Biografie Sethos I. 

Grab Sethos I. - KV 17

Bauten in Karnak Sethos I.

(Quellen und Literatur-Angaben am Ende dieser Seite - nummerierte Verweise im Text)
PM = Porter & Moss, Topographical Bibliography of Ancient Hieroglyphic Text, Reliefs and painting, 1927-1952)

Der thebanische Totentempel von Sethos I.  oder besser das sog. "Millionenjahrhaus" - liegt am nördlichen Ende einer Reihe von Totentempeln am Rande des Fruchtlandes westlich von Luxor und dem alten Dorf el-Qurna/el-Gurna, von dem er seinen Namen erhalten hat, südwestlich der Hügel von Dra Abu en-Naga. Der altägyptische Name des Totentempels Sethos I. lautete: "Das Haus des Geistes von Men-maat-Re Sethos im Hause des Amun im Westen von Theben" (Ax stxj mrj-m ptH) - (Quelle: Wikipedia)

Er war ebenso wie die anderen Totentempel als eine Art Kombination eines Fest- und Prozessionstempels für Amun-Re konzipiert als auch als Totenopferstätte für den nach seinem Tod vergöttlichten König. Das Gründungsdatum des Totentempels in el-Qurna ist nicht genau bekannt und kann nur vermutet werden. Anhand des Textes eine Felsstele über eine Steinbruchexpedition aus Jahr 6 des Königs, könnte der Baubeginn in die Mitte der Regierungszeit des Königs fallen. Sethos I. konnte den Tempel zu seiner Lebzeit nicht vollenden. Er dekorierte den 1. Pylon und den Palast im 1. Hof, die Nordhälfte der hypostylen Halle, die zentralen Räume 1-20 und den Barkenraum Ramses I. (Raum 29). Der gesamte Nordstreifen (Sonnenhof mit anschließenden Räumen), die Fassaden des Tempelhauses und Teile des kleinen Raumkomplexes seines Vaters Ramses I. wurden dann unter seinem Sohn und Nachfolger Ramses II. ausgeschmückt.

Historische Ansicht des Tempels aus der Zeit Lepsius

Bild: Karl Richard Lepsius (1810-1884) - public domain (Author died more than 70 years ago)

Die Tempelanlage wurde auf einer klassischen Ost-West-Achse erbaut und war ursprünglich von einer 124 m breiten und 162 m langen Mauer umgeben. Die aus Nilschlammziegel errichtete Mauer war 3,20 m dick und wahrscheinlich 10,50 m hoch und  wurde durch je einem Turm an den vier Ecken und Bastionen in den Längsachsen und der westlichen Schmalachse unterbrochen (2). Der Eingang erfolgte damals von Osten durch einen Ziegelpylon (den 1. großen Pylon) in das Tempelgelände.

Bei dem Bauwerk handelt es sich um eine klassische Tempelanlage, die aus einem 1. und einem 2. Pylon, dem Tempelgebäude und einem Gebäude mit Magazinräumen sowie einer Brunnenanlage bestand (1). An der Innenseite des 1. Pylons liegen links und rechts des Tores zwei gewaltige Sockel auf denen einst Sphingen ruhten. Die Sockel waren mit Darstellungen von unterworfenen afrikanischen und asiatischen Völkern geschmückt. Von der südlichen dieser Sphinxen hat sich ein großes Fragment des Körpers und die Doppelkrone erhalten, wovon allein die Doppelkrone eine Höhe von 2,10m hat.

Reste der nördliche Sphingenbasis - mit Doppelkrone

Die Sockel waren mit Darstellungen der unterworfenen Fremdvölker dekoriert. Im Zentrum der Front steht der Thron- und Geburtsname und davor das Serech mit dem Horusnamen des Königs. Flankiert werden die Namen zu beiden Seiten von je einer Darstellung Iunmutefs im Rezitationsgestus.

Deutlich sichtbar ist hier auf dem Bild von 2005 der Verfall der nördlichen Sphingenbasis.

Bild mit freundl. Dank Elke Noppes 2005
- alle Rechte vorbehalten - 

 

Reste der südlichen Sphingenbasis (2007) mit Fremdvölkerdarstellungen

Auch hier sieht man leider viel zu gut, welche immensen Schäden das permanent steigende Grundwasser angerichtet aht. 

Bild mit freundl. Dank Elke Noppes 2007
- alle Rechte vorbehalten - 

 

Sockel der südlichen Sphinx mit Fremdvölkerdarstellung

Zeichnung: Lepsius -  LD III. 131a

 

Plan Tempel Sethos I. in Qurna
- nach Wilkinson und DAIK
- bearbeitet von Nefershapiland - 

Tempelhaus:
A: Vier-Pfeiler-Raum
B: Barkenraum des Amun
C: Schlachthof
D: Totenkulträume Sethos I.
E:  Tempel Ramses I.
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c:  Barken- und Statuenraum Sethos I:
d:  Durchgänge zum Totenkultbereich/Sonnenhof
e:  Kapelle des Talfestes
f:  Kapelle für Isis und Osiris
g:  Kapelle für Mut
h:  Kapellen für Min-Amun/Amun-Re/Amun-Re-
      Harachte-Atum und Osiris
i:   Kapelle für Osiris
k:  Kapelle für Ptah

Räume nach DAIK in (2)

Der 1. und der 2. Pylon wurde aus Lehmziegel erbaut und beide waren weiß getüncht, was vermuten lässt, dass das Mauerwerk mit großformatigen Darstellungen versehen war. Die inneren Torleibungen des 1. Pylons bestanden aus Kalksteinblöcken, was zu dessen Einsturz beigetragen hat. Die Dekoration der inneren Torwände hatten das "schöne Fest vom Wüstental" zum Thema - aber auch davon ist heute kaum noch etwas erhalten. Bei den Ausgrabungsarbeiten wurde eine 2,10 m hohe Doppelkrone - eine Bekrönung der Sphingen - gefunden, was auf sehr große Skulpturen schließen lässt (2).

Bei Beginn der Grabungsmission des Deutschen Archäologischen Institutes im Vorgelände des Tempels stand allein das Tempelhaus in einem ansonsten von Ziegelräubern verwüstetem Gebiet. Reisende im 19. Jahrhundert hatten noch Reste der Ziegelmauern und der Pylone gesehen. Der deutsche Ägyptologe Richard Lepsius (Mitglied der Preußischen Expedition) zeichnete einen Plan der Anlage, aber auch eine kolorierte Ansicht des Geländes mit Sphingen und den Überresten der Pylone. Andere Reisende, wie John Gardiner Wilkinson oder Robert Hay und Edward W. Lane berichteten von hohen Ziegelgebäuden oder Magazinen. Die Ausgräber des DAIK haben während ihrer Arbeiten nichts mehr davon entdecken können, aber aus den Fundamenten ließen sich einzelne Bauelemente sicher erschließen.

Reste des 1. Pylons mit Blick auf die Hypostylhalle und die Stelen

Im Tempel von Qurna fanden sich mehrere Votivstele mit Gebeten Sethos I. zur Gründung des Tempels, die heute links und rechts der Prozessionsstraße zwischen dem 1. und 2. Pylon des Tempels neu aufgestellt wurden. 

Bild:    SFEC 2009 SETI1-0001.JPG
Autor: S F-E-Cameron, wikipedia, Juni 2009 
Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Der Tempelbezirk war lt. den Ausgrabungsergebnissen des DAIK von einer mächtigen, 3,20m (= 6 Ellen) breiten und vermutlich 10,50m (= 20 Ellen) hohen Mauer aus gebrannten Ziegeln umgeben, die ein leicht unregelmäßiges Rechteck bildete, die ebenso wie die Umfassungsmauern der Frühzeit mit Ecktürmen und Bastionen bewehrt war. Dieses Mauerwerk wurde vom DAIK mit modernen Ziegeln bis zu einer Höhe von 3m wiederaufgebaut. Sie hatte die Funktion, den Totentempel von Sethos I. zu einer Art "Götterfestung" zu stilisieren. Das Pylontor selbst war aus Stein erbaut, die Torpfosten und die monolithen Deckenbalken aus Sandstein und die Torwände aus feinem Kalkstein. Die verstürzten Blöcke wurden bei den Ausgrabungsarbeiten aus den Trümmern des zusammengestürzten Tores herausgezogen und entlang des Prozessionsweges (siehe Bild unten) zwischen dem 2. und 1. Pylon auf Sockeln aufgestellt (3). 

Blick vom Prozessionsweg auf die Reste des 1. Pylons

Links und rechts des Prozessionsweges befinden sich die vom DAIK aus dem Trümmern herausgezogenen verstürzten Blöcke des Torgebäudes.

Bild: Courtesy to Heidi Kontkanen, Finnland
- alle Rechte vorbehalten - 

 

Rückseite des 1. Pylons mit Bau-Fragmenten 

In der Mitte des Bildes befindet sich der Prozessionsweg mit den Votivstelen und hinten rechts sind die Grundmauern des Jenseitspalastes zu sehen.

Bild: Courtesy to Heidi Kontkanen, Finnland 2008
- alle Rechte vorbehalten - 

Nach dem Durchschreiten des 1. Pylons und dem Passieren der beiden Sphingen-Reste (hinter den beiden Pylontürmen) steht man auf einer Prozessionsstraße, die durch den 2. Pylon hindurch zum Allerheiligsten, dem Tempelhaus führt. Hinter dem 1. Pylon des Totentempels stehen heute 5 Votivstelen aus Sandstein (vier von Sethos I. und eine von Ramses II.), die teilweise vollständig erhalten sind und  in der Pflasterung der Durchgangspassage des äußeren Pylons des Sethos-Tempels gefunden wurden. Drei von ihnen zeigen Sethos I. in Anbetungshaltung vor verschiedenen Göttern. Die 4. Stele zeigt ihn mit vorgebeugtem Oberkörper und mit nach vorn gestreckten Armen in der "Verehrungshaltung" vor dem Gott Re-Harachte. Alle vier Stelen - sowie die von Ramses II. - sind in mittelmäßiger Qualität und in der Technik des versenkten Reliefs ausgeführt worden. Die Stele von Ramses II. zeigt die kurze Variante seines Thronnamens - ist also höchstwahrscheinlich in das 1. Jahr seiner Regierung zu datieren. Die Stelen von Sethos I. datieren wahrscheinlich gegen Ende dessen Regierungszeit.

Blick vom Prozessionsweg auf den 1. Pylon im Osten
mit den 4 Stelen von Sethos I. 

An der Prozessionsstraße zum Tempel stehen heute die Stelen von Sethos I.  II., welche die Besuche des Königs anlässlich des Talfestes verewigen. 

Foto: Elke Noppes 2005
- alle Rechte vorbehalten - 

 

Sethos I. bei der Anbetung von Re-Harachte

 Stele Sethos I. am Prozessionsweg

Der König kniet in Anbetungshaltung vor dem thronenden Re-Harachte.
Diese schlechter erhaltene Stele zeigt Sethos I. beim "Geben von Wein" vor einem nicht mehr erhaltenen Gott.

beide Bilder mit frdl. Genehmigung Elke Noppes (2005)
- alle Rechte vorbehalten - 

 

Stele Sethos I. hinter dem I. Pylon

 Stele Sethos I. hinter dem 1. Pylon

Sethos I. opfert die Maat vor Amun-Re Diese Stele ist weniger gut erhalten - der ganze untere Teil fehlt. Sethos I. opfert zwei runde Gefäße vor Amun-Re. 

Bild: mit frdl. Genehmigung Elke Noppes (2005)
- alle Rechte vorbehalten - 

Bild: Courtesy to Heidi Kontkanan 2008
- all rights reserved - 

Von den Gebäudeteilen, die sich vor dem 2. Pylon im Hof befanden, ist nicht viel erhalten geblieben. Bei den Ausgrabungsarbeiten durch das Deutsche Ägyptische Institut Kairo (DAIK) wurden einige verstürzte Blöcke mit Reliefdarstellungen von sehr guter Qualität geborgen und links und rechts am Prozessionsweg zum hinteren Tempelhauptgebäude aufgestellt. Es handelt sich hier um Reste von Mauern und Tordurchgängen. Auf ihnen ist die Einführung des Königs vor der thebanischen Triade und die Krönung des Königs im Tempel dargestellt.

"verstürzt" gefundene Blöcke des Tordurchganges 
1995 lagen diese noch im noch in den Trümmern des südlichen Hofes.

Foto: Elke Noppes 1995
- alle Rechte vorbehalten - 

 

"verstürzte" Blöcke des Toreinbaues (Ansicht von 2005)
(die gleichen Blöcke wie im Foto von 1995 oben - nun auf einem Sockel aufgestellt)

Von den reliefierten Blöcken, die man aus dem zusammengestürzten Tordurchgang geborgen hatte, sind einige davon entlang des Prozessionsweges zwischen 1. und 2. Pylon auf Steinsockeln aufgestellt. 

Auf dem hier gezeigten Teil ist Sethos I. in einer Opferdarstellung vor Amun zu sehen. Quasi opfert er "sich selbst" - denn die zu opfernde Figur bildet von unten nach oben gelesen den Thronnamen des Königs: "Men-maat-Re". 

Foto: Elke Noppes  2005
- alle Rechte vorbehalten - 

Im südlichen Hof, der vermutlich als Tempelgarten angelegt war (3), befindet sich eine Brunnenanlage - ein sog. "Nilometer". Eine kleine Pforte aus der Südwand des hinteren Tempelhauses öffnet sich auf einen gepflasterten Weg, der zu einer Doppeltreppe führt. Diese führt zu zwei durch eine Insel getrennte Brunnenkammern hinab, welche die Quellen des oberägyptischen und des unterägyptischen Nils symbolisieren..Aus ihnen stiegen die Fruchtbarkeitsgottheiten Oberägyptens und Unterägyptens herauf und brachten ihre Erzeugnisse in den Tempel (3). 

Nilometer - im südlichen Hof der Kultanlage von Sethos I.

Im südlichen Hof befindet sich eine Brunnenanlage für das Wasseropfer. Eine Doppeltreppe führt in den Brunnen zu einer Insel, welche den oberägyptischen und den unterägyptischen Nil trennt, welche das Wasser in die Totentempelanlage bringen (3). 

Foto: Elke Noppes  2004
- alle Rechte vorbehalten - 

Noch vor dem 2. Pylon befindet sich links der südlich des Hofes gelegene Tempel-Palast, ein Lehmziegelgebäude - wobei nur der mittlere Teil der Fassade mit einem Erscheinungsfenster aus Kalkstein erbaut war (der Rest bestand aus Lehmziegeln). Aufgrund der Größe der Räume und dem fehlenden Wirtschaftstrakt ist zu schließen, dass es sich hierbei nicht um einen wirklichen Wohnpalast handelt, sondern um einen "Jenseitspalast" mit einem vorgelagerten Portikus. Durch diesen Portikus gelangte man über zwei Eingänge in eine große Säulenhalle, wo sich auch der Zugang zum Erscheinungsfenster (ein Bauelement, von dem aus sich der König den Untertanen zeigte und von dort aus Geschenke und Belohnungen verteilte). In den Millionenjahrhäusern von Theben öffnete sich ein Erscheinungsfenster vom Kultpalast in den davor gelegenen Tempelvorhof. Es besaß eine Zugangstreppe auf der Palastseite (Quelle: Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst, 2000). Eine große Scheintür bildete die Rückwand des Thronsaales, durch die der tote König in der jenseitigen Welt als "belebter Geist" den Palast betreten konnte. Ein zweistöckiges Wohnhaus mit einem Weinkeller und Magazinen überlagerte in späterer Zeit den schon zum großen Teil abgetragenen Palast. Das DAIK fand bei seinen Ausgrabungsarbeiten im Bauschutt des Hauses einen schönen, aber leider sehr stark zerstörten Kopf einer Statue der Königsgemahlin und Mutter des späteren Königs Ramses II., Tuja (3). 

Der Bauplan des Palastes gleicht jenen der besser erhaltenen Paläste von Ramses II. (Ramesseum) und von Ramses III. (Medinet Habu) und ist das älteste Beispiel für einen Jenseitspalast innerhalb eines Totentempels.

Blick auf die Fundamente des Königspalastes (Jenseitspalast)

Südlich des 1. Hofes, dessen Name "Festhof der Untertanen" (4) lautete, befinden sich die vom DAIK gereinigten Überreste des Königspalastes. Dies war kein Wohnpalast, sondern ein Ritual- oder "Jenseitspalast" mit einer modellhaften Auswahl aller Räume eines echten Palastes, wie z. B. einem höher gelegten Erscheinungsfenster (in der Mitte des Bildes), einem Säulenportikus, einem 12-säuligen Empfangsraum, dem Thronsaal sowie einem Schlafzimmer und einem Bad (3). 

Bild: Elke Noppes 2005
- alle Rechte vorbehalten - 

 

Blick auf die Fundamente des Königspalastes (Jenseitspalast)

Vorderer Teil des Königspalastes (in der Mitte das höhergelegte "Erscheinungsfenster") mit Blick auf die Mauern des 1. Pylons und beide Sphingenbasen rechts und links des Durchganges (links mit Doppelkrone). Auf dem Passionsweg befinden sich die vom DAIK aufgestellten Stelen und die "aufgebockten" Relieffragmente (Rückseite).

Bild: Elke Noppes 2005
- alle Rechte vorbehalten - 

Erfreulicherweise konnte bei den Grabungen des Deutschen Archäologischen Institutes (DAIK) der Kalksteinsockel der Palastfassade unter dem Erscheinungsfenster mit den Resten der Relieffierung des untersten Registers aufgefunden werden. Dargestellt waren Gabenträger  in langen Gewändern, die Opfergaben und Opferständer tragen, die sich zur Mitte hin, d. h. dem Fenster zu, verbeugen. Wahrscheinlich handelt es sich bei ihnen um ausländische Gesandte. Damit unterscheiden sich die Darstellungen am im Totentempel von Sethos I. von denen in Medinet Habu: dort sind im untersten Register Kampf- und Ringerszenen abgebildet (3). In späterer Zeit wurde der Palast, der damals schon größtenteils abgetragenen war, durch ein zweistöckiges Wohnhaus mit einem Weinkeller und Magazine überlagert. Im Bauschutt dieses Hauses fand sich ein schöner, leider aber stark zerstörter Königinnenkopf, wohl von der Statue der Königin Tuya, der Gemahlin des Königs und Mutter Ramses II.

An den Säulensaal schließt sich der Thronsaal an. An der Rückwand ist eine Scheintür eingelassen, was noch deutlicher macht, dass diese Anlage innerhalb des Totentempels eine Wohnstätte für den "verstorbenen" König war. Von der Anlage ist nur noch wenig erhalten, aber dank der guten Arbeit des Deutschen Archäologischen Institutes (DAIK) sind die Mauerreste und der Grundriss gut erkennbar. 

Der Prozessionsweg zum Tempelgebäude im hinteren Bereich der Anlage war ursprünglich von Dutzenden großer Sphingen gesäumt und der gesamte Bereich war voller Nebengebäude und Gärten mit Obst- und Kugelbäumen bepflanzt. Vom 2. Pylon und von den evtl. früheren Bauten im zweiten Hof sind heute nur noch wenige Reste erhalten - abgesehen von der gepflasterten Prozessionsstraße. Im Norden, Süden und Westen des zweiten Hofes war ursprünglich ein Säulenportikus geplant, wovon aber nur der westliche vor dem Tempelhaus fertig geworden ist.

*

Man betritt das Gelände des eigentlichen Tempels durch den 2. Pylon, der ebenfalls aus Ziegeln errichtet wurde - allerdings war er nicht so groß und mächtig wie der 1. Pylon - aber er war ebenfalls mit einem Tor aus Kalkstein versehen. Die Torstürze waren aus Granit gefertigt (2). Eine zweite, innere Umfassungsmauer schloss sich von diesem 2. Pylon ausgehend an den zweiten Hof, den Festhof und an das Tempelhaus an. Es ist davon auszugehen, dass auf Grund des Todes von Sethos I. die ursprünglich geplante Errichtung der Umfassungs-Mauer aus Sandstein nicht mehr zur Ausführung kam, ebenso der 1. Hof nicht mehr fertiggestellt wurde. Die Vollendung der zweiten, inneren Umfassungsmauer wurde - ebenso wie der Totentempel Sethos I. in Abydos dann vom Nachfolger und Sohn des Königs, Ramses II. in Ziegelbauweise vollendet.

Er tat dieses, wie in einer Weiheinschrift am Architrav des Tempels berichtet wird, in Ziegelbauweise, was aus den gefundenen Resten der Mauer aus ungebrannten Ziegeln erschlossen wurde. Die Arbeiten unter Ramses II. beschränkten sich aber auf die Errichtung der Ziegemauer und das Hinzufügen von Dekorationselementen und zog sich wahrscheinlich über einige Jahrzehnte hin - erkennbar aus der unterschiedlichen Schreibweise des Geburtsnamens von Ramses II. (2). 

Rainer Stadelmann berichtet in seinem 4. Grabungsbericht, dass der Prozessionsweg zwischen 1. und 2. Pylon ursprünglich mit Sphingen flankiert und Bodenplatten bedeckt war, aber von diesem Prozessionsweg seinen lediglich zwei Bodenplatten in situ gefunden worden. Es ist auch davon auszugehen, dass sowohl der 1. wie auch der 2. Hof terrassierst war. Der Niveauunterschied zwischen beiden Höfen beläuft sich heute auf etwa 1m  und wurde durch eine Treppe ausgeglichen, die in der Mittelachse des Tempels liegt. Diese Treppe führt auf die Terrasse der querliegenden Säulenhalle (siehe Rainer Stadelmann u. K. Mysliwiec, der Tempel Sethos I. in: MDAIK 38, 1982, S. 397f) (5). 

Fassade des Totentempels Sethos I. mit dem vollendeten Portikus

Bild:      Seti I Temple at Qurna.jpg
Autor:   Markh - wikipedia 30. 3. 2005
Lizenz:  CC BY-SA-3.0

Ursprünglich war wohl im Norden, Süden und Westen des  Hofes ein Säulenportikus geplant, wovon aber nur der westliche vor dem Tempelhaus vollendet wurde.

Der Portikus an der Westseite des zweiten Hof bildet eine quergelagerte Säulenhalle mit einer Breite von 52m, bestehend aus 10 Papyrusbündelsäulen mit geschlossenen Kapitellen, der in die inneren Räumlichkeiten des Tempels überleitet. Die südlichste der Säulen ist heute nur mehr als Stumpf erhalten. Der Portikus weist drei Durchgänge auf, die durch einen größeren Abstand der Säulen gekennzeichnet sind und sich nach den drei Portalen in der Front des Tempelhauses richten.

Portikus der Tempelhalle - östlicher Seite mit Eingang

Auf der rechten Seite der Fassade des Portikus, befindet sich über der Säule eine Bauinschrift Ramses II. mit seiner Kartusche.
Bild:      Temple of Seti, east entrance, Thebes, Brooklyn Museum Archives
Autor:    Brooklyn Museum before 1923 - Wikimedia
Lizenz:   public domain

Den Architrav über den Säulen schmückt eine Bauinschrift Ramses II., in der dieser über seine Bautätigkeit für den Tempel seines Vaters berichtet. Er habe die Hofmauern in Ziegelbauweise vollendet und Türen aus Zedernholz anfertigen lassen.

Zwischen den Säulen befinden sich fünf stark erodierte, kopflose Statuen aus verschiedenen Epochen, darunter zwei Sitzstatuen Ramses II. aus dunklem Granit und drei Königsstatuen aus Rosengranit aus dem späten Mittleren Reich, die aber alle in neuerer Zeit an ihren heutigen Standort gebracht wurden. Ob im Neuen Reich in der Zeit Sethos I. originale Statuen hier im Portikus standen, ist unbekannt.

 

wird fortgeführt....

 

Literatur und Quellen:
1. dt. Wikipedia / Totentempel des Sethos I.
2. Häuser für Millionen an Jahren für Sethos I./Gitta Warnemünde pdf
3. “Begegnung mit der Vergangenheit"/ 100 Jahre in Ägypten/Deutsches Archäologisches Institut Kairo 1907-2007/
    G. Dreyer u. Daniel Polz (Hrsg.),  Ph. v. Zabern Verlag 2007
4. Luxor und das Tal der Könige / National Geographic Art Guide/Kent Weeks 2005
5. Millionenjahrhäuser, Stefanie Schröder, 2010 Harrassowitz-Verlag