Biografie Sesostris I.

Pyramide Sesostris I.

Bauten Allgemein Sesostris I.

Der höchste Kreis der Beamtenschaft im Mittleren Reich sah unter König Sesostris I. folgendermaßen aus:

  1. an der Spitze stand der Wesir

  2. dann gab es den Schatzmeister und

  3. den Ober-Vermögensverwalter

Daneben sind einige Truppenvorsteher belegt, welche die militärischen Aktionen des Königs leiten und bei der Unterwerfung von Unternubien eine wichtige Rolle innehatten. Mehrere Haushofmeister sind bekannt, wobei vor allem ein Mann mit Namen "Hor" zu nennen ist und ein weiterer Mann mit dem Namen Nacht, der am Pyramidenbau von Sesostris I. beteiligt war. Auch scheint der König diverse Beamten in den Provinzen eingesetzt zu haben (1).

Name

Titel

Antefiqer/Antefoqer (Inj-jtj.f-jqr) Wesir
Sesostris/Zj-nj-Wsr-t Wesir
Sobekhotep Schatzmeister
Mentuhotep Schatzmeister, Leiter aller Arbeiten des Königs, Wesir
Inj-jtj.f (III.) Wesir
Hor/Horu Obervermögensverwalter, Priestervorsteher
Nacht Obervermögensverwalter
Mentuhotep Truppenvorsteher
Seneb-bu Truppenvorsteher (jmj-rA mSaq)
Amenemhat Bürgermeister von Menat-Chufu 
Amenemhet / Ameny Gaufürst im Säbelantilopengau u. Priestervorsteher
Sesostris-anch / Sj-nj-Wsr.t-anx.w Oberpriester des Gottes Ptah in Memphis
Imhotep Vorsteher aller königl. Arbeiten, Feldervorsteher,
Wahres Oberhaupt derVerteilung, Sem-Priester und Oberster Vorlesepriester
Intef Obervermögensverwalter und Kämmerer
Schen Oberbildhauer
Mentuwoser Gutvorsteher, Kornbeamter
Merj / Mery / Meri stellvertretender Schatzbeamter, Siegler-Assistent
Ity Gottesvater (Priestertitel)
Shensetji Aufseher der Bildhauer
Ameny Herold
   

 

Antefoqer - siehe hier  

Sesostris / %(j) n Wsr.t

Sesostris amtierte als Wesir unter den Königen Sesostris I. und seinem Sohn und Nachfolger Amenemhet II. Belegt ist er als Wesir vor dem 43. Regierungsjahr von Sesostris I. (Quelle: Inschrift im Grab Nr. 2 des Gaufürsten Amenemhet in Beni Hassan) bis in Jahr 8 des Königs Amenemhet II. (siehe Stele Paris, Louvre C 4). Der Wesir Sesostris war wohl einer der Amtsnachfolger des Antefoqers. Da der Wesir Sesostris den Namen des Königs Sesostris I. trägt, kann vermutet werden, dass er (mit aller gebotenen Vorsicht) unter diesem König geboren wurde und am Anfang seiner Karriere demnach nicht viel älter als ca. 40 Jahre alt war (1).

Er wird im Grab des Gaufürsten Amenemhet in Beni Hassan erwähnt und zwar war er zusammen mit dem Bürgermeister von Menat-Chufu Amenemhat im Auftrage des Königs in einer Mission "Erz" (bjw) nach Koptos unterwegs (Quelle: Wolfram Grajetzki in: die höchsten Beamten der Ägyptischen Zentralverwaltung zur Zeit des Mittleren Reiches / Achet-Verlag 2003, S. 246). Diese Inschrift ist in das 43. Jahr von König Sesostris I. datiert - dürfte aber lt. Grajetzki schon etwas früher stattgefunden haben.

Seine Titel sind in der Inschrift im Grab Nr. 2 in Beni Hasan und auf der Stele Louvre, Paris C 4 belegt:

Beni Hasan:

  1. Vorsteher der Stadt: (jmjrA nwt,)

  2. Wesir:  (TAtj)

  3. Mitglied der Elite: (jrjpat)

  4. Fürst (HAtja)

Stele Paris Louvre C 4 

  1. Vorsteher der Stadt 

  2. Wesir

  3. Beamter (sAb)

  4. Mitglied der Elite, Reichs-Graf (jrjpat, HAtja)

  5. königlicher Siegler (xtmjz bjt)

  6. Einziger Freund (smrwatj)

Vermutlich ist der Wesir Sesostris in el-Lischt begraben. Dort befindet sich die Mastaba Nr. 758, welche einem "Sesostris" gehört, wobei die Zuschreibung aber nicht gesichert ist. Die Mastaba wurde von Gautier ca. 50 lm südwestlich der Pyramide von Amenemhet I. entdeckt, aber nicht komplett ausgegraben von der Ägyptischen Expedition während der 1906-7 und 1907-8 Grabungssaison. Das spektakulärste Resultat war die Entdeckung einer ungestörten Grabstelle einer Dame mit dem Namen Senebtise (Nr. 763). 

 Überreste einer biografischen Inschrift enthielten den Namen Sesostris und seine Titel:

  1. Xrj-HAb.t Hrj-tp = Oberster der Vorlesepriester

  2. jmj-ra kA = Aufseher der Arbeiten

  3. [imi-ra] pr-nsw = [Vorsteher] des Palastes

  4. imj-ra Xkr.t-nsw [nb.t] = Aufseher über [alle] königlichen Juwelen

  5. xrp Sndy.t [nbt ?) = Aufseher [aller] königlichen Schurze

Nach Dieter Arnold und James P. Allen (Middle Kingdom Tomb Architecture at Lisht, p. 77) wurde im nördlichen Pyramidenbezirk ein Kalksteinfragment mit Inschriften im versenkten Relief entdeckt, welche Reste der Titel: "Bürgermeister der Pyramidenstadt" und "der des Vorhangs (?), Wesir und Würdenträger" und ein zweites Fragment mit Resten des Titels: "[tAty.tj] TAtj [zAb].= Großwesir".
Diese Fragmente könnten lt. Dieter Arnold aus dem Grab 758 stammen und wenn dies der Fall sein sollte könnte der Besitzer des Grabes 758 unser hier aufgeführter Wesir Sesostris sein, dessen Amtszeit die letzten Jahre von König Sesostris I. und den Beginn der Regierungszeit von König Amenemhet II. umfassen.

Von dem heute sehr zerstörtem Bau sind nur kleine Relieffragmente erhalten. Die eigentliche Mastaba war etwas 12 x 26 m groß und besaß wahrscheinlich einen Innenhof mit Säulen. Die Mastaba war von einer Umfassungsmauer von 30,40 x 35,80 m umgeben. Im östlichen Hof fanden die Ausgräber noch einige Fundaments- und Pflastersteine. 

Das zentrale Kultgebäude (Kapelle) befand sich weit im Osten, so dass seine Frontseite die Umfassungsmauer berührte. Diese Kultkapelle wurde stark zerstört und nur der unterste Verlauf des Untergrundes blieb erhalten (bestehend aus unregelmäßig geformten Platten) welche auf eine Grabkapelle von 12 m im Nord-Süd-Verlauf und 26 m im Ost-West-Verlauf hindeuten (d. h. etwa 20 x 50 Ellen). Eine runde Kalksteinsäule, wurde in situ ungefähr in der Mitte des Gebäudes gefunden und war das einzige was von den oberirdischen Bauten übriglieb. Die Säule lässt einen Portico vermuten, der entweder den Hof auf drei Seiten umgab oder zumindest der Vorderseite der Kultkapelle vorgebaut war (1). 

Von der Dekoration wurden viele kleine Fragmente gefunden, die teilweise in einem ausgezeichneten Zustand waren und zu Opfer und Agrar-Szenen gehörten, wahrscheinlich aus der Kultkapelle. Einige dieser Fragmente befinden sich heute im Metropolitan Museum New York (leider ohne genau dokumentiert und aufgenommen zu werden. Es gibt zwar Hinweise darauf, dass 1906-7 und 1907-8 viele Relieffragmente gefunden wurden, aber eine abschließende Bewertung der Wanddekoration wird durch die fehlende Dokumentation der damaligen Feldarbeit der Ausgräber behindert. Der einzige Beleg ist ein Foto (heute im Metropolitan Museum), das eine Gruppe von acht Relieffragmenten im erhabenen Stil zeigt und welche zu Opfer- und Landwirtschaftsszenen gehören und mit ".....Fragmente von der Oberfläche zu Beginn der Arbeit im Grab 758" beschriftet ist.

Im Grabkomplex fand sich die spätere Bestattung der Senebtisi (siehe Dieter Arnold: Middle Kingdom Tomb Architecture at Lisht. Metropolitan Museum of Art, New York 2008)

Mentuhotep
- Wesir (?) und Schatzmeister

Als Schatzmeister und möglicherweise auch als Wesir war Mentuhotep, Sohn des "As-en-ka" einer der wichtigsten Beamten während der Regierung von Sesostris I. und vielleicht auch während der Regierung von Amenemhat II. Er war wohl der unmittelbare Nachfolger des Wesirs Antefoqer. Er war der oberste Beamte des Landes und als Vorsteher aller königlichen Arbeiten für die Bauvorhaben seines Königs im ganzen Land verantwortlich. Dazu gehörte das Anfertigen und Aufstellen der Kolossalstatuen des Königs in Karnak, Abydos, Memphis und Heliopolis, die später von Ramses II. usurpiert wurden. 

Mentuhotep erscheint zum ersten Male in einer Inschrift aus dem Jahr 18 von Sesostris 1. Ohne Zweifel wurde seine Mastaba in el-Lisht erst nach Fertigstellung des königlichen Grabkomplexes von Sesostris I. errichtet. Es scheint anhand der Auffindung einer Kartusche mit der Inschrift "Amenemhat" in der Kapelle seiner Mastaba und die Interpretation zweier Zeichen auf den Schultern der Statue Kairo CG 42044 und 14/6/24/12 des ägyptischen Museums in Kairo, welche ein Teil des Pränomens von König Amenemhet II. ist, Hinweise darauf zu geben, dass Mentuhotep auch noch in der Regierungszeit von Amenemhet II. im Amt war. Einige Forscher haben aber zu Recht Zweifel daran, dass die Inschriften auf den Statuen als Teil eines königlichen Namens gesehen werden kann und die Kartusche in der Kapelle von Mentuhotep ebenso gut auf König Amenemhet I. zurückzuführen sein könnte. Die Beweise für Mentuhoteps Amts- und Lebenszeit beschränkt sich daher auf die Regierungszeit von König Sesostris I.

Wir haben kaum Denkmäler von Mentuhotep, die eine feste Datierung erlauben, doch hatte im 22. Jahr Regierungsjahr von Sesostris I. ein gewisser Sobekhotep das Amt des Schatzmeisters inne, so dass Mentuhotep wahrscheinlich danach anzusetzen ist. Die Lage seines Grabes deutet an, dass er nicht vorher amtierte, da Grabanlagen in Pyramidennähe erst nach Fertigstellung der Pyramide zu erwarten sind.

Mentuhotep ließ wenigstens acht Statuen von sich anfertigen und aufstellen - was für einen Privatmann in dieser Zeit eine ungewöhnlich hohe Zahl von Rundbildern bedeutet. Zwei dieser Statuen, welche ihn als Schreiber zeigen, befinden sich heute im Luxor-Museum, drei weitere in Kairo (CG 42037, 42044 und 42045), drei weitere befinden sich im Louvre (Nr. A. 122-124). Auf den Statuen im Luxor-Museum erscheint der Titel eines Wesirs nicht, so ist anzunehmen, dass sie aus der Anfangszeit seiner Amtes (in der zweiten Hälfte der Regierungszeit von Sesostris I.) stammen (1). 

Eine der beiden Sitzstatue Mentuhotep als Schreiber
- heute im Luxormuseum J. 37 -

Zweite Sitzstatue Mentuhotep als Schreiber
- heute im Luxormuseum J. 36 - 

Mentuhotep ist bei diesen beiden Statuen als Schreiber im Schneidersitz und mit untergeschlagenen Beinen sowie mit einer Papyrusrolle auf seinen Knien zu sehen. Die Statuen sind fast identisch - unterscheiden sich nur durch die Höhe des Sockels und den Grad der Beschädigung.

Eine große Muschel - die als Palette dient - liegt auf dem linken Knie von Mentuhotep. Über der linken Schulter hängt eine kleine rechteckige Palette mit zwei Farbplättchen - rot und schwarz. Auf der rechten Sitzstatue ist die rechte Hand fast gänzlich zerstört. Die hängende Brust und die stilisierten Fettwülste des Körpers sind im antiken Ägypten Zeichen der Macht und des Reichtums, welche der Beamte sich im Laufe seiner Dienstzeit unter dem König erworben haben. Der Titel des Wesirs ist auf beiden Statuen aus dem Luxormuseum nicht genannt, so dass diese beiden Figuren zweifellos vor der Übernahme dieses Amtes zu Beginn in der zweiten Regierungshälfte unter König Sesostris entstanden sind.

Bild: mit freundl. Dank Elvira Kronlob
- alle Rechte vorbehalten - 

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Erst in der späten 19. Dynastie ließ der 3. Prophet des Amun "Roma-Roy" die alten Götternamen auf beiden Statuen wiedereinsetzen und evtl. auch die zwischenzeitlich wohl verlorengegangenen Köpfe durch neue ersetzen. Auf der Vorderseite beider Statuen ließ Roma-Roy eine einfache Inschriftenzeile anbringen, in welcher er diesen Akt der Pietät gegenüber diesem großen Beamten aus dem Mittleren Reich für die Nachwelt festhielt. Diese beiden Statuen wurden im Karnak-Tempel des Amun durch das Centre Franco-Egyptien anlässlich der Freilegung der erhöhten Terrasse westlich des I. Pylons im Jahre 1971 ausgegraben.

Schreiberstatue des Mentuhotep
- heute im Museum Louvre, Paris A 123 -
aus Karnak / Material Diorit

Länge:  0,50 m
Höhe:   1,10 m
Breite:  0, 70 m

Bild:    Mentuhotep-A 123-IMG 4155
Autor: Rama und anonymous - wikipedia
- CC-BY-SA 3.0 FR

 

In der Regierungszeit von Amenemhet II. waren verschiedene Statuen dieses Typs von ihm im Amun-Tempel in Karnak aufgestellt. Aus den Inschriften auf seinen Statuen in Karnak kann geschlossen werden, dass er der maßgebliche Architekt des Amuntempels war, der den Kern des großen Tempels des Neuen Reiches werden sollte. In der Amarna-Zeit wurden unter König Echnaton alle Hinweise auf die Götter Amun, Month und Maat und auf den Tempel des Amun in Karnak von den beiden Statuen entfernt. 

*

Mentuhotep besaß in Abydos ein Kenotaph, in dem sich eine massive Stele befand. Die monumental, oben gerundete Stele (heute im Museum Kairo CG 20539/JdE 15205) war in eine Basis eingelassen - stand aber im Kenotaph frei, und misst 1,81 m in der Höhe und 1,50 m in der Breite, bei einer Dicke von 43cm. Sie befindet sich heute im Museum Kairo (CG 20539) und ist auf beiden Seiten beschriftet und ebenfalls auch auf den Schmalseiten. Die Rückseite der Stele ist stark erodiert. Die Vorderseite der Stele weist 23 waagerechte Textzeilen auf. In Zeile 1-12 befindet sich die Titulatur und Epitheta für Mentuhotep. Zeile 13-18 beinhaltet eine Rede Mentuhoteps - Zeile 19-21 enthält eine Aufforderung an die Lebenden und einen Bericht über den Bau des Kenotaphs.

Stele Mentuhotep aus Abydos
heute im Kairo CG 20539/JdE 15205

Vorderseite

Die Stele zeigt im oben gerundeten Bildfeld eine heraldische Anordnung des Königsnamens (Horusname und Geburtsname) vor einer einer mumiengestaltigen Darstellung des Chontamenti, der dem Horusfalken der Königstitulatur ein Lebenszeichen an die Nase hält.

Auf der Stele berichte Mentuhotep dass er im Auftrag des Königs in Abydos tätig war.

Bild: Courtesy to Saamunra
- alle Rechte vorbehalten - 

Die Rückseite wies 25 Textzeilen auf und beginnt in der Lünette mit einem königlichen Dekret, welches Mentuhotep erlaubte in Abydos ein Kenotaph zu errichten und hier Statuen von sich aufzustellen.

In Zeile 6 gibt Mentuhotep einen Bericht über den Bau des Kenotaph und der Bezahlung von Priestern, die an der Anlage Dienst taten. In Zeile 7 bis 8 beschreibt Mentuhotep seine Rolle die er bei den Mysterienspielen des Osiris in Abydos spielte. In Zeile 15 beginnt ein Ansprache von Mentuhotep, die sehr zerstört ist. In Zeile 19 beginnt eine weitere Rede Mentuhoteps die allerdings fast vollständig zerstört ist.

Auf den Inschriften dieser Stele trägt er den Titel: "Vorsteher aller Arbeiten des Königs" sowie auch den Wesirstitel, wobei aber auch umstritten ist, ob er wirklich amtierender Wesir war - oder ob er diesen Titel nur ehrenhalber trug. Daneben war Mentuhotep auch Leiter der Osiris-Mysterien, was auf seiner Stele aus Abydos ausdrücklich erwähnt wird, ebenso dass er dabei als Bevollmächtigter des Königs dessen rituelle Rolle übernahm. Welchen Gott der genannte Tempel geweiht war, gibt Mentuhotep nicht an. Da es zu dieser Zeit aber wohl nur einen Osiris–Chontamenti–Tempel in Abydos gab, wird es sich wohl um diesen handeln

Die genaue Lage des Kenotaph mit der Stele ist nicht mehr bekannt - wahrscheinlich lag es außerhalb der nördlichen Umfassungsmauer des Osirisbezirks. Von der einstigen Ausstattung der Anlage fand sich außer der Stele nur noch der untere Teil einer Scheintür. 

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Im Museum of Fine Art in Boston (Inv.-Nr: 1980.173) befindet sich der untere Teil einer Scheintür des Mentuhoteps. Das 1880 von einer deutschen Expedition kopierte und 1960 in Beirut von einem Kunsthändler erworbene Objekt misst 1,18 m in der Breite und 0,54 m in der Höhe. Außen links und rechts sieht man Mentuhotep in einen langen Rock gekleidet -  in der rechten Hand einen langen Stab haltend. Innen steht in kleinerem Maßstab nochmals Mentuhotep mit in Anbetung erhobenen Armen.  

Unterer Teil einer Scheintür des Wesirs Mentuhotep aus Abydos
- Inv.-Nr: 1980.173

Dieses Fragment im versunkenen Relief ist Teil einer Scheintür des Wesir Mentuhotep aus seinem Kenotaph in Abydos. Es zeigt den stehenden Wesir, gestützt auf einem langen Stab, jeweils links und rechts auf den Panelen der Scheintür und innen in einem kleineren Maßstab in Anbetungshaltung.

Auf den beiden inneren Panelen befindet sich jeweils eine Kolumne Text - ebenfalls über den Darstellungen in jeder der vier anderen Panelen. Das Fragment wurde von einer deutschen Expedition 1880 entdeckt und gezeichnet - aber vor Ort gelassen bis es in Beirut 1960 von einem Kunsthändler gekauft und 1970 in eine private Sammlung in Montreal auftauchte. 1980 gelangte es dann durch eine Versteigerung bei Sotheby in den Besitz des Mfa Museums in Boston.

Photo:Courtesy to the Mfa-Museum Boston 

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Seine große und bedeutende Grabanlage in el-Lischt, die nicht sehr gut erhalten war, liegt unmittelbar vor der Südlichen Ecke der Umfassungsmauer des Pyramidenbezirks König Sesostris I. Bei den Grabungen 1988 wurde hier erstaunlicherweise der unversehrte Granitsarkophag Mentuhoteps aufgefunden. Direkt nördlich der 14,14 x 29 m großen Mastaba des Mentuhoteps schließt sich eine Ziegelumfassung an, deren Funktion unklar ist. In der 13. Dynasty wurden hier zahlreiche einfache Grabschächte angelegt. Die Mastaba besaß lt. Dieter Arnold einen eigenen Aufweg und möglicherweise eine Talkapelle, deren Reste unter dem heutigen islamischen Friedhof verborgen sein könnten (siehe D. Arnold: Middle Kingdom Tomb Architecture at Lisht, 2008, S. 38-38 - online-Version).

Die Mastaba war 14,14 x 29 m groß und hatte wahrscheinlich einen mit Säulen dekorierten Innenhof. Die Wände der Mastaba waren dekoriert und man fand Fragmente von 10 lebensgroßen Statuen. Der Grundriss konnte von den Ägyptologen nicht wirklich rekonstruiert werden. Eine Lehmziegelmauer umgab die Mastaba und war 2,10 - 2,89 m stark und hatte die Ausmaße von ca. 32 x 45 m (an den Außenseiten) (3).

Das Tor aus Kalkstein, welche einst in der Mauer eingelassen war, wurde von Steindieben entfernt und ist nur an einem 3 m breiten Durchbruch in den Ziegelfundamenten zu erkennen, welche einst die Steinfundamentsblöcke der Tore trug. 

Mastaba des Wesirs und Schatzhausvorstehers Mentuhotep im Pyramidenkomplex 
König Sesostris I. in el-Lisht

 

Plan:  nach: Die Pyramiden Ägyptens“ 
von Chr. Hölzel
 - bearbeitet durch Nefershapiland -

Eine beeindruckende Totenkapelle aus Stein mit einer Breite von 14,14 m (Nord-Süd) und einer Länge von etwa 29 m (Ost-West) bildete das Hauptmerkmal innerhalb der Backstein-Umfassungsmauer. Die Ost-West-Orientierung und die Dimensionen eines Gebäudes, welches für ein privates Bauwerk der 12. Dynasty sehr groß war, schließen lt. der Forscher eine massive Mastaba aus und lassen stattdessen einen Säulenhof im Osten und eine Totenkapelle im Westen vermuten (3). Darüber hinaus bestätigen zahlreiche Fragmente der Wanddekoration die Existenz einst prächtig dekorierter Innenräume. Es gibt Hinweise darauf, dass während der Grabungsmissionen von 1906-7 und 1907-8 viele Relieffragmente gefunden wurden, aber eine Bewertung dieser Wanddekoration durch die fehlende Dokumentation der Feldforschung behindert wird. Zu Beginn der Ausgrabungsarbeiten in der Schachtgrube 758 wurde an dessen Oberfläche auch einige Relieffragmente gefunden, welche zu einer Opfer- und Landwirtschaftsszene gehörten, die sicherlich aus dem Inneren der Kapelle stammten. Diese waren in einem ausgezeichneten Zustand - ihre brillante Farbgebung ist erhalten geblieben. Diese Relieffragmente - wahrscheinlich aus der Kultkapelle des Mentuhotep - befinden sich heute im Metropolitan Museum of Fine Art, wie zum Beispiel ein Relief Fragment mit einem Kalb und einer dazugehörigen Inschrift (MMA 07.227.20)

Das Gebäude wurde von Steinräubern vollständig zerstört und sein Grundriss kann nur anhand einiger Teile der Architektur und Dekoration sowie der Überreste der Fundamente beurteilt werden. Auch von der Kultkammer sind keinerlei Spuren mehr erhalten.

Der Eingang zur Kultkapelle kann angesichts der schrägen Ausrichtung des Aufweges in der Ostwand vermutet werden, entweder in der Mitte oder vielleicht nach Süden verschoben, um die schräge Richtung des Damms fortzusetzen. Soweit man aus den Fragmenten erkennen kann, hätte das Dekorationsprogramm des Kapelleninneres mindestens einen Vorraum vor der Haupt-Opferkammer benötigt, wobei man auch die Unterbringung von mindestens 10 lebensgroßen Statuen - von denen einige wahrscheinlich unter dem Portikus gestanden und die Seiten des Kapelleneinganges flankiert hätten - berücksichtigen musste. Der einzige Schacht im Grabkomplex befand sich offenbar in einem Nebenraum (3). 

Ein Holzfragment (erhaltene Höhe 50 cm, Breite der Front 13 cm) mit den Titeln von Mentuhotep (heute im Metropolitan Museum New York) - aber nicht mit seinem Namen - wurde in situ in der Nähe der kleinen Königinnenpyramide 3 - etwa 180 m westlich seiner Mastaba. - gefunden. Als Türpfosten oder Rahmen bildete es die linke vordere Ecke eines Holzschreins. Das Fragment aus Holz besaß Löcher, um ein Seil oder einen Kupferdraht daran zu befestigen und das Objekt an einem Pfosten oder Brett (?), welches sich links davon befunden hatte, zu befestigen. Das Holzfragment ist von guter Qualität und hat an der Front- und linken Seite noch Teile der roten Farbe (3). 

Eine flache Inschrift enthält folgende Titel - die auch der bekannten Wesir Mentuhotep trug (3):

  1. "irj-pa.t" (Mitglied der Elite)

  2. "HAtj-a" (Fürst / hoher Beamtentitel)

  3. "xtmtj-bjtj" (königlicher Siegler)

  4. "smr [watj] ///"....[einziger/einzigartiger] Freund

Der Name ist nicht erhalten, aber das Nichtvorhandenseins einer anderen Mastaba in dieser Gegend lässt vermuten, dass das Holzfragment aus dem Mentuhotep-Grab stammt.

Man fand in der Sarkophagkammer der Mastaba zwei Sarkophage - einer davon (aus Quartzit) war zerbrochen und wahrscheinlich unbenutzt, der zweite war aus Granit und noch relativ gut erhalten. Außen ist er mit dem Palastfassaden-Motiv dekoriert und innen mit Sargtexten, einer Opferliste und Gerätefriesen bedeckt (1). (Quelle: Dieter Arnold: Middle Kingdom Tomb Architecture at Lisht, 2008 - Online-Version)

Andere Beamte:

 

Sesostris-anch/Senwosret-ankh

Sesostris-Anch/Senwosret-ankh trug die üblichen wichtigen Titel eines hohen Beamten - wobei aber mehrere seiner Titel auf eine gut ausgebildete Person hinweisen, welche neben den religiösen Funktionen eines Priesters (sein religiöses Hauptamt war das eines Hohepriesters des Ptah) auch für den Bau und die künstlerische Ausstattung in der königlichen Verwaltung verantwortlich war. Dieter Arnold (Middle Kingdom Tomb Architectdur at Lisht, 2008, S. 14) vermutet daher, dass Sesostris-Anch auch der Architekt der Pyramide von Sesostris I. war. Er trug die Titel: (nach Arnold)

  1. Iry-pAt = Mitglied der Elite

  2. %m = Sem-Priester

  3. @m-nTr %kr = Priester des Sokar

  4. Wr-xrp-Hmw.t-m-prw.j = Größter der Leiter der Handwerker im Doppelhaus

  5. Hm-nTr /// sw.t = Priester des......Throns [Platzes)

  6. Xrj-HAt Hrj-tp = Oberster Vorlesepriester

  7. sS mDA.t-nTr = Schreiber der göttlichen Bücher

  8. Xrj-tp sS mDA.wt-nTr = Chef der Schreiber der göttlichen Bücher

  9. Xrj-sStA///t Hrj-sSTA %xmt Hrj sStA/// = Meister der Geheimniss der [Isis], Sachmet und.......

  10. Hrj-wDb Hw.t-anx = Meister der Größe des Haus des Lebens

  11. xrp od.t aH.wt aA.t = Vorsteher des Palastbaues

  12. jmj-ra wDa-mdw = Vorsteher der Gerichtshalle

  13. und weitere Titel.......

Es wird von den Ägyptologen angenommen (3), dass Sesostris-anch zur Generation von König Sesostris I. gehörte und dieses wird auch durch drei Fragmente aus seiner Grabkapelle mit Teilen einer Sesostris-Kartusche und einem Teil des königlichen Horus-Namens bestätigt. Auch die Form seines Namens "Sesostris-anch" = Sesostris lebt, scheint zu belegen, dass er während der Regierung des Königs geboren wurde und seine Karriere in die Regierungszeit von Amenemhat II. hineinreicht. Einige Experten vermuten, dass der Mastaba-Komplex des Sesostris-anch in der letzten Dekade der Regierung Sesostris I. gebaut und evtl. in den ersten Jahren von Amenemhet II. fertiggestellt wurde (3). 

Mastaba in el-Lischt - Nr. 758:
In der Umgebung des Pyramidenbezirks befinden sich einige große Grabanlagen bedeutender Persönlichkeiten aus der Herrschaftszeit Sesostris I. Der Mastabakomplex des Sesostris-anch war der größte und prächtigste private Grabkomplex des Mittleren Reiches in el-Lischt oder Dahshur und sicherlich eines der wichtigsten privaten Grabdenkmäler dieser Zeit im ganzen Land, das in seiner Anordnung der Grabräume sowie der Beschriftung mit Pyramidentexten dem eines königlichen Grabes aus dem Alten Reich gleicht. 

Die großen Dimensionen und die monumentale Form des Grabkomplexes lassen bei der Mastaba 758 auf einen hochrangigen Beamten schließen.

Der riesige Grabkomplex liegt etwa 190 m entfernt zur rechten Seite des königlichen Aufwegs und ca. 130 m vom Pyramidenkomplex des Königs entfernt. Die Anlage wurde 1932 von der Grabungsmission des Metropolitan Museum of Art, New York, unter der Leitung von A. Lansing und William C. Hayes entdeckt. 

Grabräuber - wahrscheinlich in der Hyksos-Zeit (3) - hatten einen Tunnel bis in die Grabkammer gegraben und den Inhalt vollständig zerstört - während die Architektur und die Dekoration der Krypta - mit Ausnahme des Sarkophages - fast vollständig unbeschädigt blieb. Als die Sargkammer 1932 entdeckt wurde, waren die Pyramidentexte auf den Wänden und die farbenfrohe Dekoration der Sarkophagnische perfekt erhalten. Wie üblich wurden diese Texte von den Forschern aufgezeichnet und veröffentlicht.

Eingangswand der Krypta
von Sesostris-anch
mit Hieroglyphen beschriftete

 

Foto: Courtesy of www.meretsegerbooks.com 

Ein Aufweg oder eine Treppe, welcher dem des Mentuhotep ähnelt, hätte zum Mastaba-Plateau führen sollen, aber bei einer flüchtigen Suche im Jahr 1985 wurden keine Überreste davon gefunden, obwohl auf den alten Grabungsfotos mit ungewissem Datum mehrere Strukturen im Osten sichtbar sind.

Der Grabbezirk von Sesostris-anch wird von drei Mauern umgeben. Die äußere bestand aus Lehmziegeln und umfasste ein Gesamtgebiet von 50,50 x 92,30 m. Im Osten, Süden und Norden trennte ein nur schmaler Zwischenraum von ca. 2,50 m die äußere von der inneren, vermutlich nischengegliederten Ziegeleinfassung, die ein Gebiet von 45 x 65 m umschloss und im Osten einen Eingang besaß. Eine weitere Mauer war etwa 68 x 38 m groß und hatte im Osten, an der Eingangsseite einen pylonartigen Bau. Die Mauer war als Palastfassade mit Nischen dekoriert. Die innere Mauer war aus Stein gebaut und ca.  40 x 30 m groß, wobei sich der umschlossene Bereich, dort wo die Mastaba stand, verbreiterte (1).

Der Grundriss der Gesamtanlage mit drei Umfassungsmauern ist in Lischt einmalig für ein Privatgrab. Ebenso wie bei den königlichen Anlagen diente dabei die innerste Mauer zur Einfassung des Hauptgrabes, während außerhalb dieser Mauer die Gräber enger Angehöriger lagen.  

Planzeichnung Mastaba 758 von Sesostris-anch im Bezirk Sesostris I.

Planzeichnung: nach Dieter Arnold 
bearbeitet von Nefershapiland

Der Eingang zur unterirdischen Anlage lag nördlich der Mastaba und besteht aus einem absteigenden Korridor (1,02 x 0,90 m), der gradlinig in die Tiefe führt und in einen horizontalen Korridor übergeht, der von vier Blockiersteinen gesichert wurde.

Die sich dahinter befindliche Grabkammer ist 2,62 x 5,46 m groß und ist 1,90 m hoch. Sie war mit Pyramidentexten dekoriert und enthielt den Sarkophag des Königs. Die Nische für den im Boden eingelassenen Sarkophag war mit einem farbenfrohen Palastfassadenmotiv dekoriert und die Decke der Krypta war mit einem Sternenmuster bemalt.

Sesostris-anch wurde nicht in einem traditionellen, monolithischen Steinsarkophag begraben, sondern in einer einzigartigen, kapellenartigen Konstruktion, die in den Boden des westlichen Teils der Grabkammer eingelassen wurde. Diese Grube wurde allseitig mit 13 cm dicken Sandstein- oder Quarzitblöcken bis zur Höhe der Trennwand aufgemauert, wahrscheinlich fünf bis sechs Lagen hoch. Die meisten dieser Blöcke wurden als wertvolles Baumaterial gestohlen. 

Dieter Arnold ist der Meinung (siehe: Middle Kingdom, Tomb Architecture at Lisht, The MET Expedition 2008, p. 23), dass - sofern man nicht davon ausgehen kann, dass diese Blockwände den Sarkophag gebildet haben - Senwosret-anch keinen echten Steinsarkophag besaß. Die riesigen Abmessungen der Grube (1,15 m breit, 2,38 m lang und 1,38 m hoch - gemessen zwischen der Auskleidung der Wände) waren für einen gewöhnlichen Holzsarg unnötig und nur dann sinnvoll, wenn ein riesiger Holzsarg dort untergebracht werden musste, wofür aber der Querschnitt des abfallenden Durchganges (90 cm breit, 1,02 m hoch) die Abmessungen des Sarges auf eine maximale Breite von 80 cm und eine Höhe von 90 cm begrenzt (3). Diese "Sargkophag-Konstruktion" nahm den gesamten Bereich vor der Westwand ein und wurde von einem aus vier Blöcken bestehenden Deckel verschlossen (heute im Museum Kairo JdE 60272), dessen Unterseite ein Giebeldach imitieren und ein Schilfmattenmuster trug.

Sarggrube des Sesostris-anch
an der Westwand der Krypta
mit den dekorierten Wänden

Bild: Wall paintings Senwosretankh
Fotograph: Carolyn Riccardelli
Nov. 2008 Wikip.
Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

 

Die Westwand der Krypta mit der in den Boden eingelassenen Sarkophagkonstruktion
- die Wände der Sargkophagnische sind mit einem farbenfrohen
Palastfassadenmotiv bemalt.

Foto: Courtesy of www.meretsegerbooks.com 

Der Grabräubertunnel - wahrscheinlich aus der Hyksos-Periode - enthielt die wichtigsten Funde aus der Mastaba. Interessanterweise gelangten die Grabräuber nicht über den stark blockierten Eingang in das Grab, sondern sie gruben einen Tunnel an der Südwand der Mastaba bis in die Grabkammer, wobei sie nicht den originalen Eingang der Mastaba benutzten um dabei die starke Blockierung des Durchgangs zu umgehen. Anscheinend arbeiteten die Grabräuber nicht unter einem Zeitzwang und hatten genug Zeit und Ressourcen, um ihr gründliches "Plünderungs-Projekt" durchzuführen. So liegt es nach Dieter Arnold (3) nahe, dass der Zeitpunkt des Raubes wohl in der Hyksos-Periode liegen dürfte.

Die Grabausstattung von Sensostris-anch wurde so gründlich geplündert, dass die Trümmer der Grabkammer nur die Überreste von Gegenständen enthielten, die von den Dieben liegengelassen wurden. Dieses bestätigte das frühere Vorhandensein einer reichen Grabausstattung wie es in der 12. Dynastie üblich war: 

  1. Augeneinlagen aus einem rechteckigen Sarkophag

  2. 52 Metallringperlen und eine Menge Karneol-Pernen

  3. Röhrenperlen

  4. Stücke aus blauen Einlagen und grüner Fayence

  5. sowie winzige Stücke Blattgold

Ein halbes Dutzend menschlicher Knochen wurden in dem Trümmerhaufen der Grabkammer gefunden und gehören lt. Dieter Arnold vermutlich zum Körper des Sesostris-anch.

Die Grabräuber drangen durch den grob ausgeführten Grabräubergang (bei Arnold als "Pit 8 bezeichnet), der von einem der geplünderten Grabschächte im Süden der Mastaba (Pit 8) ausging, ins Innere der Grabkammer. Der Eingang der Grube war mit zerbrochenen Steinen aus der Mastaba gefüllt, dazwischen befanden sich Fragmente von lebensgroßen Statuen aus Kalkstein, so wie eine Sitzstatue mit einer breiten Perücke und einem kurzen Rock. Nur der untere Teil (abwärts der Taille) wurde gefunden. Vermutlich war es eine Kultstatue des Sesostris-anch, die einst in der Grabkammer des Grabbesitzers stand. Des weiteren wurden hier auch die Fragmente von drei oder vier beschrifteten Blöcke aus rosa Granit gefunden (siehe Bild), die sich heute im Metropolitan-Museum in New York befinden.

Türsturz von der Mastaba des Sesostris-anch in el-Lisht
- heute im MET / Acc-Number: 33.1.13
Material: Granite, H. 29,20 x 61 x 17,8 cm

Dieser Türsturz aus Granit wurde während der Grabungssaison 1932-33 im Grabungsschacht 8 (dem Grabräubereingang zur Krypta des Sesostris-anch) zusammen mit zwei weiteren Fragmenten aus rosa Granit am Ende des Ganges in einer Tiefe von ungefähr 6 Meter gefunden.

Bild: Courtesy to the MET (public domain)

Im Metropolitan Museum of New York (Acc-Nr.: 33.1.2a-c) befindet sich eine Sitzstatue des Sesostris-anch, die aus den Trümmern des "Pit 9" geborgen wurde. Sie ist aus Kalkstein und hat die Maße H. 50 cm - Breite 36 cm) (leider kein Foto).

Imhotep
- Feldervorsteher -

Der "Feldervorsteher" Imhotep diente in der 12. Dynastie unter den Königen Sesostris I. und seinem Sohn und Nachfolger Amenemhet II. Der hohe Beamte Imhotep ist eigentlich nur durch seine Mastaba Nr. 5117 rechts vom Aufweg der Pyramidenanlage Sesostris I. - nahe deren Umfassungsmauer bekannt. 

Imhotep trug eine Reihe wichtiger Titel, wobei die meisten seiner Titel religiösen Charakters sind - Es ist zu vermuten, dass Imhotep am Anfang seiner Kariere im priesterlichem Dienst stand und später an den Königshof wechselte.

  1. Feldervorsteher (jmi-rA AH.wt)

  2. Mitglied der Elite, 

  3. Vorsteher an Aktion, 

  4. königlicher Siegler, 

  5. Sem-Priester,

  6. Oberster Vorlesepriester (Xrj-HAbt Hrj-tp)

  7. und Vorsteher aller Arbeiten (jmj rA kAt nbw)

  8. Wahres Oberhaupt der Verteilung (Hrj-wDb mAa)

  9. Ankleidepriester (Stolist) des Horus und des Min (smA-@r; smA-Mnw)

  10. [Schreiber[ der Gottesworte,

  11. Schreiber der Gottesbücher,

  12. Leiter aller Schürze (xrp Sndy.t nb.t)

  13. Einziger Freund (smr wa.ty)

Vormals wurde sein höchster Titel als Hoherpriester von Heliopolis gelesen, dabei handelt es sich jedoch wohl um eine Fehlinterpretation (1). 

Die Entdeckung der Mastaba 5117
Die Mastaba wurde 1894 von Gautier entdeckt, der aber hauptsächlich mit der Ausgrabung des Sese-neb-enef Grabschachtes beschäftigt war, der außerhalb der nordöstlichen Ecke der Imhotep-Umfassungsmauer lag. Erst während der Grabungsmission von 1914 entdeckte die Ägyptische Expedition den großen Grabkomplex von Imhotep, der sich in einem Winkel befand, welcher durch das obere Ende des Aufweges und der nördlichen Hälfte der östlichen Umfassungsmauer der Pyramide des Sesostris I. gebildet wurde. Bald wurde die Mastaba des Feldervorstehers Imhotep bekannt für die beiden Holzstatuetten, die man in seiner Umfassungsmauer ausgelagert fand.

Nach Ausbruch des I. Weltkrieges wurden die Arbeiten unterbrochen und aus unbekannten Gründen nicht sofort nach Ende des Krieges 1916/17 wiederaufgenommen. Leider überlebten auch keinerlei Aufzeichnungen oder ein kurzes Grabungstagebuch oder ein paar skizzenhafte Pläne die Ausgrabungspause (3). Erst im Jahre 1984 wurden die Ausgrabungsarbeiten in der Imhotep-Mastaba durch das Team von Dieter Arnold im Auftrage des Metropolitan Museums fortgesetzt. Eines der Hauptergebnisse war die Dokumentation eines religiösen Textes in der Mastaba 5117 und danach ging man dazu über, die Umfassungsmauer in einem flachen und moderatem Level auf ein mäßiges Niveau zu rekonstruieren (3). 

Schon die Ausgrabung von 1914 hatte gezeigt, dass das Imhotep-Grab kein isoliertes Bauwerk war, sondern Teil des Kern-Friedhofes, der sich im Osten fortsetzt. Große unerforschte Backsteinmauern, die man 18 m östlich der Ostwand der Imhotep-Mastaba fand, lassen lt. Dr. Arnold (3) auf die Existenz einer weiteren großen Grabanlage schließen.

Den Recherchen von Dieter Arnold  zufolge kann der Baubeginn der Mastaba in den späten Jahren von König Sesostris I. datiert werden, aber die Bestattung des Grabeigentümers Imhotep kann erst einige Zeit später erfolgt sein, wahrscheinlich erst in der Regierungszeit von Amenemhet II. (3). Die Ausgrabungen von  1986 ergaben, dass die östliche Umfassungsmauer der Imhotep-Mastaba nicht direkt auf der natürlichen Oberfläche des Plateaus errichtet wurde. Es ist lt. Dr. Arnold höchst unwahrscheinlich, dass der Grabbau vor der Fertigstellung der nördlichen Backsteinmauer, welche den königlichen Aufweg flankiert, durchgeführt wurde (3).

Die Umfassungsmauern:
Der Grabkomplex des Imhotep ist von einer äußeren rechteckigen Ziegelumfassungs-Mauer von 27,67 x 30,45 m umgeben. Die Umfassung erstreckt sich über weitere 6,25 m in die nordwestliche Ecke, wo es eine mastaba-ähnliche Steinstruktur umgibt. Die 1,75-2 m dicke Mauer hatte ein tiefes, hervorstehendes Fundament, war geneigt und natürlich verputzt und weiß getüncht (3).

Die Südwand der äußeren Umfassungsmauer enthielt einen von zwei Holzbalken bedeckten Hohlraum (Kammer) mit einem Holzschrein, in dem sich ein Anubis-Fetisch befand und daneben standen zwei Holzstatuetten mit der roten (MMA 14.3.17) und weißen Krone (Kairo JdE 44951) befanden. Der aus Holz bestehende Schrein (Höhe 59,3cm, Breite 32cm, Tiefe 23cm) - heute im Metropolitan Museum (MET Nr. 14.318) in Form einer Kapelle, weist an seiner Vorderseite eine zweiflügelige Tür mit Schieberiegel auf. Der "Anubis-Fetisch" bestand aus Leinen, Fell, Zedernholz und Salbe und befindet sich heute ebenfalls im Metropolitan Museum (Nr. 14.3.19-20). Es handelt sich um einen Zederholzstab in einem Alabastertopf mit einem Fell, eingewickelt in Leinenbinden (Höhe der Vase: 9,2 cm - Durchmesser 10 cm; Höhe des Ständers: 59 cm).

Schrein mit Anubisfetisch (altägyptisch: Imiut)
aus einem Hohlraum der Unfassungsmauer 
der Mastaba des Imhotep


(Schrein: 59,3 x Breite 32 x Tiefe 23cm / Holz / 14.3.18-20)
(Vase: H. 9,2 cm - D. 10 cm/Fetisch mit Vase: H. 59,3 x cm)

heute im Metropolitan Museum New York

Bild: Courtesy Metropolitan Museum New York

 

Etwas weiter im Westen wurden in einer anderen Kammer in der südlichen Umfassungsmauer wurden zwei Holzboote gefunden, die außerhalb der Umfassungsmauer hintereinander ausgerichtet und parallel zur Mauer - jedoch auf unterschiedlichen Ebenen - deponiert waren. Das besser erhaltene Boot A (das westliche) war durch eine Art Dach oder Gewölbe aus Ziegeln geschützt. Auch um das Boot B  herum wurden Ziegelsteine entdeckt - aber das Dach war nicht mehr vorhanden (3).

Eines der beiden Holzmodellboote, (MET 14.3.23)
die in der Nähe am südlichen Fuß der Mauer vergraben wurden.
- Länge 2,75 m, H. 0,85 cm

Dieter Arnold (3)vermutet, dass diese beiden Modelle symbolische Boote darstellen, welche für die Reise nach Abydos verwendet wurden.

Foto: Courtesy to the Metropolitan-Museum New York
- public domain -

Die innere, aus Stein erbaute Umfassungsmauer der Imhotep-Mastaba und maß 13,65 x 20,20 m und war nur zwei Ellen breit und konnte nicht höher als 2,50 m gewesen sein. Zwar wurden genügend Spuren des Steinfundaments gefunden, um den Verlauf um die Mastaba im Osten, Süden und Westen verfolgen zu können, aber im Norden sind keinerlei Spuren vom Mauerwerk mehr erhalten. Die Position des Einganges durch die Mauer in den inneren Bezirk des Mastaba-Hofes kann nicht mehr ermittelt werden, da eine große Anzahl von Grabschächten zwischen der inneren und der äußeren Umfassungsmauer die Position des Zuganges nachträglich zerstörten (3).

Die Solarboote:
In einer mit Ziegeln ausgekleideten Grube (in der engen Passage zwischen der Mastaba und der südlichen Steinmauer) wurde 1913-14 in einem Versteck die Überreste von zwei Modell-Sonnenbooten gefunden. Diese bestanden aus zwei Bug- und Heckteile sowie zwei vollständigen Sätzen der symbolischen oder magischen Objekte, welche auf den Decks von Booten dieser Art zu sehen sind. Die Boote sind aus stuckiertem Holz und waren bemalt. Eines davon (MMA 14.3.22) befindet sich heute im Metropolitan Museum New York.

Solar-Modell-Boot aus Holz (MET 14.3.212) 
- Memphis, Süd-Lischt, Mastaba des Imhotep - 
- Höhe 35,7 cm - Stuckiertes Holz, bemalt

Foto: Courtesy to the Metropolitan-Museum New York
- public domain -

Die beiden Holz-Statuen:
Die Grabanlage des Imhotep ist vor allem durch die Auffindung von zwei hölzernen Königsstatuen, welche man im Jahre 1914 bei den Ausgrabungen entdeckte, bekannt. Gefunden wurden sie in einer kleinen verborgenen Ziegelkammer, die sich im südlichen Teil der Ziegel-Umfassungsmauer des Grabbezirks von Imhotep befand. Die Kammer war mit rotem Putz ausgekleidet und das Dach bestand aus Brettern (zwei Holzbalken). Teile der Statuen sind stuckiert und bemalt. Der in Schreitstellung dargestellte König trägt einmal die rote und einmal die weiße Krone und hält in seiner linken Hand einen Stab.

 

Zwei Statuen aus Zedernholz

links: mit der oberägyptischen Krone
          heute im Museum Kairo JE 44951

rechts: mit der unterägyptischen Krone
             heute im MMA New York, 
             Acc-Nr. 14.3.17

 

Bild: W. M. Petrie 1915, London
- gemeinfrei - 

Die Mastaba:
Die Mastaba des Imhotep ist heute leider in einem schlechten Erhaltungszustand und misst 6,50 x 13 m und war von zwei Umfassungsmauern umgeben, die äußere aus Lehmziegeln und die innere aus Stein (siehe oben).

In dem engen Durchgang, der sich zwischen der nördlichen, inneren Steinmauer und der Imhotep-Mastaba befindet, fanden die Ausgräber zwei Hauptschächte: Nr. 5117 von Imhotep und östlich davon der Schacht 5124 für eine zweite, nicht identifizierte Person. Im Außenhof befinden sich des weiteren mehr als ein Dutzend Schächte aus späterer Zeit.

Bei den jüngeren Ausgrabungen des Metropolitan Museums in der Grabungssaison  von 1986 fand das Team von Dieter Arnold in der Nähe des nördlichen Endes der Ostwand der Umfassungsmauer eine durch Ziegeln blockierte, 1,40 m lange Konstruktionslücke, hinter der in westlicher Richtung ein schräges, eingangsähnliches Loch in den Untergrund geschnitten war - anscheinend das obere Ende eines Treppengrabschachtes. Da der Fels-Stein hier ziemlich zerbrechlich war, ist er während der Bauzeit mit Ziegeln repariert worden.

Der Schacht fällt in einem Winkel von 45 ° ab und führt 15 m in die Tiefe und biegt dann nach Süden in einen weniger geneigten Durchgang ab. Der Boden vor der inneren Treppe war geglättet - evtl. um den Durchgang eines großen Gegenstandes zu erleichtern.  Nach Dieter Arnold ist zu vermuten, dass der Treppenabgang zum Absenken des Sarkophages verwendet wurde.

Der nicht so stark geneigte Durchgang setzt sich fort und trifft auf eine über 2 m dicke Ziegelblockade, die sparsam gesetzt waren und nicht die Aussparung des Türrahmes ausfüllten, welche nach Arnold möglicherweise damals eine Steinblockierung erhalten sollte. Dieses war auch das untere Ende des  1,60 x 1,80 m breiten vertikalen Schachtes 5117, der von der Nordseite der Mastaba absteigt. 

In den Boden der Schachtkammer war eine Grube eingelassen, in welcher der Sarkophag stand. Da während der kurzen Grabungsperiode im Jahre 1914 keine Restaurierung oder Säuberung in der Grabkammer stattgefunden hatte, befand sie sich bei der Nachgrabung durch Dieter Arnold vom Metropolitan Museum im Oktober des Jahres 1988 in demselben chaotischen Zustand, wie ihn die Grabräuber der Antike hinterlassen hatten. Die Türblockierung war in den Innenraum gefallen, die Dachblöcke des Sarkophages waren zertrümmert und ragten aus der Sarkophaggrube heraus und Teile des Kammerdaches waren zusammengebrochen. Erst nach einer gründlichen Reinigung der Sarkophagkammer konnte sich das Team Dieter Arnold einen Überblick verschaffen (3).

Die Krypta besteht aus einem oberen Raum mit einem Durchmesser von 3,10 x 3,70 m und einer Höhe von 2,88 m mit einer leicht gewölbten Decke. In der Westwand wurden zwei Paar quadratische Löcher übereinander und zwei gegenüber jeder Gruppe im Boden der Kammer. Lt. Dieter Arnold beherbergten sie die Balken des Hebegerüstes, welches zum Absenken des Sarkophags und seines Deckels benutzt wurden.

Der Boden der Kammer ist im westlichen Teil teilweise vertieft und mit drei Schichten Kalksteinplatten verkleidet. So entstand eine Sarkophaggrube / oder Kammer (?) mit einer Größe von 1,10 x 2,55 m - etwa 2,33 m unter dem Bodenniveau der Grabkammer. Die Ausgräber von 1988 fanden die Sarkophaggrube noch mit drei Dachbalken bedeckt - ursprünglich war die Sarkophag-Grube mit fünf großen Kalksteinplatten von etwa 28 x 55 x 1,93 m bedeckt (3), wobei man zwei davon im Norden und eine im Süden (auf die Seite gelegt) der Kammer fand. 

Sarkophag und Kanopen-Nische:
Im oberen Teil der Sarkophaggrube befand sich eine Kanopen-Nische und war ebenfalls mit Kalkstein verkleidet. Die Nische misst 51 x 75 cm und  war 78 cm tief und ebenfalls von den Kalksteinplatten ausgekleidet. Die Grabräuber hoben zwei der Platten der Sarkophaggrube und die eine Platte der Kanopen-Nische an und warfen die Fragmente davon oben auf den Sarkophag. Sie raubten das Innere des Sarkophages vollständig aus und zerstörten dessen Inhalt. Knoch, Tonscherben, Perlen und winzige Goldfolienstücke, welcher die Ausgräber noch im Sarg fanden, zeigen, dass eine Bestattung stattgefunden hatte (3).

Die Wände der Sarkophaggrube waren mit Pyramidentexten beschriftet. Den oberen Rand bildete ein horizontales Inschriftenband mit den Namen und den Titeln des Grabeigentümers. Darunter befanden sich 180 Spalten mit religiösen Texten, die von James Allen publiziert wurden. Der Sarkophag selber war jedoch undekoriert geblieben.

Der grauschwarze Granodiorit-Sarkophag ist vollständig erhalten und stellt einen einfachen, archaischen Typ 2 dar. Der untere Teil ist kastenförmig und besitzt eine abgeschrägte Unterkante. Die äußeren Oberkanten des unteren Teils sind unvollendet geblieben und zeigen ein 8 cm hohes und 0,5 cm dickes Band von Schutzbossen.

Der Sarkophagdeckel wurde von den Grabräubern geöffnet und dann in die Lücke zwischen Sarkophag und der Westwand der Grube geschoben, was die Ausgräber vor ein Problem stellte beim Herausziehen. Der Deckel besteht aus einer einfachen Platte mit einer abgerundeten Oberseite. Die Griff-Knöpfe sind zerschlagen worden - aber in den Trümmern der Sarkophaggrube wurde ein einseitiger Griff mit einem Durchmesser von 14,5 x 15 cm gefunden.

Hor
- Obervermögensverwalter

Hor amtierte im 1. Regierungsjahrzehnt unter der Regierung von Sesostris I. als "Obervermögensverwalter im ganzen Land (jmj-rA-pr-wr-ntA-r-Dr=f) und auch schon im letzten Regierungsjahrzehnt von Amenemhet I. Hor ist von zwei Objektgruppen bekannt und hatte in Abydos eine Kapelle, aus der verschiedene Stelen stammen. 

Hor leitete eine Expedition in das Wadi el-Hudi, wo er eine Stele errichtete, auf der er von seiner Expedition berichtete. Die Stele is unter Sesostris I. datiert - jedoch nur mit dem Königsnamen und ohne ein Datum. Auf der Stele wird berichtet, wie Hor Amethyst für seinen König abbauen ließ. Eine der Abydos-Stelen aus seiner Kapelle ist in das Jahr 9 von Sesostris I. datiert und befindet sich heute im Louvre (C 2). Auf ihr wird seine Titulatur überliefert mit den Titeln:

  1. Mitglied der Elite

  2. Vorderster an Aktion

  3. Königlicher Siegler

  4. Einziger (einzigartiger) Freund

  5. Priester des Month, Herr von Theben

  6. Vorsteher der Torwache

Der Name seiner Mutter lautete "Senet" - der Name seines Vaters ist nicht überliefert. Neben den oben genannten Titeln war Hor auch Priesteraufseher am Tempel der Amenemhet I.-Pyramide

Nacht
- Obervermögensverwalter

Nacht war wahrscheinlich der Nachfolger des Obervermögensverwalters "Hor", der im Jahre 9 von Sesostris I. noch im Amt war (im Jahre 25 ist wiederum ein gewisser Antef/Intef bezeugt, der dann der Nachfolger von Nacht gewesen sein muss). Der Obervermögensverwalter Nacht ist von verschiedenen Quellen bekannt und ist lt. Wolfraum Grajetzki (die höchsten Beamten) ca. um das Jahr 12 von Sesostris I. belegt. Der Nachfolger von Nacht war Intef, welcher evtl. der Eigentümer der großen nördlichen Mastaba von el-Lisht war und diesen Titel des Obervermögensverwalters bis zum Ende der Regierungszeit von Sesostris I. trug.

Sein mit Reliefs ausgeschmücktes Grab in der Nähe der Amenemhet I.-Pyramide wurde 1894-95 und später noch mal 1913-14 ausgegraben.

Die freigelegte Mastaba des Nacht

Bild: Arthur Mace (1874-1828) gemeinfrei

Ebenfalls mit Reliefs ausgeschmückt war die ca. 6,70 m x 11,90 m große Kapelle. Nur wenige Fragmente der Reliefdekoration blieben erhalten. Hier wurde auch eine lebensgroße Statue aus Granite von Nacht gefunden, die sich heute im Ägyptischen Museum Kairo (CG 409) befindet. Eine zweite Statue ohne Herkunftsangabe (und mit einem im 18. Jahrhundert modern ergänzten Kopf) befindet sich heute im Nationalen Archäologischen Museum Neapel.

Nacht erscheint auch auf einer Kontrollmarke (siehe Arnold, Felix, The South Cemeteries of Lisht, New York 1990, S.  110) auf einem Block, der sich verbaut in der Pyramide von Sesostris I. fand. Die Kontrollmarke ist undatiert, fand sich aber in einem Bereich der Pyramide, der mit aller Vorsicht ins 11. bis 14. Regierungsjahr von Sesostris I. datiert werden kann (evtl. damit ins 12. Regierungsjahr nach Dieter Arnold (3). Die Kontrollmarke ist zu lesen: "Dritter Monat der Überschwemmung, Tag 24. Der königliche Siegelträger, der [Chef] Verwalter, Nacht". (Quelle: Felix Arnold, The Control Notes and Team Marks, p. 110 [N 219].

Statue des Obervermögensverwalters Nacht
heute in Neapel/Museo Archiologico
Fundort unbekannt
Kopf - modern ergänzt im 18. Jahrhundert.

Die Inschriften auf dieser Statue benennen Nacht als "Sohn einer Dame mit dem Namen Sat-Hathor."

Bild:    Nakht naples.jpg
Autor: Udimo - wikipedia Sept. 2017
Lizenz: CC-BY-SA-4.0

Die Mastaba:
Die Mastaba 493 des Obervermögensverwalters und Siegelbewahrers Nacht befindet sich südlich der des Antefoqers (in der Nähe der Amenemhet I.-Pyramide (dem 1. König unter dem er diente) und war schon in der 13. Dynastie durch die Überbauung mit Häusern größtenteils zerstört. 

Die Anlage war wohl den thebanischen Terrassentempeln nachempfunden. Sie wurde von einer unteren Umfassungsmauer und einer höher gelegenen inneren Mauer umgeben, die beide aus Lehmziegeln bestand. Die Umfassungsmauer wurde später an der Nord- und Südseite vergrößert.

Grundriss der Mastaba 493 des Nacht
 im Pyramidenkomplex Amenemhet I. in el-Lisht

Plan nach Arthur C. Mace (1874-1928) gemeinfrei
- bearbeitet von Nefershapiland

Die äußere Umfassungsmauer bildete einen Vorhof, der wohl original 12 m breit war und im Verlauf der folgenden Jahre auf 22,50 m erweitert wurde. Die innere Umfassung aus einer dicken Backsteinmauer war an den Seiten 1,90 m dick und evtl. zwischen 2 - 3,5 m hoch. An der Ostseite der Mauer, die vermutlich 2,50 m dick war befand sich möglicherweise ein Pylon von wenigstens 5 m Höhe. 

Im Innenhof der zweiten Ziegelumfassungsmauer befand sich an seinem äußersten westlichen Ende eine Kapelle oder Ähnliches aus Stein. Das Kultgebäude, bildete den Oberbau des Grabes und war von Ost nach West ausgerichtet. Der Eingang des 11,90 x 6,70 m großen Gebäudes war ein Portikus, dem zwei Säulen vorgelagert waren. Das Innere der Kapelle konnte nicht mehr vollständig rekonstruiert werden - nur ein 3 x 5,80 m großer Raum und eine schmale Kammer (oder ein offener Korridor ?) konnte von den Ausgräbern festgestellt werden. An der Rückwand der Kapelle entdeckte Gautier die vollständig erhaltene, lebensgroße Sitzstatue des Grabeigentümers, die sich heute im Museum Kairo befindet (JdE 31880). Sein Name und seine Titeln sind auf der Vorderseite des Sitzes und oben auf der Basis aufgeführt. Der Ausführungsstil der Statue erinnert an die Regierungszeit von Amenemhet I. 

Lebensgroße Statue des Obervermögensverwalters Nacht

aus seinem Grab in el-Lisht
heute im Museum Kairo: CG 409/JdE 31880).
Granit - H. 1,45 m

Nacht diente als Obervermögensverwalter unter Sesostris I. und starb in etwas dem 20. oder 25-. Regierungsjahr des Königs. Der Stil der Statue mit einem hohen, gerundeten Rückenpfeiler weist jedoch auf einen Ursprung aus der Zeit von Amenemhet I. in Lisht-Nord hin - so dass anzunehmen ist, dass Nacht auch schon in den letzten Regierungsjahren von Amenemhet I. im Amt war. 

Diese Statue wurde daher wohl erschaffen, als Nacht noch unter dem Vorgänger von Sesostris I., Amenemhet I. diente. 

 

Bild: 
Ludwig Borchardt: Statuen und Statuetten von Königen und Privatleuten im Museum Kairo

Das unterirdische Kammersystem der Mastaba ist recht komplex. Ein Begräbnisschacht, der nordöstlich der Kapelle liegt und einen Durchmesser von 1,05 x 1,05 m hat, führt 14 m in die Tiefe. Dort mündet er in eine Kammer, welche von Arbeitern genutzt wurde. Bei den Ausgrabungen wurden drei Verschlusssteine gefunden. Von dort aus führt ein 6 m langer Gang nach Südwesten unter das Zentrum der Kapelle und mündet in eine Kammer, welche Ausbuchtungen mit nicht in Position gebrachten Verschlusssteinen aufweist. Über der Kammer befindet sich ein senkrechter Konstruktionsschacht, dessen oberes Ende durch den Bau der Kapelle verschlossen wurde.

Ein absteigender Gang führt von der Kammer aus in südwestlicher Richtung zur Grabkammer des Nacht, die aber wegen des Grundwassers bislang nicht untersucht werden konnte. 

Gang zur überfluteten Grabkammer 
des
Nacht

 

 

 

Bild: Arthur Mace (1874-1828) gemeinfrei

Eine 1m hohe und 2,40 m lange Nische, deren Funktion unbekannt ist, befindet sich am unteren Ende des Konstruktionsschachtes (an der Südostseite). Ein 12,30 m langer, absteigender Gang führt von der Nordwestseite des Korridors aus in eine 1,90 x 2,50 m messende Felskammer. Nachträglich wurden am unteren Ende des Begräbnisschachtes östlich und westlich davon fünf Sarg-Nischen angebracht. An der Nordseite wurde zudem ein 6,50 m langer Gang hinzugefügt.

In den beiden Höfen der Mastaba wurden 15 sekundäre Grabschächte gefunden - neun im inneren und sechs im äußeren Hof (Quelle: Wikipedia/Amenemhet I.-Pyramide und Dieter Arnold, Middle Kingdom Tomb Architecture at Lisht, New York 2008, S. 72-77)

Zwei weitere, schwer beschädigte Köpfe wurden nahe der nordwestlichen Ecke der Mastaba gefunden. Der kleinere, 15 cm hohe, Kopf aus rotem Granit wurde wahrscheinlich vor Ort gelassen, während der größere Kopf aus Kalkstein sich heute im Metropolitan Museum in New York befindet (MMA 15.3.165) (3). Beide Köpfe zeigen einen Mann mit kurzen Haaren. Die künstlerische Ausführung, besonders die großen, offenen Augen des größeren Kopfes sind unüblich und scheinen Ausländer zu zeigen, was vermuten lässt, dass diese zu keinen privaten Statuen aus der Mastaba 493 darstellen, sondern Skulpturen aus dem königlichen Pyramidentempel (3). 

Eine Kalkstein-Statuette (heute im Metropolitan-Museum 15.3.574), die man inmitten eines zusätzlichen Grabschachtes (Nr. 449) fand, wurde auf die 12. Dynastie datiert und könnte evtl. zu der originalen Grabausstattung des Nacht gehört haben.

 

 

 

wird fortgesetzt:


Quellen und Literatur:
1. Wikipedia - Sesostris /Wesir
2. Wolfram Grajetzki in: die höchsten Beamten der Ägyptischen Zentralverwaltung zur Zeit des Mittleren Reiches / Achet-Verlag 2003
3. Dieter Arnold: Middle Kingdom Tomb, Architecture at Lisht, The Metropolitan Museum of Art, el Lisht, 2008 online-Version)
4. Wikipedia - Imhotep / Feldervorsteher