(oberes linkes Bild: Heidi Kontkanen)

Erbauer:  Sesostris I. (xpr-kA-Ra)
                 (1956 - 1911/10 v. Chr.) n. J. v. Beckerath
Ort        :  El Lischt Süd
Zeit        : Mittleres Reich - 12. Dynastie


Biografie

Nach dem Tod seines Vaters, dessen Mitregent er wahrscheinlich für 10 Jahre war, herrschte Sesostris allein über das Reich. Die Mutter Sesostris war vielleicht eine Königin namens Neferetjatenen (dies ist nicht ganz gesichert!) Seine Hauptgemahlin war seine Schwester Nofru IV.

Sesostris regierte 45 Jahre (worauf wohl 10 Jahre auf die Co-Regenz mit Amenemhet I. entfallen) und starb in seinem 46. Regierungsjahr. Sein höchstes belegtes Jahr ist das Jahr 44 - Stele Leiden V.4 - "44. Regierungsjahr (mpt - zp ) Sesostris I. - 2. Regierungsjahr Amenemhet II."

Der Turiner Königs-Papyrus nennt für Sesostris I., TP T. 5,21; 45 Jahre (+ x Monate). In seinem 43 Regierungsjahr machte er seinen Sohn zu seinem Mitregenten. Diese Co-Regentschaft mit Amenemhet II. dauerte kanpp 3 Jahre (Franke Or. 57)

In seinem 31. Jahr feierte Sesostris I. wohl ein Hebsed-Fest. Jedenfalls deutet ein Graffito in den Alabastersteinbrüchen von Hatnub daraufhin (Anthes, t.31 [Gr.49]; hieratisches Graffito). Es ist ins 31. Jahr Sesostris I. datiert und nennt ein Sedfest " Jahr 31, erstes Mal des Hebsed, König von Ober- und Unterägypten, Kheperkare, dem Leben gegeben in Ewigkeit."

    Horusname:   anx - mswt /  Anch - mesut /Ankhmeswe
                 "Mit lebendkräftiger Geburt"
          
       "Lebendig an Geburt" / "Horus: lebend 
                  von der Schöpfung" "Aktiver der Schöpfung"

  Nebtiname:      anx - mswt / Anch - mesut
   Goldhorusname:      1)  anx - mswt / Anch - mesu
  
                              2)  bjk - nbw  anx - mswt  ( Berlin 72765)
  Thronname:      xpr - kA - Ra / Cheper - ka -Re / Keperkare
                              " Mit Gestalt gewordenem Ka, ein Re"
                 " Die Seele des Re erwacht zum Leben "
                 " Der Skarabäus (Käfer) ist der Ka des Re
                 "Schaffen ist die Wesenskraft des Re"
                              "Entstehend an Ka ist Re"

Bild: 
mit freundlichem Dank
Saamunra 
alle Rechte vorbehalten

 

Geburtsname:     z(j) - n - WSsrt / Senwosre / Senwosret
            
"Mann der Mächtigen Göttin"
             "Mann der starken Göttin"
Abydosliste:               A  60
Saqqaraliste:              S   40
Turiner Papyrus:         TP V. 21 (X) Jahre, (X) Monate, (X) Tage
Name der Pyramide:


                           "Sesostris überblickt die beiden Länder"
                         
"S - n - wsrt  ptr - tA.wj"   oder einfacher:
                         
"ptr - tA.wj"                            
                                             

Allgemeines:

Lt. D Arnold ist der angebliche Baubeginn der Pyramide Sesostris I. erst in seinem 10. Regierungsjahr zu streichen, da das dahingehend interpretierte Graffito, abgesehen vom Problem seiner Verifizierbarkeit vielmehr auf einen Baubeginn um das Jahr 6 hindeutet.

Gaston Maspero identifizierte den Bau 1882 anhand von einigen Alabasterfragmenten, die den Namen Sesostris I. trugen, als dessen Pyramide. 1887/88 führte W. M. Flinders Petrie Untersuchungen hier durch.
J. E. Gauthier und G. Jequier vom Institut Francaise d`Archäologie Orientale arbeiteten dann hier in den Jahren 1894/95. Ihnen folgten 1906 bis 1934 das Team des Metropolitan Museums New York unter der Leitung von Lythgoe, Mac und Ambrose Lausing. An ihrer Arbeit knüpfte 1984 bis 1987 Dieter und Dorothea Arnold an.

Als Standort wählte der König für seinen Grabbau einen Hügel in Lischt beim heutigen Dorf Al - Maharrak, etwa 1,6 bis 2,0 km südlich der Pyramide seines Vaters gelegen. Sie war etwas größer als die seines Vaters, ohne sich in ihren Grundzügen wesentlich von ihr zu unterscheiden. 

 

Die Pyramide in Zahlen

Name der Pyramide

"Sesostris überblickt die beiden Länder"

Höhe:

ca. 61,25m  ( 116 Ellen) - heutige Höhe: 23 m

Basislänge:

104,80m  (200 Ellen)

Neigungswinkel:

49°23'55''

Volumen:

225.093 m3. 

Nebenpyramide:

ja

Subsidiär-Pyramiden:

9

Grabkammer:

1 (nie betreten, da unter Wasser) ca. 22-25 m unter der Oberfläche.

 

Pyramide
" Sesostris blickt auf beide Länder herab."

Als Baumaterial wunde vor allem Kalkstein aus den nahe im Südosten, Südwesten und Süden gelegenen Steinbrüchen verwendet. Von ihnen und von einem Hafen liefen Rampen zur Pyramide hinauf. 
Die Pyramide Sesostris I. wurde auf einer Fundamentsplattform aus Steinblöcken errichtet und besaß als erste ein Innenskelett aus acht massiven Kalksteinmauern, die strahlenförmig zu den Ecken und Seitenmitten verliefen. Jede der dadurch gebildeten acht Dreiecke besitzt noch einmal drei Quermauern. Diese Mauern bestanden aus riesigen, grobbehauenen, sich nach oben verjüngenden Steinblöcken. Die so entstandenen 32 Abteilungen wurden stufenförmig mit grob behauenen Steinplatten, Geröll aus Kalksteinsplittern, Schlammziegeln, weißem Sand und Abfallmaterial von der Baustelle aufgefüllt. Haltemauern und Verfüllung müssen parallel gebaut worden sein, während die Pyramide wuchs

Von der aus feinem weißen Kalkstein bestehenden Verkleidung, die das ganze zusammenhielt ist heute kaum mehr etwas vorhanden. Sie war in einem um die Pyramide ausgehobenen flachen Graben verankert. Als  ein Instabilitätsfaktor erwies sich wohl auch der offene Bauschacht unter der Mitte der Pyramide. Dies veranschaulicht auch die Schräglage der Pyramide: der Höhenunterschied zwischen dem Eingang und zwei der Ecken beträgt bis zu 13 cm.

Unter den Ecken der Pyramide wurden Gründungsbeigaben entdeckt, weitere lagen außerhalb davon. Interessanterweise wurden anscheinend beim Bau anders als bei seinem Vater Amenemhet I. keine Steine aus älteren Bauten wiederverwendet.

Mit 200 Ellen Seitenlänge (104,80m) ist die Basis der Pyramide größer als bei allen seit König Neferirkare; damit gehört sie in die Größenordnung der Djedefre und Menkaure Pyramiden. 

Schon seit der 2. Zwischenzeit wurde der Pyramidenbezirk als Privatfriedhof benutzt, heute ist von der Pyramide nur noch ein flacher Hügel von 23. m Höhe übrig, deren einstige Verkleidung an einer Stelle der Nordseite noch bis zu acht Lagen erhalten ist.

Bei  einem Winkel von wohl 49° 23' 55`` müsste sie die ideale Höhe von 61,25m / 60,78m, (ist 116 Ellen) erreicht haben. Ihr Volumen betrug damit 225.093 m3. 

Der Eingang zur Substruktur lag in der Mitte vor der Nordseite der Pyramide im Hofpflaster. Er ist heute völlig zerstört, aber von der darrüberstehenden sog. Nordkapelle wurden Relieffragmente gefunden. Die Kalksteinkapelle stand mit ihrer Rückseite in eine Nische der Außenverkleidung auf einem eigenen Podium, also nicht auf dem Pflaster des Pyramidenhofes. Sie maß 10 x 8 x 9 Ellen (also 5,24 x 4,192 x 4,716m). Das Wasser vom Dach lief über Wasserspeier in Form liegender Löwen ab. Den größten Teil der Rückwand nahm eine Scheintür aus Alabaster ein, von der nur noch Fragmente gefunden wurden. Götter zierten kurze Wandplatten zu beiden Seiten, davor stand eine Opferplatte aus Granit.

Die Eingangswand der Kapelle zeigt in farbigen Flachreliefs Tierschlachtungen und Opfergabenstapel, die Seiten tragen Szenen, auf denen der König mit seinem Ka an einem von Priestern und Opferträgern gesäumten Gabentisch sitzt. Sie ist die am besten rekonstruierbare Nordkampelle von allen bisher festgestellten. Sie greift in Form und Dekoration auf die Alten Reich Vorbilder zurück.

Obwohl die Grabkammer (Grabräume?) wie auch die von Amenemhet I. heute unter Wasser stehen und nie von Archäologen betreten wurden, konnte Arnold dank genauer Beobachtungen und Analysen einiges feststellen.
Als erstes war eine vorläufige Rampe oder Treppe nördlich der Nordfassade gebaut worden - der Zugangseinschnitt. Unter der Pyramide wurde sie dann vermutlich zum Bautunnel (gesehen hat ihn bisher jedoch niemand). Weiter oben befand sich die später gebaute abfallende Eingangspassage, die so eng war, dass sie höchstens den Leichnam des Königs und Grabbeigaben durchließ.

Der eigentliche Zugangskorridor, der unter der Nordkapelle begann, liegt nicht genau in der Pyramidenachse, sondern knickt, ähnlich wie in einigen Pyramiden aus der 5. Dynastie, nach Südosten ab.  Zu Beginn weist der Korridor auf 15m nur einen Querschnitt von 1m2 auf. Auf 11m war dieser Korridor mit feinem Kalkstein verkleidet, jenseits dieser Stelle bestand die Gangverkleidung aus Granit, wobei er sich ab Meter 15 verbreiterte.
Anhand der Neigung des Eingangskorridors und des Grundwasseranstiegs hat Arnold errechnet, dass die Grabkammer 22 bis 25m unter der Oberfläche (wahrscheinlich unter dem Scheitelpunkt) der Pyramide liegen muss.

Amenemhet I. und Sesostris I. wollten beide ihre Grabkammer so tief legen, dass sie selbst zur Bauzeit nur knapp über dem Grundwasserspiegel lagen. Auch König Amenemhet II., Sesostris II. und III. gelangten mit den abfallenden Schächten und Gängen fast bis zum Grundwasser. Dies und manches andere zeigt den Wunsch, mit dem Reich des Osiris in Verbindung zu treten

Dieter Arnold glaubt, dass schon bald nach der Versiegelung der Pyramide ein großer Trupp professioneller Grabräuber in die Pyramide eindrang, wobei sie die Eingangskapelle demolierten und nach mehreren Fehlversuchen an der Granitsperre und Passagenverkleidung vorbei einen Tunnel gruben. Masperos Leute folgten diesem Räubertunnel bis zu der Stelle, wo er den zweiten Sperrblock umgeht. Hier fanden sie von den Grabräubern zurückgelassene Überreste von Beutegut aus dem Königsgrab: Stücke von Holzkästen und Alabasterbehälter, eine goldene Dolchscheide und Teile von vier Kanopengefäße aus Alabaster.

Über die Grabkammer ist nichts bekannt. Liegt sie tatsächlich unter der Senkrechtachse, dann ist sie nur frustrierende 7 Meter von dem Punkt entfernt, wo die Archäologen aufgeben mussten. Es wurde teils mit erheblichen Aufwand versucht, das Grundwasser zu überwinden, letztendlich leider vergeblich. Somit waren offenbar die antiken Grabräuber die letzten "Besucher" der Grabkammer.

Pyramidenkomplex

Die Pyramide war von einer inneren Umfassungsmauer umgeben (160 x 140m), die im engsten Sinne des Wortes das Areal des eigentlichen Königsgrabes und des Totentempels begrenzte. Sie schloss auch die Westhälfte des Totentempels und die kleine Kultpyramide ein. Etwas weiter entfernt verlief die äußere Umfassungsmauer (260 x 230m), die zusätzlich die Gräber der Angehörigen der königlichen Familie umgab.

Pyramide des Sesostris I. in el-Lischt

Dieses Bild von Mr. Jon Bodsworth ist in der Wikimedia Commons unter einer "Copyrighted free-Lizenz" vorhanden.  - Public domain - and thanks to Mr. Bodsworth

Von der inneren, aus Kalksteinblöcken errichten Umfassungsmauer, haben sich glücklicherweise Teile erhalten. Sesostris I. hat mit ihrer nischengegliederten Form eine alte Tradition wiederbelebt (siehe Djoserbezirk), in der ihm dann Sesostris II. und III. folgen.

Umfassungsmauer aus Kalksteinblöcke

Die Mauer maß 5m (5,60m?) in der Höhe und 2m in der Breite. An ihrer Außen- und Innenseite befanden sich in regelmäßigen Intervallen von fünf Metern (4,25m?) schmale Wandtafeln, die mit Bildern in Flachrelief verziert waren, insgesamt sind es 150 an der Zahl. Auf deren unteren Teil brachten Fruchtbarkeitsgötter Gaben Richtung Tempeleingang, darüber erschien der Serech mit dem Namen des Herrschers, der Horusfalke darauf war halbplastisch gearbeitet.

Wanddekoration aus der Umfassungsmauer der Pyramide Sesostris I.
( nach Arnold)

Stets findet sich hier der Horusname des Herrschers "Anchmesut", wechselweise dann entweder sein Thronname "Cheperkare" oder der Geburtsname "Sesostris".

Wie bei der Pyramide Amenemhet I. umgab auch hier eine zweite Mauer aus Lehmziegeln errichtete in größerer Entfernung die Pyramide. Innerhalb dieser Mauer lag der vordere Teil des Totentempels und neun kleinere Pyramiden für die weiblichen Mitglieder der königlichen Familie.

Aus den Daten der Steinbewegung, die aus den über Hunderten von alten Kontrollmarken und kurzen hieratischen Inschriften, die von den verantwortlichen Aufsehern und "Polieren" noch kurz vor der Verlegung in roter Farbe angebracht worden, kann man schließen, dass man zur Errichtung der Bauten im Pyramidenbezirk etwa 14 Jahre benötigte, denn das früheste Datum stammt aus dem 10., das späteste aus dem 24. Regierungsjahr des Königs. Allerdings muss man bedenken, dass diese Inschriften nicht den Zeitpunkt des Versetzens der Blöcke angab, sondern den des Transportes vom Steinbruch in die Steinlager der Pyramidenbaustelle. Dort mögen sie bis zu zwei Jahre gelagert worden sein, bis sie endlich verbaut wurden.

Eine Bauzeit von rund 15 Jahren für einen Pyramidenbezirk, so wie den von Sesostris I. scheint auch, vergleicht man die Frist mit überlieferten Bauzeiten anderer Pyramidenbezirke, so des Sahure oder Amenemhet III., durchaus üblich gewesen zu sein.

Die Grabungen des MMA unter Dieter Arnold erbrachte darüber hinaus interessante Hinweise auf die Anlage einer solchen Baustelle. Es wurden nämlich an zahlreichen Stellen im Umkreis der Pyramide Überreste von Transportstraßen und Baurampen festgestellt. Die ebenerdig verlaufenden Straßen bestanden aus rund 5m (oder 10 Ellen) breiten Schüttungen aus verhärtetem Kalksteinsplitt.

Statuen aus dem Pyramidenbezirk:

Am 21. 12. 1884 fand J. E. Gautier die zehn berühmten Kalksteinsitzstatuen Sesostris I., die sich heute im Nationalmuseum Kairo CG 411 - 420 befinden. Sie waren sorgsam im äußeren Pyramidenhof in der Ecke zwischen der inneren Umfassungsmauer und der Südumfassung der beiden Königinnenpyramide Nr. 8 und 9 in einem rechteckigen Grube (Entwässerungsschacht ?) unter dem Hofpflaster entsorgt worden.

Die überlebensgroßen Statuen sind vollständig erhalten. Sie zeigen den König auf großen blockähnlichen Thronen sitzend. Ihre ursprüngliche Bemalung sollte Rosengranit imitieren. Einige von ihnen sind offensichtlich unvollendet geblieben. Vielleicht standen sie einst im Pfeilerhof des Totentempels, weisen aber lt. Arnold keine Verwitterungsspuren auf; auch fanden sich im Pfeilerhof keine Sockelspuren. Dieter Arnold ist der Ansicht, sie könnten möglicherweise als Dekoration des Aufweges bestimmt gewesen sein, dann aber nach einer Planänderung durch Osirisstatuen ersetzt und in dem Versteck unter dem Hofpflaster pietätvoll "bestattet" wurden.

JE 31139 = CG  414
Material Kalkstein (unbemalt ?), Höhe: 3,00 m.
Der starre, leidenschaftslose Gesichtsausdruck des Königs und sein gefroren erscheinendes Lächeln stellen den Zusammenhang mit der Bildhauerkunst am Ende des Alten Reiches her. Es fehlen individuelle Merkmale, und eben das macht die Statuen zu Denkmälern der  damaligen offiziellen Auffassung vom Königtum.

Statuette Sesostris I. aus Zedernholz
- JE 44951 Kairo - 
Eine von zwei Statue Sesostris I. vermutlich aus seinem Totentempel, die ihn als König von Oberägypten mit der hohen weißen Krone darstellt.

Zwei hölzerne Statuen, die bei den Grabungen des MMA 1915 gefunden wurden. Gefunden wurden sie in einer kleinen verborgenen Ziegelkammer, die man in der Ostseite der Umfassungsmauer des Grabbezirk des Imhoteps, Siegelbewahrer und Leiter aller Arbeiten des Königs gefunden wurden. Die Grabkammer war mit rotem Putz ausgekleidet, ihr Dach bestand aus Brettern.

Vor den Figuren stand ein "Anubis-Fetisch" in Leinen eingehüllt und ein Modellboot. Es gibt keine plausible Erklärung, warum sich diese evtl. zur Grabausstattung des Königs gehörenden Statuen hier befanden und nicht im Grabbezirk des Königs.

Bisher geht man ganz Allgemein davon aus, dass es sich bei diesen Figuren um Abbilder König Sesostris I. handelt. Doch weisen sie keine Merkmale auf, die das eindeutig bestätigen würden. Jüngste Stilanalysen lassen aber auch die Vermutung zu, dass es sich bei beiden Statuen um Darstellungen Amenemhets II. handeln könnte.

               Lebensgroße Statue des Königs

Eine der zehn lebensgroßen Statuen des Königs, die das Institut Francais d'Archeologie Orientale bei den Ausgrabungen im Jahre 12894 im Hof vor dem Totentempel fand.
Heute Kairo: JE 31139 bis CG 41
















Bild: 
W.M. Petrie (1953-1942) - in Petrie (ed.) Ancient Egypt, 1915 MacMillian and Co & Brit. School of Archaeology in Egypt, University College, London. 
-
public domain 
Bild:
Ludwig Borchardt (1863-1938 - Catalogue General des Antiquites Egyptiennes du Musee du Caire -Statuen und Statuetten des Königs u. Privatleuten, Teil 2
- public domain -

 

Totentempel: xnw-isw.t - S - n - Wsr.t

"Vereinigt sind die Sitze des Sesostris"
oder: 
"Vereinigt sind die (Kult-) Stätten des Sesostris."

Sesostris I. scheint der letzte König gewesen zu sein, der einen vollständigen Pyramidentempel der 6. Dynastie (Taltempel, ein geschlossener, dekorierter Aufweg, Vestibül, Verehrungstempel, Totenopfertempel und Kultpyramide in der Südostecke), mit genauem "antiken" Bildprogramm nachbauen ließ. Von den mit farbigen Reliefs überzogenen Innenwänden sind heute einige im Museum von Kairo ausgestellt. 

Der Totentempel an der Ostseite der Pyramide gelegen ist in der Anlage und Ausführung ein fast identisches Abbild des Totentempels von Unas, Teti, Pepi und Pepi II., hatte jedoch im Vergleich zu den Anlagen des Alten Reiches wesentlich weniger Magazine. Auffallend ist, dass im Pyramidenbezirk auf die Verwendung von Alabaster, Basalt und Diorit nichts, auf die von Granit im Totentempel nur wenig hindeutet.

Der Totentempel trug den Namen: "Vereint sind die (Kult- )Stätten (des Sesostris)". Bereits bei der ersten Grabung im Jahre 1894 n. Chr. war der Totentempel stark zerstört. In den Folgejahren litt er noch mehr, so dass heute nur ein paar Steinblöcke stehen blieben. Zum Glück haben sich jedoch ziemlich große Pflasterreste erhalten, die eine Rekonstruktion des Grundrisses ermöglichen. Schwierig gestaltete sich die Rekonstruktion des Dekors, obwohl es gelungen ist, um die sechshundert Relieffragmente sicherzustellen. Es handelt sich dabei um Reliefs, die zu den schönsten Kunstwerken des Mittleren Reiches zählen. Unter den Darstellungen begegnen uns auch Angehörige der Fremdvölker, so ein Bewohner von Punt.

Der Vordertempel lag im Außenhof des Pyramidenbezirkes, der intime Teil des Tempels im Innenhof. Diese Abtrennung ist bemerkenswert, sie wurde vor allem dadurch erreicht, dass die Temenos-Mauer inmitten durch den Tempel hindurchläuft und ihn teilt.

Die lange, gewölbte Eingangshalle ( pr - wrw ) bildete den Übergang zwischen der Oberen Auswegsmündung und dem oberen Pfeilerhof. Zusammen mit dem Hof und den langgestreckten Magazinkammern an seinen Seiten bildete sie die Osthälfte des Tempels. Insgesamt vierundzwanzig quadratische Kalksteinmonolithen stützten als Pfeiler die Decke des Wandelgangs. 

In der Nordwestecke des kalksteingepflasterten Hofes entdeckte J. E. Gauthier 1894 einen Altar in Form eines Quaders aus grauem Granit, der mit Inschriften und Reliefs verziert war. Man sieht Gabenträger, die die Gaue Ägyptens symbolisieren in Abwechslung weiblicher Figuren und der von Nilgöttern. Sie tragen statt wirklicher Opfergaben die Hieroglyphen für "Leben, Gesundheit und Lob". Heute befindet sich dieser Altar im Museum von Kairo CG 273001. Der Hof wies ein Entwässerungssystem auf, durch das besonders Regenwasser abgeleitet wurde.

Ein Querkorridor trennte den östlichen vom westlichen, intimen Teil des Tempels, ermöglichte jedoch gleichzeitig auch die Kommunikation in nordsüdlicher Richtung mit dem offenen Hof um die Pyramide und der kleinen Kultpyramide. Der Totenopfertempel war auf einer niedrigen Terrasse erbaut, eine kurze Treppe in der Mitte der Westwand des Querkorridors führte in eine Fünfnischenkapelle. Sie war zwar, ähnlich wie die anderen Teile des Tempels, völlig zerstört, doch ist es dem amerikanischen Team gelungen, hier im Schotter die Fragmente eines Sockels sowie die Fußsohlen einer stehenden Königsstatue aus Kalkstein zu finden. Aus der Inschrift aus dem Sockel geht hervor, dass es sich um eine Statue Sesostris I. handelte. Die Überreste der sohlen lassen es zu, ihre ursprüngliche Höhe ohne Krone auf etwas 2,70 Meter zu schätzen.

Trotz ihrer fast vollständigen Zerstörung stellte die "antichambre carree" zwischen der Fünfnischenkapelle und der Opferhalle einen weiteren wichtigen Fund dar: In ihrem Pflaster hat sich der Fundamentblock aus Rosengranit und darauf der Abdruck einer Säule erhalten., die einst die Decke stützte. Er deutet auf eine zwölfstengelige Papyrussäule hin, was überraschen muss, denn in den ältesten Totentempeln wurde in der Regel oktogonale oder zylindrische Formen bevorzugt.

Die Opferhalle mit ihrer gewölbten, sterndekorierten Decke wies an der Westwand die an der Pyramide anlag, eine Scheintür auf, vor der ein Granitaltar stand. Arnold schließt nicht aus, dass hier auch eine überlebensgroße Königsstatue gestanden hat, von der man Fragmente östlich des Tempels gefunden hat. Im Dekor der Halle überwogen, wie es die Regel war, Opferszenen. Hier fand auch das amerikanische Team von Plünderern  als Brennholz benutzte Überreste der Ausstattung des Raumes, so unter anderen Fragmente von privaten Votivstatuetten aus Holz, und den brettartig flach geschnittenen, hölzernen und einst mit Goldfolie überzogenen Pantherkopf vom Gewand eines Totenpriesters. Er ist der einzig uns erhaltene Rest eines solchen Gewandes aus dem Mittleren Reich, der tatsächlich benutzt worden war. Zwei ähnliche Köpfe aus dem Grab Tutanchamuns stammen wohl eher aus der Schatzkammer des Königs.

Den Platz nördlich und südlich der Opferhalle und der Fünfnischenkapelle füllten Magazinkammern aus. Die Seitenwände des Tempels waren leicht geböscht und oben mit einer Hohlkehle versehen. Auf ihnen ruhte, an ihrer höchsten Stelle acht Meter über Erdboden, eine Dachterrasse. Obwohl die Steinräuber praktisch alles anstehende Mauerwerk aus wertvollen Kalkstein entfernt hatten, gelang es dennoch den genauen Plan des Gebäudes zu rekonstruieren.

Kultpyramide:

Die kleine Kultpyramide - die letzte ihrer Art - stand an der Ostecke der Hauptpyramide in einer eigenen Umfassungsmauer. Im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen besaß sie zwei  Kapellen, am östlichen Fuß eine Opferkapelle und am nördlichen eine sog. Nordkapelle. In einer ihrer unterirdischen Kammer könnte nach Ansicht Arnolds die Statue des königlichen KA bestattet worden sein, in der anderen der Kanopenkasten. 

Mit ihren zwei unterirdischen Kammern und Hinweisen auf zwei oder drei Bauphasen ist sie komplexer als die meisten. In der ersten Phase maß sie 15,72m (30 Ellen) im Quadrat und war bei einem Winkel von 63° 26' 06 '' ebenso hoch. Das entspricht den im  Alten Reich seit Sahure üblichen Maßen. In diesem Baustadion besaß sie noch keine Umfassungsmauer. Der Abstand zur Königspyramide betrug genau 20 Ellen (10,50m).

In einer späteren Phase entstand durch den Bau einer Mauer im Norden und Westen ein Hof von 53 x 48 Ellen  (27,77 x 25,15m) Diese Mauern wurden an die bereits bestehende aber noch nicht dekorierte königliche Umfassungsmauer angesetzt. Der Eingang in den Hof lag am Ostende der nördlichen Umfassungsmauer.

Die Kultpyramide an der Südostecke der Hauptpyramide

- ursprüngliche Höhe 15,85 m (30 Ellen) - Neigunswinkel 63,435° -

Bild:      LishtSes1SouthTombs.jpg
Autor:   Roland Unger
Lizenz:  CC-BY SA 3.0

Etwa zur gleichen Zeit wurden gravierende architektonische Eingriffe an diesem Monument vorgenommen. Das Bodenniveau des kleinen Pyramidenbezirks wurde um zwei Steinlagen (um ca. 0,35m) erhöht und die Pyramide vergrößert. Diese Vergrößerungen fanden allerdings nur an der Nord- und Westseite statt, wo man an die bereits bestehende Verkleidung eine Erweiterung um 5 Ellen (2,60m) vornahm, so dass das Bauwerk bei Beibehaltung des ursprünglichen Winkels eine Basis und Höhe von 18,38m erreichte. 
Da man an ihr mindestens zwei, wenn nicht gar drei Bauphasen feststellen kann, zeigt dies die Bedeutung, die man ihr im architektonischen Gefüge des Königsbezirks beimaß.

Die unterirdische Anlage der Kultpyramide weicht von den Vorbildern des Alten Reiche völlig ab und steht in der Bautradition des Mittleren Reiches. Verschwunden ist der schräge Eingangskorridor im Norden, sowie der  charakteristische T-förmige Grundriss. Ins Innere der Pyramide führt ein senkrechter Schacht  (Tiefe 17,85m), dessen Öffnung sich nahe der Süd-Ost-Ecke unter dem Pyramidenmassiv befand, von ihm erreichte man zwei horizontale Gänge, wovon der eine nach Süden, der andere nach Norden führte und jeweils in einer kalksteinverkleideten Kammer endeten (die nördliche ist etwas größer als die südliche). Die Südliche Kammer besaß am Südende eine nischenartige Erweiterung, deren Funktion (Kanopenaufstellung?) nicht bekannt ist. Ungewöhnlich ist die Lage der südlichen Kammer. Diese liegt nicht mehr unter dem Pyramidenmassiv, sondern unter der südlichen Umfassungsmauer des Königsbezirks.

Aus einem bestimmten Zeitpunkt - vermutlich als die Arbeiten am Oberbau soweit gediehen waren, dass die Schachtöffnung überbaut werden musste - wurde der Schacht in ca. 10m Tiefe mit zwei großen Blöcken verschlossen, um den oberen Schachtteil auffüllen zu können. Ob die Kammern zu diesem Zeitpunkt mit Beigaben ausgestattet waren, ist aus dem dokumentierten archäologischen Befund nicht mehr herauszulesen. Zu einem späteren Zeitpunkt nämlich wurde von der Nordseite etwas östlich der Pyramidenmitte ein weiterer Schacht in die Tiefe getrieben und anschließend über einen leicht abfallenden Korridor nach Süden geführt. Die eigentümliche Form dieses sekundären Schachtsystems deutet darauf hin, dass die Architekten einerseits vermeiden wollten, direkt in die bereits bestehende nördliche Kalksteinkammer zu brechen, andererseits aber offenbar nicht mehr sicher waren, wo sich diese Kammer befand. Schließlich gelang den Arbeitern der Durchbruch in den Verbindungsgang vor der nördlichen Kammer. Aufgrund der sorgfältigen Ausschachtung und umsichtigen Korridorführung ist es auszuschließen, dass diese sekundären Systeme von Grabräubern angelegt wurden. 

Letztere drangen später über einen zusätzlichen Korridor von Norden in die unterirdische Anlage ein. Leider läßt der Befund nicht erkennen, ob zum Zeitpunkt der Beraubung die Kammern bereits leer waren, also nie benutzt wurden oder ob die Kammerinhalte vollständig von  den Grabräubern entert wurden. Die Ausgräber fanden außer ein paar Holzstücke absolut nichts in ihnen.

Aufweg und Taltempel: 

Der Taltempel konnte bisher nicht genau lokalisiert werden, liegt aber wahrscheinlich unter mächtigen Sandverwehungen und einem Friedhof aus der Römerzeit an der Grenze zwischen Wüste zum Fruchtland.

Beim Aufweg ließ sich Sesostris I. eher durch den Grabkomplex Mentuhotep II. mit seinen doppelten Begleitmauern inspirieren, als durch die nahe gelegenen Pyramidenkomplexen der memphitischen Nekropole.

Der Aufweg führte von Osten hinauf zu einem Monumenttor in der äußeren Pyramidenumfassungs-Mauer und dem dahinter liegenden Vestibül des Totentempels. Anfänglich war der von Kalksteinmauern flankierte Aufweg (die mittlere Aufwegstraße) offen. Ein hier gefundenes Steinbruchgraffiti zeigt, dass er erst in Sesostris 22. Jahr gebaut wurde. Dann jedoch wurde der Aufweg umgebaut. Dies muss in relativ später Zeit erfolgt sein, indem er ein Dach erhielt und beidseitige Statuennischen eingefügt wurden.

Dazu musste der Durchgang mit Kalksteinblöcken auf etwa 2,44m verengt werden, da der ursprüngliche Abstand für Dachsparen zu breit war. An den Innenwänden wurden nun in der Zusetzung im Abstand von 10,70m (5m?) spiegelbildlich einander gegenüber liegend Nischen eingebaut, in denen fast lebensgroße Statuen des Königs in Gestalt des Gottes Osiris standen, (in weißem Gewand die Arme vor der Brust verschränkt, am Kinn der Zeremonialbart) weshalb man sie bisher als "Osiriden" bezeichnete. Sie dürften aber eher als eine Art Abstraktion des Königstums an sich gemeint sein.
Sechs von ihnen befinden sich heute im Museum von Kairo, zwei im Metropolitan Museum New York.

Auf der Nordseite trugen die Statuen die Rote Krone Unterägyptens, auf der Südseite die Weiße Krone Oberägyptens. Von diesen Statuen wurden noch acht vollständige vorgefunden sowie ein paar Statuensockel. Ähnliche Statuen, von denen sich sechs in der Nähe der Pyramide fanden, standen wohl auch ursprünglich an den Wänden der Eingangshalle des Totentempels.

Ob die Wände des Aufgangs reliefgeschmückt waren, ist nicht ganz sicher, aber ein gefundener Postamentblock war schwarz und rot getüpfelt, um Granit zu imitieren. An der Südseite im oberen Aufwegabschnitt führte eine Tür zum einem kleinen Lehmziegelbau für Priester oder Diener. Parallel zu beiden Seiten der Steinmauern des Aufwegs verlaufende Ziegelmauern schufen zwei Nebenspuren - ein Merkmal aller bekannte Aufwege des Mittleren Reiches. Am oberen Ende des Aufweges verbreiteten sich die Nebenspuren zu kleinen Hören mit einem To4 zum Außenhof der Pyramide.

Bei Arnolds Grabungen im nördlichen Hof stellte sich heraus, dass in ihm zunächst dort der harte Diorit geschnitten, dann Gips zubereitet wurde. In der Endphase der Bauarbeiten am Pyramidenkomplex wurde hier in der Ecke des Hofes ein kleines Bad mit Keramikabfluss installiert. Hier konnten sich die Priester vor Betreten des Außenhofes für den Kultdienst der Königinnenpyramiden rituell waschen.

Im lehmziegelummauerten Außenhof wurden interessante Entdeckungen gemacht. Hier fanden sich Priesterhäuser, Kornspeicher, niedrige Ziegelmauern, Schleifpisten und Rutschbahnen aus der Bauzeit, zahlreiche flache Gruben für die rituelle Bestattung von Geschirrmodellen, Ochsenknochen und Perlen und (im Westteil) eine Schiffsgrube aus Lehmziegel.

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