Biografie Haremhab


Grab KV 57


Felsentempel in Gebel-el-Silsila

(Quellenangaben am Ende der Seite - nummerierte Verweise im Text)

Es gibt zahlreiche Belege für die Bautätigkeit König Haremhabs. Er ließ den großen Tempel Echnatons schleifen (Gempa-Aton/eigentlich "gm-pa-Itn = gefunden ist der Aton"). Die Talatat-Steine ließ er als Füllmaterial für neue Pylone im Karnak-Tempel verwenden. Die große Kolonnade im Luxortempel fand unter Haremhab ihre Vollendung. Des weiteren baute er in Gebel-el-Silsila und in Gebel Adda einen Felsentempel. Auch in Saqqara und Memphis wurden Zeugnisse seiner Bautätigkeit gefunden. Den von seinem Vorgänger Eje begonnenen Totentempel in Medinet Habu usurpierte er und baute ihn weiter aus. Die Arbeiten an seinem Beamtengrab in Saqqara wurden eingestellt und man begann mit dem Bau eines Königsgrabes im Tal der Könige (KV 57). 

Im Bereich des Amuntempels in Tempelbereich Amenophis III. in Malqata (Theben-West) fand sich das Fragment eines Türsturzes (ohne Maßangabe) aus Sandstein, dessen Verbleib heute unbekannt ist. Auf dem Türsturz befindet sich der Rest der Namenskartusche König Haremhabs (möglicherweise hatte hier ursprünglich der Name Amenophis III. gestanden ( 5 ) (Quelle: ÄAT 47 / A. Thiem).

zu Bauten Haremhab im Karnaktempel - siehe  

Luxor-Tempel:

Haremhab vollendete die berühmte Kolonnade von 2 x 7 Papyruskapitelsäulen mit Außenmauern, die von König Amenophis III. begonnen und von Tutanchamun wohl weitergebaut wurde. Haremhab ließ hier überall den Namen Tutanchamuns durch den seinen ersetzen (alle Nennungen nach Andrea Thiem ( 5 ). 
- Nachfolgend sind die Inschriften und Nennungen in diesem Bereich nur tabellarisch aufgeführt  - eine ausführliche Beschreibung auch mit Bebilderung der Großen Kolonnadehalle siehe  hier:     (Luxor-Große Kolonnade)

  1. Inschrift an der Südwand des II. Pylons - westlicher Türbereich (in situ)
    Die Szene am westlichen Türbereich der Südwand des II. Pylons bestand ursprünglich aus vier Registern mit Ritualszenen, von denen lediglich das unterste Register erhalten geblieben ist:

    Darstellung des Königs mit Nemeskopftuch vor Amun und Mut – Bastet. Die Kartusche mit dem Geburtsnamen und Thronnamen Amenophis III. ist im Original belassen, während der Geburtsname Haremhabs ohne weitere Titulaturbestandteile in versenktem Relief nachträglich vor dem König angebracht wurde. 

  2. Inschrift an der Südwand des II. Pylons, östlicher Türbereich (in situ) Beschreibung:
    Die Szene besteht aus vier Registern, von denen das oberste nur noch fragmentarisch erhalten ist:

    1. Register:    König in Opferhaltung vor einem Gott (vermutlich Amun)
    2-3. Register: Darbringung des Weihrauchopfers vor Amun – Re und Mut
    4
    . Register:    Überreichung von Leben durch Amun und Mut

    Die Kartusche mit dem Geburtsnamen und Thronnamen Amenophis III. ist im Original belassen und nur im vierten Register erfolgt eine Usurpation des Thronnamens Amenophis III. durch Haremhab

  3. Kolonnadenhalle, Inschrift Nordwand, nordwestliche Seite (in situ) 
    Die Szene mit der Darstellung Tutanchamuns weist zwei szenische Abschnitte auf:

    1. Szene: Darbringung von Weihrauch- und Libationsopfer mit Blumen durch den König mit
                    der Blauen Krone vor Amun
    2. Szene: Verlassen des Palastes seitens des Königs (mit der Atef–Kompositionskrone) vor
    Amun und Mut

    Die Inschriften sind - abgesehen von der Usurpation der Kartusche Tutanchamuns durch Haremhab - alle originaler Anbringung. Die Restaurationsinschrift (Szene 2, Kol.1) unmittelbar vor dem rechten Bein des schreitenden Königs weist aufgrund der kontrahierten Anbringung und der vertieften Zeilenoberfläche auf eine zeitlich spätere Anbringung als die originalen Inschriften hin -  d.h. zeitlich durch Haremhab.

  4. Kolonnadenhalle, Inschrift Nordwand, nördlicher Bereich (Szene 1)  (in situ)
    Die Dekoration dieses Abschnittes weist eine Ritualszene auf:
    Darbringen von Weihrauch- und Libationsopfer vor der heiligen Barke im Tempel von Karnak (Szene1, West)

    Das Bildfeld besitzt zwei Register:
    1. Register: Darstellung des Königs im Opfervollzug vor Opferständer vor der auf dem
    Barkenstand ruhenden 
                        Amunbarke

    2. Register: Königsbarke, Mutbarke und Chonsbarke (Inschriften von Opferlisten)

  5. Kolonnadenhalle, Inschrift Westwand, nördlicher Bereich (Szene 2)  (in situ)
    Die Dekoration dieses Abschnittes weist folgende Szenen auf:

    Verlassen des Tempelbezirkes von Karnak durch die Barken zum Nil (Szene 2, West)
    Das Bildfeld besitzt zwei Register:

    1. Register: Darstellung des Königs im Prozessionszug, angeführt von Priestern, die Amunbarke (zerstört) tragend
    2. Register: Prozession der Chonsbarke, Mutbarke und der Königsbarke getragen durch
     Priester (Beischriften über dem Bug der Barken als göttliche Rezitationen

  6. Kolonnadenhalle, Inschrift Westwand, mittlerer Bereich (Szene 3)  (in situ
    Die Dekoration dieses Abschnittes weist folgende Szenen auf: Fahrt der heiligen Barken auf dem Nil vom Amun– Tempel in Karnak zum Tempel von Luxor (Szene 3, West)

    Das Bildfeld (in szenarischem Übergang mit der vorangehenden Darstellung) besitzt zwei Register:
    1. Register: Darstellung der auf dem Nil gezogenen Barken (Soldaten, Standartenträger)
    (weitgehend zerstört)
                        (Amunbarke, Barke der Königin, Mutbarke)
    2. Register: Darstellung zu Lande geführte Prozession der gezogenen Barken (Soldaten,
    S
    tandartenträger),
                        königliche Gespanne, Mannschaft die Amunbarke ziehend, Nubier, Soldaten, Sistrumspielerinnen,
                        taktschlagende Priester, Mannschaft die  Mutbarke ziehend, Nubier, Standartenträger, 
                        Libyer, Musikanten. 

  7. Kolonnadenhalle, Inschrift Westwand, südlicher Bereich (Szene 4)  (in  situ)
    Die Dekoration dieses Abschnittes weist folgende Szenen auf:

    Tragen der heiligen Barke vom Nil zum Tempel von Luxor (Szene4, West) . Das Bildfeld (in szenarischem Übergang mit der vorangehenden Darstellung) besitzt drei (ursprünglich vier) Register:

    1. Register: Darstellung der Prozession der Amunbarke
    2. Register: Darstellung der Prozession der von den Priestern getragenen Barke (Einleitung
    des Registers mit
                          nochmaliger zweiregistriger Unterteilung
    3. Register: Darstellung von Schlachtszenen (schmaler Bildstreifen mit viertem Register
    zusammengefasst als
                        drei-registiger Szene mit Tänzerinnen)
    4. Register: Aufreihung von Kapellen mit jeweils einem opfernden Priest
    er

     

  8. Kolonnadenhalle, Inschrift Ostwand, mittlerer Bereich (Szene 3)  (in situ)
    Die Dekoration dieses Abschnittes weist folgende Szenen auf:

    Tragen der heiligen Barken vom Tempel von Luxor zum Nil (Szene 3, Ost)
    Das Bildfeld (in szenischem Übergang mit der vorangehenden Darstellung) besitzt zwei Register:

    1. Register: Darstellung der auf dem Nil gezogenen Prozessionsbarken (weitgehend zerstört)
                         (Königsbarke, Amunbarke, Mutbarke, Barke der Königin, Chonsbarke), sowie
                         Darstellung begleitender Schleppschiffe
    2. Register: Darstellung, der zu Lande geführten Prozession (Ziehen der Barken) (Standartenträger, Soldaten,
                        Tänzer, königliche Gespanne, Sistrumspielerinnen, Sängerinnen,
    taktschlagende Libyer)

     

  9. Kolonnadenhalle, Inschrift Ostwand, nördlicher Bereich (Szene 4) (in situ
    Die Dekoration dieses Abschnittes weist folgende Szenen auf:

    Tragen der heiligen Barke vom Nil zum Tempel von Karnak (Szene 4, Ost)
    Das Bildfeld besitzt zwei Register:

    1. Register: Darstellung des Königs im Prozessionszug mit Priestern, welche die Amunbarke (zerstört) tragen.
    2. Register: Darstellung der Prozession von Priestern, die Chonsbarke, Mutbarke und die
    Königsbarke tragend
                         (Beischrift über dem Bug der Barke als göttliche Rezitation)

     

  10. Kolonnadenhalle, Inschrift Ostwand, nördlicher Bereich (Szene 5) (in situ)
    Die Dekoration dieses Abschnittes weist folgende Szenen auf:

    Darbringen von Weihrauch- und Libationsopfer vor den heiligen Barken im Tempel von Karnak (Szene 5, Ost):
    Das Bildfeld besitzt zwei Register:

    1. Register: Darstellung des Königs im Opfervollzug (Libationsopfer vor Opferständern unter
                        dem Tragebalken der auf dem Barkenstand ruhenden Amunbarke)
    2. Register: Darstellung der Königsbarke, Mutbarke und Chonsbarke; Inschrift von Opferlisten

                        
  11. Kolonnadenhalle, Inschrift Ostwand, nördlicher Bereich  (in situ)
    Die Dekoration dieses Abschnittes weist eine zweigegliederte Darstellung auf:

    1. Szene: Darstellung des Königs vor dem ithyphallischen Amun
    2. Szene: Darstellung des Königs vor Amun (zerstört)

     

  12. Kolonnadenhalle, Inschrift Nordwand, östliche Seite  (in situ)
    Die Dekoration dieses Abschnittes weist mehr-registige Opferszenen auf:

    1. Register: Darbringung eines Salbenopfers durch den König vor Amun, Darstellungen des Königs zwischen 
                        zwei Gottheiten
    2. Register: Darstellung eines Blumenopfers durch den König (geleitet von Mut und zwei
    Gottheiten) vor Amun
    3. Register: Darstellung eines Weihrauch- und Libationsopfers durch den König vor Amun und Darstellung 
                        des Verlassens des Palastes vor Amun und Mut

Theben-West / Kom-el-Hetan:

Auch im Totentempel Amenophis III. in Kom-el-Hettan finden sich Zeugnisse von Haremhabs Restaurationsarbeiten. Er ließ vor der nördlichen Tornische des Zugangs zum Peristylhof eine Stele aufstellen, deren Bild- und Textfeld heute teilweise zerstört und erodiert sind. Über dem König befindet sich die Flügelsonne und neben den Darstellungen die Bildbeischriften in Kolumnen. 

Die nur noch fragmentarisch erhaltene Stele weist ein Bildfeld auf, das mehr als die Hälfte des Stelenfeldes einnimmt. Im Bildfeld steht der König mit der blauen Krone vor einem Opfertisch und gibt ein Weinopfer an Ptah, Sachmet und Amenophis III. Die Stele aus Sandstein hat eine 1,64m und eine Länge von 1,01m ( 5 ).

Die Stele war ursprünglich bemalt und mit einer Blattgoldauflage versehen. 

Stele im Totentempel Amenophis III.

Inschrift neben den Darstellungen

Bildquelle: Helck - Historisch-biografische Texte,
 S. 71, Nr. 44
Inschrift zum König: 
"König von Ober- und Unterägypten
(Dsr-xprw-Ra stp.nRa HoAMAat)|, Sohn des Re  (!r-m-Hab mrj.nJmn)|
beschenkt mit Leben, Dauer (und) Herrschaft, wie Re Ewiglich."
Zu Ptah:
"Worte zu sprechen durch Ptah, südlich seiner Mauer, Herr des Lebens: Ich habe dir gegeben, unendlich viele Sedfeste."
Zu Sachmet:
"Worte zu sprechen durch Sachmet, geliebt von Ptah."
Zu Amenophis III.:
"Der vollkommene Gott
(NbmAatRa)|, Herr der Beiden Länder (JmnHtp(w) HoAWAst)|, beschenkt mit Leben wie Re ewiglich. “

                                                         (Übersetzung durch M. Pirzer)

              Steleninschrift
Stelentext nach S. Grallert in „Bauen–Stiften–Weihen “:
Har/Wf 006: 
(1) (Werk aus) Regierungsjahr 6. 1 Monat der achet, Tag unter der Majestät des Horus, [starker Stier, spdsxrw. die Beiden Herrinn[- HrMAat sxpr-tAwj en], wr [-bjAwtm ptswt, [Goldhorus, hrw


(2) Königs von Ober- und Unterägypten (Dsr-xprw-Ra stp.nRa HoAMAat)|, der Sohn des Re, geliebter der Göttern, Herr der Kronen ( ///////////////////////////)|, [ geliebter (leiblicher Sohn?)] des Amun–Re, Herrn der Götter  ………………………Beschenkt mit Leben, Dauer, Herrschaft, 
(3) wie Re  ewiglich ……………  An diesem Tag, da war Seine Majestät
(4) der König–Leben–Heil–Gesundheit–in Karnak beim Lei[ten der Arbeiten ? an [ … ] [für ? Amun– Re], Herrn der Throne beider Länder, Herrn des Himmels, König der Götter, Mut, [die Große ?], Herrin
(5) von Ascheru, Chons- in–Theben Nefer[hotep], ///////////, 
(6)  Ptah–Sokar–Osiris, befindlich in der Unterwelt, Nefertem, Horus von Hekenu, Sachmet, geliebt von Ptah und allen Göttern und Göttinnen von Theben, so wie sie ihm Stärke und Kraft gaben, alle Länder, alle 

 

 

(7) Fremdländer, die Neunbogenvölker gezählt unter seinen Sohlen, das er gemacht hat als sein Denkmal für seinen Vater Amun–Re, König der Götter, Ptah– Sokar–Osiris, befindlich in der Unterwelt,
(8) Vorderer der Hw.t des (Nebmaatre)|, - Leben – Heil– Gesundheit, (nämlich) das Machen für ihn eine große rjd von Neuem aus Sandstein auf den großen 
(9) Namen des König von Ober- und Unterägypten, Abbild des Amun, Herr der Beiden Länder (Dsrxprw-Ra stp.nRa HoAMAat)|, der Sohn des Re von seinem eigen
en Leib, Herr der Kronen (!r-m-Hab mrj.nJmn)|, geliebt, beschenkt mit Leben, Dauer, Herrschaft wie Re ewiglich

Nach Aussage des Textes hielt sich der König im 6. Jahr seiner Regierung am Neujahrstag in Karnak/Theben auf. Dabei errichtete er (gab den Auftrag?) eine „große rjd aus Sandstein “ für Amun- Re im Totentempel Amenophis III. 

Der heutige Aufbewahrungsort ist unbekannt (evtl. Magazin ?).  

Theben-West / Deir el-Bahari

Im Terrassentempel der Königin Hatschepsut in Deir el-Bahari fanden sich in der oberen Kolonnadenhalle (Westwand - südlicher Bereich - in situ) zwei Restaurationsinschriften von Haremhab ( 5 ). In beiden Fällen scheint die Restaurierung für Amun-Re und Thutmosis III. durchgeführt worden zu sein. Die beiden Restaurierungsinschriften (von Haremhab und Ramses II.) beziehen sich  auf die Restaurierung des Tempels "des Vaters der Väter Thutmosis III.".

Die Inschrift befindet sich in etwa in der Höhe der 5. Säule. Nach Silke Grallert ( 5 ) findet sich der Restaurationstext im Zusammenhang mit der ursprünglichen Tempeldekoration in drei Szenen. 
1. König vor Gottheiten,
2. König vor Amun mit dem Restaurationstext Haremhabs,
3. König mit dem Restaurationstext Ramses II. (Vergl. dazu: PM II² 356 (74).

Har/Rv 001:   Deir el – Bahari / obere Terrasse, Südhälfte 
(nach Grallert: 
Bauen, Stiften, Weihen, Achet-Verlag 2001)

„ [ … ] Sohn des Königs von Ober – und Unterägypten (Mencheperre)| das für ihn sein geliebter Sohn (Königname) gemacht hat als/im Erneuern seines Denkmals von Neuem [für] seinen Vater Amun und für den Vater seiner Väter (Mencheperre)| ………….. 

 

Theben-West /Medinet Habu

Haremhab ließ im Kleinen Tempel von Medinet Habu umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchführen. Die meisten Inschriften wurden von Haremhab in Namen von Thutmosis III. anbringen. Dieses ist ein einmaliger Fall. Renovierungsvermerke von Haremhab befinden sich im Pfeilerumgang, Türpfosten, Barkensanktuar und in den Ritualszenen.

Helck Urk. IV, 2135
„Denkmalserneuerung, die gemacht hat der König von Ober– und Unterägypten
(+crxprwRa–erwählt von Re)|, für seinen Vater Amun.“   

 

Har/Rv 009: Barkensanktuar Ritualszene
"
Erneuerung des Denkmals, das (Mencheperre)| für seinen Vater Amun gemacht hat “
Har/Rv 010:  Barkensanktuar
„Erneuerung des Denkmals, das (Mencheperre)| für seinen Vater Amun gemacht hat“
Har/Rv013:                Pfeilerumgang Ritualszene 
„Erneuerung des Denkmals, das (Mencheperre)| für seinen Vater Amun gemacht ha “
Har/Rv 005:    

Barkemsanktuar Ritualszene
„Erneuerung des Denkmals, das (Mencheperre)| für seinen Vater Amun gemacht hat."

Har/Rv 003:  Pfeilerumgang Türpfoste
„Erneuerung des Denkmals, das der KN für seinen Vater Amun gemacht hat “
Har/Rv 004:  Barkensanktuar Ritualszene
„Erneuerung des Denkmals, das der KN für seinen Vater Amun gemacht hat “
Har/Rv 006:   Barkensanktuar Ritualszene
„Erneuerung des Denkmals, das der KN für seinen Vater Amun gemacht hat“
Har/Rv007:  Barkensanktuar Ritualszene
„Erneuerung des Denkmals, das der KN für seinen Vater Amun gemacht hat“
Har/Rv 008:   Barkensanktuar Ritualszene
„Erneuerung des Denkmals, das der KN für seinen Vater Amun gemacht hat “
Har/Rv 011:   Barkensanktuar Ritualszene
„Erneuerung des Denkmals, das der KN für seinen Vater Amun gemacht hat“
Har/Rv 012:  Barkensanktuar Ritualszene
 „Erneuerung des Denkmals, das der KN für seinen Vater Amun gemacht hat-"

(Quelle: S. Grallert Bauen, Stiften, Weihen, Achet-Verlag 2001)

Im kleinen Tempel in Medinet Habu aus der Zeit Hatschepsut/Thutmosis III. findet sich Restaurationsinschriften aus der Zeit König Haremhabs.

Restaurationsinschrift am südlichen Portalsturz:   
Höhe Inschriftenzeile 4,5cm, Länge 9,6cm

Restaurationsinschrift am nördlichen Portalsturz:
Höhe Inschriftenzeile 4,5cm, Länge 9,4cm
Erhaltung weiße Grundierungsfarbe; gelber Restfarbe-

Die Restaurationstexte befinden sich auf dem südlichen und nördlichen Portalsturz  in Zusammenhang mit der Szene: Darstellung Thutmosis III., der von Amun Leben empfängt. (Zur Restauration des Tempels Thutmosis III. unter Ptolemaios VII. Euergetes II. vgl. PM II², 466)

Nördlicher/südlicher Türsturz:
1. Zeile Restaurationsinschrift
Haremhabs
2. Zeile Restaurationsinschrift Sethos I.
3. Zeile eine Titulaturbelegung
Amenmesses

Restaurationsinschrift südlicher Portalsturz:
Höhe Inschriftenzeile 4,5cm; Länge 9,6cm
Restaurationsinschrift nördlicher Portalsturz:
Höhe 4,5cm; Länge 9,4cm
Erhaltung weiße Grundierungsfarbe; gelbe Farbreste

              Inschrift aus ( 5 )

Restaurationsinschrift Westwandung Barkensanktuar (in situ)
Restaurationsinschrift südlicher Bereich:   Höhe Inschriftenzeile: 3,62cm; Breite 6cm
Restaurationsinschrift nördlicher Bereich:
Höhe 3,7cm; Breite 6cm

Die Restaurationsinschriften in jeweils einer Kolumne befinden sich auf der südlichen und nördlichen Hälfte der westlichen Innenwandung des Umgangs im Sanktuar in Verbindung mit der Szene: Thutmosis III. empfängt Leben durch Amun.

Restaurationsinschrift nördliche Wand, Barkensanktuar  (in situ
Die Restaurationsinschrift auf der nördlichen Wand des Barkensanktuar befindet sich auf zwei versetzt restaurierten Blöcken (Länge der Zerstörung zwischen den beiden Blöcken beträgt: 1,34 cm). 

Die Restaurationstexte befinden im nördlichen Bereich der Wandung in Zusammenhang mit der Szene: Weihung von Opfergaben durch Thutmosis III. vor Amun. Die Szene der Opferweihung steht im Gesamtzusammenhang mit der Gründungsszene des Tempels ( 5 ).

Totentempel Haremhabs
Theben-West / nördlich von Medinet Habu

Das erste sicher in Medinet Habu belegte "Millionenjahrhaus" ist der nordwestlich vom sog. "Kleinen Tempel" gelegene Bau von Eje/Haremhab.

Es ist nicht ganz gesichert, wie weit der Totentempel Ejes in Theben–West bei dessen Tode gediehen war – gegenüber der früheren Ansicht scheint der Bau jedoch weiter vorgeschritten gewesen zu sein als früher angenommen. Dieses unfertige Bauwerk Ejes wurde dann von Haremhab übernommen und für sich ausgebaut. 

Blick von Ost nach West auf die Überreste des Totentempels in Medinet Habu

Bild: mit freundl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

 

Fragmente des Totentempel Haremhabs
 in Medinet Habu

    Geringe Reste des aufgehenden Mauerwerks mit Pflasterung des Peristyls

   Bild: mit freundl. Dank Saamunra
      - alle Rechte vorbehalten -

 

Fragmente des Totentempel Haremhabs
 in Medinet Habu

Mittlerer Teil des Totentempels mit Treppe (?) und Tempelwandlungen.

   Bild: mit freundl. Dank Saamunra
      - alle Rechte vorbehalten -

 

Fragmente des Totentempel Haremhabs
 in Medinet Habu

Blick auf letzte Kammer mit dem Allerheiligsten - im hinteren Tempelteil mit Säulenresten.

Rechts - Blick auf den El Qurn.

   Bild: mit freundl. Dank Saamunra
      - alle Rechte vorbehalten -

Uvo Hölscher konnte bei seinen Untersuchungen des Tempels an etlichen Bauteilen Usurpationsspuren feststellen, u. a. wurde der Name Ejes entfernt und durch den von Haremhab ersetzt – so an Säulen / siehe auch die beiden Kolossalstatuen, die ursprünglich zur Ausstattung von Tutanchamuns Tempel im Gebiet von Medinet Habu gehört hatten, dann von Eje und danach von Haremhab usurpiert wurden.

Haremhab fügte im westlichen Bereich Räume hinzu und vollendete den Tempelbau, indem er die beiden Höfe im Osten des Palastbereichs hinzufügte. Der Name des "Millionenjahrhauses" (Totentempel) lautete nun !w.t (+srxpr.wRa.w stpnRa.w)| - "Tempel des Djeser-cheperu-re setepen-re".

Der Tempel war an den Hang gebaut und vom Eingangspylon im Osten bis hin zu der westlichen Außenmauer überwand das Tempelniveau einen Höhenunterschied von ca. 9m. Im ersten Hof handelt es sich um einen Höhenunterschied von ca. 3m. Der folgende zweite Hof und die Passage weisen zusammen ebenfalls eine Höhendifferenz von 3m auf. Jenseits des Eingangs zum Festhof wurde der Höhenzuwachs kontinuierlich fortgeführt, die Höhendifferenzen waren aber deutlich geringer. Das ansteigende Gelände wurde im vorderen Bereich des Tempels durch Rampen und im Westen des 2 x 10–Säulensaales durch Treppen überwunden (11). 

            Totentempel Haremhab/Eje
Bei Haremhab finden wir drei hintereinandergeschaltete Höfe, die durch Pylone voneinander getrennt waren. Der Eingangspylon dominiert durch seine Dicke und Breite, ist also größer als die beiden folgenden Pylone. Diese stimmen mit der Breite des Tempelhauses überein. 

Im dritten Hof zwischen 3. Pylon und Tempelfassade befand sich im Süden der Tempelpalast, der sich nun zu einem eigenen Bauwerk entwickelt hat. Dieses ist zukunftsweisend für die nachfolgenden Anlagen von Totentempeln. 

Die spärlichen Fundamentreste des hinteren Tempelteils lassen vielleicht ein zentrales, 3-Kapellen–Barkenheiligtum mit einem durch vier Säulen betonten Amun-Sanktuar erkennen.

Der Tempel bestand aus Sandstein, die ihn umgebenden Bauten aus Lehmziegeln ( 11 ). 

Haremhabs Totentempel war noch im 29. Jahr König Ramses III. funktionsfähig    siehe o Berlin 10633.


             (Zeichnung nach Wilkinson)

Der Zugang in den Totentempel Haremhabs erfolgte über einen Ziegelpylon und westlich davon bildete ein zweiter Ziegelpylon den Eingang zu den Tempelhöfen. Der Tempelpalast befand sich an der Südseite des zwischen diesen beiden Pylonen liegenden Hofes. Ein weiteres Tempelhaus aus Stein folgte auf die Höfe und begann mit einer quergelegten Säulenhalle. Hieran schlossen sich im Westen zwei weitere Säulenhallen mit Nebenräumen an. Ein Raum mit vier Säulen bildete den Endpunkt der zentralen Tempelachse - dieser Raum wurde als Sanktuar für den Gott Amun-Re genutzt. Hölscher fand bei seinen Ausgrabungen die Fragmente einiger Statuen aus der Zeit König Ejes. Zumindest zwei davon scheinen wohl für König Tutanchamun - den Vorgänger Ejes - hergestellt worden zu sein und wurden dann später von Eje übernommen. Dieses könnte als ein weiteres Indiz dafür gelten, dass sich der bislang noch nicht gefundene Totentempel König Tutanchamuns in unmittelbarer Nähe befunden haben musste. 

Ejes angefangener Totentempel wurde nach seinem Tod von seinem Nachfolger Haremhab übernommen und auf eine Gesamtgröße von 257,70 x 145,60 m erweitert. Die Namen von König Eje wurden fast überall - mit Ausnahme der Kartuschen auf dem Grundstein-Beigaben - durch den Namen von Haremhab ersetzt. 

Das Bauwerk wurde in Richtung Osten um zwei Pylonbauten erweitert und der Eingang erfolgte nun durch einen gigantischen Ziegelpylon.  Dahinter folgte der 1. Hof und dann ein zweiter Ziegelpylon und der 2. Hof. Auf diesen Hof schloss sich ein dritter Ziegelpylon an - bei dem es sich um den ursprünglichen Eingangspylon in das Millionenjahrhaus König Ejes handelte. Darauf folgte ein 3. Hof - auf dessen Südseite lag der Palast aus der Regierungszeit König Ejes. Dieser 3. Hof schloss auf seiner Westseite mit einer Mauer ab. Ein Tor aus Stein diente als Eingang in den Hof und ersetzte damit den ehemaligen zweiten Ziegelpylon König Ejes.

Durch den Eingang gelangte man in einen großen Peristylhof, der von einer Doppelsäulenreihe umgeben war, den Haremhab vollständig neu bauen ließ. Hinter dem Säulenhof folgt der Tempelteil aus der Zeit König Ejes, den Haremhab original übernahm. Diesen Bau ließ Haremhab im Westen durch einen Säulensaal mit drei Kapellen im Westen erweitern. Dazu wurden auf dessen Südseite drei Kapellen hinzugefügt und südlich des Tempelhauses folgte dann noch ein weiterer Magazinbau. Den gesamten Millionenjahrhauskomplex umgab man mit einer Umfassungsmauer, die aus Ziegeln errichtet wurde ( 12 )

Einige der Fragmente, die im Bereich des Totemtempels Haremhaba/Eje in Medinet Habu gefunden wurden tragen Inschriften: Stelenfragment (PM II², 459) - ohne Maßangaben - aus Kalkstein. Der sechszeilige Text ist vermutlich Teil eines Textes mit Krönungsthematik ( 5 ). 

Fragment mit Inschrift aus dem Totentempel des Königs:  nach Helck Urk. IV, 2128_
[ ………………… ] die Länder in [ ……………………. ] Er wurde dem Stier seiner Mutter [geboren], hervorgegangen aus dem Leib dessen, [der sich (selbst) geschaffen hat, ………….. …….... ] Glieder des Gottes, gezeugt vom König der Götter. Es zog [ihn auf die Herrin des Großen Hauses; ein Souverän], der jedes Land erobert. Ägypten ist [ …………………..…… ] Opfer in Millionen [ ……………………..… , der seine] Schönheit sch[uf ………..……. ] “

Des weiteren wurden auf dem Areal von Medinet Habu verschiedene Relieffragmente von Tempelwandlungen, Säulen und Säulentrommeln (in situ) gefunden, u. a. auch ein Relieffragment (siehe dazu Hölscher OIP 41, 1939, 101, PL 43 (o) mit der Darstellung des alternierenden Thron- und Eigennamen Haremhabs (in Tusche geschriebene Kartuschen Haremhabs) ( 5 ).

Von der 21. bis zur 24. Dynastie waren die in Medinet Habu errichteten Millionenjahrhäuser erheblichen Einwirkungen ausgesetzt, die zur weitgehenden Zerstörung des Millionenjahrhauses von Eje und Haremhab führten. Schon zu Beginn der 21. Dynastie scheint das Millionenjahrhaus von Eje und Haremhab weitgehend zerstört worden zu sein. Wahrscheinlich brachten Wassereinbrüche aus dem westlich hinter Medinet Habu gelegenen Wadi Teile der Anlage zum Einsturz und sie wurden in der Folge als Steinbruch genutzt.

Die Wiederverwendung von Säulentrommeln im Chonstempel in Karnak durch König Herihor, die aus dem Säulenhof Haremhabs stammten, kann hier als ungefährer Anhaltspunkt für den Zeitpunkt der Zerstörung durch Wassereinbrüche angesehen werden. Herihor war zunächst Hohepriester des Amun und Militärführer während der Regierung Ramses XI. Nach dem Tod Ramses XI. nahm Herihor selbst den Königstitel an. Er wird von den Ägyptologen zeitlich in den Übergang von der 20. zur 21. Dynasty eingeordnet. Es ist daher anzunehmen, dass in dieser Zeit auch die Entfernung der Säulen aus dem Hof der Totentempelanlage Eje/Haremhabs erfolgte und demzufolge die Zerstörungen auch im inneren Bereich des Millionenjahrhauses von Eje/Haremhab so weit vorangeschritten waren, dass spätestens zum Beginn der 21. Dynastie der Kultbetrieb in dem Heiligtum erloschen sein dürfte.

Kolossalstatuen aus dem Totentempel:

Zwei Standstatuen des Königs:

Von den Statuen, die einst in dem Totentempel standen, konnten nur noch große Fragmente geborgen werden, aber wir kennen die ursprüngliche Position der größten im Totentempel. Die beiden großen Stand-Statuen aus rötlichem Quarzit mit Bemalung standen original in der breiten Halle, rechts und links auf der Rückseite des westlichen Durchganges. Bei ihrer Entdeckung während der Grabungen des Oriental Institute of Chicago im Jahre 1931 fand man ihre Fragmente umgestürzt.

Die südliche Statue befindet sich heute im Museum Kairo (J 59869/60134) und die nördliche im Oriental Institute of Chicago Museum (OI 14088). Die Höhe der letzteren beträgt einschließlich der Basis etwa 5,25 m (17 ft. 3 inch). 

Auf beiden Kolossal-Standstatuen erscheinen die Kartuschen mit den Namen Haremhabs über die gelöschten Namen von König Eje - wobei der ursprüngliche Name noch gelesen werden kann. Das Gesicht der beiden Stand-Statuen ist aber nicht das von König Eje, denn dieser war bei seinem Regierungsantritt schon ein alter Mann - sondern das des jugendlichen Tutanchamun, wenn man es mit den bekannten Merkmalen seiner Darstellungen vergleicht. So ist hier klar ersichtlich, dass die Statuen ursprünglich für Tutanchamun hergestellt wurden, später aber von König Eje übernommen, neu beschriftet und letztlich usurpiert von Haremhab wurden ( 13 ).

Kolossalstatue Kairo JE 60134/59869
Bei den Grabungen des Oriental Institute of Cairo in Medinet Habu wurde diese große, bemalte Standstatue aus rotem Quarzit im nördlichen Bereich der Rückwand der breiten Halle, in drei Fragmente (
? ) (Basis, Torso und Kopf) zerbrochen auf dem Boden liegend aufgefunden
(Anmerkung von Nefershapiland: Wobei aber auf den Bildern von Hölscher kein Bruch zwischen Torso und Kopf sichtbar ist - im Gegensatz zu der anderen Standstatue, die sich heute in Chicago befindet, wo eindeutig der Kopf vom Torso getrennt war).

Die Basis der Königsstatue ist ca. 135 cm lang, 80 cm breit und 59 cm hoch. Die Front ist leicht gerundet. Die Statue besaß einen beschrifteten Rückenpfeiler ( 13 )

Südliche Kolossal-Statue Tutanchamun/Eje/Haremhab - Cairo J 59869

Bild: oi.uchicago.edu (Werk von Uvo Hölscher)

 

         Kopf einer kleiner Königinnenfigur (ca. 16 cm hoch)

Neben dem linken Fuß ( 13 ) der Königsstatue stand eine kleine Figur der Königin, von der aber nur noch der Kopf erhalten ist. Das Gesicht ist weggebrochen. Die Figur trägt eine große Perücke auf dem Kopf, die blau lackiert ist und eine Art Diadem, das um die Stirn gebunden ist. Es wurden Reste einer korbartigen Krone (Uräen-Modius) verziert mit Schlangen (Uräen) gefunden. Im Ohrläppchen befindet sich ein knopfartiges Ohrstecker. ( 13 )
heute in:
Museum Kairo (ohne Inventar-Nr.)

Es ist nicht sicher, zu welcher der zwei Standstatuen der Königinnenkopf gehört. Eine weitere Königinnenstatue - sehr ähnlich in der Ausführung befindet sich ebenfalls in Kairo (741). 

   Bild: oi.uchicago.edu (Uvo Hölscher)

 

 Kolossal-Statue Tutanchamun/Eje/Haremhab
      - Museum Kairo JE 60134/59869 -
Der Statue fehlt die sxm.tj–Krone, die Arme, rechte Schulter- und Brustbereich, Beine an dem Schurzabschluss, Zerstörungen linke Gesichtshälfte, Kinn- und Bartpartie.  Auf der Gürtelschnalle befindet sich der Thronname Haremhabs.

Inschriften:  
Rückenpfeiler, frontale und seitliche Sockelpartie, Gürtelschnalle.

Die Statue stellte den König in Schrittstellung mit dem Nemeskopftuch und der  sxm.tj–Krone  dar. An der Seite des linken Beines befand sich die kleine Figur der königlichen Gemahlin. Die Kartuschen weisen Spuren einer Usurpation der Namen Ejes auf.

Material: roter Quarzit . bemalt
ursprüngliche Höhe: 5,25m
Die Kolossalstatue hat heute eine erhaltene Höhe von 284cm, eine Breite von 73 cm und eine Tiefe von 76 cm. ( 5

Bild:      Colossal-Statue of Tutankhamun
User:     Dmitry Denisenkov
Lizenz:   CC-BY-SA-2.0

 

Die kolossale Statue Tutanchamun/Eje/Haremhab - heute im Museum Kairo JE 59869
und der dazugehörige Sockel (JE 60134)

Bild: Mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

        Bild: oi.uchicago.edu (Uvo Hölscher)

Kolossalstatue Museum Chicago OI 14088:
Gefunden wurde diese Statue am Boden liegend am Eingang einer Säulenhalle (dem quer verlaufenden Hypostyl des Tempels an der Süd- und Nordseite der hinteren Tür) in den Ruinen eines Bauwerkes, das nach dem Ende des Neuen Reiches durch einen Sturzbach zerstört worden war.

                                    Nördliche Standstatue aus dem Totentempel
Die Basis, die Unterschenkel und die Königinnenstatue fehlen, auch die Arme, Bart und die Nase. Die Form und die Farbgebung entsprechen dem südlichen Gegenstück der Statue.

Erhalten geblieben sind der Kopf und der Torso - ebenso die Krone, die aus einem separaten Steinblock gearbeitet wurde. Letztere passt zwar nicht ganz genau auf den dazugehörigen Kopf der Statue, gehört aber ohne Zweifel auf diesen, in Anbetracht der Umstände der Entdeckung ( 13 ). Die Standstatue lag auf dem Boden hingestreckt und die Krone ca. einen Meter entfernt vom Kopf. (siehe Pfeil)

                                      (Bild: Grabungsfoto Oriental Institute of Chicago

 

                Kolossal-Statue aus Medinet-Habu 
               - heute:
Museum Chicago OI 14088 -
                 usurpiert durch König Haremhab

Die Statue stellt den König in Schrittstellung dar mit dem Nemeskopftuch, auf dem die
sxm.tj–Krone saß. An der Seite des rechten Beines befand sich die kleine der königlichen Gemahlin. Die Kartuschen weisen Spuren einer Usurpation des Namens Eje auf. ( 5 )


Maße: urspr. Gesamthöhe: 5,25m, Sockelhöhe: 55 cm, Länge 1,12m (Seite), 1.24m (mit Rundung), Breite 83cm. 
Material: roter Quarzit
Inschriften: Rückenpfeiler, Sockelpartie

Bildautor:   mharrsch
Lizenz:       CC-BY-SA 2.0  Flickr-Album
Originalbild    hier
Bekleidet ist er mit einem breiten Halskragen und dem plissierten schendi–Schurz, in dessen Gürtel ein Dolch mit falkenköpfigem Griff steckt. Auf der Gürtelschnalle steht heute der Thronname König Haremhabs eingraviert. Ursprünglich stand hier der Name König Eje, den dann Haremhab überschreiben ließ. Eventuell usurpierte aber auch schon König Eje den hier vielleicht ursprünglich stehenden Thronnamen von König Tutanchamun und ließ dann die beiden Kolossal-Statuen von dem noch unvollendeten Totentempel Tutanchamuns in seinen eigenen Totentempel schaffen - wovon sie später dann wiederum ihrerseits von König Haremhab usurpiert wurden. 

Die Restaurierung der Statue Chicago wurden von der Fa. Maurice Bardin und Donato Bastiani mit Hilfe von Gipsabdrücken der besser erhaltenen Statue aus Kairo durchgeführt. Dabei wurde auch sichtbar, dass die Inschriften auf dem Rückenpfeiler der nördlichen Statue (heute in Kairo) die noch sichtbaren Hieroglyphen von König Eje blau ausgemalt waren, ebenso wie die von Haremhab auf dem Stück, das zur Krone gehörte. Allerdings sind die Inschriften auf dem Hauptstück des Pfeilers nicht ausgemalt, obwohl die vorläufigen schwarzen Umrisszeichnungen noch erkennbar sind (nach den Aufzeichnungen von Prof. Edgerton).

Auf allen von Haremhab bearbeiteten Teilen der Statue sind noch Spuren der ursprünglichen Kartusche von Eje erkennbar, aber nie die von Tutanchamun.  ( 13 )

*

Zwei Sitzstatuen des Königs:

Die beiden kolossalen Sitzstatuen des Königs aus weißem kristallinen Kalkstein standen original auf jeder Seite des Eingangs zu Breiten Halle des Totentempels. Der "Service des Antiquitès" und Richard Lepsius überstellten die wichtigsten Fragmente ins Museum Kairo (No. 632) und nach Berlin (No. 1479), aber bei den Untersuchungen des
Oriental Institutes of Chicago unter der Leitung von Uvo Hölscher im Jahre 1931 wurden noch zahlreiche Stücke der beiden Sitzstatuen an ihrem ursprünglichen Platz gefunden, so dass der genau Aufstellungsplatz - der bislang nicht gesichert war - sich nun bestätigt hatte.

Die originale Höhe der Sitzstatuen betrug 5,20 m. Die Inschriften auf dem Thron und auf der Basis zeigen den Namen von Haremhab, wobei aber der von ihm gelöschte Name des Eje noch erkennbar ist. Uvo Hölscher hielt die beiden Sitzstatuen (Cairo und Berlin) dem Aussehen nach für Statuen aus der Zeit König Ejes - wobei man berücksichtigen muss, dass Hölscher die Berliner Statue vermutlich nur in dem restaurierten Zustand (vor 1950) gesehen hat und daher ebenso wie die damaligen Berliner Ägyptologen Eje darin sahen. Erst bei den 1999 erfolgten nochmaligen Restaurierungsarbeiten an dem Berliner Torso - wobei die alten Gipsergänzungen entfernt wurden - kam der Berliner Ägyptologe Dietrich Wildung zu der Erkenntnis, dass es sich hierbei um ein Bildnis Tutanchamuns handeln könnte - was durchaus möglich, aber nicht sicher beweisbar ist.

Kolossalstatue Berlin 1479 (Sitzstatue) - usurpiert von Haremhab
1844 wurde durch die preußische Expedition unter Karl Richard Lepsius die Hauptstücke eine monumentale Büste unmittelbar nördlich des Tempels von Medinet Habu in Theben–West gefunden -  in dem Ruinengelände, das ein knappes Jahrhundert später durch die Grabung des Oriental Institute Chicago als der von Haremhab erweiterte Totentempel des Eje identifiziert wurde. Die Schulterbreite dieser Statue ist 1,50 m und die Breite des Rückenpfeilers 48 cm (
13 ). 

Als Geschenk von Mohamed Ali gelangte die von Lepsius gefundene Büste 1846 nach Berlin (Inv.-Nr. ÄMP 1479). Sie wurde in Berlin großflächig restauriert und man war der Auffassung, es handle sich um ein Bildnis von König Eje das Ergebnis entsprach den Erwartungen nach dem Grundsatz: es wird gefunden war man finden will!

Die umfangreichen Zementergänzungen am Torso und Gesicht suggerierten einen nahezu intakten Erhaltungszustand, so dass ein modern ergänztes, aber als authentisch angesehenes Gesicht zum Prototypen des Eje–Porträts werden könnte.

Ab 1850 stand die Büste dann an zentraler Stelle im Ägyptischen Hof des Neuen Museums Berlin. Sie galt seitdem als die einzig sicher zugeschriebene rundplastische Darstellung von König Eje, dessen Name auf der Statue unter der Tilgung durch Haremhab zu erkennen war. Der originale Befund wurde erst im Jahre 2000 sichtbar, als im Zuge der Restaurierung die alten Ergänzungen abgenommen wurden. Erhebliche Teile der rechten Gesichthälfte, des Kopftuchs, des Bartes und des Oberkörpers waren Zufügungen aus der Zeit vor 1850; als solche waren sie erst sichtbar geworden, als der Torso 1977 stark beschädigt aus dem Ruinenschutt des Neuen Museums geborgen wurde.

Erst nach Abnahme der Ergänzungen im Jahre 2000 kamen die jugendlichen Züge des ursprünglichen Gesichts zutage, die aufgrund ihrer Porträthaftigkeit und des jugendlichen Alters des Dargestellten mit größter Wahrscheinlichkeit Tutanchamun zugewiesen werden können. Der leicht maskenhafte Ausdruck des vorherigen Zustands, der durchaus typisch ist für die späte 18./ frühe 19. Dynastie ist, war allein das Ergebnis der Restaurierung. Die Büste ist zu einer Sitzfigur mit einer Gesamthöhe von 5,5m zu ergänzen: als solche mag sie, zusammen mit einem Pedant, für eine Aufstellung vor dem Pylon des Totentempels  bestimmt gewesen sein.

   Kolossale Büste im Ägyptischen Neuen Museum Berlin 
- geborgen aus dem Ruinenschutt nach dem 2. Weltkrieg -
Bis ins Jahr 2000 hielt man diese rundplastische Büste für eine Darstellung von König Eje, die später von Haremhab usurpiert wurde.

           Die Büste Berlin 1479 aus Kalkstein
- Bild von 2003 aus dem Ägypt.  Mus.  Charlottenburg -
Die fragmentierte Büste sieht heute wohl wieder so aus, wie bei ihrer Auffindung durch Hölscher. Wo sich die Statue z. Zt. befindet, ist uns nicht genau bekannt - evtl. noch in Charlottenburg oder in einem Magazin im Neuen Museum Berlin.
(Bild: Archiv Ägypt. Museum  Berlin nach dem II. Weltkrieg)

(Bild mit frdl. Genehmigung
 saamunra - alle Rechte vorbehalten)

Die noch erhaltenen Fragmente (Höhe 1,79 m) sind zu einer ursprünglichen Gesamthöhe von 5,50 m zu ergänzen: als solche könnte sie vielleicht zusammen mit einem Pedant für eine Aufstellung vor dem Pylon des Totentempels bestimmt gewesen sein.

Büste Berlin 1479 aus Kalkstein
-  Vorkriegsbild mit separater Krone -

Die Doppelkrone wurde als separates Stück gearbeitet. Sie wurde erst 1931 von der Expedition des Oriental Institute Chicago (Uvo Hölscher) neben dem Eingang der Breiten Halle in Medinet Habu gefunden. Die Unterseite der Krone war etwas ausgehöhlt und passte nicht genau auf den Kopf. Daher besteht die Möglichkeit (nach Hölscher), dass die Kronen der Kairoer Sitzstatue (von A. Weigall 1909 ins Museum gebracht) und der Berliner Statue vertauscht wurden.

(Bild: Vorkriegsbild - nach 1909 -
 aus
OIP 41 Chicago / Hölscher)

 

An der Seite des heute nicht mehr vorhandenen Throns (Kriegsverlust) befanden sich Darstellungen von Nilgöttern, wohl beim Binden des sma–Symbols, ein Teil der darüber befindlichen Inschrift hat sich erhalten.  
 Zeichnung: Lepsius LD III. 112 d

                                                           

Inschrift an der Thronbasis der von der Lepsius Expedition entdeckten Sitzstatue  
Die obere Zeile von LD III 12e weist keine Usurpationsspuren auf. Im Gegensatz dazu zeigen die beiden anderen Kartuschen in der unteren Reihe solche auf. Die obere Zeile musst somit erst zur Zeit Haremhabs angebracht worden sein.

                                   (Umzeichnung LD III. 112 e)

Kolossalstatue Kairo CCG 632 (Sitzstatue)
Die fragmentarisch erhaltenen Reste einer kolossalen Sitzstatue aus hellem Quarzit wurden in der Längshalle des Totentempels in Medinet Habu gefunden  (Höhe 4,87 m) und befinden sich heute im Museum Kairo (CCG 632 / TR 221.35.1 / 106.33.1-4). Zerstört sind die linke Seite des Nemeskopftuches, der obere Teil der Doppelkrone, beide Arme und das linke Bein (Knie/Knöchel), Teile der Brust und  fragmentarischer Zustand des Gesichtes und des Bartes, der Basis und des Thrones. 

Sitzstatue Kairo CCG 632

Die fragmentarisch erhaltene Kolossalstatue konstituiert sich aus Basis und Thron. Auf den beiden Sockel-Seiten des Thrones befinden sich smA tA.wj–Szenen mit Nilgottheiten. Die Kartuschen an der Basis sowie der rechten Seitenfläche des Thrones weisen auf eine Usurpation (Vertiefung) hin. ( 5 ) (siehe auch Hölscher, OIP 41, 1939, 105) . 

 

Bilder: Hölscher, OIP 41, 1939

Drei wichtige Fragmente dieser Statue wurden 1931 bei den Nachgrabungen des Oriental Institute Chicago gefunden und befinden sich heute im Museum Kairo:

  1. Ein Stück der rechten Seite des Thrones (1,50 x 0,45 m) - gefunden südlich des Einganges der Breiten Halle. 

    Teil der rechten Thronseite

    Das Fragment ist sehr sorgfältig gearbeitet. Sehr schwach - aber noch erkennbar ist, dass der Horusname von König Eje durch den von



     Haremhab überschrieben wurde.
      


            (Bild: aus
    OIP 41 Chicago / Hölscher)


  2. Das zweite gefundene Fragment besteht aus dem rechten Oberschenkel der Figur, bekleidet mit dem Faltenrock, auf dem der ausgestreckt Unterarm ruhte. Das Stück hat eine Länge von mehr als 1,20 m

  3. Ein kleines Bruchstück, das in die mittlere Vorderseite der Basis passt, trägt ein hieratisches Graffiti.

  4. Zwei andere Bruchstücke vom Thron, die wahrscheinlich auch zu diesem Stück gehören, wurden von Lepsius entdeckt und gezeichnet - sind aber seit dieser Zeit verschwunden. Verschiedene andere kleinere Fragmente wurden "magaziniert" im alten "Chicago-Haus" - scheinen aber nicht zu dem Haupt-Fragment zu passen (13 ).

Gebiet von Tell el-Daba: (Auaris)

Aus der Zeit Haremhabs stammt ein von ihm usurpierter Inschriften-Block vom Seth-Tempel aus Auaris/Tell el-Daba (altägyptisch: Hut-waret), der das Interesse des Königs an dem Kult und eine in der 18. Dynastie fortdauernde Kulttradtiion bezeugen. Diese Tradition wird auch durch den vermutlich ebenfalls aus der Regierungszeit Haremhabs stammenden "Mythos vom Kampf des Wettergottes mit dem Meer (sog. Astarte-Papyrus) belegt (siehe Thomas Schneider: das Ende der kurzen Chronologie, S. 298 in Ägypten und die Levante, 2008). 

Wo dieser Seth-Tempel aus der Hyksoszeit stand, lässt sich nur vage vermuten. Im Stadtzentrum (Areal F/I) fanden sich noch Reste eines großen Tempels, der aber in moderner Zeit der Ackerbautätigkeit zum Opfer gefallen ist. Der Seth-Tempel scheint in der frühen 18. Dynasty eine Umfassungsmauer erhalten zu haben - denn es gibt gewisse Hinweise auf Siedlungsaktivitäten (wie eine Abfallentsorgung und die Schaffung von Weinbergen und Feigenanpflanzungen - siehe Bietak 1985 und 1990). Erst in der Amarnazeit wurde der Tempel offenbar aufgegeben und zerstört, um dann von Tutanchamun und Haremhab in einer prekären außenpolitischen Situation erneut wieder aufgebaut zu werden. Dieses wird durch den Fund des Kalksteinblockes mit einer Inschrift, die sich unter der Darstellung des Himmels zu einem nicht mehr vorhandenen Kultbild befindet, untermauert. 

Der Kalksteinblock mit sekundär geschnittenen Inschriften war in dem Tempelbezirk innerhalb einer Abbruchschicht aus Kalksteinsplittern zurückgeblieben. Die obere Lage ist noch original erhalten (Quelle: Ausstellungskatalog Pharaonen u. Fremde - Dynastien im Dunkeln/1994 - Historische Museum Wien, S. 282). Ursprünglich dürfte hier wohl der Name König Tutanchamuns gestanden haben, der die Restaurierung der Kulte, angeordnet hatte ( Bietak 1985 und 1990)

Inschriftenblock aus dem Seth-Tempel in Tell-el-Daba

In der senkrechten, linksläufigen Kolumne steht links "Seth, groß an Kraft" - und rechts gegenüber befinden sich zwei kurze Kolumnen mit Name und Titel des Haremhab: "Der König von Ober- und Unterägypten Djesercheperure Setpenre, der Sohn des Re, Haremhab-Merienamun".

Der Block wurde "umgelagert" auf dem Boden des Tempelbezirkes in Auaris gefunden. In unmittelbarer Nähe des Fundortes kamen Weinberge innerhalb der Tempelumfassungsmauer zutage (nach Manfred Bietak - 14 -)

Ursprünglich dürfte hier wohl der Name König Tutanchamuns gestanden haben, der die Restaurierung der Kulte, angeordnet hatte ( 14 )
         
(Bild: ÖAI-Kairo und Institut für Ägyptologie der Universität Wien)

 

Bubastis:

Eventuell aus Bubastis stammt das Fragment eines Obelisken aus rötlichem Granit mit Feldspatkristallen. Die Inschriften weisen keine Usurpationsspuren auf. Der Block ist 10,7cm lang und wiegt 880 gr. Das Fragment war wohl ursprünglich Teil eines Obelisken (es weist abgerundete Ecken auf) und wurde sekundär zu einem Gewicht umgearbeitet.

Umzeichnung der Inschrift 
eines Obeliskenfragmentes ( 5 )

Auf zwei Seiten hat sich der Beginn der Titulatur Haremhabs erhalten, während die dritte Seite Teile der Titulatur Ramses I. zeigen mit dem Ende seines Horusnamens. 

 

Heliopolis:

In Heliopolis wurde ein kleines Architekturfragment gefunden (heute Louvre C. 61), dass einen eulogischen Widmungsvermerk zeigt: Har/Wv 001:  „(Werk) des vollkommenen Gottes, der Denkmäler macht für seinen Vater Re – Harachte, (Königsname) [ … ]. “  ( 4 )

*

Ein weiterer Hinweis auf eine Bautätigkeit Haremhabs in Heliopolis könnte eine große, rechteckige Stele aus rotem Quarzit sein, die ursprünglich aus einem Tempel der Amarna-Zeit datiert und in situ in Heliopolis gefunden wurde und sich heute im Museum Kairo befindet (CG 34175), die mit Reliefs und Inschriften beidseitig dekoriert ist. Die Stele hat eine Höhe von 2,50 m - eine Breite von 1,21 m und ist aus rotem Quarzit - die Oberfläche ist allgemein erodiert.

                                 Inschriften des oberen Stelenfeldes
Die Stele wurde in der Zeit des Königs Haremhab von dem Hohenpriester des Re in Heliopolis, Par-em-hab, der vorher Kommandant einer Küstenfestung war, beschriftet. Die Rückseite zeigt König Haremhab im Opfer vor den Gottheiten - Im Stelentext gibt Par-em-hab einen Hymnus an Atum wieder:
Mitte:
Herr des Himmels, Atum, Herr von Heliopolis, der große Gott, von Ober- und Unterägypten 
(Djeserkeperu-re–setepen–Re)|,  Herr der Kronen,
(Haremhab–geliebt von Amun) “
links:
Hathor, der Herrin von Htp.t. (Hetepet)
rechts:
Geben von Wein und Milch. Er macht es damit ihm Leben gegeben wird.

Übersetzung: nach Helck Urk. IV, 2171-2137 und eigene Übersetzung.

 

               Stelenvorderseite CG 34175 
                  - aus der Amarna-Zeit -


Die Frontseite wurde in der Zeit Haremhabs in eine abgerundete Stelenspitze nachbearbeitet und die Darstellungen in eine traditionelle Szene verwandelt, welche den König opfernd vor den Göttern Atum und Hathor zeigen, während in der Szene darunter der Hohepriester von Heliopolis Pa-ra-em-heb in anbetender Haltung vor Amun dargestellt wird. 

Von der ursprünglichen Dekoration aus der Amarnazeit hat sich nur die sehr tief eingeschnittene Sonnenscheibe des Aton zweimal deutlich sichtbar erhalten (
zu den Darstellungen siehe: Labib Habachi: Akhnaton in Heliopolis, Festschrift Ricke 1971, der CC 34175 als rechteckige Votivstele aus einem amarnazeitlichen Tempel in Heliopolis interpretiert).

 

     (Bild: mit besonderem Dank Saamunra)
        - alle Rechte liegen bei Saamunra -

 

               Stelenrückseite CG 34175 
                  - aus der Amarna-Zeit -


Auf der anderen, stärker beschädigten Stelenseite befinden sich zwei Szenen mit der königlichen Amarna-Familie in Anbetungshaltung vor der noch intakten Darstellung Atons als Sonnenscheibe. Die Szene darunter ist beschädigt und zeigt den König, eine Prinzessin und eine unbekannte männliche Person in Anbetungshaltung auf dem Boden liegend vor der Präsenz des Sonnengottes. 

(Quelle: Ian Shaw: Balustrades, Stairs and Altars in the cult of the Aten at el-Amarna, 1994 - online-Version)

Bild:      Museum Kairo
User:     kairoinfo4U
Lizenz:   CC-BY-NC-SA-2.0

*

Einige dieser Fragmente aus dem Aton-Tempel in Heliopolis (mit dem Namen: "Which-lifts-Re-in-Heliopolis-of-Re") wurden in situ in Heliopolis gefunden (wie die Stele CG 34175) - verschiedene andere Reliefblock, die wohl ebenfalls aus diesem amarnazeitlichen Bauwerk stammten, wurden wiederverbaut in dem Minarett der aus dem 11. Jahrhundert stammenden Hakim-Moschee gefunden (Quelle: Balustrades, Stairs and Altars in the Cult of the Aten at El-Amarna / Ian Shaw, S. 109 ff)

*

Das Fragment einer Stele (heutige Höhe 1,90 m; Breite 0,50 m) aus rotgelben Quarzit, die verbaut als Türschwelle in einer Moschee nahe der Kairener Zitadelle gefunden wurde, könnte rein hypothetisch ebenfalls aus Heliopolis stammen. Von hier aus gelangte das Stück zuerst in die Sammlung "Dattari" und von dort aus dann 1903 ins Museum Kairo (JdE 34189/TR 6/11/26/11). Die Annahme bezüglich einer heliopolitanischen Herkunft der Stele beruht einerseits auf die Bezugnahme der Inschrift auf "aA.t Hw.t" und "#prj", zum anderen auf die Tatsache einer Wiederverwendung von mehreren Fragmentblöcke mit gleicher Provenienz in modernen Gebäuden in Kairo (vergl. Hari, Horemheb, 289f, PM IV, 70 in Speos Gebel el-Sisileh ÄAT 47 A. Thiem, S. 429). Bereits in der Antike wurde die Stele in der Mitte gespalten bevor sie als Baumaterial wiederverwendet wurde.

 Fragment einer Stele aus rotgelbem Quarzit
      
- hypothetisch ursprünglich aus Heliopolis ? -
   - heute im Museum Kairo (JdE 34189/TR 6/11/26/11 -
              heutige Höhe 1,90 / Breite 0,50 m

Erhalten ist nur die rechte Seite der Stele, auch ein Teil oben an Bildfeld fehlt. Hier ist König Haremhab nach links gewandt  in Schrittstellung dargestellt. Der König trägt den Blauen Helm dazu den kurzen Schurz mit Schmuckgehänge. Über dem König schwebt ein Falke mit ausgebreiteten Schwingen der in seinen Fängen den Sen–Ring hält.

Der König räuchert und libiert vor einer heute nicht mehr vorhandenen Gottheit, bei dem es sich eventuell dem Gott Chepri handeln könnte. Zwischen König und Gott befindet sich ein vollbeladener Opfertisch. In einer Rede verleiht ihm die Gottheit die Lebenszeit des Re's und das Königtum des Horus. 

Die Inschrift unter dem Bildfeld bestand aus mindestens 16 + x waagerechten Zeilen. Der Text beginnt mit der Titulatur des Königs und einer eulogischen Epithea des Königs. In Zeile 4. beginnt der stark fragmentarische historische Bericht, der von einem Besuch des Königs in Heliopolis und von Opferstiftungen berichtet.   

             Bild: mit frdl. Dank saamunra
                - alle Rechte vorbehalten - 

 

          Stelenfragment nach „Urkunden der 18. Dynastie“ von W. Helck
                                          Urk. IV, 2129 – 2131

Darstellung:
"Weihrauch Spenden und kühles Wasser. Er tut es, damit ihm Leben gegeben werde wie Re. Der König von Ober – und Unterägypten (+crxprwRa–Erwählt von Re, Herrscher der Wahrheit)|, Sohn des Re (!rmHb –geliebt von Amun)|. Worte Sprechen durch !prj: Ich habe dir die Lebenszeit des Re und das Königtum des Horus gegeben in Freude.  

Inschrift:
"[Es lebe Horus, Starker Stier, klug] an Plänen, die beiden Herrinnen, groß an Wunderbaren in Karnak, Goldhorus, Zufrieden mit der Wahrheit, der die beiden Länder entstehen läßt, [König von Ober- und Unterägypten (+crxprwRa–Erwählt von Re)|, Sohn des Re (!rmHb–geliebt von Amun)|, dem Leben gegeben werde wie Re, ewiglich. Der gute Gott, Geliebter der Götter, der Denkmalreiche, mit vielen wunderbaren Dingen [ … …………….. Groß] in seiner Liebe, die sich über die beiden Länder breitete wie die des Re. Es gibt sich[…………………………………] Man war im Temp]el beim Opfern am Opfer am Tag des ersten Mondviertels beim Jahresanfang, Millionen von [ …………………. …….. ]. Millionen von Sedfesten, eine Unendlichkeit von friedlichen Jahren für Leben, Heil, Gesundheit des [Königs ……………………………………………… ], den Schu festmacht hat in der Zeit des Re [ ……… ] des Gottes selbst, indem er ihm festmachte [ ……………… … ] mit eigenen Armen. Sie machte sein göttliches Wesen ähnlich [dem……………….…… ] seit dem Tag, an dem er erschienen war. Es war aber eine große Zeit von Jahren, da [ ………. …………………. ] der Selbstentstandene, als (er) ihn geschaffen hatte für den Herrn des großen Palastes. Man lasse bilden [……………………………… ], Früchte, Weihrauch, Blumen, alle guten Dinge und Gottesopfer, suchend [ ……………………………. …… ] Brot 10 auf eine oipe 6 (Stück) Bier 2 Krüge auf eine oipe 2 Krüge. Zusammen verschiedene Brote fürs Gottesopfer 16.  B[ier  2 Krüge]. [ ………………………. …………….. ] vor dem Gottesopfer. Da kam heraus die Majestät dieses heiligen Gottes, weil [ …………………………………... ]
Die weiße Krone wie etwas, was er seinem geliebten Sohn getan hat, dem König von Ober – und Unterägypten (+crxprwRa Erwählt von Re)|, frisch an Jahren [ ………….………... …. , Sohn des Re (!rmHb–geliebt von Amun)|], der [ ………. ……………….. ] und die Geburten wiederholen möge in aller Ewigkeit.  Der Vater aber [ist …………………………… ……………. ] sein [ ……… ] nach dem Morgen, indem man (?) ihm Wunderbares tat. [[...................................................].

Gisa / Heliopolis (hypothetisch):

Eine kleine Stele aus Kalkstein mit einer Höhe von 38cm und einer Breite von 34cm, die 1900 bei Giza erworben wurde, stammt nach Zivie (BdE 70 - 1976 ; 182 NE 48) aus dem Umfeld der Großen Sphinx von Giza. Die Stele deren Oberfläche leicht erodiert ist, zeigt König Haremhab, der die Blaue Krone trägt, mit einem Blumenopfer vor dem in einer Hieroglyphe dargestellten (Re)–Harachte (nTr  aA = großer Gott). Heute befindet sich das Stück in Brüssel MRAH  E761.

Abusir:
-
Pyramidenkomplex des Userkafs -

Aus Abusir stammen mehrere Funde mit dem Namen König Haremhabs. Ein Relieffragment (ohne Lokalisierung - Magazin ? und ohne Maße) aus Kalkstein stammt aus dem südlichen Teil des Sachmettempels. Das Fragment einer  Türwandung ist von einem teilweise erhaltenen Rundstab bekrönt und besitzt eine pfeilerartig projektierende Dekorationsfläche. 

  1. Fragment einer linken Türlaibung: eine partiell erhaltene Darstellung eines königlichen Nemes-Kopftuches mit einer Beischrift mit Titulatur des Haremhabs (nb tA.wj; sA Ra.w), im tieferliegenden seitlichen Bereich sind Reste von zwei Inschriftenkolumnen zu sehen ( 5 ).

  2. Fragment der rechten Türlaibung: Partiell erhaltene Inschriftenzeile mit Anzeichen der Begrenzungslinie einer Kartusche ( 5 ).

*

Das Fragment einer Stele (siehe Borchardt, Sahure I, 125) wurde ebenfalls in Abusir (Pyramidenkomplex des Sahure, Sachmet-Tempel) gefunden. Nach Andrea Thiem ( 5 ) sind keine Maßangaben oder Materialangaben bekannt - ebenso keine Angaben über die Lokalisierung (evtl. Magazin ?). 

Das gleiche gilt für ein von Borchardt gefundenes Fragment eines Blockes (ohne Maß- und Materialangabe), das er im Pyramidenkomplex des Userkaf (Sonnenheiligtum) fand. Hier ist die ungewöhnliche Schreibung des Thronnamens von Haremhab in einem Re-Heiligtum - ohne den Bestandteil des Zusatzes: "setepen-Re.w" - auf einem geritzten Graffito erwähnenswert, da diese verkürzte Schreibung des Namens ansonsten nur auf Skarabäen belegt ist ( 5 ). Der Block befindet sich heute noch in situ (vor Ort). 

Borchardt (Sahure I, 132) fand innerhalb des Totentempels des Sahure auch ein Fayencefragment einer Ringplatte mit dem Namen Haremhabs.

Arab Abu-Tawila / bei Kairo

Bei Arab Abu-Tawila - im Grab eines Mnevis-Stieres aus der Zeit von Ramses II. - wurden Fragmente von Blöcken aus Kalkstein mit den Kartuschen von Haremhab gefunden (ohne Maßangabe). Die Blöcke stammen ausschließlich aus dem Bereich der Mauerecken und der Soubassements mit einer sekundären Verwendung in der architektonischen Struktur im östlichen Bereich des Gebietes (ramessidische Periode). Auf den Blöcken wurden getilgte Darstellungen des Amun und des Chonsu gefunden. 

Die Inschriften weisen eine Usurpation des Thron- und Eigennamens Tutanchamuns durch die Überschreibung Haremhabs auf. Block I. (Mauerecke) weist mit zwei dekorierten Seiten den Goldhorusnamen Tutanchamuns mit einer bislang unbekannten Ergänzung sowie den durch Haremhab überschriebenen Thron- und Eigennamen Ejes auf.

Block I.  (Mauerecke) mit zwei dekorierten Seiten:

                             Block I. - Mauerecke mit zwei dekorierten Seiten
wTs-xa.w TstA.wjm-/// als Goldhorusname Tutanchamuns wTs-xa.w  mit bislang unbelegter Ergänzung TstA.wj (vergl. auch Goldhorusname Ahmose) -
dazu Goldhorusname Ejes und Thron- und Eigenname Haremhabs (rechts)
                              (Bildquelle: A. Thiem in ( 5 ) )

 

Memphis - Ptah-Tempel:

In Mitrahina - im Bereich der Umfassungsmauer des Ptah-Tempels wurden mehrere Fragmente von Blöcken und Stelen mit den Kartuschen König Haremhabs gefunden

Relieffragment (ohne Lokalisierung - Magazin ?)
Der Block aus Kalkstein mit verwitterten Kanten fand sich in Mitrahine (Memphis) im Bereich der Umfassungsmauer des Ptahtempels. Das Fragment hat eine Länge von 0,365 m Länge, und eine Tiefe von 0,085 und ist aus Kalkstein mit verwitterten Kanten. Der Block ist mit einer in versenktem Relief versehenen, zweizeiligen Inschrift versehen und besitzt eine nur noch ansatzweise erhaltenen oberen Zeile und Ansätze einer dritten und völlig zerstörten Zeilenlinie. Die Zuweisung zu Haremhab basiert primär auf ein bestimmtes Charakteristikum und der generellen Ausführung der Inschrift (in einer Diskussion der Zuweisung dieses Fragmentes zu Amenophis I: mit Präferenz der Zuweisung zu Haremhab - siehe Anthes, Mit Rahineh 1956, 104 (57).

Inschrift in versenktem Relief 
(Bild: ÄAT 47)

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Die 1902 von Daressy im Bereich der Umfassung (Pro-Pylon/Vor-Pylon) gefundenen drei Stelenfragmente aus rötlichem Quarzit weisen einen Krönungstext auf, der gebildet wird aus Fragment I. (12 Zeilen), Fragment II. (4 Zeilen) und Fragment III. (3 Zeilen) - (siehe dazu: Daressy in ASAE 3 (1902), 27f. und zur Zusammengehörigkeit Hari: Horemheb, 214). Über den heutigen Verbleib dieser Stelenfragmente sind keine Informationen bekannt ( 5 ).

Fragment einer Krönungsschriftnach Helck Urk. IV. 2121.1 - 2124.8 
"……………….. ]. [indem er ruh]te in seinem Tempel vom südlichen Harim, seine Neunheit in seiner Begleitung. Als es nun hell wurde und ein neuer Tag ent[stand ………...…. Da sagte Amunrasonter]:  Du bist mein Sohn, mein Erbe, hervorgegangen aus meinen Gliedern. Wie ich bin, so bist du. Du bist nicht fern von mir [ ………………………………….. ], indem ihre Opfer verdoppelt wurden. Sie erkennen dich an als meinen Sohn, hervorgegangen aus meinen Gliedern. Sie vereinigen sich, um dir [das Königtum] zu geben. [ …………...…...…………. ]. Da zog er zum Königshaus und setzte ihn vor sich zur Kapelle seiner heiligen Tochter Wr.tHkAw, [deren Arme im Jubelgestus waren. Sie umarmte seine Schönheit und befestigte sie an seiner Stirn. Die gesamte Neunheit des Feuerhauses jubelt bei seinem Erscheinen: Nechbet, Wandjit, Neith, Isis, Horus, Seht und die ganze Neunheit vor dem Allerheiligsten gab Lobpreis zur Höhe des Himmels, jubelnd über die Zufriedenheit] Amuns:  Kommt, denn Amun ist gekommen, sein Sohn vor ihm, zum Palast, um seinen Kronen auf seinem Haupt zu befestigen und um [seine ganze] Lebens[zeit] lange zu machen. [Wir wollen uns vereinen und ihm die Doppelkrone befestigten; wir wollen ihm den Schmuck des Re überwiesen und wollen seinetwegen Amun preisen. Du hast uns unsern Schützer gebracht. Gib ihm die Sedfeste des Re und die Jahre des Horus als König. Er] tut, womit du zufrieden bist. Er verabscheut die Sünde und vertreibt die Lüge im Land. Seine Gesetze sind fest beim Darbringen der Wahrheit auf [Erden ………………………………………………………. ]. [Herausgehen aus dem Königshaus von Seiten der Majestät dieses heiligen Gottes Amun, König der Götter, seinen Sohn vor ihm. Er hatte seine Schönheit umarmt,] der gekrönt war mit der Krone, um ihm zu überweisen, was die Sonnenscheibe umkreist. Alle Länder sind eins. Es wurde der große Name dieses guten Gottes gemacht und sein Protokoll wie [das der Majestät des Re, nämlich:  Horus, Starker Stier, klug an Plänen, die beiden Herrinnen, Groß an Wunderbaren in Karnak, Goldhorus, Zufrieden mit der Wahrheit, der die beiden Länder entstehen läßt. König von Ober – und Unterägypten (+crxprwRa–Erwählt von Re)|, Sohn des Re (!rmHb geliebt von Amun)|, dem Leben gegeben werde]. Er machte es als sein Denkmal für seinen Vater Ptah südlich seiner Mauer, indem er ihm eine Stele des Herrschers machte aus rotem Sandstein gegenüber der [großen] Kapelle des [ ……………… ………. , die Tore [an] ihrem aus echtem Zedernholz, um das Haus dessen, der (ihm) geboren hat, zu hüten, damit gereinigt werde der Weg, auf dem sein Vater Ptah wandelt. Er baute ihm  den Tempel neu [……………………………………………… ] von [ ……………] Ellen aus allerlei Edelsteinen, seine Fahnenstangen aus echtem Zedernholz, beschlagen mit asiatischem Kupfer, ihre Spitzen aus Dam–Gold. Es wurde für ihn ( = den Tempel) eine Festhalle gemacht ……………………………………..
........ ], fern von ihm. Er wünschte, dass er unterschieden werde von den Königen, die gewesen waren. Man tut es für den, der (einen) geschaffen hat, man antwortet mit Gutem wie [ …………………..….. ]. “

nach Grallert: Bauen - Stiften - Weihen:
Har/Kn 002:  Stele

„ … (Werk des) (Königsname), (9) das er gemacht hat als sein Denkmal für seinen Vater Ptah, südlich seiner Mauer, (nämlich) das machen für ihn eine Stele des Herrschers aus Quarzit vor der großen jdr.t Mauer, (nämlich) das Machen für ihn eine Stele des Herrschers aus Quarzit vor der großen jdr.t des / für [ … ] die Türflügel (10) an / auf ihren aus echtem Zedernholz, um den pr seines Erzeugers heilig zu machen aus dem Wunsch heraus, den Weg des Ausziehens seines Vaters Ptah zu reinigen, Er baute für ihn eine Hw.t von Neuem [ … ] (11) von Ellen [ … ] aus allen herrlichen Edelsteinen, ihre Fahnenmaste aus echtem Zedernholz, überzogen mit asiatischem Kupfer, ihre Spitzen aus Elektron. Gemacht wurde für sie eine wsh.t Hbj.t [ … ]. “

Was dieses Werk ( jdr.t ) war, das Haremhab hier erbaute, ist leider unklar. Weiterhin erbaute er im Tempelbezirk des Ptah mindestens einen Pylon mit Festhof, wie er dies auch anderorts tat. Haremhab veranlasste Stiftungen an den Ptahtempel zu Karnak, anlässlich des Festes des Ptah, am 22. Tag des 4. Monats der Ax.t– ahreszeit, Jahr 1.

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Zwei Fragmente von Blöcken (ohne Maßangaben, ohne Materialangabe) wurden in Mitrahina (Memphis) im Bereich der Umfassungsmauer des Ptahtempels gefunden. Diese beiden fragmentarischen Blöcke, die sich heute in Chicago (OI 9169) befinden, belegen den Thronnamen Haremhabs. Block II. bildete vermutlich ein architektonisches Element.

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Das obere Teil einer Stele,  das im Ptah-Tempel von Memphis gefunden wurde und sich heute im Universitätsmuseum in London befindet (UCL 14391) besitzt eine Inschrift aus fünf Zeilen und belegt das x + 5 Regierungsjahr König Haremhabs. Das Fragment hat eine Höhe von 20 cm und eine Breite von 40 cm. 

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Prinz Schoschenq (D) verwendete als Türsturz des Zugangs seiner Grabkapelle in Memphis (Südwand) einen Steinblock aus einem Gebäude aus der Zeit König Tutanchamuns, usurpiert von Haremhab  (heute in Kairo JE 88131^)

In der Darstellung auf dem Türsturz (ohne Maßangabe und Materialangabe) befindet sich die später hinzugefügte Figur des Hohenpriesters Schoschenq D hinter der des König Haremhabs.

(Zur Annahme der Errichtung einer Kapelle unter Tutanchamun - zu der vermutlich auch ein weiteres Fragment gehört, das sich heute in Berlin befindet - siehe: 
PM III.², 846; Badawy, ASAE 54, 1957 - Re-used block, Habachi in "Glimpses of Ancient Egypt, Studies in Honour of H. W. Fairman, p. 35 wsith pl. ii, fig. 2 - suggest originally Tut-ankhamun's). 

                          Türsturz Cairo JE 88131 aus Mitrahina, Ptah-Tempel
Der König ist in einer Doppelszene zweimal gezeigt, wie er kniend einmal (rechts) zwei Kugelgefäße mit Wein vor dem thronenden Sokar und der hinter diesem stehenden Hathor opfert. Zwischen König und Gott befinden sich drei Opferständer mit Libationsgefäße und Blumen darauf. Die zum König beigefügten Kartuschen zeigen die Spuren einer Usurpation durch Haremhab. Hinter dem König kniet Prinz Schoschenq (D) ebenfalls im Opfergestus, Weihrauch in einer Schale verbrennend.   

Die Darstellung auf der linken Seite zeigt den knienden König opfernd vor dem thronenden Gott Osiris. Hinter dem König kniet Prinz Schoschenq, Blumen opfernd. Hinter Osiris stehen Isis und Nephthys. Zwischen König und Gott befinden sich wiederum drei (?) reichbeladene Opferständer.

Bildrechte: mit frdl. Genehm. Gitta Warnemünde Berlin - alle Bildrechte liegen bei Gitta Warnemünde -
                                                  Bildausschnitt erstellt von Nefershapiland -

 

Saqqara:

Bei Grabungen zur Feststellung eines Oberbaus über der Grabanlage König Ninetjers zu Saqqara fand sich ein Teil einer ca. 2,50m breiten Umfassungsmauer aus großformatigen Lehmziegeln, die den Stempel König Haremhabs tragen. Die Mauer verläuft etwas südlich der unterirdischen Grabkammer Ninetjers in Ost–West–Richtung. Sie lässt sich auf ca. 23 Meter verfolgen und knickt dann nach Süden ab. Bei der Mauer handelt es sich mit Sicherheit um eine Einfriedung, die einen weiter südlich liegenden Baukomplex unbekannter Natur eingegrenzt haben dürfte.

Weiter im Süden  befindet sich die Gruppe der Gräber hoher Beamter, die unter KönigTutanchamun ihren Dienst taten, darunter auch das große Beamtengrab des späteren König Haremhabs. Die Mauer Haremhabs scheint allerdings keinen langen Bestand gehabt zu haben. Eingetieft in ihrem Ziegelversturz fanden sich zwei Bestattungen in Holzsärgen, die wahrscheinlich in der 19./ 20. Dynastie zu datieren sind (Quelle: Prof. Günther Dreyer in SOKAR 14/2007-Verlag M. Haase, S. 6-7). 

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Im Beamtengrab des Haremhab in Saqqara wurden im Sarkophagraum P (Schaft IV. - Fragment I/III. - westlicher Bereich Fragment II.) drei Fragmente von Weinamphoren aus Mergelton gefunden, auf denen sich die Kartusche König Haremhabs befindet (Fragment I.: Höhe 0,717m; Länge 0,320m - Fragment III/ Höhe 0,575m; Durchmesser: 0,360m). 

Auf dem 1. Fragment befindet sich eine Kartusche als Siegelabdruck auf dem Henkel und zwei Inschriftenzeilen in schwarzer Tinte auf der Gefäßschulter. Auf dem 2. Fragment eine abgeriebene Inschrift (Duplikat von Inschrift 1) auf der Gefäßschulter und auf dem 3. Fragment zwei Inschriften auf der Gefäßschulter. Eine der Inschriften in diesem Konglomerat gibt die Angabe des 13. Regierungsjahres Haremhabs wieder (III AHt  = 3. Monat der Achet-Zeit) ( 5 )

Serapeum
Im Gebiet des späteren Serapeums -  im Bereich der schon unter König Amenophis III. angefangenen Grablegungen der Apisstiere -  fanden zur Zeit von König Haremhab zwei weitere Bestattungen statt (in den Einzelkammergräbern C4 und C5 nach Rhone oder D und E nach Mariette ?), die wohl von von ähnlicher Art waren wie die unter Amenophis III. Bei den Ausgrabungen von Mariette wurden etliche Artefakte gefunden, die sich heute im Museum Louvre befinden. Aus dem Schutt einer zerstörten Kapelle wurde auch ein Block mit dem Namen Haremhabs gefunden

Apisbestattungen – in Saqqara (Serapeum):

  1. Apis  Nr. III/IV (?)            Gruft D  - geplündertes Grab, der Deckel einer Kanopenvase und Reste von Opferszenen
                                                                 vor dem Apis-Stier gefunden.

  2. Apis  NR. IV/V. (?)           Gruft E  -  Intakte Grabkammer mit Kalkstein-Sarphophag, Stiermumie und 4 intakten
                                                                 Kanopenkrüge

Apis-Kanopen aus der Bestattung Nr. III oder IV.
Bilder: Le Serapeum de Memphis / A. Mariette Paris 1854

 

Apis-Kanopen aus der Bestattung Nr. IV oder V.
Bilder: Le Serapeum de Memphis / A. Mariette Paris 1854

 

Bild aus:
Le Serapeum de Memphis / A. Mariette Paris 1854

Aus einer der Apisbestattung aus der Zeit Haremhabs stammt eine Stele die eine seltsame Kartusche aufweist:



Bildausschnitt aus  Mariette Le Serapeum de Memphis

 

Hermopolis:

Ein 1,32 m hohe Fragment einer Stabträgerstatue Haremhabs - wahrscheinlich aus Granodiorite - (Teil des Stabes ?), stammt wohl aus Hermopolis ((el-Ashmunein; Khemenu). In der erhaltenen Inschriftenzeile werden Thron- und Geburtsname König Haremhabs genannt: "....geliebt von Thot, Herr von Hermopolis, er, der in der Mitte des Hasen-Gaues ist". Das Fragment stammt den Museumsangaben nach aus dem Vermächtnis von W. Gedney Beatty (1941) und befindet sich heute im Metropolitan Museum of Art 41.150.118 in New York.

                                                                Bild: siehe  -   hier   -

Die Inschriftenzeile lässt vermuten, dass die Statue für den Tempel des Thot in seinem Kultzentrum in Hermopolis (heute: el-Ashmunein), die Hauptstadt des alten ägyptischen "Hasen-Gaus", gemacht wurde.

Tell el-Amarna:

Im Sanktuar des großen Aton–Tempels in Achet–Aton fanden sich Fragmente einer Statuenbasis. Sie besteht aus Kalkstein und misst 10cm in der Höhe bei einer Länge von 55cm. Die Oberfläche ist verwittert und weist keine Farbreste auf. Das Fragment trägt eine einzeilige durch Zeilenlinien begrenzte Inschrift, die den Thronnamen Haremhabs mit einer Akkumulation von Titulaturbestandteilen HpA pD.t psD.t nb tA.wj wiedergibt. Von dem folgenden sA Ra.w Namen ist nur das Titulaturelement und Ergänzung erhalten. ( 5 )

Fragmente einer Statuenbasis aus Kalkstein im Britischen Museum No. 58468 – Amarna Object Database. – Nr. 3633; 3726 – 9 – Grabung 1926
                                   - Umzeichnung aus ÄAT 57 ( 5 ) -

Drei weitere Fragmente aus grobem Kalkstein, die in Tell el-Amarna gefunden wurden, und die sich heute im Britischen Museum (BM 58468a, 58468c und 58469) befinden, weisen teilweise Titulaturbestandteile und Epitheta Haremhabs auf. Auf Fragment I. (BM 58468a) steht: "......@r-m-Hb mry-Imn Dt anx [m] Ra......" (Haremhab-geliebt-von Amun). Der Stein ist leicht gerundet und kann evtl. ein Teil einer Säulenbasis sein. Die lesbare Inschrift auf Fragment II. (BM 58468c) ist: "nTr-nfr. tjt Ra sw..." (Anmerkung von A. Thiem ( 5 ): "Ergänzung wohl zu "heiliges Ei" swH.t Dsr.t", welches als Epiteheta in der nTr-nfr nachfolgenden Akkumulation von Epitheta folgen kann). Inschrift auf Fragment III. (BM 58469): "wr-bjAwt-m....(groß an Wunder[Dingen] ...?). 

Fragment BM 58468a ist 10 cm hoch und 13,8 cm lang; Fragment 58468 c: Höhe 10 cm und 10,6 cm lang; Fragment 58469: Höhe 5,2 cm und 10,5 cm lang (nach Bierbrier, HTBM 10, 1982,9). Die Oberfläche von allen Fragmenten ist stark verwittert - Spuren von Farbresten sind nicht erhalten. 

Zwei weitere Fragmente im Britischen Museum (BM 58468b und 58468d), auf denen die Inschrift: "bjAwt" (BM 58468b) und "mr.f.....@r-m-Hb mry-jmn" (BM 58468d) steht, erscheinen zwar im Register des Britischen Museums aufgeführt, deren Zusammengehörigkeit mit den oben genannten Fragmenten kann aber zur Zeit nicht nachvollzogen werden ( 15 ). Sie erscheinen zusammen mit BM 58468 in Pendlebury "City of Akhenaten III. 12, nos. 26/s 24.30.114-117 als zum gleichen Objekt gehörig, jedoch sind diese Stücke ganz verschieden im Stil und Material von dem Fragment BM 58468, können daher also sowohl zum gleichen Objekt als aber auch zu verschiedenen Objekten gehören. 

- alle 3 Bilder: aus: The British Museum: Hieroglyphic text from Egyptian stelae ect. / L. M. Bierbrie, London 1982 -

Assiut:

Im Tempelbezirk von Assiut (der Hauptstadt des 13. Oberägyptischen Gaus) fand man eine Stele Haremhabs, dargebracht als Gabe des Königs an den hiesigen Tempel des Gottes Upuaut. Die sich heute im Museum Kairo JdE 68590 befindliche Stele besteht aus Kalkstein (Höhe 60,7 cm, Breite 37,2 cm). Evtl. befindet sich diese Stele im Kellermagazin des Museums bei einer Gruppe von Votivsteilen aus Siût - zusammen mit einer weiteren, kleineren Stele, die den Namen Tuthmosis III. trägt (JE 68587), einen ähnlichen Aufbau besitzt (aber relativ gröber gearbeitet ist) und ebenfalls dem anthropomophisch dargestellten Upuaut gewidmet war.

Im oben gerundeten Bildfeld der Haremhab-Stele ist unter der geflügelten Sonnenscheibe der König mit der Doppelkrone auf dem Haupt dargestellt, wie er dem Gott Upuaut ein Blumenopfer darbringt. Der Aufbau der Stele, das fein ausgeführte Relief und seine Thematik weisen die Stele als Gabe Haremhabs an den Tempel des Upuaut in Siût aus.

Haremhab vor Upuaut
- Stele Kairo JdE 68590 -

Der Gott Upuaut wird wie üblich mit einem Tierschwanz, dem Was-Zepter in der linken und dem Anch-Zeichen in der rechten Hand gezeigt. Über der Darstellung befindet sich die geflügelte Sonnenscheibe, und unter ihr steht eine Inschrift mit zwei Kartuschen des Haremhabs:
„Der Herr der beiden Länder (Djesercheprure – auserwählt von Re)|,
'Herr der Krönungsinsignien (Haremhab – geliebt von Amun)| mit Leben ewiglich beschenkt wie Re “.  

Die kleine Inschrift über dem Gott lautet:
"Upuaut, der Oberägyptische, Macht der beiden Länder, Herr von Siût."

 

 (Abbildung: aus MDAIK 52 - Ahmed Eissa 1996)

Diese Stele zeigt, das Haremhab den Tempel von Siut instand setzen ließ, so wie er es vermutlich für andere Tempelanlagen, die während der Amarnazeit beschädigt und / oder vernachlässigt worden waren, getan hatte. Grund für die Zerstörungen (?) oder zeitweiligen Einschränkungen des Tempelbetriebes am Tempel des Upuaut war sicherlich, dass man hier am Ort einen Tempel für den Amarnagott Aton erbaute, dessen Name rwD anxw Itn lautete ( 16 ).

Abydos:

Bislang konnte eine größere Bautätigkeit Haremhabs in Abydos noch nicht archäologisch nachgewiesen werden. Es besteht aber die Möglichkeit, dass diese evtl. einst vorhandenen Hinterlassenschaften von dem großen Areal des Sethos-Tempels überlagert wurden. Fragmente von dekorierten Tempelblöcken, sowie Spolien, die man in die Zeit Haremhabs datieren konnte, fanden sich verbaut am sog. Portal-Tempel von Ramses II. in der Nähe des Kom-es-Sultan (Quelle: Ute u. Andreas Effland/Abydos-Tor zur ägytischen Unterwelt, Ph. v. Zabern-Verlag)

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Das Fragment eines oberen Stelenteils aus Kalkstein wurde 1926 in Abydos entdeckt und befindet sich heute im Museum Kairo (CG 34162). Es handelt sich bei diesem Objekt um ein Duplikat des sogenannten "Haremhab-Dekretes", das bereits 1882 in einer besser erhaltenen Fassung auf der Nordseite des westlichen Turms des X. Pylons in Karnak gefunden wurde. Das Fragment des oberen Stelenteiles hat eine Höhe von 1.03m, eine Länge von 0,79m und eine Tiefe von 0, 207m, dessen Oberfläche stark erodiert ist.

Das Bildfeld der Stele zeigt eine anthitetische aufgebaute Opferszene: Auf der linken Seite steht der König mit der Blauen Krone auf dem Kopf opfernd vor Osiris. Auf der rechten Seite steht der König vor Ptah und opfert Wein. Der darunter befindliche Text ist nur noch in 4 Zeilen erhalten.

Durch die Aufstellung des Haremhab-Dekretes in Karnak und auch in Abydos wird die Bedeutung der beiden Orte zu dieser Zeit betont und dabei die legitime Herrschaft und das maatgerechtes Handeln des neuen Königs an beiden Orten in der weltlichen und göttlichen Sphäre unterstrichen.

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In Abydos fand sich ein Fayencering mit dem Königsnamen, heute MMA 00.4.55.  

Des weiteren  fand sich in Abydos eine Statuengruppe aus kristallinen Kalkstein die den König zusammen mit den Göttern Isis, Horus und Osiris zeigt. Heute befindet sie sich in Kairo CG 39217/JdE 49536/ SR 6018.

            Mehrfachgruppe (nach HÄB 42)
       Haremhab
mit Osiris, Isis und Horus
Herkunft: Abydos
Material:  kristalliner Kalkstein
Maße:      H. 1,73 m, B. 1,65 m / nach HÄB 42
Heutiger Standort: Kairo CG 39217/JdE 49536/ SR 6018

Die Statuengruppe wurde zusammen mit einer weiteren 1925 (?) in einer Grube wenig südlich des Tempels Sethos I. gefunden.

Obwohl sich keine Spuren einer Usurpation an dieser Statuengruppe finden, könnte sie dennoch durch Haremhab von Tutanchamun übernommen worden sein. Die Gruppe wurde durch Zufall in einer Grube hinter dem Tempel Sethos I. gefunden. Jedoch ist bisher keine Bautätigkeit in Abydos nachgewiesen,  weder von Tutanchamun noch Haremhab.
           Bild: mit freundl. Dank Saamunra 
                  - alle Rechte vorbehalten - 

Es besteht natürlich die Möglichkeit das ein Bau der späten 18. Dynastie von der großen Anlage Sethos I. überlagert worden.
Inschriften:
Auf der Vorderseite des Thronsitzes und auf der Rückplatte steht zwischen den Figuren jeweils eine bzw. zwei Kolumnen.

1. Auf der Rückenplatte zwischen Isis und Osiris:
„Osiris, Erster der Westlichen, Herr der Unendlichkeit, Herrscher der Ewigkeit“
2. Auf der Rückenplatte zwischen Osiris und König:
„Vollkommener Gott: (+srxpr.wRa.w stp.nRa.w)|, ihm werde Leben gegeben, erwählt von Osiris, dem Herrn von Abydo “.
3. Auf der Rückenplatte zwischen König und Horus:
„Rede von Horus, der seinen Vater rächt: Ich gehe dir alles und Wohlergehen; so sage ich zu zu (meinem) geliebten Sohn, Herr der Beiden Länder, Sohn des Re: (!r.wmHb mrjnJmn.w)|, ihm werde Leben gegeben."
4. Auf dem Thronsitz zwischen Isis und Osiris:
„Isis, die Große, Gottesmutter, Herrin des Himmels, beheimatet in Abydos“
5. Auf dem Thronsitz zwischen Osiris und König:
„Ich gebe dir alle Versorgung und Opferspeisen“
6. Auf dem Thronsitz zwischen König und Horus:
Ich gebe dir alle Kräfte und alle Stärke“

(Inschriften nach  (13)

Erhaltungszustand:
Die Plastik weist schwere Beschädigungen auf, besonders die Fußplatte mitsamt den Fußpaaren ist verloren.

Zerstörung der rechten Hälfte des Torso/Gesicht (Isis), linker Arm (Horus), Zerstörungen Bein/Oberschenkelbereich der Figuren; Zerstörung Gesicht: (Osiris); Beschädigung Gesichtpartien: König (Partie des Untergesichtes), Figur des Horus (Schnabelpartie).

Inschriften: Rückenplatte, frontale Thronfläche, Fußplatte

Beschreibung:
Die Statuengruppe besteht aus vier Personen, wobei bei diesem Rundbild auf einen spätestens unter Amenophis III. bekannten Gruppentypus zurückgegriffen wird. (Vergleiche hierbei die Statuengruppe Amenophis III. mit Sachmet, Amun und Amaunet - für eine Viergruppe schon unter Thutmosis III. - der König mit Osiris, Horus und Isis Kairo JE 49537). Die
vier Figuren der Gruppe sitzen nebeneinander auf einer gemeinsamen Thronbank mit hoher Rückenplatte und bestehen von links nach rechts aus: Isis-Osiris-König-Horus. Dabei wird der Totengott Osiris (Hauptgottheit von Abydos) von den neben ihm platzierten Figuren der Isis, Horus und dem König jeweils umarmt - der König wird seinerseits von Horus umarmt. 

Isis trägt ein langes Kleid mit Trägeroberteil, einem breiten Halskragen und eine Strähnchen-Perücke mit Geierbalg. Die Gestalt des Osiris wird von dem Mumienbinden vorstellenden Gewand eingehüllt. Er trägt die Atef-Krone, den traditionellen Götterbart und ebenfalls einen mehrreihigen Halskragen. Das Königsornat bietet neben Konventionellem, wie dem dreigeteilten Kurzschurz, einen besonderen Kronentypus, der sich in dieser Kombination nur hier belegen lässt. Der König trägt die sog. "Nubische Perücke" mit Stirnuräus, die in mehrfacher Abstufung bis auf die Schultern hinabreicht. Über der Perücke erhebt sich ein Uräenkalathos, aus dem die "Hnw"-Krone mit dem Widdergehörn, einem Federnpaar, der zentralen Sonnenscheibe und zwei Seitenuräen emporragt. Als ebenso ungewöhnlich wie diese Kompositkrone des Herrschers hat die Ausführung seines Halskragens zu gelten, der durch die Variationsfülle des Dekors besticht. Der Gott Horus trägt den traditionellen Götterschurz mit Trägeroberteil, einem Halskragen und die Doppelkrone mit Uräus über der Strähnenperücke. (Nach HÄB 42)

 

Armant/Bucheum:

Armant am Westufer des Nils gelegen war ein Hauptkultort der Kriegsgottes Month. Vor Ort fand sich ein Relieffragment (ohne Maßangaben – Verbleib unbekannt) aus Sandstein aus der Zeit König Haremhabs. Der Reliefblock war sekundär in einer Steinmauer außerhalb des "Burial E " des hiesigen Bucheum verbaut worden. Die Inschrift des Wandfragmentes weist fünf Kolumnen auf:

  1. Thronname
  2. göttliche Rezitation des (Re) - Harachte
  3. göttliche Rezitation des (Re) - Harachte
  4. Nennung des Königs
  5. Herr der beiden Länder (und) Heliopolis


Bild: aus ÄAT 47 A. Thiem

 

El-kab:

In El-kab wurde im Tempelbereich ein Relieffragment gefunden, das eventuell aus der Zeit König Haremhabs stammt. Es handelt sich um einen Block aus Sandstein (keine Maßangaben). Der heutig Verbleib des Blockes ist unbekannt.

Die Restaurationsinschrift auf dem Block beinhaltet eine Datierung in ein Jahr 20. Aufgrund der Bezeichnung  für seinen Vater (Men–[cheper]–Re)| dem Herrn der beiden Länder, der vollkommene Gott ……………………… “ wird er hypothetisch König Haremhab zugeordnet ( 5 ). Diese Zuordnung der Inschrift des Fragmentes basiert auf der häufig auftretenden Bezugnahme Haremhabs auf Thutmosis III. (vergl. Hari Horemhab, 392 gegen Capart, in ASAE 37 von 1938)

Gebel el-Silsila:

siehe unter - Felstempel Gebel es-Silsila   

Elephantine:

Ein kürzlich gefundener Block auf Elephantine der im Namen von Haremhab dekoriert wurde, beweist das Haremhab auch hier tätig war.

Bauten im nubischen Raum:

Gebel Adda/Abu Oda:

Unter Haremhab wurde beim heutigen Dorf Abahuda/Abu Hoba/Abu Oda (ca. 50km südlich von Abu Simbel auf dem Ostufer und unterhalb von Faras gelegen) ein kleiner Felsentempel in die steile Felswand des Gebel Adda/Dschebel Adda geschnitten (Maße: 20 m Breite und 15 m Länge). 

      Tempelgrundriss Gebel Adda

       nach "Nubien" / Silvio Curto
     - modifiziert von Nefershapiland -

Der Tempel war dem Göttern Amun-Re und Thot von Chmunu, dem späteren Hemupolis geweiht. Des weiteren fanden sich aber auch Darstellungen der Göttin Anuket und des falkenköpfigen Horus. Alle vier nubischen Forme des Horus sind in dem Tempel dargestellt, die als Herren der Landesteile bezeichnet werden. Der Tempel trug den Namen "Amun-herj-ib" was soviel wie "Amun, dessen Herz zufrieden ist" bedeutet. Reliefs zeigten Haremhab, wie er dem obersten Gott von Aniba, Buhen, Quban (ägyptisch Baki) und Abu Simbel (ägyptisch Meha) opfert (17).

Felsentempel von Gebel Adda

Der kleine Felsentempel (Speos) lag unmittelbar über der Wasseroberfläche (beim damaligen Normalwasserstand des Nils von 120 m Meereshöhe). Das Eingangstor des in den Sandstein gehauenen Tempels war über 13 Stufen erreichbar.

 

                 (Bild aus Curto/Nubien 1965)

Ein kleiner Durchgang öffnete sich in den zentralen, von vier Säulen gegliederten Mittelsaal (Vorraum). Die Decke des Mittelsaals wird von vier eleganten Papyrusbündelsäulen getragen. Links und rechts des Atriums befinden sich zwei seitliche Kapellen und im rückwärtigen Teil eine Cella (das Sanktuar). In dem kleinen Heiligtum hinter der Halle zeigt ein Relief Haremhab vor der heiligen Barke, auf der - den Inschriften zufolge - einmal Abbildungen von Amun-Re und Thot zu sehen gewesen sind.

Gebel Adda
Eingang zum linken Seitenraum

Haremhab, wie er durch Horus und Seth als König anerkannt wird

 

 

             (Bild aus Curto/Nubien 1965)

Die gleiche Darstellung
- bei Lepsius LD III. 122a

der König zwischen Seth und Horus

 

PM 2 – Halle / nördlicher Teil der Westwand 

Die Göttin Anukis säugt den jugendlichen König Haremhab  in Anwesenheit von Chnum. Das Relief war bei fast vollständig durch die Putzschicht aus der koptischen Zeit - welche man darüber auftrug, als die Kapelle in ein christliches Gotteshaus umgewandelt wurde, ausgelöscht.

Zeichnung: LD III. 122b

In christlicher Zeit wurde der Felstempel in eine Kirche umgewandelt, indem man die Wände mit eine dicken Putzschicht überzog, die man mit christlichen Motiven und Fresken dekorierte. Die ursprünglichen Reliefs zeigten sich nur schattenhaft unter der Putzschicht - außer an Stellen, an denen sich die Putzschicht von der Wand gelöst hatte. Zu sehen war dort König Haremhab, wie er durch Horus und Seth als König anerkannt wird oder das Säugen des Königs durch die Göttin Anukis. Haremhab erweist außerdem vier Gottheiten mit Falkenkopf seine Ehrerbietung - jeweils Horus in anderer Gestalt: Horus von Miam, Horus von Buhen, Horus von Beki und Horus von Maha.

PM 3 – Halle / nördliche Wand
Zeichnung: Lepsius LD III. 122c

            Eingang linke Türwange  (Nordseite) (Porter  Moss 1)
König Haremhab (zerstört) zusammen mit einem Hymnus. Darunter Graffiti aus späterer Zeit.

 

"Gegrüßt seist du mit dem Spruch des Re, Amun-Re, Herer der Throne der beiden Länder, Erster von Ipet-sut befindlich bei der großen Neunheit; Mut, die Große, Herrin des Himmels, Herrin von Hermonthis. Gegrüß seist du mit dem Spruch des Thot, Herr von Hermopolis, der große Gott, Herr des Himmels,befindlich in Imunu-herj-jb, Erster von Ta-sema, Herr von Ta-seti. Hiermit gebe ich dir Millionen von Sed-(Festen), Hunderttausende an zahlreichen Jahren für meinen geliebten Sohn <meines> Leibes, König von Ober- und Unterägypten, Herr der beiden Länder (Djeser-cheperu-Re-setepen-Re)Sohn des Re, Herr der Erscheinungen (Har-em-heb merj-Amun)| (dem Leben) gegeben (ist), [......] seines Herrn des König von Ober- und Unterägypten, der Große im Palast am Neujahrsfest [....] seine [....] Größter der Schauenden [........] im Palast [.....] des Horus [........] Geliebter des Fürsten [......] [.......] sein [.....] vollkommen, der eintritt bei seinem Herrn, der Schreiber der Einkünfte, vor das Angesicht des Vornehmen in seinem Palast des [..........]".

 

    (Übersetzung aus A. Thiem ( 5 ), S. 338)
    (Bild: 
LD III. 122f )    

Als Teil des Nubischen Rettungsprojekts aus dem 1960ziger Jahren beauftragte die Ägyptische Regierung ein jugoslawisches Ingenieur-Team damit, den Tempel aus dem Fels herauszuschneiden und in zum archäologischen Außengelände bei Abu Simbel zu bringen. Bedauerlicherweise wurde dieses Vorhaben aufgrund der schlechten und weichen Qualität des hiesigen Nubischen Sandsteins ein Misserfolg. Die verbliebenden Bruchstücke der Kapelle können heute im Neuen Museum von Assuan besichtigt werden.

Faras:

Der Name König Haremhabs fand sich in dem von Tutanchamun errichteten Tempel in Faras auf einem Relieffragment. Der Block aus Sandstein misst 16 cm in der Höhe, 71 cm in der Länge und 14 cm in der Tiefe ( 5 ). Die erodierte Oberfläche zeigt Reste von sechs vertikalen Inschriftenkolumnen aus zwei verschiedenen Szenen.

  1. Rekonstruktion der Darstellung des Königs vor Amun

  2. Darstellung des Königs

Heute befindet sich das Relieffragment im Museum von Khartoum Nr. 3814.  

Gebel el-Shams/Dschebel Schams  (Berg der Sonne)

Der Ort wird bei Lepsius "Shataui" und bei Champollion "Maschakit" genannt - es liegt ca. 5 km südlich von Abahuda (Gebel Adda) am Ostufer des Nils. Der Vizekönig von Kusch, Aufseher der Goldländer des Amun, Paser I. ließ hier eine kleine Felskapelle anliegen. Die Felskapelle lag auf einer kleinen Anhöhe mit dem poetischen Namen: Dschebel Schams, "Berg der Sonne". Paser I. übte sein Amt unter König Eje und Haremhab aus. 

Die Kapelle war kaum größer als 2 m in der Breite und 1,50 in der Tiefe. Sie war fast ausgefüllt durch die schwer beschädigte Statue einer Gottheit, die eine Sonnenscheibe zwischen den Hörnern auf dem Haupt trug. In den 70ziger Jahren des letzten Jahrhunderts sollen sich die Wandbilder aber in einem recht guten Zustand befunden haben (Quelle: Unternehmen Pharao/Auke A.Tadema/Bob Tadema Sporry/Lübbe-Verlag 1978).

Der Felsen von Dschebel Schams mit Kapelle und Stelen

Bild: Auke A. Tadema

Auf einer Stele, die vom Vizekönig Parser I. in Gebel el-Shems errichtet wurde, ist der König (Haremhab) in Anbetungshaltung vor dem Göttern Amun-Re, Re-Harachte, Ptah, Month, Horus und Satet zu sehen (Quelle: Between two worlds/Laszlo Török, Brill-Verlag 2009, S. 242 - online Buchvorschau), während der Vizekönig selber kniend vor den Göttern Anubis und Sobek-Re zu sehen ist.

Neben der Felskapelle befinden sich weitere Felsstelen, darunter eine etwas nördlich der Felskapelle des Paser I. die der Stellvertreter von Wawat namens Hor einmeißeln ließ. Hor diente wahrscheinlich unter König Haremhab, im Bildteil ist Hor gefolgt von seinem Sohn (?) vor Anukis von Amenheri dargestellt. 

Heute ist Dschebel Schams leider unwiederbringlich im Nassersee versunken.

Aniba:

Gegenüber von Qasr Ibrim erhob sich etwas flussabwärts (ca. 230km südl. von Assuan) der heute zerstörte Tempel von Aniba. Er war dem Horus von Miam (Aniba) gewidmet und wurde möglicherweise schon im Mittleren Reich unter Sesostris I. erbaut - die gefundenen Überreste stammen aber größtenteils aus der 18. Dynastie. 

Aus dem hiesigen Tempel des "Horus von Miam" stammt das Bruchstück eines Türsturzes/Stele(?) das den Vizekönigs von Kusch, Paser I. in Anbetung der Kartuschennamen König Haremhabs zeigt. Paser I. war „Königssohn von Kusch", Aufseher des Gold–Lands des Amun, Vorsteher der südlichen Länder, Aufseher des Landes des Amun in Ta–Set, Aufseher des Goldlandes und  königlicher Schreiber “. Er bekleidete bereit unter König Eje das Amt des Vizekönigs von Kusch, dann unter Haremhab, eventuell noch bis in die Zeit Ramses I. hinein.  

       Flachbruchstück Museum Leipzig
               - Inventar-Nr. 6001 -
                   PM Bd. 7 Nubien

Material: Nubischer Sandstein

Flachbruchstück aus dem Tempel des Horus
von Miam in Aniba. Parser vor der Kartusche des Haremhab.

Material:
Nubischer Sandstein mit Bemalung,
heute in:
Museum Leipzig Inv. Nr. 6001  

Paser I. war der Sohn und Nachfolger von Amenhotep genannt Huy und dessen Gemahlin namens Taemwdsji.   

(Bild: Elvira Kronlob)

Paser I. wird in diesem Relief bei der Verehrung der "Königlichen Namen" des Haremhab gezeigt. Die königlichen Kartuschen tragen je eine Sonnenscheibe mit Straußenfedern und stehen auf dem Symbol für die Vereinigung der Beiden Länder. Paser trägt ein kostbares langes Gewand, auf seiner Perücke thront ein sog. Salbkegel. In der linken Hand hält er als Zeichen seiner Würde einen Fächer.  


Nefers Gästebuch

Literatur und Quellenverweise:
1) deutsche Wikipedia / Haremhab
2) Digital Karnak
3)
Ägypten und das Alte Testament von A. Schlüter (ÄAT 78)
4) S. Grallert, Bauen, Stiften, Weihen, Achet-Verlag 2001
5) Ägypten und das Alte Testament 47 / A. Thiem,
6) Karnak - Evolution of a temple/Elizabeth Blyth, Routledge-Verlag 2006;
7) Königliche Statuengruppen/Matthias Seidel/Harrassowitz-Verl. 1996;
8) Theben, Heilige Stadt der Pharaonen / Sergio Donadone - Hirmer-Verlag 1999;
9) Teje - ikonographische Studie / Christian Bayer, Franz Philipp Rutzen, 2014
10) The Temples of Karnak/Schwaller de Lubicz / Thames & Hudson 1999.
11) Millionenjahrhaus: zur Konzeption des Raumes der Ewigkeit...../Stefanie Schröder, Harrassowitz-Verl. 2010
12) Das Erscheinungsfenster innerhalb der amarnazeitlichen Palastarchitektur/Petra Vomberg/Harrassowitz-Verl. 2004
    
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13) OIP 41 Chicago (Uvo Hölscher)
14)
Ausstellungskatalog Pharaonen u. Fremde - Dynastien im Dunkeln/1994 - Historische Museum Wien, S. 282).
15) The British Museum: Hieroglyphic text from Egyptian stelae ect. / L. M. Bierbrie, London 1982 - online-Buchvorschau
16) MDAIK 52 (1996), Ahmed Eissa / Zwei königliche Stelen der 18. Dynasty aus Siût, S. 83-85
17) Gebel Adda - dt. Wikipedia

18) Arnold: Die Tempel Ägyptens, 1992, Artemis & Winkler-Verlag


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Literatur und Quellen

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