Biografie Sethos I.

Bauten Sethos I.

Grab Sethos I.

***** weiße Links sind noch "Baustelle"

Urhije:

Am Beispiel des Lebens und der Laufbahn des "Urhije", eines Mannes mit hurritischer Abstammung, ist der Einfluss von "Ausländern" (Menschen fremder Herkunft) am Hof der ramessidisch geprägten Zeit gut zu verfolgen. Auffällig ist hier, dass Urhije seinen hurritischen (Ostanatolien und Nordmesopotamien)  Namen behielt und ihn nicht (wie damals üblich um sich an die ägyptische Gesellschaft anzupassen) in einen ägyptischen Namen umwandelte. 

Der Einfluss von "Ausländern" am Hof der ramessidisch geprägten Ära wird gut durch Leben und Laufbahn eines Mannes mit Namen "Urhije" mit hurritischer Abstammung verkörpert. Er war noch unter der Regierung von Haremhab geboren und schlug eine militärische Laufbahn ein. Unter Sethos I. machte er in der Armee schnell Karriere und stieg zum Truppenkommandeur auf, der über einige hundert Männer befehligt und wurde dann sogar zum General befördert. Später, unter der Regierung von Ramses II., wechselte Urhije vom Militär in eine zivile Beamtenlaufbahn. Er wurde zum Domänenverwalter (mr pr wr) und dann zum Domänenverwalter des Ramesseums berufen. Seine Frau trug den ägyptischen Namen "Tuy" und führte die Titel einer "Sängerin des Amun" und "Sängerin der Hathor". Sein Bruder "Tey" trat in die Priesterschaft ein.,

Von den Söhnen Urhije machte Jupa genau wie sein Vater im Militär unter Ramses II. Karriere: er ist im königlichen Stall im 5. Jahr unter Ramses II. belegt und wurde später Nachfolger seines Vaters als Oberster Domänenverwalter und Domänenverwalter des Ramesseums. Belegt wird Urhije auf einer Stele im Museum Calvet Avignon (Frankreich) - diese Stele zeigt u. a. den General Urhije und seine Gattin Tuy, die ein Sistrum hält, bei der Verehrung einer Göttin. (Quelle: Lexikon der Ägyptologie und "Who ist who/Toby Wilkinson 240-41)

Nebamun
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Wesir von Unterägypten -

Zu den wichtigsten Staatsdienern und damit zu den engsten Beraterkreis um den König, gehörten in der Ramessidenzeit die zwei Wesire mit ihrer jeweiligen Zuständigkeit über eine Landeshälfte. Spätestens nach der offiziellen Erhebung von Sethos I. zum Thronfolger seines Vaters Ramses I. übernimmt Nebamun, ein Sohn des Priesters Ramose und seiner Frau Scheritra das unterägyptische Wesirat. Wolfgang Helck setzt den Amtsantritt des Nebamun für das unterägyptische Wesirat sogar noch früher in die Regierungszeit Haremhabs an. (siehe Helck: Verwaltung, S. 451). Peter Brand (Brand, Monumente of Seti I. 341 in: das ägyptische Königstum im Spannungsgeld zwischen Innen- u. Außenpolitik im 2. Jahrtausend v. Chr./Gundlach und Christine Raedler, S. 293) erwägt den Wesirat-Beginn von Nebamun unter Ramses I., wogegen Christine Raedler " ebenso wie Dietrich Raue (Raue, Wesir, 344, 348) aufgrund einer im Grab des Hatiai dargestellten Speisetischszene mit den Wesiren Usermonth und Nebamun" diese Szene als "Hinweis auf eine gemeinsame Amtsausübung beider bereits unter Haremhab verstehen möchte "(Quelle: das ägyptische Königtum im Spannungsgeld zwischen Innen- u. Außenpolitik S., 293). So dürfte sich die Amtszeit von Nebamun als unterägyptischer Wesir wahrscheinlich von den letzten Jahren der Regierung Haremhabs bis in die ersten Regierungsjahre von Ramses II. erstrecken (falls man hier Christine Raedler folgt).

Es ist verhältnismäßig wenig über den nördlichen Wesir Nebamun bekannt. Wenn man Wolfgang Helck (Helck, Verwaltung, S. 311, 351) folgt, besitzen wir sechs Zeugnisse über den Wesir Nebamun, die durch die Erwähnung des Wesirs auf dem Familienmonument des Hohenpriesters Wenennefer in Kairo, JE 35258 zu ergänzen ist (siehe dazu Quelle oben: Christine Raedler, S. 303), so dass man nun von insgesamt sieben Belege für Nebamun ausgehen kann. 

Belege für den unterägyptischen Wesir Nebamun

Beleg Fundort heutiger Standort sonstiges
Standstatue aus Kalkstein Abydos Mus. Kairo, CC 1140 Vorderseite m. Titel:
Iripat u. Wesir (HA.tj-a)
Statuensockel aus Kalkstein Karnak-Nord unbekannt Iripat, Wesir, Stadtvorsteher
Papyrus mit Erwähnung Nebamuns Memphis Paris, Bibliotheque Nationale, 213 Erwähnung des Hauses des Nebamun in einer Liste über Holzlieferungen
Grabdarstellungen Theben-West, Gurna, TT 324 in situ Darstellung mit Wesir Usermonth im Grab f des Hatiai; Titel: Iripat, 
Standdarstellung des Wenennefer
(Erwähnung des Nebamun)
unbekannt Athen, Nationalmuseum
Nr. 106
Nebamun wird als sog. "Bruder" des Hohenpriesters Wenennefer bezeichnet.
(sn=f nj Hm-nTr tpj nj Wsjr Wnn-nfr)
Familienmonument des Wenennefer
(Erwähnung des Nebamun)***
Abydos Museum Kairo, JE 35258 Nebamun wird als sog. "Bruder" (sn=f) des HP des Osiris Wenennefer erwähnt. Titel: jmi-rA njw.t TA.tj Nb-Jmn mAa-xrw
Reliefblock mit der Inschrift am Tempel von Elkab Elkab, sekundär in den Fundamenten des Haupttempels verbaut Elkab  

***Anmerkung: Raue wies daraufhin, dass Nebamun hier nur eine posthume Erwähnung gefunden haben kann (siehe Raue: Wesir, 348, Anm. 67 in: Christine Raedler "das ägyptische Königstum im Spannungsgeld zwischen Innen- u. Außenpolitik", , S. 305, Anm. 191), denn auf der Stele des Wenennefer aus Abydos aus dem Jahr 42 Rames II. ist Nebamun nicht genannt.

Auf eine der oben genannten Quellen (eine Abrechnungsurkunde über Holzlieferungen aus der Regierungszeit Sethos I.) wird sein Anwesen in Memphis genannt. Aus dieser Tatsache kann man wohl ableiten, dass Nebamuns Amtssitz unter Sethos I. noch in Memphis lag, da er im Gegensatz zu einigen seiner Amtskollegen nicht in Pi-ramesse belegt ist. Evtl. fand also ein Umzug des unterägyptischen Wesirats in die Ramsesstadt erst unter seinem Nachfolger (Pa-)Rahotep in der II. Dekade der Regierungszeit Ramses II. statt. Der südlichste Belege für Nebamun (Reliefblock mit einer Inschrift am Tempel) stammt aus Elkab, wahrscheinlich aus dem offiziellen königlichen Bereich und steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem Sedfest von Sethos I.

Im nachamarnazeitlichem Grab des Hatiai (TT 324) wird Nebamun zusammen mit dem ihm gegenübersitzenden Amtskollegen Usermonth vor einem gefüllten Opfertisch gezeigt. Während seiner langen Amtszeit als einer der zwei Wesire Ägyptens gehörten außer Usermonth auch Paramessu (der spätere Ramses I.), Sethi (der spätere Sethos I.) und Paser zu seinen Amtskollegen. Nebamun absolvierte den größten Teil seiner Amtszeit unter Sethos I..

Nebamun scheint eine enge Beziehung zu Wenennefer, dem Hohenpriester des Osiris von Abydos, gehabt zu haben, denn er wird auf zwei Monumenten dieses Hohenpriesters als sn=f (sein Bruder) bezeichnet ). Auf einer dieser Statuen werden auch die Eltern des Nebamun genannt, der Sem-Priester Ramose und die nicht näher betitelte Scheritra, was wohl auf eine enge Verbundenheit der Familien schließen lässt. Evtl. ist diese starke Beziehung zwischen Nebamun und Wenennefer im "Kontext einer engen Zusammenarbeit im Rahmen der abydenischen Baustellen und der damit einhergehenden Neu- und Umorganisation von (bestehenden) Kultstrukturen begründet". Auch der Wesir (Pa-)Rahotep wird vom Hohenpriester Wenennefer als "sn=f" bezeichnet, was auf ein ganzes "Netzwerk" von "sein Bruder-Beziehungen" schließen lässt (Quelle: "das ägyptische Königstum im Spannungsgeld zwischen Innen- u. Außenpolitik",/Chr. Raedler, S. 309)

Das Grab des Nebamun wurde bislang nicht gefunden - evtl. lag aufgrund seines Amtsbereichs im memphitischen Raum. Näheres zu seiner Person liefert uns daher nur seine Stabträgerstatue aus dem Osiris-Tempel in Abydos, die wahrscheinlich als Belohnung für den königstreuen Beamten von seinem König Sethos I. in dem Tempel gestiftet wurde. Nebamun war nach Aussage dieser Statue für den Bau des Tempels zuständig. "Leiter der Stätte der Ewigkeit, trefflicher Bauleiter im heiligen Land" (Quelle: "das ägyptische Königstum im Spannungsgeld zwischen Innen- u. Außenpolitik",/Chr. Raedler). Die Statue zeigt Nebamun im Wesirschurz mit einer Schließe, welche den Namen seines Königs zeigt. Neben mehreren Rangtiteln gibt diese Statue auch einen Hinweis auf Nebamuns Tätigkeit im Rahmen des höfischen Zeremoniells. Er wird hier als "Herold des Königs beim Erscheinen seiner Majestät, der einführt die Großen zum Palast des Königs und veranlasst dass (jeder) Mann sein Kommen weiß" (KRI I, 284.6 in das ägyptische Königstum im Spannungsgeld zwischen Innen- u. Außenpolitik). Weitere Tätigkeiten für seinen König sind aus der (leider) stark beschädigten Tempelinschrift aus dem Haupttempel in Elkab zu entnehmen, wo er ursprünglich ausgewiesen wird als "persönlicher Adjutant oder Referent des Königs", wohl im Kontext eines Sedfestes Sethos I. (Quelle: Christine Raedler).

unbekannter Wesir (Stele)
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(ohne Bild) -

Im Museum Egizio in Turin/Italien befindet sich die Stele eines namentlich nicht genannten Wesirs (wahrscheinlich von Oberägypten), welche dieser gestiftet hatte. Sie wurde leider in späterer Zeit wiederverwendet, wobei sie verkleinert wurde, dabei ging ein Teil der Inschriften im oberen Bildfeld verloren, einschließlich des Namens des Wesirs. Aus der Regierungszeit Sethos I. ist Paser als oberägyptischer Wesir (als Nachfolger von Usermonth) belegt. Es ist also durchaus möglich, dass dieser "unbekannte Wesir" auf der Stele in Turin mit Paser identisch ist (hypothetisch).

Stele aus Museum Turin

Im Stelenrund sieht man König Sethos I. wie er vor dem vergöttlichtem Amenophis I. und Königin Ahmose Nefertari (den Nekropolenschutzgöttern) weihräuchert. Sethos I. trägt die sog. nubische Perücke mit Uräus, in der linkem hält er einen Räucherarm in dem er Weihrauch verbrennt: in der Rechten ein anch–Zeichen. Hinter Sethos I. befindet sich in kleinerem Maßstab und gebeugter Haltung der Wesir als Stelenstifter. Er trägt die für einen Wesir typische Amtstracht und hält in seiner linken den Straußwedel.

Bild:    Seti I. making offerings
Autor:  John Campana, Flickr
Lizenz: CC BY-NC-2.0

Im Stelenrund sieht man König Sethos I. wie er vor dem vergöttlichtem Amenophis I. und Königin Ahmose Nefertari (den Nekropolenschutzgöttern) weihräuchert. Sethos I. trägt die sog. nubische Perücke mit Uräus, in der linkem hält er einen Räucherarm in dem er Weihrauch verbrennt: in der Rechten ein anch–Zeichen. Hinter Sethos I. befindet sich in kleinerem Maßstab und gebeugter Haltung der Wesir als Stelenstifter. Er trägt die für einen Wesir typische Amtstracht und hält in seiner linken den Straußwedel.

Der erhaltene Stelentext lautet:
Vor Amenophis I.  der vollkommene Gott, (Djeserkare)|  
Vor Ahmose Nefertari   (Ahmose Nefertari)|  
Vor Sethos I.   verbrennen von Weihrauch als Opfer  
Über Sethos I.

Der Herr der Beiden Länder (Menmaatre)|, der Herr der Kronen (Sety–merenptah)|  

Über dem Wesir  

 Gouverneur von Theben, Wesir...............


Material:                 Kalkstein
Maße:                      H. 56 cm; B. 65 cm, Stärke 11 cm
Herkunft:                 Der el-Medina
Aufbewahrungsort:  Museum Egizio Turin, CGT 50090 = C. 1466

 

Paser:  (P3- sr)
-
Wesir von Oberägypten - 


Paser (altägyptisch: "der Vornehme") diente unter den Königen Sethos I. und seinem Sohn und Nachfolger Ramses II. Er bekleidete das Amt 

  1. des Wesirs von Oberägypten, 
  2. Bürgermeister von Theben,
  3. Hohepriester des Amun,
  4. Erster Gottesdiener der Weret-heqau
  5. und erster Kammerdiener des Palastes.

Bislang wurde der Beginn der Amtszeit für Paser unter Sethos I. vermutet und zeitlich bis mindestens ins Jahr 21 - spätestens aber bis Jahr 30 unter Ramses II angenommen (siehe Helck: Verwaltung, 311 ff). Peter Brand (Monumente of Seti I.) schlägt nun mit Hinweis auf eine Formulierung in der Autobiographie des Paser in seiner Grabanlage (TT 106) vor, die Einsetzung von Paser - ebenso wie bei seinem nördlichen Kollegen Nebamun - bereits unter Ramses I. anzusetzen. In dieser Inschrift an der Ostseite des Pfeilers B der Querhalle wird ein "wiederholtes Einsetzen von Paser als Stadtvorsteher und Wesir" erwähnt. Auch an der Ostseite des Pfeilers G (PM I², 1, 224 G (a)) befindet sich ein weiterer, diesmal unter der Regierung von Ramses II. abgefasster Text, in dem Paser abermals aussagt, dass er vom König "wiederholt eingesetzt" wurde als "wHm n=f rD t=f r jmi-rA TA.tj wp MAa.t". Peter Brand möchte daher nun im Falle Pasers eine "wiederholte Amtseinsetzung ins Wesirrat" annehmen, die erstmals bei Amtsantritt Sethos I. erneuert wurde und dann unter Ramses II. ein zweites Mal erfolgte - was dann einen Amtsbeginn von Paser in die Regierungszeit von Ramses I. vorverlegt (dieses ist allerdings in keiner Quelle belegt). Sein höchstes datierbares Amtsjahr ist das Jahr 21 unter Ramses II. - aus diesem Jahr stammt ein Glückwunschschreiben des Paser an den hethitischen Großkönig anlässlich des Friedensabschluss (siehe: das ägyptische Königtum im Spannungsfeld...../Christine Raedler, S. 295). 

Falls Paser - wie oben ausgeführt - das Wesiramt bereits unter Ramses I. übernahm, war er zu dieser Zeit noch ein relativ jungen Mann von etwa Mitte Zwanzig. Deshalb dürfte wohl der erfahrene Wesir Nebamun (Wesir von Unterägypten) ihm am Anfang hilfreich zur Seite gestanden haben. Paser dürfte dann unter der Regierung Sethos I. seine hohe gesellschaftliche Stellung und die damit verbundene Machtfülle erworben haben, die ihn - trotz mannigfacher Konkurrenz  -  befähigte, nach dem Tode Sethos I. an der Krönung des kaum zwanzigjährigen Ramses II. als "Vorsteher der Kammerherrn und Hohepriester der Werethekau (lt. Kitchen, lässt Ramses II. KRI II. 328, 1 f selbst verlauten ,dass "ihm die Kammerherrn die Doppelkrone auf den Scheitel setzten") teilzuhaben. Auch dürfte Paser dank seines diplomatischen Geschicks mitverantwortlich für die Entstehung des Friedensvertrages zwischen den Ägyptern und den Hethitern im Jahr 21 von Ramses II. gewesen sein und anlässlich dessen als "Großer von Ägypten" - also der ägyptischen Hofgesellschaft - den hethitischen Großkönig HattuSili III. beglückwünscht hat. Dieser Keilschriftbrief, den man in der hethitischen Residenz bei den dortigen Ausgrabungen fand, wurde zusammen mit den weiteren Briefen Ramses II. und denen der Königin Nefertari, der Königsmutter Tuja und des Königssohnes Amunherchepeschef durch den ägyptischen Boten Parixnawa nach der hethitischen Königsresidenz Hattusa gebracht. In dem Glückwunschschreiben Pasers an den hethitischen Großkönig spricht er auch von der Überreichung diplomatischer Gastgeschenke an Hattusili, aber auch an die hethitischen Minister als Mitglieder der hethitischen Hofgesellschaft.

In der Ramessidenzeit weilten die thebanischen Wesire häufig in der nördlichen Residenz des Königs. Paser hat nicht nur eine Stele in dem nördlichen Tanis errichtet (heute in Antwerpen), sondern auch nach einer Mitteilung von dem Ägyptologen Labib Habachi an Wolfgang Helck (siehe Prosopographische Notizen in Helck: Verwaltung S. 314) nach Ausweis einer dort gefundenen Türbeschriftung, ein Haus in Kantir, das - zusammen mit Tanis zum Gebiet der "Ramsesstadt" als der Residenz Ramses II. gehört hat.

Nachdem er wohl aus Altersgründe sein Amt als Wesir aufgab (Nachfolger wurde ein gewisser Hay/Chay) bekam er als Altersposten - als Nachfolger der Wennefer - das Amt des "Hohenpriester des Amun zu Karnak", das bereits sein Vater innegehabt hatte. Sein Vater namens Neb–netjeru (genannt Tjeri/oder Tlj) trug den Titel eines „Obersten Propheten des Amun", seine Mutter Meritre trug den Titel „Leiterin des Harims des Amun“. Die Eltern von Neb-nejeru (also die Großeltern väterlicherseits von Paser) hießen Tapaja (tApAjA) und Tatula. Evtl. lässt der Kosename  des Vaters, der einen semitischen oder auch früharabischen Ursprung verrät (siehe dazu: Helck/Verwaltung, S. 540 und Schneider, Personennamen, S. 232 f.) wie auch der Name Tapaja des Großvaters eine vorderasiatischen Herkunft der Familie vermuten.

Es ist möglich, dass Paser aus einer Offiziersfamilie stammt, doch hat sein Großvater Tapaja wohl noch keinen sehr hohen Rang im Heer inne. Die Mutter von Paser, Meritre, stammte aus Memphis. Ihre Eltern trugen die ägyptischen Namen Imy und Naja. Zu den Geschwistern von Paser zählen der "Oberste Stallmeister seiner Majestät "Titia" (der auch im Grab Pasers dargestellt wird) und die Haremsvorsteherin des Amun Tij deren Beititel "Hsj.t nj pr-nswt" eine wie auch immer geartete Beziehung zum Königshof beschreibt (Quelle: das ägyptische Königtum im Spannungsfeld...../Christine Raedler, S. 345). (Einige Ägyptologen wie Helck/Verwaltung S. 315 und J. Romer, Ancient Lives, London 1984 sehen die Schwester Pasers Tij als seine Ehefrau)

Aufgrund der wiederholten Darstellung von Pasers Mutter an seiner Seite, sowohl in dem Bildprogramm in seinem Grab als auch auf den Statuen, gehen in letzter Zeit die Ägyptologen davon aus, dass Paser unverheiratet geblieben ist (im Bildprogramm seines Grabs erfolgt nach der Ehrengoldverleihung "statt der Heimkehr zu Wagen" mit dem Empfang durch die Ehefrau die traditionelle Szenenfolge der "Besichtigung des Goldhauses"). (siehe dazu: Karl-Joachim Seyfried in: Generationseinbindung, S. 223 in das ägyptische Königtum im Spannungsfeld...../Christine Raedler, S. 346). 

Als Wesir von Oberägypten mit Residenz in Theben war Paser verantwortlich für die Beisetzung König Sethos im Tal der Könige. Anschließend wählte er zusammen mit den beiden Vorarbeitern der Nekropolenarbeiter namens Baki und Neferhotep einen geeigneten Platz für die Grabstätte König Ramses II. aus.

Als Wesir der Südens unterstanden Paser sämtliche Ortsvorsteher in Oberägypten, ebenso die Finanzen und die Gerichtsbarkeit sowie alle königlichen Bauvorhaben in diesem Gebiet. Er war verantwortlich für den Ausbau des in der 18. Dynastie errichteten Tempels in Luxor sowie im großen Tempel des Amun–Re zu Karnak. Zu Pasers Aufgaben gehörte es auch, die Tribute aus Kleinasien und Nubien einzutreiben.

Paser schrieb sogar Briefe im Auftrag seines Königs an den hethitischen Königshof, die sich ebenso wie die Antwortschreiben des Königs Hattusili III. und seiner Gemahlin Puduchepa erhalten haben. Der Amtssitz des Wesir Paser  war zwar Theben, doch war er auch in Memphis und später in Pi-Ramesse präsent. Er hatte in Saqqara ein Kenotaph, das sogar mit Kanopenkrügen ausgestattet war (heute Kairo, Ägyptisches Museum CG 4325-26)

Paser starb im 38. Regierungsjahr von Ramses II. - im hohen Alter von ungefähr 70 Jahren. Anhand der Wandmalereien in seinem Grab, die zwar stark beschädigt sind, lässt sich die innen- wie auch außenpolitische Bedeutung Pasers erkennen. Sein Grab liegt in Theben-West (Sheik Abd el-Koma Nord) und trägt die Bezeichnung TT 106. Nach F. Kamp (die thebanische Nekropole - Zum Wandel des Grabgedanken von der XVIII. bis zur XX. Dynastie, Mainz) befindet sich der Graboberbau von TT 106 ca. 100 m von dessen Fassade entfernt - bei Grab TT 65 in Sheik Abd el-Korna. Im Hof vor der Grabfassade befindet sich ein großes sog. "Osirisbeet". Die Seitenwände des Hofes weisen neun Nischen auf (PM a – i) in denen sich aus dem anstehenden Fels geschlagene Statuen des Grabherrn befinden, einige mit Inschriften. Die Statuen in den Nischen d, e und f stellen Paser als Osiris dar. 

Das Grab TT 106 hat im oberirdischen Bereich einen großen Hof, eine Querhalle sowie eine Längshalle, deren Decke von sechs Pfeilern getragen wird und eine Kultkammer. Über eine gewundene, absteigende Passage gelangt man in einen von vier Pfeilern getragenen Vorraum. Dahinter befindet sich die Sargkammer mit je vier Nischen an den beiden Längsseiten, die wahrscheinlich nicht benutzt wurde. 

In den Grabreliefs von TT 106 werden seine Eltern und die Ehefrau des Verstorbenen bei Ritualhandlungen dargestellt, des weiteren der Sohn des Grabherrn namens "Taty", ein Aufseher der Ställe, der weihräuchert und libierend vor seinem Vater steht. Weitere im Grab dargestellte und benannte Verwandte und Untergebene von Paser sind: 

sein Vater, der Hohepriester des Amun von Karnak Nebnetjeru
seine Mutter, die Harimsvorsteherin des Amun Meritre
die Großeltern väterlicherseits, der "Wsjr TApAjA mAa-xrw" (Tapaja ) und die Hm.t=f tAtwjA, (Tatuja)
die Großeltern mütterlicherseits: Vorlesepriester des Amun Ani/Imy und seine Frau Naja.
sein Bruder, der Oberste Stallmeister seiner Majestät Titia und seine Schwester, 
die Harimsvorsteherin des Amun Tii/Tij
die Schwester der Mutter Merire und Tante des Paser: Naja

Untergebene, die im Grab dargestellt und benannt sind:

der Vorlesepriester Hui
die Kammerherrn Patjuma, Ptahmai und Merire
der Goldschmied Neferher
der Wab-Priester der Maat Hui
der Bildhauer Hui,
der Wab-Priester Qen,
der Vorzeichner Amunwahsu,
der Türhüter des Goldhauses Neferrenpet
und der Handwerker Nefer(hotep)

(Quelle: das ägyptische Königtum im Spannungsfeld...../Christine Raedler, S. 311)

Lt. Porter u. Moss befindet sich vor der rechten Hälfte der Grabfassade eine Stele. Oberhalb der Stele sieht man den knienden Grabherrn vor einer langen Hymne. Er wird begleitet von den Seelen von Nechem und Pe sowie von Pavianen, welche die Barke des Re anbeten. Die Stele selber zeigt in zwei Registern die Reinigung der Mumien und der Schreine mit Statuen und Kanopen. Im zweiten Register befindet sich eine Hymne an die Götter der Nekropole.

Der Verstorbene auf der "Löwenbahre"

Anubis steht in einer Grabkapelle und beugt sich über die auf einem "Löwenbett" liegende Mumie des Verstorbenen, um sie zu reinigen und sie für das Jenseits vorzubereiten, während sich der "Ba-Vogel" der Nase des Verstorbenen mit einem Segel nähert, um ihm den Hauch des ewigen Lebens zuzufächeln und ihm das Symbol der Reinheit zu reichen.


                      (Bild: Ippolito Rosellini)

 

Der Wesir Paser mit seiner seiner Frau und Verwandte
 bei einem Reinigungsopfer mit Weihrauch und Wasser
- Eingangswand rechts vom Zugang im II. Register - die Szene ist heute fast 
vollständig verschwunden -
(Zeichnung J. G. Wilkinson in Theben Ende 19. Jahrh.)

Die Familienmitglieder des Paser tragen alle feine, plissierte Gewänder - z. T. mit den für diese Zeit typischen bauschigen Gewandüberschlägen. Alle Personen sind festlich geschmückt mit Blüten und Salbkegeln auf dem Kopf. Bei einigen der Verwandten sind anhand der getragenen Attribute Hinweise auf ihr Amt zu erkennen. So trägt der Vater Pasers (zweiter von rechts - hinter dem Wesir) ein Leopardenfall, das auf ein Priesteramt hinweist; in der Mitte ist der Bruder Pasers als Angehöriger des Militärs an seinem Soldatenschurz erkennbar und die Mutter (Dritte von rechts) sowie die Schwester (Zweite von links) tragen als Harimsvorsteherinnen und Sängerinnen des Amun jeweils ein Sistrum in den Händen.

Der Wesir Paser selber (Erste Person von rechts) trägt als Wesir seine spezifische Tracht - ein charakteristischer Wesirschurz, der erstmals in der 13. Dynastie belegt ist und in Folgezeit zur obligatorischen Amtstracht eines Wesirs gehören wird. Dieser Schurz besteht in den Darstellungen aus einem weißen, steif wirkendem Material, das querförmig um den Körper gewickelt wird - im Neuen Reich scheint diese Amtstracht bis unter die Achseln nach oben gezogen zu werden und bis hinunter zu den Knöcheln reichend. Zwei um den Hals gelegte schmale Träger, die im Nacken mit einer Schließe zusammengehalten wurden, halten den Schurz. 
(Textquelle: Christine Raedler/die Wesire Ramses II. u. Zur Struktur der Hofgesellschaft Ramses II. in: der ägyptische Hof des Neuen Reiches, Harrassowitz-Verlag 2006, S. 66)

Im Zugang zur Querhalle sehen wir den Grabherrn in Anbetung von Re-Harachte und der Göttin des Westens. Im Zentrum befinden sich die Kartuschen von König Sethos. Im südlichen Teil der linken Eingangswand der Querhalle wird im II. Register der Grabherr zusammen mit Untergebenen bei Überwachungsarbeiten dargestellt: beim Abwiegen des Goldes im "Haus des Goldes", dahinter drei Reihen von Handwerkern, Bildhauern, die an Sphingen arbeiten sowie Vasenmacher und Goldschmiede.

In der Querhalle selber befinden sich Statuengruppen, die den Verstorbenen mit seiner Mutter zeigen - und dreimal Paser mit den beiden Elternteilen. An einem Pilaster an der südlichen Querwand der Halle sehen wir den Grabherrn und sein Gefolge, die sich in die südlichen Gefilde von Ro-setau begeben. Am südlichen Teil der Rückwand der Querhalle (links des Durchgangs) befinden sich Reste eines Textes über die erneute Bestätigung Pasers durch den König Sethos I. im Amt des Wesirs. Auf der rechten Seite der Eingangswand der Querhalle befindet sich eine interessante Darstellung, welche den Grabherrn und seinen "Ba", zusammen mit Familienangehörigen zeigt, wie sie von einer Baumgöttin eine Wasserspende erhalten.

Die Göttin des Maulbeerfeigenbaumes, assimiliert zur Himmelsgöttin Nut, gießt das Wasser des Lebens über die Verstorbenen und reicht ihnen Früchte und andere Speisen. Unter dem Maulbeerfeigenbaum befindet sich ein Teich mit Fischen, Wasservögeln und Wasserlilien; am Ufer sind Reiher und Papyrusstauden zu sehen. Vor Paser erscheint seine Seele "Ba" in Gestalt eines Vogels mit Menschenkopf sowie seine Eltern, Kinder und Großeltern.
                                         (Bild: Ippolito Rosellini)

In den Wänden der Querhalle befinden sich sechs Nischen in denen sich Statuen befinden. Dreimal wird der Grabherr zusammen mit seiner Mutter gezeigt und dreimal mit seinen mit beiden Elternteilen. Auf dem Türsturz der Nische (o) befindet sich in einer Doppeldarstellung der Sohn des Paser zusammen mit anderen Familienmitgliedern bei einem Opfer vor dem Grabherrn. Auf den acht Pfeilern der Querhalle befinden sich Darstellungen, die den Grabherrn vor König Sethos I. und vor verschiedenen Göttern zeigen.

Auf dem äußeren Torpfosten zur Inneren Halle (Längshalle) befinden sich Texte, darunter der sitzende Grabherr. Die Decke der inneren Halle wird von sechs Pfeilern getragen, auf denen sich unterschiedliche Darstellungen befinden. An der Rückseite der Inneren Halle befindet sich eine Kapelle an deren Rückwand die Statuen von Osiris, Isis und Horus befinden. Über eine sog. "slooping passage" betritt man die unterirdischen Grabräume die aus einer Pfeilerhalle mit vier Pfeilern und vier kleinen Nebenräumen und der Sargkammer mit je vier Nischen an den Seitenwänden besteht.

              Pektoral des Paser
heute:       Paris Louvre E 68
Herkunft: Kenotaph in Sakkara (Quelle ÄA 22 Pektorale nichtköniglicher Personen, S. 70)
Material:  Gold mit Glaseinlagen, Skarabäus aus Lapislazuli
Höhe: 8 cm; Breite 9 cm;
Skarabäus zwischen stehender Isis und Nephtys, die ihre Hände an ihn legen, wobei sich ihre Arme vor der Brust kreuzen. Umlaufender Leiterfries am Naos mit breiten Ösen.
Bild:       Egypte louvre 090 pendentif.jgp
Autor     Guillaume Blanchard
Lizenz:    CC-BY-SA 3.0

 

Denkmäler und Belege von Paser:

Denkmäler und Belege von dem hoch in königlicher Gunst stehenden Wesir Paser sind in ganz Ägypten gefunden worden. Auch einige Funde, deren Herkunft unbekannt sind, berichten von Paser, so z. B. eine 31 cm hohe Sitzstatue aus schwarzem Granit, deren Kopf und Füße verloren sind (Kitchen, Ram. Insc. Vol 3 p33; PM VIII., p. 612). Durch die Arbeiten von Weil, Helck und Cerny (Weil, Veziere; Helck Verwaltung und Cesrny in BiOr 19) konnten 83 "Hinterlassenschaften" des Wesir Pasers zusammengetragen werden; diese wurden durch Donohue (Donohue, Paser, S. 103-123) auf 126 erweitert. Dazu kommen noch einige "Quellen" wie z. B. ein Skarabäus im Louvre, die Erwähnung des Paser auf einer vom "Schreiber an der Stätte der Maat" Ramose gestifteten Statue Ramses II. und ein Stelenfragment aus Deir el Bahari, sowie eine Türlaibung aus Buchen und die fragmentarische Stabträgerstatue in London u. a., womit sich die Quellen für Paser auf insgesamt 149 erhöhen (Quelle: Christine Raedler in "die Wesire Ramses II. in: das ägypt. Königtum im Spannungsfeld......Harrassowitz-Verlag 2004, S. 310)

Zeichnung:     Anneke Bart
Lizenz:           CC BY-SA 3.0

Bild:              - in  en.wikipedia -

Im Museo Arch. Nationale Egizio in Turin befindet sich ein gestempelter Ziegel auf dem Paser und sein Vater Nebneteru genannt werden.

Die Inschrift lautet:

r-pat hAty-a imi-rA njwt PAsr mAa-xrw sA tpy n Hm nTr Imn NbnTrw Dd-f Tnry
Erbprinz und Graf, Vorsteher der Stadt, Wesir, Paser, gerechtfertigt, Sohn des Ersten Propheten des Amun, Nebneteru, genannt Tjenry.

 

Im Speos des Haremhab in Gebel el Sisile besitzt der Wesir Paser eine Kultkapelle (PM 24-26), in der er auf dem Türrahmen und Türsturz sowie auf der Türeinfassung bildlich mit Namen und Titeln dargestellt ist. 

Rechts außen ist Paser gezeigt in verehrender Haltung mit einer Hymne an Re. Unten am Türpfosten wird Paser in einer Speisetischszene dargestellt, darüber ein Opfertext.


                      (Bild: Elvira Kronlob)

Uschebti Pasers

heute im Louvre/Paris  Nr. A 75
Herkunft: unbekannt
Höhe 46,5 cm
Material: Diorit

Aus der Inschrift gehen seine Titel hervor: Iripat (Erbprinz), Graf, Sab-Taitj (Großwesir?) Vorsteher der Stadt, Wesir.


Bild aus wikipedia/Louvre - gemeinfrei


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In Kopenhagen, in der Ny Carlsberg Glyptothek befindet sich ein Stelenfragment aus Theben (evtl. Deir el-Medineh), das den Wesir Paser in der typischen Wesirstracht bei der Verehrung der aus dem Papyrusdickicht heraustretende Hathorkuh zeigt. Die Hathorkuh steht auf einem Podest, vor dem sich ein Opferständer mit einem Libationsgefäss befindet. In der Beischrift wird der Vater von Paser, der Hohepriester des Amun, Nebneteru erwähnt.

     Stelenfragment

Fundort:  Theben/evtl. Deir el Medineh
heute in: Kopenhagen Ny Carlsberg
                Glyptothek, AEIN 1553
Fundort: Theben, evtl. Deir el. Medina
Material: Kalkstein






(Bild: mit frd. Genehmigung
saamunra)

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Auf einem Türsturz aus Kalkstein (Herkunft: Sama'na/Piramesse; heute in Kairo, Ägyptisches Museum) wird Paser in Anbetungshaltung vor seinem König Ramses II. gezeigt. In den Beischriften wird der Wesir als Edler und Graf, Gottesvater, Vorsteher der Stadt und Wesir genannt. 

Eine Statue, die ebenfalls aus Pi-Ramesse stammt und sich heute im Louvre befindet, zeigt Paser, der zusammen mit den Göttern Sachmet, Ptah und Neith auf dieser Statue erscheint. Im Museum von Kairo (CG 630) befindet sich eine Stand-Statue des Paser, die aus dem Ptah-Tempel in Memphis stammt, auf der neben dem Wesir-Titel auch die Titel "Ohr des Königs in seinem Palast" und "oberster Schatzmeister" aller Schätze des Königs genannt werden.

Im Museum Liebieghaus (Bild - siehe hier - ) in Frankfurt befindet sich das Fragment einer Stabträgerstatue des Pasers, die nur im Zusammenhang mit seinem in Philadelphia befindlichen unteren Teil beschrieben und beurteilt werden kann. Das Statuenfragment wurde lt.  Naville 1913 von der dortigen Grabung in Deir el Bahari gestohlen. Später erwarb Freiherr W. von Bissing das Statuenfragment bei einem Händler in Kairo (in Unkenntnis der Fundumstände). Im Museum London (BM 687) befindet sich ein Pendant dieser Stele, das ebenfalls aus der Grabung in Deir el Bahari stammt. Die Statue des Pasers in Frankfurt steht auf einer rechteckigen Bodenplatte und ist mittels eines Steges mit der ebenfalls rechteckigen Rückenplatte verbunden. Paser trägt (gesehen im Zusammenhang mit dem unteren Teil in Philadelphia) die weite, übliche Amtstracht des Wesirs, einen weiten, bis unter die Achseln reichenden, knöchellangen vorn übereinandergeschlagenen Rock. Auf dem Kopf trägt er eine aus mehreren Teilen bestehende Löckchen-Perücke und an den Füßen offene Sandalen. Mit dem am Körper herabgeführten linken Arm umfasst der Wesir einen sog. "Götterstab". Durch dieses Attribut und die dadurch bedingte Armhaltung wird diese Statue in die Gattung der sog. "Stabträgerstatuen" eingeordnet. 

Auf der Statue werden für Paser verschiedene Tätigkeitsbeschreibungen genannt, wie Wesir, Gottesvater und Gottesgeliebter ("....der die beiden Ohren des Horus mit Maat füllt ---", Stadtvorsteher der (West-Stadt) und der Wesir der Stadt (oberägyptischen), der Bauleiter an der Stätte der Maat (das Grab des Herrschers im Tal der Könige), der Bote des Königs für den Norden, der Festleiter des Amun, der Träger des Wedels zur Rechten des Königs. Die Inschrift endet mit: "der Bauleiter an der Stätte der Maat, anbefohlen ist ihm der Westen von Theben, schon seit er im Leib seiner Mutter war, der Vorsteher der Stadt und Wesir, Paser, gerechtfertigt.

Die Statue ist als Tempelstatue ausgewiesen und vom König für den Dargestellten zur Aufstellung an einen "heiligen Ort" gestiftet.

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Kniestatue Paser
Museum Kairo (CG 42156)

Im Museum Kairo befindet sich eine 1,10 m hohe Granitstatue des Wesirs Paser aus grauem Granit, die in der Cachette von Karnak gefunden wurde. Die Statue zeigt den Wesir kniend - er hält einen Opferaltar vor sich und trägt eine schwere Perücke. Um den Hals trägt er ein Hathor- und Isisblut-Amulett. Vorn am Altar befand sich eine Darstellung der Göttin Mut, Herrin von Ascheru und Chons.

Bild: gemeinfrei 
- aus Georges Legrain (1865-1917) - Statues et statuettes de rois et de particulliers, in Catalogue géneral des antiquités égyptiennes du Musée du Caire, Le Caire 1909.

 

Kniestatue Paser
Museum Kairo (CG 42164 / JE 36935)

Bild: gemeinfrei 
- aus Georges Legrain (1865-1917) - Statues et statuettes de rois et de particulliers, in Catalogue géneral des antiquités égyptiennes du Musée du Caire, Le Caire 1909.

Ebenfalls aus den Funden in der Cachette in Karnak (1905) stammt eine Blockstatue aus schwarzem Granit, die sich heute im Museum Kairo (JdE 38062 / Fundnummer 622) befindet. Die Blockstatue ist 72 cm hoch, die Basis hat eine Länge von 44 cm, Breite 35 cm und misst in der Höhe 13 cm.

An der Vorderseite befinden sich drei Götterstandarten, deren Köpfe aus einem anderen Material in die Statue eingesetzt waren (heute verloren). In der Mitte war es die Standarte des Amun, links der Mut und rechts des Chons. 

(Fotos aus MDAIK 30.1 - B. A., Gaballa)

In einer Inschrift, die sich über den Knien der Statue befindet, steht:

„Eine Gabe die der König gibt (an) Amun – Re, König der Götter, (an) Mut und Chons in Theben, und (an) Maat, Tochter des Re, sodass sie veranlassen meinen Namen andauern zu lassen in der Nachfolge ihrer Ka(s). Für den Ka des Erbprinzen, Graf, Gottesvater, geliebter des Gottes, Mund von Nechen, Prophet der Maat, erster Prophet der Werethekau, Oberster der Kammerherr des Herrn der beiden Länder, Oberster des Doppelten Schatzhauses, Bürgermeister, Wesir, Paser, Gerechtfertigt „

Inschrift auf der linken Seite der Statue:

„Ein Opfer [welches der König gibt] (an) Amun–Re, Herr der Throne der beiden Länder, (an) Re–Harachte, (an) Atum, Herr der beiden Länder, der Heliopolitanische, (an) Ptah, südlich seiner Mauer, Herr von Ankhtawy, (an) Thoth, Herr der Gottesworte,, (an) Neith, (an) Weretkau, (an) Maat, Tochter des Re, (an) Osiris, Oberhaupt des Westens, (an) Sokaris, der wohnt im Shetayet,. (an) Horus Ältere, der Beschützer seines Vater, (an) Isis die Große, Mutter des Gottes; sie mögen geben Tauschend Brotleibe, Tauschend an Bierkrügen, Tauschend an Stieren, Tauschend an Geflügel, Tauschend an Alabastervasen, Tauschen an Fuß von Stoff, Tauschend an Weihrauch, Tauschen an Salbentöpfe, Tauschen an Opfergaben, Tauschen an Versorgung, Tauschend an Krügen mit frischem  Wasser, Tausend an Weinkrügen, Tauschen an Milchkrügen, Tauschen an von allen guten und reinen Dingen, Tauschend von allen Dingen die gut und süß sind und der Gott liebt, für den Ka des Erbprinzen, Graf, Oberster Richter, Mund von Nechen, Prophet der Maat, Oberster der Kammerherrn des Herrn der beiden Länder,  Bürgermeister, Wesir, Paser, Gerechtfertigt “

(Übersetzung  und Zeichnung: nach MDAIK 30,1 - G. A. Gaballa

        Ein wiedergefundenes Relieffragment
            aus dem Grab des Wesirs Paser
      - nach GM
149 / 1995 (G. Marohn )
Das Grab Pasers liegt in Schech Ab del–Qurna. unweit des Talkessels von Deir el Bahari. Im oberen Register des 3. Pfeilers (Pfeiler C, Seite d) der Querhalle war eine bemerkenswerte Szene in bemaltem Relief angebracht, das heute fast zur Gänze zerstört ist. R. Lepsius sah die Darstellung noch nahezu komplett und zeichnete sie ab – LD III. BL 173a.

Die kuhgestaltige Göttin Hathor steht in einem Naos und säugt einen König. Nach der Kartusche, die am Schreindach von einer geflügelten Schlange gehalten wird, handelt es sich um König Sethos I. Der Körper des Königs war nach Lepsius schwarz, der der Kuh gelb bemalt. Vor dem Schrein befindet sich noch der Rest einer Inschrift, von der heute kaum noch etwas erhalten ist. 


(Bild: Lepsius  LD III. 173a)

Den Spuren nach zu urteilen, wurde die Darstellung des Königs absichtlich herausgebrochen und galt bislang als verschollen.

Jedoch befindet sich in der Walter Art Gallery in Baltimore seit 1922 ein Relieffragment eines Königs, der von einer Kuh gesäugt wird. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich hierbei um die betreffende Darstellung aus dem Grab des Paser

Vor dem Schrein befindet sich noch der Rest einer Inschrift:

„Der vollkommene Gott, Herr [der beiden] Länd[er] , der starke König, der [dir] Denkmäl[er] errichtet Rede der Hathor: Ich bin [deine] Mutter, die deine Schönheit schuf, weil du gesäugt bist mit [meiner] Milch “
(Übersetzung aus
GM 149 / 1995 (G. Marohn )

 

Amenhotep:
- Hoftafelschreiber -

 

   Kalksteinstele des Hoftafelschreibers Amenhotep

Im Kunsthistorischen Museum Wien (Inv. Nr. ÄS 178) befindet sich die Stele eines
Hoftafelschreibers aus der Zeit Sethos I. Diese Kalksteinstele mit der ungewöhnlichen Form eines Schreines mit pyramidenförmigen Dach stammt wahrscheinlich aus Saqqara. 

Im oberen Teil des Bildfeldes steht Amenhotep in Bethaltung vor den Göttern Osiris und Imentet, dazwischen befindet sich ein reich beladener Opfertisch. Im unteren Bildfeld sieht man die Eltern Amenhoteps auf einer Bank mit Löwenbeinen vor einem Opfertisch sitzen, davor opfern Amenhotep und seine Frau Kia, sowie ein in kleinerem Format dargestellter Ritualpriester des Ptah, namens Pa–tir
 

Das Denkmal wurde also von Amenhotep für seine Eltern gestiftet.  Das ist ebenso bei drei weiteren Stelen der Fall, die Amenhotep (meist nur Huj genannt) errichtete hat und die sich in Wien, Neapel und Rio de Janeiro befinden.  

Amenemope (Jmun-m-Jp.t) - Vizekönig von Kusch -

Amenemope diente als Vizekönig von Kusch unter Sethos I. Sein Vater Paser (I.) bekleidete ebenfalls das Amt eines Vizekönig von Kusch., diente aber unter den Königen Eje und Haremhab (evtl. auch noch unter Ramses I.). Die Mutter von Amenemope war eine Frau mit Namen Taemwadsij.

 

     Flachbruchstück Museum Leipzig 
   
    mit Paser, dem Vater von Amenemope
  - Inventar-Nr. 6001  (PM Bd. 7 Nubien) -

Flachbruchstück aus dem Tempel des Horus
von Miam in Aniba. Parser, der Vater Amenemopes vor der Kartusche König Haremhabs.

(Bild: Elvira Kronlob)

Auch der Großvater von Amenemope, der berühmte Amenophis, genannt Huy, diente schon unter Tutanchamun als Vizekönig von Kusch. So befand sich dieses wichtige Amt während drei Generationen in der Familie.

Amenemope stammte aus einer sehr alten Fürsten-Familie mit militärischen Wurzeln (siehe oben). Er selber wurde schon unter Haremhab oder sogar noch etwas früher geboren und diente lt. einer Inschrift in einer Felsnische in Gebel es-Shams, die noch während der Amtszeit seines Vaters Paser, also Ende der 18. Dynastie entstand, als "Hry-jHw tpj nj Hm=f" (Erster Stalloberst seine Majestät). Außerdem bezieht er sich selbst auf seine militärischen Titel (als er bereits die Position des Provinzgouverneurs von Nubien innehatte) und nennt in zwei Graffiti neben der Amtstitulatur des Vizekönigs auch den Titel eines "kDn tpj nj Hm=f" (eines 1. Offiziers der Streitwagentruppe). Außer diesen militärischen Titeln ist für ihn auch der Titel eines "Wedelträger zur Rechten des Königs" belegt. Als Nachfolger seines Vaters Paser stieg er schließlich zum Gouverneur der südlichen Länder und "Königssohn von Kusch" auf (Titel des Vizekönig von Kusch) (Quelle: A. Reisner; "die Vizekönige von Äthiopien in: The Journal of Egyptian Archaeology, Vol. 6 Nr. 19, 1920).

Amenemope begann seine Karriere als Vizekönig von Kusch zu Beginn der Regierungszeit Sethos I. oder evtl. noch unter Ramses I. und verwaltete die Region zwischen Assuan und Napata. Für den Vizekönig von Kusch, Amenemope, sind bislang zwölf Quellen belegt (Quelle: Christine Faedler: Zu den Vizekönigen von Kusch in der frühen Ramessidenzeit), davon drei aus Nubien (Qasr Ibrim und Gebel Dosche sowie eine aus Buhen).

  Felsstele von Gebel Dosche
Über einer Felskapelle von Thutmosis III. befindet sich eine große Felsstele aus der Zeit Sethos I.. Angefertigt wurde sie vom Vizekönig von Kusch namens Amenemope. 

Im zugehörigen Text der Felsstele geht es um Opfergaben, die der König für die Kataraktgötter Chnum, Satet und Anukis spendet.

(Bild: LD III. 141 k )

Der König (rechts im Bild unter der Sonnenscheibe mit zwei Uräen, die Anchzeichen halten), trägt die blaue Krone, er räuchert und libiert vor den ihm gegenüberstehenden Göttern, Chnum, Satet und Anukis. Zwischen König und Götter befinden sich vier Opferständer, beladen mit Opfergaben.

Links unter den Göttern hat sich der Vizekönig von Kusch in kniender Haltung und mit im Verehrungsgestus erhobenen rechten Arm, abbilden lassen. In der rechten Hand hält er einen Straußenwedel als Zeichen seiner Würde. In der vor ihm befindlichen Beischrift stehen seine Titel und sein Name.

 

         Felszeichnung mit EdF-Szene
- auf dem Weg von Assuan nach Philae -

Am Weg von Assuan nach Philae befindet sich eine Felszeichnung die den König Sethos I. beim Erschlagen eines Feindes  mit einem Sichelschwert zeigt. Rechts hinter dem Feind kniet, mit in Verehrung erhobenen Armen, hinter sich einen Straußenwedel als Zeichen seiner Würde, der Vizekönig von Kusch, namens Amenemopet.
(Zeichnung: LD III. 141 h)

Von ihm sind mehrere Felsinschriften südlich von Aswan an der alten Straße nach Philae bekannt, aber auch in der Festung Buhen (Opferstele), an verschiedenen Standorten in der Umgebung einschließlich der Insel Elephantine, der Insel Sehel und am Gebel Doscha, sowie im Tempel von Beit el-Wali und an der großen Felsstele in Qasr Ibrim gibt es Hinweise auf ihn, die aber leider undatiert sind. 

Felsentempel von Bet el Wali - 
1964 abgebrochen und 1965
 in der Nähe des Assuan-Dammes (Neu Kalabsha) wiederaufgebaut 
(Bild nach kolorierten Abgüssen von Joseph Bonomi 1826 - heute im Britischen Museum)

In einer Szene aus dem Tempel Sethos I./Ramses II. von Beit el–Wadi ist die Belohnung des Amenemope durch seinem König dargestellt.

  1. In der oberen Szene sitzt rechts der thronende König Ramses II. unter einem Baldachin. Davor befinden sich in zwei Registern Darstellungen, in denen ihm die Tributleistungen Nubiens zugeführt werden. Im oberen Register ist Amenemope, der Vizekönig von Kusch zu sehen, der die Tribute im Namen seines Herrn entgegen nimmt und von ihm dafür mit dem Ehrengold ausgezeichnet und von seinen Dienern gesalbt wird. Zwischen dem Vizekönig Amenemope und dem König Ramses II. steht der Prinz Amunhirwenemef vor einem reich beladenen Schrein (siehe ähnliche Darstellung im Grab des Huy unter König Tutanchamun), der evtl. ein Symbol für die Tribute Nubiens an den ägyptischen König zu verstehen ist.

  2. Zu den Tributen gehören Elefantenstoßzähne, Goldstaub in Säcken und Gold in Form von gegossenen Ringen, Fruchtkörbe, Kriegsbogen und Schilde, Fächer, Leopardenfelle, Stühle mit hohen Lehnen und Löwenfüße, kostbare Hölzer und Edelsteine, sowie eine Reihe exotische Tiere wie Affen, Giraffen ,Strauße, Gazellen, Antilopen und Hunde, sowie Ochsen und Löwen.

  3. Im unteren Register werden die Tribute Nubiens von einem Wesir überreicht, gefolgt von zwei Fächerträgern, die zum Zeichen ihrer Würde das Heqa–Zepter und den  Straußenfächer tragen. Hinter ihnen folgt der Vizekönig von Kusch, Amenemope. Er trägt über seinen Schultern eine Tragestange, über der Ketten aus Goldringen, Leopardenfelle und weitere nubische Produkte hängen. Die Beischrift zu Amenemope lautet:

    "Königssohn von Kusch, Amenemope, Sohn des Paser, gerechtfertigt“.

Auf den Vizekönig folgt ein Ägypter (evtl. ein Soldat), der mit in Verehrung erhobenem rechten Arm, einen dunkelhäutigen Gefangenen (Nubier ?) mit sich führt. Ein weiterer Ägypter folgt ihm, ebenfalls einen dunkelhäutigen Gefangenen mit sich führend. Dahinter sind weitere Bewohner der Region zu sehen, die Produkte des Landes herbeiführen. Einer von ihnen trägt kostbare Hölzer auf seinen Schultern und ein Leopardenfell über dem Arm. Andere Bewohner des Landes führen Geparden, Giraffen und Rinder mit sich, ein weiterer einen Affen und Hunde. Eine dunkelhäutige Frau trägt zwei Kinder in einem Korb auf dem Rücken. Weitere Nubier führen kostbare Hölzer als Tribut für den ägyptischen König mit sich.

***(Lt. Wente (in H. Ricke, Beit el-Wadi, 13, Anm.i.) ist die Beischrift zu diesem Mann, 
      der im obigen Register mit Gold überhäuft wird (oberes Bild), erst nachträglich, d. h. sekundär erfolgt)

(Bild nach kolorierten Abgüssen von Joseph Bonomi 1826 - heute im Britischen Museum)

 

Felsentempel von Bet el-Wali

 

Der thronende König Ramses II. sitzt unter einem Baldachin und nimmt die Tribute von Nubien entgegen. Vor ihm steht im oberen Register der Prinz Amunhirwenemef und im unteren Register ein Wesir.

Originalbild aus dem vom Bet el-Wali nach Neu-Kalabscha versetzten Felsentempel.

Fotograf: Mit frd. Genehmigung John Campana bei Flickr

 

Lt. Wente (in H. Ricke, Beit el-Wadi, 13, Anm.i.) ist die Beischrift zu diesem Mann, der im obigen Register mit Gold überhäuft wird, erst nachträglich, d. h. sekundär erfolgt.

 

 


        (Zeichnung: LD III. 176 f)

Der Prinz Amunhirwenemef präsentiert seinem Vater einen vergoldeten Schrein, der ähnlich wie in den Grab-Darstellungen des Amenhotep, genannt Huy (Vizekönig von Kusch unter Tutanchamun) aufgebaut war: eine Art Sockel mit einer darüberliegenden Platte, auf der man ( in Goldarbeit) eine ganze nubische Landschaft dargestellt hat. Von der Platte selbst hingen Ketten aus Goldringe und Geparden-Felle herab.

                      Zeichnung: LD III. 176 e

Einige Ägyptologen wie Maspero und Roeder (siehe Irmgard Hein in: die ramessidische Bautätigkeit in Nubien, GOF 22, 1991) möchten den Beginn der Bauarbeiten für den nubischen Tempel in Beit el-Wali noch in die Regierungszeit Sethos I. datieren, während man allgemein den Baubeginn in die ersten beiden Regierungsjahre Ramses II. für möglich hielt. Bislang galt als eindeutiges Indiz dafür die Verwendung der kurzen Namensform von Ramses II: Wsr-mAat-Ra (User-maat-Re) ohne den Zusatz Stp-n-Ra (Sete-pen-re), der nur in den ersten beiden Regierungsjahren Ramses II. vorkam. Daraus ergibt sich nun auch ein Anhaltspunkt für das Ende der Bauarbeiten, das aufgrund der kurzen Namensform Ramses II. ebenfalls noch im zweiten Regierungsjahr liegen dürfte. 

Der Bezugspunkt zu einem evtl. Baubeginn noch unter Sethos I. findet sich durch die Bezeichnung und Darstellung des Vizekönigs Amenemope in einer Szene des Nubienfeldzuges (Südwand der Eingangshalle), wobei die Klärung der Frage, ob diese Darstellung als Zuweisungsmerkmal gelten kann, zu einer weiteren Problemstellung führt. Diese liegt in der "Reihung" und Amtsperiode dieses Vizekönis, da nach I. Müller (Verwaltung, 191f) bereits der Nachfolger im Amt des Vizekönigs von Kusch, Iuni, unter Sethos I. belegt ist (KRI I. 303f). Umgekehrt ist aber auch der Beleg Amenemopes aus dem Tempel von Beit el-Wali der einzige, der ihn in Zusammenhang mit Ramses II. stellt. Müller schlägt daher eine etwaige Doppelbesetzung des Amtes vor und spricht dabei von Iuni, als provisorischem Leiter nach dem Tod des Amenemopet, da ab dem Jahr 3 Ramses II. dann bereits Hekanacht als Vizekönig von Kusch gesichert ist.

Irmgard Hein ist daher der Meinung, dass es sich bei dem Bauwerk von Beit el-Wadi, entgegen der bislang gültigen Meinung, "...also doch um eine Gründung Sethos I. handeln kann, deren Ausführung aber (zumindest in der Endphase) erst unter Ramses II. zustande kam. Dieser Umstand, dass Ramses II. Projekte seines Vaters weiterführte ist auch von anderen Orten her bekannt, wie z. B. aus Karnak oder Abydos)"

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Im Freilichtmuseum auf der Insel Neu Kalabscha im Nasser-See befindet sich eine aus dem Felsen herausgesägte undatierte Stele (ursprünglich aus Kasr Ibrim, das 238 km südlich von Assuan auf dem Ostufer des Nils gelegen war) die inhaltlich der Verherrlichung des Königs dient. Diese Felsstele, die von dem Vizekönig von Kusch, Amenemope (der im unteren linken Bereich der Stele in Anbetungshaltung kniet) für seinen König Sethos I. gestiftet wurde, zeigt den König beim Niederschlagen der Feinde. Vor dem in Anbetungshaltung knienden Vizekönig befinden sich drei senkrechte Kolumnen Text, welche den Namen und die Titel Amenemopes nennen.

Ursprünglich befand sich diese Stele, die im oberen Bereich eine "Erschlagen der Feinde-Szene" zeigt,  im Mammisi des dem nubischen Gott Dedwen geweihten Mandulis-Tempel in Qasr Ibrim.
Bild:
Stele Amenemope aus Kasr Ibrim für Sethos I.
Autor:   Olaf Tausch

Lizenz:    CC BY 3.0

 

Iuni/
- Vizekönig von Kusch -

Nach Chr. Readler (ÄAT 36,3) war er Nachfolger von Amenemope. Von ihm sind nur drei Quellen erhalten. L. Habachi war noch der Meinung, dass "...It seems however, that Imn-m-jpt  (Amenemopet) did not follow his father immediately, for we find a viceroy of Sethos I. Iwnj (I.) between." ("Es sieht so aus, als ob Amenemopet seinem Vater nicht direkt folgte, weil wir zwischen ihnen einen Vizekönig Iuni unter Sethos I. zwischen ihnen finden".) Habachi datierte also den Vizekönig von Kusch Amenemope(t) unter Ramses II., während er Iuni ausschließlich unter der Regierung von Sethos I. datieren möchte. Diese Aussage ist aber lt. Irmgard Hein nicht haltbar, da "...da ein Beleg Iuni's aus der Zeit Ramses II. existiert (AS/RII/3). 

Aus der Zeit Sethos I. ist Iuni in einer Verehrungsinschrift für den König im Wadi Mia belegt." 

    Felsgraffito (PM 28) im Wadi Mia

Aus dieser Inschrift erfahren wir Einzelheiten über seine Laufbahn. 
Iuni
stammte aus Herakleopolis und steigt von einem Stallvorsteher zum Wagenlenker,
sA njswt n tA Stj (!) ("Königssohn von Ta-seti" [Nubierland ) und zum Anführer der MDAjw (Wüstenpolizei) auf. Bautätigkeit in Nubien/Irmgard Hein, S. 93). Leider ist für seine Laufbahn in den Belegen kein Datum angegeben. 

(Quelle: I. Müller Verwaltung, S. 193 in Fußnote 434: die ramessidische 

Auch aus den Inschriften aus Abu Simbel ist er als sA njswt n tA Stj belegt. Er trägt hier also nicht den sonst üblichen Titel des Vizekönig von Kusch (sA njswt n KAS).  Das würde dann mit der Vermutung von I. Müller (Müller, Verwaltung) übereinstimmen, die bezüglich der Eingliederung Iunis der Ansicht ist, dass er "vermutlich als Vizekönig nur provisorischer Leiter, nach dem Tode Amenemopets war". Seit dem Jahr 3. Ramses II. ist Hekanacht als Vizekönig von Kusch belegt.

Die Inschrift aus Abu Simbel ist der früheste Beleg eines Vizekönig aus der Regierungszeit Ramses II. Der Vizekönig huldigt in gebückter Haltung mit einem Wedel in der rechten Hand vor dem thronenden König Ramses II.

Auf einer Stele im Museum Kairo JdE 35.620 - ursprünglich aus Abydos - befindet sich eine Inschrift, die lt. Kitchen (Ramessidische Inschriften) seine Titel aufzählt.

 
Sennedjem  (sn-nDm)

Sennedjem (Diener an der Stätte der Wahrheit)  siehe hier   

Hormin   
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Haremsbeamter -.

Der Beamte "Hormin" diente als Haremsbeamter unter Sethos I. Seine wichtigsten Titel waren 

Vorsteher des königlichen Harems

Schatzmeister

Im Pariser Louvre (Inv. Nr. C 213) befindet sich eine 1,23 m hohe Kalksteinstele von Hormin, die aus seinem Grab in Sakkara stammt. Hormin ist auf dieser Stele bei der Ausstattung mit neuen Kleidern und goldenen Ketten (vom Typ des "Ehrengoldes") durch zwei Untergebenen dargestellt. Diese Auszeichnungen erhält er von seinem König. Hormin erhält lt. der Darstellung auf der Stele noch weitere Gaben vom König, das sind zwei Halskragen und Schmuck, die alle auf einem hohen Tisch liegen, der vor dem König steht.

Hormin besaß ein gut ausgestattetes Grab in Saqqara. Dieses Grab wurde im 19. Jahrhundert von der Richard Lepsius-Expedition entdeckt, die genaue Lage des Grabes ist aber seit dem wieder verloren gegangen. Blöcke der Grabkapelle gelangten im 19. Jahrhundert in verschiedene Museen der Welt. Das im Louvre befindliche Relief zeigt Hormin vor Sethos I.. Der König steht im sog. "Erscheinungsfenster" und belohnt seinen treuen Beamten mit Gold. Weitere Blöcke der Grabkapelle befinden sich heute in Kairo und zeigen Hormin und seine Frau May vor den verschiedenen Gottheiten. Die Göttin Hathor erscheint hier als Baumgöttin, die den Verstorbenen Wasser spendet. Auf einem anderen Reliefblock wird der Beamte bei den Bestattungsfeierlichkeiten gezeigt.

Kalksteinstele heute im Lourvre

Hormin vor zwei der Horuskindern und unten vor der Göttin Hathor als Baumgöttin.

Bild:       Hormin small.jpg
Autor:    Udimo
Lizenz:    CC BY 3.0

 

Userhat (Totenkultpriester)  - TT 51
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(Wsr-h3t), genannt: 
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1. Prophet des königl. ka von Thutmosis I. -

Userhat, Neferhabef genannt, war ein Beamter der frühen 19. Dynastie, der unter Ramses I. und Sethos I. das Amt eines "Ersten Propheten des königlichen Ka Thutmosis I." (Hmntr tpj n kA nsw  (aAxprkARA)| innehatte. Dieses bedeutet, dass Userhat für den Totenkult des König Thutmosis I. in seinem Totentempel in Thebaen-West zuständig war und dort die täglichen rituellen Handlungen durchführte. Der Vater von Userhat hieß Chonsemhab und seinen Mutter, eine Sängerin des Month, trug den Namen Ta-useret (Quelle: Griffith-Institut). Userhat hatte mehrere Frauen - seine Hauptfrau hieß lt. den Inschriften in seinem Grab TT 51 Hatschepsut (auch Schepsut genannt) und wahrscheinlich einen Sohn und eine Tochter. Die Namen der beiden anderen Frauen des Userhats wurden zu irgendeinem Zeitpunkt ausgelöscht.

Sein Grab TT 51 liegt im Scheikh Abd el-Qurna in der thebanischen Nekropole auf dem Westufer des Nils, gegenüber von Luxor und gehörte zu den schönsten in dieser Region. Dieses Grab wurde von Sir Robert Mond am 10. Januar 1903 entdeckt. Es sieht aber so aus, als ob er dieses Grab nicht vollständig ausgeräumt hat. Diese Aufgabe wurde dann von Norman de Garis Davies, der zu dieser Zeit mit dem Metropolitan Museum New York zusammenarbeitete, übernommen, der mit 1909 mit der Ausräumung von TT 51 begann. Er publizierte seine Arbeit 1927 unter dem Titel "Zwei ramessidische Gräber in Theben". Doch schon im Jahre 1941 schneiden Diebe fünf große Relief-Stücke von den Wänden, um sie im Kunsthandel zu verkaufen. Vandalen meißeln außerdem die meisten Augen aus dem übrigen Wandreliefs heraus. Einige der Beschädigungen wurden restauriert und glücklicherweise haben wir die Zeichnungen von Davies, welche die einzigen sind, die das Grab vollständig wiedergeben.

  Bestattungsszene im Quersaal
     -
Eingangswand rechts -

Bei der Bestattungsfeier schreiten zwölf Männer in vier Gruppen hinter dem auf einer Barke gezogenen Sarg her. Ihre Trauer drücken sie dadurch aus, dass sie die rechte geöffnete Hand vor ihr Gesicht halten, wobei das Kinn von der Handfläche abgestützt wird und die Fingerspitzen die Nase leicht berühren.

(Zeichnung: MDAIK 30,1)

Das thebanische Grab Nr. 51 (TT 51) ist eines der vier Gräber, die in der Ramessiden-Zeit in die Wände eines kleinen Hofes im Nordostenhang von Sheikh Abd el-Qurna eingemeißelt wurden. Das Grab besaß eine Vertiefung vor der Tür und eine erhöhte Eingangsschwelle, da es häufig Überschwemmungen in dieser Gegend gab und man das Wasser daran hindern wollte, in das Grab einzudringen. 

Der Fassade vorgelagert war ein Portikus, von dem nur noch eine Säulenbasis erkennbar ist. In der Wand des Grabvorhofes befindet sich eine meterhohe Kalksteinstele, auf der in acht Zeilen die üblichen Opfergaben und die Namen von Familienmitgliedern vermerkt wurden. Der Grabeingang war mit einer Holztür verschlossen, die in Türpfosten aus Sandstein gesetzt war.

Das Grab hat eine typische T-Form mit einem Innenhof, der nach einem kurzen Korridor in eine quer liegende Vorkammer führt. Dahinter folgt nach einem weiteren kurzen Korridor eine Vier-Säulen-Kammer und ein Korridor, der schräg zur eigentlichen Grabkammer hinabführt.  Nur die schmale, 7 m lange und 1,50 m breite Vorkammer wurde bemalt (vermutlich aus Zeitgründen), die Pfeilerhalle hingegen blieb undekoriert. Zur Zeit ist nur die Vorkammer für Touristen zugänglich. 

Die Szenen der Vorkammer zeigen ausschließlich religiöse Themen und Begräbnisrituale. An der südlichen Vorderwand steht Userhat vor einem großen Gebäude (evtl. der Königspalast ?) und empfängt große Mengen von Opfergaben und Schmuck. Auch seine Frau Hatschepsut nimmt weitere Geschenke entgegen. Ganz links wartet ein Pferdegespann mit einem Wagenlenker, der sich mit dem Torwächter unterhält. Das mittlere Register zeigt die Begräbnisprozession von Userhat. Auf einem Schlitten, der von drei Rindern gezogen wird, steht ein kunstvoller Holzschrein, in dem sich der Sarg befindet. Alles ist mit Blumen überdeckt. Rechts davon streuen sieben Klageweiber Asche über ihre Köpfe, wobei sie klagen weinen. Hinter ihnen stehen die Mumien von Userhat und seiner Frau auf einer niedrigen Plattform. Pantherfellgekleidete Priester opfern ihnen. Die Göttin Hathor heißt die Verstorbenen in der Unterwelt willkommen. Der Totengott Anubis führt Userhat und seine Frau vor einer Balkenwaage, auf dem ihre guten Taten gegen die Maat gewogen werden. Neben der Waagschale stehen die Göttin Maat und der Gott Thot, während die Jenseitsgöttin Ammit (eine Gefährtin des Osiris) daneben sitzt und darauf wartet, bei Nichtbestehen die Bösen zu verschlingen.

Besonders eindrucksvoll ist eine Darstellung an der rechten Schmalseite der Vorkammer. Userhat sitzt dort zusammen mit seiner Frau Hatschepsut und seiner Mutter Tausret neben  einer Eselsfeige, die an einem Teich steht. Ihre als menschköpfige Falken abgebildeten Seelen trinken am Ufer aus dem T-förmigen Gewässer. Rechts davon steht die Göttin Nut; sie hält vier Schalen mit Eselsfeigen und Trauben in den Händen und spendet den Verstorbenen Wasser.

An der linken Seite der nördlichen Rückwand (Osthälfte) werden in zwei großen Registern die Feiern zum neuen Jahr, mit denen die Fortsetzung der königlichen Macht gesichert wird, gezeigt. Darüber steht der Verstorbene in kostbarer Robe vor einem üppig gefüllten Opfertisch, der mit Bergen von Früchten und Gemüse, Blumen und Brotlaiben bedeckt ist. Links davon ist ein thronender Gott Osiris, der von drei anderen Göttern begleitet wird, zu sehen. Hinter Userhat stehen seine Frau Hatschepsut, seine Schwester und ein Sohn. Das untere Register ist ähnlich aufgebaut; hier opfert Userhat aber vor dem König Thutmosis und seiner Frau Ahmose-Nefertari. Hinter Userhat steht seine Mutter Ta-useret/Tausret, seine Frau Hatschepsut und eine Tochter. 

Auf der rechten Seite der nördlichen Rückwand (Westhälfte) wird der jährliche Totenkult um Thutmosis I. dargestellt. Unter der Führung von Userhat werden die Kulthandlungen im Tempel Thutmosis I. am westlichen Ufer von Theben durchgeführt. In drei Registern werden die Vorbereitungen der Opfer und die Prozession der königlichen Statue zu Land und zu Wasser und die Rückkehr in den Tempel dargestellt. Im stark beschädigten unteren Register überwacht Userhat die Träger, welche Opfergaben und Geräte für die Zeremonie tragen und im mittleren Register ziehen Priester eine Statue von Thutmosis I., dessen Name in einer Kartusche steht, auf eine Gruppe von Adligen und Beamten zu. Links davon ist eine Barke zu sehen; sie hat schon die Segel gesetzt und schwimmt auf einem rechteckigen Gewässer, das von üppigen Gärten umgeben ist. Im oberen Register wird die Statue zurück in den Tempelschrein gebracht und die Heilige Barke auf einen Alabaster-Ständer abgestellt.

Sir Robert Mond entdeckte bei seinen Arbeiten an TT 51 einen großen Stein-Uschebti und eine Anzahl kleinerer Uschebtis aus Ton, die aber keinerlei Namen trugen. Norman de Garis berichtete 1909, er habe nur einen einzigen Gegenstand gefunden, eine weitere Uschebti-Figur aus verkohltem Holz. In der Vier-Pfeilerhalle befindet sich ein Grabschacht. In der Mitte der Rückwand dieser Pfeilerhalle öffnet sich die "slooping-passage", die dann in die Grabkammer führt.

Yuny:
-
oberster königlicher Schreiber -_
- Vorsteher der Priester der Sachmet -

In der Nekropole von Assiut wurden 1913 unter der Leitung von Sayyid Pasha Khashaba eine Naophoren-Statue von Yuny und eine Doppel-Sitzstatue von Yuny mit seiner Frau Renenutet gefunden. Die beiden Statuen wurden in der Grabkapelle seines Vaters Amenhotep gefunden, welcher den Titel eines Oberarztes trug. Graffiti auf den Grabwänden zeigen, dass dieser Ort während der ramessidischen Periode Ziel von Pilgerfahrten war, vielleicht weil die Besucher sich an diesem Begräbnisort eines Arztes Heilung von Krankheiten versprachen. Es ist möglich, dass sein Sohn Yuny diese kleine Kapelle für seinen Vater nach dessen Ableben errichten ließ.

Obwohl Yuny selbst in seinen Denkmälern nicht als Arzt belegt ist, scheint er seinem Vater in dessen Berufung gefolgt zu sein, denn er trägt auf dieser Statue den Titel "Vorsteher der Priester der Sachmet", was seine Ausübung eines medizinischen Berufes anzeigt.

                                         Naophorenstatue des Yuny
                                     bemalter Kalkstein - H. 129 cm; B. 54,9 cm; T. 90,5 cm
                    - gefunden 1913 im Grab seines Vaters Amenhotep im NR-Friedhof in Assiut -
                                - heute im Metropolitan Museum of Art in New York Nr.  33.2.1 

Auf dieser Bildsäule wird Yuny in einer Kniehaltung dargestellt. Zwischen seinen Knien und in seinen ausgestreckten Armen hält er einen Schrein mit einer Figur des Gottes Osiris. Yuny ist bekleidet mit einem fein plissiertem Gewand und mit einer dreiteiligen Perücke.
Die Einlegearbeiten der Augen und Brauen sind nicht mehr vorhanden.

Diese Naophorenstatue ist eine von zwei Bildsäulen des Yuny, die 1913 in der Grabkapelle seines Vaters, des Oberarztes Amenhotep in der Nekropole von Assiut gefunden wurde.

Foto: Thanks to Andrei Deev 

 

                                Doppelsitzstatue des Yuny und seiner Frau Renenutet
                                         bemalter Kalkstein - H. 84,5 cm; B. 54,5 cm; T. 73 cm    
                             gefunden 1913 im Grab seines Vaters Amenhotep im NR-Friedhof in Assiut    
                                             heute im Metropolitan Museum of Art, New York Nr. 15.2.1    

Die Doppelsitzstatue zeigt Yuny zusammen mit seiner Frau Renenutet. Yuny, der zusammen mit seiner Familie in der Stadt Assiut lebt, trug neben anderen Titeln, den eines "obersten königlichen Schreiber" und wahrscheinlich auch den eines Arztes (Quelle: Metropolitan Museum of Art). Auf einer der Inschriften auf der mittleren Falte seines plissierten Rocks befindet sich eine Inschrift, welche seinen Tätigkeitsbereich beschreibt:

""Alles was der Gott hervorbringt, befindet sich auf dem Opfertisch.......und das ganze reine Essen, welches von dem großen Tempelanlage (der Tempelcomplex von Heliopolis) hervorkommt, für den Vorsteher der Schreiber, dem königlichen Briefesschreiber, Yuny, gerechtfertigt"

(aus dem Englischen übersetzt von Nefershapiland nach   www.metmuseum. )

Der rechte Arm von Yunys Gemahlin liegt um die Schulter ihres Mannes. Aus einer Inschrift, die sich auf der Rückseite der Doppelstatue befindet, ist für sie der Titel einer "Sängerin des Amun belegt". Sie hält in ihrer linken Hand ein Menat (Menit), ein kultisches Schmuckstück, das aus einer breiten Perlenkette und einem länglichen Gegengewicht besteht. Das Menit wurde als Halsschmuck getragen oder fungierte als Rasselinstrument oft in Verbindung mit dem Kult (oder Totenkult) der Göttin Hathor.

Passend zu ihrer hohen Stellung tragen Yuny und seine Gemahlin Renenutet sorgfältig gearbeitete Perücken und feine modische Leinen-Gewänder der Zeit entsprechend. Renenutet trägt auf ihrer Perücke einen Blütenkranz, der vorne eine Lotusblume aufweist. Um ihren Hals trägt sie einen breiten Perlen-Halskragen, dessen einzelne Glieder aus "Nefer-Hieroglyphen" und Blütenblätter bestehen. Reste der einstmals schwarzen Bemalung der Perücke haben sich bis heute erhalten. Das Ehepaar sitzt auf einer Bank mit Löwenfüßen.

An der Rückseite der Doppelstatue befinden sich zwei Register mit Reliefdarstellungen. Im oberen Register sitzen der Grabherr und seine Gemahlin vor dem reich beladenen Opfertisch. Renenutet umfasst in einer liebevollen Geste den Oberarm ihres Gemahls, während der Grabherr in seiner rechten Hand das Sechem-Szepter hält. Vor dem Opfertisch steht im Gewand eines Sem-Priesters der Sohn des Paares, der eine Wasser- und Weihrauchspende darbringt.

Im unteren Register sitzen rechts die Eltern der Renenutet vor dem Speisetisch, der ebenfalls reich mit Opfern reich beladen ist. Links vor dem Tisch steht Renenutet, die ihren Eltern mit der rechten Hand eine Wasserspende darbringt, während sie in der Linken ein Menit hält. Hinter ihr steht eine weitere weibliche Person in kleinerem Maßstab.

Foto: Thanks to Andrei Deev  Foto: Thanks to Andrei Deev 

 

Tia
-
Schatzhausvorsteher -

Der Beamte Tia trug die Titel eines Schreibers des Königs sowie den des Schatzhausvorstehers. Er war mit der Tochter König Sethos I. verheiratet (die Eheschließung fand zu einem Zeitpunkt statt, als Sethos noch kein König war). Seine Frau, die ebenfalls den Namen Tia führte, trug den Titel einer "Sängerin des Amuns". Der Vater des Tia trug den Namen "Amunwahsu".

Säule aus der Grabkapelle des Tia und seiner Gemahlin, die ebenfalls Tia hieß (Tochter Sethos I.)
Bild:      Tia and tia1.JPG
Autor:   Udimo
Lizenz:   BY-SA 3.0

Der Beamte Tia ist vor allem durch sein Grab in Sakkara bekannt, welches er mit seiner Gemahlin teilt. Das Grab von Tia und Tia liegt neben dem Beamtengrab König Haremhabs und dem Grab des Schatzhausvorstehers Maya (aus der Zeit des Tutanchamuns). Weiterhin fanden sich Namen des Beamten Tia auf Ziegelstempeln in der Nähe des Totentempels der Hatschepsut bei el-Qurna. (siehe dazu Helck: Zur Verwaltung des Mittleren und Neuen Reiches, 1958, S. 408)

Im Museum von Kairo befindet sich ein Stelenpfeiler aus Kalkstein mit quadratischer Grundfläche, der in der ägyptischen Kunst ein Unikat darstellt. An jeder der vier Seiten befindet sich eine "Art Stele" -  alle vier Seiten zusammen bilden aber eine Einheit, ein theologisches Programm.

                 Stelenpfeiler aus Kalkstein
  Der Stifter des Denkmals ist Tia/Tjia, der Schwager des Königs. Er bekleidete die Ämter eines „königlichen Schreibers, Schatzhausvorstehers in der Domäne Ramses II. im Amuntempel und Oberstallmeister des Amun“. Auf den vier Seiten des Pfeilers ist Tia/Tjia in Verehrung von zwei „Taggöttern“ , Atum und Harachte, und zwei „Nachtgöttern“, Osiris und Sokaris, dargestellt. Je einer der „Tag- und Nachtgötter“ ist menschengestaltig dargestellt – Atum mit der Sonnenscheibe auf dem Kopf, Osiris mit der Doppelfeder des Hirtengottes Anedjri – je einer falkenköpfig – Harachte wie Atum mit Sonnenscheine, Sokar mit Atefkrone. Auf dem Dach des Pfeilers steht der Namen Ramses II. und des Tjia nebeneinander
Kairo: JE 89624 - Kalkstein
Herkunft: unbekannt - aus Sammlung Eid, Kairo
Höhe: 109 cm, Länge 45 cm, Breite 46 cm

(Bild aus Götter, Pharaonen 1978 - D. Johannes)

Das Tia-Grab wurde von 1982-1984 von einem britisch-niederländischen Grabungsteam unter Prof. Geoffrey T. Martin ausgegraben - die Ausgrabung des Vorplatzes erfolgte allerdings erst während der Saison 2005-2007.

Das Grab von Tia und Tia unterscheidet sich sowohl architektonisch als auch ikonographisch von den den Gräbern der hohen Beamten der 18. Dynastie. Es wurde durchweg nur Kalkstein benutzt, die handwerkliche Ausführung des Grabes war sichtbar schlecht! Kaum eine Wand war gerade und ein wirklich rechter Winkel ist kaum zu finden. Die Wände des Grabes war nicht aus solidem Stein, sondern aus Verkleidungsblöcken, die Seite an Seite in parallelen Reihen aufgestellt wurden. Die Zwischenräume wurden mit Schotter und Splittern aufgefüllt. Der Bau ist heute nur sehr schlecht erhalten, einzelne Bauteile gelangten schon durch Grabräuberei in die europäischen Sammlungen. Vor allem das Pyramidion der Grabpyramide gelangte schon 1722 nach England, ist aber leider heute verloren und nur von alten Zeichnungen bekannt.

Der Überbau des Grabs misst von Osten nach Westen 45,40 m in der Höhe und 11,75 m in der Breite. Durch das Eingangstor betritt man den offenen gepflasterten Vorhof. In den zweiten Hof gelangt man durch einen schmalen, massiven Pylon, der einen Vorbau besitzt und zu einem weiteren offenen Innenhof führt. Durch ein zentrales Tor in einer Mauer betritt man nun den dritten, von Kolonnaden umstandenen Hof, aus dessen Mitte ein Schacht in die Grabräume führt.  Im Westen des Hofes befinden sich die Kulträume. Durch drei Tore gelangt man zu den dahinter liegenden Räumlichkeiten. Die mittlere Tür führt zu einem Vorraum mit zwei Säulen, der von zwei Seitenräumen flankiert wird. Dahinter befindet sich die Totenopferkapelle, in der einst eine große Grabstele stand, von der die Ausgräber nur noch Fragmente gefunden haben. Links neben der Totenopferkapelle befindet sich eine kleine "Apis-Kapelle", dessen Sockel ursprünglich als Postament für eine Apis-Stier-Statue diente. Ein Teil seines Hinterleibes wurde am Eingang der Kapelle gefunden. 

An der Südwand der Kapelle sind Tia und Tia in ihrer Totenbarke zu sehen, welche von einer anderen Barke gezogen wird. Das Ziel der Barke ist der heilige Bezirk von Abydos, das Zentrum des Kults des Osiris. Die Grabeigentümer sitzen unter einem Begräbnisbaldachin als lebende Personen (also nicht als mumifizierte Gestalten) oder evtl.  auch als Kultstatuen in ihrer Barke und werden von ihrem treuen Diener Iurudef bedient. An Bord der Zugbarke sind ihre beiden Reitpferde in extra für sie gebauten Miniaturställen untergebracht. Im Boot sind der Kapitän und die Mannschaft zu sehen; einige von ihnen klettern in der Takelage herum. Im Wasser des Nils sind Fische, ein Krokodil, Vögel und Wasserpflanzen zu sehen. Diese Darstellungen von Flussszenen sind zwar für das Neue Reich recht ungewöhnlich, aber im Alten Reich nicht unüblich. An der Nordwand der Kapelle wird in einer sehr gut erhaltenen Szene das Ehepaar Tia und Tia hinter einem üppig gedeckten Opfergabentisch gezeigt, die einer Prozession von Gottheiten huldigen. Beide halten in ihren Händen Blumenbuketts und die Prinzessin Tia schüttelt dazu ein Sistrum.

Der Grabunterbau, der sicherlich für beide als Grab gedient hatte, war gänzlich undekoriert und nicht viel mehr als eine Höhlung im Fels. Die Ausgräber fanden merkwürdigerweise keine für andere Familienmitglieder (Kinder) Inschriften oder beschriftete Objekte. Bruchstückhaft wurden Objekte gefunden, mit deren Hilfe die Ausgräber in der Lage waren, ein Bild der Grabausstattung zu rekonstruieren, die ursprünglich sehr kostbar und verschwenderisch gewesen sein musste. Eines der Stücke, welches das Team von Prof. Martin fand, war ein sehr ungewöhnlicher Typus eines Uschebtis, nämlich mit Glasflusseinlagen. Schon im 19. Jahrhundert gelangte ein etwas größeres Stück davon in die ägyptische Sammlung der Ny Carlsberg-Glyptotek in Kopenhagen und ließ sich nun mit einem der 1982 im Unterbau des Grabes gefundenen Fragments zusammenfügen.

Als Abschluss der Grabanlage stand etwas nach rechts aus der Achse versetzt, eine Grabpyramide, deren Ostfassade an die Rückwand des Kultraumes anstößt. Die Pyramide war nach außen hin mit Kalksteinplatten eingefasst und im Innen mit Schotter aufgefüllt. Bei den Grabpyramiden des Neuen Reiches handelt es sich um sog. "Scheinpyramiden", in denen keine Vorkehrungen für eine Bestattung getroffen wurde.

Dekorationen und Grabfunde:

Der Portikus ist weitgehend zerstört, nur der untere Teil ist erhalten geblieben. Die Pfosten des Pylon-Haupttores trugen Darstellungen des Beamten Tia, ebenso die Laibungen oder Seitenwände des Eingangs, auf denen überlebensgroße Figuren von Ramses II. (des Bruders der Gemahlin Tias) zu sehen sind. Die nördliche der beiden privaten Grabkapellen ist fast zerstört, während bei den Überresten der südlichen Kapelle ersichtlich war, dass sie einem wichtigen Mitglied des Gefolges von Tia und Tia gehörte, einem Schreiber und Verwalter namens "Iurudef". Der Grabschacht und die Kammern von Iurudefs Grab waren mit Särgen und anderen Material vollgestopft.

Fast alle dekorierten Wandverkleidungen des Hofes sind nicht mehr vorhanden. Im Schutt fanden sich einige lose Blöcke, die von Prof. Martin und seinem Team zu einem Teil der Nordwand rekonstruiert wurden, auf dem der Beamte Tia abgebildet war, wie er die Göttin Isis anbetete. Auf einem quadratischen Pfeiler, der im großen offenen Hof hinter dem Pylontor steht, ist auf einer der Fassaden Tia dargestellt, wie er den "djed-Pfeiler" stützt. Im Begleittext werden seine Titel sowie diejenigen seiner Frau, der Tochter Sethos I. angeführt. Auf der Westwand des Hofes ist eine Prozession von Opferträgern zu sehen, die sich in Richtung auf die Opferkammer des Grabes bewegen. Als Opfertiere sind ein Kalb und eine junge Orya-Antilope zu sehen. In einer Szene darüber sehen wir den Grabherrn, der eine Gottheit verehrt.

Im Bereich zwischen der Treppe des Grabes von Tia und der Nordwand des Haremhab-Grabes wurden 15 große Amphoren gefunden, es ist aber nicht bekannt, ob diese zu der Grabausstattung von Tia oder mit einer der Nachbestattungen während der Ramessiden-Herrschaft auf dem Innenhof von Haremhab gehörten. Die Art der Amphoren lässt sich sicherlich in die 19. Dynastie bestimmen. Zwei dieser Amphoren trugen hieratische Aufschriften in schwarzer Tinte. Ähnliche Wasserkrüge sind im benachbarten Grab des Maya gefunden worden.
(Textquelle: nach Geoffrey T. Martin / Auf der Suche nach dem verlorenen Grab, Ph. v. Zabern-Verlag Mainz 1994

Weitere Informationen zu dem Grab des Tia - siehe hier   



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