Grab in Deir el Bahari


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Bauten Mentuhotep II. 

(Quellen und Literatur-Angaben am Ende dieser Seite - nummerierte Verweise im Text)
PM = Porter & Moss, Topographical Bibliographie of Ancient Hieroglyphic Text, Reliefs and Painting 1927-1952)

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Mentuhotep II. Nebhepetre war ein König der 11. Dynasty und folgte seinem Vater Antef III. (Nxt-nb-tp-nfr)auf dem Thron der beiden Länder. Seine Abstammung wird durch die Stele des "Henenu" (Kairo JdE 36346), einem Beamten, der schon unter Intef II., Intef III. und seinem Sohn Mentuhotep II. diente, belegt, die ihn als Horus "s-anch-[ib-tAwy] (der das Herz der beiden Länder leben lässt) identifizieren (sein erster Horusname). 

Er bestieg den Thron Ägyptens während der I. Zwischenzeit und regierte zunächst von der oberägyptischen Stadt Theben aus. Ägypten war zu dieser Zeit nicht vereinigt und das unterägyptische Reich der 10. Dynastie wurde von den Herrschern von Herakleopolis aus regiert. Im 14. Jahr seiner Regierung in Oberägypten schickte er seine Armeen nach Norden, um Unterägypten zu erobern, nachdem es im Norden im Gebiet der herakleopolischen Könige zu einem Aufstand kam, der höchstwahrscheinlich im Zusammenhang mit dem andauernden Konflikt zwischen Mentuhotep II. mit Sitz in Theben und der rivalisierenden 10. Dynastie in Herakleopolis in Unterägypten kam und diese in Oberägypten einzumarschieren drohten. Mentuhotep setzte die Eroberungen seines Vaters Intef III. fort und konnte Ober- und Unterägypten, wahrscheinlich kurz vor seinem 39. Regierungsjahr vereinigen. Von der Nachwelt wurde Mentuhotep II. zusammen mit Menes und Ahmose als Reichseiniger verehrt.

Er entstammte der in Theben regierenden 11. Dynasty und gilt innerhalb dieser als der  6. Herrscher. Seine Mutter war die Königin "Yah" (Iah–JaH.w) und sein Vater war der 3. Herrscher der 11. Dynasty Intef III., (nxt-nb-tp-nfr = Nacht-neb-Tepnefer), der lt.Turiner Königspapyrus nur acht Regierungsjahre hatte und in der Karnak-Liste von Thutmosis III. sowie auf den Reliefblöcken von el-Tod als König dargestellt wird. Das Intef III. und die Königin Iah, die Eltern von Mentuhotep II. war, geht wohl aus einem Felsrelief im Shatt er-Rigal im Gebel el-Silsileh (bekannt als Silsileh-Petroglype) hervor, wobei die Auslegung dieses Felsreliefs aber unter den Gelehrten nicht ganz sicher ist, da es andere progagandistische Zwecke gehabt haben könnte.

Fels-Relief aus Shatt er-Rigal im Gebel el-Silsileh (bekannt als Silsileh-Petroglype)
- in der Mitte Mentuhotep II., rechts Intef III und der Schatzmeister Chety und auf der linken Seite die Königin Iah.

Bild:    WadiShattRigalMentuhotepII.    
Autor: Roland Unger - 2011
Lizenz: CC-BY-SA-4.0

Der Geburtsname Mentuhotep (Mntw-Htp(w) bedeutet: „Month ist zufrieden“. Zwar hatte Mentuhotep mehrere Ehefrauen, aber es ist ihm mit Sicherheit wohl nur ein Kind zuzuordnen. Dieses ist sein Sohn und Nachfolger "Mentuhotep Seanchkare", dessen Mutter die Hauptgemahlin "Tem" war. Eine weitere Hauptgemahlin war "Neferu", die eine Schwestergemahlin von Mentuhotep Nebhepetres war. Beide Hauptgemahlinnen besaßen eine größere Grabanlage im Totentempel ihres Königs. Tem wird auch außerhalb ihres Grabes erwähnt. Weitere Nebenfrauen waren "Kawit", "Henhenet", "Kemsit", "Sadeh" und "Aschait". Bei den 5 Nebenfrauen beschränkt sich ihre Nennung nur auf ihre Titel (Königsgemahlin, von ihm geliebt; einziger Königsschmuck und Priesterin der Hathor). Alle diese Frauen starben jung und wurden in seinem Totentempel in Deir el Bahari beigesetzt.

Namen Mentuhotep I. und Name seines Totentempels

Eigenname Sohn des Re: Mentuhotep (Month ist zufrieden) MnTw-Htp
Thronname Nebhepetre-Re (Herr des Ruders des Re) Nb-Hapt-Ra
Horusname 1) Se-anch-ib-taui (der das Herz der beiden Länder leben lässt)
2) Neterj-hedet (göttlich in Bezug auf die Krone Oberägyptens)
3) Semataui (der die beiden Länder vereint)
Sanx-jb-tA.wj)
NTrj-HDt
S
mA-tA.wj
Goldhorusname Bik-nebu-ka-suti (Goldfalke mit hoher Doppelfeder) bjk-nbw qAj-Swtj
Nebti-Name Neterj-hedet (göttlich in Bezug auf die Krone Oberägyptens NTrj-HDt
     
Name des Tempels Ach-sut-neb-hepet-Re (Verklärt sind die Stätten des Nebhepet-Re) Ax-swt-nb-Hpt-Ra

Große Aufmerksamkeit verdient der Umstand, dass Mentuhotep nacheinander mindestens drei Horusnamen trug (Barta erweiterte die Liste noch um einen weiteren Horusnamen:  "D3j–H3s.wt").

Diesen Namen trägt Mentuhotep in einer Darstellung der Kapelle, die er in Dendara errichten ließ. Vermutlich handelt es sich hierbei jedoch nicht um einen zusätzlichen Horusnamen, sondern um ein speziell für die Abbildung, die den siegreichen König zeigt, gewähltes Epitheton Mentuhoteps, das auch sonst als feststehendes Beiwort Verwendung findet.

An anderer Stelle der Kapelle wird sein zweiter Horusname Ntr.j –Hd.t genannt. Der Wechsel der königlichen Namen bei Mentuhotep stellt ein zwar nicht einmaliges, aber doch seltenes Vorgehen dar. Vor seiner Zeit ist eine Namensänderung nur bei Pepi I. dokumentiert, nach ihm bei Amenemhet I. und dann erst wieder bei den Herrschern der frühen 18. Dynastie. 

Mentuhotep machte mit der Annahme des Goldhorusnamen bjk-nbw qAj-Swtj seine Titulatur komplett, die in der Regel aus 5 Namen besteht. Wahrscheinlich erfolgte dieser Namenswechsel nach der Wiedervereinigung Ägyptens. 

Zusammenfassung:
Es bleibt zu konstatieren, dass die drei Horusnamen Mentuhoteps II. politische Programme mit bestimmten, voneinander abweichenden Inhalten und Schwerpunkten wiederspiegeln.

Mit seinem ersten Namen formulierte Mentuhotep einen allgemeinen Anspruch auf die Herrschaft über ganz Ägypten, der zweite dokumentiert eine auf Oberägypten und dessen behauptete Vorrangsstellung ausgerichtet Politik, Zm3- t3.wj, schließlich beinhaltet ein gesamtägyptisches Konzept.

Die wechselnden Titulaturen, markieren somit Einschnitte in der Regierung Mentuhoteps II., die auf politische Richtungsänderungen zurückgingen. Eine mögliche zeitliche Parallelität eines Namenswechsels mit der Reichseinigung, ist nicht grundsätzlich auszuschließen. 

Innenpolitik:

Zahlreiche Könige, deren Namen nicht mehr alle bekannt sind und über deren Herrschaftsdauer nur wenige Informationen vorliegen, herrschten bis zum Ende der 8. Dynastie über das Land am Nil - es ist anzunehmen, dass einige davon gleichzeitig regierten. Mit dem zunehmenden Verfall der Zentralregierung stieg die Macht der Provinzgouverneure, während an den Grenzen Ägyptens marodierende Banden einfallen. Das führte dazu, dass das Land von verschiedenen lokalen Herrschaftsfamilien regiert wurde. Der spätere Reichseiniger Mentuhotep II. und die Gaufürsten sowie die Kleinkönige der frühen 11. Dynastie vor der Zweiten Reichseinigung gehörten einem selbstbewussten und willensstarken, oberägyptischen Fürstengeschlecht an, das nun in Theben residierte - ursprünglich aber wohl aus Hermonthis (ägypt.: Iuni, das heutige Amant) stammte (3).

Die Geschichtsbücher berichten aus der frühen 11. Dynastie, dass das Land in Chaos verfällt und sich anschließend  zwei Herrschaftsfamilien - die eine am Anfang der 11. Dynastie in Theben und die andere in der 9. - 10. Dynastie in Herakleopolis - herausbildeten, welche das Land verwalteten. 

Auf der Stele aus dem Britischen Museum (BM Nr. 1203 - Zeile 15f) eines "Jnj–jtj.f" (das ist wohl mit Intef oder Antef zu übersetzen), Sohn von Ka, der sich selbst als Jäger für die Könige W3H-anxJnjjtj.f und Nxt–nb–tp–nfr–Jnj–jtj.f sowie für Mntw–Htp–Nb–Hpt–R a (Mentuhotep-Neb-hetep-Re) bezeichnet, wird erwähnt, dass er seine Stele im 14. Jahr aufrichtete (dies ist das erste konkret datierbare Ereignis aus der Herrschaft Mentuhoteps II.). In dem Text steht:  "Jahr 14, Aufrichten dieser Stele, Jahr in dem Thinis rebellierte". 

Kalkstein-Stele des Intef/Antef - Brit. Museum EA1203
- Höhe 72 cm, Länge 102 cm, Durchmesser 8 cm - 

Hinter Intef stehen drei weibliche Figuren, die alle als seine Frauen bezeichnet werden: Mery, Itu und Iru. Die Stele kam 1897 als Ankauf über Reverend C. Murch ins Britische Museum. Intef war Jäger für verschiedene Herrn. Zuerst für Antef II., dann für Antef III. und schließlich für Mentuhotep II. - dessen erster Horusname Sanx-jb-tAwj hier belegt ist. Die Stele nennt das "Jahr 14. Aufrichten dieser Stele, im Jahr, in dem Thinis rebellierte - Quelle: (2). Diese Stele ist der einzige datierte Beleg des Horusnamens Se-anch-ib-taui für Mentuhotep II. Der Wechsel des Horusnamens Mentuhoteps zu Neteri-hedet erfolgte im oder nach dem 14. Jahr.
Die Inschriften auf dieser Stele sind eine Mixtur von Formeln, wichtigen historischen Informationen und Phrasen. Eine sehr ungewöhnliche Verwendung ist das Wort "Jäger", wie z. B. in "Ich war ein Jäger für meinen Herrn" (insgesamt 4 x).
- Photo: Courtesy to the British Museum / © The Trustees of the British Museum

Ebenso in diese Zeit gehören könnte die Angabe auf der Stele eines "!r.wnxt.i  (Hor-nachti) - heute in
Kairo JdE 46048 – unveröffentlicht –Zeile 3:

„Ich gab Spelt (Getreidesorte) für ganz Dendera insgesamt, 56 Jahre lang, 400 sack Getreide pro Jahr zu ......  als Feindschaft mit dem 8. oberägyptischen Gau war". 


Dieses Ereignis könnte auch noch auf einer weiteren Stele  erwähnt sein, nämlich der des Vermögensverwalters Henenu (eines Beamten aus Theben - Grab in Theben-West 313), der uns auch aus dem Graffiti Hammamat M 114 als Henu bekannt ist. Seine Titel lauteten (lt. seiner Stele heute im Metropolitan Museum of Art / MMA 510)

  1. Graf
  2. Königlicher Siegler,
  3. Einziger Freund
  4. Höfling
  5. Verwalter von Horn, Huf, Federn und Schuppen
  6. Verwalter der Wasservögel und Verwalter des Großen Hauses.

Auf dieser Stele geht hervor, dass er in den Gauen Thinis und Aphroditopolis für seinen König Mentuhotep II. Neb-hepet-Re, der hier ausdrücklich genannt wird, Steuern eingetrieben hat, dass er verstopfte Kanäle gereinigt hat und eine große militärische Expedition organisiert hatte. Er hatte eine Reise nach Syrien, bzw. dem Libanon unternommen, um Holz (Zedernstämme) für den König zu holen (Quelle: G. Callender: The Middle Kingdom Renaissance, Oxford 2000, S. 156, S. 152). 

„Ich habe den Süden, Norden, Osten und Westen unterworfen. 
[Ich war] ....[ein Geliebter seiner Stadt, der sie [m]it meinem Brot [zufriedens]tellte].  Er (der König) mach]te mi[ch] zu [seinem Aufwär]ter und zum Diener seiner Wahl.

Ich habe mich für ihn (den König) inThinis im Thinitischen Gau und den [un]teren [Aphodi]topolischen Gau (10 oberägyptischer Gau) ........  dienstbar gemacht ....... [als (?)....Siegler der [Produkt]e (??) [der O]sen. Ich habe die Gaue [Oberägyptens mit Rindern, Ziegen und (?)  .....  ] versorgt

Auf Bruchstücken aus al–Gabalain (Gebelen), dem altägyptischen "Inrtj", einem Grenzort gegen die Feinde aus dem Süden, (Grenze des 3. zum 4. oberägyptischen Gau) spricht der König Mentuhotep-Neb-hepet-Re von der Unterwerfung der Oberhäupter der beiden Länder (pjwt3wj) – (vermutlich eine Bezeichnung von ägyptischen Oberhäuptern, die zur Regierungszeit des Königs lebten und seine Herrschaft noch nicht anerkannt hatten) - von der Neugründung Oberägyptens und des Deltas, der Fremdländer, der Beiden Ufer der Neun Bogen und der Städte (?). Auf den Triumphalreliefs hier in Gebelein ist die Unterwerfung der Nubier ein rein programmatisches Machtsymbol. Lt. Breasted (Breasted, Ancient Records I § 423h) waren die Inschriftenblöcke in der ptolemäischen Tempelmauer verbaut gefunden und befinden sich heute im Museum von Kairo (siehe unter Bauten Mentuhotep II.)

Mentuhotep II. erbte bei seiner Thronbesteigung ein großes Reich, das  seine Vorgänger vom 1. Katarakt im Süden bis nach Abydos und Tjebu im Norden schon erobert hatten. Die ersten 14 Regierungsjahre scheinen zumindest in der thebanischen Region friedlich verlaufen zu sein, da es keine Belege von Konflikten gibt, welche in diese Zeit fest datierbar sind. Wenn man von einer 51jährigen Regierungszeit ausgeht und der Mangel an Zeugnissen aus der frühen Periode seiner Regentschaft, ist zu vermuten, dass er relativ jung war als er den Thron bestieg.

Allen Anschein nach kam es dann im 14. Jahr seiner Regierung im Norden zu einem Aufstand, der wahrscheinlich mit dem anhaltendem Konflikt zwischen Mentuhotep II. in Theben und der rivalisierenden 10. Dynastie in Herakleopolis zusammenhing, welche damit drohten, in Oberägypten einzudringen. In diesem Jahr 14, welches als "Jahr des Verbrechens von Thinis" bezeichnet wird, scheinen die herakleopolischen Könige die Thinitenregion erobert und die offenbar heilige alte königliche Nekropole in Abydos entweiht zu haben. Daraufhin sandte Mentuhotep II. Truppen nach Norden. Lt. Callender (in Ian Shaw, Oxford History of Ancient Egyt, S. 140) enthielt das berühmte "Grab der Krieger" in Deir el-Bahari (entdeckt 1920) die mit Leinen umwickelten, nicht mumifizierten Leichen von 60 Soldaten, die alle im Kampf mit den Feinden aus dem Norden getötet wurden. Ihr Leichentuch trug die Kartuschen von Mentuhotep II. (siehe englische Wikipedia: Mentuhotep II.) Der sog. "abydenische Aufstand" (nach Gundlach ca. 2050 v. Chr.) - während dessen Verlauf der Königsfriedhof von Abydos verwüstet wurde, und der in der "Lehre für König Merikare" geschildert wird -  fand unter der Herrschaft von dessen Vaters Cheti statt. Der dadurch wieder ausbrechende Konflikt zwischen Nord und Süd endete dann ca. 2037 mit der Unterwerfung der Herakleopolitaner. Nun waren Unterägypten und Oberägypten wieder ein einziges, vereintes Reich und damit war die 1. Zwischenzeit beendet. 

Direkte Erwähnung fand die Reichseinigung zwar in keinem der bekannten Texte aus der Regierungszeit Mentuhoteps II., doch werden heute die auf einigen Dokumenten beschriebenen militärischen Auseinandersetzung mit diesem Ereignis in Verbindung gebracht bzw. auf die Geschehnisse unmittelbar vor der Wiedervereinigung bezogen.

Mentuhotep II. gilt als Begründer des Mittleren Reiches und war der erste König, der das komplette Königstitulatur mit allen fünf Namen führte. Seinen Horusnamen änderte er zweimal, der letzte "Semataui" bedeutet: "Vereiniger der beiden Länder".

Während seiner Regierung entstand in Kunst und Kultur ein eigener Stil, der später mit memphitischen Elementen erweitert wurde. Hauptgötter des  thebanischen Gaus waren der Gott Month und die Göttin Hathor. Aber auch der Gott Amun gewann an Bedeutung; dieser ist  im Totentempel von Mentuhotep erstmals erstmals belegt.

Sein Hauptanliegen innenpolitisch war der Neuaufbau des Staatsgefüges, wobei er die Macht der bislang teilweise recht unabhängig regierenden Gaufürsten wieder der Zentralgewalt unterstellte. Um die Dezentralisierung der Macht umzukehren - welche zum Zusammenbruch des Alten Reiches beitrug und die I. Zwischenzeit markierte, zentralisierte er den Staat in seiner Hauptstadt Theben, um den Nomarchen einiges von ihrer Macht über ihre Regionen zu entziehen. Er besetzte aber ihre Funktionen nicht generell neu, sondern beließ die bislang amtierenden Gaufürsten und ihre Verwaltung auf ihrem Posten - rang ihnen aber Zugeständnisse bei der Autonomie ab. Das Amt der Nomarchen war während der 6. Dynastie erblich geworden und der darauf folgende Zusammenbruch der Zentralmacht sicherte ihnen eine fast völlige Freiheit über ihr Gebiet zu. Mentuhotep II. leitete nach der Wiedervereinigung von Ober- und Unterägypten eine starke Politik der Zentralisierung ein. Dabei konnte er sich auf eine starke mobile Truppe von königlichen Beamten stützen, wobei der neue Titel eines Gouverneurs von Ober- und Unterägypten geschaffen wurde und damit Macht über die lokalen Nomachen bekamen.

Der König organisierte das Land neu und setzte einen Wesir an die Spitze der Verwaltung. Die Wesire seiner Regierungszeit waren "Bebi" und "Dagi". Sein Schatzmeister war "Chety", der auch an der Organisation des königlichen Sed-Festes beteiligt war. Einer seiner Generäle war "Intef" und außerdem sind noch als wichtige Beamte der Schatzmeister "Meketre" und der Aufseher der Robbenjäger "Meru" zu nennen.

Er schuf auch neue Regierungsposten, deren oberste Beamte Vertraute aus Theben waren, die ihm loyal gesinnt waren, was dem König mehr Macht und Kontrolle über sein Land gab. Beamte aus seiner Hauptstadt reisten regelmäßig in die Provinzen, um die regionalen Gaufürsten zu kontrollieren (siehe Gae Callender: The Middle Kingdom Renaissance, In Ian Shaw: The Oxford History of Ancient Egypt, Oxford University 2000)

Im Norden wird ein "Vorsteher von Unterägypten" eingesetzt, der die Anweisungen des Königs im nördlichen Teil des Reiches durchführt. Zur Verbesserung der Versorgungs- und Finanzlage im Lande ernannte er einen Kanzler, der ausschließlich mit diesen Aufgaben betraut wurde. Mentuhotep II. setzte aber auch fähige Beamte aus dem ehemals feindlichen Lager in Ämter ein, wie z. B. den Vorsteher der Bildhauer Antef-nachet, der wohl ein hervorragender Künstler war. Dieser hatte in seinen Inschriften erklärt, dass er früher für einen herakleopolitanischen Herrscher der sog. 10. Dynastie gearbeitet hatte (3). 

Während seiner langen Regierungszeit (51 Jahre) errichtete er ein intaktes Staatswesen in Ägypten. Außerdem startete er ein umfangreiches Programm zur Selbstvergöttlichung, welches die göttliche Natur des Herrschers betonte (Quelle: Callender, in: Ian Shaw,Oxford History of Ancient Egypt, Seite 140-41), was aus den Inschriften seiner Tempel hervorgeht, die er erbauen lassen hat und in denen er mit der Kopfbedeckung der Götter Min und Amun zu sehen ist. Aber der beste Beweis für diese Politik der Selbstvergöttlichung sind seine drei Titel wie der zweite Horusname: "Der göttliche der weißen Krone" und am Ende seiner Regierungszeit sein zweites Nomen: "Der Sohn von Hathor, die Dame von Dendera, Mentuhotep". Dieser Verweis auf Hathor anstatt auf Re ist ähnlich der Titulatur von Pepi I. (was als Beleg dafür angesehen wird, dass Mentuhotep den Traditionen des Alten Reiches große Aufmerksamkeit schenke) (Quelle: englische Wikipedia / Mentuhotep II.).

So hinterließ Mentuhotep II. nach seinem Tod im Jahre 2010 v. Chr. - nach einer rund 50jährigen Regentschaft - seinem Sohn und Nachfolger Mentuhotep III.-Seanch-Ka-Re (2010-1998 v. Chr.) ein reorganisiertes, gut funktionierendes Staatssystem.Von späteren Generationen wurde er aufgrund der von ihm vollzogenen Reichseinigung wie der legendäre König Menes verehrt.

Auf die Wiedervereinigung (2. Reichseinigung) folgte die Ausweitung des Handels und des Baugewerbes. Mentuhotep baute Tempel an zahlreichen oberägyptischen Stätten - leider ist von ihnen nur wenig erhalten geblieben. Er baute in Theben einen prächtigen Tempel und sein Grabkomplex in Theben-West. Neben zahlreichen Hofangehörigen und Beamten wurden in der Nähe seines Totentempels auch seine Schwestergemahlin, die Königin Neferu und seine andere Hauptgemahlin Tem bestattet. An der westlichen Rückwand der Kolonnade seines Terrassentempels fand man außerdem sechs Statuenschreine und die Sarkophage von sechs Königsgemahlinnen und Prinzessinnen des Mentuhoteps, die als Ehefrauen des Königs mit funktionaler Rolle gelten. Sie trugen lt. den Inschriften den Titel einer Hathorprinzessin (Quelle: Höber-Kamel, KEMET 1/2010, die 11. Dynastie und die Zweite Reichseinigung)

Außenpolitik:

Über die Außenpolitik von Mentuhotep II. ist nur sehr wenig überliefert. Unter Mentuhotep II. wurde das Herrschaftsgebiet weiter ausgedehnt. Wir wissen, dass er zur Sicherung der südlichen Staatsgrenzen eine sehr aktive Nubienpolitik mit einigen Feldzügen durchführte (2). Mentuhotep II. startete eine militärische Kampagne, die unter dem Kommando seines Wesirs Chety stand, in den Süden nach Nubien, welches in der 29. und 31. Regierungszeit der I. Zwischenzeit seine Unabhängigkeit erlangt hatte. Dieses ist auch der erste nachgewiesene Beleg für den Begriff "Kusch" für Nubien in den ägyptischen Aufzeichnungen. Mentuhotep sicherte mit einer Garnison auf der Inselfestung Elephantine die südliche Grenze ab, damit die Truppen schnell weiter nach Süden entsandt werden konnten (Quelle: Gae Callender, in Ian Shaw: Oxford History of Ancient Egyt, Seite 140). Eine Felsinschrift Mentuhoteps fand man sogar ganz im Westen (nahe der heutigen Grenze zu Libyen) in Uwainat. (1). Außerdem versuchte er die Ostwüste im Sinai mit Feldzügen gegen die dortigen Beduinen zu befriedigen. Im Nordosten sicherte er mit verschiedenen Militärstandorten die Grenzen nach Syrien und Palästina ab. 

Expeditionen:

Mentuhotep II. nimmt im Osten von Ägypten seine Aktivitäten in den an das Niltal angrenzenden Wüsten wieder auf. Nach dem Wadi Hammamat schickt Mentuhotep II. bereits im Jahr 2. seiner Regierung eine Expedition. Ein Beamter aus Theben (Grab in Theben West Nr. 313) mit Namen Henenu hinterließ im Wadi Hammamat ein Felsgraffiti (Hammamat M114). Eine weitere Felszeichnung im Wadi Hammamat (M112) zeigt den König opfernd vor Min. Mentuhotep hält zwei Gefäße mit Wein oder Milch in seinen Händen. Der König wird hier als "geliebt von Min" bezeichnet.

Felszeichnung aus dem Wadi Hammamat M112
Zeichnung Lepsius (LD II 150d)
- public domain - 

Der König (Mentuhotep II.) steht vor dem Gott Min und opfert ihm zwei Krüge mit Milch oder Wasser. Die Inschrift bezeichnet den König als: "...geliebt von ihm".

Wir besitzen zwar keine zeitgenössischen Inschriften des Königs im Sinai, doch die Tatsache, dass Sesostris I., Mentuhotep im Tempel von Serabit–el–Chadim eine Statue geweiht hat, legt nahe, dass er der Herrscher war, der die Straße zu den Türkisminen wiedereröffnet hatte, was im übrigen durch die Inschrift eines Beamten des Mentuhotep namens Htj (Chety)der das Amt eines Siegelbewahrer des Gottes innehatte, bestätigt wird, der behauptet „die Schatzkammer in diesem Tempel des Horus der Türkisterrassen genannten Gebirge versiegelt zu haben“, was sich nur auf den Sinai bezeihen kann. Die Tatsache der Wiederinbetriebnahme der Minen des Sinai setzt die Kontrolle über die Nomadenstämme des Gebietes voraus; gewisse Anzeichen lassen sogar vermuten, dass die ägyptischen Truppen noch tiefer in asiatisches Gebiet vordrangen, ohne allerdings so weit zu kommen wie unter der 6. Dynastie.

Auf dem Weg von Assuan nach Schellal - auf der Ostseite des Flusses - hat Petrie (Petrie, Flinders: A season in Egypt, London 18988, pl. VIII.) zwei Graffiti mit Kartuschen Mentuhotep II. gefunden und abgezeichnet. Eine davon nennt das Jahr 41 des Semataui Nebhpetre, und berichtet. "Es kam der Königliche Siegler, Einziger Freund und Oberster Schatzverwalter Chety, den Sat-Re geboren hat, mit Schiffen von Wawat" (2). Die rechte Inschrift nennt lt. Porter und Moss V, p. 248 einen Beamten des Königs mit dem Namen "Meri-re" welcher den Titel eines "Königsbekannten" trägt. Diese Inschriften sind aber heute wohl nicht mehr vorhanden (bzw. sichtbar) (2). 

Familie:

 

Familien- und Regierungs-Daten Mentuhotep II. 

Regierungszeit:

1) c. 2061-2010 v. Chr.
2)     2008-1957 v. Chr.
3)     2066-2014 v. Chr.
Jahreszahlen nach Wolfgang Helck
- nach Schneider/Lexikon der Pharaonen -
- nach Royal families/Dodson & Hilton 2004 -
Vorgänger: Intef/Antef III.  
Mutter: Iah/Jah

Vater: Intef/Antef III.  
Ehefrauen:
Tem und Neferu (beide als Hauptgemahlinnen)
Kawit, Henhenet, Kemsit, Sadeh und Aschait


Kinder: König Mentuhotep III., evt. Mwyt (seine Tochter ?)  

Von Mentuhotep II. sind insgesamt sieben Frauen bekannt, welche den Titel einer königlichen Gemahlin trugen. Sie sind alle im Bereich seines Totentempels in Deir el Bahari bestattet. Aufgrund der Analyse ihrer Grabanlagen und der darin enthaltenen Titulaturen war es den Ägyptologen möglich, eine relative zeitliche und rangliche Unterscheidung dieser "Gemahlinnen" zu machen. An der Westwand des Ambulatoriums des Totentempels befinden sich fünf Grabschächte mit ihren Statuenschreinen, in denen fünf der Frauen von Mentuhotep in einer frühen Bauphase vor der Errichtung des heute sichtbaren Terrassentempels bestattet wurden. Alle Schreine sind in erhabenem Relief dekoriert. Silke Roth (Königsmütter) vermutet, dass die Schreine "...vormals in die Pfeilerfront eines Grabes der Saff-Form integriert waren, wie es sich noch Intef III. (der Vater von Mentuhotep II.) im Tarif hatte errichten lassen. Später als man die Schreine in das Ambulatorium integriert hatte, müssen zumindest die Gräber der Königsfrauen:; Sadeh, Kawit, Kemsit und Henhenet bereits verlegt und verschlossen gewesen sein, da ihre Grabschächte und Kapellen mit Setzung der Säulen teilweise oder gänzlich unzugänglich gemacht hatte (siehe Arnold AV 8, 1974, 64)". Das bedeutet, dass diese Frauen schon recht früh während der Regierungszeit von Mentuhotep II. verstorben sind.

Die Unterschiede dieser Frauen zu den beiden Hauptgemahlinnen "Tem" und "Neferu" werden auch in der Titulatur dieser Frauen deutlich. Neferu trägt den Titel einer "Königsfrau. seine Geliebte" dazu als seine Schwestergemahlin den Titel: "Älteste Tochter von seinem Leib" (Inschrift auf ihrem Sarkophag). Die zweite Hauptgemahlin Tem trug ebenfalls den Titel "Königsfrau" mit dem Zusatz "seine Geliebte" und auch später seltenen Variante: "Gemahlin des Königs von Ober- und Unterägypten" und den schon im Alten Reich gebräuchlichen Königsgemahlinnen-Titel: "die groß an Gunst und die groß ist an Heteszepter" als auch den Titel: "Königsmutter" sowie: "Mutter des Königs von Ober- und Unterägypten". (4). 

Einige Ägyptologen vermuten daher, dass es sich bei den fünf anderen Königinnen - im Gegensatz zu den beiden Hauptfrauen Tem und Neferu - um "kultische Gemahlinnen" oder Nebenfrauen handelte, da diese "nur" als "Hathorpriesterinnen" und "(einzige) Geschmückte des Königs" bestattet wurden und der Titel "Hmt (nsw.t)" (Frau des Königs) daher lediglich dem potentiellen Status des Königs und als "Medien seiner jenseitigen Regeneration" diente (Quelle: S. Roth, Königsmütter, S. 196).

Die sechs Gräber an der Westwand des Ambulatoriums des Mentuhotep II-Tempels gehören der frühesten Bauphase des Tempels an und sollten möglicherweise in die Pfeilerfront eines "Saff-Grabes" integriert werden. Das sie nicht wie das Grab der Königsmutter Tem gleichzeitig mit dem Tempelbau selber konzipiert waren, zeigen die Stellung der Säulen des Ambulatoriums und die aus der Mittelachse des Tempels verschobenen Grabanlagen MMA 7, 17 und 18. Die Säulen blockieren oder erschweren den Eingang zu den Totenkultkapellen von Aschait (MMA 17), Henhenet (MMA 11) und Kawit (MMA 9).  Durch eine nischenartige Aussparung konnte ein kleiner Zugang zur Tür der Totenkultkapelle von Mijt (evtl. eine Tochter des Königs (?) (MMA 18) geschaffen werden.

Die Gräber sind mit ihren Totenkultkapellen, Schächten und Sarkophagkammern nach derselben architektonischen Form gebaut. Die oberirdischen ca. 3 X 3 m große kubischen Kapellen, deren Wände dekoriert waren, enthielten mit Sicherheit eine Statue der Grabinhaberin und dienten dem Totenkult.

Möglicherweise war auch eine Scheintür in der Westwand vorhanden. Ein Schacht führt zu der vermutlich blockierten Sarkophagkammer mit dem Sarkophag bzw. dem Sarg der Grabinhaberin sowie weiteren Grabbeigaben. Die Dekorationen der Kapellen und Sarkophagkammern sind „individuell“ gestaltet. Allerdings lassen Beraubungen und Zerstörungen nur ein fragmentarisches Bild zu. E. und M. Naville kommt das Verdienst zu, durch Abschriften und Zeichnungen sowie gezeichnete Rekonstruktionen eine Vorstellung von der einstigen Qualität und Schönheit der Reliefs und Malereien zu vermitteln (Quelle: Dieter Arnold: "The Temple of Mentuhotep")

Iah / Jah oder Aah:
- seine Mutter - 
Titel:
mwt-nswt-mry.t=f / geliebte Königsmutter
mt-nTr-wt-r / Priesterin von Hathor
sA.t-nsw.t / Königstochter

Iah (oder Jah und Aah) war die Mutter von König Mentuhotep II. Über die Herkunft der königlichen Mutter Iah ist wenig bekannt. Sie trug lt. Joyce Tyldesley (Chronicle of the Queens of Egypt, Thames & Hudson, 2006, S. 66-68) den Titel der "Königstochter" (%At-nswt). Dieses lässt vermuten, dass sie die Tochter eines Königs war, möglicherweise Intef II. Ihr Name ist eine Anspielung auf die Mondgottheit "Iah". 

Iah war die Ehefrau von Intef III., obwohl sie nicht den Titel einer "Königsgemahlin" trug. Ihre belegten Kinder waren der spätere König Mentuhotep II. und seine Schwestergemahlin "Neferu". Damit war sie auch die Großmutter von Mentuhotep III., dem Sohn und Nachfolger von Mentuhotep II.

Iah erscheint auf einem Felsrelief im Shatt er-Rigal, wo sie hinter ihrem Sohn Mentuhotep II. steht. Vor beiden steht der Vater des "geliebten Gottes, Sohn von Re, Intef" und der königliche Siegler und Schatzmeister Chety. Außerdem erscheint sie im Grab TT319 ihrer Tochter Neferu II. (siehe Silke Roth: die Königsmütter des Alten Reiches, Wiesbaden 2001, S. 426). Die Inschrift benennt für die Abstammung ihrer Tochter: "Neferu, geboren von Iah" (siehe: William C. Hayes, The Scepter of Egypt I., New York 1953, S. 160, 327). 

Die Königsmutter Iah (links) 
und ihr Sohn Mentuhotep II.
im Shatt er-Rigal

Es ist recht wenig von ihr bekannt. Sie erscheint (in verkleinertem Maßstab) auf einem Felsrelief im Shatt er-Rigal hinter ihrem Sohn Mentuhotep II.

Die Königin hält einen langen Stab i

Bild:    Petroglyphenkönigin Iah
Autor: Kurohito - abgeleitete Arbeit Khruner 2008 Wikipedia
Lizenz: CC-BY-SA-3.0

 

Relief eines Königs im Brit. Museum (EA 1819) - evtl. aus Theben
- evtl. Wah-ankh-Intef II. - in Begleitung seiner Tochter Iah -
- Herkunft unbekannt / Ankauf aus dem Kunsthandel 1959 -

Nicht genau einzuordnen in die 11. Dynastie und für die Königin Iah  ist ein Reliefblock, das sich heute im Brit. Museum befindet (Herkunft unbekannt). Auf dem Relief ist ein König mit der oberägyptischen Krone zu sehen, dessen Name heute verloren ist. Seine Titel sind: "Der vollkommene Gott, Herr der beiden Länder". Hinter ihm steht eine weibliche Figur mit einer Löckchenperücke und einem langen Kleid. Die Frau hinter dem König trägt die Beischrift: "leibliche Königstochter, Priesterin der Hathor, die Versorgte Jah, gerechtfertigt". 

Nigel und Helen Strudwick (Strudwick, Nigel & Helen, Thebes in Egypt, London 1999, S. 23) vermuten in ihrem Buch, dass der abgebildete König Antef II. und die hinter ihm stehende Frau seine Tochter Iah ist (die Frau von Antef III. und Mutter von Mentuhotep Nebhepetres). Andere Meinungen sehen in dem König Mentuhotep II. und in der weiblichen Person eine Tochter Mentuhotep II. mit Namen Jah (wobei aber nirgends anders eine Tochter gleichen Namens belegt ist). Es ist auch keine weitere "Jah/Iah" im königlichen Umfeld der 11. Dynastie bekannt - außer der Mutter von Mentuhotep II. - womit jegliche Zuweisung dieses Reliefs innerhalb der Genealogie der 11. Dynastie spekulativ bleiben muss.

Höhe: 53,80 cm; Breite: 34,50 cm; D: 7 cm - Gewicht: 34,50 cm

(Wir danken Mr. Nigel Strudwick für die Information über Facebook zu der Auslegung zu diesem Relief.)
- siehe: Nigel Strudwick, Nigel  Helen: Thebes in Egypt, London 1999, S. 23 -

Bild: Brit. Museum EA 1819
  - Online collection - © The Trustees of the British Museum

Als Gemahlin von Intef III. war Iah vermutlich im Grab dieses Königs mit-bestattet worden - dem Saff el-Baqar (4), wo mehrere Grabschächte als mutmaßliche Bestattungskomplexe seiner Familienangehörigen gefunden wurden. Teile der Beisetzungen, wie z. B. beschrifteter Kalk- bzw. Sandsteinsarkophage bezeugen diese Vermutung, aber mit der nahezu vollständige Beraubung dieser Gräber gingen wesentliche Informationen darüber verloren.

Tem (tm)
- Hauptgemahlin des Königs -
Titel:
Hmt-nswt mryt.=f / "Frau des Königs, seine Geliebte"
mwt-nswt / Königsmutter
mwt-nswt-bit / Mutter des Königs von Ober- u. Unterägypten
wr.t-Ht=s / Große des Hetes-Zepters 

(Titel nach Wolfram Grajetzki, Ancient Egyptian Queens (2005) p. 28

Im Totentempel von Mentuhotep II. befindet sich das einzige bezeugte Grab einer Königsmutter der 1. Zwischenzeit, welches sich in jeder Hinsicht von den Bestattungen der übrigen Königinnen unterscheidet. Die Königsgemahlin und Königsmutter "Tem" war wahrscheinlich von bürgerlicher Herkunft (jedenfalls gibt es keine Belege in ihrem Grab, die auf eine königliche Herkunft hinweisen). Wie aus der leider heute verlorenen Inschrift auf ihrem Sarkophag hervorgeht, überlebte sie ihren Gemahl Mentuhotep II. und wurde erst während der Regierung ihres Sohnes, König Sanch-kare Mentuhotep III. (dem Sohn und Nachfolger von Mentuhotep II.) bestattet.

Sie wird nur auf ihrem Sarkophag aus Alabaster und dem Fragment einer Opferplatte, welche im Schutt des Hypostyls gefunden wurde, genannt (Breite 21,5cm, Höhe 38,5cm, Dicke 9–11cm) (4). 

Ihre Titel sind: 

  1. Königsgemahlin, seine geliebte
  2. Mutter des Königs
  3. Mutter des Königs von Ober- und Unterägypten
  4. die Große des Zepters.

Ihr Grab im Totentempel ihres Gemahls Mentuhotep II. (DB XI. 15) wurde 1859 entdeckt und von Dieter Arnold vollständig ausgegraben. Zweifellos war Tem - neben der Schwestergemahlin Neferu des Mentuhoteps - seine Hauptgemahlin und Favoritin, da sie die Mutter des gemeinsamen Sohnes und späteren Königs Mentuhotep (III.) war.

In den Inschriften auf ihrem Sarkophag befindet sich auch zum erstenmal der Königinnentitel: "hdt- wrt" (hedit-weret), 
was wohl soviel wie „Die von dem Großen Weißen einen" bedeutet, wohl eine frühe Form von hnmt-nfr–hdt “. Des weiteren ist auf dem Sarkophag zu lesen: „mwt–nswt Hmtnswt wrt hst wrt hts"(Königsmutter, Königsfrau, groß an Lob, groß an hetes-Zepter).

Felsgrab der Königsgemahlin "Tem" im Tempel zu Deir el Bahari
Bei der Errichtung des Totentempels von Mentuhotep in Deir el Bahari wurde das Grab der Königin Tem bereits berücksichtigt - welches ihre Stellung als Königsgemahlin und Mutter des zukünftigen Königs Mentuhotep III entsprechend, direkt parallel neben dem ihres Gemahls angelegt wurde. Es handelt sich hierbei um einen in den Fels gehauenen Dromos, an dessen Ende eine Sarkophagkammer liegt, wobei die Kultstätte des Grabes im Tempel selbst gelegen haben dürfte. Die erst in der Regierungszeit ihres Sohnes Mentuhotep III. belegte Grabanlage zeichnet sich damit deutlich gegenüber der außerhalb des Tempelbezirks gelegenen Felsgrabanlage einer früheren Gemahlin Mentuhoteps II. aus.

Der Eingang zur Grabanlage befindet sich südlich des Sanktuars im hintersten Bereich des Totentempels von Mentuhotep II. Ein etwa 1,5 m breiter und 2,3 m hoher Korridor befindet sich am Ende des etwa 9 m langen Eingangsbereiches des Totentempels, der in einem Gefälle von 18° nach etwa 2,3 m in eine kleine fast quadratische Grabkammer (4,1 m x 4,4 m) mündet. 

In dieser Kammer fanden die Ägyptologen den Sarkophag der Königin Tem, der - wie in dieser Zeit des öfteren nachgewiesen und in einer leichten Ausbuchtung (die wahrscheinlich zur Aufnahme einer Verschluss-Platte oder Blockierung diente) von 0,75 m zur Gänze im Boden eingelassen war. Er wurde aus gewaltigen Alabasterplatten zusammengefügt und war ehemals mit blauer Tinte dekoriert (Augenpaar auf der Ost–Seite und auf drei Seiten eine umlaufende Inschrift). Die nur roh aus dem Gestein gearbeitete Grabkammer (4,1 m x 4,4 m) verbreitert sich am Ende des Korridors nach Süden hin. Die Grabkammer hat eine flach gewölbte Decke und wird gänzlich von dem Alabastersarkophag ausgefüllt. Dieser besteht aus einer Bodenplatte (3,3 m lang, 1,5 m breit und 32-35 cm hoch) aus Sandstein, in welcher flache Bodenrinnen eingelassen sind, die zur Aufnahme der Wandplatten dienten. Die Platten waren miteinander verzahnt - sind aber wohl bei einem Erdbeben auseinandergerissen und werden heute durch moderne Eisenbänder zusammengehalten werden. Ein Deckel von dem sich möglicherweise Reste noch bei der erstmaligen Öffnung des Grabes fanden, kann heute nicht mehr nachgewiesen werden. Dieter Arnold (siehe: Arnold, Mentuhotep I., 54 Anm. 145) überlegt, ob es überhaupt einen Deckel dazu gegeben hatte (2). 

Neferu II. (die Schöne)
- Königsgemahlin / Schwestergemahlin -
- Nach "Complete Royal Families/Dodson & Hilton" ist sie die Nr. II. mit diesem Namen -
Titel:
Hmt-nswt mryt.=f / "Frau des Königs, seine Geliebte"
sAt-nswt-Sms.wt-nt-xt=f / "Älteste Königstochter von seinem Leib"
jrj.t-pa.t / "Fürstin oder Erbprinzessin"
Hmw.t-nb.wt / "Herrin aller Frauen"

Die Schwestergemahlin von Mentuhotep II. ist vor allem aus ihrem Grab (TT319) in Deir el Bahari bekannt. Das Grab wurde schwer zerstört aufgefunden - nur die Grabkammer war gut erhalten und viele Fragmente aus den Reliefs in der Grabkapelle wurden gefunden. Ihre Haupttitel waren "Königsgemahlin" und "Königstochter von seinem Leib". In den Grabinschriften wurde erwähnt, dass ihre Mutter eine Person mit Namen "Iah" war - höchstwahrscheinlich die Mutter von Mentuhotep II. Neferu II. war also die Schwestergemahlin ihres Ehemannes. Bekannterweise war Mentuhotep II. der Sohn des Königs Intef III, der höchstwahrscheinlich auch der Vater von Neferu II. war.

Grabanlage - (nördl. Umfassungsmauer des Mentuhotep-Tempels):
Das Felsgrab der Königin Neferu II. (TT 319 = T 19a/b) befindet sich an der nördlichen Umfassungsmauer des Mentuhotep-Tempels in Deir el-Bahari. Die Grabanlage wurde von 1924-1925 von dem Team unter Herbert E. Winlock vollkommen freigelegt. Leider erfolgte keine Grabungspublikation. Die Relieffragmente befinden sich in verschiedenen Museen der Welt.

Belege: Felsgrab der Neferu Theben-tomb 319 / T 19a/b

  1. Sarkophag der Neferu, in situ

  2. Umlaufender Fries in der Sarkophagkammer

  3. Relieffragmente aus der Kultkammer New York, Metropolitan Museum

  4. Relieffragmente einer Frisier-Szene heute in Brooklyn und New York MMA 51.231.54.49 u. a.

  5. Modellsärge und -Figuren, New York MMA 25.3.240-25.3.322; Museum Kairo CG 49089, 49088, 49090, 49092

  6. Reliefblock New York, MMA 26.3.353

  7. Pyramidentexte in der Sarkophagkammer

  8. Wandmalerei im Grab des Amuneminet TT 277 – aus späterer Zeit.

Allein durch die Lage und Größe des Grabes unterscheidet sich das Grab der Neferu II. deutlich von denen der anderen königlichen Frauen und zeigt die Bedeutung der Königin. Ein kurzer Gang führt vom Eingangsbereich in eine direkt in den Felsen geschlagene Kapelle. Diese Kapelle, die mit Kalksteinplatten von höchster Qualität gepflastert  war, wurde mit Szenen in versunkenen und erhabenen Reliefs geschmückt. Die Darstellungen auf den Wänden, von denen sich leider nur wenige Fragmente fanden, zeigen Szenen im erhabenen und versunkenen Relief, einige davon stellen die Königin mit ihren Frisören, Dienern und des weiteren religiöse Szenen dar. 

Heute sind die Fragmente aber nur noch schlecht erhalten. Die Steine wurden bereits in der Antike als Steinbruch genutzt und die noch erhaltenen Fragmente befinden sich heute in vielen Museen auf der ganzen Welt - u. a. auch im Metropolitan Museum of New York.

Reliefszene aus dem Grab der Königin Neferu II. - MMA 26.3.353-1-related
- Kalkstein, bemalt - Breite 76 cm - 

Fragmente aus zwei Registern, in denen sich männliche und weibliche Begleiter von rechts nach links auf einem reich gedeckten Opfertisch hin bewegen, hinter dem die Königin auf einem Stuhl gesessen haben muss, befinden sich heute im Metropolitan Museum of Art, New York.

Die erste Frau im oberen Register trägt eine kunstvolle Menat-Halskette an, deren Enden nur auf dem erhaltenen Fragment sichtbar sind. Andere Frauen tragen rot gestreifte Stoffstücke, die für bestimmte Rituale als Sonnenschutz gedient hatten. Im unteren Register bietet ein Diener ein Getränk an, und der Schreiber der Truhen "Intef" bringt eine Papyrusrolle. Die Figuren eines Mannes mit dem Namen "Djaayt (Titel unvollständig) und (ganz links) des Aufsehers der Versorgungsquartiere und des "Vasenträgers" Mentu-nacht sind heute verloren (Textquelle: Webseite des Metropolitan-Museums of Art)

Bild: Courtesy to Metropolitan Museum of Art, New York, public domain

Hinter der Kapelle befand sich ein Korridor, der zur ebenfalls ausgeschmückten Grabkammer führte. An ihren Wänden sind Friese von Opfergaben und lange Grabtexte aufgemalt. Die Wände wiesen mindestens drei Register und wohl eine Sockelzone auf. Auf der einen Seite haben sich zwei Register erhalten, in denen Personen - aber auch Rinder dargestellt sind, die sich aufeinander zu bewegen. In der Grabkammer befand sich auch der Sarkophag der Königin. Die Sargkammer wurde bei der Ausgrabung "gestört" gefunden. (siehe Rasha Soliman: Old and Middle Kingdom Theban Tombs p. 67-75, London 2009 - ISBN 978-1-906137-09-0). 

Grabkammer mit Sarkophag der Königin Neferu III.

Der Sarkophag der Königin ist aus Kalkstein gearbeitet. Alle vier Außenseite der Sarkophagwanne sind mit einer offenbar aufgemalten Inschriftenzeile versehen.
Bild: Grabungsfoto Winlock M. M. A. Bull. Pt. II. March 1926 - 

Auf den Wänden des Grabes befinden sich auch Besucherinschriften, wie die aus der 19. Dynastie stammenden Inschriften eines Sohnes des Hohenpriesters Neb-netjeru. Es gab eine postume Verehrung der Neferu II. im Neuen Reich, als das Grab der Königin von zahlreichen "Touristen" besucht wurde, die über einen speziell für diesen Zweck geschaffenen Seiteneingang in das Grab gelangten.                                             

                                                                                                                                          

Grabfigur der Königin Neferu II.
- heute im Metropol. Museum Acc-Nr. 25.3.244a -
Maße: H. 12,5 cm 


Herkunft: Ausgrabungen des MET 1923-24
Theben, Deir el-Bahari, Grab von Neferu (TT 319, MMA 31, Korridor)

Im Grab der Königin Neferu wurden mehrere Miniatursärge gefunden, die alle mit Bestattungsformeln und dem Namen des Verstorbenen beschrieben waren. Jeder der Miniatursärge enthielt eine Wachs- oder Schlammfigur einer unbekleideten Frau, die in Leinen gewickelt und durch eine kurze Inschrift als Neferu identifiziert wurde. Evtl. waren dieses Vorläufer der sog. "Uschebtis", die sich in der 12. Dynastie entwickelten und vom Neuen Reich an sehr populär wurden.
(Text: nach online-collection des MET

 

Bild: Courtesy to the Metropolitan Museum of Art, New York
Lizenz: CC0 (public domain)

 

 

Relief aus Neferus Grab TT 319 (Acc: 22.325 - Kalkstein)
gekauft von Henry Walters und dem Museum vermacht 1931
- Maße: 12,5 x 15 x 2,5 cm - 

Dieses Relief stammt aus der Kapelle ihres Grabes und zeigt den Kopf, die Schultern und die Hand einer Frau. Sie hält einen Stab in ihren Händen, der einst zu einem Sonnenschirm gehörte, von dem ein kleiner Teil noch hinter ihrem Kopf zu sehen ist. Die Sonnenschirmträgerin war einst Teil einer Gruppe von mindestens 10 Frauen und einem Mann.

Bild: Courtesy to Walters Art Museum, Home page - public domain

 

Kalksteinfragment einer Friseur-Szene im versunkenen Relief der Königin
aus ihrem Grab im Deir el-Bahari
- heute im Brooklyn-Museum New York, Acc: 51.231
Höhe 13,2 cm, Breite 24,5 cm

Dieses Fragment aus dem Grab der Neferu gehört zu einem Relief, welches Friseur-Szenen zeigen. Dieses Stück zeigt die linke Seite des Reliefs mit der Friseurin "Inu", welche den einzuflechtenden Haarschmuck(?) oder eine Haarverlängerung (Info auf der Online-Seite des Museums) hält, das sie an Neferus Coiffure befestigen will. Die Inschrift über dem Kopf der Dienerin nennt ihren Namen und ihre Tätigkeit.

Bild: Courtesy to Brooklyn-Museum New York - fair use
Lizenz: CC-BY-3.0

 

Kalksteinfragment einer Friseur-Szene im versunkenen Relief der Königin
aus ihrem Grab im Deir el-Bahari
- heute im Brooklyn-Museum New York, Acc: 54.49 -
Höhe 19cm, Breite 23,6cm

Dieses Fragment aus Kalkstein, welches den rechten Teil der Gesamtszene darstellt, zeigt im versenkten Relief links die Königin mit einem breiten mehrreihigen Halskragen. Hinter ihre steht Dienerin "Henenut/!nnwt", die ihre Perücke mit Hilfe eines Haarstabs flechtet. Die Dienerin hat bereits eine Haarsträhne fixiert und eine andere kunstvoll verdreht. Die Inschrift über der Königin ist verloren, zu lesen ist nur noch "Königsfrau". 

Ursprünglich gehört dieses Fragment zu einer Szene, welche königliche Friseure zeigt, welche die Königin besuchen - siehe Bild oben.

Bild: Courtesy to Brooklyn-Museum New York - fair use
Lizenz: CC-BY-3.0

 

Kemsit (Kmsjt)
- Frau des Königs -
Titel:
Hmt-nswt mryt.=f / "Frau des Königs, seine Geliebte"
Xkr.t-nswt = Königsschmuck
Hm.t-nTr Hwt-Hrw = Priesterin der Hathor

(Titel nach Wolfram Grajetzki, Ancient Egyptian Queens (2005) p. 28

 

Königin Kemsit auf einem Relief aus Deir el Bahari
- heute im Staatl. Museum Ägyptischer Kunst, München - 

 
Bild: Relief Kemsit Munich. JPG 
Autor: Khruner, Wikipedia 2015
Lizenz: CC-BY-SA-4.0

 

Relief der Königsfrau Kemsit aus ihrem Grab in Deir el Bahari
- heute im Brit. Museum: EA 1450 -
Kalkstein, H. 41 cm - Breite 41 cm, D: 16 cm - Gewicht: 50 kg

 

Bild: Courtesy British Museum  © The Trustees of the British Museum

wird weitergeführt......

Quellen und Literatur:
1. Wikipedia - Mentuhotep II. 
2. Mentuhotep Nebhepetre - Webseite: Elke Noppes M. A. 
3. Kemet, Die Zweite Reichseinigung, 1/2010, Gabriele Höber-Kamel, 
4. Königsmütter / Silke Roth, Harrassowitz-Verlag 2001, S. 194
5.
Kemet, Der kgl. Tempel- und Grabbezirk Mentu-hotep II. in Deir el-Bahari, 2010/Heft 1, Thomas Kühn, S. 19


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