszüge nach  Link    

    Der Text steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.


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