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Literatur und Quellen

Pharaonendynastien

 

Antike Quellen:

 

Herodot v. Halikarnassos:

Der Ionier Herodot von Halikarnassos bereiste Ägypten um 450 v. Chr. zur Zeit der 1. Perserherrschaft. In seinem II. Buch der "Historien", schilderte er das Land, seine Bewohner und seine Geschichte. Seine Quellen waren hauptsächlich die in Ägypten ansässigen Griechen, weshalb er über die damals noch nicht allzu lange zurückliegende Zeit der saitischer 
26. Dynastie (664-525) - auch in chronologischer Hinsicht - verhältnismäßig gut unterrichtet war. Er hat offensichtlich für die vorherigen ägyptischen Epochen verschiedene Quellen benutzt. Er behauptete in seinen Historien, dass die Priester des Hephaistos (Ptah) zu Memphis ihm aus einem Buch (einer Papyrusrolle) die Namen von 330 "anderen" Königen (außer denen der 26. Dynastie) genannt haben, was sehr unwahrscheinlich erscheint. Man wird ihm sicher deren Gesamtzahl genannt haben, welche wahrscheinlich einer im Tempelbesitz befindlichen Königsliste entnommen war. Er nennt als ersten  dieser "anderen" Könige einen Mann mit Namen "Min" (Menes), ferner sollen sich darunter 18 Äthiopien befunden haben, sowie eine Königin Nitókris, über die er dann sogleich eine Geschichte machte. Hierauf lässt Herodot eine Reihe von Herrschern folgen, deren Namen er sich gemerkt hatte, weil die Geschichten von ihnen ihm interessant erschienen.

Für die späteren griechischen Autoren ist Herodots Darstellung der ägyptischen Geschichte maßgebend geblieben, während sie das authentischere und zuverlässigere Werk Manethos ignoriert haben. Als Beispiel ist hier nur Diodor von Sizilien zu nennen, der in seinem im 1. Jh. nach Christus entstandenen Universalgeschichte die Reihe der Könige zwar um einige sehr phantasievolle Namen erweiterte, sich aber in seiner Reihenfolge an Herodot hielt.

Manetho:

Die Eckdaten, welche das Grundgerüst der ägyptischen Chronologie bilden, stammen aus Schriften, die zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert n. Ch. geschrieben wurden und den ägyptischen Priester Manetho (griech. Manethòs /altägyptisch Manethoth = Wahrheit des Thot)  zitieren. Dieser war ein Priester aus Sebennytos in Unterägypten und diente im Tempel von Heliopolis. Er lebte wahrscheinlich unter den Königen Ptolemaios I., Ptolemaios II. und Ptolemaios III. 
Das einzige zeitgenössische Dokument von Manetho, in dem er als noch tätiger Priester erwähnt wird, ist wahrscheinlich der Papyrus Hibeh 1.72 (auch pHibh 1.72) und stammt aus dem 6. Regierungsjahr (241 v. Chr.) von Ptolemaios III. Seine Lebensdaten lassen sich dadurch bestimmen, dass er schon von Ptolemaios I. (gest. 283/82) zu Rat gezogen wurde und noch 241/40 in einer Urkunde als lebend erwähnt ist. (Quelle: siehe Jürgen v. Beckerath Chronologie) Als Priester waren ihm die Archive der Tempel zugänglich und da er griechisch gebildet war, konnte er so zum Vermittler zwischen der ägyptischen und griechischen Kultur werden.

Manethos Geschichtswerk in griechischer Sprache - „Aegyptiaca“ (griech. Aigyptiaka) - reicht von der "Zeit der Götter" bis zur zweiten Eroberung Ägyptens durch den Perserkönig Artaxerxes III. (342 v. Chr.) Als sicher kann angenommen werden, dass er die in seinem Tempel aufbewahrten Königslisten, evtl. auch Annalen verwenden konnte. Es kann im angenommen werden, dass diese Listen im allgemeinen zuverlässig waren, wenn sie auch, besonders für die ältere Zeit, Abschreibfehler enthalten haben werden. Manethos Werk ist leider verloren gegangen und seine Wirkung in der Antike bleibt gering; wird es zum Beispiel von Diodor (antiker griechischer Geschichtsschreiber, der im 1. Jh. vor Chr. lebte und eine Universalgeschichte in 40 Büchern schrieb: lat. "Diodori Siculi Bibliotheca historica") mit keinem Wort erwähnt. Da sich aber die alexandrinischen Gelehrten mit Manetho beschäftigen mussten und sein Werk in unterschiedlichster Weise bearbeitet haben, kam eine Kurzfassung seines Geschichtswerks zustande, die sogenannte "Ephitomé", von der später mehrere Versionen existierten. Manetho gab nur Herkunftsbezeichnungen der Dynastien an, später fügte man seinem Werk eine 31. Dynastie hinzu, mit der seine Königsliste bis auf Alexander den Großen verlängert wurde.

Flavius Josephus:

Die Überlieferungsgeschichte dieses Geschichtswerkes ist recht kompliziert. Es entstanden immer neue Abschriften, die ihrerseits auch verloren gingen, und mit der Zeit unterschiedliche Versionen durch Abschreibfehler und willkürliche Änderungen. Der römisch-jüdische Historiker Flavius Josephus (37/38 in Jerusalem geboren und nach 100 n. Chr. vermutlich in Rom) benutzte z. B. verschiedene Handschriften des manethonischen Textes, von dem er allerdings nur die Zeit der Hyksos (15. Dynastie) und des Neuen Reiches (18. Dynastie und Anfang der 19. Dynastie) behandelte, um einer Verleumdung der Israeliten durch Apion von Oasis ("Gegen Apion"), einem ägyptischen Lehrer und Schriftsteller, der in Alexandria lebte, entgegenzutreten. Josephus beschreibt zuerst nach einer ihm vorliegenden Manetho-Handschrift, wie es zur Hyksosherrschaft in Ägypten kam und zählt anschließend die sechs Könige der 15. Dynastie auf. An einer viel späteren Stelle kommt Josephus dann auf eine Osarséphos-Geschichte (welche eine Erinnerung an die Zeit der "Ketzerei" von Amarna und die Wiederherstellung der Ordnung durch die ersten Ramessiden bewahrte) zu sprechen, für die ihm offenbar eine judenfeindliche Übersetzung vorlag, weshalb er denn auch den bisher als Autorität betrachteten Manetho jetzt einen Lügner schilt. In der Überlieferung der Herrscherfolge des Neuen Reiches hat seine Behandlung dieser Erzählung aus Manethos Texten arge Verwirrung angerichtet. Es ist unmöglich, dass diese schon bei Manetho vorgelegen haben könnten, denn dessen Königsreihe weist ansonsten nur unbedeutende Abweichungen von den altägyptischen Listen auf. Aber sie ist von den späteren Chronographen übernommen worden. Hier liegt das Hauptproblem der Überlieferungsgeschichte vor, das immer noch Schwierigkeiten bereitet, denn man hat an dieser Stelle die Königsfolge Manethos um der Übereinstimmung mit der Darstellung Josephus willen absichtlich verändert.

Sexus J. Africanus:

Der erste Chronist, der auch Manetho verwendet, war Sexus Julius Africanus (( um 160/170; † nach 240) welcher zur Zeit des Kaisers Alexander Severus (222-235) schrieb, über dessen Lebenslauf es kaum gesicherte Erkenntnisse gibt. Der Christ Africanus suchte in seinen "Chronologien" ((griechisch: Χpοvοyραφίαι), den Ablauf der Geschichte mit der christlichen Heilslehre in Übereinstimmung zu bringen. (Ihm zufolge wurde Jesus im Jahr 5000 seit der Erschaffung der Welt geboren) 
Er entnahm seine Reihe der ägyptischen Könige einer späten, wohl bereits stark überarbeiteten Manetho-Handschrift, die auch schon die Änderungen des Josephus berücksichtigten.

Eusebius v. Caesarea:

Auch der Bischof Eusebius von Caesarea (geb. 260/64 in Palästina, † 339/40), der als Vater der Kirchengeschichte bezeichnet wird, schrieb eine Weltchronik, die er "Chronikoi kanones" nannte, welche bis zur diokletianischen Christenverfolgung (303 n. Chr.) reichte. Als Quelle für Ägypten benutzte er eine von Africanus unabhängige, jedoch erst nach Josephus entstandene Version von Manetho, die weit korrumpierter gewesen zu sein scheint als die von Africanus benutzte. Wir kennen den Text nur aus einer lateinischen Übersetzung durch Hieronymus (345-419 n. Chr.) und durch eine armenische Version aus dem 5. Jahrhundert. Auch von der Chronik des Eusebius, von der er selbst anscheinend noch eine zweite, verbesserte Version herstellte, gibt es mehrere Überlieferungen. Eine bessere Überlieferung des eusebianischen Textes wurde in einem armenischen Manuskript des 5e. Jh. in Edschmiadsin (dt. Übersetzung v. J. Karst, Eusebius Werke, V: Die Chronik, 1911, 63-69) gefunden. Außerdem wird neben dieser auch oft eine spätere armenische Handschrift ("Hierosolymitana") verwendet.

Georgios Synkellos:

Eusebius Fragmente finden sich auch bei dem byzantinischen Mönch Georgios Synkellos ("Georg der Mönch"), der im 9. Jahrhundert n. Chr. eine uns erhaltene Weltchronik ("Ekloge chronographias") verfasst hat. 

 In ihr finden sich außerdem die einzig erhaltenen Passagen des Africanus-Textes. 

Aufgrund der vielfach verschriebenen, veränderten und verstümmelten Fragmente, welche uns von dem ursprünglichen Text Manethos übriggeblieben sind, können diese nur mit Vorsicht für die Datierung der ägyptischen Geschichte benutzt werden. Jedoch ist das Geschichtswerk Manethos zur Ergänzung der Angaben der ägyptischen Königslisten heranzuziehen. Dies gilt besonders für die sogenannte Spätzeit, für die wir keine altägyptischen Listen besitzen, während Manetho hier einigermaßen zuverlässig zu sein scheint.

Königs-Listen (Ahnentafeln)

Antike Quellen der Annalen der Könige Ägyptens gibt es nur wenige. Neben den Abschriften der von Manetho um 286 v. Chr. erstellten Chronologie durch seine Ausschreiber ist der sogenannte Palermostein eines der bedeutendstein Zeugnisse der ägyptischen Annalen. Hauptsächlich gehören zu den festgehaltenen Ereignissen auf dem Annalenstein religiöse Feste, Stiftungen, Feldzüge und die Einrichtung von Wirtschaftsgütern sowie die Erbauung von Göttertempeln und Profanbauten.

Es handelt sich bei diesem um die Fragmente einer schwarzen Basaltstele aus der 5. Dynastie, (ca.  2479-2322 v. Chr.), von der sich leider nur einige Fragmente erhalten haben. Die beiden größten Fragmentstücke befinden sich heute im Ägyptischen Museum Kairo (Kairostein K 1) und im Museum zu Palermo (P) das dem Denkmal seinen Namen gab. Weitere Fragmente konnten vom Ägyptischen Museum Kairo im Jahre 1910 erworben werden. 

 

        University College, Petrie-Museum 

          Fragment L des Palermosteins

 

 Auch im Petrie Museum in London befindet sich ein Bruchstück des sogenannten Palermosteins. 

 

 

 

(Bild: Thanks to Jon Bodsworth

Wahrscheinlich stammen alle diese Bruchstücke aus Memphis, der alten Metropole des antiken Ägyptens südwestlich von Kairo, in dessen Ruinen man später noch zwei kleinere Bruchstücke gefunden hat. (Fragment L im University College, Petrie-Museum und Fragment C jetzt in Kairo). Es besteht die Möglichkeit, dass es sich bei dem sogenannten Palermostein um eine Abschrift eines älteren Dokumentes unter der 25. Dynastie handelt. (siehe das "Denkmal memphitischer Theologie")

Bruchstück des Annalensteins im Museum Palermo

 Das 6,5 cm dicke Bruchstück einer schwarzen Dioritplatte, welches seit 1866 bekannt ist und sich heute im Museum Palermo befindet, ist im vorigen Jahrhundert auf unbekanntem Weg dorthin gelangt.

Der etwa 48 cm hohe und 25 cm breite Stein ist auf allen Seiten unregelmäßig abgebrochen. 

 

(Bild: aus H. Schäfer: Ein Bruchstück altägyptischer Annalen, Abb. de. Kgl. Preuß. Akademie der Wissenschaft, , Phil.-historische Klasse 1902, Taf. 1)

Die Position der beiden großen Bruchstücke aus Palermo (P) und Kairo (K 1) zueinander konnte von den Wissenschaftlern aufgrund der erhaltenen Texte mit ziemlicher Sicherheit bestimmt werden, ebenso die der kleineren Fragmente Kairo 3, London (L) und de Cenival (C). Unabhängig von ihrer ehemaligen Positionierung im Annalenstein wurden die mit dem sog. "Kairostein" insgesamt 5 Kairo-Fragmente auch nach dem heutigen Aufbewahrungsort in der Sammlung des Ägyptischen Museums von Kairo benannt, obwohl sich nur die Kairo-Fragmente Nr. 2 und 3 in unmittelbarer Nähe zum Kairostein (Kairo-Fragment Nr. 1) im Annalenstein befanden und die beiden anderen Kairo-Fragmente Nr. 4 und 5 viel eher in der Nähe des Palermosteins (P) befanden. Nach Helck befand sich das Bruchstück mit der Bezeichnung P 1 einst rechts vom Palermostein und wird heute im Petrie Museum of Egyptian Archaeology von London aufbewahrt.

Die Eintragungen auf der beidseitig beschrifteten Annalentafel sind in Register unterteilt. Die Königsfelder der ersten Zeile bestehen aus einem oberen Teil mit Wiedergabe des Königsnamens einiger vordynastischer Könige, von denen wir aber nicht wissen, ob es sich dabei um Herrscher der Negade-III.-Gruppe oder um Herrscher aus Westdeltastädten handelt. Auf dem unteren Teil befindet sich unter jedem Namenskästchen eine sitzende Königsfigur in schematischer Ausführung. 
Dadurch, dass Zeile 1 nur in zwei Bruchstücken erhalten ist (Palermo [P] und Kairo [K 1] ), die den linken bzw. dem rechten Bereich der Liste angehörten, sind die Namen und nähere Charakterisierungen des mittleren Drittels dieser Königsreihe nicht erhalten. Zeile 2 und 3 umfassen nach überwiegender Meinung der Wissenschaftler die Könige der I. Dynastie - während Zeile 4 und der Beginn von Zeile 5 die Könige der II. Dynastie umfasst. Im Rest der Zeile 5 müssen die Könige der III. Dynastie verzeichnet gewesen sein. Zeile 6 umfasst die Regierung König Snofrus. Ab hier nehmen die einzelnen Jahreskästchen bedeutend mehr Raum ein. Zeile 7 und Anfang der 8 muss die Regierung von König Cheops beinhaltet haben. Der Rest von 8, 9. und 10 zählte dann die weiteren Könige der IV. Dynastie auf. Die ersten beiden Linien auf der Rückseite verzeichneten dann die verbleibenden Könige der IV. Dynastie. Die 4 verbleibenden Zeilen auf der Rückseite beinhalten dann Könige der 5. Dynastie bis mindestens einschließlich König
Neferirkare.

Die Eintragungen sind in einer Reihe von horizontalen Registern angeordnet, die wiederum durch senkrechte Linien in Jahreskästchen geteilt sind, die in Anlehnung an das Hieroglyphenzeichen für Jahr (renpet) unterteilt sind. In der darüber befindlichen Leerzeile befand sich jeweils am Anfang der Regierungszeit des Königs dessen Name und der Name seiner Mutter vermerkt. Unter den Eintragungen des jeweiligen Jahres war die dazugehörige Höhe der Nilüberschwemmungen verzeichnet. Durch eine senkrechte Trennlinie wurde ein Regierungswechsel angezeigt. Dabei ist das Jahrfeld durch eine senkrechte Linie in zwei Hälften unterteilt. In diesen Hälften wurden die Monate des Jahres gezählt, welche der vorherige König in diesem Jahr noch lebte, während im zweiten Teil die Thronbesteigung des neuen Königs mit den verbleibenden Monaten des angebrochenen Jahres verzeichnet war. 

           Palermostein (P) - Ausschnitt

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Auf dem Annalenstein befinden sich die ältesten Aufzeichnungen der jeweiligen Nilschwemmenhöhe. Auf diesem Detailausschnitt des Palermo-Bruchstückes sind die Jahreseinträge für einen König aus der 2. Dynastie namens Ninetjer verzeichnet (V.r.n.1: Jahr 13-21). Der Palermostein nennt folgende Ereignisse: Jahreseinträge für Ninetjer aus den Jahren 7-21. Das meiste, was wir von diesem König wissen, wird auf dem Palermostein geschildert. Die Bruchkante des Steins verläuft genau diagonal durch das 7 u. 21. Fenster, daher fehlen die Reste des geschilderten Ereignisses. Jedoch kann davon ausgegangen werden, dass hier die übliche Viehzählung genannt wird.

Anzumerken ist hierbei, dass ein großer Teil dieser Ausführungen nur auf hypothetischen Vermutungen beruht, da 2/3 des Annalensteins verloren sind. Wäre uns die Annalenplatte vollständig erhalten geblieben, so könnte man von ihr mit großer Wahrscheinlichkeit die Länge aller Regierungen von der 1. bis in die Mitte der 5. Dynastie ablesen.

Turiner Königspapyrus:

Der Turiner Königspapyrus ist ein in der Regierungszeit von Ramses II. (ca. 1279-1213) datierter hieratischer Papyrus mit einer offiziellen Königsliste, welche ursprünglich ca. 300 Königs-Namen deren Regierungsjahre enthielt. Bei dem heute im Museo Egizio in Turin (dem zweitgrößten ägyptischen Museum nach dem ägyptischen Museum in Kairo) aufbewahrtem Dokument handelt es sich offensichtlich um eine Abschrift eines vollständigerem Originals, die allerdings nur bruchstückhaft erhalten ist. Der Papyri war ursprünglich etwa 1,80 m lang und 42 cm breit.

Durch einen Zufall sind diese Fragmente einer etwas nachlässigen Abschrift einer Königsliste erhalten, die ein Beamter oder Priester zur Zeit Ramses II. (13. Jahrh. v. Chr.) auf die Rückseite einer nicht mehr benötigten Abgabenliste schrieb. Die Papyrusrolle wurde in sicherlich nicht mehr unbeschädigtem Zustand um 1820 n. Chr. in der Nähe von Luxor zusammen mit anderen Schriftstücken gefunden und von dem französischen Konsul in Ägypten  Bernadino Drovetti nach Europa gebracht. Das königliche Museum zu Turin erwarb den hieratischen Papyrus 1824 für seine heute größte Sammlung ägyptischer Papyri. Beim Auspacken der Kiste, in welcher dieser nach Italien transportiert worden war, stellte sich heraus, dass er in kleinste Bruchstücke zerfallen war und man hielt eine Rekonstruktion für völlig aussichtslos. Jean-Francois Champollion, der Entzifferer der Hieroglyphenschrift, erkannte bei einem Besuch in Turin an dem in jeder Zeile wiederholten Titel "ni-sut-bit" (König von Ober- und Unterägypten) sogleich, dass es sich um die Reste eines "canon royal" einer Königsliste, handelt. Von den großen Fragmenten fertigte er eine Zeichnung an.

Bei einem Besuch des sächsischen Altertumsforschers Gustav Seyffahrt in dem Turiner Museum durchsuchte auch dieser die Kiste mit den Papyri-Fragmenten und es gelang ihm (noch ohne Kenntnis der hieratischen Schrift - eine handschriftliche Form der Hieroglyphenschrift) nur aufgrund der Papyrusfasern, der Schriftform und der Farbe, die Fragmente des "Königspapyrus" auszusondern, zu ordnen und ihre Zahl durch Zusammenfügen auf 164 größere und kleinere Stücke zu reduzieren. Seine Anordnung lag den ersten Veröffentlichungen des Textes durch Richard Lepsius und Sir Gardiner Wilkinson (siehe "The Fragments of the Hieratic Papyrus at Turin Containing the Names of Egyptian Kings", London 1851) zugrunde.

Aber erst er große Historiker Eduard Meyer erkannte um 1900 den wahren geschichtlichen Wert des Dokumentes. Seit 1930 hat dann G. Farina (Il papiro dei re restaurato, Rom 1938), der damalige Direktor des Turiner Museums mit Hilfe des Restaurators H. Ibscher eine neue Zusammensetzung der Fragmente durchgeführt und sie in einem Rahmen unter Glas montiert, so dass diese Fragmente nun der Forschung zugänglich war. Im Jahre 1959 kam aufgrund dieser Vorarbeit eine neue Publikation durch Sir Alan Gardiner zustande, die seither durch mehrere Ägyptologen wie Jürgen v. Beckerath (in INES 21, 1962, 140-147 in ZÄS 93, 1966, 13-20) und Wolfgang Helck (SAK 19, 1992) und anderen verbessert und ergänzt wurde.

Der Text des Turiner Papyrus (abgekürzt "Tur.") ist wie alle Dokumente des Neuen Reiches in waagerechten Zeilen eingeteilt, die unseren Buchseiten entsprechen. Der erste Teil der Kolumne, der vermutlich einen einleitenden Text enthielt, fehlt allerdings fast gänzlich. Im Unterteil ist die irdische Herrschaft der neun großen Götter verzeichnet, die vor den menschlichen Königen geherrscht hatten. Auf diesen Göttern folgen in den ersten 9 Zeilen von Kolumne II. mehrere Dynastien von "Geistern" (achu). Die zugrundeliegende Tradition ist die der alten Zentren des Nordens, Memphis und Heliopolis an der Nahtstelle von Delta und Niltal. Zum Schluss werden hier die "Geister des Horusgeleits" aufgeführt, worunter vermutlich die oberägyptischen Könige zu verstehen sind, die schon geraume Zeit vor Menes, dem ersten König der 1. Dynastie und der ägyptischen Geschichte den Norden unterworfen hatten, wo sie der dortigen Bevölkerung beim "Horusgeleit" (auch Diener des Horus, Fest der Fahrt durch das Land) erschienen. 

           Vorderseite des Turiner Königspapyrus
mit einer Abgabenliste aus der Zeit Ramses II. - verso



(Bilder:
Helck SAK Bd. 19 - 19927/Buske -Verl. Hamburg)
 Rückseite des Turiner Königspapyrus mit der Königsliste.
Die Abbildung zeigt die Kol. III. Sie beginnt mit dem Ende der II. Dynastie und hört auf mit der Summierung der Könige von Menes bis Unas.

Die eigentliche hieratische Schrift ist hier als Umschrift in Hieroglyphen wiedergegeben.

Nach einer Überschrift (Kol. II, Zl. 10) folgen die geschichtlichen Herrscher ab König Menes (Meni 2.11).
Neben den Namen eines jeden Königs nennt die Liste auch seine genaue Regierungsdauer in Jahren, Monaten und Tagen und seine Lebensdauer. Diese letzte Notiz hat der Abschreiber vom Beginn der 3. Dynastie ab Kol. III. 4 weggelassen. Sie wird auch kaum zuverlässig gewesen sein, denn die erhaltenen Zahlen in Kol. II. (1. und frühe 2. Dynastie) scheinen übertrieben zu sein. Die Regierungsjahre sind dort leider verloren. Vom Anfang der 3. Dynastie an fehlt nicht nur das Lebensalter, sondern der Schreiber hat, wohl aus Bequemlichkeit, bei den folgenden Königen auch die Monate und Tage ihrer Regierungsdauer weggelassen. Erst von Kol. VI. ab hat der Schreibär wieder die Monate und Tage bei den Regierungszeiten mitaufgeführt.

Von den letzten Kolumnen des Tur. (IX-XIII) sind nur noch kleine, unzusammenhängende Fragmente erhalten. Während die älteren Rekonstruktionen diese Fragmente auf drei Kolumnen (IX-XI) verteilten, ergeben sich nach der neueren Untersuchung von Helck, deren fünf (IX-XIII). Der weitaus größte Teil der Liste (Kol. VI-XIII) nehmen die zahlreichen Hyksosherrscher der II. Zwischenzeit (13.-17.Dynastie) ein, merkwürdigerweise aber auch etwa zwei Dutzend Könige mit erfundenen Namen, die lt. Jürgen v. Beckerath kaum historisch sein können. Aus dem Text der Vorderseite (Abgabenliste) geht hervor, dass Kol. XIII der Königsliste die letzte gewesen sein muss, denn dort befinden sich Königsnamen der 17. Dynastie, jedoch keine aus dem Neuen Reich. Daraus kann man schließen, dass der Schreiber aus der Zeit Ramses II. eine ältere Vorlage aus dem Anfang der 18. Dynastie verwendet hat. 

The Turin Papyrus composite and colored from plates 2-5 o the 1904 book 
"Aegyptische Chronologie" by Eduard Meyer

Bild:      TurinPapyrus1904.png
Autor:    PLstrom
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Karnaktafel Thutmosis III:

Die auf Papyrus geschriebenen Königslisten in den Archiven dienten auch als Vorlage für die königlichen Ahnentafeln an den Wänden von Tempeln des Neuen Reiches, deren Zweck es war, die Vorgänger der regierenden Könige an seinen Opfern teilnehmen zu lassen. Da nach dem Dogma aller legitimen Herrscher seit Menes eine direkte Ahnenlinie bilden, sollten sie dort auch in ihrer Gesamtheit genannt werden. 

Es gibt insgesamt vier königliche Ahnenlisten. Die älteste von ihnen befindet sich im "Ach-Menu" Tuthmosis III. in Karnak (Halle der Vorfahren) und wurde von Tuthmosis III. errichtet. Es ist eine recht kleine, unscheinbare Kammer in der Süd-West-Ecke des Säulensaales, wo sich heute vor Ort nur noch ein Gipsabdruck der Karnakliste befindet. Das Original befindet ich heute im Louvre in Paris (Inv.-Nr. E 13481). Der Zustand des Originals ist deutlich besser als der des Gipsabdrucks. 

Die nicht chronologisch geordnete List ist von einiger Bedeutung, da sie Herrscher der 1. und 2. Zwischenzeit nennt, welche in keiner weiteren Königsliste aufgeführt werden. 

     Königstafel Tuthmosis III. aus Karnak
(hier Bildausschnitt aus Louvre ca. 1958)        

Auf der Königstafel steht der König opfernd vor 61 sitzend abgebildeten Königen, denen jeweils der Name beigeschrieben ist. der Text lautet:
"König Men-cheper-ré (Tuthmosis III.), dem Leben, Dauer, Macht und Gesundheit gegeben seien wie Ré ewiglich. Ausführen eines hetep-di-nisut-Opfers ("ein Opfer, das der König gibt") für die Könige von Ober- und Unterägypten."

Emile Prisse Emile Prisse d’Avennes (1807–1879), ein französischer Orientalist, Schriftsteller und Künstler, war einer der bedeutendsten Ägyptologen des 19. Jahrhunderts. d'Avennes (1807-1879 - französischer Orientalist und einer der bedeutendsten Ägyptologen des letzten  Jahrhunderts besichtigte die "Hallen der Vorfahren" und fertigte eine Skizze vom damaligen Erhaltungszustand an (Revue archéologique, Bd. II., S. 15 (1845) an, bevor sie 1843 abmontieren und nach Paris (zuerst in die Bibliothèque Nationale und dann in den Louvre) transportieren ließ. Am ursprünglichen Ort ließ man vor einigen Jahren einen Gipsabdruck anbringen, der aber auch schon wieder stark gelitten hat und die Details sind kaum noch zu erkennen.

    Ausschnitt Karnakliste nach Prisse d'Avennes

Der deutsche Ägyptologe Richard Lepsius veröffentlichte 1842 eine Zeichnung, in der er die fehlenden Teile der Königsliste von Karnak ergänzte, woraus Prisse d'Avennes die Ergänzungen für seine eigene Zeichnung übernahm und diese veröffentlichte, ohne die eigentliche Quelle der Ergänzungen zu erwähnen.
(siehe:
Lepsius "Über die 12. Aegyptische Königsdynastie in Abhandlungen der Kgl. Preuß, Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1852)

(gestrichelte Linien sind  v. Lepsius ergänzt)

Richard Lepsius beschäftigte sich in den Jahren 1852/53 mit der 12. ägyptischen Königsdynastie und fertigte zu diesem Zweck erneut eine Zeichnung der Karnakliste an, wobei ihm auffiel, dass diese Liste offenbar nicht auf den memphitischen Reichsannalen beruht, sondern nur eine scheinbar willkürliche und nicht chronologisch angeordnete Auswahl von Herrschern aufweist. Dietrich Wildung äußerte sich dazu - einem Vorschlag von Gaston Maspero (Maspero, in: ASAE 2, 1901, 281 und 3, 1902, 189) aufnehmend - dass Aufbau und Zweckbestimmung der Königsliste von Karnak eine Aufzählung von Königsstatuen darstellt, die  zu Beginn des Neuen Reiches im Tempel von Karnak vorhanden waren und für welche Opferdienste durchgeführt wurden. (siehe: Göttinger Miszellen, Heft 9, S. 41-48 [1974] S. 41-48, Aufbau und Zweckbestimmung der Königsliste von Karnak)

Auch auf dem Original im Louvre fehlen, im Gegensatz zur Zeichnung von Richard Lepsius, größere Stücke. Sehr umfangreich werden in der Karnakliste die Könige der 11. Dynastie aufgeführt. Die frühen thebanischen Herrscher der 11. Dynastie sind auf der linken Wand - der Ostwand -, in der 2. Reihe von oben dargestellt gewesen.
Die Beischriften weichen von denen der anderen Dynastien ab
Die Abbildungen sind nur noch in Resten erhalten. (hier braun schattiert) 
(Zeichnung nach Richard Lepsius, "Über die zwölfte Äegyptische Königsdynastie,
 in APAW 1852)
Datei:  Karnak King List Drawing.prig
Autor:  PLstrom (Wikipedia)
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Königsliste von Abydos:

Eine weitere Königsliste befindet sich auf den Wänden des Totentempels von Sethos I. in Abydos. Die vollständig erhaltene Liste befinde sich heute noch an ihrem ursprünglichen Anbringungsort. Die Darstellung zeigt König Sethos I. (1290-1279/78) zusammen mit seinem ältesten Sohn Ramses, wie er 76 Ahnen Opfer darbringt. Diese sind nicht als Personen abgebildet, sondern werden symbolisch durch Kartuschen mit ihren hieroglyphischen geschriebenen Namen repräsentiert. 

In dem Tempel von Sethos I. befindet sich in einem langen Gang der Königsgalerie im südlichen Flügelbau eine Wand mit Reliefs der Namenskartuschen ägyptischer Könige. An der linken Seite dieser Königsliste ist der König Sethos I. mit seinem Sohn, dem Kronprinzen Ramses, dargestellt. Sethos präsentiert Ramses als seinen designierten Nachfolger in der Reihe der königlichen Vorfahren. 

(Bild: Elvira Kronlob)

Datei:    Abydos Königsliste 04.JPG
Autor:   
Olaf Tausch
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                einer späteren Version.

Die Liste nennt 76 Könige, die vor Sethos I. regierten, wobei in dieser Liste nur Könige aufgeführt werden, die über das gesamte Ägypten geherrscht haben. Von diesen werden die weiblichen Herrscher ausgelassen, ebenso wie fünf Herrscher der 18. Dynastie, die aus staatspolitischen bzw. religiösen Gründen (Damnatio memoriae) ausgelassen wurden. 

  1. Hatschepsut (Maat-ka-Re),

  2. Amenophis IV (Echnaton)

und seine direkten Nachfolger, die wohl noch für die Ramessiden mit dem Aton-Kult behaftet waren:

  1. Semenchkare (Anch-cheperu-Re),

  2. Tutanchamun (Tutanchaton)

  3. und Eje (Aja II.)

Im Alten Reich fehlen nur wenige als "illegal" angesehene Könige. Auf die Könige der 6. Dynastie folgten König, die heute zur 8. Dynastie gezählt werden. Wahrscheinlich wurden diese als zum Alten Reich zugehörig betrachtet. Dann setzt die Königsliste erst wieder mit dem Reichseiniger Mentuhotep II. ein. In der 11.Dynastie fehlt als einziger Mentuhotep IV. (wahrscheinlich wurde dieser auch nicht legitim angesehen.) Die 12. Dynastie ist komplett vorhanden, bis auf den letzten weiblichen Herrscher Nofrusobek. Die 13. 14. 15. 16. 17. Dynastie wird komplett ausgelassen. Die Herrscherfolge setzt wieder in der 18. Dynastie mit König Ahmose I. ein.

Unter den 76 Königen, die von Sethos I.  mit Opfern versehen werden, steht an erster Stelle der Königsname "Mnj" (Meni) im Kontext mit der Überschrift:

"Opfern den Königen von Ober- und Unterägypten, dem Mnj, dem.........."

Die alten Könige empfangen hier ganz wie die Götter Opfergaben und Räucherungen. In der Rede des Königs vor der Opferhandlung heißt es:

"Der Gott ist herbeigebracht zu seinem Opfer, dargebracht ist das Opfer für die Könige von Ober- und Unterägypten."

Die angegebenen Könige werden in der Regel in der Liste nur mit ihrem Thronnamen aufgeführt. In der 1. Zwischenzeit gibt es jedoch einige Fälle, bei denen in der Kartusche zusätzlich zum Thronnamen auch noch der Geburtsname des Herrschers steht. (siehe dazu GM 114 / Norbert Dauzenberg)

Im danebenliegenden Tempel Ramses II., des Sohnes und Nachfolgers Sethos I. befand sich eine nur in unbedeutenden Einzelheiten abweichende Abschrift dieser Tafel  von der jedoch ein großer Teil zerstört ist die Reste werden heute im Britischen Museum aufbewahrt. (Britische Museum 117. F. Arundale - Bonomi, Gallery of Antiquities, London 1840, T. 29)
Die Königsnamen waren hier in drei Reihen zu je 26 Namen angeordnet, insgesamt umfasste die Tafel also einmal 68 men. Da vom Stifter Ramses II. sowohl Thronnamen als auch der Eigenname angegeben sind, also zwei Namensringe angegeben sind, bleiben für seine Vorgänger seit Menes 76 Namen, in Übereinstimmung mit der Tafel seines Vaters.

     Fragmente der Königsliste im Tempel von Ramses II.

Datei: FragmentaryKingsListFromAbydoswTempleOfRamessesII-BritishMuseum-August19-08.jpg  
Autor:    CaptMondo aus Wikipedia
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Saqqara-Liste:

Die im Jahre 1861 in dem Grab des memphitischen Priesters namens Tjuneroy/Turj/Tjuloy gefundene Tafel von Saqqara, die sich heute im Museum von Kairo befindet, enthielt ursprünglich die Kartuschen von 58 Königen. Heute sind nur noch 50 Namen erhalten, angefangen vom 6. König der 1. Dynastie bis einschließlich Ramses II. Für die ersten 5 Könige der 1. Dynastie war offensichtlich kein Platz mehr vorhanden und man hatte sie einfach weggelassen. Interessanterweise beginnt die Königsliste von Saqqara mit dem König Anedjib (6. Herrscher der 1. Dynastie). Sein Nachfolger Semerchet fehlt, es folgt direkt König Qaa (Qebehu) als letzten König der 1. Dynastie. Die nächsten 9 Könige decken sich namentlich gänzlich mit dem Turiner Königspapyrus. In der 3. Dynastie werden nur 4 Herrscher genannt (Djoser, Djoser-teti, Neb-ka-re und Huni). Die Herrscher der I. und der II. Zwischenzeit fehlen komplett.

Auch sonst enthält die Tafel einige Fehler und zum Teil sicher versehentliche Auslassungen. So sind die Könige der 11. und 12. Dynastie in umgekehrter Reihenfolge wie die übrigen aufgeführt. Im Gegensatz zu den Listen aus Abydos nennt die Saqqara-Liste auch Herrscher des Alten Reiches, die in den Listen von Abydos als illegitim übergangen werden.

Bei Auswahl und Schreibung der Namen zeigt sich, dass die Tafel von Saqqara auf eine abweichende Version der Königsliste zurückgeht. 

 Die Königsliste von Sakkara ist eine ägyptische Königsliste, die sich im Grab des Königsschreibers und obersten Vorlesepriester Tjuneroy in Saqqara befindet.
Datei:    SaqqaraKingList.png
Autor:   PLstrom
Lizenz:  GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2

Die Liste stand auf einer Wand des Grabes des Priesters Tjuneroy in Saqqara als Teil einer umfassenden Darstellung. Der Grabherr steht links anbetend hinter der Königsliste, die wie er nach rechts orientiert ist. Am rechten Bildrand steht der Gott Ptah als Empfänger der Gebete:

"Das Machen eines Opfers für Ptah.....das Darbringen von Opfergaben für die Könige von Ober- und Unterägypten, für de toten König Wcr-mAat-Ra %tp-n-Ra (Ramses II.), den Seligen, für den...........(es folgen dazwischen die Kartuschen der 58 Könige) und den toten König Mr-bA-pn (griech. Miebis), den Seligen, durch den König Ucr-mAat-Ra Stp-n-Ra, den Sohn des Re Ra-mc-sw Mrj-Jmn (Ramses II.), dem ewiglich Leben gegeben ist. Mögen sie geben das Empfangen von Opfergaben, die täglich von ihnen herausgehen, für den Ka des Toten, des Leiters der Feste aller Götter, des Vorstehers der Arbeiten an allen Denkmälern des Königs, des königlichen Schreibers und obersten Vorlesepriesters "Inrj, des Seligen, Sohndes Iw-pA."

 

Neuer Annalenstein / Saqqara-Süd

Beim Sarkophagdeckel der Königsmutter "Anchnes-pepi IV." (nach neuer Datierung) handelt es sich um einen zweckentfremdeten "Annalenstein" aus der Zeit König Merenres oder Pepi II., dessen Inschriften zum Zeitpunkt der Wiederverwendung bedauerlicherweise bis auf wenige Reste entfernt worden war. Nichtsdestotrotz lässt sich deutlich erkennen, dass die Eintragungen auf dem Stein mit der Regierung Teti einsetzen. Wie auf dem Palermostein wird auch auf dem "Saqqara-Annalenstein" der Beginn der Regierungszeit eines jeden Königs durch dessen Titulatur und die namentliche Angabe seiner Mutter markiert. 

Gustave Jequier entdeckte den Sarkophagdeckel während seiner Grabung im Pyramidenbezirk der Königin Iput II. in Saqqara-Süd (1926-1932). Der Monolith mit einer Länge von 2,34 m, einer Breite von 0,92 m und einer Stärke von 0,20 m, der aus Basalt gearbeitet wurde, diente zum Zeitpunkt seiner Auffindung als Sarkophagdeckel des Begräbnis der Königsmutter Anchnes-pepi IV. Der Sarkophagdeckel aus in der Zeit Merenre I. oder Pepi II. wurde in der 8. Dynastie umgearbeitet bzw. wiederverwendet. 

Im Zuge der Wiederverwendung des Steins wurde eine Totale Abrasion der Inschriften vorgenommen, so dass sich heute nur mehr Reste davon Feststellen lassen. Ursprünglich handelte es sich um einen beidseitig beschrifteten Annalenstein, auf dessen Vorderseite (Oberseite des Sarkophagdeckels) die Regierungsjahre der Könige Teti, Userkare und Pepi I. verzeichnet waren, sowie der Beginn der Regierung des Merenre, die sich allen Anschein nach auf der Rückseite (Unterseite Sarkophagdeckel) fortsetzte. Die Regierungszeit Pepi II. war offenbar nicht mehr verzeichnet. 

Die noch erkennbaren Überreste einer Inschrift auf dem Sarkophagdeckel erachtete der Ausgräber als nicht mehr lesbar und so wanderte der Fund in das Museum Kairo (JdE 65908) und wurde dort vergessen. Kürzlich kamen die französischen Ägyptologen Michel Baud und Vasil Dobrev jedoch auf ihn zurück. Mit Hilfe modernster Fototechnik ist es ihnen gelungen, die Inschriften wenigstens wieder teilweise zu rekonstruieren und lesbar zu machen. Das Ergebnis war eine Sensation. 
Es zeigte sich, dass die Basalttafel dem berühmten
Palermostein ähnelt und Reste der königlichen Annalen der 6. Dynastie mit einer Reihe neuer und interessanter Angaben enthält. 

Die Annalen wurden rechts auf der Vorderseite eingeleitet durch eine große vertikale Inschriftenkolumne mit der heute unleserlichen Titulatur des Königs, der die Anfertigung des Steins initierte. Wie bei den bekannten Annalenfragmenten war der Rest der Fläche in horizontal angeordnete Felder eingeleitet, in welche die einzelnen Jahre bzw. deren Ereignisse eingeschrieben waren. Über dem obersten der insgesamt 6 Register verläuft eine initiale Zeile, in welche der Regierungsbeginn von Teti, Userkare und Pepi I. mit der Titulatur dieser Herrscher und der namentlichen Erwähnung ihrer Mütter markiert wurde.

Außer dem linken Ende des ersten Registers nahm die Regierungszeit Pepi I. offenbar noch die folgenden 4 Register ein. Die Titulatur des Merenre und der Name seiner Mutter sind erst über dem 5. Register zu rekonstruieren. Halbwegs gut erhalten haben sich die entsprechenden Einträge über den Feldern Teti und Pepi I., während sich von der Titulatur Userkares nur mehr die Spuren zweier Einträge - unzweifelhaft Bestandteil des Goldhorus- und des Eigennamens - feststellen ließen. Ähnlich wie bei den bekannten Annalensteinfragmenten waren die Namen der Königsmütter mit auf einem Blockthron sitzenden Figuren determiniert. 

1.

Hr.w   SHtp t3.wi   nswt   bit   SHtp Nb.t i   bik   nbw   Zm3  z3   Ra.w    Tt i  mw.t [n]sw[t  bit]  Zszs.t

2. //////   //////  //////  ///////   ///////   //////// ///////  ///////  bik [nbw]  ///////   ///////   ////////
3.

Hr.w  [Mri - t3.wi   nswt   bit]  Mri - h.t - Nb.ti   bik.w   nbw  [z3  Ra.w   Pipi]   mw.t  nswt   bit   `Ipwt

1. Horus SHtpt3.wi, König von Ober– und Unterägypten, SHtpNb.ti,  Mutter [des Königs von Ober– und Unterägypten]  Zszs.t
2 //////  //////  /////   ////////  ////////   ///////   ///////   /////  ///////  [Gold]falke  ////////  ///////  /////   //////
3.

„Horus [Mri-t3.wwi, König von Ober– und Unterägypten], Mri-h.t- Nb.ti, Goldfalken, [Sohn des Re, Pepi;]  Mutter des Königs von Ober– und Unterägypten: `Ipwt

Obwohl ein explizierter Textbeleg fehlt, scheint aus dem Kontext der erhaltenen Teile der Inschrift hervorzugehen, dass am Anfang der 6. Dynastie tatsächlich König Userkare regierte (ungefähr vier Jahre ?), über dessen Herrschaft während der Zeit  Pepi I. angeblich die "damnatio memoriae" verhängt worden wäre (??), und dass das von Manetho erwähnte Gerücht über die Ermordung König Tetis durch seine eigenen Wachen möglicherweise zutrifft. Die Diskussion, die durch die Entdeckung ausgelöst wurde, hat jedoch gerade erst begonnen und wird zweifellos zu vielen neuen Ansichten bezüglich der ägyptischen Geschichte dieser Zeit führen.

Medinet Habu
- Festdarstellung -

Im Tempel von Medinet Habu, dem Totentempel Ramses III., befindet sich eine Festdarstellung, die insofern wertvoll ist, als sie eine Fortsetzung der Königstafeln darstellt. Bei der Darstellung des Min-Festes werden Statuen früher Könige, beginnend mit Amenophis III. mitgeführt, einschließlich einer Statue Ramses III. Diese werden in chronologischer Reihenfolge dargestellt, jedoch unter Übergehung einiger als nicht legitim betrachteter Könige: der Könige der Amarna-Zeit und zweier Herrscher der späten 19. Dynastie. 

Über die gesamte Szenenfolge ist eine lange Inschriftenzeile gesetzt, die als Überschrift der Darstellung zu verstehen ist. Darin heißt es:

"......indem die Götter, die diesen Gott begleiten, vor ihm sind, zusammen mit den Statuen der Könige von Ober- und Unterägypten, der verklärten Toten, die in seiner Begleitung sind. Dieser Gott lässt sich nieder auf dem xtjw. Seine Majestät lässt ein großes Opfer darbringen für ihren Vater Min-Kamutef, in dem der weiße Stier vor Seiner Majestät ist und die Könige von Ober- und Unterägypten die verklärten Toten in den beiden Kapellen(reihen) zur Linken und Rechten sind. Man bringt Opfergaben herbei unter Singen von Lobliedern für diesen Gott. Man tut ebenso für den lebelnden Ka des Königs und die Könige von Ober- und Unterägypten."

Die "Statuen der Könige von Ober- und Unterägypten, der verklärten Toten, die in seiner Begleitung sind" werden als kleine Standfiguren dargestellt (wohl aus Holz mit Goldüberzug), die alle gleichermaßen mit Nemes-Kopftuch, Schurz, Tierschwanz, Stab und Anch-Zeichen ausgestattet sind. Auf einem Podest stehend, werden sie von kahlköpfigen Priestern auf der Schulter getragen. Medinet Habu liefert uns dazu eine Beischrift:

"Die Statuen der Könige von Ober- und Unterägypten, die vor diesem erhabenen Gott Min-Kamutef sind, um Leben zu spenden dem König......Ra-ms-sw (III.) "

In der Darstellung in Medinet Habu ist die Statue des regierenden Königs Ramses III. deutlich durch die xprS-Krone und den Titel neb tA.wj von den verstorbenen Herrschern abgehoben. In dieser Darstellung aus Medinet Habu werden den Reihen der Königstafeln von Abydos und Saqqara noch vier Nachfolger Ramses II. hinzugefügt.

Reihe der Königsfiguren in Medinet Habu
(Zeichnung: Epig. Survey, Medinet Hai IV. 1940, bearbeitet von Nefershapiland.)

Grab des Amen-mose
- Thebanisches Grab 19 -

Kürzere Königsreihen, fast ausschließlich Herrscher des Neuen Reiches umfassend, finden sich noch im Ramesseum, wo sich eine ähnliche Darstellung wie in Medinet Habu befindet und im Grab des Amen-mose. (Thebanisches Grab 19, Champollion, oplcit. T. 184,2; KRI III., 392) Dieser war "Erster Prophet des Amenhotep I. vom Vorhof" und amtierte wahrscheinlich in der Zeit des Ramses I., Sethos I. und in der ersten Hälfte der Herrschaft des Ramses II.
In seinem Grab in Theben wird der Grabherr und Priester vor zwei Reihen von sitzenden Königen und Königinnen in Anbetungshaltung vor den Statuen von 13 Königen dargestellt. Die Königsliste zeigt die Könige Mentuhotep II., Ahmose I., Amenhotep I., Thutmosis I., Amenophis II., Thutmosis III., Amenophis II., Thutmosis IV., Amenophis III., Haremhab, Ramses I und Sethos I.

Ramesseum
- Königsliste -

Auf der Westseite des II. Pylons des Ramesseums zieht sich über der Darstellung der Kardeschschlacht ein Bildstreifen hin, auf dem das Fest des Auszuges des Gottes Min in Theben dargestellt wird. Der Zusammenhang der teilweise zerstörten Szenen ergibt sich aus der getreuen Kopie dieser Reliefs durch Ramses III. in Medinet Habu. 

Die Reihe der in der Prozession getragenen Könige beginnt im Ramesseum mit dem noch lebenden König Ramses II., der auch als Opfernder vor der Ahnengalerie dargestellt ist und somit seinem eigenen Bild opfert. Er unterscheidet sich in seiner Erscheinung nicht  von seinen verklärten Vorfahren und ist wie sie "mAa-xrw". 

                          Ramesseum - Westwand

Auf Ramses II.  folgen in genauer historischer Reihenfolge rückläufig die Könige der 19. und 18. Dynastie unter Auslassung der Amarna-Könige und Hatschepsut. Den Zug beschließen Ahmose I., Mentuhotep II. und Meni (Menes). 

Der ausführlichen Aufzählung der Herrscher des Neuen Reiches im Ramesseum ist für das Alte und Mittlere Reich jeweils nur der Reichseiniger gegenübergestellt.

(Abbildung: Lepsius Abtlg. III. Blatt 163 - gemeinfrei)

 

Tempelwand in et-Tód

Einen Vorläufer der obigen Königslisten für die Chronologie innerhalb der frühen 11. Dynastie fand man auf einem Block von einer Tempelwand in et´-Tód (südlich von Luxor). Auf den beiden Blöcken, die sich heute im Museum Kairo mit der Inventarnummer JE 66331 und JE 66332 befinden (siehe Bisson de la Roque: Tód [1934-1936], Le Cire 1937, S. 75-77) ist dort Mentuhotep II. (der Reichseiniger aus der 11. Dynastie und Begründer des Mittleren Reiches) abgebildet. Zu den beiden Blöcken werden bei Bisson de la Roque (französischer Ägyptologe, der um 1934 unter der Schirmherrschaft des Institut francais d'archéologie orientale und des Louvre in el-Tód systematische Ausgrabungen unternahem) folgende Angaben gemacht: 

  1. unterer Block (Fundinventar-Nummer: 1542) - Kalkstein, Höhe 76 cm, Breite 186 cm, Tiefe 59 cm,

  2. oberer Block  (Fundinventar-Nummer: 2116) - Kalkstein, Höhe 57 cm, Länge 128 cm.

(Zeichnung: MDAIK 19/1963, S. 46 - Habachi: King Nebhepetre Menthuhotep: His Monuments - bearbeitet von Nefershapiland)

                   Tempelwand in el-Tód
Der Name des Königs, der vor Month stehend opfert, ist auf dem Relief leider nicht mehr erhalten. Hinter ihm befindet sich wahrscheinlich die Göttin Hathor, hinter der drei vorherige Könige stehen, die alle den gleichen Eigennamen ´
"Antef" (An-jotef) tragen. Beim letzten der drei Vorfahrenkönige (dem linken) ist der Horusname shrw-tAwj (Seher-taui) erhalten geblieben. Auch bei der mittleren Königsfigur sind Teile des Horusnamens WAH-anx (Wah-anch) zu erkennen, während bei der ersten Figur der Horusname fehlt, da der Block zur Vervollständigung der Szene nicht mehr vorhanden ist. Wenn man hier den Horusnamen NHt nb-tp-nfr (Nacht-neb-tep-nefer) ergänzt, stehen die direkten Vorgänger Mentuhotep Nebhepetres hinter dem opfernden König.

 

Ostrakon Kairo CG 25636 Recto (JE 96055)

Eine weitere kurze Königsliste mit einer Aufzählung der Könige des Neuen Reiches bis auf Ramses II. stellt der sogenannte Ostrakon Kairo CG 25646 dar. Der beschädigte Ostrakon (7x17 cm) aus Kalkstein war in 4 Teile zerbrochen und ist beidseitig beschriftet. Er nennt auf der Vorderseite (oben) in hieratischer Schrift die Thronnamen der Könige des Neuen Reiches in chronologischer Reihenfolge bis auf Ramses II., dessen Name als der des regierenden Königs an erster Stelle steht. (siehe J. ´Cerny, Ostraca hiératiques, 1935, 38, T. 68.)

  1. Zeile: Ramses II., Amosis, Amenophis I.

  2. Zeile: Tuthmosis I., Tuthmosis II.,
               Tuthmosis III.,Amenophis II.

  3. Zeile: Tuthmosis IV., Amenophis III., Haremhab

  4. Zeile: Ramses I., Sethos I.

Auf der Rückseite befindet sich eine Lieferungsliste (?) von Brot und Brennholz und einer weiteren Ware, die aber aufgrund der Beschädigung des Ostrakons nicht mehr zu lesen ist.  (Klassifizierung dieses Ostrakons siehe McDowell in "Village voices, 96 u. 99. )

Zu erwähnen sind außer den oben angeführten Zeitdokumenten einige kürzere Königslisten, die jedoch nur eine Bestätigung der Reihen von Abydos und Saqqara bieten, wie z. B. eine Tempelinventarliste auf dem Papyri Turin 1877, Papyri Kairo 58033, Papyri Turin 54042 und Papyri Chestger Beatty IX. (sog. Amenophis-Ritual; siehe dazu A. H. Gardiner, Hieratic Papyri in the Britisch Museum, III, 1935, 95, T. 55)

Wertvolle Informationen zur Folge und Regierungsdauer der Könige sind oft in den Inschriften nicht-königlicher Personen wie hohe Beamte und Priester enthalten. Gelegentlich zählen hohe Beamte des Alten Reiches in ihren biographischen Texten in ihren Gräbern bei den Pyramiden von Giseh und Saqqara gelegentlich die Herrscher auf, unter denen sie amtierten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Lauf eines ägyptischen hohen Beamten höchstens 50 Jahre umfasst haben kann. Schepses-ptah, der das Amt eines Oberpriesters des Ptah von Memphis innehatte, verbrachte seine Kindheit am Hof des Mykerinos (4. Dynastie) und bekleidete noch unter Ni-user-ré (Mitte 5. Dynastie) das Amt eines Priesters am Sonnheiligtum dieses Königs (siehe Helck Urk. I. 51-53). 

Nekropolensiegel Umm el-Qaab (Abydos)

Die früheste Nennung einer Königsreihe stammt von einem Nekropolensiegel aus dem Königsfriedhof B in Abydos
Während der vom Deutschen Archäologischen Institut, Abteilung Kairo, im Königsfriedhof von Abydos durchgeführten Nachuntersuchung  wurde in der 4. Kampagne 19845 (siehe Rundbriefe der Abteilung Kairo 1984 u. 1986) die Abrollungen eines Siegels mit mehreren Königsnamen gefunden, die für die chronologische Abfolge (Übergang von der Dynastie 0 bis in die erste Hälfte der 1. Dynastie) äußerst aufschlussreich sind.
Die Siegel sind zwar nicht als Königslisten gedacht, führen die in Abydos begrabenen Herrscher aber sicher in der richtigen Abfolge auf und bilden eine ausgezeichnete Absicherung der aus anderen Quellen erschlossenen Königsfolge.

Die Siegelabrollung befindet sich auf einem etwa faustgroßen Schlammbrocken und zwei kleineren, nicht dazugehörigen Fragmenten aus feingeschlämmten Nilton. Sie fanden sich zusammen mit mehreren Verschlüssen, die ebenfalls Abrollungen aufweisen, im Grab des Dewen, (Schreibweise des Namens folgt dem Lexikon der Ägyptologie) auf der nördlichen Treppenwange ca. 2 m östlich der Tür, die den Abgang zur Grabkammer etwa in der Mitte der Treppe abschloss. Die außergewöhnlich präzise und detaillierte Ausführung der einzelnen Hieroglyphen lässt darauf schließen, dass das Siegel aus Metall bestand bzw. einem Metallmantel über einem Holz- oder Steinkern (siehe MDAIK 43 Günther Dreyer S. 35)

Das vollständig rekonstruierte Siegel ist ganz ungewöhnlich, denn es zeigt neben dem Nekropolengott Chontamenti (den liegenden Schakal) nur Königsnamen und der Name der Mutter König Dewens, Merit-Neit.

Zeichnerische Rekonstruktion der Siegelabrollung 
vom Grab des Dewen

Zeichnerische Rekonstruktion einer Siegelabrollung
aus dem Grab des Qa'a 
(Bild: MDAIK 43)

(Bild: MDAIK 43)

Aus der Rekonstruktion ist zu schließen, dass sich neben dem Namen des Nekropolengottes Chontamenti folgende Königsnamen auf der Siegelabrollung befanden:

Horus Narmer, Horus Aha, Horus Djer, Horus Wadje, Horus Dewen und nwt-njswt Meret-Neith.

Auf diesem Siegelabrollungen wird auch deutlich, dass Meret-Neit, deren Titel "Königsmutter" den Horusfalken gleichgestellt ist, zeitweilig die Regentschaft für ihren Sohn Dewen ausgeführt haben muss und deswegen im Königsfriedhof bestattet wurde. In der chronologisch aufgeführten Herrscherreihe ist sie vermutlich wegen des Rangunterschiedes nicht vor, sondern nach Dewen genannt (ihre Regentschaft wurde lt. G. Dreyer sicher der Regierung des Dewen zugerechnet). Auch steht einwandfrei fest, dass Narmer der unmittelbare Vorgänger von Hor Aha und wahrscheinlich auch dann dessen Vater war.

Ein weiteres gefundenes Nekropolensiegel aus dem Grab des Qa'a (2850 v. Chr.) gibt uns ebenfalls wichtige Aufschlüsse zur Chronologie der Frühzeit. Auf diesen Siegelabrollungen des letzten Herrschers der 1. Dynastie ist der Nekropolengott Chontamenti nur einmal aufgeführt. Merneith ist hier weggelassen; zwar besaß sie ein Grab in Umm el-Qa'ab, jedoch war sie kein regierender König, dafür werden aber die letzten drei Herrscher der 1. Dynastie Adjib, Semerchet und Qa'a genannt.

Wichtige Aufschlüsse zur Chronologie der Frühzeit ermöglichen weitere Siegelabrollungen aus späteren Königsgräbern in Umm el-Qa'ab. Im Grab des Qa'abs fanden sich neben den Siegeln des Königs auch solche von König Hetepsechemui, dem 1. König der 2. Dynastie. Dies zeigt klar, dass Hetepsechemui das Begräbnis seines Vorgängers Qa'a ausrichtete.
Den bisher vermuteten Bruch zwischen der 1. und der 2. Dynastie gab es also nicht. Ebenso sind Siegelabrollungen des Djoser zu verstehen, die im Grab des Chasechemui, des letzten Königs der 2. Dynastie zutage kamen. Djoser, der Erbauer der Stufenpyramide von Saqqara ist also demzufolge nicht, wie allgemein vermutet, als 2. Herrscher der 3. Dynastie anzusetzen, sondern folgte als unmittelbarer Nachfolger des Chasechemui.

Kniefigur des Hetepdief (Alte Reich)

Die Horusnamen von drei Königen des Alten Reiche sind in der Reihenfolge ihrer Herrschaft hinter der rechten Schulter eines in Gebetshaltung kniend dargestellten Priesters aus dem Alten Reich (Ende der 3. Dynastie um 2650 v. Chr) eingraviert. Die Inschrift zeigt hinter dem auf der Spitze eines Pyramidions sitzenden Reichsgottes +bAw.tj die Horusnamen der drei ersten Herrscher der 2. Dynastie, nämlich

  1. Hetepsechemui

  2. Ran-neb

  3. und Ninetjer

Seltsamerweise wird der König Hetepsechemui weder in der Saqqara-Liste noch im Turiner Königspapyrus erwähnt. Dass Hetepsechemui der erste König der 2. Dynastie und Vorgänger von Ra-neb war, wird durch die 1888 in Mitrahineh (Memphis) gefundene Statue aus Rosengranit eines Totenpriesters bestätigt. Diese 39 cm hohe, heute im Museum Kairo befindliche Statue (JdE 34557=CG 1), gehört nach der Inschrift auf der Oberseite des Sockels dem "Großen der Spenden im pr dSr, !tp-(r)Dj.f (Hetepdief), dem Sohn des Mrj-+Hwt.j" (pr dSr = dabei handelt es sich um den unterägyptischen Königspalast im Gegensatz zu "pr-HD", dem oberägyptischen Königspalast). Gleichzeitig beweist diese Inschrift auf der Privatplastik, dass der Totenkult für Hetepsechemui noch lange nach seinem Tod fortbestand. Im übrigen ist diese Statue von Hetepdief die älteste uns bekannte altägyptische Privatplastik. (J. Vandier, W. S. Smith, Kurt Lange und Max Hirmer geben als Datierung das Ende der 2. Dynastie an, W. B. Emery datiert sie in die Mitte der 2. Dynastie)

Inschriften auf Statue des Hetepdief
- Museum Kairo JE 34557=CG 1 -
Die Horusnamen der drei ersten Könige der 2.Dyn.
(Zeichnung W. Helck 1987)

 

Ebenso waren die Laufbahnen einiger Beamte unter der Herrschaft der Könige im Neuen Reich für die Zeitbestimmung der Regierungsdauer der Könige und die chronologische Reihenfolge von Bedeutung. Ahmose Pennechbet rühmt sich z. B. in seiner Autobiografie in seinem Grab Nr. 2 in Elkab, dass er unter vier Königen gedient hatte und zwar unter König 
Ahmose I., Amenophis I., dann unter Thutmosis I. und schließlich unter Thutmosis III. Ebenso wird in der Grabinschrift auch die damals "nichtlegitime" Königin Hatschepsut genannt.

Als Beispiel in der 20. Dynastie sind hier die thebanischen Hohenpriester Rameses-nacht und Setau (Priester von Elkab), die unter den Regierungen von Ramses III. b is Ramses IX. amtierten. Sie überlebten somit die verhältnismäßig kurzen Regierungen Ramses IV. bis Ramses VIII.

Höchst bedeutsam für die Chronologie sind auch die langen Aufzählungsreihen von Vorfahren, welche von den Amtsinhabern (zumeist in priesterlichen Funktionen) während der III. Zwischenzeit (21-25. Dynastie) und in der Spätzeit aufgestellt wurden, um ihr erbliches Anrecht auf Pfründe, die schon lange im Besitz ihrer Familie gewesen seien, zu begründen. Es ist offenbar, dass sie dabei für weiter zurückliegende Generationen durchwegs höhere Stellungen fingierten.

Genealogie des Bauleiters Chnum-ib-re
-
Felsinschrift im Steinbruchgebiet des Wadi Hammamat -

Der aus Heliopolis stammende Oberbaumeister "Vorsteher aller Arbeiten an allen Monumenten von Ober- und Unterägypten" und "Vorsteher der großen Handwerker" und "Vorsteher der Arbeiten auf der ganzen Erde",  Chnum-ib-re-sa-neith oder einfach "$nm-ib-Re",  (Chnum-ib-re) Sohn des Ahmose-sa-neith / JaH-ms-SA-Nt hatte bereits unter König Amasis Expeditionen ins Wadi Hammamat durchgeführt und unternahm dann unter Darius I. weitere Expeditionen hierher, um Material für die Bauten des Königs zu beschaffen. Bei einer dieser Unternehmungen im Jahre 26 von Darius I. (496 v. Chr.) ließ Chnumibre eine umfangreiche Felsinschrift anbringen (no. 18/M91-02 in situ). In dieser historisch bedeutsamen Inschrift zählt Chnumibre rückläufig namentlich 22 Generationen königlicher Bauleiter auf bis hin zu Rahotep, der als Wesir unter Ramses II. diente, die er als seine Vorfahren ausgibt. Er behauptet sogar in seiner Inschrift, dass er von dem weisen Imhotep abstamme. 

Die Große Felsinschrift des Chnum-ib-re gliedert sich in mehrere Teile. Rechts unten befindet sich in einer waagerechten Zeile die Datierung:

"Jahr 26, 4. Monat von Schemu unter dem König von Ober- und Unterägypten 
(Darius)|, der ewig leben möge."

Darunter befinden sich sechs senkrechte Schriftkolumnen. In der dritten Kolumne steht der Name des Chnum-ib-re, (eigentlich handelt es sich hierbei um den Thronnamen König Amasis, den er wohl bekam, da er zur Zeit des Königs geboren wurde.) der bemerkenswerter weise in eine mit zwei Federn geschmückte Kartusche geschrieben ist! Der eigentliche Text besteht aus waagerechten Zeilen, aufgeteilt in zwei Kolumnen. Links unter dem Text befindet sich eine Bildszene, die den Bauleiter Chnum-ib-re zeigt, der vor der Göttin Hathor steht. Er hält in der einen Hand ein Tuch und in der anderen einen Wedel (?). Der zweispaltige Text enthält die eigentliche Genealogie.

Chnum-ib-res Genealogie beginnt mit seinem Vater 
Anch-Psammetich  
Wah-ib-re-teni unter König Amasis II.
Nestefnut unter König Psammetich II. (?)
Tjaehebu unter König Psammetich I.   (?)
Nestefnut  
Tja(en)hebu  
Nestefnut  
Tja(en)hebu  
Haremsaf  
Mermer (?)  
Haremsaf unter Schoschenq I.
Amunherpamescha  
Pepi  
Name verloren  
May  
Nefermenu  
Wedjachons  
Bakenchons  
Rahotep unter Ramses II.

(Liste nach David Rohl/Pharaonen und Propheten)

Pasenhorstele (Serapeumsstele)

Im Museum Louvre befindet sich eine Apis-Stele aus dem Serapeum (Memphis) mit der Nr. 31/1959 - SIM 2846. Die sogenannte "Pasenhorstele" wurde im 37. Jahr König Schoschenq V. (ca. 730 v. Chr.) von einem Priester namens 
Hr-p3-sn / P3-snHr.w  (Pasenhor) gestiftet. Sie fand sich am Nordende der kleinen Grüfte. Der Apis, dem die Inschrift geweiht war, starb im 37. Jahr König Schoschenq V. 

Das Interessante an dieser Stele ist die Tatsache, dass Harpeson in der Genealogie seiner Ahnen, zu denen er die ersten drei Könige der 22. Dynastie zählte, auch deren Vorfahren aufzählt, als diese nur "Großfürsten der Libu" waren. Dadurch kommt der Apisstele des Pasenhor/Harpasen eine große Bedeutung in der Chronologie und den verwandtschaftlichen Verhältnissen in dieser Zeit zu.

Harpesons/Pasenhors Vater Hemptah (!m - PtH) war der Fürst, General (mr-msa) und Prophetenvorsteher in Herakonpolis. Als ältesten Vorfahren nennt Pasenhor den "Libyer" Bajuwara  (Bwjww3w3), der 16 Generationen vor Pasenhor lebte. Pasenhor selbst lebte gegen Ende der langen Regierungszeit Schoschenqs V.

In dieser Genealogie ist jeder Ahn der Sohn des Vorhergehenden:

1. Libyer Bujewara
2. Fürst Mawasau
3. Fürst Nebscheni
4. Fürst Pathut
5. Fürst Schoschenq
6. Fürst Nemalot
7. König Schoschenq ( I.) 
8. König Osorkon ( I.) 
9. König Takelot ( I.) 
10. König Osorkon (II.) 
11. Fürst Nemalot 
12. Priester Udj-ptah–ef–anch
13. Priester Hem–ptah  (der Ältere) 
14. Priester Pe–sen–Hor (der Ältere)
15. Priester Hem-ptah  (der Jüngere)
16 Priester Pe–sen–hor (der Jüngere)

In seiner Genealogie nennt Pasenhor auch die Mütter  und Gemahlinnen der Könige. 

T3n.it-zph  (Tanetsepeh) Mutter König Schoschenq I.
K3r-a m a.t   (Karama) Gemahlin König Schoschenq I. und Mutter König Osorkon I.
P3-t3-rsw-n.s (Patareschnes/ Pentreschnes)        Gemahlin Schoschenq I. und Mutter des Prinzen Namalit
T3sd-#nsw  (Tesched-chons) Mutter von Takelot I.
K3p = s     (Kapes) Osorkon II.

 

Memphitischer Priesterstammbaum
- Berlin 23673 - 

Ein besonderes Denkmal dieser Aufzählungsreihen von nicht-königlichen Personen ist eine Grabwand im Berliner Museum, die sog. "Memphitische Priestergenealogie". Ein unter König Schoschenq V.  (lt. Jürgen v. Beckerath) am Ende der 22. Hauptdynastie (ca. 735 v. Chr.) lebender Priester namens Anch-ef-en-sachmet hat sich und seine angeblichen Ahnen dort in vier übereinander angeordneten Reihen zu je 15 Personen verewigt. Jedes Feld enthält die Figur eines Hohenpriesters oder eines anderen Priesters, da nicht alle als "Größter der Handwerker" (dieses war der Titel des Hohenpriesters des Ptah zu Memphis) bezeichnet sind, mit Namen und Titel des Trägers. 

In etwa einem Drittel der Felder findet sich auch die Kartusche eines Königs, die anzeigt, in wessen Regierungszeit der Priester in sein Amt eingesetzt wurde. Am unteren Rand jedes Feldes verbindet die Hieroglyphe für "Sohn des" den Priester mit seinem Vorgänger. (Der ägyptische Begriff "sa" kann auch "Vorgänger" bedeuten) 

Aus diesen Texten ergibt sich, dass der rechts oben sehende „Gottesvater des Ptah und Gottesdiener der Sachmet" namens Anch–ef–en–Sachmet über seinen Vater, Großvater und Urgroßvater die Reihe seiner direkten Vorfahren – allesamt Priester an memphitischen Heiligtümern – über 60 Generationen lückenlos zurückverfolgt. 

Zur historischen Untermauerung dieses Stammbaums gibt Anch–ef–en–Sachmet bei einigen Vorfahren die Kartuschen der Könige an, unter denen diese lebten und amtierten. 

In zeitlich rückläufiger Abfolge sind diese u. a. aus der 

19. Dynastie: Ramses II. und Sethos I.,

18. Dynastie: Haremhab, Amenophis III., Thutmosis III., Amenophis I. und Ahmose I.

aus der Hyksoszeit: Apophis und Salitis,

aus dem Mittleren Reich: Sesostris III., Amenemhet II., Sesostris I. und Amenemhet III.

Ganz am Ende es erhaltenen Teils dieser Liste nennt Anch-ef-en-Sachmet als drittältesten Urahn "den Hohenpriester von Memphis Ptah-emheb", der zur Zeit des Königs Neb-hepet-Re (Mentuhotep II.) lebte. Dabei scheint dem Stifter Anch-ef-en-Sachmet eine recht zuverlässige Königsliste zur Verfügung gestanden zu haben, denn der drittälteste Vorfahr, der unter Mentuhotep II. (11. Dynastie) datiert wird, lebte danach in den letzten Jahrzehnten des 3. Jahrtausend (ca. in der Zeit um 2040 v. Chr.), was erstaunlich genau zur Regierungszeit von Mentuhotep II. passt. 

Die Historität dieses Stammbaums ist mit Recht in Zweifel gezogen worden, denn bereits der Abstand von Mentuhotep II. zu Ammenemes I., den Begründer der 12. Dynastie, wird hier mit sieben Generationen angegeben, während es in Wirklichkeit nur ,zwei sein dürften. Andererseits bringt die Ahnentafel in der gewiss nicht kurzen Regierungszeit von Ramses II. (66. Jahre) vier Generationen unter und lässt hierauf zwei Generationen später schon einen Herrscher aus der 21. Dynastie folgen. Hier scheint also zumindest die gesamte 20. Dynastie, die sicher mehr als ein Jahrhundert herrschte, übersprungen worden zu sein. Diese groben Fehler lassen es als aussichtslos erscheinen, mittels dieser Ahnentafel auch nur ungefähr die Datierung der dort genannten Könige zu ermitteln.


Gästebuch

(Co-Autor: J. H. Pirzer)


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