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An erster Stelle unter den Bauten Ramses III. steht sein gewaltiger Totentempel in Medinet Habu, der durch Größe und Pracht den seines Vorbildes, Ramses II. in den Schatten stellen sollte. Diese Anlage gehört zu den besterhaltensten Tempelbezirke des Neuen Reiches. Gleichzeitig ist sie die letzte große vollendete Tempelanlage dieser Epoche und überliefert uns anschaulich, wie gewaltig und prächtig die Heiligtümer dieser Zeit aussahen.

Auf dem Areal von Medinet Habu befindet sich der große Totentempel von Ramses III.
Der monumentale Eingangspylon mit den beiden Pylontürmen, auf dessen Fassade u. a. die Siegeszüge des Königs verewigte worden sind.
(Bilder: Mutnedjem - Flick-Album)

 

Der Name des Tempels lautete:
" tA Hwt  nt  HHw  m rnpwt  n  njswt  bjtj  Wsr - mAa.t - Ra stp - n - Jmn - xnmt nHH"

- Haus des User-Maat-Re-meri-Amun, der sich in Ewigkeit vereint, in der Domäne des Amun in Theben-West

Heute bezeichnet der moderne arabische Name Medinet Habu den südlichsten Bereich der Nekropole von Theben auf dem Westufer von Luxor und wird mit "Stadt des Habu" oder Ähnlich übersetzt. Allerdings kann bis heute nicht genau geklärt werden, was eigentlich mit "Habu" gemeint ist. Vielleicht ist es eine Anlehnung an den berühmten Gelehrten und Baumeister am Hofe des Königs Amenhotep III. mit gleichem Namen, Amenhotep-sa-Hapu aus der 18. Dynastie. Er errichtete hier mit der außerordentlichen Genehmigung seines Königs einen eigenen kleinen Totentempel im südlichen Bereich der thebanischen Nekropole. Später wurde er kultisch verehrt. Es gibt aber auch andere Deutungen, die vermuten, dass das heilige Tier hbw = Ibis, das Tier des Gottes Thot, zu dieser Bezeichnung beigetragen hätte.

Es war sicherlich kein Zufall, dass Ramses III. für die Errichtung seines "Hauses der Millionen Jahre" ( wie die Totentempel genannt werden) dieses Gelände von Medinet Habu gewählt hatte. Das Areal war durch die unmittelbare Nähe zu den alten Heiligtümern der 18. Dynastie ein heiliger Ort. Außerdem war genügend Platz für die Errichtung einer ausgedehnten Tempelanlage, wie sie Ramses vorschwebte. 

Die gesamte Tempelanlage ist teilweise eine bis in die Details reichende, etwas verkleinerte Kopie des Ramesseum, des Totentempels von Ramses II. Neben den Anlagen von Amenophis III. (18. Dynastie) und Ramses II. (19. Dynastie) ist der Totentempelbezirk von Ramses III. eine der gewaltigsten Anlagen seiner Art. 

Der verantwortliche Architekt und Bauleiter dieser Anlage war wahrscheinlich der Oberdomänenverwalter mit Namen Amen-mose. Eine wichtige zeitgenössische Quelle war der Papyrus Harris, durch den wir viele detaillierte Informationen erfahren:

" Ich ( = Ramses III. ) errichtete dir (= Amum) ein ehrwürdiges Gebäude für Millionen von Jahren, vor [wörtlich: bleibend auf] dem Berg des "Herrn des Lebens" (= das thebanische Wüstengebirge mit den Königsgräbern), angesichts deiner (= Karnak), erbaut aus dem Gestein von Sandstein und Quarzit und dem schwarzen Stein (= Granit). Mit Türflügeln aus Elektron und mit Erz in getriebener Arbeit. Ihre Türme aus Stein reichen bis zum Himmel, beschriftet und graviert mit dem Meißel auf den großen Namen Deiner Majestät. Ich baute eine Mauer in seinem /= dem Totentempel) Umkreis, hergerichtet mit trefflicher Arbeit, mit Türmen und Brustwehren aus dem Gestein von Sandstein. Ich grub einen See vor ihm ( = dem Totentempel), überflutet mit einem Ozean, bepflanzt mit Bäumen, die grünten wie das Nildelta. Ich füllte seine ( = des Totentempels) Schatzhäuser mit den Sachen der Länder von Kemet: Gold, Silber und allen Edelsteinen wie Hunderttausende. Seine Scheunen platzten von Gerste und Weizen. (Seine) Äcker und seine Herden, sie sind zahlreich wie der Sand des Strandes. (....) Ich schuf dein großes Bild ( = Statue), das in seinem (= des Totentempels) Inneren ruht. Sein ehrwürdiger Name ist "Amun, der mit der Ewigkeit vereint ist". Geschmückt mit echten Edelsteinen wie die beiden Horizonte. Erscheint er (= die Statue des Amun), so freut man sich bei dem Blick auf ihn."

( Zitats-Quelle: Zeitschrift KEMET, 4/2005 - Ramses III./Medinet Habu -Autor: Thomas Kühn)

Wahrscheinlich ist der Totentempel hauptsächlich während der langen Regierungszeit Ramses III. in zwei große Bauabschnitte entstanden. Die erste Umwallung des Bezirkes war ursprünglich viel kleiner, als dass der große erste Pylon die Front der Umfassungsmauer bildete. Sie verlieh dem Heiligtum militärische Züge. In dieser zweiten Bauphase wurde die Grundfläche der Anlage nahezu verdoppelt. 

Des weiteren wurde auch ein schon bereits bestehender Tempelbau der 18. Dynastie und ein weiterer Tempel König Haremhabs in den Bauplan integriert. Den Tempelbezirk umschloss eine 10 Meter dicke und 21 Meter hohe Lehmziegelmauer. (Quelle: Theben Mapping) Der ganze Tempelbezirk war wie eine kleine Stadt mit all ihren Verwaltungsgebäuden, Wohnungen der Bediensteten und zahlreichen Magazinen und Werkstätten.

Südseite des Tempelteiles aus der 18. Dynastie
(Bild: Mutnedjem
)

In der Antike war Medinet Habu über einen eindrucksvollen Landungskai erreichbar, an dem die Schiffe festmachten, die über Kanäle vom Nil heraufkamen.  Dahinter folgte der neu geschaffene Eingang auf der Ostseite, das sogenannte "Hohe Tor". 

    Medinet Hab "Migdol"

Nur über dieses festungsartige Torgebäude im Osten aus Ziegelmauerwerk, das in der ägyptischen Architektur einmalig war und dem syrischen Festungsbau ähnlich war und tatsächlich wie jene asiatischen "Migdol Zwinger" genannt wurde und ein weiteres Eingangstor im Westen, konnte der Bezirk betreten werden. 

Das Hohe Tor war mit Bildern dekoriert, die den König bei der Vernichtungder Feinde Ägyptens zeigt.

(Bild mit frdl. Genehm.:
Mudnedjem /Flick Album)

Das Osttor, welches mit einer Art bewohnbaren Söller kombiniert war, wurde für besondere Besuchern vorgehalten und außerdem nur bei Prozessionen und religiösen Feierlichkeiten benutzt. Im oberen Bereich des Tores befand sich eine Art Pavillon, wo der König sich unterhalten ließ und wo sich auch die Mitglieder seines Harems zeitweilig aufhielten. Darauf deuten auch die Wanddarstellungen hin, die den König beim Zeitvertreib mit jungen Frauen zeigen. 

Es ist möglich, dass das Attentat auf Ramses III. von einer seiner Hauptfrauen hier stattgefunden hatte. Die Verschwörung wurde zwar aufgedeckt, alle Beteiligten vor Gericht gestellt, doch der König starb wahrscheinlich noch während des Verfahrens - aber es ist nicht bekannt, ob er eines natürlichen Todes starb oder infolge des Anschlages. ( Quelle: Die Welt der Tempel im alten Ägypten / Richard H. Wilkinson / Wissenschaftliche Buchgesellschaft)

Das Hohe Tor hatte drei Stockwerke und sein Grundriss war quadratisch. Links und rechts erheben sich zunächst zwei sogenannte Osttürme mit einer wohl einstigen Höhe von 20 Metern. Das Gebäudeteil jenseits der beiden Osttürme maß etwa 18 Meter. Die mächtige innere Umfassungsmauer des Tempels grenzte an beiden Seiten des Tores und war ca. 8 Meter stark und leicht geböscht. 

An beiden Seiten des Osttores gab es zwei kleine Gebäude aus Sandstein, die mit der Umfassungsmauer verbunden waren. Sie sind ebenso wie der Teil der Mauer heute noch gut erhalten. Sie waren wahrscheinlich für die Torwächter gedacht. Der Osteingang ist mit monumentalen Darstellungen des Königs beim obligatorischen "Erschlagen der Feinde Ägyptens" (Nubier, Libyer, Asiaten, andere Nomadenvölker und Philister) dekoriert, die weithin sichtbar sind.


  (Bild: Mutnedjem - Flick-Album)

Das Westtor bildete vermutlich den Eingang zu den Verwaltungsdistrikten - also eine Art Lieferanteneingang. Heute findet man an dieser Stelle nur noch einige verstreut am Boden liegende Blöcke. Wahrscheinlich war auch dieses Tor ähnlich dem Östlichen gestaltet.
Der Tempel Ramses III.:

Meist wird der monumentale Eingangspylon in der Literatur als der 1. Pylon bezeichnet. Er ist vollkommen aus Sandsteinblöcken errichtet und nahezu vollständig erhalten. Insgesamt haben die beiden Türme eine Länge von 67,80 Metern und sind bis zu 11,90 Meter breit. Er ist mit einer Höhe von 24,45 Metern einer der größten erhaltenen Pylone des Neuen Reiches. Unterbrochen wird die Front von vier Nischen, in der sich einst die Flaggenmaste mit wehenden Fahnenbändern befand.

Auf der Fassade der beiden Pylonetürme sind u. a. die Siegeszüge des Königs verewigt. Die Niederschlagung der Feinde von Re-Harachte und die Siege gegen die Libyer. Unter dem Szenenbild sind in zwei Reihen die Namen besiegter Länder und Städte eingraviert. Auf einer langen Inschrift auf dem nördlichen Turm wird der Sieg Ramses III. in seinem 11. Regierungsjahr über die libyschen Volksstämme geschildert. Auf dem Dach des Tores befindet sich ein Sonnenheiligtum, welches durch einen kleinen Hof gebildet wird.

Im 1. Hof werden diese Themen der bedeutsamen Schlachten des Königs weitergeführt. Hier sind Soldaten zu sehen, die abgehackte Hände und Geschlechtsteile ihrer toten Feinde zählen und so die Grausamkeiten des Krieges veranschaulicht. Der rechteckige Hof hat eine Grundfläche von ca. 44 x 48 Metern. Im Norden und Süden wird er von einem überdachten Umgang begrenzt. 

Hinter dem Ersten Pylon folgt der Erste Hof mit den großen Osirisstatuen.
(Bild: Elvira Kronlob)

Detail einer Osirisstatue im 1. Hof

(Bild: Elvira Kronlob)

Sieben miteinander verbundener Pfeiler in der Gestalt des Gottes Osiris tragen die Decke im Norden des Hofes, während der Säulenportikus mit dem " Erscheinungsfenster", in dem sich der König während der Zeremonie und Feierlichkeiten zeigte sich im Süden befand. Die Halle im Süden bildet gleichzeitig die Fassade des Palastes.

Der 1. Hof wird im Westen durch den zweiten, etwas kleinen Pylon aus Sandstein begrenzt. Man erreicht das der Tempelachse folgende Tor über eine sanft ansteigende Rampe. Der Name des  2. Tores ist in eingravierten Hieroglyphen dargestellt. Er lautet: "User-Maat-Re-meri-Amun ( Ramses II.) , Amun jubelt, wenn er ihn sieht." (Quelle: Kemet 10/05)

Ein Relief auf dem linken Pfosten des Durchganges zum 2. Hof zeigt eine Darstellung der Seevölker, insbesondere der Philister, die durch ihre besondere Haartracht auffallen.

Neben der Tür zum 2. Hof stehen auf beiden Seiten zwei riesige Statuen des Königs. Der zweite rechteckige Hof 
( ca. 44 x 28 m) wird auch als der
"Hof der Feste " bezeichnet. Er ist im Osten und Westen mit jeweils acht Osiris-Pfeilern umgeben. Im Norden und Süden wird er mit großen Säulen in Form von Papyrusrollen geschmückt.

Die großen Osirisstatuen des Königs wurden zu Beginn der christlichen Zeit von den Kopten rücksichtslos zerstört. Sie wandelten das Gelände in eine Kirche um. Trotzdem sind viele der übermalten Originalreliefs in einem recht guten Zustand. Sie stellten verschiedene Rituale des Fruchtbarkeitsgottes Min ( das sogenannte Min-Fest oder Erntefest) sowie die Prozession der heiligen Barken der Thebanischen Triade (Amun, Mut und Chons) und auf der Portikus-Rückseite eine Prozession mit den zahlreichen Söhnen und Töchtern des Königs dar. Die Statuen längst verstorbener Könige werden ebenfalls in einem Festzug von den Priestern getragen. An dem südlichen Abschnitt der Ost- und der anschließenden Südhalle ist an den Wänden das Fest des Gottes Ptah-Sokar zu sehen.

Die umgebenden Hallen und auch das Hypostyl sind größtenteils zerstört. Von den Sockeln der 24 Säulen, die die Decke der großen Säulenhalle einst trugen, sind nur noch Reste erhalten. Auf diese Papyrussäulenhalle mit einem erhöhten Mittelgang folgen zwei weitere kleine Hallen der zentralen Tempelachse. Ein fast quadratischer Raum, dessen Decke einst von vier Pfeilern getragen wurde, bildet den Mittelpunkt. In diesem Raum stand auf einem Sockel die Götterbarke, in der das heilige Kultbild des Gottes Amun transportiert wurde. Hinter dem Barkenraum folgen mehrere schmale Querräume. Es ist anzunehmen, dass hier Götterstatuen des Amun in seinen verschiedenen Erscheinungsformen aufgestellt worden waren.

Südlich der Mittelachse reihen sich die fünf Schatzkammern, eine Month-Kultstätte und die in eine Art Osiris-Tempel umgewandelten Totenkulträume Ramses III. Ebenfalls im südlichen Teil ließ der König eine Verehrungsstätte für den "Vater und Vorfahren" Ramses II. einrichten.

Gegenüber im Norden befinden sich vier Kapellen für die Bilder des Königs, der Götter Ptah und Amun und anderer Götter, ein kultischer Schlachthof, eine Sonnenkultstätte mit Dachtreppe und das Heiligtum der Götterneunheit. In diesen Kammern sind verschiedene, noch gut erhaltene Wandszenen dargestellt, von denen die interessantesten in der südlichen Schatzkammer (Ramses und Thoth beim Goldwiegen vor Amun-Re), und im inneren Re-Harachte-Tempel auf der Nordseite (der König verehrt zusammen mit Pavianen die Sonnenbarke und opfert dem ka und ba des Re) und im südwestlich gelegenen Osiris-Tempel (Thoth und Iunmutef vor dem Gottkönig, der Tempel ist als Göttin dargestellt) zu finden sind.

Amun-Re verleiht in Gegenwart seines Sohnes Ptah und seiner Gemahlin Mut dem König Ramses III.
die Würde eines ewigen Regierungsamtes.

Türsturz in der Sonnenkapelle des Haupttempels:
der König vor dem Sonnengott kniend in der Begleitung symbolhafter Affen, deren morgendliches Geschrei von den Ägyptern als Sonnenerehrung angesehen wird.
(

Die innere und äußere Umwallung des Totentempels umschließen Lagerhallen, Kasernen mit Pferdeställen, Büros, Priesterwohnungen, Brunnen, kleine Teiche, Gärten, die Blumen für die Opfer lieferten usw.

Außen und Innenwände des gesamten Tempels tragen Darstellungen (einst in prächtigen Farben bemahlt), zum Teil mit historischen Inhalten wie zum Beispiel aus den Kriegszügen des Königs, sowie großzügig komponierte Jagdreliefs. Besonders hervorzuheben sei die berühmte Prinzenprozession, sowie die Abbildung von Statuenprozessionen in denen die Abbilder von Vorfahren gezeigt wurden. Von besonderem Interesse ist daran, dass in ihnen König Sipta und Königin Tausret übergangen werden, nur Sethos II., Sethnachte und natürlich Ramses III. werden gezeigt. Siptah und die Königin Tausret galten also damals bereits als illigitime Herrscher.

Von dem Königspalast sind heute kaum mehr Reste der Grundmauern erhalten, die bei Ausgrabungen gesichert werden konnten. Man erkennt den Audienzsaal mit dem Unterbau für den Thron, zu dem einige Stufen führen, das Schlafgemach des Königs, ein Badezimmer, Waschräume, die Königinnengemächer sowie die Unterkünfte für die Haremsdamen. 
Der kleine Palast wurde wahrscheinlich nur für kultische Zwecke genutzt, wenn der König den Tempel zu offiziellen Zeremonien besuchte. Nach seinem Tode sollte er aber auch seiner Seele Zuflucht bieten, daher sollte man das Gebäude auch als eine Art Jenseitspalast sehen, deshalb  findet sich wie im Tempel eine Scheintür als Ein- bzw. Ausgang. Der Thronsaal dürfte dem König für dringende Regierungsgeschäfte und Audienzen gedient haben. Das Gebäude war durch mehrere Türen und das "Erscheinungsfenster", wo der König sich der Öffentlichkeit zeigte, direkt mit dem 1. Hof des Tempels verbunden. 

Ursprünglich besaß der Palast wohl zwei Stockwerke mit mehreren Räumen. In einer zweiten Bauphase wird die alte Palastanlage komplett umgestaltet und vergrößert. Infolge der Baumaßnahmen wurden sogar Teile der Reliefdarstellungen an der Tempelwand verdeckt, wie an der Westseite des I. Pylon, wo die berühmte Jagdszene Ramses III. abgebildet ist. Die Empfangsräume mussten beim Umbau einer Anzahl von Privaträumen weichen.

Nach der Interpretation von Rainer Stadelmann war es das Ziel, den Jenseitspalast getreu dem Palast des lebenden Königs nachzugestalten.  Gestützt wird diese Theorie, so Stadelmann, durch die entdeckte Scheintür, die sich hinter dem Thronpodest des ersten Palastes befand.

Westlich des Palastes befand sich nach Stadelmann ein Heiliger See. Eine Seitenpforte führte von dort aus in den zweiten Hof.

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