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Mahlzeiten auf dem Nilschiff

Totentempel Hatschepsut

 

Statuen des Amenophis III. in Kom el-Hetan
(Lithografie von David Roberts)

Gleich nach dem Frühstück begann das umfangreiche Besichtigungsprogramm. In Gruppen eingeteilt - wir wurden  Horus getauft - brachte der Phönix-Reisebus uns über die einzige Brücke, die hier über den Nil führt, nach Theben-West. Der Nil teilte den Ort der Lebenden im Osten von dem der Toten im Westen. Luxor, das frühere Theben, liegt östlich des Nils und gehörte den Lebenden, Theben-West den Toten.

Linker "Memnon-Koloss"
Wächter des Totenpalastes Amenophis III.
- deutlich erkennbar die starken Beschädigungen -
(Bild: Elvira Kronlob)

Rechter "Memnon-Koloss"
rückwärtige Ansicht
(Bild::
Imichet)

Hier liegt die Totenstadt des Pharaonen-Reiches - das Tal der Könige und Königinnen - bewacht von den stark zerfallenen "Memnon-Kolossen" (den Statuen Amenophis’ III.), die in einsamer Pracht am Rande der Felder auf ihrem steinernen Thron sitzen. Seit Jahrtausenden sind die "Memnon-Kolosse", ebenso wie die Sphinx und die Pyramiden von Gisa, Sinnbilder des antiken Ägyptens. Viele Künstler der Französischen Expedition unter Napoleon Bonaparte im Jahre 1798 haben sie abgebildet, ebenso wie die Mitglieder der Preußischen Expedition unter Richard Lepsius 1842 und der englische Maler David Roberts 1848. Der berühmteste Besucher war damals der römische Kaiser Hadrian. 

"Kolosse des Memnon"

Objekt:          Sitzstatuen
Material:       Silifizierter Sandstein, meist als Quarzit bezeichnet
Maße:           Höhe: rimd 15m  hoch - mit Sockel rund 20 m

Sockel des Südkolosses:     3,60 m hoch
Sockel des Nordkolosses:   4,40 m hoch
(gemessen vom originalen Tempelpflaster)

Gewicht einer Figur ohne Basisplatte: rund 800 Tonnen
Gewicht einer Figur mit    Basisplatte: rund 1000 Tonnen
Name der nördlichen Figur:
Nb mAa.t  Ra    hoA   hoA.w
                                      Neb-maat-Re    heka  heka

Nach den Inschriften auf den Gürtelschnallen und den Rückenpfeilern der beiden Kolosse, hießen sie „ Nebmaatre, Herrscher der Herrscher “.

Ungefähr ein Kilometer östlich des Ticket-Kiosks stehen am Westufer die beiden Sitzfiguren von Amenophis III., die sogenannten "Memnon-Statuen", die 20 Meter hoch in den Himmel ragen. Sie werden als Wahrzeichen des Westufers von den Touristen als isolierte Monumente wahrgenommen.

Torwächter des Totentempels Amenophis III.
- "Memnon-Statuen" als Wahrzeichen der Westbank -
(Bild: Hanne)

Die meisten Besucher wissen nicht, dass sie früher nur ein winziger Teil einer gewaltigen Tempelanlage des Königs Amenophis III. waren, dessen Hauptachse vom 1. Pylon fast einen Kilometer lang nach Westen verlief. Er war 550 Meter breit und erstreckte sich vom Ramesseum in Richtung Süden zum Tempel von Medinet Habu und Malqata, dem gewaltigen Palast König Amenophis III. Unglücklicherweise bestand der große Tempel von Kom el Hetan vorwiegend aus Lehmziegeln und lag dazu noch in der Überschwemmungszone des Nils. Nach der Stillegung des Totenkultes für Amenophis III. wurde er nicht mehr ausgebessert und die Ziegelmauern lösten sich auf. Spätere Könige benutzen ihn als billiges Baumaterial für ihre eigenen Tempel. Aus diesem Grund ist nur noch wenig erhalten von dem einstigen riesigen Komplex.

Die spektakulären Sitzstatuen wurden aus einem einzigen Steinblock gehauen und sind mit dem Basisblock über 20 Meter hoch, wiegen ungefähr 1000 Tonnen. Noch gewaltiger müssen sie gewirkt haben, als ihre Kronen noch intakt und die Basen vollständig sichtbar waren. Gemeißelt wurden die Statuen aus wunderschönem Ortho-Quarzit, einem der härtesten bekannten Gesteine, welches extrem schwer zu bearbeiten war. Mit dem Schiff brachte man sie von den Steinbrüchen bei Heliopolis, ca. 700 Flusskilometer weiter im Norden von Kairo, oder evtl. auch von einem Steinbruch im Süden. Ganz sicher sind sich die Ägyptologen heute nicht mehr über die Herkunft des Gesteins.

Die ca. 18-20m hohen "Memnonkolosse" waren nach Osten ausgerichtet und jeweils aus einem einzigen Steinblock gemeißelt. Zusammen mit der Krone wird die südliche der beiden Statuen ca. 21 m gemessen haben. Ursprünglich standen sie vor dem ersten Pylon des Totentempels, der aus Lehmziegeln errichtet war. Dazu kamen zwei Kolosse aus Quarzit vor dem zweiten Pylon und zwei Alabaster-Kolosse, die weiter westlich vor dem dritten Pylon standen. Die Ägyptologen schätzen, dass in diesem gewaltigen Tempel Tausende von Statuen aufgerichtet standen. Unter anderen standen hier auch 730 Statuen der Göttin Sachmet, für jeden Tag eine stehende und eine sitzende Figur.

Andere Figuren waren eine Sphinx mit dem Körper eines Krokodils, welche immer noch hier steht. acht Meter hohe Statuen des Königs als Osiris, welche einst im Tempelbezirk standen und zahlreiche Statuen, die der Nachfolger Ramses II., König Merenptah usurpierte und heute im Freilichtmuseum seines Totentempels zu besichtigen sind.

Auf der Thronseite sind die Namen und Titel des Königs zu sehen - die beiden Nilgötter  mit den Wappenpflanzen von Ober- und Unterägypten.
(Bild: Elvira Kronlob)

Die gleiche Vereinigungsszene auf der gegenüberliegenden Seite ist nur noch in Fragmenten vorhanden.
(Bild: Elvira Kronlob)

Die Thronseiten zeigen unter dem Namen und Titel des Königs das Bild der beiden Landesgötter, welche die Wappenpflanzen Unter- und Oberägyptens, Papyrus und Wasserrose, um das Zeichen "vereinigt" schlingen. Am nördlichen (auf dem oberen Bild die rechte, vordere Statue) Koloss steht zur Linken des Königs seine Mutter Mutemweja (Mutemwia), die in einem viel kleineren Maßstab als der König dargestellt wird, zur Rechten die Gattin Teje. Eine dritte Figur zwischen den Beinen ist zerstört.

Der Baumeister dieses gewaltigen Komplexes war Amenophis, Sohn des Hapu, ein brillanter Beamter, der in späterer Zeit vergöttlicht wurde.

Auf den Seitenflächen der Thronsessel befinden sich Reliefdarstellungen. Zwei Nilgötter knüpfen die Wappenpflanzen Ober- und Unterägyptens um das Zeichen "Vereinigung".
(Bild links Imichet - Bild rechts: Elvira Kronlob)

 

Beide Kolosse werden seitlich flankiert von der Königsgemahlin Teje (rechts)


(Bild: Imichet)

Auf der linken Seite des Kolosses auf dem Thronsockel ist die Königsmutter Mutemwia dargestellt. 

(Bild
Imichet)

Ein Erdbeben im Jahre 27 n. Chr. spaltete den nördlichen der beiden vom Kopf bis zum Becken. Seit dieser Zeit konnte man in der Morgendämmerung einen Klagelaut hören. Wenn nämlich die Sonnenstrahlen nach der Kühle der Nacht auf die Statuen trafen, kam es zu Spannungen im Stein, welche diese Laute hervorbrachten.  Die Ägypter erklärten  dieses Phänomen mit einer Geschichte Homers über den Helden Memnon, dem Sohn der Eos und des Thitonos, der von dem griechischen Helden Achilles während des trojanischen Krieges  getötet wurde:  

"In Theben sei er als Statue wiedergekehrt,
 die jeden Morgen beim Anblick seiner Mutter,
 die sich in den Himmel erhob, Klagen dorthin aussandte."
(Zitat: aus Tal der Könige - Alberto Siliotti)

 

Die Blöcke mit den Gesichtszügen von König Amenophis III. stammten evtl. aus dem Steinbruch 
von Gebel el-Ahmar bei Kairo.
Der König trägt das Königskopftuch, auf das die Doppelkrone aufgesetzt war, die längst heruntergefallen ist. Seine beiden Hände liegen mit ausgestreckten Fingern auf den Knien.
(Bild:
Nefershapiland)

Viele griechische und römische Besucher aus der Zeit von Nero bis Septimius Severus wurden von diesem Phänomen angezogen  und „verewigten“ sich hier, wie man noch an den Inschriften auf dem Sockel und den Beinen des Kolosses ersehen kann.  Erst im Jahre 199 n. Chr. verstummte der Klagelaut, als nämlich Septimius Severus den oberen Teil des nördlichen Kolosses restaurieren ließ.  

Griechische und römische Besucherinschriften ans "antiker" Zeit
(Bild:
Imichet)

 

So sahen die Memnon-Statuen 1908 aus
(Bildquelle: Lübke/Semrau: Grundriss der Kunstgeschichte
 - Paul Neff-Verlag, Esslingen 1908 -)
Dieses Bild ist gemeinfrei

Seit einigen Jahren sind archäologische Grabungen zur Erforschung des Tempels im Gange. Bei den Grabungen fand man einen krokodilschwänzigen Sphinx und mehrere Fragmente von Statuen
Amenophis III., außerdem eine einzigartige Nilpferdstatue aus Alabaster, die im nördlichen Portikus gefunden wurde. Die Statue befand sich in einer Grube, über die eine Palme gewachsen war. Schweizer Ägyptologen hatten diese Nilpferdstatue dreißig Jahre zuvor schon einmal gesichtet, aber nie ausgegraben. Neben dem Nilpferd lehnten zwei Statuen der Göttin Sachmet, wahrscheinlich einst im Umgang des Tempels aufgestellt.

Über zwei Kampagnen wurden Statuenbruchstücke verschiedener Größe und kleinere Sandsteinfragmente aus dem versumpften Gebiet herausgebracht und einer aufwendigen Behandlung unterzogen, dokumentiert und auf ein höheres Gelände in einer Art "Open Air Museum" vorläufig ausgestellt. Die Statuen wurden im Frühjahr 2002 von den schädlichen Ablagerungen von Kalzit, Feinsand und Vogelkot gereinigt und anschließend konserviert.

Außerdem legte man 100 m westlich der "Memnon-Kolosse" einige formlose, große Quarzitblöcke am vermuteten 2. Pylon frei. Man vermutete, dass es sich dabei um die Fragmente eines weiteren Kolosses handelte. Man fand einen Königskopf, dessen Gesicht weggebrochen war und die Schulterpartie, die getrennt von dem gewaltigen Torso im Schlamm lagen. Wie man schon vermutet hatte, fand sich am Thron des Königs die intakte Figur der Großen Königsgemahlin Teje. Die unversehrt erhaltene Figur ist 3,62 m hoch. Das Gesicht mit den jugendlichen Zügen, den schmalen, mandelförmigen Augen und einer zarten Nase sowie eine vollen, lächelndem Mund erscheint fast schöner als die Statue von Teje, die bei der Grabung 2003 am Nordkoloss entdeckt wurde.

Ebenso wurden wenige Meter weiter südlich des Torsos in der südlichen Schnittwand große Fragmente von einem weiteren Koloss gefunden, der allerdings noch stärker zerstört ist. Auch hier fand sich auf der rechten Thronseite die Darstellung einer "Großen Königlichen Gemahlin".

Die eingerüsteten Memnon-Statuen 
während der Renovierungsarbeiten 
des DAIK 2002
(Bild: saamunra)

Weiter kamen bei den Grabungen Sockelfragmente einer anderen Kolossalstatue zutage, auf deren Sockelfläche Fremdvölkerlisten dargestellt wurden. Auf einer der Flächen sind drei spitzbärtige Figuren zu erkennen mit gewölbtem Haarbeutel und Stirnband. Wie die anderen Nordvölker sind auch sie durch Papyrusstengel um den Hals gefesselt. In den ägyptischen Listen sind ihre Namen bislang nicht bezeugt. Alle Fremdvölker werden nach Namen, Orten und Ikonographie dokumentiert und studiert.

Diese Granitfragmente zeigen ebenfalls Fremdvölkerlisten, hier sind wahrscheinlich Nubier dargestellt.
(Bildquelle: Elvira Kronlob)

Während der 10. Grabungskampagne der "Mission International des Colosses de Memnon et Conservation du Temple d’Amenhotep III“, die mit Unterstützung des Deutschen Archäologischen Instituts vom 12.1. bis zum 8.4 2008 stattfand, ist wie jedes Jahr eine gründliche Säuberung des gesamten Areals vorausgegangen. Vor allem mussten die Memnon-Kolosse von Kopf bis zum Sockel gründlich vom Vogelkot gereinigt werden, denn die Säure greift die Patina der Statuen an. Alle Versuche die Tauben und Spatzen davon abzuhalten, auf den Köpfen und Schultern und in den Rissen der Statuen zu nisten, haben keinen wirklichen Erfolg gebracht.

Einst standen am westlichen Portikus des großen Peristylhofes 10 monumentale Statuen von Amenophis III., davon 5 Statuen aus Rosengranit mit der weißen oberägyptischen Krone auf der Südseite und 5 Statuen aus Quarzit mit der roten unterägyptischen Krone auf der Nordseite. Agenten des britischen Konsuls Henry entdeckten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die umgestürzten und zerbrochenen Figuren und Köpfe und begannen diese sowie einen Statuensockel abzutransportieren. Der Louvre in Paris kaufte einen großen Kopf aus Rosengranit und den Statuensockel auf, 2 Köpfe  aus Quarzit gingen an das Britische Museum nach London.

Der Torso der Statue PWN II., welcher verstürzt zwischen den Säulenbasen lag, wurde im Frühjahr 2007 wieder auf die Beine gesetzt. Die Restauratoren bauten ein über 12 Meter hohes Gerüst aus großen Holzbalken und setzten in der Grabungskampagne 2008 den Oberkörper wieder auf und vervollständigten ihn mit einer Kopie des originalen Kopfes aus dem Britischen Museum. Diese Kopie ist eine bis in die kleinsten Einzelheiten getreue Abformung des Originalkopfes. Da die Kopie aus einer hochempfindlichen Kunstharzmischung, die sehr empfindlich auf die intensiven Sonnenbestrahlung und den Sandwinden reagierte und diesen nicht allzu lange ausgesetzt werden durfte, fertigten die Restauratoren im Herbst eine weitere Kopie aus einem widerstandsfähigeren Material an und setzten diese dann auf den Oberkörper der freistehenden Statue. Die Originalreplik wird dann in einem kleinen Museum ausgestellt. Die neu aufgestellte Statue ist mit der Basis über 8 Meter hoch und befindet sich rund 400 Meter hinter den Memnonkolossen. Es ist geplant, in den nächsten Jahren aus den vorhandenen Bruchstücken weitere monumentale Statuen, auch solche aus Rosengranit, zu restaurieren und diese dann aufzustellen.

Auf diesen Bildern ist die restaurierte  Statue des Königs (linkes Bild), allerdings noch ohne die Replik des originalen Kopfes aus dem Britischen Museum zu sehen -
(rechts Bild) auf dem rechten, später entstandenen Bild befindet sich der Kopf schon auf der Statue.

(Bildquelle:  rechts: saamunra , links: Elvira Kronlob)

 

Fragmente einer Sockelplatte mit Inschrift
- auf ihr die Reste (Füße mit Teile des Beines) einer Monumentalstatue -
(Bild: Flick-Album, mit freundl. Genehmigung von Mutnedjmet)

 

Stelen aus dem Totentempel Amenophis III.:

 

Die große wiedererrichtete Stele Amenophis III.
in Kom el-Hetan.
(Bild: www.isis-und-osiris.de)

Die gleiche Stele aus dem inneren Hof in einer anderen Ansicht.
(Bild saamunra)

Nur wenig ist in Kom el- Hetan erhalten geblieben: Außer den beiden Kolossalstatuen zeugt nur noch eine große, wiedererrichtete Stele von der einstigen Pracht des Totentempels Amenophis’ III., der von dem berühmten Baumeister Amenophis, dem Sohn des Hapu entworfen wurde. Sie stand wohl in einem der Höfe des Totentempels. Auf dieser großen Stele, die 1896 westlich von seinem Tempel gefunden wurde, beschreibt Amenophis seine Statuensammlung. Auf dieser Bauinschrift erfahren wir, dass sein Tempel.

"...Reich mit königlichen Statuen aus Granit, Quarzit und wertvollen Steinen ausgestattet ist, die für immer Bestand haben sollen. Sie sind höher als der Himmel und ihre Strahlen erscheinen den Menschen wie die aufsteigende Sonne........"

 

Auf der großen Stele, die 1896 westlich seines Tempels gefunden wurde, beschreibt der König seine Statuensammlung.

(Bild: www.isis-und-osiris.de)

Rückseite der großen Stele 
- gehalten von einem Stützpfeiler - 

(Bild: Elvira Kronlob)

 

Nach einer Fotopause, die wir ausgiebig nutzten um die beiden Statuen von allen Seiten mit und ohne uns abzulichten, ging es zurück in die Busse und weiter zum Totentempel der Pharaonin Hatschepsut, im Talkessel von Deir el-Bahari.



Nefers Gästebuch

Amenhotep III.

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