Biografie Tutanchamuns

Tutanchamun Bauten Karnak

Tutanchamun Beamte


(obige Bilder: John Bodsworth, copyrighted free use, commons wikimedia)

Entdeckungsgeschichte:

Der amerikanische Geschäftsmann Theodore M. Davis finanzierte in den Jahren zwischen 1903 und 1912 eine Reihe von Ausgrabungen im "Tal der Könige". Die Arbeiten wurden unter der Leitung von erfahrenen Ägyptologen durchgeführt. Unter ihnen befand sich auch Howard Carter, der in seiner Rolle als damaliger Generalinspektor der Monumente Oberägyptens, die Oberaufsicht führte. 

Theodore Davis und Edward R. Ayrton
1902 vor dem Grabeingang Ramses IV.,

(Bild:
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Howard Carter 1924
 am  Bahnhof Chicago, Illinois.
- Bild:
Chicago Daily News, Inc., photographer -
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Bis zum Jahre 1904 entdeckte man ca. 30 mehr oder weniger interessante Grabstätten, unter anderem stieß man auf die samt und sonders ausgeplünderten Gräbern von vier Königen, doch auch das unversehrte Grab der Urgroßeltern von Tutanchamun, Juja und Tuja kamen zum Vorschein. Den ersten Hinweis auf Tutanchamun fand sich im Winter 1906: 
15 Meter östlich des Privatgrabes Nr. 45 des Amenemopet, in einem Versteck am Fuße eines Felsens, fand man eine kleine blaue Keramiktasse mit der Kartusche von
Tutanchamun. Wahrscheinlich wurde die Tasse von Grabräubern mitgenommen, die das Material für Glas hielten - in der 18. Dynastie sehr begehrt.

Im folgenden Jahr 1907 trafen die Archäologen auf einen unregelmäßigen Schacht an der Bergflanke, den etwa 1,50 m tiefen Schacht Nr. 54. Theodore Davis begutachtete den Fund oberflächlich und stellte fest, dass es sich hierbei um mehrer große Tongefäße, ein paar Leinenfetzen, Keramikscherben und Schutt handelte und deponierte es in seinem Haus , wo diese Funde schnell in Vergessenheit gerieten.

Im Januar 1908 erhielt Davis Besuch von Herbert Winlock, dem damaligen Kurator der ägyptischen Akteilung des New Yorker Metropolitan Museum. Winlock untersuchte die großen Tongefäße, die in der Grube ans Tageslicht gekommen waren und erkannte sofort ihre Bedeutung und schicke die Sammlung mit Einverständnis von Davis an das Metropolitan Museum of Art in New York, um sie dort begutachten zu lassen. Verschiedene Siegelabdrücke trugen den Namen Tutanchamuns, andere die Zeichen der Königsnekropole sowie der Name des Königs mit dem Zusatz "geliebt von" mehreren Gottheiten, darunter Ptah und Chnum.

Einige der Fragmente von Leinenschals trugen Inschriften in hieratischer Schrift aus dem Jahre 6 und 8 der Regierung Tutanchamuns. Außerdem fand man eine kleine Maske aus vergoldetem Pappmache, die zweifellos für den Fötus gedacht war, der später in der Schatzkammer im Grab des Tutanchamuns aufgefunden wurde. Wie sich später herausstellte, hatten diese unansehnlichen Dinge bei den Bestattungsfeierlichkeiten dieses Königs Verwendung gefunden; denn die Blumenkragen waren von der gleichen Art, wie sie auf dem dritten Sarg Tutanchamuns lagen.

Im Jahre 1909 gelingt es schließlich einem der für Davis arbeitenden Forscher, Harold Jones, in eine schmucklose unterirdische Kammer, KV 58 vorzudringen. Dieser befindet sich leicht nördlich der Grabstätte des Haremhab in 7 Meter Tiefe und enthielt eine schöne Uschebti-Figur aus Alabaster, die vielleicht dem "Gottesvater" und späteren Nachfolger Eje gehörte hatte und eine kleine hölzerne Schachtel, leider beschädigt, in der sich die Reste von Goldfolien mit den Silhouetten des Tutanchamun und seiner Gattin Anchesenamun befanden.

Aus diesen Entdeckungen schließen Davis und seine Mitarbeiter, dass sie bereits sämtliche Unterreste des Grabes Tutanchamuns gefunden hatten. Des Rest scheint ihrer Auffassung nach den Grabräubern in der Ramessidenzeit zum Opfer gefallen zu sein. Davis bricht daraufhin seine Forschung im Tal der Könige ab. 

Howard Carter kommt jedoch nach einer erneuten Begutachtung der von Davis Gruppe gefundenen Objekte zu dem Schluss, dass allen etwas gemeinsam ist: Sie stammen fast ausschließlich entweder mit dem Prozess der Einbalsamierung oder mit dem in der Nähe des Grabes abgehaltenen Begräbnisbankett im Zusammenhang. Allen Anschein nach befindet sich jedoch darunter kein einziges Objekt, welches als Grabbeigabe klassifiziert werden kann. So ist keinesfalls klar, dass es sich bei Schacht KV 54 und KV 58 um die einzigen Überreste des Tutanchamun handelt!

Als Davis seine Ausgrabungen im Jahre 1914 beendet hatte, erhielt Lord George Herbert Carnarvon, der sich aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit seit 1903 öfters in Ägypten aufhielt, um dem feuchtkalten Klima Großbritanniens zu entkommen, nach langen Warten die Konzession für Ausgrabungen im Tal der Könige. Lord Carnarvon und Carter, der schon seit 1907 Grabungen von Lord Carnarvon leitete, beginnen zunächst im Tal der Affen mit dem Grab Amenophis II. und konzentrieren sich ab 1917 dann auf das Tal der Könige, auf der Suche nach einem ganz bestimmten Grab, dem Grab des Tutanchamuns.

George Herbert 5th. Earl of Carnarvon
- während einer Arbeitspause 
in Carters Hause in Luxor -
Bild:
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Lord George Herbert Carnarvon und Howard Carter
im Tal der Könige 1922

Bild: This image is in the public domain because its copyright has expired.)

Der erste Weltkrieg bricht aus und das Vorhaben wurde bis 1917 zurückgestellt. Nach fünf erfolglosen Saisongrabungen zweifelte Lord Carnarvon, ob sich weitere Ausgrabungen überhaupt noch lohnen würden. Selbst Carter muss sich am Ende jener Saison 1921/22 eingestehen, dass das Grabungsergebnis trotz einiger interessanter Entdeckungen im Ganzen enttäuschend verlaufen ist. Ist das Tal der Könige wirklich "erschöpft", wie Theodore Davis behauptet hatte?

Howard Carter und Lord Carnarvon im Tal der Könige
- fotografiert am 18.Febr. 1923 von der 
Königin Elisabeth von Belgien -

Porträt Howard Carter

 

Dieses Bild ist public domain, da das Copyright abgelaufen ist. Dieses Bild ist public domain, da das Copyright abgelaufen ist.

Lord Carnarvon beschließt schließlich nach einer Bestandsaufnahme der Arbeiten der letzten sechs Jahre, die Forschungen in der königlichen Nekropole aufzugeben, denn die von diesem Unternehmen verschlungenen Summen stehen in keinem Verhältnis zu den erzielten Ergebnissen und der Wahrscheinlichkeit, doch noch etwas zu finden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er die ungeheure Summe von 45.000 britischen Pfund buchstäblich in den Sand gesetzt! - Heute entspräche das mindestens einer Million Euro.

Er teilt seinen Entschluss Howard Carter mit, der zwar Verständnis für die Haltung des Lords hat, aber auf der anderen Seite sind ihm noch ein paar unberührte Stellen verblieben. So bittet er Lord Carnarvon, der im Besitz der alleinigen Grabungslizenz war, ihm noch eine letzte Grabungssaison zugewähren, für die er die Kosten auf seine eigene Kappe nehmen wollte. Die evtl. zutage geförderten Artefakte sollten aber rechtlich Lord Carnarvon  zustehen. Dieser gibt schließlich seine Einwilligung für eine letzte Grabungssaison, aber auf Kosten von Howard Carter.

Tal der Könige
- In der Bildmitte liegt das Grab Ramses VI. und direkt rechts daneben das Grab von Tutanchamun -

Howard Carter im Mai 1924

Bild:     Luxor, Tal der Könige (1995, 860x60n5.jpg
Autor:  Peter J. Bubenik (1995)
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2,0 Generic 
Originalbild    -    hier 
aus Wikimedia Commons
Bild: Howard Carter 1924.jpg
Autor
:
National Photo Company Collection (Library of Congress)
Dieses Bild ist gemeinfrei weil das Copyright abgelaufen ist.
Originalbild:   hier  

Carter hatte sich schon seit längerer Zeit vorgenommen, den Schutt an einer Stelle im inneren Tal unmittelbar vor dem Grab Ramses VI. abzuräumen, musste allerdings diese Arbeiten aufschieben, um den Touristen nicht den Zugang zum Grab KV 9 abzuschneiden. Am 1. November 1922 eröffnete Carter die neue Grabkampagne mit Arbeiten vor dem Grab Ramses VI. Am Abend des 3. November hatte er eine Anzahl der hier entdeckten Bauhütten aus der Zeit der 20. Dynastie abreißen lassen, nachdem ihre Grundrisse aufgenommen worden waren. Unter den Hütten fand sich über dem Felsboden eine etwa ein Meter dicke Schuttschicht. Am Morgen des 4. Grabungstages erfuhr er, dass man unmittelbar unter der ersten Hütte eine in den Felsen gehauene Stufe entdeckt hatte. Sollte diese Treppe zum Grab Tutanchamuns führen?

Am darauffolgenden Nachmittag lagen zwölf Stufen frei, und noch immer war das untere Ende der Treppe nicht erreicht. Aber nun stand fest: Die Treppe führte zu einer Türöffnung im Felsen, die mit Geröllsteinen verschlossen und mit einer Lehmschicht verschmiert war. Carter kann nun den oberen Teil einer zugemauerten und mit Gips überzogenen Tür sehen, auf der das offizielle Siegel der thebanischen Nekropole sehr gut zu erkennen ist. Anubis, der neun Feinde Ägyptens unterwirft. Dieses kann nur zwei Dinge bedeuten: Wenn die Arbeiter der ramessidischen Epoche an dieser Stelle ihre Hütten errichtet hatten, musste das Grab schon zur Zeit der 20. Dynastie in Vergessenheit geraten sein, und wenn dessen Eingangstür den Abdruck dieses besonderen Siegels trägt, muss es sich um eine Person von sehr hohem Rang handeln:

Da es an diesem Tag zu spät war, um den Gang freizuschaufeln und er nun sicher war, dass es sich hierbei um eine wichtige Entdeckung handelte, sandte Carter am nächsten Morten sein historisches Telegramm an Lord Carnarvon:

"Habe endlich wunderbare Entdeckung im 'Tal' gemacht; ein großartiges Grab mit unbeschädigten Siegeln; bis zu Ihrer Ankunft alles wieder zugedeckt. Gratuliere."

Nach mehreren Tagen traf Lord Carnarvon am 23. November 1922 mit seiner Tochter Lady Evelyn Herbert endlich in Luxor ein. Zusammen mit Carter wartete sein Assistent A. R. Callender ungeduldig auf den Fortgang der Arbeiten.
Die Treppe wurde wieder freigelegt, ebenso die vier restlichen Stufen und damit auch der untere Teil der zugemauerten Tür. Hier gab es andere Siegel als am Oberteil: die Siegel Tutanchamuns. Es war nun allerdings auch klar, dass die Blöcke mit den Siegeln der Königstotenstadt nicht den originalen Türverschluss bildeten, sondern nur die von ungebetenen Besuchern entfernten ursprünglichen Verschlusssteine ersetzten. Unberührt geblieben war lediglich der Mauerteil mit den Siegeln Tutanchamuns. Der neue Verschluss der Eingangstür und die Beschädigungen mussten bereits vor der Zeit Ramses VI. stammen und der Grabinhalt konnte wahrscheinlich kaum unversehrt geblieben sein. Aber da man die Steinblöcke des Türverschlusses wieder erneuert hatte, war daraus zu schließen, dass die Grabräuber noch etwas zurückgelassen hatten, das wertvoll war.

Die zweite Versiegelung des oberen Teils der Tür ließ sich nur so deuten: Grabräuber mussten in das mit Schätzen ausgestattete Königsgrab eingedrungen sein. Wächter der Verwaltung der Herrschernekropole hatten sie überrascht und später das Grab wieder sorgfältig verschlossen. Aber was hatten die Diebe mitgenommen? Alle bisher gefundenen Königsmumien waren ihres ursprünglichen Schmuckes beraubt worden und ihre Mumien geplündert. Nach den Einbrüchen hatten die Beamten der Nekropole notdürftig wieder etwas Ordnung in das Durcheinander gebracht und das Grab dann sorgfältig verschlossen. Ihre Versiegelungen gaben Carter die Gewissheit, das die letzte Ruhestätte Tutanchamuns seit über 3000 Jahren von niemanden mehr betreten worden ist!

Nachdem man den verputzen Eingang gänzlich ausgegraben hatte, entdeckte man etwas recht beunruhigendes. In den unteren Schuttschichten, welche die Treppe bedeckten, fand man ein Menge Scherben, zerbrochene Kästen mit dem Namen Echnatons, Semench-ka-Res und Tutanchamuns, einen Skarabäus Thutmosis III. und ein Bruchstück des Namens Amenophis III. Hinter dem vermauerten Eingang kam ein abwärtsführender Gang zum Vorschein, der etwas über zwei Meter hoch und ebenso breit war, wie die Eingangstreppe. Dieser war mit Geröll gefüllt, wie Carter schon früher bemerkt hatte und wieder fanden sich Anzeichen, die vermuten ließen, dass das Grab seit seiner ursprünglichen Schließung mehr als einmal wieder geöffnet worden war. Wie bei der Treppe fand man im Schutt des Ganges viele zerbrochene oder benutzte Gegenstände, Scherben, gesiegelte Krugverschlüsse, Alabastergefäße und Wasserschläuche. Es bestanden kaum Zweifel, dass all diese Gegenstände aus dem Grab stammten. Darunter befand sich auch eine reizvoll bemalte Wiedergabe einer Lotosblume mit einem Menschenkopf. Sie war Teil einer Skulptur, die offenbar Tutanchamun darstellt  - oder vielmehr die Geburt Tutanchamuns aus einer Lotosblume.

         Kopf des Tutanchamuns, 
 der aus einer Lotosblüte entspringt.

Diese einzigartige Skulptur aus stuckiertem und bemalten Holz wurde vom Grabungsteam unter Howard Carter (lt. eigenen Angaben Carters) am Eingang des Grabes unter den Trümmern des Zugangskorridors entdeckt. Der Kinderkopf des Königs entspringt einer Lotosblüte mit geöffneten Blütenblättern. Der blau bemalte Sockel stellte das Wasser dar, aus dem die Blume enportaucht. Die auftauchende Lotosblume symbolisiert die Sonne, die ebenfalls jeden Tag nach ihrer nächtlichen Reise durch das Jenseits wiedergeboren wird.

Material: Stuckiertes und bemaltes Holz
Höhe:       30 cm

(Bild: mit frdl. Dank an
Jon Bodsworth)

Am Ende des Ganges lag eine weitere blockierte Tür, die genau der ersten entsprach. Am 26. November 1922 legten die Ausgräber diesen versiegelten Durchgang frei. Carter bohrte eine kleine Öffnung in die linke obere Ecke des Mauerwerkes und steckte einen Stab hindurch, um zu prüfen, was dahinter lag. Mit Erleichterung stellte er fest, dass sich die Schutt- und Steinfüllung hinter dieser Tür nicht mehr fortsetzte. Er erweiterte das Loch und heiße Luft, die drei Jahrtausende lang nicht entweichen konnte, schoss ihnen wie ein Gasstoß ins Gesicht. Mit zitternden Händen hielt Carter eine Kerzenflamme in den Luftzug, um sicher zu sein, dass sie keine giftigen Gase enthielt. Aus dem stockdunklen Flur leuchtete Carter in die ebenfalls nachschwarze Kammer hinein.

Der größte Augenblick im Leben von Howard Carter war gekommen. Die entweichende heiße Luft brachte das Licht der Kerze zum Flackern, so dass Carter einen Augenblick nichts sehen konnte. Dann, als sich seine Augen an das schwache Licht gewöhnt hatten, erkannte er, dass er in eine Kammer blickte, die vom Boden bis zur Decke mit Dingen des Totenkults und Geräten des täglichen Lebens vollgepackt war. Ein schmaler Bodenstreifen in der Mitte der Kammer war frei von den Gegenständen. 

"Zuerst sah ich gar nichts. Die aus der Kammer ausströmende heiße Luft brachte meine Kerze zum Flackern, doch als sich meine Augen nach und nach an das Licht gewöhnten, erkannte ich die Details des Raumes, die sich langsam aus dem Nebel lösten, merkwürdige Tiere, Statuen und Gold überall das Glänzen von Gold".

(Howard Carter)

Lord Carnarvon fragte ungeduldig: "Können Sie etwas sehen?"
"Ja, wunderbare Dinge!" war alles, was Carter aufgeregt antworten konnte. (C. Vol.I,113) 

Es stellte sich bei späteren Untersuchungen heraus, dass Grabräuber (nach Aussagen von Howard Carter) kurz nach Tutanchamuns Tod zweimal hier eingedrungen sein sollen. Einmal sollen sie große Mengen der teuren ätherischen Öle aus Vasen und Krügen entleert und mitgenommen haben, beim zweitenmal war man angeblich auf Gold und Schmuckstücke, die  sich leicht transportieren ließen, aus gewesen.

Lord Carnarvon und Howard Carter konnten der Versuchung nicht widerstehen, wenigstens einen Blick hinter die versiegelte Tür zu werfen. Sie erweiterten das Loch in der Tür, die den Korridor vom Vorraum trennte und traten schließlich in die Kammer ein.

                                                                               Das Innere der Vorkammer
Die Westwand mit den Totenbetten und den rund um sie aufgestellten Gegenständen. Die Bahren sind aus Holz geschnitten und mit Stuck und Blattgold überzogen. Links davon waren zwei umgestürzte Wagen zu sehen. Fahrzeuge wie diese waren zu groß, man konnte sie nur zerlegt in die Grabkammer bringen. Unter dem Bettgestell mit dem Flusspferdkopf befindet sich ein goldener Thron und unter dem Bettgestell mit den Hathorköpfen lagen Stapel mit hölzernen Nahrungsmittelbehälter. Tintenaufschriften gaben an, für welchen Inhalt der jeweilige Behälter bestimmt war, wie zum Beispiel 48 ovale Holzboxen als Nahrungsmittelvorrat für die Reise in das Jenseits. Lt. den hieratischen Aufschriften enthalten sie u. a.: Ganz oder Rinderteile wie "Kopf, Herz, Leber und Schenkel und Rücken". In vielen Behältern befanden sich jedoch andere Nahrungsmittelinhalte als auf den Aufschriften angegeben, wie z. B. Zunge anstatt Leber oder Lende anstatt Rückenstücke. In unbeschrifteten Boxen fand man auch Enten-, Tauben u. Hühnerfleisch.
                                                 (Bilder:
Harry Burton - public domain)

 

"Man muss sich einmal vorstellen, wie diese Objekte im Schein unserer Lampe vor uns erschienen; dem ersten Licht, das seit über dreitausend Jahren die Dunkelheit des Grabes durchdrang. Die Wirkung war ungeheuer, umwerfend..... Ich glaube, wir waren uns gar nicht genau darüber klar gewesen, was wir eigentlich zu sehen erwarteten. Auf jeden Fall hätten wir uns niemals so etwas träumen lassen. Ein Raum voll von Gegenständen, von deren einige uns bekannt, andere wieder unbekannt vorkamen, wild durcheinander gestapelt in einer schier undurchdringlichen Fülle......."

(Howard Carter)

Carter und Lord Carnarvon bemerkten an der Nordwand der Kammer einen zugemauerten, versiegelten Durchgang, der von zwei Wächterstatuen flaniert war. Ihnen wurde nun klar, dass sie sich in einer Vorkammer befanden, hinter der noch weitere Räume liegen mussten. Unmittelbar vor ihnen stand eine Bahre mit Kuhköpfen. 

               Ritualbahre mit Kuhköpfen
Drei identisch konstruierte Totenbetten, deren Köpfe nach Norden, in Richtung der Sargkammer zeigten, wurden entlang der Westwand im Vorraum gefunden. Sehr wahrscheinlich sollten sie die Reise des König in das Reich des Sonnengottes in die himmlischen Gefilde erleichtern.

H.: 134cm, Breite: 126 cm, Länge: 236 cm
Material: Stucküberzogenes und vergoldetes Holz mit Elfenbeinelementen und Einlegearbeiten aus Glaspaste , Blattgold.

(Bild mit frd. Genehmigung:  Astrodoc)

Diese Ritualbetten wurden ausschließlich während der Begräbniszeremonie verwendet. Die Kuh (mit Leopardenflecken, die den Sternenhimmel symbolisieren, versinnbildlicht "Mehet-weret", die "Große Flut" und steht für das erste Wesen, das dem "Nun", dem Urozean, entstiegen ist.
(Quelle: Ägyptisches Museum Kairo/Nat. Geographic Art Guide 2001)

 

 

Totenbett mit Löwenköpfen
Eines der drei Totenbetten hatte die From eines Löwen.

Die Löwin war eine Erscheinungsform der Göttin Sachmet. Im Laufe der Zeit brachte man die Göttin Sachmet auch mit der Heilkunst in Verbindung.

Bild; Andre Kottlewski, Aachen 2001 -

           Totenbett mit Flusspferdköpfen 
Howard Carter erzählte später, dass er beim Betreten des Grabes vom Anblick dreier großer Totenbetten überrascht wurde, die entlang der Westseite des Vorraums aufgestellt waren. Er berichtete von Silhouetten "in Form von monströsen Tieren, " die ihre Furcht erregende Schatten gegen die Wand warfen.

(Fundnummer 137)

 

(Bild: mit Dank an Jon Bodsworth - copyrighted free use)

Das Bett mit dem Flusspferdkopf hat die Form der "großen Seelenfresserin", dem göttlichen Fabelwesen mit dem Körper und den Füssen einer Katze, dem Schwanz eines Krokodils und dem Kopf eines Flusspferdes. Aus dem geöffneten Maul schaut zwischen den elfenbeinernen Zähnen eine Zunge aus rotbemaltem Elfenbein hervor, die den bedrohlichen Aspekt dieses Tieres zum Ausdruck bringt, 

Die hölzernen, mit Gold überzogenen Seitenteile dieser drei identisch konstruierten Totenbetten bestehen aus Elementen dreier Tierarten: Nilpferd (die Köpfe), Krokodil (die langgestreckten Leiber) und Löwe (die Beine und Füße). Eine Inschrift auf dem Rahmen der Liegefläche bezeichnet Tutanchamun als "geliebt von Amut". (Amut = Verschlingerin der Toten)

Diese Art von Möbeln waren den Ausgräbern allerdings nicht völlig unbekannt, denn Abbildungen davon waren ihnen schon einige Male auf den Wanddekorationen der thebanischen Nekropole begegnet. Doch war bisher noch niemals ein vollständiges Exemplar entdeckt worden. Alle drei Totenbetten sind nach identischem Prinzip erbaut worden und bestehen aus einer leicht demontierbaren Rahmenkonstruktion mit zwei Seitenteilen in Form eines langen stilisierten Körpers, der in einen Tierkopf ausläuft, einem Fußteil sowie ein Untergestell, in den die Tierfüße eingelassen werden. Die ganze Konstruktion ist mit Hilfe von Haken, Ösen und T-Bolzen aus Bronze miteinander verbunden.

Außer den drei Totenbetten befanden sich noch sechs weitere Betten im Grab: zwei im Vorraum und vier im Nebenraum. Alle haben Löwenfüße, die auf kleinen Bronzesockeln ruhen.

Weiter rechts von den Betten erblickten Carter, Lord Carnarvon und Lady Evelyn Herbert zwei Standbilder, zwei lebensgroße Statuen des Königs in Schwarz, die sich wie Schildwachen gegenüberstanden, mit goldenem Schurz, goldenen Sandalen, mit Keule und Stab und mit der schirmenden heiligen Schlange an ihrer Stirn. Das waren die Hauptgegenstände, die ihnen zuerst in die Augen fielen. Zwischen ihnen, um sie herum, oben darauf gehäuft, waren zahllose andere außergewöhnlich schön bemalte und eingelegte Kästen, Alabastervasen, seltsame schwarze Schreine, aus deren  eine große schwarze Schlange zur geöffneten Tür herausschaute. Weiter ein goldeingelegter Thronsessel, zur Linken ein wirrer Haufen umgestürzter Wagen, die von Gold und Einlagen glänzten. Aber nirgends sahen sie in dem ganzen Gemisch von Gegenständen einen Sarkophag oder noch die Spur einer Mumie.

Dann bemerkten sie zum erstenmal, dass sich zwischen den beiden schwarzen Figuren noch eine weitere versiegelt Tür befand. Allmählich wurde ihnen klar, dass sie sich erst am Anfang ihrer Entdeckung befanden und sie sich in einer Art Vorkammer befinden mussten. Hinter dieser versiegelten Tür mussten sich noch andere Kammern und Räume befinden, in denen sich sicherlich auch die Mumie befand.

Carter hatte genug gesehen und sie verstopften das Loch wieder und schlossen das Holzgitter ab, das vor dem ersten Türeingang angebracht war und stellten Wachen auf. Er ließ die zum Grab führende Treppe wieder zuwerfen und begann mit den Vorbereitungen für die Graberforschung. Ein Eisengitter wurde angeschafft, um das Grab gegen Einbrüche zu sichern, denn das angebrachte Holzgitter genügte nicht.

Hilfsangebote trafen ein, das Metropolitan Museum of Art, New York, welches gerade in Kurna arbeitete, überließ ihm großzügigerweise den Grabungsphotograph Harry Burton und zwei weitere Zeichner, außerdem mehrere Mitarbeiter des Instituts. Auch ein Chemiker für die Konservierungsarbeiten (A. Lucas) und auch Dr. Alan Gardiner sagte zu, die Inschriften zu bearbeiten, da man noch zu diesem Zeitpunkt davon überzeugt war, dass sich Papyri finden würden. 

         Gruppenfoto vor KV 62

von links:
Lord Carnarvon
Arthur Mace
Howard Carter
Arthur Callender
2 unidentifizierte Personen
und 2. von rechts Alfred Lucas

 

(Foto: Harry Burton - public domain)

 

Die Arbeit begann am 27. November: Burton fotografierte und Hall und Hauser zeichneten. Carter und sein Assistent Callender hielten erste Eindrücke fest und kümmerten sich um den Transport der Objekte in das Grab Sethos II., welches als Zwischenlager und für die Restauration der Objekte diente. Das Grab Nr. 55 hatte man in ein Fotolabor für Burton verwandelt. Das Ausräumen der Kammer ging sehr systematisch vonstatten. Alle Objekte wurde katalogisiert und man begann rechts vom Eingang in der Nordostecke des Raumes und arbeitete sich entgegen dem Uhrzeigersinn weiter vor.

Am 29. November 1922 wurde der Vorraum in einer feierlichen Zeremonie offiziell eröffnet und man konnte endlich mit der Inventarisierung beginnen. Mit der Ungestörtheit, in der Carter bisher arbeiten konnte, war es aber endgültig vorbei. Menschentrauben umlagerten den Eingang zum Felsengrab schon am 29. November 1922 als die Tür zu Vorkammer geöffnet wurde. Und so blieb es über eine lange Zeit - mit all den belästigenden Begleiterscheinungen einer aus verschiedenen Nationen und Gesellschaftsschichten zusammengewürfelten Menschenmasse. Eine Handvoll Ehrengäste wurden von Carter und Lord Carnarvon eingeladen, zumeist hohe ägyptische Persönlichkeiten. 

Während man sich noch aufgeregt von einem Gegenstand zum nächsten bewegte, machten die Ausgräber eine neue Entdeckung. Unter dem großen Totenbett, das die Südwand am nächsten stand, entdeckten sie ein kleines unregelmäßiges Loch in der Wand. Hier befand sich noch eine versiegelte Tür, die ebenfalls von den Dieben aufgebrochen worden war, doch die man im Gegensatz zu den anderen nicht wieder zugemauert hatte. Carter und sein Team glitten vorsichtig unter die Bahre und führten die tragbare Lampeein. Die Kammer war wesentlich kleiner als die Vorkammer, aber dafür noch voller. Alles war in diesem Raum durcheinandergeworfen und schnell wurde klar, dass dies genau der Zustand war, in dem die Diebe den Raum verlassen hatten. Der sogenannte Nebenraum war der letzte der Kammern, die von Carter und seinem Team geräumt wurden.

Nach fast drei Monaten aufreibender Arbeiten waren die Objekte der Vorkammer Mitte Februar 1923 soweit sichergestellt, dass die Vermauerung zwischen der Vorkammer und der Sargkammer geöffnet werden konnte. Mit Ausnahme der beiden Wache haltenden Statuen, die man lt. Carter in bestimmter Absicht stehengelassen hatte, waren alle Objekte in das Laboratorium gebracht worden. Jeder Zoll der Vorkammer war nach der letzten Perle durchgesiebt worden und sie war nun vollständig ausgeräumt und leer.

Die Vorkammer war nun vollständig ausgeräumt und leer und man konnte nun am Freitag den 17. Febr. 1923 das Geheimnis der versiegelten Tür lösen. Im ganzen trafen sich hier zu dem Ereignis etwa 20 Personen, unter ihnen Lord Carnarvon, Lady Evelyn Herbert, der Minister der öffentlichen Arbeiten Exzellenz Abd el Halim Pascha Suliman, der Generaldirektor der Altertumsverwaltung Lacau, Sir William Garstin, Sir Charles Cust, der Leiter der ägyptischen Abteilung am Metropolitan-Museum in New York Lythgoe, Professor Brestaed, Dr. Alan Gardiner, Herbert Winlock, Mervyn Herbert, Richard Bethell, der Generalinspektor der Altertümerverwaltung Engelbach, drei ägyptische Inspektoren der Altertümerverwaltung, der Vertreter der Regierungspresse und die Mitglieder von Carters Stab und natürlich Howard Carter selbst. 

               Wächter im Vorraum
Die Tür zur Sargkammer war auf die gleiche Weise wie die Türen des Ganges zur Vorkammer vermauert. Mörtelbewurf bedeckte das Mauerwerk und die Putzschicht trug die Siegel Tutanchamuns. Nur ganz unten am Boden fanden sich die Siegel der Nekropolenverwaltung. Das bedeutete, dass auch hier Grabräuber am Werke waren! Für einen schlanken Mann oder einen Knaben war die wieder zugemauerte Öffnung groß genug, um hindurchzugelangen. Beiderseits der zugemauerten Tür stehen sich zwei schwarzgoldene Standbilder des Königs gegenüber.

(Bild: Harry Burton - public domain, da copyright 70 Jahre nach dem Tod des Fotografen abgelaufen ist.)

Die Wächterstatuen wurden durch hölzerne Verschläge geschützt und danach trug Carter die versiegelte Vermauerung des niedrigen Durchganges vorsichtig ab. Der Durchgang zur nächsten Kammer, der Sargkammer, war auf gleicher Weise, wie die Türen des Ganges zur Vorkammer vermauert. Auch hier deckte Mörtelbewurf das Mauerwerk und die Putzschicht trug Siegel - in diesem Fall die Siegel Tutanchamuns. Nur ganz unten am Boden fanden sich abermals die Siegel der Nekropolenverwaltung. Also waren auch hier einst Grabräuber eingedrungen. Die wieder zugemauerte Öffnung war groß genug gewesen, um einen schlanken Mann oder Knaben durchzulassen.

Nach etwa 10 Minuten war das von Carter gehauene Loch groß genug, so dass er einen ersten Blick hindurchwerfen konnte. Beim Licht einer elektrischen Taschenlampe sah er keinen Meter vor sich "eine anscheinend goldene Wand". Mit Hilfe seines Assistenten Arthur Mace vom Metropolitan Museum gelang es ihm, Stein für Stein einzeln zu entfernen. Dann konnte man sehen, woraus die goldene Wand bestand. Es handelte sich um die Seitenwand eines großen, vergoldeten Totenschreines, erbaut, um den Sarg zudecken und zu schützen. Carter erkannte, dass sie sich am Eingang der Sargkammer befanden, und was sie sahen gab Carter die Gewissheit, darin den Sarkophag und wahrscheinlich auch die königliche Mumie zu finden. Da allerdings die Grabräuber vor ihnen da gewesen waren, musste es sich noch zeigen, was sie übriggelassen hatten.

                           Das Abräumen der Mauer 
               zwischen der Vorkammer und der Sargkammer

Hinter dem Korb, in der Mitte des Bildes, hat man ein Stück der mit Siegelabdrücken versehenen Wandfläche stehen lassen. Howard Carter (auf der oberen Stufe) ist damit beschäftigt, den Balken über dem Durchgang freizulegen, wobei ihm seine ägyptischen Arbeiter und A. R. Callender zur Hand gehen. Der Durchgang zur Sargkammer ist mit Brettern verschlagen, um die Schreine während der Arbeiten zu schützen.

(Bild: Harry Burton - public domain, da das copyright abgelaufen ist.)

Es war keinesfalls leicht für die Ausgräber die Sargkammer zu betreten, da der Boden über ein Meter tiefer als der der Vorkammer lag. Da sich zwischen Tür und Schrein nur wenig Platz befand, hatte Carter Probleme, sich deshalb hinabzulassen. Zum Glück war die Grabkammer frei von Fundstücken und er konnte vorsichtig mit der tragbaren Lampe in der Hand bis an die Ecke des Schreines vorrücken und dahinter schauen. 

Zwei schöne Alabastergefäße versperrten den Weg, aber nachdem er diese wegnahm (nachdem er sorgfältig die Stelle ihres Fundes bezeichnet hatte) und sie rückwärts in die Vorkammer reichte, konnte er ungehindert bis an das Ende der Kammer gelangen. Zusammen mit Lord Carnarvon und Macau, die ihm folgten, tasteten sie sich vorsichtig in den engen Gang zwischen Schrein und Mauer entlang. Vor ihnen türmte sich einer der großen vergoldeten Schreine auf, unter die die Könige gelegt wurden und sie sahen, dass dieses Bauwerk fast die ganze Kammer ausfüllte, nur ein Zwischenraum von ungefähr 61 Zentimeter trennte es an allen vier Seiten von den Wänden, während sein Dach fast bis zur Decke reichte.

                                                             Ölvase mit Nilgöttern
                        - Fundnummer Carter 210; Kairo JE 62114, Höhe 70 cm, Breite 36,8 cm - 
Diese verschwenderisch gestaltete Flasche für Duftöl fand Carter vor den Türen des zweiten Schreins in der Sargkammer. Hoch oben auf dem Deckel des Gefäßes thront ein Geier mit schützend ausgebreiteten Flügeln. Er trägt die "Atef-Krone" und stellt vermutlich die Göttin Nechbet dar. Das Gefäß hat die Form der Hieroglyphe "sema" (Bedeutung von "Vereinigung"). Seitlich des "sema-Zeichens" stehen je zwei Nilgötter. Der eine trägt eine Papyrusstaude auf dem Kopf und hält sich an den Papyrusstauden fest, die am "sema-Zeichen" befestigt sind. Er steht für Unterägypten, was auch durch die Uräusschlange mit der roten Krone Unterägyptens zum Ausdruck gebracht wird. Der andere Nilgott, der Lilien auf dem Kopf trägt und sich an den Lilien festhält, die am "sema-Zeichen" befestigt sind, steht für Oberägypten. Auch diese Szene krönt eine Uräusschlange, die hier jedoch die weiße Krone Oberägyptens trägt.

Der Text am Hals der Vase handelt vom König: "Du hast Ober- und Unterägypten unter deinen Sandalen vereinigt. Du wirst wie Re für immer auf dem Thron des Horus sein." Auf dem Bauch Sockel ist der Thronname wie auch der von Anchesenamun erwähnt. Der Sockel trägt den Thronnamen des Königs, flankiert von zwei Horusfalken. Darunter ist jeweils die Hieroglyphe für "Gold" zu erkennen.

Die Vase besteht aus Kalzit, wobei vier Einzelteile zusammengeklebt wurden. Wichtige Elemente sind vergoldet und mit Farbe oder Fayence-Einlagen betont.

Bild:     hier bei Flick
Autor:  Dalbera (from flickr)
Lizenz:
CC BY 2.0

 

File:      Vase of Tutankhamun1.jpg
Bild:      Frank Rytell,
         -
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Lizenz:
Creative Commons Attribution 2,0 Generic
Originalbild   -   hier   -

 

    Dreiteilige Lampe in Form einer Lotosblume

Am Eingang zur Grabkammer wurde eine Lampe in Form dreier über der Wasseroberfläche schwebender Lotosblüten gefunden. Sie besteht aus einem einzigen Alabasterblock (Kalzit). Man füllte die Kelche mit Öl, in das ein Docht aus geflochtenen Leinenfasern gesteckt wurde. Als Carter diese Lampe entdeckte, war sie immer noch mit Öl gefüllt.
Material:  Kalzit (Alabaster)
Höhe: 27 cm; Breite 27 cm.

Bild: Calcite Vase of Lotus Blossom
Autor:  von لا روسا (Eigenes Werk) 
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Der einzige Gedanke, den sie zu dem Zeitpunkt hatten, war für den Augenblick der Schrein und seine Unversehrtheit. Waren die Diebe in ihn eingedrungen und hatten sie die Grabstätte des Königs erbrochen? Nachdem sie den Querriegel der  großen Flügeltüren an der Ostseite des Schreins, die verschlossen und verriegelt waren, aber nicht versiegelt, zurückgezogen hatten und die Türen öffneten, sahen sie, dass sich im Inneren ein zweiter Schrein mit ähnlich verschlossenen Türen befand. Auf den verriegelten Türen des zweiten Schreines befanden sich die unversehrten Siegel von Tutanchamun. 

Das Foto zeigt Howard Carter, der zusammen mit seinem Mitarbeiter Arthur R. Callender und einem ägyptischen Gehilfen in den geöffneten Schrein späht.

(Bild: Harry Burton - public domanain aus Wikimedia Commons/ New York Times photo)

Carter und Lord Carnarvon verzichten vorerst darauf, das Siegel zu lösen. Beruhigt schloss Carter die großen Flügeltüren, denn nun bestand kein Zweifel mehr, dass die Ruhestätte des Königs nicht angetastet war. Carter sagte später, dass der Anblick des zweiten versiegelten Schreis mit dem darüberhängenden Bahrtuch ihn so tief ergriffen hätte, dass er in diesem Augenblick nur ungern die Erforschung der Schreine fortgesetzt hätte.

Deshalb schritten sie bis zur Nordostecke der Kammer, wo sich ein nicht vermauerter Durchgang, der in einen weiteren und letzten Raum führte, die Schatzkammer. Der Inhalt dieser Kammer schien auf den ersten Blick noch aufregender und merkwürdiger zu sein, als der von der Sargkammer, wo die Schätze noch verborgen und unbekannt in den Schreinen ruhten. Der beherrschende Gegenstand in der Schatzkammer war der Kanopenschrein mit seinen vier Schutzgöttinnen.  Nach der vorläufigen Untersuchung der inneren Räume ließ Carter den offenen Durchgang zur Schatzkammer zum Schutz ihres Inhalts mit Brettern verschalen, denn nun wollte man mit der Arbeit in der Sargkammer beginnen.

In der nächsten Grabungskampagne Winter 1923/24 sollte mit der Arbeit in der Grabkammer begonnen werden, aber vorher warteten noch viele Arbeiten auf die Archäologen im "Laboratorium"; solange hier nicht etwas Platz geschaffen war, bestand keine Möglichkeit, sich mit dem schwierigen Material in der Sargkammer zu befassen. Die nächsten Monate waren aus diesem Grund der Konservierung der Antiken und ihre Verpackung für den Tramsport in das Museum von Kairo gewidmet. Unter militärischer Begleitung gelangten 89 Kisten, welche wieder in 34 schwere Packkisten untergebracht waren, in sieben Tagen nach Kairo, wo sie nach der "Wieder-Zusammensetzung" verblieben.

Am 10. Oktober  1925 wurden die Arbeiten mit dem zweiten Grabungswinter begonnnen. Mac beschäftigte sich mit den noch im Laboratorium verbliebenen Wagen und Prunkbahren, während Carter und Callender die als letzte Gegenstände in der Vorkammer verbliebenen Wächterstatuen für den Transport verpackten, um dann daran zu gehen, die Mauer zwischen der Vorkammer und der Sargkammer abreißen zu lassen. Dieses war notwendig, weil die meisten Teile des Schreins zu groß waren, als dass man sie durch die Tür hätte transportieren können. Nachdem die Grabbeigaben, die zwischen Wand und dem äußeren Schrein lagen, entfernt und in das Laboratorium getragen worden waren, wurde die für das Zerlegen der Schreine notwendige Ausrüstung in die Sargkammer gebracht.

Der 5,18 m lange, 3,34 m breite und 274 m hohe Schrein passte so knapp in die Sargkammer, dass an den Rändern nur 60 cm Zwischenraum blieb und der Schreindeckel beinahe an die Kammerdecke stieß. Da der Grabschrein verschlossen war, konnte Carter nicht sofort sehen, was dieser enthielt. So war die Überraschung für alle groß, als man feststellte, dass es sich in Wirklichkeit um vier ineinander gestellte Grabschreine handelte, die um den Sarkophag herumgebaut waren. 

Die äußere Schreinkonstruktion füllte fast die gesamte Grabkammer aus: 

"Diese Konstruktion war so riesig, dass sie die Grabkammer fast vollständig ausfüllte und von den Wänden nur ca. 50 cm entfernt war, während das Dach, verziert mit einem Fries und einem Dachgiebel, beinahe die Decke berührte."
(Howard Carter)

Alle vier Grabschreine sind nach einem ähnlichen Bauplan konstruiert worden und bestehen aus je vier durch Zapfenverbindungen zusammengefügten, vollständig vergoldeten Außenwänden aus Zedernholz. Alle Schreine haben ein Dach, dessen Form variabel ist, doch da sie umeinander herumgebaut wurden, fehlt ihnen der Unterboden. Ihre Innenwände sind mit Kupferfolie verkleidet. Die schweren Doppeltüren öffneten sich nach Osten, auf die Tür zu, die in die Schatzkammer führte. Sie wurden mit zwei Sätzen von versilberten Kupferringen geschlossen, in die man dicke Bolzen aus Ebenholz getrieben hatte. Dazwischen befindet sich auf jeder Tür ein zusätzliches Paar Ringe für die versiegelte Schnur. 

Zum Zeitpunkt der Entdeckung war nur das Siegel der äußeren Tür erbrochen worden, die der beiden nächsten Schreine waren noch intakt; die innerste Kapelle hingegen war nie versiegelt gewesen.

Ohne Zweifel müssen einst die Scheine hier montiert worden sein, bevor es die Trennmauer zwischen beiden Kammern gab, also konnten sie auch nicht auseinandergenommen werden, solange diese Mauer noch stand. Der Platz war viel zu knapp, um Werkzeuge zum Anheben der einzelnen Teilstücke einzusetzen, doch mit Geduld und ein wenig Erfindungsgabe gelang es Carters Team in 84 Stunden "ausschließlich in Handarbeit" die vier Konstruktionen, insgesamt 51 Teile, die je zwischen 100 und 150 Kilogramm wogen, auseinander zu nehmen und in dem in der Nekropole eingerichteten Restaurationslabor zu deponieren.

Dabei stellte sich heraus, dass die Ausrichtung der Schreine falsch ist. Sie sollten mit der Kopfseite nach Osten zeigen, wurden aber, trotz der eingeritzten Inschriften, die genaue Anweisung über Zusammenbau und Richtung erteilten, falsch aufgestellt; die Ostseite war nach Westen orientiert und einzelne Platten sind bei der Aufstellung verwechselt worden.

Als Carter den Raum der Grabkammer betrat, glaubte er noch, es würde ihn nur ein paar Wochen kosten, um die Schreine voneinander zutrennen und zum eigentlichen Sarkophag vorzudringen, aber in Wirklichkeit nahm dies elf Wochen in Anspruch! Teilweise war das Holz eingetrocknet, und die Goldfolie hatte sich abgelöst. Ehe einer der Sarg-Schreine herausgenommen werden konnte, musste  das Holz gefestigt werden. Die Schreine waren oft in brüchigem Zustand und die Nekropolenarbeiter hatten diese damals wahrscheinlich mit Gewalt, evtl. sogar mit Hammerschlägen, ineinandergeschachtelt, wenn sie nicht passen wollten. 

Der 1. Schrein (Carter Nr. 207) ist 5,08 Meter lang, 3,28 Meter breit und 2,75 Meter hoch und wurde wahrscheinlich mit seinem spitz zulaufenden Dach den zum Anlass der Jubiläumsfeier des Königs (Sed-Fest) errichteten Gebäudes nachgebildet. Dieser 1. Schrein unterscheidet sich von den anderen 3 Schreinen vor allem durch die Dekoration der Rück- und Seitenwände. Diese sind mit zwei einander abwechselnden Motiven auf einem Untergrund von blauer Keramik geschmückt: je "2 Djed-Pfeiler" als Symbol der Dauer und der Stabilität, und zwei Tit-Knoten (auch Isisknoten genannt), die als absolutes Schutzsymbol galten. Verschiedene Formeln aus dem "Totenbuch" und dem "Buch der Himmelskuh" erscheinen im Inneren des Schreins, während seine Decke mit der geflügelten Sonnenscheibe und Geierdarstellungen geschmückt ist. 

              Der äußere 1. Schrein
             - Carter Nr. 207 - JE 60664 -

Ein Gerüst aus vergoldetem und lackiertem Holz befand sich direkt unter dem 1. Schrein (Carter Nr. 208), über das jenes mit Margeriten aus vergoldeter Bronze verziertes Leichentuch (Carter Nr. 209) aus dunkelbraunem Leinen ausgebreitet war.

File: GD-EG-Caire-Musée127.JPG
Bild:     Nefermaat (Gérard Ducher)
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              2,5 Generic
Originalbild:    - 
  hier

Am 3. Januar 1924 war Carter soweit, dass er die Türen des 2. Scheines öffnen, das Rätsel um die Anzahl der Scheine lösen und bis zum Sarkophag Tutanchamuns vordringen konnte. 

Der 2. Schrein (Carter Nr. 237), welcher sich  befand, war 3,74 Meter lang, 2,35 Meter breit und 2,25 Meter hoch und der Geiergötten Nechbet von Elkab (Schutzherrn Oberägyptens) gewidmet. Die Kapelle war dem "Per-Ur" - dem großen Haus (eine sehr alte Tempelform des südlichen Ägyptens) nachgebildet. Neben den Szenen aus dem Totenbuch und einem Text über Metamorphosen und Triumph des Sonnengottes zeichnet sich der Schrein durch zwei sehr schöne Darstellungen aus, in denen der von Isis beschützte König den Göttern Re-Harachte und Osiris seine Ehrerbietung erweist.

Der 3. Schrein (Carter Nr. 248) ist ebenfalls dem Per-Ur nachgestaltet, hat eine Länge von 3,40Meter, Höhe 2,15 Meter und eine Breite von 1,92 Meter und ähnelt generell dem 2. Schrein. Der Schrein trägt ebenfalls Textauszüge aus dem 2. und 6. Kapitel des "Buches dessen, was sich im Duat" (dem Jenseits) befindet.

Im vergoldeten Struck des 3. Schreines fand Carter die Spuren von Hammerschlägen, mit denen man die Wandteile gewaltsam eingepasst hatte. An manchen Stellen fand Carter eine Anzahl eingeritzter Hieroglyphen, welche wie eilig hingekritzelte Notizen der Bauleute aussahen. Carter fand in den Räumen zwischen den einzelnen Schreinen Gegenstände von erlesener Schönheit. Darunter war ein goldener Wedel mit weißen Straußenfedern, die so zart waren, dass sie bei der ersten Berührung zu Staub zerfielen. Auf einem halbkreisförmigen Mittelstück wurde auf der Vorder- und Rückseite in Gold getrieben eine Szene dargestellt, die den König in seinem Prunkwagen darstellte, wie er eigenhändig Strauße jagt, um die Federn für seinen Wedel zu erbeuten. 

In der Sargkammer wurde ein weiterer goldener Fächer (Wedel) zwischen den beiden innersten Schreinen gefunden (Fundnummer Carter 241 Kairo JE 62001 / Länge 105,5 cm, Breite 18,5 cm, der Tutanchamun bei einer Straußenjagd und seine Rückkehr zeigt. Er liefert aufgrund seiner Darstellungen und Texte wertvolle Informationen. Man fand anhand seiner Federreste heraus, dass er ursprünglich mit 30 weißen und brauen Straußenfedern bestückt war. Aus dem Text auf dem Griff wissen wir, dass der König die Federn höchstpersönlich von einer Straußenjagd in der östlichen Wüste von Heliopolis (nicht weit von Memphis entfernt) mitbrachte. 

Einzelheiten dieser Straußenjagd sind auf beiden Seiten der Wedel-Platte dargestellt. Auf der einen Seite sieht man den König in seinem Wagen stehen und den Bogen spannen. Er hat die Zügel um die Hüfte gespannt, damit er die Hände für den Bogen frei hat. Tutanchamun ist gerade im Begriff einen weiteren Pfeil auf die bereits getroffenen Strauße abzuschießen, während sein königlicher Jagdhund auf die verletzten Strauße zustürmt. Eine Inschrift hinter dem König gesagt "Aller Schutz des Lebens sei mit ihm". Diesen Wunsch macht auch das Schriftzeichen (die "anch"-Hieroglyphe), die hinter dem Wagen herläuft, deutlich. Dieses vermenschlichte Schriftzeichen trägt in seinen Händen einen dem "goldenen Wedel" gleichenden Wedel hinter dem König her.

Der Text auf der anderen Seite des goldenen Fächers besagt, dass der König so leidenschaftlich jagt wie Bastet, (die Katzengöttin aus Bubastis) und dass seine Pferde die Stärke von Bullen haben. Die hier abgebildete Szene zeigt Tutanchamuns Heimkehr von der Jagd. Statt eines Mieders aus Leoparden hat er jetzt ein gefälteltes Gewand angelegt. Dazu trägt er ein Schultertuch mit federbesetztem Saum. Der König fährt gemächlich in seinem Streitwagen und hält jetzt die Zügel fest in den Händen, dazu noch Bogen und Peitsche. Zwei seiner Diener haben sich die erlegten Strauße auf die Schultern geladen. 

Gold und Blatt der Fächer sind aus vergoldetem Holz. Das obere Griffende hat die Form einer Lotosblüte mit gebogenen Blütenblättern. Die Jagdszenen wie auch die Inschriften sind in das Gold getrieben.

Ein einfacher Rohrstock mit schönen vergoldeten Zwingen befand sich vor den Stützen. Carter erschien es rätselhaft, dass man ein gewöhnliches Rohr mit solch aufwendigen Verzierungen geschmückt hatte. Arthur Mace entschlüsselte schließlich die zierlichen, in blauer Fayence eingelegten Hieroglyphen, die ihm mitteilten, dass Tutanchamun das Rohr als Kind mit eigener Hand zugeschnitten hatte.

Die Flügeltüren der Schreine Tutanchamuns wurden durch Ebenholzriegel, die oben und unten an den beiden Türflügeln durch silberne Krampen liefen verschlossen. Auf halber Türhöhe gab es zwei weitere Krampen, die ein mehrfach verschlungenes und geknotetes Seil miteinander verband. Zusätzlich wurden die Seilknoten "versiegelt" mit einem Lehmklumpen, dem man zwei Siegel aufprägte - skarabäenförmige Siegelstempel, in einem Fall mit dem Zeichen der Königsnekropole (dem ruhenden Schakal über den neun gefesselten Gefangenen).

Der 4. vergoldete Schrein (Carter: 239 - Kairo: JE 60668) bildet ebenfalls eine Nachbildung des "Per-Nou" des "Hauses der Flammen" ((dem uralten Heiligtum der "Wadjet", Kobragöttin von Buto und Schutzherrin von Unterägypten). Er ist 2,90 m lang, 1,48 m breit und 1,90 m hoch. Unter diesem Schrein befand sich der Sarkophag. Auf den Wänden dieses Schreins erscheinen die Gottheiten des Jenseits: Isis, Selket, Nephthys, Neith und Anubis.

Sarkophag:

Carter und sein Team konnten nicht wissen, was sie in der Sargkammer vorfinden würden. Sicher hatte niemand damit gerechnet, dass die königliche Mumie in mehreren ineinander gestellten Särgen, einem steinernen Sarkophag und vier Holzschreinen, ruhte. Der vierte vergoldete Schrein (Carter: 239 - Kairo: JE 60668) enthielt einen prachtvollen Sarkophag aus gelbem Quarzit, welcher mit Inschriften bedeckt war. Diese in vertikalen Reihen angeordneten Inschriften nannten die Titulatur des Königs und an jeder Ecke waren die vier Schutzgöttinnen Isis, Nephthys, Neith und Selkis  in hohem Relief abgebildet. Um die untere Partie des Sarkophages läuft ein Fries aus abwechselnd angeordneten Djed-Pfeilern und Tit-Knoten. Die Schönheit des Quarzitsarkophagen, den Carter durch die geöffneten Türen der vier Scheine gesehen hatte, übertraf alle Erwartungen bei weitem. Alle Ägyptologen waren sich einig, das es das schönste Exemplar seiner Gattung war, das die Welt besaß.

Der Quarzitsarkophag ist zusammen mit dem ersten menschgestaltigen mit Gold überzogenen Zedernholzsarg, der nach sorgfältiger Restaurierung und detailliertem Studium wieder an Ort und Stelle gebracht wurde, das einzigste Objekt der Grabausstattung, welches sich heute noch  in der Felsenkammer KV 62 im Tal der Könige befindet. Bis 2009 ruhte in ihm die Mumie des Königs. Heute ist die Mumie Tutanchamuns in einem klimatisierten Glasschrein in der Vorkammer des Grabes zu besichtigen.

Der Deckel mit seinen drei Textkolumnen und der geflügelten Sonne ist aus zwei Gründen ungewöhnlich. Er besteht aus einem anderen Material wie das Unterteil, nämlich aus rosafarbenem Granit, das mit einem gelben Anstrich farblich an das Unterteil angepasst wurde. Darüber hinaus hat er in der Mitte einen großen Riss, der jedoch ausgebessert und anschließend mit gelber Farbe übermalt worden ist.

  Der Steinsarkophag -  Carter 240
Höhe: 147,8 cm; Länge: 274,5 cm;

Breite: 147,7 cm
Material: 
Sarkophag:    monolithischer gelber Quarzit
Deckel:          Roter Granit

Bild von einem Replica (Expo-Ausstellung)

Das Bild wurde von Harry Burton von der Westseite der Grabkammer aufgenommen und zeigt die Göttinnen Isis und Nephthys, zwischen deren ausgebreiteten Flügeln die Sprüche für den toten König eingeschnitten sind. Das Gesims des Sarkophages setzt sich aus Hohlkehle und Rundstab zusammen. Den Sockel bilden abwechselnde "Djed- und Tjed-Zeichen". Der Sarkophag bestand aus einem monolithischen Unterteil aus gelben Quarzit. Der Deckel dagegen ist aus rötlichem Granit, er wurde gelb bemalt und so dem Farbton des Sarkophag-Unterteils angeglichen. Der Granitdeckel war in der Mitte gesprungen und man hatte den Riss mit Zement verschmiert und übermalt.
Bild:     Toutankamon-expo 31 sarcophage.JPG © Traumrune / Wikimedia Commons / CC BY 3.0Lizenz:: CC BY 3.0

Nach Untersuchungen von Frau Dr. Marianne Eaton-Krauss, ist die aus Quarzit gemeißelte Sarkophagwanne  ursprünglich nicht  für Tutanchamun hergestellt worden, sondern lediglich für ihn neu beschriftet und mit einem Deckel aus Granit versehen worden. In einem Vortrag 2004 im Museum von Hamm vertrat sie die These, dass dieser Sarkophag ursprünglich für Merit-Aton oder (wohl) für Neferneferuaton (einem bislang nicht genau zu bestimmenden König zwischen Echnaton und Tutanchamun) geschaffen wurde. Evtl. stammt der Sarkophag lt. Frau Eaton-Krauss aus KV 55 (?). Eine Messung der Länge des Holzsarges aus KV 55 ergab, dass er perfekt in den Steinsarkophag gepasst hätte.  Als Beleg zeigte Frau Dr. Eaton-Kraus ein Dia von einem Teil eines Pektorals (gefunden im Grab), aus dem wohl zu lesen sein soll, dass es vorher Merit-Aton zugeordnet war. Allerdings wies Frau Dr. Eaton-Kraus daraufhin, dass viele der Kollegen ihre These nicht teilen würden.

Nach Form und Dekoration gehört der Sarkophag in KV 62 zusammen mit drei weiteren Exemplaren in eine Gruppe königlicher Sarkophage - Echnaton, Eje und Haremhab. Eine Gemeinsamkeit aller vier Sarkophage ist die Dekoration der Ecken mit weiblichen Götterfiguren im Hochrelief.

Für Tutanchamuns Sarkophag wurde ein Deckel geschaffen, der vom Kopfende bis zum Fußende hin wie ein schräges Schreindach abfällt. Der Sarkophagdeckel aus Rosengranit wog über 1,25 Tonnen. Nachdem Howard Carter 1924 den Granitdeckel des Sarkophags abgehoben hatte, mache er eine interessante Entdeckung. Am Boden der steinernen Sarkophagwanne lagen vergoldete Holzspäne verstreut. Sie stammen vom Fußteil des 1. der menschenförmigen Särge des Königs. Sie wurden von diesem abgeschlagen, die Stelle wurde dann notdürftig mit schwarzem Bitumenharz überstrichen. Die Arbeiter die mit der Schließung des Sarkophags beauftragt waren stellten fest, dass der Deckel nicht auf der Sargwanne aufsitzen würde da das Fußteil des äußersten Sarges des Königs etwas über die Sargwanne hinausragte. Sie griffen zu einer einfachen aber drastischen Lösung des Problems, indem sie den Fuß des Sarges einfach abarbeiteten. Durch diesen Tatbestand wird deutlich, dass die einzelnen Elemente des Sargensembles König Tutanchamuns wohl ursprünglich nicht für ihn hergestellt wurden, sondern wohl aus Lagerbeständen anderer Könige bestanden.

Eine Untersuchung der Sarkophagwanne zeigt, dass die Arbeiten an ihr zum Zeitpunkt der Bestattung des Königs noch nicht abgeschlossen war. Beispielsweise bezeugen die Figuren der Schutzgöttinnen an den Wannenecken verschiedene Stadien der Bearbeitung. Am Kopfende sind Isis und Nephthys fast vollständig ausgeführt, aber am linken Fußende blieb die Figur der Neith in stärkerem Maße unvollendet, und dies gilt noch mehr für die Figur der Selkis am rechten Fußende. Bei Selkis ist beispielsweise der Bauchnabel nicht ausgeführt, der bei den drei anderen Figuren vorhanden ist. Außerdem ist der Schmuck der Göttinnen - Oberarmbänder, Armbänder, Fußringe und Halsschmuck – am Kopfende reliefiert, am Fußende aber nur aufgemalt. Schließlich fehlen an den Trägerkleidern von Neith und Selkis die Andeutungen der Säume und der Träger selbst, die bei den Figuren am Kopfende der Wanne reliefiert sind.

Frau Dr. Marianne Eaton–Kraus stellte auch fest, dass die Schutzgöttinnen ursprünglich ohne Flügel konzipiert waren und die Wanne in einem früheren Zustand weitaus mehr Inschriften als heute trug. Offensichtlich hat aber das originale Konzept die Schutzgöttinnen von Anfang an als solche vorgesehen. Den Figuren der Schutzgöttinnen waren bei einer Änderung des Designs lediglich Flügel hinzugefügt worden. Die festgestellte Überarbeitung der Wanne erstreckt sich ohne Ausnahme auf alle beschriebenen Oberflächen. Hätte man einen ursprünglich für Tutanchamun hergestellten und beschrifteten Sarkophag lediglich auf Tutanchamuns Namen abändern wollen, so wäre diese Arbeiten mit einer Umschreibung der Kartuschen abgetan gewesen. Statt dessen hat man aber alle originalen Inschriften abgeschliffen und dann die freigewordenen Flächen benutzt, um den Figuren der Göttinnen Flügel anzufügen und einen auf den Namen Tutanchamuns lautenden neuen Text einzumeißeln. Vom originalen Text lassen sich nur noch geringe Spuren feststellen. Für wenn war diese Sargwanne ursprünglich bestimmt?

Am 12. Februar 1924 genau um 15. Uhr nachmittags begann man mit der Öffnung des steinernen Sarkophages, eine Operation, die durch das große Gewicht des Sargdeckels (1250 Kilogramm) und besonders den in ihm befindlichen Riss sehr gefährlich war, man musste vor allem aufpassen, dass er beim Anheben nicht endgültig auseinanderbrach und damit den Inhalt des Sarges beschädigte. So wurden zunächst Balken, Flaschenzüge und Seile an strategischen Stellen angebracht. Die Flaschenzüge wurden über der Mitte des Deckels und über den beiden Doppelgriffen eingestellt, dann mit Schlingen an den griffen des Sargdeckels befestigt, und so eine genaue Gewichtsverteilung hergestellt. Damit war die Gefahr vermieden, dass der Deckel beim Emporziehen an die Steinwände des Sarkophages anstieß. Der Deckel kam mit Leichtigkeit hoch und machte den Blick auf einen zweiten herrlichen Sarg frei.

"Unter tiefem Schweigen hob sich die riesige, gesprungene Platte mit ihrem Gewicht von mehr als 12 Zentnern. Das Licht fiel in den Sarkophag. Der erste Blick in sein Inneres verwirrte und enttäuschte uns zunächst. Nichts war zu sehen als deckende feine Leinentücher. Aber als die Platte höher emporgewunden war, rollten wir die verhüllenden Tücher eins nach dem anderen ab. Als dann das letzte abgenommen war, brach ein Ruf des Staunens von unseren Lippen, so strahlend war das Bild, das sich uns bot. Ein goldenes Abbild des jungen, knabenhaften Königs in prachtvollster, künstlerischer Ausführung lag im Sarkophag und füllte ihn vollkommen aus. Es war der Deckel des wunderbaren anthropoiden Sarges, der, etwa 2,25 Meter lang, auf einer niedrigen Totenbahre mit Löwenköpfen 
und -beinen stand. Es war offensichtlich der äußerste einer Reihe von Särgen, die einer in dem anderen lagen und deren innerster die sterblichen Reste des Königs umschloss."

(Howard Carter: C. Vol. II.,105)

Es waren 24 Personen anwesend, unter ihnen Mohammed Zaghlul Pascha (Unterstaatssekretär von Morcos Bey) Pierre Lacau, Edward Harkness, Albert Lythgoe, James Breasted, Alan Gardiner und Percy Newberry sowie natürlich das gesamte Carter-Team einschließlich Albert Merton. Nach Carters eigenen Notizen war er zunächst enttäuscht, denn das was er sah, glänzte nicht, schien keine feste Form zu haben, es lag nur irgend etwas unter feinen Leinentüchern verborgen. Vorsichtig begann er die verhüllenden Tücher einzeln aufzurollen. Als die letzte Leinenhülle entfernt war, vernahm man einen allgemeinen Ausruf des Staunens, so unerhört prächtig und eindrucksvoll war der Anblick, der sich ihnen im Schein der Lampen bot. Der ganze Sarg war erfüllt von dem überlebensgroßen, goldenen Abbild des knabenhaften Herrschers in all seiner königlichen Erhabenheit. Ein Bild von unvergleichlicher Schönheit

            Sargwanne und erster Sarkophag aus vergoldeten Holz (Carter Nr. 253 )

In der steinernen Sarkophagwanne lagen drei ineinandergefügte Särge in Mumienform. Der erste war in Leinen eingehüllt und ahmte den Totengott Osiris nach, die Hände über die Brust gekreuzt. In ihnen hält er die Insignien der Königswürde (Krummstab und Geißel), beides mit Gold, Fayence und farbigem Glas überzogen. Um den Geier und die Uräusschlange (Kobra) vorn am Kopfputz war ein kleiner Blumenkranz gewunden. Der Gesichtsteil des Sarges (rechtes Bild) zeigt die Züge Tutanchamuns. 

Der äußere Sarkophag ruhte auf einem niedrigen Totenbett (Carter Nr. 253a), das trotz des schweren Gewichts, welches auf ihm lastete, noch intakt war - immerhin betrug das Gesamtgewicht der drei Särge mit der Mumie und deren Schmuck 1250 KG!

(beide Bilder: Harry Burton - public domain)

 

Grabungsstopp:

Lord Carnarvon starb am 5. April 1923. Nach Carnarvons Tod ging die Grabungslizenz an seine Frau Lady Almina Carnarvon über, die Carter weiterhin volle Unterstützung zusicherte. Howard Carter beantragte eine Verlängerung der Grabungslizenz, die von James E. Quibell. dem damaligen General-Inspektor der Altertimerbehörde, bewilligt wurde.

Aber schon im Februar 1924 kam es erneut zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Carter und der ägyptischen Regierung, welche nach dem Öffnen  des Sarkophages Einwände gegen die Anwesenheit der Archäologen-Frauen im Grab erhoben. Als Carter dagegen laut protestierte und er zusammen mit seinen Arbeitern in einen Streik tat, was die Schließung des Grabes zur Folge hatte,  führte dieses zu einer Änderung der Konzession für Lady Carnarvon. Zu diesem Zeitpunkt schwebte der steinerne Sarkophagdeckel von Seilen gehalten weiterhin über dem offenen gelben Quarzitsarg. Um zu vermeiden, dass die viel zu schwachen Taue in der Zwischenzeit nachgeben und evtl. reißen und das unschätzbare Kunstwerk unter dem Sargdeckel zerstört wird, erzwang sich Pierre Lacau (Direktor der Altertümer in Ägypten von 1914 bis 1936) eskortiert von bewaffneten Polizisten zu Pferd und Kamel Zugang zum Grab. Die mit Zangen und Eisensägen ausgerüsteten Schlosser, welche Lacau mitgebracht hatte, brachen schließlich gegen den nun sinnlosen Widerstand des Oberaufsehers die Vorhängeschlösser, mit denen Carter den Zugang zum Grab nach dem Streik verschlossen hatte. Einige Männer der Wachmannschaft betraten das Grab und ließen vorsichtig den Granitdeckel auf den Sarkophag herunter.

Zur selben Zeit erhielt Carter von Morcos Bey Hanna, dem zuständigen Minister für öffentliche Arbeiten, die offizielle Mitteilung, dass die befristete Konzession für die laufende Saison aufgehoben sei. Carter schickte ein Telegramm an den Minister, dass er "zum Schutz des Grabes und seines Inhaltes noch heute beim zuständigen Gericht in Kairo Klage erheben werde." Nachdem sowohl Winlock als auch James Breasted vergeblich versucht hatten, zwischen den Parteien zu vermitteln, suchte Morcos Bey in der Zwischenzeit um die Bereitschaft anderer Archäologen zur Fortsetzung der Arbeit - erhielt aber nur abschlägige Antworten. Selbst Albert Lythgoe vom Metropolitan wurde gefragt, ob er nicht die Ausgrabung alleine durchführen wollte, doch zum Erstaunen von Morcos Bey Hanna wies man ihn auch hier kühl ab. Auch die ägyptischen Mitarbeiter der Altertumsbehörde ließen verlauten, dass sie sich für eine so komplizierte Aufgabe nicht genügend qualifiziert fühlten. Allmählich begann sich die öffentliche Meinung gegen Morcos Bey Hanna zu kehren und die ägyptischen Zeitungen machten Anspielungen auf seine Unfähigkeit, die Grabungen weiterzuführen. Möglicherweise sei eben doch Howard Carter der einzige qualifizierte Archäologe für das Unternehmen. Unterdessen überredete Herbert Winlock vom Metropolitan Museum Carter zu einer Vortragsreise in die USA, weil er befürchtete, dass Carter seiner Sache unentwegt neuen Schaden zufügen würde und jeder weitere Tag, den er in Ägypten verbrachte, verhängnisvoll für ihn selbst und auch für das Metropolitan Museum sein konnte. 

Vier Tage nach der Abreise von Carter gelang es Breasted und dem amerikanischen Geschäftsträger Howell bei einer Audienz bei Minister Morcos Bey die Grundlage für eine neue Grabungskonzession zu legen. Herbert Winlock war maßlos enttäuscht, als er die endgültige und offizielle Fassung der Konzession in den Händen hielt

Lady Almina Carnarvon erhielt zwar eine neue Lizenz, doch war diese nur für ein Jahr befristet und sah vor, dass Howard Carter lediglich die Funktion eines Aufsehers über die Grabungsarbeiten ohne jegliche Befugnisse erhielt und fünf ägyptische "Assistenten" erhielt. Die Besuchsgenehmigungen wurden nun ausschließlich von der ägyptischen Regierung erteilt und Lady Carnarvon erhielt die Auflage, alle vierzehn Tage Bericht über ihre Aufenthalte im Grab erstatten. Zudem musste sie ein Verzeichnis über alle im Grab gefundenen Fundobjekte anfertigen. Als weitere Auflage wurde sie verpflichtet, innerhalb von fünf Jahren nach den Abschlussarbeiten am Grab eine Veröffentlichung heraus zu bringen.

Nun war auch die ursprünglich vereinbarte Fundteilung hinfällig und alle in KV 62 gefundenen Objekte blieben im Eigentum der ägyptischen Regierung, während die Familie von Lord Carnarvon mit einem Ausgleich für die Grabungskosten über 35.867 Pfund Sterling erhielt. Davon wurden Howard Carter selber ein Viertel der Summe zugesprochen. 
(Quelle:
Thomas Hoving: Der goldene Pharo Tut-ench-Amun S. 259) 

Das herzliche Willkommen, welches man Carter in Amerika bereitete, war für ihn wie Balsam für seine Seele. Er war in New York Ehrengast auf einem Festbankett des Metropoliten-Aufsichtsrates und ihm wurde die "Ehrenmitgliedschaft des Museums auf Lebenszeit, in Anerkennung seiner Verdienste um die Archäologie" überreicht.  Seine "Auftritte" in den USA und in Kanada wurden ein Bombenerfolg. Seine Ausführungen wurden ergänzt durch die Projektion von 358 Fotografien Harry Burtons, welche die Kunstwerke aus dem Grab in Großaufnahme und in allen Details zeigten.

Unterdessen wartete Carter in Amerika auf die endgültige Aufforderung der ägyptischen Regierung an ihn, die Arbeiten am Grab in der nächsten Saison fortzusetzen. Aber aus der Presse erfuhr er, dass das ägyptische Parlament am 30. April einem Budget von 18.000 zugestimmt hatte, welches die ernste Absicht verriet, die Grabungen ohne Carter und die Amerikaner fortzusetzen. Die Lage schien trotz seiner Erfolge in Amerika hoffnungslos. Zwar schrieb Carter eine Reihe von Beschwerden, stellte aber nebenbei, ohne dass jemand davon wusste, eine Reihe von schwerer Vorwürfe gegen die ägyptische Regierung und seinen persönlichen Feind Pierre Lacau zusammen.

Herbert Winlock und Albert Lythgoe hatten zu diesem Zeitpunkt die Hoffnung fast völlig aufgegeben, dass jemals auch nur ein einziger Gegenstand aus dem Grab des Tutanchamun in ihr Museum gelangen würde. Später sollte das Metropolitan dennoch einen Teil von Lord Carnavons "Anteil" erhalten - allerdings auf Wegen, die weder Winlock noch Lythgoe zu ahnen vermochten. 

Nach einem Streit mit Winlock, indem dieser ihm die Freundschaft aufkündigte, weil Carter in den letzten Tagen seiner USA-Reise eine "Streitschrift" verfasste, welche keinen Copyright-Vermerk hatte und nur für den "Privatgebrauch" bestimmt war und den Titel trug: 'The Tomb of Tut-Ankh-Amen. Statement with Documents, as to the Events which occured in Egypt in the Winter of 1923-1924 leading to the ultimate break with the Egyptian Government.", welches eine vernichtende Anklage gegen die ägyptische Regierung und gegen die Altertümerverwaltung, speziell aber gegen Pierre Lacau war, reiste er dann mit der "Mauretania" nach England ab. Carter war tief getroffen von der Auseinandersetzung mit seinem ehemaligen Freund Winlock und er entschloss sich nach einem sehr langen Gespräch mit dem Direktor des Metropolitan Museum, der sich zusammen mit ihm an Bord der Mauretania befand, zur endgültigen Aufgabe seines langen Kampfes. In seiner Kabine grübelte er stundenlang darüber nach, was er in den letzten anderthalb Jahren zur Verschärfung der Situation beigetragen hatte. Erschöpft und besiegt, nicht wissend wohin er nun gehen sollte, nachdem er glaubte, sein mit erst 50 Jahren sein geliebtes Ägypten für den Rest seines Lebens verloren zu haben, nahm Carter den Rat Robinsons und Winlocks an und bereitete eine erweiterte Verzichtserklärung vor. Zurück in England traf er sich mit Lord Carnarvons Witwe und es gelang ihm, auch sie dazu zu überreden, dass sie ihrerseits auch auf alle persönlichen Anrechte auf die Gegenstände aus dem Grab verzichtete.

Nach einem Schreiben von Lady Carnarvon mit Datum vom 13. September 1924 an seine Exzellenz Morcos Bey Hanna, der von Carter und dem Vermögensverwalter der Erben Lord Carnarvons Sir John Maxwell unterschrieben war, in dem in einer Passage eine Anregung auf "einen eventuellen Anteil an den Fundgegenständen "Bezug genommen wurde, ließ Morcos Bey Hanna seine Zustimmung in einem Telegramm an Lady Carnarvon und Sir John übermitteln. Die Regierung wäre "willens", Lady Carnarvon eine Auswahl von Dubletten zu überlassen, die möglichst repräsentativ für den "gesamten Fund ohne Nachteil für die Wissenschaft entnommen werden könnten."

Es war eine große Ironie des Schicksals, das Morcos Bey Hanna in dem Augenblick abgesetzt wurde, als er endlich einen günstigen Bescheid für Carter abgeben wollte. Plötzlich konnte Howard Carter ohne weiteres wieder nach Ägypten zurückkehren, aber ebenso plötzlich erwies sich nun seine totale Kapitulation als ein großer Fehler. Am 19. November 1924 gelangte es der britischen Regierung endlich wieder ihre volle Autorität in Ägypten wiederherzustellen. 

Am 16. Dezember unterbreitete Carter dem neuen Premierminister Ahmed Ziwar Pascha, einem alten und intimen Freund von ihm, wiederholt seinen dringenden Wunsch, ihm sofort die Rückkehr zum Grab zu gestatten. Er sei durchaus bereit, versicherte er, das Problem über die Verteilung der Funde vorerst zurückzustellen, bis der gesamte Umfang des Grabschatzes bekannt sei. Carters Hoffungen stiegen, da Ziwar gesagt haben sollte, wie er in einem Brief an seinen Anwalt schreibt: "......ausdrücklich betont, dass....ein Ausgräber oder Entdecker angemessen beteiligt werden müsse""

Erst am 13. Januar 1925, als bereits über die Hälfte der Grabungssaison vorbei war, nahm er die Arbeit in Ägypten wieder auf, nachdem Mahmud Bey Sidki, der neue Minister für öffentliche Arbeit, Howard Carter eine auf ein Jahr befristete Konzession erteilte, die ihm gestatte, als archäologischer Vertreter der Countess of Carnarvon und der Testamentsvollstrecker von Lord Carnarvon die Ausräumungsarbeiten im Grab fortzusetzen. Die entsprechenden Stellen im Vertrag lauteten:

" Da es mein aufrichtiger Wunsch ist, dass die Arbeiten fortgesetzt werden, erhebe ich keine Einwände gegen die Konzession unter der Bedingung......, dass Lady Almina, Countess of Carnarvon, auf Forderungen und Ansprüche jeder Art verzichtet und die Testamentsvollstrecker ebenfalls zum Verzicht bewegt, und zwar nicht nur in Bezug auf das Grab des Tut-ench-Amun und die daraus entnommenen Gegenstände, sondern auch im Hinblick auf die Aufhebung der früheren Konzession und die als Folge der Aufhebung getroffenen Maßnahmen der Regierung.

In ihrem Bestreben, die bewundernswerte Entdeckung zu würdigen, ohne jedoch irgendeine Verpflichtung hinsichtlich der Grabfunde anzuerkennen, erklärt sich die Regierung bereit - und folgt hierin dem Rat des M. Lacau unmittelbar nach der Entdeckung des Grabes - der Countress of Carnarvon eine Auswahl Dubletten zu überlassen, die so repräsentativ wie möglich sein sollen, unter der Voraussetzung, dass sie dem Gesamtfund ohne Nachteil für die Wissenschaft entnommen werden können."

Wiederaufnahme der Arbeiten im Jan. 1925

Nach der Wiederaufnahme der Arbeiten ging Carter als erstes an die Aufgabe, den Deckel des vergoldeten 1. Sarges abzuheben, den er vor mehr als einem Jahr freigelegt hatte. Der große vergoldete Holzsarg in Mumienform mit der Königshaube (chat) ist 2,25 Meter lang und füllte den Steinsarkophag vollkommen aus. Er ist ein Abbild des jungen Tut-anch-Amun in der Gestalt des Osiris. Gesicht und Hände sind aus Blattgold und der Sarkophag ist mit einem Federmuster bedeckt, dem sogenannten Rischisarg. Bei einer sorgfältigen Untersuchung des Sarges ergab sich, dass die silbernen Griffe, zwei an jeder Seite, am Deckel noch fest genug waren, um diesen zu halten.

Die Trennung des 2. vom 1. Sarges. - Man sieht die aus der Sarkophagwanne gehobenen Särge. Der Deckel des 1. Sarges ist bereits entfernt und gib den Blick auf den zweiten Sarg frei.

Der untere Teil des äußeren Sarges ruht auf Holzplanken, die quer über den Sarkophag gelegt sind. In die dicke Wandung des äußeren Sarges hat man vier Metallösen eingeschraubt und durch die Ösen Seile gezogen, die mit den darüber hängenden Flaschenzügen verbunden sind. Die Kupferdrähte (vier an jeder Seite und je einer am Kopf- und Fußende), die man von dem Gerüst in den zweiten Sarg hinablaufen sieht, sind an den silbernen Nägeln befestigt, die die beiden Teile des zweiten (inneren) Sarges zusammenhalten.
                                                    (Bilder:
Harry Burton - public domain)

Am Anfang vergingen gefährliche Momente, in denen der Deckel beim Anheben wackelte und vibrierte, bevor er sich dann langsam von dem Unterteil des Sarkophages fortbewegte. Nach einiger Zeit, als sich die Augen der Forscher an die Dunkelheit gewöhnt hatten, zeigte sich eine dunkle, unklare Masse, die sich als eine mit einem Leichentuch bedeckte Silhouette erwies. 

                   Der 2. mumienförmige Holzsarkophag - Carter: 254 - JE 60670
Er ist mit Gold überzogen, mit Halbedelsteinen und Glasflusseinlagen (Türkisnachahmungen) verziert. Der mittlere Sarg mit dem
"Rishi-Dekor" (einem stilisierten Federmuster) bedeckt, stellt den König als Osiris dar. Er trägt das gestreifte Nemes-Kopftuch, auf dessen Stirn sich die Schutzgöttinnen Ägyptens erheben: die Kobra Wadjet und der Geier Nechbet. In den Händen hält er die Insignien der Königswürde, den "Heqa-Krummstab" und die "Nekhaba-Geißel"
                        Länge 204 cm; Briete 68 cm; Höhe 78,5 cm
Bild:      Detail of Tutankhamuns middle sarcophag
Autor:  
A. Parrot

Wikimedia Commons
Lizenz: CC BY-SA 4.0 

Der Deckel des zweiten Sarges stellte ebenfalls, ähnlich dem ersten, den jungen König als Osiris dar, war aber, wenn es überhaupt möglich war, noch herrlicher und besser ausgeführt als der erste. Dieser zweite Sarg war zwei Meter lang und mit dickem Blattgold überzogen und reich eingelegt mit farbigem Glasfluss, der roten Jaspis, Lapislazuli, Türkise und anderen Halbedelsteinen nachahmte. Der zweite Sarkophag war ebenfalls in Leinentücher eingehüllt. Diesmal befand sich der um der die Stirnembleme (Nechbet-Geier und Uräusschlange - die Symbole Ober- und Unterägyptens) gewundene Kranz bereits oben auf dem Tuch, das von der Brust an abwärts auch mit einem Blumen- und Blättergebinde bedeckt war. Beide enthielten Blätter von Ölbaumzweigen, Blütenblätter des Blauen Lotos und Kornblumen, alles an Papyrusstreifen befestigt. In dem Gebinde über Brust und Bauch kamen außerdem noch Blätter von Weidenzweigen und Eppich (wildem Sellerie) hinzu.

Die Deckel der beiden äußeren Särge waren mit Silberzapfen in Ausbohrungen der oberen Ränder des Sargkastens eingepasst. Silberstifte mit goldenen Köpfen wurden waagerecht durch Sargwand und Zapfen getrieben und hielten den Deckel dann fest.

Carter entschied dann, um leichter arbeiten zu können, die weiteren Särge zusammen mit dem Steinsarkophag emporzuheben. Man bedurfte die ganze Kraft von acht starken Männern, um alle drei Särge zusammen aus dem Sarkophag herauszuziehen. Sobald der Deckel des mittleren Sarges geöffnet war, erklärte sich das ungewöhnliche Gewicht dieser drei Särge. 

       Kopfteil des 3. goldenen Sarges
            - Carter 255 - JE 60671 -
Der dritte innerste Sarg bestand aus massivem, stellenweise bis zu 3-5 Millimeter dickem Gold und ist  1,85 Meter lang. Sein Goldwert alleine stellt ein ungeheures Vermögen dar.

Auch im dritten Sarg wird der König in der Osiris-Gestalt mit dessen üblichen Attributen - Krummstab und Geißel   dargestellt. Die Gesichtszüge sind bei aller Stilisierung die von Tutanchamun.

(Bild: Thanks to Jon Bodsworth - bearbeitet von Nefershapiland)

Das was den dritten Sarg (Nr. 255) zu einem so außergewöhnlichen Stück macht, ist weniger seine Erscheinung, als das verwendete Material. Carter erzählt wie "atemberaubend" der Anblick dieses Sarges war, denn es "bestand aus purem Gold". 

"Solch ungehörten Reichtum gab man den Pharaonen mit in ihr  Grab! Welche ungeheuren Schätze mögen einst in den siebenundzwanzig Gräbern des Tales verborgen gewesen sein, wenn Tut-anch-Amun, einer der unbedeutendesten, schon mit dieser überwältigenden Fülle von Kostbarkeiten bestattet war."
(Howard Carter)

Für die Herstellung dieses 1,875 Meter langen, 51 cm hohen und 51,3 breiten Sarges wurden 110,4 Kilogramm Gold in einer zwischen 2,5 mm und 3 mm variierenden Stärke verwendet. Es wurden noch zusätzliche Ornamente angebracht, neben den in der Oberfläche selbst getriebenen Dekorationen (Isis und Nephthys an der linken und rechten Körperseite, die Streifen des Nemes-Tuches sowie das Rishi-Federmuster) - die Göttinnen Nechbet und Wadjet in Intarsien aus Quarz und blauem Glas breiten ihre schützenden Flügel über der Brust des Königs aus. Um den Hals befand sich ein abnehmbares doppelreihiges Halsband aus scheibenförmigen Elementen in Rot- und Gelbgold und bunten Keramikperlen. Die Arme waren bedeckt mit Armbändern aus Türkis, Lapislazuli und Karneol. 

Der Perlen- und Blütenkragen war von besonderem Interesse, weil man vor der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun ganz ähnliche Stücke in versiegelten Krügen an einer anderen Stelle des Tales gefunden hatte. Man war sich bei der Auffindung dieser Kragen und Kränze nicht recht über ihre Bedeutung im klaren gewesen. Erst nach der Entdeckung Carters erkannte man, dass diese Gegenstände bei der Beisetzung des toten Königs von den Trauergästen getragen worden sein müssen. Das Trauergefolge legte die Kränze und die übrigen bei der Bestattung getragenen Gegenstände vermutlich ab, nachdem es das Grab verlassen und eine Stelle im Tal erricht hatte, wo die Zeremonien endeten. Die Priester werden diese Dinge dann an der betreffenden Stelle vergraben haben.

    Der Blütenkragen auf dem goldenen Innensarg

Auf dem Foto von Burton ist ein um den Hals des Königs gelegtes, doppelreihiges Halsband aus Gold und blauen Fayencesteinen zu sehen. Wie auch die Holzsärge hatte man diesen ebenfalls mit einem Leinentuch bedeckt. Auf diesem Tuch lag ein wunderschöner Halsschmuck aus Blättern, Blumen, Beeren, Früchten und Glasperlen, die man auf eine halbkreisförmige Papyrusunterlage genäht hatte.

 Das Gesicht war unbedeckt, über dem Kopf liegt ein zusammengefaltetes rötliches Leinentuch. 
Aus schimmerndem Zellenwerk sind vor allem an Bauch und Armen die Darstellungen der Geiers der Göttin Nechbet und der wadjet Schlange. (der geflügelten "grünen" Schlange Uto mit dem Körper eines Geiers. - beides Verkörperungen der beiden Herrinnen bzw. der Reichsgöttinnen von Ober- u. Unterägypten.

(Foto: Harry Burton - public domain)

Dieser Goldsarg dürfte der eindrucksvollste Sarg sein, der je entdeckt wurde, denn mal abgesehen vom Wert des Goldes, handelt es sich dabei um ein äußerst kunstvoll gearbeiteten Stück, das eindeutig die Gesichtszüge des jungen Königs trägt. 
Als dieser goldenen Sarg in den mittleren gelegt wurde, schüttete man große Mengen pechhaltiges Harz darüber, welches sich in den Jahren danach zu einer steinharten Masse verwandelte und die beiden Särge förmlich aneinander klebte. Auch das Leinentuch und der Blumenkragen mit den Fayenceperlen, die so wohlerhalten aussahen, hatten unter dieser Masse gelitten und zerfielen bei der leisesten Berührung.

Zunächst gab Carter nun das Vorhaben, die Särge voneinander zu trennen zugunsten der Öffnung des inneren Sarges auf. 
Dessen Deckel wurde von zwölf Zapfen festgehalten, an die man aber bei der Schmalheit des Zwischenraumes mit den Zangen nicht herankam. Leider mussten die Goldnägel damit geopfert und stückweise entfernt werden. Erst danach wurde der Deckel an seinen Goldgriffen gehoben und die Mumie des Königs wurde aufgedeckt.

"In einem solchen Moment versagt die Sprache, tausend Gefühle bestürmen den ehrfürchtigen Forscher und Menschen. Der Archäologe aber hat sein Gefühl zu unterdrücken und nur zu forschen. Was vor uns lag, waren die irdischen Reste eines jugendlichen Pharao, der bisher nicht mehr als ein schattenhafter Name gewesen war. Die sauber und sorgfältig gearbeitete Mumie füllte das ganze Innere des Goldsarges aus. Wieder waren große Mengen vom Alter hart und schwarz gewordener Salböle über sie ausgegossen. Den Gegensatz zu dieser düsteren, schwarzen Masse bildete die strahlende, fast pomphafte Goldmaske des Königs. "
(Howard Carter: C. Vol. II., 135)

Auf der Brust der Mumie lag eine "ba"-Figur. Von dieser Figur zogen sich Bänder aus Gold und Perlen über den unteren Teil des Körpers, als ob sie die Leinenbandagen an ihrem Platz halten sollten. Bei der Untersuchung der gereinigten (die aus Goldplatten bestehenden Bänder mit denen die äußersten Umhüllungen gehalten wurde, hatten auch  unter den Salbölen gelitten) und in der richtigen Reihenfolge wieder aneinandergesetzten Bänder (die verbindenden Fäden waren zerfallen) stellten Carter und sein Team fest, dass einige Bänder ursprünglich wohl für einen kleineren Körper angefertigt worden worden waren und später Tutanchamuns Körpermaßen angepasst worden sind. Auf dem Hauptband stehen zwei Textstellen, in denen sich die Götter Nut und Geb (Gottheiten des Himmels und der Erde) an den Körper wenden. Weitere Bänder, die im rechten Winkel zu dem mittleren Hauptband lagen waren mit einzeiligen Texten, in denen der König von den vier Kanopenschutzgöttinnen und von Anubis, dem Gott der Einbalsamierung "verehrt" wird. Auf einem der Bänder, deren Schriftzeichen aus Einlagen und buntem Glas gefertigt wurden, steht ein Text, in dem Anubis einige der Beinamen verliehen werden, die man ansonsten nur für Osiris verwendete;

Goldenes Mumienband - Fundnummer Carter: 256 B, JE 60673
                                 -   Breite: 4,9cm   -
"Herr des Heiligen Landes, der Vorderste im Westen..................
....möge er gewähren, dass der Herr der  Zwei Länder, Nebcheperure 
(Thronname Tutanchamuns) der Erste sei an der Spitze von....." 
(der weitere Text ist nicht mehr zu entziffern)

Seitlich der Mumie verliefen Goldbänder mit Begräbnistexten, die von den Schultern bis zu den Füßen reichten. Diese Bänder wurden mit Techniken der Goldschmiedekunst hergestellt, deren Struktur denen der vielen Halsketten aus dem Grab ähnlich ist. Man benutzte für die Mumienbänder Goldplättchen mit in Gold gefassten Einlagen, die aneinander gebunden und von Perlen eingefasst wurden. Das kunstvollste der Bänder besaß eine Verzierung, in der die Mittelreihe aus Goldplatten wechselt im Muster zwischen der Uräusschlange und dem Namen des Königs, wobei jede Schlange und jede Kartusche von einer Sonnenscheibe gekrönt wird. Die Sonnenscheibe über den Schlangen ist aus massiven Gold und über den Kartuschen mit einem Karneol eingelegt.

Auf der Rückseite dieser Bänder erkennt man Fragmente von religiösen Texten, die zum Teil aus dem "Buch der Toten" stammen. Die Namen in Kartuschen auf der Rückseite lasen sich eindeutig als die von "Nefer-neferu-aton", dem mysteriösen Vorgänger Tutanchamun identifizieren, wobei hier damit offenbar wird, dass ein Teil der cloisonneartig verzierten Seitenbänder ursprünglich zur Grabausstattung eines anderen Königs gehörten, denn an einigen Stellen ist ein Name getilgt, an anderen dagegen unverändert stehengeblieben. 

Die Mumie im geöffneten Goldsarkophag 

Den Kopf und die Schultern der Mumie bedeckt eine goldene Maske. Um den Hals liegt eine dreiteilige Kette aus großen scheibenförmigen Perlen. Zwischen den Krummstab und Geißel haltenden Händen befindet sich ein großer Skarabäus.

(Bild:
Harry Burton)

Nachdem Harry Burton seine photographischen Aufnahmen gemacht hatte gingen Carter und sein Team daran, den Ausstattungszustand der Mumie genauer zu untersuchen. Wedel und Krummstab waren fast gänzlich zerstört und zu Staub zerfallen. Der schwarze Harzskarabäus hatte sich wohl zusammengezogen und war voller feiner, kleiner Risse. Die äußeren Schmuckgegenstände mussten daher einzeln Stück für Stück entfernt werden und für eine spätere Reinigung und Zusammenstellung auf eine Unterlage gebracht werden.

     Howard Carter vor dem goldenen 3. Sarkophag
   Der "Nebti-Kragen" - nach der Restaurierung
       - Carter 256; JE 61875 - Breite 48,7 cm -
Bild:      Tuts Tomb Opend.JPG Date: 1925
Quelle:  The New Y>ork Times photo archive
Author:  Harry Burton (1879-1940)
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Dieses Bild ist public domain, weil der Autor seit mehr als 70 Jahren verstorben ist.
Dieser aus 166 Goldplatten zusammengesetzte Schmuckkragen stellt den Nechbet-Geier und die Buto-Schlange dar. Der Geier hält das "Schen-Zeichen" in den Klauen   
    Bild: Harry Burton -. bearbeitet von Nefershapiland

Eigentlich beabsichtige Carter, die Mumie Tutanchamuns aus dem inneren Sarg herauszuheben, eine Bindenschicht nach der anderen zu lösen und die einzelnen Gegenstände abzunehmen, um die Methode der Bandagierung genau zu studieren. Dieses ließ sich nun nicht mehr in die Tat umsetzen, da die meisten Binden so brüchig waren, dass sie bei der geringsten Berührung bröckelten und genauen Aufschlüsse über die Mumienwickelung geben konnten. Auch war es unmöglich, die Mumie aus dem Sarg herauszunehmen, da sie samt Kopf und Schultern bedeckenden Goldmaske, fest am Sargboden klebte.

Carter dachte sofort an Erhitzen und hoffte zunächst,  dass schon die Sonnenwärme ausreichen würde, um die Substanz zu erweichen. Man setzte daraufhin den Sarg mehrere Stunden der Sonne aus, doch blieb dieses ohne Wirkung. Es benötigte anscheinend einer erheblich höheren Temperatur, um Ergebnisse zu erzielen. Infolgedessen musste man Vorsorge tragen, die gefährdete Sargoberfläche während dieser Behandlung zu schützen. Der Goldsarg wurde auf der Innenseite mit dicken Zinkplatten ausgelegt, deren Schmelzpunkt bei 520 Grad Celsius liegt. Die Goldmaske wurde durch ein zusammengefaltetes, feuchtes Tuch geschützt und das Gesicht dick mit nasser Watte belegt. Dann wurden die Särge umgekehrt auf ein Gestell gelegt und der äußere, der nun zuoberst lag, mit feuchten Tüchern bedeckt. Nachdem man nun mehrere Primus-Brenner unter die innere Höhlung des Goldsarges gestellt hatte, hielt man die Hitze immer unter dem Schmelzpunkt des Zinks. Dabei wurden die Tücher unter der Maske und dem zweiten Sarg dauernd feucht gehalten. Obwohl die Temperatur auf 500 Grad Celsius stieg, vergingen doch mehrere Stunden, ehe eine Bewegung zu beobachten war. Sofort wurden die Brenner gelöscht. Erst nach einer Stunde konnte man den zweiten Sarg vom Goldsarg abheben. Mit Hilfe von Lösungsmittel gelang es die goldene Oberfläche von einer tropfenden, pechartigen Masse zu säubern. Die Maske, die der Hitze der Brenner am stärksten ausgesetzt gewesen war, ließ sich verhältnismäßig leicht abheben. An ihrer Rückseite haftete jedoch noch ein Teil der zähen Salbölmasse, die schließlich mit einem Gebläsebrenner entfernt werden musste, da sie durch Lösungsmittel nicht zu beseitigen war.

Nun verblieb in der Grabkammer nur noch der erste Sarg, der bei den ersten Bergungsarbeiten wieder in den Steinsarkophag abgesenkt worden war. Dieser konnte nun leicht mit Hilfe eines Flaschenzuges herausgehoben werden. Am Boden des Sarkophages befand sich ein niedriges Bett aus vergoldetem Holz (Carter Nr. 253a) in Löwenform, das sich trotz des auf ihm lastenden Gewichts von ungefähr 1250 KG in einem perfekten Erhaltungszustand befand. Die Bahre ist ungefähr 30 cm hoch und 2,25 Meter lang . Das Mittelteil ist mit einem Flachrelief bedeckt, das ein Netzgitter nachahmt, ähnlich den Seilnetzen an den heutigen sudanesischen Bettgestellen.

Goldmaske und Schmuck:

Den alten Bräuchen entsprechend lagen zahlreiche amulettartige Gegenstände unter den äußeren Bändern mit kunstvoller Wickelung, von denen jeder eine bestimmt Bedeutung hatte. Sie bedeckten die Mumie buchstäblich von Kopf bis Fuß und hier können nur die kostbarsten erwähnt werden. Viele von ihnen war sehr zerbrechlich, wohl ein Zeichen dafür, dass diese nur für das Grab hergestellt worden sind.

Nicht weniger als 17 Kragen waren in Tutanchamuns Mumienhüllen eingebunden. Einige bestanden aus künstlichen "Perlen", die meistens jedoch aus Gold - und zwar entweder aus Gold mit einziselierten Details oder aus Gold mit Einlegearbeiten (Zellenwerk), wobei dann auch farbige Halbedelstein- und /oder Glas-Halbedelsteine Verwendung fanden.

                  Kette mit Falkenanhänger
          Carter: 256  - Kairo:  JE 61891
    Breite des Anhängers: 9 cm; Kettenlänge: 65 cm
            perlengeschmückter "Geierkragen"

Carter fand tief in den Bandagen der Mumie drei Halsketten mit Anhänger. Eine in der Mitte der Brust und je eine links und rechts davon. Auf der rechten Seite fand man den hier abgebildeten Falken mit ausgebreiteten Flügeln. Da die Kette Gebrauchsspuren aufwies, vermutete Carter, dass Tutanchamun diese Kette zu Lebzeiten getragen hatte.

Auf dem nach vorn gerichteten Kopf des Falken thronen Uräusschlange und Sonnenscheibe. Die Scheibe mit  Re-Harachte besteht aus Karneol, die Einlagen an Schwanz und Federn in "Cloisonne-Technik" sind aus buntem Glas. Auf einem herzförmigen, kleine Gegengewicht, welches aus einem Karneolkern besteht, der in eine durchbrochene Goldarbeit eingesetzt wurde, steht in einer Kartusche der Thronname des Königs: "Neb-cheperu-re", der von zwei Uräen  flankiert wird.

Dieser Kragen stellt den Geier der oberägyptischen Reichsgöttin Nechbet dar und lag auf der Brust der Mumie, so dass die Spitzen der Geierflügel bis an die Schultern der Mumie reichten. Ein Gegengewicht in Blütenform hing - mit Golddrähten an Ösen auf der Rückseite der Geierschwingen befestigt - am Rücken der Mumie herab. Beide Raubvögelkrallen halten das "Schen-Zeichen", die Hieroglyphen für "Unendlichkeit" mit Einlagen aus roten und blauem Glas.

 

 


Bild: C. Aldred / die Juwelen der Pharaonen /A. Shoucair
1971 - bearbeitet von Nefershapiland 

 

 

File: Bijou-Gorgerin-de la tombe de Tout 
Bild: Jean-Pierre Dalbera from Paris, France
         aus Wikipedia Commons
Lizenz: Creative Commons Attribution 2,0 Generic
Originalbild:    -  hier     -

 

-   Armband mit drei Skarabäen 
                            Carter 256YY, JE 62362  
                      Länge 17,6 cm - Breite 4,3 cm 

Bild:  Tutanchamun/Noack/Verlag A. Egger 1965 - bearbeitet von Nefershapiland

                     
Dieses Armband mit den drei Skarabäen fand Carter am linken Arm des Königs. Es vereinigt in seinem Design eine Ausgewogenheit in Form und Farbe mit magischem Schutz.
Auffallend sind die drei Lapislazuli-Skarabäen, deren Einzelteile in Goldfassungen eingesetzt wurden.  Der Skarabäus galt im alten Ägypten u. a. als Symbol des Wiedererscheinens. Zwischen den Skarabäen befinden sich  attraktive Zeichengruppierungen, die aus den "neb"-Zeichen in Form eines Korbes (eingelegt mit hellblauem Glas), hier wohl so viel bedeutet, wie "Herr" oder "alles", angefügt werden. Über jedem "Korb"-Zeichen stehen "nefer"-Zeichen und eine Uräus-Schlange und als Abschluss darüber thront eine in Gold gefasste Sonnenscheibe aus Karneol und farbigem Glas. Den oberen und unteren Abschluss des Armbandes bilden sechs Reihen winziger Gold- und Glasperlen

 

Fayenceanhänger mit "Udjat-Auge" 
         Carter 256VVV ; JE 61901 Kairo 

     Höhe des Anhängers: 5,7 cm, Breite: 9,5 cm
               Länge der Kette 29 cm: 33 cm
Ebenso wie viele andere Ketten, die Carter an der Mumie des toten Königs fand, weist auch dieses Stück Gebrauchsspuren auf, deshalb ging Carter davon aus, dass Tutanchamun sie bereits zu Lebzeichen getragen hatte.
Das Pektoral besteht aus purem Gold mit vielen Glaseinlagen. Das Auge selbst ist mit kristallinem Kalkstein und Lapislazuli eingelegt. Die beiden Schutzgöttinnen Uto in Form der Uräusschlange und Nechbet in Form des Geiers flankieren das Auge. Das Pektoral wird von drei Perlenschnüre aus Gold und buntem Glas verbunden.
Bild:    Eye of Horus necklace (Replica)
Autor: Ca.garcia s  29.10.2016
Lizenz: CC BY-SA 4.0
bearbeitet von Nefershapiland

Zwei reichverzierte Dolche, einer mit goldener und der andere mit eiserner Klinge (Carter 256k) gehören zu den edelsten Stücken der Grabausstattung Tutanchamuns. In dieser Zeit war Eisen sehr rar und hatte einen sehr hohen Wert. Man fand beide Dolche am Körper der Mumie. Sie waren wie zahlreiche weitere Objekte beim Bandagieren der Mumie an verschiedenen Stellen des Körpers eingewickelt worden.

Dolche

Dolche mit eiserner Klinge - 
Carter 256k - JE 61584B, Museum Kairo

(Bild Burton 1610 - public domain)

Der eiserne Dolch lag neben einem goldenen Zierbehang auf seinem rechten Oberschenkel. Der Dolch mit der Goldklinge ist ein Meisterwerk ägyptischer Goldschmiedekunst. Carter fand ihn tief in den Bandagen eingewickelt, in einem schmalen Hüftgürtel aus Goldblech ebenfalls auf der Mumie.

 

Goldmaske:

Der Kopf, die Schultern und Teile der Brust der Mumie wurden durch eine prächtige Totenmaske aus massiven Gold geschützt. 

"Von den düsteren und schwärzlichen Schattierungen hob sich strahlend in ihrer Schönheit, die Maske aus poliertem Gold mit den Gesichtszügen des Pharaos ab."
(Howard Carter)

Zwar hatten es die Einbalsamierer mit der Salbung des in einem leinenen Leichentuchs gehüllten Körper des toten Königs allzu gut gemeint, aber legten sie bei der goldenen Maske (Fundnummer Carter: 256a). welche über dem Gesicht des Königs lag, erstaunliche Zurückhaltung an den Tag. Dieses unvergleichlich wertvolle Stück ist 54 cm lang und wiegt 10,23 kg.

                                                       Goldene Totenmaske Tutanchamuns
   - mit den Kronengöttinnen Wadjet für Unterägypten (aufrechtstehene Uräus-Schlange) -
                                      und der Geiergöttin Nechbet für Oberägypten.

Original-Bildquelle:    Aikon at nl.wikipedia
Lizenz:  GNU Free Documentation License
Original-Bild:   -  hier   -
Bild:  qwelk  -  release this work into the public domain
          This applies worldwide

Die jugendlichen Gesichtszüge auf der Maske stellen Tutanchamun als Osiris dar, den Kopf in das "Nemes-Kopftuch" gehüllt - ein Leinenkopftuch mit weißen und blauen Streifen, das an der Stirn mit einem Band zusammen gehalten wird  - und  den falschen Bart vor das Kinn gebunden. An den Enden des breiten "usekh-Kragens", der aus zwölf Perlenreihen aus Lapislazuli, Quarz, Amazonit und Glaspaste besteht, sind zwei Spangen in Form eines Falkenkopfes, dem Symbol des Gottes Horus, befestigt.

Auf der Stirn erheben sich die gemeinsamen Schutzgöttinnen Ägyptens, der Geier Nechbet des Südens und die Kobra Wadjet des Nordens aus massiven Gold, das mit Karneol Lapislazuli und Glaspaste eingelegt ist. Besonders die Augen sind äußerst lebensecht dargestellt. Die Augäpfel bestehen aus weißem Quarz und schwarzem Obsidian., und als besonderes Detail sind die Augäpfel an der Nasenwurzel mit je einem kleinen roten Punkt versehen. Augenränder und Brauen sind mit Lapislazuli eingelegt und mit einer Kajalumrandung versehen. Die Ohrläppchen sind entsprechend der Amarna-Zeit durchstochen und leicht asymmetrisch. 

Auf der Maske, unter dem Zeremonialbart geklemmt, befand sich eine dreireihige Halskette aus Rot- und Gelbgold und Keramikperlen. In Rücken und Schultern sind sind Hieroglyphenspalten geritzt, die eine magische Formel wiedergeben, die seit dem Neuen Reich Bestandteil des "Totenbuches" (Kapitel 151b) war. Diese magische Formel ruft verschiedene Götter an, deren Gliedmaßen mit denen des verstorbenen Königs gleichgesetzt wurden.

       Totenmaske Tutanchamun - Vorderseite

Höhe: 54 cm; Breite: 39,3 cm, Gewicht: 10-11 kg 
                Carter: 256 A;      JE 60672

Totenmaske Tutanchamuns - Rückseite

 Gold, Lapislazuli, Karneol, Quarz, Obsidian -

Die goldene Maske stellt Tutanchamun dar, vermutlich in dem Alter, als ihn der Tod ereilte. Das "Nemes-Kopftuch" besteht aus Gold und lapislazulifarbigem Glas. Die Streifen stahlen vom unteren rückwärtigem Teil des Kopftuches aus, wo es zwischen den Schulterblättern zu einer Art Zopf zusammengefasst ist. Um den Hals liegt eine dreifache Kette aus ringen von gelben und rotem Gold sowie aus blauer Fayence.
                              (beide Bilder: Thanks to Jon Bodsworth for public domain)

Nachdem die Sargkammer ausgeräumt war, wandte sich Carter der hinteren Schatzkammer zu. Der Weg dahin zweigte aus der Nordostecke der Sargkammer ab. Carter hatte schon am 17. Febr. 1923 zum erstenmal Gelegenheit, die Nordseite des Grabes zu untersuchen, wo ihm sofort eine niedrige Tür in der Ostwand der Grabkammer ins Auge fiel. Dort führte ein schmaler und nicht versiegelter Gang in einen anderen Raum, den er, überwältigt von den dort gefundenen Wundern, "Schatzkammer" nannte. Die Objekte, die er dort sah, waren nicht nur überaus prächtig, sondern sie schienen auch seit der Bestattung Tutanchamuns unberührt geblieben zu sein. Während man sich damals im Febr. 1923 noch mit der Grabkammer selber beschäftigte, ließ Carter in der Zwischenzeit den Zugang zur Schatzkammer durch Holzbretter versperren, um wie er erklärte: "zu verhindern, dass wir uns durch all diese Objekte ablenken ließen." 

Am 24. Oktober 1926 war endlich der Moment gekommen, wo die Holzbretter, welche die Tür zur Schatzkammer versperrt hatten entfernt wurden und man damit begann, eine sorgfältige Inventarisierung ihres Inhalts zu erstellen. Diese Kammer bot fast noch größere Überraschungen als die Vorkammer. Ein vergoldeter und von vier Schutzgöttinnen umstandener Kanopenschrein enthielt in einem Alabaster-Altärchen vier kleine goldene Särge mit den Eingeweiden des Königs. In der Mitte der Kammer stand, den Eingang fast versperrend, der nach Westen gerichtete Schrein des Gottes Anubis.

Vor dem Eingang der Schatzkammer stand ein Naos auf seinem Tragegestell.
Auf ihm thronte eine majestätische Statue des Schakals Anubis, die in einem Schal aus fransenbesetztes Leinentuch gewickelt war, welches aus dem 7. Regierungsjahr Echnaton datiert war.
 Außerdem trug er ein Halsband
(Bild:
Harry Burton - public domanin)

Im Herbst 1927 ging man daran, die letzte der Kammern, die Seitenkammer hinter der Vorkammer, zu räumen. Schon zu Beginn der Arbeiten am 30. Oktober 1927 waren sich die Ausgräber über die Ausmaße dieser Arbeit im Karen, denn sie waren schon bei der ersten Erforschung des Grabes am 27. November 1923 bis hierher vorgedrungen. Schon damals hatte Howard Carter angesichts einer solchen Ansammlung von Gegenständen nicht umhin gekonnt, zu fürchten: "dass wir beim Räumen dieser Kammer große Schwierigkeiten haben werden, uns zu entscheiden, wo wir anfangen."

Der niedrige Eingang lag hinter der "Bahre" mit den Nilpferdköpfen, und das Loch, das die Grabräuber hier gebrochen hatten, war schon von der Nekropolenverwaltung nicht wieder repariert worden. Dahinter befand sich dieser Raum - etwas kleiner als die "Schatzkammer". Die Verwaltungsbeamten hatten damals nach dem Einbruch gar nicht erst versucht, nach den Grabräubern wieder Ordnung zu machen. Alles lag noch so, wie es die Grabräuber hinterlassen hatten, drunter und drüber. Auf dem weißen Deckel eines Bogenkastens sah man sogar noch ihre Fußabdrücke und auf einigen Gefäßen, deren kostbarer Salbenschmuck die Einbrecher in leichter transportierbare Beutel umgegossen hatten, waren auch ihre Fingerabdrücke zurückgeblieben.

Bild:      Calcite Basin Supporting a Boat 
Autor:  
Autor:  von لا روسا (Eigenes Werk) 
Wikimedia Commons
Lizenz: CC BY-SA 4.0 

         Salbgefäß aus Alabaster 
     in Form einer zeremoniellen Barke

Dieses Schiff mit Widderköpfen, das auf einem truhenförmigen, mit einem Mosaik aus Lotoselementen und geometrischen Formen bemalten Sockel ruhte, ist eines der kunstvollsten Salbgefäße aus dem Grab Tutanchamun. Die bemalte Barke endet an Bug und Heck in zwei kleinen Widderfiguren, die mit vergoldeten Halsbändern und echten Hörnern von einem jungen Widder geschmückt sind.

Die "Alabasterbarke" ist aus feinstem kristallinen Alabaster geschnitten und mit Gold und mehreren Farben inkrustiert. Sie steht auf einem schreinartigen Behälter aus gleichem Material, der oben eine Wanne bildet, die, wie ein kleiner Teich, mit Wasser gefüllt werden konnte, so dass die gondelförmige Barke zu schwimmen scheint. Die Seiten des Untersatzes sind mit Ornamentfriesen geschmückt. Unter dem Bug an der Schmalseite sind die Kartuschen des Königspaares eingraviert. 

Das Boot trägt einen baldachingekrönten Behälter, Bug und Achtersteven sind Steinbockköpfchen mit aufgesetzten Hörnern von Jungtieren. Vorn kniet ein nacktes Mädchen mit einer blauen Lotosblüte aus Elfenbein in der Hand und auf dem Heck steht eine zwergenwüchsige ältere Frau, die Ruder hält. Man hat vermutet, dass es sich bei der jungen knienden Prinzessin im Vorschiff um eine der Schwestern der Königsgemahlin Anchesenamun handelt.

Gesamthöhe 66 cm; Barke 37 cm, Länge der Barke: 71 cm - Kairo JE 62120

Carter war verblüfft über die Bandbreite des hier gelagerten Materials. Er konnte sich nur  schwer vorstellen, was die ursprüngliche Funktion dieses Depots gewesen sein könnte. Anfangs glaubte er, dass in diesem Raum Kosmetikartikel und Nahrungsmittel gelagert wurden. Er fand Alabasterbehälter für Salböle, Weinkrüge und Körbe für Lebensmittel. Aber dann sah er, dass hier auch militärische Gegenstände, Uschebtis, Bestattungsmobiliar, Krummstäbe, Zepter und Spiele, die, wenn mehr Platz im Grab gewesen wäre, auch sicherlich im Vorraum oder in der Schatzkammer untergebracht worden wären.

Auf der Schwelle der Seitenkammer lagen noch die Steine, die beim Durchbruch der Türvermauerung herabgefallen waren, und ergänzten das Bild der von den Räubern angerichteten allgemeinen Verwüstung. Zuoberst lagen drei Bettgestelle mit hölzernen Rahmen und einem Geflecht aus Schnüren. Eine davon fiel durch ihre feinen Proportionen und Verzierungen auf. Das Bettgestell ist aus Ebenholz gearbeitet und mit dickem Goldblech überzogen, dessen Ornamente im Amarna-Stil gehalten sind. Ein weiteres Bettgestell, das an der Südwand der Kammer unter allen möglichen anderen Dingen lag, war für Reisezwecke bestimmt und zu einem Drittel seiner Gesamtgröße zusammengefaltet.

                   Das Faltbett Tutanchamuns
Das weiß bemalte Holzbett hat vier, vermutlich aus Kupfer gearbeitete Scharniere, mit deren Hilfe sich die drei Teile des Rahmenwerks zusammenfalten lassen. Das Bett hat 8 Füße; die vier Füße unter den Verbindungsstellen der Rahmenteile sind zur Unterstützung der Scharniere angebracht. Das vordere Paar dieser Hilfsfüße ist ebenfalls durch Scharniere mit den Verbindungsstellen, die es unterstützt, verbunden, so dass man die Füße beim Zusammenfalten des Bettes nach innen klappen kann und das Rahmenwerk an der Ansatzstelle des Fußteils nicht behindert ist. 
(Bild:
Harry Burton - public domain)
Der Rahmen ist mir einem dichten Gewebe aus weiß bemalten Leinenschnüren bespannt. Die Löwenfüße stehen auf kupfernen Untersätzen. 

Nach der letzten Grabungssaison, in der Carter das Grab endgültig räumen ließ, verbrachte er die Jahre allein in seinem Haus auf der Westbank von Theben und kehrte dann nach England zurück.  Es gelang ihm in seinen letzten Lebensjahren, seinen berühmten dreibändigen Bericht über die Entdeckungsgeschichte des Grabes fertigzustellen. 

Kurz darauf wurde er krank und verstarb in seinem Londoner Heim am 2. März 1939 am Hodgkin Syndrom. Howard Carter wurde auf dem Friedhof von Putney Vale beigesetzt, Seine Grabinschrift lautet: "Archäologe und Ägyptologe".

Das Grab KV 62

Das Grab des jungen Königs Tutanchamun im Tal der Könige (KV 62) folgt nicht dem traditionellen Schema der bis dahin bekannten königlichen Gräber Als Beispiel zu nennen sind die die königlichen Grabstätten Sethos I. und Ramses III., die zu den schönsten im Tal der Könige gehören. Ein unauffälliger, in den Felsen gehauener Zugang mit versiegelter Tür führte meist in eine Flucht langer Korridore, manchmal von Nischen flankiert, die in eine Vorkammer und dann in der Grabkammer mündeten. Die letzte Ruhestätte von Tutanchamun ähnelte eher einem einfachen Privatgrab, wie z. B. dem von Yuya und Tuya, den Ur-Großeltern des jungen Königs, (KV 46 im Osten des Tales), oder dem mysteriösen Grab Nr. 55. Vermutlich wurde Tutanchamun in KV 62 begraben, weil bei seinem Tod im jugendlichen Alter noch kein gebrauchsfertiges Grab zur Verfügung stand.

In der Regel begann der König unmittelbar nach seiner Thronbesteigung mit dem Bau einer Grabanlage. Evtl. hat man wohl ganz zu Beginn seiner Regierung mit dem Bau einer entsprechenden Anlage in Achet-Aton (Amarna) in der Nähe der Grabanlage von König Echnaton begonnen, die aber bedingt durch den Umzug des Königshofes nach Memphis aufgegeben wurde. Es mag eine gewisse Zeit vergangen sein, bis eine Entscheidung in der Wahl des neuen Standortes für das neue Königsgrab fiel. Bei der Grabanlage, in der letztlich Tutanchamun bestattet wurde, handelt es sich ursprünglich um eine private Grabanlage, eventuell entstanden schon unter Amenophis III. Dieses Einkammergrab wurde beim Tode Tutanchamuns (oder eventuell schon etwas früher, als der Tod es Königs absehbar war) nun in aller Eile in eine Anlage verwandelt, die wenigstens minimalen königlichen Ansprüchen genügen musste.

Bei der Vergrößerung der schon bestehenden Anlage wurde eine vertiefte königliche Grabkammer (ohne gewachsene Mauer zwischen Vorkammer und Grabkammer, diese wurde dann erst aufgemauert) und zwei Nebenräume geschaffen. Auch bei der Grabdekoration (nur die Sargkammer wurde dekoriert), handelt es sich um eine Notdekoration, die eine Szene zeigt, die in keinem anderen königlichen Grab erscheint. Der Nachfolger des jungen Königs, Eje, vollzieht als bereits gekrönter König (!) mit der Blauen Krone auf dem Haupt, die Zeremonie der Mundöffnung an seinem Vorgänger, der als vergöttlichter Osiris– König dargestellt ist. 

Die anfallenden Steinarbeiten wie die Ausschmückung von KV 62 konnte in den drei Monaten, die zwischen Tod und Begräbnis eines Königs lagen, ohne Schwierigkeiten bewältigt werden. Interessant ist die Tatsache, dass die Maler, die für die Ausschmückung des Grabes Tutanchamuns  verantwortlich waren, auch mit ziemlicher Sicherheit die Grabdekoration im Grab Ejes schufen.

Verantwortlich für die Bestattung Tutanchamuns war der  „Vorsteher des Schatzhauses“ und „Bauleiter am Platz der Ewigkeit“ Maya.

Grundriss-Zeichnung des Grabes
(Grabgrundriss:  Nefershapiland)

 

Vorkammer:

Die nach Nord-Süd ausgerichtete Vor-Kammer war exakt 7,85 Meter lang und 3,55 Meter breit und hat eine Höhe von 2,80 m. Es befanden sich keinerlei Texte oder Dekoration an den weißen Stuckwänden. Über dem Boden verstreut und nachlässig aufeinander gestapelt befand sich eine Unzahl von Gegenständen. Alles in allem befanden sich im Vorraum 56 Objekte, durchnummeriert von 14-27 und von 29-170, insgesamt zwischen sechs- und siebenhundert Gegenstände.

       "Kleiderpuppe" des Tutanchamun

Unter einem der Ritualbetten in der Vorkammer entdeckten die Ausgräber ein äußerst realistisches Gesicht zwischen all den Wagenteilen und Kästen. Dieses rätselhafte Objekt, über dessen ursprünglichen Nutzen man sich immer noch nicht ganz klar war, war eine stucküberzogene und bemalte Holzbüste, die keinerlei Inschriften trug. Die Spezialisten identifizierten sie dennoch als ein lebensnahes Porträt des jugendlichen Tutanchamuns mit vollen Lippen und leicht betontem, fast vorspringendem Kinn. Der ungewöhnliche Kopfschmuck des Königs, eine Art Mischung zwischen der roten Krone Unterägyptens und der hohen Tiara der Nofretete, erinnert an den Amarna-Stil. Auch hier erhebt sich die königliche Uräus-Schlange. Die Ohrläppchen sind durchstochen und der Körper ist mit einer einfaschen weiß bemalten Tunika bedeckt. Carter selbst vermutete, dass es sich hierbei um eine Art "Mannequin" in  Lebensgröße des Tutanchamuns handelt, an dem man Kleidungsstücke und Schmuck des Königs anprobierte oder deponierte.
(Bild:
Thanks to Jon Bodsworth (bearbeitet von Nefershapiland.

 

     sogenannter "Kinderstuhl" Tutanchamuns
Ebenholz und Einlegearbeiten aus Gold u. Elfenbein 
   Fundnummer: Carter 39; Kairo JE 62033 -
   - Höhe 71 cm; Breite 36,8 cm; Tiefe 39,3 cm  -
  Stuhl aus sogen. Libanonzeder (kilikische Tanne)
Auf der Rückenlehne Darstellung des Gottes "Hehe"
  - Fundnummer Carter 86; Kairo JE 62029 -
 -  Höhe 96 cm, Breite 47,6 cm, Tiefe 50,8 cm -
Dieser klassische Stuhl besteht aus einer leicht nach hinten geneigten Rückenlehne, einem leicht ausgehöhlten Sitz und Löwenfüßen, die auf kleinen Bronzesockeln ruhen. Die Konstruktion wird durch Zapfverbindungen zusammengehalten, die mit kleinen Bronzenieten verstärkt wurden. Die Beine sind durch vier Querbalken verbunden, die in florale Motive aus Elfenbein auslaufen.

Die Rückenlehne ist mit einem geometrischen Einlegemuster aus Elfenbein versehen, während die Armlehnen innen und außen mit einem fein ziselierten Goldeinsatz und Darstellungen von ineinander verflochtenen Zweigen bzw. schlafenden Tieren verziert sind.

 

 

 

 

Bild: Harry Burton - public domain (1879-1930)
Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtl. Schutzfrist abgelaufen ist.

Eines der elegantesten Sitzmöbel aus dem Grab KV 62 ist der Holzsessel aus dem Vorraum. Er besteht aus rotem Holz mit sehr dichter Maserung, das man nicht zweifelsfrei identifizieren konnte. Evtl. handelt es sich um Zedernholz, Palisander oder eine Koniferenart. Die dunkelrote Farbe des Holzes steht in wunderbarem Kontrast zum leuchtenden Glanz der Goldfolie, die einzelne Elemente des Stuhles betont. Die Rückenlehne dieses Stuhles ist geschmückt mit einer Darstellung des "Hehe",  (Hech) dem Gott für die Ewigkeit. Er kniet auf dem Symbol für Gold, Nub, und hält in jeder Hand eine vielfach gekerbte Palmrippe (dass Hieroglyphenzeichen für "Jahre",  die unten aus dem Zeichen für "100.000" über einem Seilring (= Zeichen für die "Unendlichkeit") hervorgeht. An seinem rechten Arm hängt das Anchsymbol. All diese Symbole sollen dem König einer langen und erfolgreichen Existenz im Jenseits versichern.





Bild: Thanks to Jon Bodsworth - public domain -

Nichts regt nach der Entdeckung des Grabes die Phantasie der Menschen mehr an als der "Goldene Thron" des jungen Herrschers. Hatte dieser Prunkthron doch mit Staatsaktionen zu tun, deren Pomp alles übertroffen haben muss, was in dieser Hinsicht je im Altertum inszeniert wurde. Und das genügte, um diesen Thron mit einer Aura von Romantik zu umgeben. 

    Der goldene Thron - JE 62028
Material: Holz, Blattgold, Silber, Glaspaste und
                 Schmucksteine.
Maße:      H.: 102cm, B.: 60 cm, L.: 54 cm.  
Der König sitzt auf einem Thron unter einem Pavillon mit floralen Seitenpfeilern und einem Sims aus Uräen und Blumen. Seine Gemahlin Anchesenamun nähert sich ihm mit einem Gefäß, das parfümiertes Öl enthält. Der König trägt eine kunstvolle "atef"-Krone, die Königin einen gefiederten Kopfschmuck mit einem Uräus-Stirnband und lyraförmigen Hörnern zwischen denen die Sonnenscheibe thront. Über dieser Szene schwebt Aton in Form der Sonnenscheibe mit Strahlen, die in Händen enden. Der Name des Gottes steht in den Kartuschen zu beiden Seiten der Sonnenscheibe. Das königliche Paar wird als Tutanchamun und Anchesenamun bezeichnet, nicht mit ihrem früheren Namen, bei denen Amun durch Aton ersetzt war. Doch auch diesen Namen findet man am Thron: auf der Rückseite der Lehne und an den Armstützen.

(Bild: mit herzlichen Dank an Jon Bodsworth)

Carter betrachtete diesen Thron als "einen der größten" Schätze des ganzen Grabes. Er ist nicht nur aufgrund seiner Kunstfertigkeit bemerkenswert, sondern auch durch den spürbaren Amarna-Einfluss. Der Thronsessel gehört zu den Gegenständen aus dem Grab Tutanchamuns, die zwar in keinem direkten Zusammenhang mit dem Begräbnisritual stehen, andererseits aber eng mit dem Leben des jungen Königs verbunden waren.

         Rückenlehne des goldenen Throns

Die Gewänder des königlichen Paares sind aus Silber gearbeitet. Kronen, Halskragen, Schärpen und andere ornamentale Einzelheiten der Rückenlehne sind mit farbigem Glas, Fayence und Alabaster eingelegt. Die Gesichter und die unbekleideten Körperteile der Figuren bestehen aus rotem Glas, der Körperschmuck aus leuchtend blauer Fayence. Der Hintergrund besteht aus getriebenem Goldblech. 

Die Beine des Thrones sind als Löwenbeine geschnitzt; dem vorderen Paar sind Löwenköpfe aufgesetzt.

Die Sitzfläche des Throns hat ein eingelegtes Muster von Quadraten aus Alabaster, Gold, dunkler und heller Fayence. Die Rückenlehne misst etwa 53 x 53 cm.








Bild:     Tutanchamun and his wife
Autor:  Pataki Márta
Lizenz: CC BY-SA 3.0

Insgesamt befanden sich im Grab Tutanchamuns sechs Wagen von unterschiedlicher Bauart: davon vier im Vorraum und zwei in der Schatzkammer. Alle Wagen wurden vor ihrer Deponierung im Grab allesamt demontiert und ihre Achsen mittendurch gesägt, und zwar aus zwei Gründen: einerseits aufgrund der Enge des Eingangskorridors und andererseits, um zu verhindern, dass sie im Grab selbst zuviel Platz wegnahmen. Bei der Restauration dieser Prunk- und Streitwagen standen die Ägyptologen vor schweren Problemen, zumal sie erst einmal die ineinander verkeilten Einzelteile voneinander trennen mussten, welche sich oft noch zusätzlich  mit Pferdegeschirr und anderen Teilen aus Leder verheddert hatten. Glücklicherweise gelang es, fünf von sechs Wagen vollständig wiederherzustellen (die vier aus der Vorkammer und einen aus der Schatzkammer.

"Unter dem Einfluss der Feuchtigkeit hat sich das ungegerbte Leder in eine schrecklich schwärzliche Paste verwandelt. Glücklicherweise sind diese Lederteile meist vergoldet, und wir hoffen, sie anhand dieser gut erhaltenen Beschichtung ohne allzu große Probleme rekonstruieren zu können."

(Howard Carter)

Die beiden Prunkwagen (Fundstücke Nr. 120 und 122) des König sind nach Ansicht von Carter die schönsten des ganzen Grabes. Seiner Ansicht nach wurden sie für offizielle Anlässe und Paraden konstruiert. Die breiten und relativ niedrigen Karosserien bestehen aus mit Stuck überzogenen und vergoldetem Holz und sind hinten offen und sowohl innen als auch außen verziert. Der Stabilisierung des Wagenlenkers diente ein vorn angebrachtes Geländer, das von der Deichsel gestützt wurde. Die Räder bestehen aus Lederstreifen mit einem Holzkern. Jedes hat sechs Speichen, die sich an der Radachse treffen. Zum Zeitpunkt der Entdeckung jedoch war diese nur noch mit der Karosse verbunden: Die Räder hatte man abgesägt.

Die beiden anderen Wagen des Vorraums sind leichter als die Prunkwagen, vor allem das nach beiden Seiten offene, schmucklose Gefährt mit stabilen Holzrädern (Fundstück Nr. 161). Nach Carters Ansicht handelt es sich dabei um einen Alltagswagen für die Jagd oder für das Training.

Bild:      Prunkwagen Tutanchamun
Autor:  
Autor:  von لا روسا (Eigenes Werk) 
Wikimedia Commons
Lizenz: CC BY-SA 4.0           
                                     Der zweite Prunkwagen Tutanchamuns

Der Prunkwagen aus der Vorkammer besteht aus Holz, welches zum größten Teil mit einer vergoldeten Stuckschicht und Einlagen aus Halbedelsteinen und buntem Glas überzogen ist. Das Joch ist für zwei Pferde eingerichtet. Die Achse und die beiden Räder bilden das Wagengestell. Der Wagenkasten besteht aus einem oberen und einem unteren Rahmen. Die Deichsel ist in eine Buchse unter der Mitte des Fußbrettes eingelassen und sie ist an ihrem unteren Ende so gebogen, dass sie unter dem Wagenkasten entlangführt und diesen unterstützt. 
Höhe des Wagenkastens: 75 cm. Gesamthöhe: 122 cm.
(Fundnummer: 122)

Der Wagenkasten wird außerdem von dicken Ledergürtel gehalten, die vom oberen vorderen Rand zur Deichsel gespannt sind. Die Karossen sind mit einem Reliefdekor geschmückt, das rundherum durch eine Bordüre mit Einlegearbeiten in farbigem Glasfluss und Halbedelsteinen abgesetzt ist.

Direkt am Eingang der Vorkammer stand der unten abgebildete Alabasterkelch, der einer weißen Lotospflanze nachgebildet ist. Das Gefäß stellt eine im Wasser liegende Pflanze mit einer großen, geöffneten Blüte aus sechzehn gerieften Blütenblättern dar. Drei kleine Knospen wachsen auf beiden Seiten aus dem Sockel des Kelchs. Sie tragen Heh (Hech), den Gott der Ewigkeit. In beiden Händen hält der Gott die Hieroglyphe für "Leben" sowie eine Palmrispe mit ihren Kerben, das Zeichen für "Jahr", die wiederum auf einer Kaulquappe über einem Seilring (den Symbolen für "100.000 Jahre" und Unendlichkeit) ruht.

Auf der einen Seite des Kelchs sind die Kartuschen Tutanchamuns abgebildet. Carter nannte diesen Kelch "Wunschbecher", weil die Inschrift am äußeren Rand der Schale den Wunsch ausdrückt, dass Tutanchamun 100.000 Jahre ununterbrochen den "Nordwind" (d. h. den kühlenden Lufthauch des Mittelmeeres) genießen möchte. Eine Kartusche mit schwarzen Hieroglyphen in der Mitte des zentralen Blütenmotivs gibt Geburts- u. Thronname des Königs an sowie seine Titulatur: von Amun-Re geliebt, Herr der Beiden Länder, Herrscher des Himmels.

                        Wunschbecher des Königs" 
                          - JE 62125); Carter Nr. 14
                 Schmuckkästchen aus Elenbein
            - Kairo JE 61449; Carter Nr. 54ddd -
Dieser Kelch in Form einer Lotosblüte ist kein Salb- sondern ein Trinkgefäß und besteht aus einem einzigen Stück durchscheinenden Kalzits. 

Vom Anchzeichen in der Mitte ausgehend, liest sich der Text nach Carters Übertragung als eine Folge von Wünschen: "Möge dein Ka leben, mögest du Millionen von Jahren verbringen, du, der du Theben liebst und dich (hier) niedergelassen hast, dein Gesicht zum Nordwind gerichtet, mögen deine Augen das Glück erblicken."
(Höhe des Kelches: 18,3 cm 
, Breite 30cm 

Das Schmuckkästchen besticht durch seine schlichte Eleganz und besteht aus zehn massiven Einzelteilen aus Elfenbein, sechs Platten und vier Eckpfosten, die zugleich die Füße bildeten. Zwei vergoldete Kupferknäufe, der eine auf der Vorderseite, der andere auf dem Deckel, dienten zum Verschließen des Kästchens. Es sind auch Reste einer Schnurumwickelung erhalten geblieben. Kreuzförmig angeordnete Trennwände teilen den Innenraum des Kästchens in vier gleich große Abteilungen. 
(Höhe: 13,1 cm, Breite: 15,7 cm, Tiefe: 12,6 cm)
Material: Elfenbein

Bild:     Calcite Bes Vase on Stand 
       - am Rand beschnitten von Nefershapiland -
Autor:  
Autor:  von لا روسا (Eigenes Werk) 
Wikimedia Commons
Lizenz: CC BY-SA 4.0           
(Bild: Jon Bodsworth - public domain)

Carter und sein Team fanden das oben rechts im Bild gezeigte Schmuckkästchen in der Vorkammer des Grabes. Es befand sich in einer größeren Ebenholztruhe (Carter Nr. 54), in der auch verschiedene Ritualgegenstände aus Fayence gefunden wurden. Auf dem Deckel des Kästchens befindet sich eine Inschrift in schwarzer Tinte: "Goldringe für den Bestattungszug". 

Carter fand aber tatsächlich in der Schatulle lediglich nach eigenen Aussagen einen zerbrochenen Spiegelgriff und einige unbedeutende und auch defekte Schmuckstücke. Auf jeden Fall steht wohl außer Zweifel, dass es sich bei diesem Elfenbeinschmuckkästchen um eine persönliche Schmuckschatulle Tutanchamuns handelt. Sie war mit seinem Namen versehen und als man nach seinem Tod den königlichen Hausrat für die Grabausstattung zusammenstellte brachte man die erwähnte hieratische Aufschrift an. 

Auf der Vorderseite stehen in einem Rechteck in erhabenen Hieroglyphen drei Namen aus der fünfteiligen Titulatur Tutanchamuns. Eine in gleicher Technik gearbeitete Inschriftenzeile auf dem Deckel nennt wiederum den Thron- und Geburtsnamen des Königs. Beim Öffnen des Kästchens stehen Thron- und Geburtsname über einer Lotossäule, die in erhabenem Relief herausgearbeitet ist. Evtl. enthielt das Kästchen ursprünglich die 8 Goldringe, welche nach Aussage von Carter die Grabräuber in einen Schal gewickelt hatten, dann aber aus irgend einem Grund im Grab zurückließen.

Nahe der Schwelle zur Vorkammer zwischen einer Alabastervase und zwei Grabsträußen wurde einer der bemerkenswertesten Kästen des Grabes (Nr. 21) gefunden. Carter schätzt, dass es sich dabei um "einen der wertvollsten Kunstschätze des Grabes" handelt. Seiner Ansicht nach "kann keine Beschreibung und keine Fotografie der Feinheit der Bemalung gerecht werden, die alles, was bisher gefunden wurde, weit übertrifft."

Es handelt sich um einen 62 cm langen und 44 cm hohen Kasten aus stucküberzogenem und bemaltem Holz. Eine Vorder- und Rückseite zeigen Tutanchamun in der Schlacht gegen die Afrikaner bzw. die Asiaten. Die Ausführung ist auf beiden Seiten gleich. Der triumphierende Pharao durchbohrt an der Längsseite seine Feinde von seinem Streitwagen aus, der von zwei prächtigen Pferden gezogen wird, mit Pfeilen. Der König hat die Zügel um seine Taille geschlungen, damit er die beide Hände frei hat, um Pfeil und Bogen, die er gegen seine Feinde gerichtet hat, gezielter einsetzten zu können. Hinter ihm befinden sich seine Fächerträger und seine in drei Reihen angeordnete Eskorte von Streitwagen, während sich die Feinde vor ihm in wilder Flucht befinden. Die Verletzten werden von seinen Hunden getötet und die Überlebenden werden gefangengenommen. Über dem Gespann des Tutanchamun erscheinen das Schutzsymbol der Sonnenscheibe und die Geiersymbole der Königswürde. An den kurzen Seiten der Truhe zerstampft Tutanchamun, dargestellt als Sphinx, die Feinde aus Nord und Süd.

Der Deckel ist mit zwei Jagdszenen in der Wüste verziert. Der König in seinem Streitwagen jagt mit Pfeil und Bogen wilde Tiere, die wiederum die Feinde Ägyptens symbolisieren.

Bemalte Truhe mit Kampfszenen - JE 61467 /Carter 21

Die Truhe enthielt zahlreiche Gegenstände: drei Paar Sandalen aus Gold und ein Paar aus Papyrus, eine vergoldete Kopfstütze, bestickte und mit Goldapplikationen verzierte Gewänder, Halsketten, Gürtel und Schuhe. Beim Bergen der Funde in der bemalten Truhe mit den Schlachtdarstellungen stieß Howard Carter auf große Schwierigkeiten, da diese schon bei der kleinsten Berührung auseinander zu fallen drohten. Das Entleeren der Truhe dauerte drei Wochen.

Gegenstandsnummer der bemalten Kiste: Carter Nr. 21; 
Höhe: 44 cm; Länge: ca. 61 cm.
     

Bild: Harry Burton - public domain (1879-1930)
Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtl. Schutzfrist abgelaufen ist.

 

          Detail aus der Seitenwand der bemalten Truhe
                     - Höhe des Bildes:  15,3 cm  -

Da der junge Könige evtl. nie selbst Krieg geführt hat, ist dieses Bild als eine symbolisch Darstellung der unbesiegbaren Macht  des Pharaos zu werten. 
Dieses Bild zeigt eine Szene aus einem Krieg gegen die Afrikaner bzw. Asiaten (evtl. Syrer ?) Der König steht auf seinem Streitwagen und greift eine wilde Horde feindlicher Krieger an.
Dieser Realismus und diese Freiheit des künstlerischen Ausdrucks sind charakteristisch für den ausgehenden Amarna-Stil.

rechtes Bild:  The work of art depicted in this image and the reproduction there of are in the public domain worldwide.The reproduction ist part of a collection of reproductions compiled by The Yorak Project.                   

 

          Hölzerner Truhenkasten mit Tragestangen 
                    Carter: Fundnummer 32 - JE 61445

Holz, Ebenholz, Elfenbein, Blattgold, Kupferlegierung, Länge 83 cm, Breite 60 cm, Höhe 64 cm

(Bild Harry Burton - gemeinfrei - wikipedia)

Halbrunder Kasten mit goldener Königskartusche
       - Carter Nr. 790; helles Holz furniert -
           - Höhe: 28 cm; Breite 37,1 cm 

(Bild Harry Burton - gemeinfrei - wikipedia)

 

 Diese Truhe wurde in der Vorkammer unter dem "Löwenbett" gefunden. Kästen mit Tragestangen waren seit dem Alten Reich in Gebrauch, was durch Darstellungen in den Gräbern hoher Würdenträger bezeugt wird. Der Kasten mit Giebeldeckel und Tragestangen aus dem Grab des Tutanchamun ist bis heute aber das einzige bekannte originale Exemplar. Der Kasten enthielt Stein- und Glassgefäße, Keramik, vier bemalte Kalksteinplatten, Steinmesser sowie Reste organischer Materialien. 

Auf dem Deckel steht neben  den Titeln Tutanchamuns der Name der Großen Königlichen Gemahlin Anchesenamun, Herrin der beiden Länder. In dem vergoldeten Knauf auf der Truhe sind Name und Titel Tutanchamuns, des Herrschers des südlichen Heliopolis eingraviert. Eine quadratisch eingefasste Szene ist auf der Vorderseite des Kastens direkt unter dem Knauf eingeschnitten. Darauf ist der König beim Opfer vor dem Gott Osiris-Wennefer dargestellt. Er hält in den Händen ein Räuchergefäß sowie den sogenannten "Nun-Topf", der für die Darbringung von Wein benutzt wurde. Der Gott steht ihm gegenüber auf einem Podest in Form der Maat-Hieroglyphe. Er ist bekleidet mit einem enganliegenden Gewand und ist mit Krummstab und Geißel ausgestattet. Auf dem Kopf trägt er die "Atef-Krone", die von Straußenfedern und dem Uräus umrahmt wird. In den Händen hält der Gott das Flagelum und einen langen, dem königlichen "heka" ähnlichen Krummstab. 

                               (Bild: Harry Burton)

Zwischen dem König und dem Gott befindet sich ein hoher Opferständer auf dem ein Libationsgefäss mit hohem Deckel dargebracht wird. Über der Szene steht eine Inschrift,, in welcher der Gott als "Unen-Nefer", der Große Gott, der den Westen regiert, Herr der Nekropole bezeichnet wird und Tutanchamun als Osiris, Nebcheperurè, mit der Wahren Stimme. Beide Titel beziehen sich auf sein Leben im Jenseits.

Der allgemein als "Hutschachtel" bezeichnete halbrunde Kasten hat einen Rahmen aus hellem Holz, das mit Ebenholz und Rotholz furniert ist. Er besitzt eine Tragegriffe aus vier Bronzeringen, von denen drei noch erhalten sind. Der Verwendungszweck des Kästchens ist unbekannt. Eine schlecht ausgeführte hieroglyphische Inschrift auf dem Deckel bezieht sich auf das "kethet" des Königs, das Leben, Schutz und Tod bringt, die Bedeutung dessen ist noch völlig unerforscht. Ein ausgeklügeltes System diente der Befestigung des Deckels: eine an der Unterseite des Deckels befestigte dünne Leiste, die beim Schließen genau in eine Hohlrinne einrastete, gab dem Deckel einen festen Halt. Der am Korpus befestigte Knauf gehörte ursprünglich zu einem anderen Kasten, da unter Tutanchamuns Kartusche noch der Name "Neferneferu-aton" der Thronname Semenchkarès steht, jedoch weist der Knauf auf dem Deckel keinerlei Spuren einer gelöschten früheren Beschriftung auf. 

Die gebogene Seite des Kastens ist mit dem "Sema-Taui-Zeichen"! - den verschlungenen Papyrus- u. Lilienpflanzen, welche die Vereinigung von Ober- und Unterägypten symbolisieren - verziert. Auf dem "Sema-taui-Zeichen" stehen drei Kartuschen. Die mittlere umschließt den Eigennamen des Königs (Tutanchamun), die rechte, über der Lilienblüte liegende den Thronnamen (Nebcheperuré). Eine von zwei Straußenfedern gehaltene Sonnenscheibe ruht auf den beiden Kartuschen. Über der Papyruspflanze, die stets dem weiblichen Geschlecht zugeordnet wird, ist die Kartusche der königlichen  Gemahlin Anchesen-Amun zu lesen, gekrönt mit den geraden Federn, wie Königinnen sie manchmal trugen, die aber auch an die Federn des Gottes Amun erinnern. Senkrechte und waagerechte Hieroglyphenbänder verlaufen über den Kasten. Sie beziehen sich mit der gewohnten Emphase auf den König.






















Im Grab KV 62 fanden die Ausgräber etwa 60 Kästen in einer bemerkenswerten Variationsbreite in Formen, Materialien und Farben. Unter den verschiedenen Formen heben sich besonders drei Typen hervor: Kästen für Toilettenartikel und kleine Gegenstände, Reisetruhen mit Tragschäften, in denen die Grabbeigaben untergebracht waren, sowie kleine Schränkchen auf hohen Beinen. Fast alle Kästchen waren rechteckig, mit Ausnahme von vier Schachteln in Form einer Kartusche und einer halbmondförmigen Schachtel. Die abnehmbaren oder fest angebrachten Deckel sind flach oder halbkugelförmig oder haben einen dreieckigen Giebelaufsatz. Die Verschlüsse bestehen aus einer um zwei Knäufe herumgewundenen Schnur - ein Knauf befindet sich am Behälter, der andere am Deckel - die ursprünglich anschließend mit einem Siegel versehen war. Zum Zeitpunkt der Entdeckung allerdings waren bereits alle Behälter durchwühlt worden und bargen nicht mehr ihren Originalinhalt. Dies konnte man dadurch feststellen, dass sich auf manchen Kästen Inschriften in hieratischer Schrift befanden, die ihren Inhalt oft sehr detailliert auflisteten.

Neben den Holzkästen - bemalt, mit Struck überzogen, mit Einlegearbeiten oder vergoldet - die den Hauptanteil der Sammlungen bildeten, fand man 10 Behälter aus Kalkstein, Elfenbein, Gold, Binsen oder Papyrusfasern. Doch unabhängig vom verwendeten Material kann man feststellen, dass die meisten der Kästen von sehr mittelmäßiger Qualität sind.

           bemalte Alabastertruhe mit zwei Knäufe
                    Carter: Fundnummer 40 

  Kleiderkiste Tutanchamun aus dem Vorraum

Diese bemalte Alabastertruhe konnte mit Hilfe der beiden Knäufe verschlossen werden. Diese dunklen, griffartigen Knäufe auf dem Deckel und an der Stirnwand des Kästchens bestehen aus vulkanischer Glaslava (Obsidian). Unter dem unteren Knauf erkennt man die Namen und Titel der Königsgemahlin Anchesen-Amun.

Zwei stilisierte Blumensträuße, die je eine Papyrusblüte zwischen Katschmohnstengeln mit Kapseln, Lotosblumenblätter, Mohnkapseln, Kornblumen und Mandragora-Blüten enthalten (teilweise eingeritzt oder auch aufgemalt) zeigt der Deckel dieses Alabasterkästchens. Zwischen den Sträußen entdeckte man eine Schriftkolumne mit Namen und Titeln des Königs. 

Der Inhalt dieser in der Vorkammer gefundenen Truhe bestand aus Granatapfel, Tuchstücken, Tierhaaren und zwei in Leinen eingewickelten Haarballen. Die dienten wohl irgendwelchen magischen Zwecken oder hatten symbolische Bedeutung.

Photo: Harry Burton - gemeinfrei

Auf der 3. Bahre (mit den Flusspferdköpfen) stand einsam ein großer Kasten mit gewölbtem Deckel, dessen Rahmen aus Ebenholz und dessen Wände weiß gemalt waren. Er war ursprünglich für die leinenen Unterkleider des Königs bestimmt und enthielt noch eine Anzahl dieser Kleidungsstücke - Schurztüchern usw. - die meisten zusammengefaltet und in ordentliche kleine Bündel zusammengerollt.












Bild: Jon Bodsworth)

 

Holzschatulle - Carter Nr. 44 / JE 61476  
           - Höhe 39 cm; Länge 49,5 cm -
     vergoldetes Holz und Fayence

Kopf eines Leoparden - Kairo JE 62631
- Höhe 16,5 cm - 
Material: vergipsten u. vergoldetem Holz

beide Bilder Harry Burton - gemeinfrei

Diese kleine Holzschatulle wurde von Carter zusammen mit anderen durcheinander geworfenen  Kästchen in der Vorkammer gefunden. Die Truhe stand zusammen mit weiteren Truhen auf dem löwenförmigen Totenbett in der großen Vorkammer des Grabes.  

Der schräge Deckel ist dem Per-Ur, einem uralten Heiligturm des Südens, nachgestaltet. Als Verschluss diente eine um die Knäufe auf Deckel und Truhe geschlungene Schnur. 

Entlang der Längsseiten wechseln sich die königlichen Kartuschen mit Uräusschlangen ab, während sich an den Schmalseiten je zwei Darstellungen von Hehe, dem Gott der Ewigkeit, befinden, die den Namen und Vornamen des Königs einrahmen.

Dieser vergoldete Leopardenkopf aus vergipsten Holz schmückte einst eines von zwei Leoparden-Priestergewändern, welche dem König mit ins Grab gegeben wurde: ein echtes Leopardenfell und eine Imitation. Beide waren mit goldenen Sternen geschmückt und zu beiden gehörten aus gearbeitete Leopardenköpfe. Der hier abgebildete Kopf wurde zusammen mit dem echten  Leopardenfell getragen. Er ist mit Gold überzogen und besitzt Einlagen aus farbigem Glasfluss. Die Augen hat man auf die Rücksaite durchsichtiger Quarzblättchen gemalt. 

Man fand diese Arbeit in dem Kasten (siehe linkes Bild) auf dem Bett mit den Löwenköpfen.

 

                  Trompete  aus Bronze
 Fundnummer Carter 50 GG; Kairo JE 62008
 - Länge 49,4 cm -
mit Einsatz aus strukiertem Holz

Die in einem hölzernen Kasten neben dem Ruhebett mit den Löwenköpfen gefundene Trompete besteht aus Bronze (bzw. Kupfer), ist aber teilweise mit Gold überzogen. Auf dem Trichter erblickt man Tutanchamun, der von den Göttern Amun, Re-Harachte (links) und Ptah (rechts) Leben empfängt. Die trichter- oder vielmehr kegelförmige Erweiterung  des hölzernen Trompetenstopfers ist als geöffnete Lotosblume bemalt. Dieser Stopfer diente wohl kaum als Klangdämpfer, vielmehr verwendete man ihn entweder - mit Tuch umwickelt - zur Reinigung des Instrumentes oder man führte ihn  ohne Tuch in die Trompete ein, damit diese nicht ihre Form verlor. Altägyptische Trompeten besaßen weder Ventile noch Kesselmundstücke und wurden hauptsächlich bei kriegerischen Anlässen geblasen. 

Diese bronzene Trompete und ihr Pedant aus Silber, das in der Südostecke der Sargkammer auf dem Boden gefunden wurde, sind die einzigen Instrumente des Altertums, deren originaler Klang auch in der Neuzeit reproduziert werden kann.

Bild: Harry Burton - gemeinfrei - Wikipedia

 

 

Wächterstatuen in der Vorkammer:

Beiderseits der versiegelten Öffnung, die in die Sargkammer führte, standen "wie Schildwachen", zwei lebensgroße Standbilder von Tutanchamun, welches aus mit schwarzem Harz gefirnisstem Holz gearbeitet waren. Der Kopfputz, Schmuck, Schurz und die Sandalen sind golden (bzw. vergoldet). In der rechten Hand trägt jede der Figuren eine goldüberzogene Keule, die linke Hand dagegen hält in beiden Fällen einen langen Stab, dessen Handstütze die Form einer Lotosblüte hat.

In seiner ersten Bestandsaufnahme berichtete Carter:

"Sie standen einander wie Wachposten gegenüber."

Später bei der Inventarisierung der Vorkammer fügte er hinzu:

"Diese Statuen, die uns bereits so imposant und so seltsam vorkamen, als wir sie das erste Mal erblickten, umgeben und halb verdeckt durch andere Gegenstände, wirken nun, da sie sich allein im leeren Vorraum befinden, noch bewegender."

Nur vom schwachen Kerzenlicht beschienen, müssen diese beiden imposanten Statuen einen erhabenen Eindruck auf die Archäologen gemacht haben. Damals waren ihre Schultern noch zusätzlich mit Umschlagtüchern bedeckt - zum Zeitpunkt der Entdeckung bereits zum Teil verfallen - was den lebensnahen Eindruck zweifellos noch verstärkt hatte.

             Tutanchamuns lebensgroße königliche "Ka-Statue" an der Nordwand der Vorkammer.
                                  - Fundnummer Carter: 22 und 29; JE 60707und 60708 - 
                                                                - Höhe 173 cm ohne Sockel -
Die beiden Figuren sind identisch - abgesehen davon, dass die linke "Wächterstatue" das "Afnet" (eine kurze, runde Perücke, welche die Schultern freilässt) und die rechte das "Nemes"-Kopftuch (das dreilagige quergestreifte Kopftuch, das die Schultern bedeckt und bis auf den Rücken fällt)  trägt  (Die hier gezeigte Figur trägt das Nemes-Kopftuch) Auf dem Foto von Harry Burton (rechtes Bild) waren die Schultern der Statue bei der Auffindung mit einem Umschlagtuch bedeckt.
Bild:  Jon Bodsworth 
          bearbeitet von Nefershapiland)
Bild: Harry Burton - public domain, da der Bildautor seit mehr als 70 Jahren verstorben ist.

Auf der Stirn tragen beiden Ka-Statuen den Uräus, das Symbol der Königswürde. Ebenso wie die Brauen, die Lider und die Augenränder ist er aus vergoldeter Bronze gefertigt, während die Augen aus harter Kreide und Obsidian eingelegt waren. Beide Statuen tragen um den Hals einen achtreihigen Schmuckkragen sowie einen Anhänger in Form eines Naos, in dem sich der "Cheper-Skarabäus" befindet, das hieroglyphische Symbol des "Werdens" und der Existenz schlechthin. 

  Wächterstatuen vor dem nun geöffneten Durchgang

Beide Figuren stehen leicht zur Seite geneigt auf ihren etwa 20 cm breiten Holzsockeln. Bei einer genaueren Analyse der beiden Statuen fiel auf, dass der Blickwinkel, welcher sonst parallel zu ihrem Sockel ist, wurden diese darauf leicht schräg angebracht, so dass sie sich leicht auswärts wenden, wenn der Sockel parallel zur Wand steht

(Bild: Harry Burton - public domain)

Der an den Kanten mit Tierköpfen geschmückte, kunstvoll plissierte Faltenrock("shendit") ist jeweils mit einem dreieckigen Kleidungsstück versehen, das vertikale Inschriften trägt. Auf der Statue mit dem Nemes-Kopftuch ist der Geburtsname des Königs angegeben: 

"Tutanchamun lebt wie Re in Ewigkeit, jeden Tag."

Die andere Statue trägt auf ihrer Gürtelschnalle den Thronnamen Neb-cheper-ru-re und folgende Inschrift:

"Der Gute Gott, auf den man stolz sein darf, der Herrscher, dessen man sich rühmt, das Königliche Ka des Harachte, Osiris und  Herr der beiden Länder, Neb-cheperu-Re."

Eine andere Auffälligkeit, die auch schon bei anderen Statuen der gleichen Art festgestellt wurde, war eine unten am Lendenschurz, nahe des rechten Beines, angebrachte Aushöhlung von etwa 20 cm Länge. Obwohl die Öffnung der Aushöhlung bei Tutanchamun wieder verschlossen und mit Goldfolie bedeckt war, befand sich keine Spur seines Inhaltes in der Aushöhlung.

Im Grab von Tutanchamun befanden sich einige Stücke von denen eines allein bereits die Jahre der Mühe wert gewesen wäre, die Howard Carter auf sich genommen hatte. Zu jenen Stücken gehört auch ein wundervoller Schrein, der einst eventuell als private Anbetungsstätte in den Gemächern des Königs stand. Carter entdeckte ihn in der Vorkammer. 

                                       Goldener Statuenschrein aus der Vorkammer 
                                            Fundnummer: Carter 108 - Kairo JE 61481
                Maße: Höhe 50,5 cm; Breite 26,5 cm; Tiefe 32 cm - Länge des Schlittens: 49 cm

Bilder: Harry Burton - gemeinfrei, Wikipedia

Der kleiner Schrein, der aus Holz gefertigt und mit Blattgold auf Gipsgrund überzogen war, erhebt sich auf einem mit Silber belegten Schlitten. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um ein Modell des "Oberägyptischen Reichsheiligtums", welches der Geiergöttin Nechbet geweiht war. Auf seinem Dach finden sich auch passenderweise 14 Darstellungen der Göttin mit ausgebreiteten Flügeln. Sämtliche Dekorationen des über und über verzierten Schreins sind aus Blattgold, das mit Gips und Leinen auf dem hölzernen Untergrund fixiert wurde. Dieser Schrein wurde von Howard Carter in der Vorkammer gefunden. In den goldenen Angeln ruhen die Silberstifte, mit denen die beiden Torflügel befestigt sind. Der Schrein enthielt dreierlei:

  1. einen vergoldeten Statuettenuntersatz mit hohem Rückenteil
    (die Statuette bestand wohl aus Gold und wurde daher gestohlen)

  2. Teile eines Prunkmieders 

  3. sowie eine Halskette aus Steinen und Glasperlen mit einem Anhänger in Gestalt
    einer Schlangengöttin, die Tutanchamun die Brust gibt.

Die goldene Statuette ist vermutlich ein Opfer der Grabplünderung geworden, erhalten ist nur der Sockel aus vergoldetem Holz, der am Boden die Fußabdrücke und auf dem rückwärtigen Stützpfeiler den Namen Tutanchamuns trägt.

Die Flächen des Schreins sind reich verziert. An den in Rechtecke unterteilten Wänden und Türen sind der König und seine junge Gemahlin abgebildet. In den zwei Bildfeldern an der rechten Wand macht Tutanchamun, begleitet von Anchesenamun, im Sumpfland Jagd auf Vögel. Oben steht er in einem Papyrusschiff, unten sitzt er auf einem Klappstuhl, der mit einem Fell und einem Kissen belegt ist  und seine Gemahlin Anchesenamun, die auf einem Kissen zu seinen Füßen sitzt und auf dessen rechtes Knie sie ihren linken Arm lässig stützt, reicht ihm den nächsten Pfeil. Anchesenamun trägt ein in Falten gelegtes Gewand, eine kunstvolle Perücke, Krone, Halskragen, Armbänder und Ohrringe. Diese Darstellung ist ein anmutiges Beispiel für die Kunst der Amarna-Zeit. Die Figuren sind in kräftigem Flachrelief aus einer Holzplatte geschnitzt; darüber wurde Goldblech gelegt, fest eingepresst und alle Einzelheiten in feinen Linien tief eingeprägt. Die "Aton-Namen" des Königs und der Königin sind in die "Amun-Form" umgeändert worden.

Auf der anderen Seite werde eher intime Szenen gezeigt, bei denen die Königin dem König etwas darreicht und von ihm ein Getränk erhält. Beide Türhälften sowie die Innenseite der einen Türhälfte zeigen weitere Szenen, in denen die Königin den König beschenkt.

Howard Carter fand in der Vorkammer zwischen der Hathor-Bahre und der Bahre mit den Löwenköpfen vier Salbgefäße, wobei jedes einzelne Gefäß aus einem einzigen Alabasterblock geschnitten und in einem alabasternen Untersatz fest eingepasst wurde. Die flankierenden Ornamente von Lotos- und Papyrusstengeln sind als Symbol der "Vereinigung der beiden Länder" (Ober- u. Unterägypten) um den Hals der Gefäße verknotet. Die Fundnummern der Gefäße  sind Carter Nr.: 57, 58, 60, 61. (siehe Bild unten)

Vier Salbgefäße aus der Vorkammer

Ölvase mit Hathorkopf
- Fundnummer 60; Kairo JE 62118 -
Alabaster - Höhe: 50 cm

Die Höhe der 4 Gefäße einschließlich Untersätze variiert zwischen 5e0 und 66 cm. Die Breite einschließlich der Seitenornamente beträgt zwischen 26 u. 32 cm.



















Dieses Gefäß aus Alabaster - Ölvase mit Hathorkopf - fand Carter nebst drei anderen zwischen der Bahre mit den Kuh- und einer anderen mit Löwenköpfen. Dieses Gefäß setzt sich aus zwei miteinander verkitteten Stücken zusammen. 

Der Sockel wurde separat angefertigt. Der Untersatz wird flankiert von zwei "anch"-Zeichen, die mit menschlichen Armen und Händen versehen sind und in jeder Hand ein "was"-Zepter halten. Mit der anderen Hand umfassen sie außerdem noch Papyrusblüten, die mit dem Fuß der Vase verbunden sind. 

Den Hals der Ölvase ziert ein geschnitztes Relief der Göttin Hathor. Die Göttin trägt einen breiten Perlenkragen sowie ein Gehänge aus blauem Lotos, Lotosknospen und einer Alraunenfrucht (Mandragorafrucht).  Den eigentlichen unteren Rand des Gefäßes ziert eine Girlande (oder ein Band) aus Lotos-Blütenblättern und zwei darüber ein umrandetes Feld mit den Namenskartuschen Tutanchamuns.

                       (Bild: Harry Burton )   Bild Harry Burton - public domain - wikipedia

 

Grabkammer:

Der einzige dekorierte Raum im Grab Tutanchamuns ist die Grabkammer. Zur Zeit seiner Entdeckung wurde der Raum völlig durch die vergoldeten Schreine ausgefüllt, welche die königlichen Sarkophage umgaben. Sie ließen lediglich einen Platz bis zur Wand von nur 75 cm übrig.. Auf dem Boden dieser Lücke waren Objekte von magischen Wert angeordnet, vor allem 11 Steuerruder für seine Reise über den Himmel in der Barke der Götter. In jeder der vier Wände war unter dem Verputz je eine kleine Nische eingelassen, die die vier sogenannten "Magischen Ziegel" enthielten, Figuren, die das Grab nach allen vier Himmelsrichtungen beschützen gegen üble äußere Einflüsse sollten:

Der Boden der Sargkammer war um 95 cm tiefer als der von der Vorkammer. Die Grabkammer misst 6,40 Meter in der Länge, 4 Meter in der Breite und ist 3,70 Meter hoch. Die Wände dieser in Ost-West-Richtung orientierten Kammer waren mit gelb bemaltem Stuck überzogen und, in Carters eigenen Worten mit: "mit rudimentären, klassischen Dekorationen von einer strengen Einfachheit" versehen. Im Gegensatz zu den meisten Felsengräbern in Tal der Könige, deren Wände zumeist zur Gänze mit Inschriften und Dekorationen bedeckt sind, ist im Grab des Tutanchamun nur die Grabkammer - "das Goldene Haus" der Jenseitstexte mit einem Wandschmuck versehen. 

    Ostwand der Grabkammer mit "Affenwand"
- Auszug aus dem "Buch dessen, was sich im Duat befindet", die 12 heiligen Paviane der ersten der 12 Nachtstunden -

Datei:            Egypt.KV62.01.jpg
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Hajor, Dec.2002
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Die Darstellungen an den Wänden ähneln in gewisser Weise dem Grab von König Eje (WV 23 ) dem Nachfolger Tutanchamuns. Die auf den verputzten Felswänden dargestellten Szenen zeichnen sich scharf von ihrem ockergelben "Fleisch der Götter" genannten Untergrund ab. Über ihnen zieht sich ein schwarzes Band mit zugespitzten leicht herabgebogenen Enden. Dieses ist das hieroglyphische Zeichen für Himmel.

Dekorationsprogramm der Grabkammer Tutanchamuns
(Plan Nefershapiland)

Das Dekorationsprogramm beginnt an der Ostwand, neben dem Zugang zur Schatzkammer: Hier wird die Überführung des toten Königs in seine letzte Ruhestätte dargestellt. Auf einem Totenbett mit Löwenköpfen ruht der Sarkophag des Königs in Gestalt des Osiris. Über ihm steht sein Name. Er wird auf einen imposanten Katafalk gelegt, der aus zwei ineinander gestellten Kapellen besteht, die beide mit einem Fries von mit der Sonnenscheibe gekrönten Kobras geschmückt sind. Das Ganze wird dann auf eine Totenbarke platziert, auf der sich bereits Isis und Nephthys befinden, die über den Toten wachen werden.

Überführung des toten Königs in seine Grabstätte

Die Totenbarke wird von 12 hohen Palastbeamten gezogen. Sie tragen weiße Gewänder und Sandalen sowie das weiße Stirnband der Trauerzeremonien. Aufgrund ihrer besonderen Erscheinung  können zwei dieser Personen identifiziert werden: Die Wesire Ober- und Unterägypten , die sich durch ihren kahlrasierten Kopf und ihre Spitzengewänder von den anderen abheben. Der Text über dieser Gruppe gibt deren Worte wieder:
"Neb-cheperu-re, gehe in Frieden, oh Schutzgott des Landes."

 

Eje vollzieht das Ritual der "Mundöffnung"

Auf der hinteren Nordwand steht König Eje vor der königlichen Mumie im prachtvollen Pantherfell-Gewand eines Sem-Priesters, der die rituelle "Mundöffnung" vollzieht. Zwischen den beiden Figuren steht ein niedriger Tisch, auf dem verschiedene Instrumente für dieses Ritual und fünf kleine Schalen mit Weihrauch aufgestapelt sind. Der neue König Eje wird hier ausdrücklich mit seinem Namen genannt und führt hier als sein rechtmäßiger Nachfolger das "Mundöffnungsritual" durch. Der König Eje wird trotz seines fortgeschrittenen Alters kanonisch sehr jugendlich und von der Größe her ein wenig kleiner dargestellt als Tutanchamun selber. Interessant ist hier, dass der ehemalige Titel Eje „Gottesvater“ mit in die Kartusche integriert ist, so als sei er ein Teil dieser Persönlichkeit.

(Bild: Wikipedia/Ancient egyptian artist - dieses Bild gilt als
gemeinfrei, weil die Urheberrechtsfrist abgelaufen ist)

Eje trägt die blaue Chepresch-Krone mit dem Uräus an der Stirn und weißen Sandalen an den Füßen. Er nähert sich der Mumie mit einem speziell für diese Zeremonie verwendeten Werkzeug., dem Dechsel zur Mundöffnung. Auf einem Tisch vor ihm liegen noch weitere Gegenstände, die für die Zeremonie benötigt wurden, wie etwa die Straußenfeder, ein Vorderschenkel eines Rindes und mehrere Töpfe zur Beräucherung mit Weihrauchkügelchen. Die Beischrift lautet:

 „Der vollkommene Gott, der Herr der beiden Länder, der Herr des Rituals, der König von Ober- und Unterägypten, Cheper-cheperu-re, Sohn des Re, der Gottesvater Eje, ausgestattet mit Leben für ewig wie Re.“

Zur Linken dieser Szene steht Tutanchamun gekleidet wie ein Lebender in einem kunstvoll gefalteten Kilt vor der Göttin Nut, aus deren ausgestreckten Händen in feinster Zickzackhieroglyphe Wasser rinnt, welche hier "nyny" (Willkommen) gelesen wird, wie der Text darüber ausführt .

 „Nut, die Herrin des Himmels, die Herrin der Götter, sie führt die "nyny"-Begrüßung für den aus, für den sie Leben gegeben hat, sie gibt Gesundheit und Leben an deine Nase, möge sie ewig leben.“

In der nächsten Szene auf der nördlichen Wand erscheinen Tutanchamun (in der Mitte) und sein Ka (der spirituelle Doppelgänger) bei der Umarmung des in eine mumienförmigen Hülle gekleideten Gottes Osiris, dessen grüne Haut Gesundheit und ewige Jungend symbolisiert. Der Ka trägt eine dreigeteilte Perücke und über seinem Kopf wird eine Hieroglyphenkombination aus Horusfalke, Ka-Hieroglyphe und einem Stier, was "Horus-starker-Stier" zu lesen ist, dargestellt. Diese Kombination ist gleichzeitig der erste Teil seines persönlichen Horusnamens, ebenso ein sehr häufiges Königsepitheton. Der Ka trägt einen langen gebogenen Götterbart, um zu indizieren, der er eigentlich in die andere Welt der Götter und der Toten gehört. In der Hand hält er das Zeichen für Leben und mit der anderen Hand umfäßt er den König. Der König vor ihm wird als lebende Person dargestellt und umfäßt Osiris, "dem Herrn des Westens, den großen Gott", welcher ihn willkommen heißt. Diese Darstellung bedeutet, dass auch Tutanchamun und sein Ka sich bei Osiris im "Westen" (Jenseits) befinden. Das heißt, der König ist zwar tot, lebt aber dort als Lebender im Reich der Toten weiter.


Die wichtigste Szene der Grabdarstellungen befindet sich auf der Westwand: Textauszüge und Abbildungen aus dem ersten Kapitel des "Buches dessen, was sich im Duat befindet." Das Duat ist die Bezeichnung für die Welt des Jenseits. Diese berühmte Szene mit den 12 Affen ist ebenso im Grab des Eje im West-Valley mit der Nummer 23 dargestellt. 

"Affenwand"

In der ersten Szene links daneben sieht man eine Gruppe von 5 Geistern, welche der Sonnenbarke vorausgehen, in welcher sich der Skarabäus Chepre (Symbol für die Morgensonne oder Re am Morgen) befindet, von zwei Osirisfiguren flankiert. Der Raum darunter ist in drei Reihen mit je vier Fächern unterteilt, in denen sich mit nach rechts gewandtem Kopf je ein heiliger Pavian sitzt. Dieses sind die "Türkisaffen", die 12 guten Geister der ersten der 12 Stunden dauernden nächtlichen Reise der Sonnenbarke, die in ihrer Gesamtheit im "Buch dessen, was sich im Duat befindet" beschrieben wird.

An der Südwand wird Tutanchamun, der hier díe "Afnit"-Perücke trägt und mit dem schlichten weißes Lendenschurz bekleidet ist, von der Göttin Hathor, die Schutzherrin der thebanischen Nekropole, in Empfang genommen, die ihm das Anch-Zeichen, das Symbol des Lebens, darbietet. Er steht mit dem Rücken zu Anubis, dem Schutzherrn der Einbalsamierer, und legt ihm in einer Geste der Wertschätzung seine Hand auf die Schultern. Auf alten Aufnahmen ist zu erkennen, dass einst eine weitere Szene existierte, in welcher Isis hinter Anubis stand, mit dem Treppenthron auf dem Kopf, ihrer  Namenshieroglyphe. In einer Inschrift vor ihr wird näher beschrieben, was hier passiert. 

„Die Herrin des Himmels, die den willkommen heißt, den sie geboren hat auf der Erdet, sie möge geben alles Leben […] an deine Nase, ewig.“

Hinter ihr kauern drei Gottheiten mit Bärten, welche als die "Großen Götter, Herrn der Unterwelt" gekennzeichnet sind. Die Dreierzahl steht für den absoluten ägyptischen Plural und diese bedeutet, durch ihre Präsenz stellvertretend, auch die Anwesenheit aller Götter der Unterwelt, die sonst nicht abgebildet worden sind.

Carter konnte damals die Schreine nur auseinandernehmen und die Sarkophage aus dem Grab herausschaffen, unter Zerstörung dieser Wandszene, ließ sie aber vorher noch ausgiebig dokumentieren.

Salbgefäß aus Alabaster mit Löwe auf Deckel
 - Fundnummer Carter 211 - Kairo: JE 62119 -
Höhe (max): 26,7 cm, Breite (max) 22 cm

Das Salbgefäß, auf dessen Deckel ein Löwe steht, wurde zusammen mit einer Salbölflasche und anderen Gegenständen zwischen dem 1. und 2. Schrein in der Sargkammer gefunden. In dem Salbgefäß befanden sich sogar noch Reste seines ursprünglichen Inhalts, einer kosmetischen Substanz, die etwa 450 Gramm wog. 

Das eigentliche Gefäß und die seitlichen Säulen sind aus einem einzigen Stück Alabaster angefertigt, der Deckel und der kreuzförmige Standfuß sind separat gearbeitet. Die verschiedenen Zierelemente bestehen aus rot gefärbtem Elfenbein und dunklem Stein. Die Stürzpfeiler auf beiden Seiten des Gefäßes ruhen auf einem nubischen und asiatischen Kopf aus schwarzem und rotem Stein. Der Nubier trägt Ohrringe aus Elfenbein. Auf dem Salbgefäß befinden sich Inschriften mit dem Thronnamen Tutanchamuns (Nebcheperu-re). 

Bild:      Calcite Bes Vase
Autor:  
Autor:
  von لا روسا (Eigenes Werk) 
Wikimedia Commons
Lizenz: CC BY-SA 4.0 

 

Schatzkammer:

Der fünfte und sechste Grabungswinter in den Jahren 1926 und 1927 war der Ausräumung der Schatzkammer und der Seitenkammer gewidmet. Im Osten der Grabkammer schließt sich eine 4,80 m x 3,80 m große und 2,30 m hohe Schatzkammer an, welche damit nur wenig größer als der Nebenraum (Seitenkammer) ist. Er war aber auch weniger zugestellt. Carter vermerkte in ihm 77 Objektgruppen, nummeriert von 261-336, mit insgesamt etwa fünfhundert Gegenständen: Im Nebenraum befanden sich über 2.000 Objekte. Doch bestand zwischen den beiden Räumen ein großer Qualitätsunterschied. In der sogenannten "Schatzkammer" waren alle Gegenstände sehr wertvoll und standen ausschließlich mit der Bestattung in Zusammenhang. 

Wie aus dem Plan der Grabanlage hervorgeht, befindet sich der Zugang zu einem weiteren Raum an der Nordostecke der Sargkammer. Dieses war die Schatzkammer. Der Eingang war nicht vermauert und versiegelt, so dass man den Raum von der Sargkammer aus überblicken konnte.

Zuerst entfernte man den Naos vor dem Eingang der Kammer. Er stand noch auf seinem Tragegestell und auf ihm thronte eine majestätische Statue des Schakalgottes Anubis, die in einem Schal aus Leinen gewickelt war. Das Gesicht der Anubis-Figur blickte in Richtung der Sargkammer und wurde vermutlich dort aufgestellt, um durch das Respekt einflößende Antlitz des Gottes in Schakalgestalt eventuelle Grabräuber abzuschrecken.

Die Anubis-Statue war zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung in ein Leinentuch gehüllt, das aus dem 6. Regierungsjahr Echnatons datierte und  nur den Kopf unbedeckt ließ. Um den Hals der Figur lagen ein feiner Stoff, eine Schärpe und ein Blumenkranz. Zwischen den Vorderpfoten des Anubis befand sich eine Elfenbeinpalette mit sechs zum Teil benutzten Farbnäpfen und der Inschrift: "Die Königstochter Merit-Aton, geliebt und geboren von der großen königlichen Gemahlin Nofretete".

           Holzkasten mit Elfenbeinstreifen
Dieser Holzkasten ist mit einem Rahmen aus Elfenbein-Streifen verzieht, auf denen in schwarzen Hieroglyphen die 5 Titel Tutanchamuns sowie sein Name und der seiner Gemahlin Anchesen-Amun stehen. Die Räume zwischen den schmalen Elfenbeinleisten füllt ein fein vergoldeter Gitterdekor, bestehend aus einer Reihe von Anch-Zeichen, flankiert von Was-Zeichen. Die Was- Zeichen wachsen aus einem Korb empor, der wiederum das Symbol für "alles" darstellt. Der Kasten ließ sich mit einer Schnur verschliefen, die um die beiden am Deckel und an einer Seitenwand angebrachten Knäufe geschlungen wurde. Die Füße der Truhe sind mit Silberkappen überzogen. Der Innenraum ist in sechzehn Abteile unterteilt, vermutlich zur Aufbewahrung kostbarer Bootsmodelle, die jedoch schon bei der Auffindung nicht mehr vorhanden waren.
Höhe: 42,4 cm; Länge 48,7 cm.

                       Tragbarer Anubis-Schrein
Der Gott Anubis, der auf einem Schrein aus vergoldetem Holz ruht, stand am Eingang des Raumes, der von Carter als "Schatzkammer" bezeichnet wurde. Die hölzerne Figur ist mit einer dicken, schwarz gefärbten Gipsschicht überzogen, Ohrmuscheln, Augenlider, Brauen und Halsband sind vergoldet. Auf einer vergoldeten Truhe liegend, die mit Djed-Pfeilern und Tat-Zeichen, den Symbolen der Unvergänglichkeit und des Lebens, dekoriert ist, wird er als derjenige bezeichnet, "der über die Geheimnisse wacht".

Material:   Holz mit Stuck überzogen und mit schwarzem
                   Harz überzogen, Blattgold,
Silber, Gold,
                   Quarz und Obsidian
Höhe der Statue: 59,8 cm Schreinhöhe: 53,4 cm,
Länge: 95 cm.
Kairo JE 61444, Carter Nr. 261

Foto: Jon Bodsworth Foto: Jon Bodsworth

Nachdem der Anubis-Schrein beiseite geräumt war, ging man daran, sich mit dem hinter dem Naos platzierten Kuhkopf aus vergoldetem Holz, der ebenfalls mit einem Leinenschal bedeckt war, zu befassen. Der aus Holz geschnitzte Kopf einer Kuh stellt eine Erscheinungsform der Göttin Hathor dar. Kopf, Ohren und ein Teil des Halses waren vergoldet; der übrige Teil des Halses ist mit schwarzem Harz überzogen. Die Höhe der Figur einschließlich Sockel ist 91,6 cm.

Kopf der heiligen Kuh
                                             

-  Höhe des Kuhkopfes mit dem Sockel 91,6 cm  -
                                                        - Fundnummer Carter 264 -

                                               Vor dem Kanopenschrein in der Schatzkammer stand ein vergoldeter Kuhkopf, ein Symbol der Göttin Hathor, der Schutzgöttin des Westens, die am Rand der thebanischen Totenstadt wohnte. Der Kuhkopf steht auf einem schwarzlackierten Holzsockel. Der gleiche Lack, der offenbar in Eile aufgetragen wurde, bedeckt die eleganten Hörner, die aus mit Blattbronze überzogenem, stuckiertem Holz bestehen. Die Augen sind aus kristallhellem Kalk und aus Obsidian bearbeitet. Die Augenumrandung und die Brauen bestehen aus schwarzem Glas. Der übrige Teil des Kopfes ist aus Holz, mit Stuck verkleidet und vergoldet.
                            (  Foto Burton   - gemeinfrei)

An der Ostwand, dem Eingang zur Sargkammer gegenüber, stand der Kanopenschrein. Der äußere, goldene Baldachin wird von vier Eckpfosten getragen, die auf einem hölzernem Schlitten stehen.. Er war mit einem leinenen Bahrtuch bedeckt. Der massive Deckel, welcher mit der Hohlkehle zusammen aus einem Stück gearbeitet ist, war mit dem Schrein durch eine Schnur verbunden und dann versiegelt.

          Der viergeteilte Kanopenschrein

Baldachin aus vergoldetem Holz: (Nr. 266a)
bestehend aus 4 Eckpfosten, die einen Fries aus Uräusschlangen trugen.
Kapelle aus vergoldetem Holz: (Nr. 266a)
Mit einem Koprafries. Zwischen den Eckpfosten befinden sich die 4 Schutzgöttinnen der Verstorbenen. Neith im Norden, Nephthys im Osten, Selket im Süden und Isis im Westen. 
Deckel des Kanopenschreins aus Kalkstein: (Nr. 266b)
Der Schein war ursprünglich mit einem Leinentuch bedeckt.
Kanopenschrein aus Kalkstein: (Nr. 266b)
Unterteilt in 4 zylindrische Fächer.
Kanopendeckel (Nr. 266c-f)
Jedes Fach des Schreins hat einen Deckel, auf dem sich die zwei Schutzgottheiten Ägyptens erheben: Wadjet, die Kobra Unterägyptens und Nechbet, der Geiergott Oberägyptens.
Goldener Sarg (Nr. 266g)
In jedem Fach befand sich ein goldener Miniatursarg mit den mumifizierten Eingeweiden des Königs.

Äußerer Kanopenschrein: 266a - Kairo JE 60686
Höhe: 198 cm, Länge 153 cm

Bild- File:         GD-EG-Caire-Musée137.JPG
Autor:                
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Originalbild  -      hier  -
Der Schrein besteht aus mehreren ineinander geschachtelten Elementen: ein Baldachin und eine Kapelle aus vergoldetem Holz; ein viergeteilter Schrein aus Kalkstein mit vier separaten Deckeln und der Porträtbüste des Tutanchamun, indem sich vier goldene Miniatursärge mit den mumifizierten Eingeweiden des Königs befanden. Der Kanopenschrein war zwar komplett zerlegbar, trotzdem bilden Baldachin und Kapelle (266a) eine Einheit, welche  zusammen auf einem Schlitten aufgesetzt sind. Der Baldachin hat das üblichen aus Architrav, Rundstab und Hohlkehle bestehende Gesims und ein leicht gewölbtes Dach, das am Rand durch eine Reihe eng beieinanderstehender Sonnenschlangen bekrönt ist. Die Schlangenköpfe bestehen aus dunkelblauer Fayence; die Körper haben Einlagen aus farbigem Glas. Die äußeren Seiten der Eckpfosten tragen Inschriften mit dem Namen Tutanchamuns und preisenden Beinamen des Königs.

Der Baldachin birgt einen Schrein, der wiederum eine Bekrönung von Sonnenschlangen hat; die Inschriften seiner Wände enthalten die Sprüche der vier schützenden Genien. An den vier Seiten sind die Statuetten der vier Schutzgöttinnen Isis, Nephthys, Neith und Selket auf dem Schlitten des Baldachins freistehend aufgestellt.

Göttin "Selkis", welche auf dem nebenstehenden Bild zu sehen ist, war eine Skorpionengöttin, wie auch das Emblem auf ihrem Kopf zeigt. Man versprach sich von ihrer Zauberkraft insbesondere Heilung bei Skorpionstichen. Sie war aber auch die Göttin jedweden Zaubers überhaupt und außerdem gehörte die Geburt und das Kindbett zu ihrer "Zuständigkeit".

Die Göttinnen rings um den Schrein gleichen einander, nur ihre Attribute sind unterschiedlich. Die Figuren bestehen aus vergoldetem Holz. Die Augen und Augenbrauen sind mit schwarzer Farbe aufgemalt. Als man den Schrein mit seinen Schutzgöttinnen damals aufstellte, unterlief den Beauftragten aus Unachtsamkeit ein grober Fehler: die Göttinnen Selkis und Nephthys wurden miteinander vertauscht. 

Jede der beiden Götterstatuen steht demzufolge an dem Platz der anderen, was nach altägyptischen Vorstellungen eine grober Fahrlässigkeit war.

Bild:    Déesse protectrice de la tombe de Toutânkhamon
Autor:   Jean-Pierre Dalbéra (Flickr-Album)
Lizenz:
  CC BY 2.0

Die Statuetten tragen den "Chat-Kopfputz " und darüber das der entsprechenden Göttin zugehörige Symbol. Die Göttinnen sind mit einem fein gefältelten Gewand bekleidet, das in der Taille mit vorn geknoteten, bis fast zu den Knöcheln herabfallenden Bändern gehalten wird.  Die plastische Behandlung der Figuren steht in der Tradition der Amarnakunst.

Der Schrein ist aus Holz gearbeitet und mit Stuck und Blattgold überzogen. Durch schwarze und weiße Bemalung sind die Augen angegeben. 

Das Innere des goldenen Kanopenschreins war etwa 12 cm tief ausgehöhlt und bildete vier rechteckige, scheinbar vier Krüge enthaltende Fächer. Jedes der vier Scheinkrüge hat einen Deckel in Form eines menschlichen Kopfes, der dem Porträt des Königs nachgebildet ist. Die beiden an der Ostseite waren nach Westen, die andere beiden nach Osten ausgerichtet. Die Hälse dieser Deckel passten in die Öffnungen der Scheinkrüge. d. h. sie deckten die Öffnungen der vier zylindrischen Vertiefungen in der Truhe, die die wirklichen Krüge ersetzten.

Kanopenschrein aus Kalkstein - Fundnr.: 266b /  Kairo: 60687
                        -   nach der Entfernung des vergoldeten Schreins und des hölzernen Baldachins  -

Der Kanopenschrein aus Alabaster (Kalzit/Kalkstein), der in Form eines Tempels geschnitzt ist, erfüllte die Aufgabe der vier Kanopenvasen, die im Alten Ägypten normalerweise verwendet wurden. Er ist schwarz bemalt und mit umlaufenden Hieroglyphenbändern versehen. Sie geben die Worte der vier Schutzgöttinnen wieder, die diesmal in hohem Relief an den Ecken erscheinen. 

Um den Sockel läuft ein Fries aus Blattgold, der mit paarweise abwechselnden djed- und tit-Symbolen verziert ist. Es handelt sich dabei um die Embleme des Osiris und der Isis. (Ewigkeit und Isisblut-Knoten) Der innere Deckel und Schrein sind mit kupfernen Ösen versehen, mit Schnüren verbunden und diese auf Tonklumpen mit den dem Siegel des liegenden Anubis über den neun Gefangenen versiegelt. Diese "neun Gefangenen" stellen die neun Rassen der Menschheit dar - die "neun Bogen", wie die Ägypter sagen. Das magische Siegel hatte die Aufgabe, dem Verstorbenen den Schutz des Anubis gegen jeden menschlichen Eindringling zu sichern. (siehe Gardiner: The Tomb of Amenemhet. S. 110)

(Höhe: 86,4 cm - Breite: 54 

Bild:     Couvercle dun des vases canopes
Autor: Jean-Pierre Dalbera 
Lizenz: CC BY-2.0
Bild:     Kanopenschrein aus Kalzit
       - am Rand beschnitten von Nefershapiland -
Autor:  
Autor:  von لا روسا (Eigenes Werk) 
Wikimedia Commons
Lizenz: CC BY-SA 4.0   

Schutzgötter der Kanopen Tutanchamuns

Süden
Isis: 
Göttin mit Kopfschmuck (Thron) 
Amset
mit Menschkopf
Schutz der Leber
Norden
Nephthys:
Göttin mit Kopfschmuck   (Korb und Grundriss des Hauses)
Hapi
mit Paviankopf
Schutz der Lungen
Westen
Selket:
Göttin mit Kopfschmuck; (Skorpion oder Insektenlarve)
Qersenuf
mit Falkenkopf
Schutz der Gedärme
       
Osten
Neith:
Göttin mit Kopfschmuck: (zwei Pfeile in einem Köcher)
Duamutef
mit Schakalkopf
Schutz des Magens

Die vier Köpfe waren aus Alabaster gearbeitet, welcher von den Steinbrüchen in Hatnub stammte. Sie waren einander zugewandt und verschlossen die vier Vertiefungen in den kleine, goldene Miniatursärge steckten. Die Köpfe tragen alle das Nemes-Kopftuch mit dem Geier Oberägyptens und der Kobra Unterägyptens auf der Stirn. Die Details des Gesichts sind in Schwarz hervorgehoben: die Iris und die Kajalumrandung der Augen und Augenbrauen, die sich beide zur Schläfe hin verlängern ebenso wie die Hautfalten an Lid und Hals. Der volle Mund ist rotbemalt und die Ohren weisen große Löcher für Ohrringe auf.

Alabasterschrein mit vier menschenköpfigen Kanopenverschlüssen


  - Höhe 85,5 cm, Breite 54 cm, Länge 54 cm -

 

 

Bild: 
Thanks to Jon Bodsworth
        - bearbeitet von Nefershapiland -

In den einzigartigen Kanopenkasten des jungen Königs waren die einbalsamierten Eingeweide des Königs in vier aus Goldblech getriebenen Miniatursärgen beigesetzt, deren äußere Gestaltung mumienförmigen Särgen nachgebildet ist. Zum Zeitpunkt der Entdeckung waren diese jeweils in einen Leinenlappen gewickelt und mit Harz versiegelt. Diese in der Figur des jungen Königs, welcher als Insignien des Königtums Krummstab und Wedel in den Händen hält, gestalteten Miniatursärge sind ein bemerkenswertes Beispiel ägyptischer Goldschmiedekunst. Sie bestehen aus purem Gold und sind größtenteils in Cloisonne-Technik ((von frz. "cloison" d. h. Scheidewand - auch Zellenschmelz und ist eine kunsthandwerkliche Technik bei Emailarbeiten)  mit dem federartigen "rishi"-Muster verziert, für das die Glaseinlagen individuell zugeschnitten wurden. Der Oberkörper wird hier von den Schwingen eines Geiers und einer Uräusschlange eingehüllt, dem Symbol der Göttinnen Nechbet und Wadjet. 

Wie auch der zweite Sarkophag des Königs, dem die Miniatursärge nachgebildet sind, bestehen sie aus zwei Teilen: Schale und Deckel. Die Innenseite der Särge ist mit einer dicken Blattgoldschicht verkleidet und mit Schriftzeichen versehen, die nur in Höhe des Kopfes und der Hände der Mumie ausgespart sind. An den Königsnamen sind Spuren von Änderungen der Inschrift erkennbar. Es erweckt den Anschein, als ob der Name Tutanchamun nachträglich anstelle eines anderen eingesetzt worden ist. Alles weist daraufhin, dass die Namenskartuschen im Inneren der Särge den Namen "Ancheperure" trugen, dem Vorgänger Tutanchamuns mit dem Thronnamen Neferneferuaton. Außerdem unterscheidet sich die Physiognomie der Köpfe der Miniatursärge und der Kalzitkanopen stark von Tutanchamuns Porträtdarstellungen auf dem innersten und äußersten Sarg der Sargkammer sowie von zahlreichen anderen Abbildungen, die man im Grab entdeckt hatte. Man kann also davon ausgehen, dass sowohl die Kanopentruhe als auch die Miniatursärge in Wirklichkeit für Tutanchamuns Vorgänger angefertigt wurden. Entweder waren sie nie in Gebrauch oder aber man hatte sie für den jungen und völlig unerwartet verstorbenen König wieder verwendet.

 Miniatursärge für die Eingeweide - Carter: 2
 - Kairo: JE 60689)- Höhe: 39,5 cm -

Dieses Bild wurde lt. seinem Autor während der "King Tut exhibition at the Pacific Science Center in Seattle, Washington State, USA aufgenommen.

Auf dem Miniatursarg für die Eingeweide befindet sich ein Spruch der Neith (Schutzgöttin des Horussohnes Duamutef.

 

Bild:   A canopic coffinette of king Tutankhamun
Autor: D. Denisenkov (wikipedia)
Lizenz: CC-BY-SA 2.0

Parallel zum Anubis-Schrein und bis an den Kanopenschrein heranreichend stand an der Nordseite der Kammer eine Reihe von Schatztruhen und einfachen, weißen Kästen. Die Siegel waren erbrochen, der Inhalt der Truhen durchwühlt und die wertvolleren Dinge gestohlen. 

  Kasten in Form einer kgl. Kartusche
   - Höhe 31.7cm, Breite 29,8cm, Länge 64,5cm - 
Kairo  JE 61490 

Eine der Truhen hatte die ungewöhnliche Form einer Kartusche. Auf dem Deckel sind die Schriftzeichen des Königsnamens auf einem vergoldeten Ebenholzfurnier in Elfenbein eingelegt. Sie enthielt Schmucksachen, darunter drei sehr schöne Armbänder, mehrere Paare von Ohrringen, ferner zwei feine Leinenschals, einen Spiegelbehälter und ein Zepter.

Dieses Kästchen ist aufgrund seiner Kartuschen einzigartig. Es besteht aus Koniferenholz und ist an den Kanten mit Ebenholz verstärkt. Auf dem Deckel befinden sich eingravierte Hieroglyphen aus Ebenholz und Elfenbein. Sie stellen den Namen von Tutanchamun dar. Die blau bemalten Inschriften auf dem Kästchen selbst nennen die Titel und Attribute des Königs.

(Bild: Harry Burton - gemeinfrei - bearbeitet von Nefershapil)

Carter entdeckte an der Nordwand der Schatzkammer - zwischen den Pfoten der großen schwarzen Anubisfigur eine Schreiberpalette aus Elfenbein mit sechs Vertiefungen, in denen sich noch Spuren weißer, gelber, roter, blauer und schwarzer Farbe befanden. Die schmale Öffnung in der Mitte war für die Schreibwerkzeuge bestimmt, die aus Binsen, deren Enden zu einer Spitze zerkaut wurden, bestanden. Zwei Inschriftenbänder, die senkrecht und waagerecht verlaufen, teilen uns mit, dass diese Palette ursprünglich der Prinzessin "Merit-aton" gehörte, der Tochter Nofretetes und Echnatons (also der Halb-Schwester Tutanchamuns). Die Schreiberpalette (Cater 262) ist 21,9 cm lang, 2,5 cm breit und hat einen Durchmesser von 0,7 cm.

Ebenfalls an der Nordwand der Schatzkammer entdeckte Carter einige Truhen, deren Inhalt von den Grabräubern durcheinandergeworfen war. In einem Schrein, der einstmals zur Aufbewahrung von Kosmetikartikeln diente, fand der Archäologe zwei weitere Schreiberpaletten aus Elfenbein (Carter 271e; JE 62081 - Länge 30,3cm, Breite 4,7cm), einen Binsen-Behälter für Schilfrohre (Carter 271 E1; JE 62094 - Länge 30 cm; Dm. 2,1cm) und einen Papyrusglätter.

Die Palette besteht aus Elfenbein und weist an beiden Enden goldene Fassungen auf. Vier Reihen eleganter Hieroglyphen enthalten die Namenskartuschen Tutanchamuns und beschreiben ihn als "geliebt von Atum, Herr der Zwei Länder und von Heliopolis". Eine weitere Kartusche unterhalb der Tintennäpfchen enthält die Beinamen "geliebt von Thot", dem Gott der Schreiber. Die untere Zeile bezeichnet Tutanchamun als "geliebt von Amun-Re".

Die beiden in der Truhe entdeckten Paletten hatte der junge Tutanchamun wahrscheinlich zu Lebzeiten benutzt. 

An der Nordwestecke der Kammer stand gegen die Wand gelehnt der Bogenkasten des jungen Königs, der mit einen Einlagen verziert ist, wie sie der 18. Dynastie eigen sind. Als nächstes fanden sich an der Nordwand die zerlegten Teile von zwei Jagdwagen, die in ähnlichem Durcheinander wie die in der Vorkammer aufgestapelt waren. Weiterhin waren in der Nordostecke hölzerne Kästen, Modellschiffe, Miniatursärge und 10 schwarze hölzerne Schreine übereinander getürmt. Diese Schreine enthielten die Uschebti-Figuren, die Diener der Toten, die ihn bei jeder körperlichen Arbeit vertraten. Wenn der Verstorbene im Jenseits zu einer Arbeit aufgefordert wurde, sollten  sie antworten: "Hier bin ich!" Einige der Figuren tragen Weiheinschriften von hohen Hofbeamten, wie Maja und Nachtmin.

              Uschebti mit blauer Krone
Dieser kleine Uschebti ist von ungewöhnlicher Anmut. Er wurde aus dichtfasrigem Holz geschnitzt, das größtenteils unbehandelt blieb. Der Uschebti zeigt den König mit der blauen Krone
(khepresh). Augen und Brauen sind schwarz, die Augäpfel weiß bemalt. In den Händen hält der König Zepter (heqa) und Geißel (nekhakha), die Symbole der königlichen Macht. Die beiden Textzeilen auf dem Körper enthalten Teile des Uschebti-Textes, in dem die Figur vom Verstorbenen beauftragt wird, an seiner Stelle zur Arbeit zu gehen.
                Uschebti mit nubischer Perücke
Diese kleine Grabfigur trägt eine nubische Perücke und ist besonders fein gearbeitet. Er strahlt in seiner Haltung große Würde aus. Der Uschebti aus unbehandeltem Holz trägt eine sparsame Vergoldung an Stirnband, Kragen und Armreifen, welche die Einfachheit der Form noch betont. Auf der Stirn dieses Uschebtis thronen der Geierkopf und die Uräusschlange. Außerdem verläuft über den Körper der Figur ein ausführlicher Uschebti-Text.
Diese beiden Uschebtis und weitere zwei im Grab entdeckte Figuren tragen unter der Fußsohle eine Inschrift, die besagt, dass General Min-nacht (Nacht-Min) die Figuren herstellen ließ, um seinem geliebten König Tutanchamun auch nach dessen Tod seine große Hingabe zu beweisen und ihm seinen Respekt zu zollen.
Bild: John Bodsworth - public domain, wikipedia  
Fundnummer: 3189 A - heute: Kairo JE 60830
Höhe: 48 cm
Fundnummer: 326 A-F,  - heute Kairo JE 60835
Höhe: 54 cm

 

Uschebtis aus dem Grab

Howard Carter entdeckte im Grab Tutanchamuns 413 Uschebtis: 365 "Arbeiter", einen für jeden Tag des Jahres; 36 "Aufseher", einen für jede Dekade (d. h. eine Periode von 10 Tagen) und je einen weiteren "Aufseher" für die zwölf Monate. Ursprünglich waren sie in 24 Schachteln aufbewahrt worden: Vierzehn Schachteln mit insgesamt 236 Statuetten im Nebenraum und zehn Schachteln mit 176 Statuetten in der Schatzkammer. 

 

 

       (Bild: Harry Burton gemeinfrei)

Ein einzelner Uschebti (Nr. 110), einer der schönsten der ganzen Sammlung, wurde im Vorraum aufgefunden. Allerdings meinte Carter, dass er ursprünglich aus einer der Schachteln im Nebenraum stammte.

Besonders interessant sind sechs Uschebtis, unter deren Füßen sich eine Inschrift befindet, nach der sie dem König 

  1. vom königlichen Schreiber, dem Oberaufseher der Schatzkammer und Oberaufseher der Arbeiten am Haus der Ewigkeit, (d. h. dem Tal der Könige) Maya und

  2. vom königlichen Schreiber, Fächerträger zur Rechten des Königs, dem General Nachtmin

anlässlich seiner Bestattung geschenkt wurden.

Der König auf der Bahre - Kairo JE 60720 /Carter: 331 a
          - Länge: 42,2 cm; Breite 12 cm; Höhe der Bahre: 4.3 cm -

In der Nähe der Schachteln mit den Uschebti-Figuren und den Götterstatuen befand sich ein schwarz bemalter Sarg mit dieser aus Zedernholz geschnitzten Statue des liegenden Königs als Osiris. König und Bahre bestehen aus einem einzigen Holzblock, deren Maserung der Künstler auf eindrucksvolle Weise in sein Werk einbezogen hat.

Über dem Körper verlaufen Textbanderolen - eine vertikale und vier horizontale - welche den König unter den Schutz der Götter des Jenseits stellen, Beschwörungen der Götter Osiris, Horus und Anubis, sowie der vier Horussöhne Hapi, Kebech-Senuf, Amset und Dua-Mutef.  Die Göttin Nut wird in einer senkrecht von den Händen zu den Füßen verlaufenden Inschrift angerufen - sie soll die Mumie auf der langen Reise durch den nächtlichen Sternenhimmel und die Jenseitswelt beschützen.

"Meine Mutter Nut, strecke dich über mir aus, lass mich mit den unsterblichen Sternen verschmelzen, die in dir sind."

Eine dritte Inschrift, die sich auf dem Bett unter den Füßen der Mumie befindet, bezieht sich ausschließlich auf Maja, dem "Oberaufseher der Arbeiten am Ort der Ewigkeit auf dem Westufer, den Hüter des Staatsschatzes". 

"nützlicher Diener seines Herrn, der ihm Gutes will und stets das Richtige zu tun versucht, der an dem Erhabenen Ort für seinen Herrn perfekte Werke ausführt, der Generalintendant der Arbeiten am Ort der Ewigkeit, am westlichen Ufer, den sein Herr liebt, und der tut, wie ihm geheißen wird, und keine Verzögerungen duldet, dessen Gesicht niemals täuscht, der alle Dinge mit einem liebenden Herzen ausführt udn nützliche Dinge tut, die sein Herr liebt, der Königliche Schreiber, Baumeister in der Nekropole und Oberaufseher der Schatzkammer."

Tutanchamun liegt auf einer Totenbahre in Form von zweier lang gestreckten Löwenleiber, deren Köpfe sich links und rechts hinter seinem Haupt erheben. Sie symbolisieren den östlichen und westlichen Horizont. Der König trägt das "Nemes-Kopftuch", welches nur mit dem Uräus versehen ist, was darauf hindeutet, dass er seine Reise in die Jenseitswelt noch nicht angetreten hat. Die beiden Zepter, die er ursprünglich in den Händen hält, sind verschwunden.

Zu beiden Seiten seines Körpers sitzen zwei Vögel, die je einen Flügel schützend über die Brust des Königs breiten. Auf der linken Seite symbolisiert ein Vogel mit einem Menschenkopf den Ba des Toten. Dieses ist Osiris - der Ausdruck dessen, was der Vergangenheit angehört. Auf der rechten Seite symbolisiert ein Falke die Wiedergeburt des Königs nach einer langen Reise durch die Unterwelt - das ist Horus - der Ausdruck dessen, was vor ihm liegt.
Bild: Der Schatz des Tut-anch-Amun / Penelope Fox - F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1960

In der sogenannten Schatzkammer des Grabes vom Tutanchamun sind eine große Anzahl von Schiffsmodellen gefunden worden. Die in den ägyptischen Gräbern gefundenen Miniaturmodelle von Booten, Barken und Gondeln und Schiffen erfüllten mehrere Funktionen. Sie ermöglichten den Verstorbenen, der Barke des Sonnengottes Re durch die Jenseitsgefilden zu folgen und in das Reich des Osiris zu gelangen - besonders in die von stürmischen Wogen umgebenen Felder von Ialu - ohne auf die himmlischen "Fährleute" angewiesen zu sein, denn diese dienten der Pilgerreise nach Abydos, der heiligen Stadt des Osiris, außerdem für die Jagd auf Flusspferde und Wasservögel auf den Gewässern der Unterwelt.

Im Grab des Tutanchamuns wurden 35 mehr oder weniger aufwändige Bootsmodelle gefunden, die sowohl in der Schatzkammer (18 Modelle) wie auch im Nebenraum (17 Modelle) untergebracht wurden. Alle Modelle waren mit dem Bug nach Westen ausgerichtet, um die Richtung der Reise des Königs anzuzeigen. Der Herrscher benutzte diese Schiffe für seine jenseitigen Fahrten. Die im Grabschatz Tutanchamun gefundenen Modellboote bilden die einzige vollständig erhaltene Zusammenstellung in einer Grabausstattung. Einzelne Modellschiffe und - boote und Fragmente davon wurden bereits in früheren Königsgräbern der 18. Dynastie gefunden. 

Vollständig aufgetakeltes Segelschiff  (Replica)
-  Länge 118 cm, größte Breite 10 cm -
- Carter Nr. 276; Kairo JE 61328

Bild: Tedmek release this work into
         the public domain
        This applies worldwide

Das oben abgebildete Schiff ist ausgestattet mit Segeln und Wanten, mit einer Zentralkabine und jeweils einem Aufbau an Bug und Heck, der mit Abbildungen eines Stieres und einer Sphinx verziert waren. Diese Schiffe verwendete man bei den Wallfahrten in die heilige Stadt Abydos. Diese Flotte von Schiffen sollte es dem König ermöglichen, jede Art von Himmelsreisen im Jenseits mit der passenden Schiffsausrüstung übernehmen zu können.

Carter fand das Schiff auf einem Modell-Getreidespeicher in der Südostecke der Schatzkammer. Hinter dem Schiff befanden sich einiger der schreinartigen Kästen, in denen Götter- und Königsfiguren aufbewahrt wurden. Der Schiffskörper mit dem spitz zulaufenden Bug und dem fischschwanzförmigen Heck hat Ähnlichkeit mit den Schilfbooten. Die Reling ist 1,4 cm hoch, das Hauptdeck hat eine Länge von 61,5  cm. Vorder- und Achterdeck tragen vergoldete Pavillons. Auf dem Achterdeck befinden sich auch die Steuerruder. Die Kabine in der Mitte ist mit einem Schachbrettmuster verziert. Vom Hauptdeck führt eine Treppe auf das Dach der Kabine. Bug- und Heck des Schiffes sind mit Lotos-, Margeriten- und Schabrettmustern bemalt. Die Verzierungen sind in weißer, gelber, grüner und schwarzer Farbe ausgeführt.

In der Schatzkammer befanden sich die einzigen Gegenstände, die sich auf die Umgebung des Königs beziehen. Nach den verschiedenen Gedenkstücken seiner Untergebenen kam nun das der Familienmitglieder, wenn auch in sehr unerwarteter Weise: auf den übereinandergestapelten Schreinen lag ein kleiner Holzsarg, mit Leinenschnüren befestigt und dem Siegel der Nekropole versehen. Er war ungefähr 76cm lang und, wie die Kästen mit dem Bestattungsmaterial, schwarz gefärbt.
Die Inschrift war vergoldet und er enthielt noch einen zweiten, vergoldeten Sarg mit dem Bildnis und dem Namen Tutanchamuns. Darin befand sich, in Leinen gehüllt das zur Mumifizierung gedient hatte, eine kleine etwa 5 cm hohe Sitz-Statuette aus massivem Gold. Es ist die Figur eines in vollem Königsornat am Boden kauernden Herrschers. Der Goldkönig besitzt im Nacken eine Öse, durch die bei Auffindung eine 54 cm lange Goldkette gezogen war. (Fundnummer Carter: 320 c, Kairo JE 60702, Material Gold und Halbedelsteine)

Miniatursarkophage aus der Schatzkammer
(JE 60698 Fundnr.: 320 - Länge 78cm; Breite26,5 cm
Fundnummer 320A - Länge 74 cm)
- hier im Bild Replicas aus der Ausstellung 
im Saint Louis Center/USA

In der Schatzkammer fanden sich zwei ineinandergestellte Miniatursärge, wobei der äußere Sarkophag mit einer schwarzen Holzschicht überzogen  und mit beschrifteten Goldbändern sowie anderen vergoldeten Teilen dekoriert ist. Die mumienförmige Figur des ersten Sarges trägt einen breiten Halskragen und auf dem Körper breitet ein Geier seine Flügel aus. Die hieroglyphischen Textbänder auf dem unteren Teil des Körpers geben in Auszügen einen Anrufungstext an die Göttin Nut wieder.

Der zweite mit einer Goldschicht überzogene Sarkophag war so fest mit Einbalsamierungsharzen in den äußeren eingepasst, dass diese sich nicht mehr trennen lassen. Einzig der mit vergoldetem Gips überzogene Deckel kann noch abgenommen werden. Der mumienförmig dargestellte König trägt das "Nemes-Kopftuch". Zwei Göttinnen (vermutlich Isis und Nephthys) die in ihrer Geiergestalt erscheinen umfangen mit ihren Schwingen schützend den Oberkörper des Königs. Der eingravierte Text ist abermals eine Anrufung an die Göttin Nut.

Keiner der beiden Särge trug jedoch königliche Abzeichen, obwohl die draufgeschriebenen Formeln die Namen Tutanch-Amuns aufweisen (Quelle: Howard Carter/das Grab des Tutanchamuns 1973, S. 197)

Interessant ist der Inhalt dieser Miniatursarkophage. Dieses ist eine Figur aus purem Gold, die in Leinen eingewickelt war und vermutlich den König selbst darstellt. Außerdem entdeckte man im Innen des zweiten Miniatursarkophages einen weiteren, winzigen Holzsarg, der nochmals einen noch kleineren Miniatursarg (nur 12,5 cm lang) enthielt, der mit in Einbalsamierungsflüssigkeit getränkte Leinenbinden umwickelt war und mit einer Schnur aus winzigen Perlen am Hals zugebunden war. Er trug die Namen und Titel der Königin Teje (der Großmutter von Tutanchamun) und enthielt eine sorgsam in Leinen gewickelte, geflochtene Haarlocke von ihr.

Bild: thanks to Anneke Bart, USA

 

Statuenschrein in der Schatzkammer

Carter fand in der Schatzkammer 32 Holzfiguren, welche in dunklen, mit Asphalt bestrichenen hölzernen Schreinen und Kästen, die längs der ganzen Südwand des Raumes aufgestapelt waren, untergebracht waren. Ein einziger dieser Naos war von "Grabräubern" aufgebrochen worden; alle anderen Scheine trugen noch das Originalsiegel. Die Statuen waren jeweils in langen Leinenschals gewickelt, aus denen nur der Kopf herausschaute.

              Königsstatuen im Schrein

Zwei von sieben Königsstatuen Tutanchamuns standen in einem Schrein zusammen. Sie zeigen beide den König auf dem Rücken eines Leoparden und ganz offensichtlich in der Unterwelt.  Der Leopard ist schwarz wie alle Unterweltbewohner - gleich - gleich ob Tiere, Menschen oder Götter - , weil diese in ständiger Dunkelheit lebten, von jenem kurzen Glanz abgesehen, den ihnen allnächtlich der Sonnengott bei seiner Durchreise brachte.

Der König dagegen gehörte in den Bereich des sonnenhaften: seine Farbe ist schimmerndes Gold.

(Bild: Harry Burton - gemeinfrei)

Den Beschriftungen auf der Rückseite zufolge waren die Stoffe in Achet-Aton, der königlichen Hauptstadt Amenophis IV./Echnatons gewebt worden. Auf einigen von ihnen stand sogar das genaue Datum ihrer Herstellung: das Jahr 32 der Regierung Echnatons. Es ist also durchaus möglich, dass diese nicht für Tutanchamun gewebt worden, sondern für einen seiner Vorgänger. Da sie während der Regierung seines Vaters keine Verwendung gefunden hatten, sind sie wahrscheinlich in den Lagerräumen verschwunden und zur Bestattung von Tutanchamun wieder hervorgeholt worden. Auch bei den Statuen ist noch der starke Amarna-Einfluss zu erkennen. Allerdings teilen sich bei dieser Frage die Meinungen der Experten. Einige von ihnen sind davon überzeugt, dass die Statuen ursprünglich für Echnaton hergestellt wurden und zwar schon zu Anfang seiner Regierung, andere argumentieren, dass der Stil der Statuen eher eine Art "Amarna-Renaissance" entspricht und siedeln die Statuen zu Beginn der Regierung Tutanchamuns an.

"Sie wirken spontan und natürlich. Der Geist, der sie belebt, erhebt sich über die bloßen Konventionen. Sie vereinigen in sich Kraft und Anmut, das Göttliche und das Menschliche in intimer Weise."

Diese beiden Figuren, die den König auf dem Rücken von Leoparden darstellen zeigen den König, welcher die weiße oberägyptische Krone trägt, den Königsschurz und Sandalen, wie er den geraden Stab (mit einer offenen Papyrusdolde) und die Geißel in Händen trägt. Er steht auf einem Sockel, der auf dem Rücken eines schreitenden, schwarzen Leoparden befestigt ist, dessen Gesicht und innere Ohren vergoldet sind. Dem traditionellen Glauben entsprechend symbolisierte der Leopard den Nachthimmel und somit die Unterwelt.

                                            Tutanchamun auf Leoparden und auf einem Papyrusboot
              linke Figur: Carter 289 B - Höhe 85,6 cm; rechte Figur: Carter 275 C - Höhe 76 cm

In schwarzen, auf Schlitten befestigten Schreinen fand man in der Schatzkammer 34 Holzstatuen. Sechs davon stellen den König, die anderen verschiedene Gottheiten dar. Zwei paar identischer Statuen stellen den König auf einem Leoparden und auf einem Papyrusboot dar. Die Statue auf dem Leoparden trägt die weiße Krone Oberägyptens und eine Uräusschlange, das Symbol der Königswürde, an der Stirn. 

Die andere Statuette des Königs mit der roten Krone Unterägyptens zeigt ihn bei der Jagd auf ein imaginäres Nilpferd auf einem Schilfboot stehend. Die Figur ist aus Holz geschnitzt und mit Stuck und Blattgold überzogen. Das hölzerne Boot ist grün bemalt. Der Sockel ist mit schwarzem Harz gestrichen. Der König ist in Angriffshaltung dargestellt. Er hält in der rechten Hand einen Wurfspeer, in der linken ein gedrehtes Bronzeband. 
                                                        
Bilder: Harry Burton - public domain

Die beiden Statuen des Königs mit der roten (Fundnummer Carter 275b - Kairo JE 60712) und der weißen Krone (Fundnummer Carter 296b - Kairo 60711 ) standen zusammen mit einer Götterfigur namens Menkeret in einem Schrein, den die Archäologen entlang der Südwand der Schatzkammer fanden.

Die Statuette Carter 275b steht auf einer mit Harz geschwärzten Base, die den Thronnamen des Königs nennt und ihn als selig, d. h. verstorben kennzeichnet. Der Körper Tutanchamuns wirkt sehr schlank und die Taille wird leicht betont. Er trägt einen breiten Halskragen, einen enganliegenden, knielangen, reich gefältelten Schurz mit trapezförmigem Mittelteil und Sandalen. Er halt in der rechten Hand einen Dreschflegel und in der Linken einen Hirtenstab mit gebogenem Ende. Die beiden Herrschaftsabzeichen sind aus einer vergoldeten Kupferlegierung gearbeitet. Die Augen und Brauen sind mit schwarzem bzw. weißem Glas eingelegt. Der Uräus an der Stirn des Königs und die Sandalen bestehen aus einer Kupferlegierung und sind zusätzlich vergoldet.

Die beiden Königsstatuetten sind aus verschiedenen Einzelteilen zusammengesetzt und bilden ohne Zweifel ein Paar, denn sie sind bis auf die Kronen und einige Details wie Hirtenstab und Dreschflegel, welche er in den Händen hält, völlig identisch.

Die Gesichtszüge der Figuren sind denen des Königs nicht sehr ähnlich, deshalb vermuten manche Forscher, dass die Statuen ursprünglich für Nefer-neferu-aton, Tutanchamuns geheimnisvollen Vorgänger hergestellt wurden.

 

   Schrein mit 4 Götter- u. Königsstatuetten
     - Fundnummer Carter 275 - 
     
( Bild: Harry Burton - gemeinfrei)

Es wurden im Grab von Tutanchamun über 30 ganz oder nur teilweise vergoldete hölzerne Götter- und Königsstatuetten gefunden. Die meisten waren in mit Harz geschwärzten Schreinen untergebracht und standen in der sogenannten Schatzkammer.  In diesem Schrein waren neben dem rechts gezeigten König mit der roten Krone für Unterägypten ein Statuettenpaar mit dem Harpune schwingenden König sowie einer Figur, die den König als Kind darstellt, untergebracht.



 

Seitenkammer:

Durch eine kleine, niedrige Tür  in der linken Seite der hinteren Wand gelangt man in einen Raum, der von Howard Carter "Anbau" genannt würde.  Er ist 4.40 Meter lang und 2.60 Meter breit. Sein Boden liegt etwa einen Meter tiefer als jener des Vorraumes und er hat eine niedrige Decke. Die Priester brachten Nahrung und Salben, Weinflaschen, Krüge mit Öl, Körbe mit Früchten und Gemüse, dazu Kleidung, Edelsteine und Möbel in diesen Raum.

In der Südostecke stand ein fein gearbeiteter Stuhl, der mit reichem Schmuck von Gold, Fayence und natürlichen Steinen verziert war, eingekeilt zwischen der Wand und einem der Ruhebetten. Er hat die Form eines Klappstuhls, aber eine starre Konstruktion und eine prächtige Rückenlehne. 

Die Sitzfläche aus Ebenholz ist mit unregelmäßig geformten Elfeneinstücken in Nachahmung eines buntscheckigen Fells eingelegt, während die Unterseite mit rotem Leder bezogen ist. Auf dem Bildfeld unter dem Fries ist der Nechbet-Geier abgebildet, der in den Klauen Schen-Zeichen und Wedel aus einer einzigen Straßenfeder hält. Zu beiden Seiten des Geiers steht der Thronname und der mit Aton verbundene Name des Königs. Zwischen zwei Schriftbändern, in denen die Amun-Form des Königsnamens enthalten ist, befinden sich waagerechte und senkrechte Zierleisten. Diese Inschriften sind insoweit interessant, als sie darauf hinzuweisen scheinen, dass sich die Rückwendung des Königs zum Amun-Glauben, schrittweise und nicht plötzlich vollzogen hat. Alle Kartuschen befanden sich in ihrem ursprünglichen Zustand; die Aton- und die Amun-Form des Königsnamens erscheinen nebeneinander, doch kommt die Aton-Form häufiger vor (Stuhlhöhe: 102 cm, Breite des Sitzes: 70 cm)

Es ist durchaus möglich, dass der König diesen Stuhl bei kultischen Feierlichkeiten benutzte. Die Goldeinlagen erinnern an das Muster eines Leopardenfelles, das auf der dunklen Ebenholzplatte als Negativ erscheint. Die kreuzweise angeordneten Beine sind an den Enden als Entenköpfe ausgebildet. Es gibt das Motiv der Vereinigung von Ober- und Unterägypten wieder - die Wappenpflanzen Lotos und Papyrus, die um das Zeichen "vereinigen" geknotet sind. Wie auch bei anderen ähnlichen Möbelstücken wurde gerade dieses Symbol von Grabräubern zerstört. Die Trittfläche der Fußstütze zeigt auf blauen Fayenceplatten die Umrisse von neun Gefangenen in goldenen Gewändern. Es sind die Feinde Ägyptens, die dem König somit symbolisch unterworfen waren.

Kopfstütze aus Elfenbein mit Schu  (Seitenkammer)
      - Fundnummer.: 403 c - JE 62020 Kairo -

 

  Krug in Form eines Granatapfels (Seitenkammer)
     - Fundnummer  469  -    Kairo JE 62192 -
Höhe 13,4 cm; Durchmesser des Gefäßbauches 10,8 c
Diese Kopfstütze ist die interessanteste von den vier im Grab Tutanchamun gefundenen Exemplaren. Sie stellt den Luftgott Schu dar, der das Hieroglyphenzeichen für "Schutz"  auf seinen beiden Schultern trägt.
Beidseitig von ihm befinden sich zwei ruhende Löwen. Dies sind die Wächter der Pforten des Horizonts, einer von ihnen schaut gen Osten, der andere gen Westen. 
Die Elfenbeinteile sind durch einen Holzpflock miteinander verbunden, welche jeweils mit zwei Goldnieten an beiden Seiten der Figur gesichert ist. Eine Inschrift auf der Rückseite nennt Tutanchamun unter anderen den "Sohn des Amun".
  Die Form des Granatapfel war ein Lieblingsthema bei den Kunstschmieden des Neuen Reiches.  Die Ägypter lernten ihn mehr als 100 Jahre vor Tutanchamun bei Feldzügen in Syrien und Palästina kennen. Sie übernahmen in rasch, benutzten aber selten seinen semitischen Namen (hebr. rimmon) weiter. Die Form dieses Frucht ahmte man in Glas, Fayence, Elfenbein und anderen Materialien nach, auch in Silber, wie hier bei diesem Gefäß. Der ringsum verlaufende Dekor zeigt neun Kelchblätter; auf Hals und Schulter des Kruges sind Bänder von Blättergirlanden eingraviert. Etwas oberhalb der größten Weite des Gefäßbauches läuft ein graviertes Band von Kornblumen und Olivenblättern. 
               Bild: Thanks to Jon Bodsworth       Bild: Jon Bodsworth

Ein wunderschönes Stück antiker Schreinerkunst wurde in der Seitenkammer gefunden. Es handelt sich um einen Kasten, welcher aus furniertem Ebenholz besteht, der in mehrere Teile zerlegt war. Es ist ein Brettspiel mit Beinen, das oben und unten Spielfelder aus Elfenbein aufweist. Gestell und Schlitten sind aus Ebenholz und sind sehr geschmackvoll mit Blattgold verziert. Die Löwenkrallen der Gestellfüße sind aus Elfenbein. Der längliche Kasten mit der Schublade für Spielsteine und Wurfstäbchen liegt lose auf dem Untersatz (mit Löwenbeinen, die in einem Schlitten verzapft sind) und kann auch umgedreht werden.

Zwei verschiedene Spiele konnte man auf diesem kastenartigen Spielbrett spielen. Auf der einen Seite enthält es 30 mit Elfenbein ausgelegte Spielfelder von denen 5 Inschriften aufweisen. Diese Seite war für das sogenannte "Senet-Spiel" bestimmt. Auf der anderen Seite spielte man ein Spiel, welches "tjau" (Diebe) genannt wurde. Hierzu brauchte man nur 20 Felder, von denen 3 Inschriften tragen. Spielsteine und Knochenwürfel oder Wurfstäbchen lagen in einem Schubfach an einer der Spielbrett-Schmalseiten. Über die Spielregeln dieses Spiels wissen wir so gut wie nichts.

  Steinbock-Vase aus Alabaster
     - Fundnummer:  584,  Kairo: JE 62122  -
             Höhe: 27,5 cm, Länge 38,5 cm

 

 

                Spieltisch auf einem Gestell (replica)
               Ebenholz, Gold und Elfenbein
Spieltisch: L. 46 cm, H.  8,1 cm, B. 16 cm
Beine:       L. 55 cm, H. 20,2 cm, B
Fundnr.:    345 (Kasten), 383 Schublade) 
                  und 580 (Gestell)
Kairo:       JE 62058  -

Bild:      Calcite Bes vase on Stand
Autor:  
von لا روسا (Eigenes Werk) 
Wikimedia Commons
Lizenz: CC BY-SA 4.0 

 

Bild: Toutankamon-expo 89 jeu.jpg
Autor: © Traumrune / Wikimedia Commons / CC BY 3.0Lizenz: CC-BY-SA 3.0

 

Sockel einer Alabastervase in Form eines Steinbockes mit echtem Horn eines Jungtieres. Die Augen waren aus Bronze und eingelegtem Glasfluss, die Zunge aus rotgefärbtem Elfenein. Auf dem Körper befindet sich aufgemalt die Kartusche mit dem Namen "Neb-cheper-Re"
(Thronname Tutanchamuns)
Die Inschrift auf den umlaufenden Bändern und das Fach für die Schublade nennen die umfangreiche Titulatur des Königs und wünschen ihm "Leben, Heil und Gesundheit". Ob daraus zu schließen ist, der Spieltisch habe zum Besitz des Königs gehört und sei von ihm bereits zu Lebzeiten benutzt worden, bleibt allerdings fraglich.

In seiner Form erinnert dieser Kasten, (Fundnummer Carter: 551), der ohne Deckel in der Seitenkammer gefunden wurde, an einen kapellenförmigen Schrein, nur dass hier nicht die Vertikale, sondern die Horizontale dominiert. Die kolorierten Reliefs gehören zum Erlesensten, was in diesem Grab gefunden wurde. Jede Szene wird von Girlanden und anderen Blumenmustern umrahmt, um die sich wiederum ein äußerer Rahmen aus roten und blauen Blockfeldmustern spannt. Die Truhe besteht aus gewöhnlichem Weichholz, welches mit Ebenholz und Elfenbein furniert und verziert wurde. Daneben trägt sie vergoldete Partien sowie Einlagen aus bunter Fayence. 

     Holztruhe mit Elfenbeineinlagen
            - JE 61477 Kairo; Carter: 551 (Truhe) -
           Höhe: 63,5 cm; Breite 53 cm; Länge: 72 cm
        Seitenwand der Holztruhe
Höhe der Darstellung: 16 cm, Breite: 32 cm 
Bild:      Egyptian Museum 000
Autor:    
von لا روسا (Eigenes Werk)
Lizenz: CC BY SA-4.0
Bild: Tutanchamun/Noack/Verlag A. Egger 1965 - bearbeitet. von Nefershapiland
Die Truhe besteht aus mit Elfenbein besetztem Holz. Den Deckel und die Seitenfelder zieren kolorierte Reliefs, "schön wie eine frühe griechische Gemme geschnitzt." (Zitat Carter)     

Das farbige Elfenbeinrelief auf der Seitenfläche zeigt den König in Begleitung seiner Frau Anchesenamun bei der Jagd auf Wasservögel und Fische. Anchesenamun reicht ihm einen Pfeil zu und im Uferdickicht sammelt eine Dienerin die Jagdbeute, von Pfeilen durchbohrte Fische und Vögel.

Die Hauptszene zeigt den König und die Königin an der Schmalseite des Kästchens bei einer gemeinsamen Jagd im Marschland. Anchesenamun assistiert ihrem Gemahl bei der Jagd mit Pfeil und Bogen auf Vögel und Fische. Die Königin reicht dem König Blumen. Am unteren Fries pflücken Dienerinnen Blumen und Mandrake-Früchte. 

 

Hochbeiniges Schränkchen m. durchbrochenen Fries
     - Kairo: JE 61446, Eben- u. Zedernholz, Bronze -
                   - Höhe 68,6 cm ; Breite 40 cm -

Schemel Tutanchamuns als Kind-König
- Fundnummer Carter 467 -

Höhe 45 cm, Breite 43 cm

Dieser Kasten aus dunklem Rot- und Ebenholz ist das einzige Möbelstück, der auf hohen Beinen steht. Die Zwischenräume sind mit Platten aus Zedernholz furniert. Der Deckel ist mit Bronzescharnieren am Korpus befestigt. Zwei vergoldete Knäufe, um die eine Schnur geschlungen wurde, dienten als Verschluss. Der Eigenname des Könige "Tutanchamun" steht auf dem am Korpus befestigten Knauf, auf dem Knauf am Deckel steht sein Thronname "Nebcheperurè". Sämtliche Inschriften auf dem Kasten geben in der gewohnten Form die Taten des Königs wieder und ordnen ihn der klassischen Götterneunheit zu.

Den unteren Abschluss des Kästchens bildet ein durchbrochener Fries aus "Anch-Zeichen", Symbolen des Lebens, die jeweils von zwei vergoldeten "Was-Zeptern", den Symbolen der allumfassenden Macht, eingerahmt sind. 

Der ursprüngliche Inhalt des Kästchens wurde gestohlen, statt dessen legte man 4 Kopfstützen hinein. Das Schränkchen wurde in der Nebenkammer gefunden. 

     Bild: Harry Burton - gemeinfrei, wikipedia

Dieser Schemel wurde in der Seitenkammer zwischen dem Bettgestell und der Wand gefunden. Sehr auffällig ist das vergoldete Gitterwerk zwischen Sitz und allen vier Querstreben, welches Lilien- und Papyrusstengel darstellt, die um Hieroglyphenzeichen geschlungen sind und das vergoldete holzgeschnitzte Motiv der "Vereinigung Ober- u. Unterägyptens" darstellt.

Die Füße in Gestalt von Katzenpfoten sind aus weißbemalten Holz. Auf den runden Sitz gehörte ein Kissen.
                      
   

 

  Bild: Harry Burton - gemeinfrei, Wikipedia

 

 

 

 

                       Zeremonialschild

In der Seitenkammer  von KV 62 entdeckte man 8 Schilde. Vier davon sind aus durchbrochenem und vergoldetem Holz und waren nicht für die persönliche Verteidigung gedacht. Howard Carter bezeichnete sie als "Zeremonialschilde".

Die heraldisch-symbolische Darstellung zeigt den König, der zwei Löwen am Schwanz festhält und ein Krummschwert schwingt, um sie zu töten. Hinter dem König stehen die Geiergöttin Nechbet (die Schutzgöttin Oberägyptens) auf einer Papyrusstaude (dem Emblem Unterägyptens). Über dem Herrscher schwebt die geflügelte Sonnenscheibe des Horus. Zwischen den gespreizten Geierflügeln erkannt man das "schen"-Zeichen (die Hieroglyphe für Unendlichkeit). 

Im unteren Register ist eine wüstenartige Landschaft mit drei Hügeln dargestellt. Es handelt sich hierbei um das Hieroglyphenzeichen für "fremde Länder".  Eine rühmende dreispaltige Inschrift preist Tutanchamuns Macht und Tapferkeit und setzt sie der Macht und Tapferkeit des Kriegsgottes Month gleich.

 

  Salbgefäß in Gestalt eines aufrecht stehenden Löwen
  - Fundnummer Carter 579; Kairo: JE 62114 -
       Höhe: 59,8 cm; Breite 19,8 cm -

Dieser Salbbehälter aus Alabaster (Kalzit) ist in der Form eines stehenden Löwen geschnitten, der den Gott Bos darstellt. Es handelt sich dabei um ein auf den Hinterbeinen stehendes Löwenjunges, das die rechte Vordertatze erhoben hat, während die linke auf dem Hieroglyphenzeichen für "Schutz" ruht. Der rechte Hinterlauf ist leicht vorgestellt, eine Abweichung von der herkömmlichen Regel, Menschenfiguren mit vorangestelltem linken Bein wiederzugeben. 

Aus seinem aufgerissenen Maul schauen acht scharfe Reißzähne aus vergoldetem Elfenbein und eine heraushängende, rot bemalte Zunge hervor. Die Augen des Löwen sind vergoldet. Man nimmt an, dass die Krallen, die heute fehlen, ebenfalls vergoldet waren.

 

Bild:      Calcite Bes Vase
Autor:  
Autor:
  von لا روسا (Eigenes Werk) 
Wikimedia Commons
Lizenz: CC BY-SA 4.0 

Der Kopfschmuck, der gleichzeitig das eigentliche Balsamgefäß bildet, ist formal der Federkrone des "Gottes Bes" angeglichen, jenes guten Dämons, der das Haus beschützte und für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zuständig war, aber auch für Kosmetik und Körperpflege. Auf dieser Krone erscheinen Lotosblütenblätter im Wechsel mit Papyruspflanzen und Rosenornamenten. Als man das Gefäß fand, war die Krone abgerissen.

Der Löwe steht auf einem Sockel, der mit einem Karo-Muster sowie Lotosblütenblättern und Mandragoren verziert ist. Die Beine des Sockels sind durch einen einfachen durchbrochenen Dekor aus Alabaster verbunden, der in dieser Art auch auf anderen Gefäßen zu finden ist.

Wahrscheinlich wurde dese Salbgefäß speziell für Tutanchamun und seine Frau Anchesenamun angefertigt, denn auf der Brust des Tieres sind die beiden Kartuschen mit den Namen des Königs sowie die Kartusche Anchesenamuns eingraviert.

 

   Zeremonien-Fächer Tutanchamuns
- Museum Kairo JE 6200) -
Länge 125 cm

Gold mit Einlagen aus Faience

Dieser Fächer wurde zusammen mit anderen Fundstücken in der Seitenkammer entdeckt. Links und rechts der Kartuschen breiten zwei Greifvögel ihre Schwingen aus.

Bild:       Tutankhamuns Fan
Autor:    D. Denisenkov
Lizenz:   CC BY-SA 2.0

 

Schmuck und Schmucksets:

Das Grab Tutanchamuns enthielt neben den an der Mumie gefundenen Schmuckstücken und Amuletten noch zahlreiche weitere Schmucksets, die ursprünglich in Truhen und Kästen in den verschiedenen Räumen untergebracht waren. Howard Carter zählte insgesamt über 200 Stücke, obwohl die Grabräuber (nach Carters Aussagen - wobei mittlerweile von vielen Experten an die Version von dem "zweimaligen Grabraub" durch private Grabräuber gezweifelt wird) nach seinen Schätzungen über 60 Prozent der ursprünglichen Menge gestohlen haben mussten. Er erstellte die Schätzung der gestohlenen Objekte anhand der Inschriften auf den verschiedenen Behältern, die deren genauen Inhalt zum Zeitpunkt der Bestattung auflisten. Carter stellte schon beim Betreten des Grabes fest, dass die große Mehrheit aller Siegel auf Kisten und Truhen abgerissen wurde und der Inhalt einfach auf den Boden ausgekippt worden war - einige konnten mühsam in Handarbeit wiederhergestellt werden - andere waren auf immer verloren.

Die meisten Schmuckstücke kamen aus der Schatzkammer, wo sich ursprünglich die wertvollsten Grabbeigaben des Tutanchamuns befunden hatten. Er stelle auch fest, dass einige Stücke deutliche Abnutzungsspuren aufwiesen, was darauf schließen lässt, dass der König sie zu Lebzeiten getragen hatte. Die meisten Stücke hatte man aber extra für die Bestattung hergestellt, was anhand der ikonographischen Motive festgestellt wurde. Das war diese Fundstücke so einzigartig machte - ganz unabhängig von ihrer individuellen Qualität - ist die Schönheit des Farbspiels: Gold, Silber, Bronze oder Eisen mischen sich mit dem Grün des Feldspat oder Serpentin, dem Rot des Karneol, dem Blau des Lapislazuli und des Türkis, dem Weiß des Kalzit, dem Beige des Speckstein, dem Violett des Amethyst.....usw. Hinzu kamen noch die unzähligen Farbschattierungen von Keramik oder Glaspaste.

            Pektoral mit Sonnen- u. Mondemblemen
                  - Carter: 267d; JE 61884  -
               Pektoral mit einem  Skarabäus
              Fundnummer: 267 N; - JE 61890; 
                   Höhe 12,5cm, Breite 13cm
                     Fundort: Schatzkammer
Dieses königliche Pektoral mit der Fundnummer 267d ist eines der kostbarsten Schmuckstücke aus dem Grabschatz. Im Herzen der Komposition erscheint Chepri als geflügelter Skarabäus. Vorderbeine und Flügelspitzen tragen statt der Sonnenscheibe die Himmelsbarke mit zwei Mondsymbolen: das "linke" udjat-Auge (das "rechte" Auge galt als Sonnensymbol.) und die Mondscheibe über der Mondsichel. Die goldenen Applikationen sind Darstellungen Tutanchamuns, Re-Harachte und des Mondgottes Thot.

Material: Gold mit Einlegearbeiten aus Edelsteinen
                  und Glaspaste.
Fundort:   Schatzkammer
Maße:      Höhe 14,9 cm; Breite 14,5 cm



Dieses große und bunte Pektoral weist viele Symbole auf. Das Hauptmotiv, der Skarabäus, wird von zwei Uräusschlangen eingerahmt, die beide mit einer Sonnenscheibe gekrönt sind. Den Mittelpunkt dieses Pektorals bildet der Skarabäus des Alten Ägyptens. In den Ecken erkennt man zwei  "Udjat-Augen", das linke und rechte Auge des Gottes Horus, Symbole der Sonne und des Mondes. Vor diesen Augen liegen "Anch-Zeichen". Diese Hieroglyphen haben die Form der damaligen Sandalenriemen und bedeuten "leben".

Aus der Anordnung der Zeichen ergibt sich ein Bilderrätsel, das sich aus der hieroglyphischen Schreibung des Eigennamens Tutanchamuns zusammensetzt, d. h. der Scheibe "Re", dem Käfer, der zusammen mit den drei senkrechten Streifen gelesen die Pluralform "cheperu" ergibt, und dem blauen halbkreisförmigen Korb, der "Neb" bedeutet. Zusammen ergeben diese Zeichen den Begriff: "Neb-cheru-Re".

                      Bild: Jon Bodsworth - gemeinfrei                Bild:: Jon Bodsworth - gemeinfrei

Bei dem unten links gezeigten Pektoral ist zwar der göttliche Vogel traditionsgemäß als Erscheinungsform der Schutzgöttin Nechbet dargestellt, die Hieroglyphen weisen aber über den gekrümmten Rücken des Geiers darauf hin, dass es sich hierbei um Nut, die Himmelsgöttin handelt. Somit ist dieses Pektoral ein gutes Beispiel dafür, dass die ägyptische Ikonographie nicht mehr nur anhand ihrer Symbole, sondern auch anhand der Begleittexte verstanden werden muss. 

Ein Problem stellen die beiden Kartuschen mit dem Namen und dem Thronnamen Tutanchamuns dar. Beide sind rückwärts geschrieben und den falschen Titeln zugeordnet, die sie für gewöhnlich begleiten. Der Thronname mit den Titeln "guter Gott, Herr der Zwei Länder" müsste auf der rechten Seite stehen. Der eigentliche Name mit dem Titel "Sohn des Re" sollte dagegen links zu lesen sein. Bei dem Beinamen in der Namenskartusche wurde darüber hinaus ein Zeichen ausgelassen. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Kartuschen abgeändert wurden (und zwar nicht sehr fachmännisch) und dass sie ursprünglich einen anderen Namen trugen.

                     Pektoral der Nut als Geier
       Fundnummer Carter: 261 P3 - Kairo JE 61943
             -  Höhe: 12,1 cm; Breite: 17,2 cm  -
                    Pektoral in Form eines Kiosk

 

Dieses farbenfrohe Pektoral fand Carter zusammen mit sieben anderen Schmuckstücken im Anubis-Schrein in der Schatzkammer. 

Der Vogel ist reich verziert mit Einlagen aus Glas und Karneol. Er hält "shen"-Ringe, Symbol der Endlosigkeit, in seinen Fängen. Die Schreinform dieses Pektorals wird am unteren Abschluss und an den Seiten durch einen sorgfältig gearbeiteten Blocksaum definiert. Den oberen Abschluss bilden ein Fries aus herabhängenden Blüten und ein Palmwedelsims. Die beiden Aufhängevorrichtungen darüber haben jeweils drei Löcher für Perlenschnüre.

Details eines kompletten (mit Bändern und Gegengewichten) in einer Schatulle im Grab gefundenen Pektorals.  Das Gold in ziemlich schlechter Qualität, Silber, durchscheinender und in farbigen Zement gesetzter Quarz und Kalzit, grünes, rotes, schwarzes, hell- u. dunkelblaues Glas, Perlen aus Elektrum u. dunkelblauem Glas, H. 11.5cm, B. 14,1cm.
Der König zwischen Sachmet und Ptah. Durchbrochene Goldplatte mit Einlagen in farbigem Glasfluss. Die Brustschilder wurden an breiten Gliederketten um den Hals getragen. 
Bild: Tutanchamun/Noack/Verlag A. Egger 1965 - bearbeitet. von Nefershapiland Bild:    Bijou de la tombe de Toutânkhamon
Autor:   Jean-Pierre Dalbéra (Flickr-Album)
Lizenz:  CC BY 2.0

 

         Pektoral mit zwei in einer Barke sitzenden Affen 
           - zwischen ihnen befindet sich ein Skarabäus -
          Pektoral mit einem Skarabäus in der Mitte.

 

Bild:    Bijou de la tombe de Toutânkhamon 1
Autor:   Jean-Pierre Dalbéra (Flickr-Album)
Lizenz:  CC BY 2.0
Bild:    Bijou de la tombe de Toutânkhamon 2
Autor:   Jean-Pierre Dalbéra (Flickr-Album)
Lizenz:  CC BY 2.0

 

Pektoral mit der Göttin Nut
- Fundnummer: 261 P1; - Kairo JE 61944 -
Höhe 12,6 cm, Breite 14,3 cm

Pektoral mit Isis, Osiris und Nephthys
Fundnummer: 261 O; - Kairo JE 61946 -
Höhe 15,5 cm; Breite 20 cm

Dieses Pektoral befand sich im Schrein unter dem schwarzen Schakal in der Schatzkammer und ist eines von acht Stücken ohne Halsketten und Gegengewicht. Vermutlich verwendete man sie ausschließlich bei Begräbnissen. Vermutlich wurde dieses Pektoral ursprünglich nicht für Tutanchamun gefertigt, denn die Krönungs- und Geburtsnamen des Königs in den Kartuschen scheinen die Namen eines anderen Herrschers zu überdecken.

Die Göttin Nut ist hier als zentrale Figur, welche die Himmelsgöttin darstellt, aufrechtstehend mit ausgebreiteten Flügeln dargestellt. Die Spitzen der Flügeln zeigen nach oben und schließen so zwei Kartuschen mit dem Namen von Tutanchamun ein. Im achtzeiligen Text verkündet Nut, dass sie ihre Arme öffnet für ihren "Sohn, den König Nebcheperure" und ihre Flügel ausbreitet "über all die Schönheit Tutanchamuns, Herrscher über das südliche Heliopolis."                

Auch dieses Pektoral aus dem Anubis-Schrein in der Schatzkammer sorgt mit seiner Darstellung für Verwirrung. Es hat die Form eines Schreins, den oberen Abschluss bilden ein Sims mit Einlagen und ein Fries aus herabhängenden Blüten. An beiden Seiten des Simses sind Uräusschlangen mit Sonnenscheiben über den Häuptern befestigt.

Die Szene in der Mitte zeigt eine kleine mumienförmige Figur mit königlichen Insignien, flankiert von einer geflügelten Schlange und einem Geier. Beide ruhen auf quadratisch gemusterten Körben und beschützen mit ihren ausgebreiteten Flügeln die Mumienfigur. Die Inschrift bezeichnet die Mumienfigur als

"Herr der Ewigkeit, Herrscher über das Immerwährende, der gute Gott, Herr des Heiligen Landes."

Bild:     Pectoral-Goddess Nut
Autor:   Alice
Lizenz:   CC BY-SA 2.0

Bild: Tutanchamun/Noack/Verlag A. Egger 1965 - bearbeitet. von Nefershapiland

 

        Armreif mit Skarabäus
   Fundnummer: 269 N; Kairo: JE 62360
               Durchmesser:  5,4 cm

 

Bild: Tutanchamun/Noack/Verlag A. Egger 1965 - bearbeitet. von Nefershapiland

Diese Armspange aus massiven Gold, stammt aus der kartuschenförmigen Truhe, welche in der Schatzkammer entdeckt wurde. Es weist Gebrauchsspuren auf. Da sie relativ klein ist, nahm Carter an, dass Tutanchamun sie als Kind getragen hatte.

Das Armband besteht aus zwei beweglichen Teilen, die mit einer Schließe zusammengesteckt werden.  Das Hauptornament bildet ein erhaben gearbeiteter Skarabäus aus Gold und Lapislazulistücken, die fachmännisch in die Goldfassungen eingepasst wurden. Weitere Schmuckelemente sind Perlen aus Gold, Quarz, Lapislazuli, Türkis und Karneol mit einem inneren Ring, der die Granulationstechnik imitiert.

An den Biegungen der Armspange erkennt man ein anmutiges Ornament, das aus einer Alraunenfrucht, flankiert von zwei Mohnblüten mit goldenen Rosetten zwischen den Stängeln arrangiert wurde. Die Alraunen sind aus durchscheinendem Quarz, der auf der Rückseite grün bemalt wurde, die Mohnblumen bestehen aus Karneol.         

 

                       "Ba"-Pektoral
       Fundnummer: 256 B (2); - Kairo: JE 61903
              Breite 33 cm
Foto mit herzlichen Dank an
Jon Bodsworth - gemeinfrei 

Wie viele andere Schmuckstücke auch, wurde dieses Pektoral auf der Mumie des Königs gefunden. Zum Glück beschränkte sich der durch das Einbalsamierungsharz hervorgerufene Schaden an dem Schmuckstück nur auf wenige Einlagen. 

Der Anhänger stellt das "ba" des Königs dar - die bewegliche Seele. Im Gegensatz zu dem "ka", das für Lebenskraft stand, konnte eine Person in Form des "ba" nach dem Tod das Grab verlassen und sogar verschiedene Gestalten annehmen. 

Das "ba" besteht aus Gold, die Perücke ist aus blauem Glas, das sich im Laufe der Zeit jedoch ein wenig verfärbt hat. Als Kopfschmuck trägt das "ba" einen goldenen Reif mit herabhängenden Bändern und einer Uräusschlange auf der Stirn. Das Gesicht ist detailliert ausgearbeitet. Man erkennt einen kurzen Bart, der sich vollkommen von dem langen, geflochtenen und nach oben gebogenen Osirisbart unterscheidet. Die Einlagen auf Körper und Flügeln sind aus buntem Glas. In seinen Fängen hält das "ba" jeweils einen "shen"-Ring, das Symbol für Endlosigkeit.

 

            Das Tal der König mit dem Grab Tutanchamuns im Vordergrund

File:               VallDelsReisTutankhamon.JPG
Urheber:    
   Gim   -   aus der engl. Wikimedia commons
Lizenz:           Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license
Originalbild:  -   hier -

* Harry Burton (1879-1940): "Tutankhamun tomb photographs / A photographic record in 5 albums containing 490 original photographic prints; representing the excavations of thetomb of Tutankhamun and its contents Vol. 3 ca. 1923.


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