Biografie Mentuhotep II.

Totentempel Mentuhotep II.

Beamte Mentuhotep II.

(Quellen und Literatur-Angaben am Ende dieser Seite - nummerierte Verweise im Text)
PM = Porter & Moss, Topographical Bibliographie of Ancient Hieroglyphic Text, Reliefs and Painting 1927-1952)

weiße Links sind noch inaktiv

Analog zu seiner langen Regierungszeit ist Mentuhotep II. auch derjenige Herrscher der 11. Dynastie, von dem sich die meisten Bauten - oder zumindest Überreste seiner Bauten erhalten haben. Er befahl den Bau vieler Tempel, obwohl nur wenige davon bis heute überlebt haben. Der umfangreichste und gleichzeitig bedeutendste Bau aus der Zeit des Königs ist natürlich dessen Totentempel mit integriertem Grab in Deir el-Bahari (nahe den späteren Totentempeln von Hatschepsut und Thutmosis III. Das Bauprogramm Mentuhotep II. beschränkte sich auf den 3 - 8 oberägyptischen Gau und auf Elephantine.

Die meisten anderen Tempelreste befinden sich ebenfalls in Oberägypten, genauer gesagt in Abydos, Assuan, Tod, Armant, Gebelein, Elkab, Karnak und Dendera (siehe Wolfram Grajetzki: Das Mittlere Reich, S. 20-21). Damit folgt Mentuhotep II. einer Tradition, die von seinem Großvater Intef II. begonnen wurde. 

Insel Konosso:

Auf der Insel Konosso - östlich der Insel Agilkia (dem heutigen Standort des Philae-Tempels - fanden sich zwei Felsinschriften mit bildlichen Darstellungen, die aus der Zeit von Mentuhotep Nebhepetre stammen. Beide Darstellungen zeigen eine ithyphallische Figur in der Mitte (der König ?). Auf dem einen Graffiti steht die ithyphallische Figur des Königs (in Gestalt des Gottes Min-Amun ?) in der Mitte zwischen den Göttern Satis als Herrin von Elephantine und vor ihm der Gott Chnum als Herr des Kataraktgebietes. Die ithyphallische Figur wird nicht mit Namen benannt, wobei ihre Datierung sich allerdings durch die obere Inschriftenheile, ergibt, welche den Namen Mentuhotep Nebhepetres nennt. Der Zusatz "Nebhepetre" findet hier in ihrer frühen Schreibweise - eine Form vor der Reichseinigung (1). 

Die horizontale Inschrift oben nennt uns den Namen des Königs (der mittleren Figur) mit seiner Titulatur und dem Königsnamen: "Horus Netery-hedjet, die Beiden Herrinnen, Netery-Hedjet, König von Ober- und Unterägypten, Neb-hepet-Re Mentuhotep [dem] Leben [gegeben wird] wie Re ewiglich". 
Bei dieser Namensform handelt es sich um die Namensform von Mentuhotep II., welche dieser bis vor der Reichseinigung benutzte. Es werden hier in dieser Inschrift aber keine Götternamen genannt (1).

Die Randinschrift auf dem Graffiti - hinter dem Gott rechts - nennt uns den Namen: Chnum. Die volle Inschrift in den beiden Kolumnen lautet: "Worte zu sprechen durch Chnum für Satis, Herrin von Elephantine: lass uns ihr geben (anvertrauen an sie) Kraft und Sieg".

Die Randinschrift hinter der Göttin (linke Figur auf dem Graffiti) nennt den Namen "Satis". Der volle Text lautet "Worte zu sprechen durch Satis, Herrin von Elephantine, für Chnum, Herr des Katarakt-Gebietes: Anvertrauen an ihn, Stärke und Sieg".

Die Inschriftenzeile unten nimmt hier Bezug auf die obere und setzt dem Namen folgendes hinzu: "Alle Fremdländer sind unter seinen Sandalen". Somit verweisen die obere und die untere Inschriftenzeile auf den König - und nicht auf einen Gott Amun-Min (1).

Graffiti von Konosso

Heute befinden sich beide Graffitis unter Wasser - in dem aufgestauten Wasser des alten Stausees. Nur die Zeichnungen von Lepsius und Habachi (Monuments pl. XIV) überliefern die beiden Darstellungen und die Inschrift.

Der König (hier als Amun-Min) als ithyphallische Figur zwischen den Göttern Satis (hinter ihm) und Chnum (vor ihm). Lepsius hat nur einen kleinen Teil der beiden Inschriften am linken und rechten Rand übertragen. Bei Habachi (Monuments fig. 20) ist der volle Text zu sehen.


Bild: Lepsius, Bildbände II. 150
                                                               

Auch im zweiten Felsgraffiti ist in der Mitte eine ithyphallische Figur (der König ?) dargestellt. Die beiden äußeren Götter sind anhand ihrer Attribute zu erkennen - es handelt sich um die Götter Month und Neith, was durch die Anfänge der noch lesbaren Inschriftenkolumnen unterhalb der Götterfiguren zu sehen ist. Zu erkennen ist noch: "Worte zu sprechen durch Neith......und Worte zu sprechen durch Month". 

Graffiti von Konosso

Auch im zweiten Felsgraffiti ist in der Mitte eine ithyphallische Figur (er König ?) dargestellt. Davor steht der Gott Monthu, dahinter die Göttin Neith - beide haben einen Arm in Segensgestus erhoben. Darunter sind die 9 Bogen abgebildet, darunter steht (lt. L. Habachi in MDAIK 19) - Lepsius hat in seiner Umzeichnung im Textfeld keine Hieroglyphen eingezeichnet.

„Alle Fremdlande unter deine Sandalen“.

MDAIK 19, nach L. Habachi

 

 


Bild: Lepsius, Bildbände II. 150
                                                               

Schon zur Zeit von Habachi waren diese Inschriften nur noch teilweise schwer zu lesen, da sie zu verwaschen waren. Allerdings befinden sich vor den beiden äußeren Figuren der Götter ihre Namen. Unterhalb der mittleren ithypalischen Figur befindet sich eine Inschrift. Zu sehen sind hier die bildliche Darstellung der 9 Bögen (welche für die Fremdländer stehen), darunter die Inschrift: "Alle Fremdländer sind unter seinen Sandalen". 

Im Bildfeld befindet sich oberhalb der mittleren Figur keine Inschrift. Vor und hinter ihm - im Bereich der beiden äußeren Götter - stehen kurze Inschriften vor Neith und Month, wobei der Inschriftenrichtung nach zu vermuten ist, dass es sich hierbei um Gaben der Götter an die mittlere ithyphallische Figur des Königs handelt. Vor Neith steht: "sie gibt Leben für Mentuhotep" und vor Month steht: "Er gibt Leben für Mentuhotep". (1). Wobei aber die Datierung für Mentuhotep Nebhepetre wohl aus dem Vergleich mit der ersten Inschrift geschlossen werden kann, obwohl dieser Mentuhotep nicht durch weitere Beinamen eindeutig als "Mentuhotep Nebhepetre" ausgewiesen wird.

*

Die von Lepsius und Habachi beschriebenen Inschriften (unter weitere Graffiti aus der Zeit von Thutmosis IV. und Amenophis III. sind heute ganzjährig von Wasser umflutet. So ist Konosso heute ein "Felsen, der meist vom Wasser über/- oder umspült ist". Das Lexikon der Ägyptologie (LÄ III., Sp 684 s.v. Konoso) nennt Konosso "einen Felsen, mit zahlreichen, meist von Wasser überspülten Inschriften und Graffiti" (1). Wie diese Felsinschriften und Bilder heute aussehen muss ungeklärt bleiben. Konosso war bis zum Bau des Assuan-Staudammes nicht nur eine Felserhebung in der dortigen Landschaft, sondern der Name bezog sich damals auf einen größeren Landstreifen, der sich nördlich und nordöstlich der Insel Philae erstreckte (siehe de Morgan: Catalogue des monuments et inscriptions de l'Egypte antique, Leipzig 1894, S. 65).

Die Felsen von Konosso 1843/44 (Lepsius Tafelwerke I, 103 oben)
- gesehen von der Insel Philae aus- 

 

Elephantine:

Die Bautätigkeit des Königs in Elephantine war bedeutend umfangreicher und in seinen Dimensionen größer als alle Baute seiner Vorgänger. Die Bauten wurden teils in Sandstein teils in Kalkstein ausgeführt. Auf den hier gefundenen Baufragmenten fand sich nur sein Horusname ZmAtA.wj (Sema-taui). Seine Bautätigkeit erstreckte sich auf den Bereich der Felsnische und dem dahinterliegenden Satetheiligtum. Unter ihm erführ dieses Heiligtum eine vollkommene Um- bzw. Neugestaltung (siehe MDAIK 49)

Mentuhotep II. ließ die Bauten seiner Vorgänger im Bereich der Felsnische komplett abreißen und errichtete jetzt einen Neubau auf ein Niveau, das um 2-2,5 m höher lag als die der Vorgängerbauten. Zwar ging nun die optische Verbindung mit der Felsnische verloren, aber durch den Neubau wurde die Anlage nun wesentlich großzügiger. Bei der Kultanlage handelt es sich um eine Kultkapelle und einem sich daran anschließenden Hof mit einem Wasserbecken aus Kalkstein, bei dem es sich fraglos um einen Vorgänger der Nilflut-Anlage im Tempelbau von Sesostris I. handelt. Das Wasserbecken im Norden war von einer aufwendigen Säulenstellung mit einem großen Hof umgeben - aber es fehlen hier eindeutige Hinweise auf eine Verehrung des Gottes Chnum (evtl. wegen dem geringen Bestand der ursprünglichen Dekoration).

In den erhaltenen Resten einer Reliefwand der Kapelle aus Sandstein, die sicherlich zur Ausstattung des Kultraumes des Heiligtums gehörte, ist die Göttin Satet, die Herrin von Elephantine und der Gott Month, sowie der König, der hier in Verkörperung des Gottes Amun dargestellt ist, zu sehen. Als ursprünglichen Standort für Fragmente von achtkantigen Sandsteinsäulen, die gefunden wurden, vermuten die Ägyptologen eine Vorhalle, die sich im Westteil des Ziegelvorhofes - unmittelbar vor der Felsnische, befand.

Von den zwei großen Kalksteintoren (eines über 5 m hoch und das andere ca. 2,50 m hoch), die entdeckt wurden, muss mindestens eines - wahrscheinlich das größere - in einer entsprechenden, mächtigen Umfassungsmauer gestanden haben, welche die gesamte Tempelanlage einst umgab.

Der durch das DAIK rekonstruierte Satettempel von Mentuhotep II. in Elephantine
- Blick auf die Frontseite -

Bild: mit freundl. Dank Elvira Kronlob 2009 - alle Rechte vorbehalten

 

Der durch das DAIK rekonstruierte Satettempel von Mentuhotep II. in Elephantine
- mit dem Eingangstor in der Mitte der Umfassungsmauer -

Dem Ausgräberteam nach könnte dieser - nicht allzu breite - Durchgang Teil einer inneren Umfassungsmauer des Tempels sein.

Bild: mit freundl. Dank Elvira Kronlob 2009 - alle Rechte vorbehalten

 

Front des Tempelhauses mit den vier achteckigen Säulen davor

Für die achtkantigen Säulen mit seinem Namen ist als Standort wohl am ehesten an eine Vorhalle im Westteil des Ziegelvorhofes - unmittelbar vor der Felsnische zu denken, die möglicherweise schon von Intef III. begonnen worden sit.

Bilder: mit frdl. Dank: Elvira Kronlob - alle Rechte vorbehalten

An der rechten Seitenwand im Inneren des Tempelhauses befinden sich sechs Blockfragmente aus Sandstein, die zu einer Kapellenwand gehören, die einst 1943 im Umkreis der archäologischen Ausgrabungsstätte verstreut gefunden wurden und danach lt. Habachi MDAIK 19 (1963) im Inselmuseum Elephantine aufgestellt wurden bis sie letztendlich am rekonstruierten Satettempel wieder angebracht wurden. 
(Gesamtumfang der Wand aus Platten von 18 bis 25 cm Stärke; ca. 1,78 m breit und ca. 1,90 m + x hoch; Größe des Bildfeldes: ca. 1,81 m + x hoch / lt. Habachi MDAIK 19, S. 41.

Beschreibung:
Der König steht vor Satis, die ihm das anch–Zeichen an die Nase hält, hinter dem König steht der Gott Month. Der König ist mit dem kurzen Königs-Schurz, dem Götterbart und einer Krone mit zwei hohen Federn bekleidet.
 

Sechs Blockfragmente aus Sandstein 
rekonstruiert an der Wand des Satettempels Mentuhotep II. auf  Elephantine

Der König steht vor Satis, die ihm das anch–Zeichen an die Nase hält. Der Gott Month steht hinter dem König (von Month ist nur noch die Sonnenscheibe und die Feder erhalten geblieben). Der König ist mit dem kurzen Königsschurz bekleidet. Er trägt den Götterbart und eine Krone mit zwei hohen Federn (in der Gestalt des Gottes Amun).

Foto: Elvira Kronlob - alle Rechte vorbehalten

Mentuhotep-Nebhetepre (II.) baute teils in Sand-, teils in Kalkstein und fast durchweg in sehr viel größeren Abmessungen als sein Vorgänger Intef III. Die erhaltene Reliefwand (siehe Bild unten) einer Kapelle oder Kultkammer aus Sandstein könnte zu einem vom DAIK entdeckten Fundament in der Südostecke des Ziegelvorhofes gehören, aber auch von einer entsprechenden Ausgestaltung des Kultraumes.

Umzeichnung der 6 erhaltenen Reliefplatten
an der Wand der Kultkapelle

Der Horusname des Königs auf den restaurierten Blöcken (mittleres Fragment oben) wird interessanterweise nur von zwei Papyruspflanzen und nicht von den beiden Pflanzen, welche die beiden Teile Ägyptens darstellen, flankiert (2). 

Zeichnung: Labib Habachi in MDAIK 19 (1963), S. 41
- bearbeitet von Nefershapiland - 

 

 Rekonstruierter Festhof und Wasserbecken im Satettempel

Bilder: mit frdl. Dank: Elvira Kronlob - alle Rechte vorbehalten

 

Restorierte Statuennische im Inneren des Tempelhauses

Bilder: mit frdl. Dank: Elvira Kronlob - alle Rechte vorbehalten

In Elephantine gefundene Baufragmente König Mentuhoteps II. 
Während der Grabung der Französischen Mission unter der Leitung von Clermont-Ganneau und Clèdat zu Beginn des letzten Jahrhunderts
wurden u. a. mehrere Baufragmente gefunden, wie die Bauteile eines ca. 5 m hohen Tores, die eine Inschrift trugen: "Horus Semataui, König von Ober- und Unterägypten, die beiden Herrinnen, Semataui, der Goldene Horus Kashuti, Nebhepetre, geliebt von Satis, der Herrin von Elephantine, der Sohn des Re, Mentuhotep, dem Leben gegeben ist, ewiglich". (Quelle: Habachi, MDAIK 19, S. 41).

Im gleichen Tempel wurden später im Jahre 1946 von einer Grabungsmission unter der Leitung von Labib Habachi die Fragmente eines 2,80 m hohen (Tiefe 0,85 m) fast vollständig erhaltenen Torpfostens und der untere Teile eines anderen Torpfostens gefunden (2) (siehe untere beiden Bilder des einen fast vollständigen Torpfostens). Vom zweiten gefundenen Torpfosten hat sich nur der Rest einer Inschrift "......anx-nb" (anch-neb = alles Leben) erhalten.

oberer Teil eines Torpfostens
im inneren Teil der Umfassungsmauer

unterer Teil des Torpfostens
im inneren Teil der Umfassungsmauer

Gesamtinschrift beider Bilder:
"
Horus Semataui, König von Ober– und Unterägypten, (Nebhepetre)| geliebt von Satet, der Herrin von Elephantine, der Sohn des Re (Mentuhotep)|, lebend ewiglich“ (eigene Lesung)

Bild: mit frdl. Dank - Elvira Kronlob
- alle Rechte vorbehalten - 

Fragmente eines Torbalkens aus Sandstein (Maße: 0,33 m Tiefe)
mit der Kartusche des Königs Sohn des Re (Mentuhotep)

Bild: mit frdl. Dank: Elvira Kronlob - alle Rechte vorbehalten - 

 

Gebelein / al-Gabalain

Mentuhotep Nebhepetre ließ in Gebelein (dem altägyptischen Inrtj / griech. Aphroditopolis) -an der Grenze des 3. zum 4. Gaues gelegen (ca. 28 km südlich von Luxor) - eine Kapelle errichten, von der sich einige Blöcke mit Reliefdarstellungen erhalten haben. Gebelein war zur Zeit von Mentuhotep II. ein Grenzgebiet gegen die Feinde aus dem Süden. Die Grabung von Schiaperelli in den Jahren 1910-1911 erbrachte einige Funde von Blöcken, die man einem Hathortempel von Mentuhotep II. zuwies und die sich heute u. a. im Museum Turin befinden. Lt. Lexikon der Ägyptologie (II. Sp. 448) berichten die Inschriften auf den gefundenen Blöcken "von der Überwindung der Feinde im Süden unter der Regierung von Mentuhotep II. Nach Breasted (Ancient Records I § 423h) sollen die Inschriftenblöcke in einer ptolemäischen Tempelmauer verbaut gewesen sein und sich heute im Museum Kairo befinden (1).

Mentuhotep II. ließ während der 11. Dynastie - zu Beginn seiner Regentschaft - in Gebelein eine Kapelle errichten, welche der Göttin Hathor (die Herrin von Denderah / nb.t jwn.t) geweiht war und später von Thutmosis III. und Ptolemy VIII Euergetes II. erweitert wurde. Ende des 19. Jahrhunderts wurden von dem Tempel die Grundmauern und Fragmente gefunden. In der näheren Umgebung fand man des weiteren viele Stelen, die der Göttin Hathor gewidmet sind und wohl einst im Tempel aufgestellt waren.

Zehn der gefundenen Blöcke gehören zu dem Tempel von Mentuhotep II. und wurden später nach ihrer Entdeckung in das Museum Kairo gebracht. Diese wurden einst beim Bau der ptolemäischen Stadt am Fuße des Hügels von Gebelein wiederverwendet, wie Willoughby Fraser (J. Fraser, "El-Kab und Gebelein, PSBA 15, 1893, p. 497; in: "The temple of Nebhepetre Mentuhotep at Gebelein, Preliminary Report von Elisa Fiore Marochetti, p. 146 und Labib Habachi in MDAIK 19 - berichtete.

Im Wesentlichen hatte der Hathorkult von Gebelein in der Zeit von Mentuhotep II. mit der Legitimation des Königrums und damit mit der Macht der vollständigen Wiedervereinigung des Landes zu tun. Der Bau des Tempels erfolgte wahrscheinlich zu Beginn seiner Regierungszeit - vielleicht zur Wiedereinführung seiner selbst mit dem Ritus des "Sematauis" (Vereinigung der beiden Länder). Der Tempel (oder die Kapelle) wurde von König Mentuhotep II. der Göttin Hathor geweiht, in ihrer Eigenschaft als Herrin von Denderah. Der Hathor-Kult in dieser Kapelle von Gebelein war jedoch keine lokaler Kult, sondern gehörte zum besonderen Kontext der Legitimation des Königs.

Die verbliebenen Blöcke der Kapelle des Hathor-Kultes unter Mentuhotep II. befinden sich heute im Museum Kairo und im Museo Egizio di Torino) - drei der Fragmente aus Kairo (in einer Umzeichnung von Labib Habachi) möchten wir hier vorstellen. Mehr als 200 Fragmente - verschiedener Dimensionen - fand man verstreut rund um den südlichen Hügel. Diese wurden von Ernesto Schiaparelli während der italienischen Grabungsmission (M.A.I.) von 1910 (während der Ausgrabung des 20. Dynastie-Festung des Hohenpriesters des Amun Mencheperre geborgen und in das Ägyptische Museum Turin (siehe E. Schiaparelli, "La misswione italiana a Gebelein", ASAE 21, Seite 126-128). 

Fragment Cairo 10/11/17/10
nach Labib Habachi in MDAIK 19 (1963)

Der Block zeigt zwei Register:
im oberen sind noch die
Füße einer weiblichen Gottheit zu sehen, dahinter die einer männlichen.

Im unteren Register ist der König (rechts) bei einer "Erschlagen der Feinde-Szene" zu sehen. Die Person, die gleich durch den König mit seiner Keule erschlagen wird, ist als "Der Herrscher der libyschen Hedjwash" gekennzeichnet.

Die Inschrift vor dem König ist als: "König von Ober- und Unterägypten, Neterj-hedjet" zu lesen.

 

 

Fragment Cairo T.R. 24/5/28/5
Maße: 70 x 76 cm)
nach Labib Habachi in MDAIK 19 (1963) -
(bearbeitet von Nefershapiland)

Dieser Block weist zwei Register auf. Im oberen sind der König und ein Gott zu sehen, der hinter ihm steht. Der König hält ein Zepter und einen langen Stab in seinen Händen - der Gott hält ein "was-Szepter". Vor ihnen befinden sich zwei Opfertische mit Halsketten und Vasen.

Die Szene im unteren Register zeigt die allgemein bekannte Repräsentation "der Erschlagen der Feinde-Szene" und die Abfolge der besiegten Feinde. Diesmal handelt es sich jedoch bei dem zu erschlagenden Feind um einen Ausländer, sondern um einen Ägypter (wie am Schurz zu erkennen ist). Dahinter knien drei weitere Männer, sie stellen einen Nubier, einen Asiaten und einen Libyer dar - also die traditionellen Feinde Ägyptens.

Vor dem König befindet sich seine Kartusche: "(Sohn der Hathor, der Herrin von Dendereh, Mentuhotep)| “
Die Inschrift darüber lautet: "Unterwerfen der Oberhäupter der beiden Länder, gründen(von) Ober– und Unterägyptens, die Zwei Ufer , die Neun Bogen ………………….  “.
(Quelle: Labib Habachi, "King Nebhepetra Menthuhotep: his Monuments, Place in History, Deification and Usual Representation in the Form of Gods", MDAIK 19, 1963, p. 16-52)

 

Block von Gebelein (T. R. 1/11/17/9)
- bearbeitet von Nefershapiland -

Einer der Blöcke - heute in Kairo - zeigt den König mit der weißen Krone von Oberägypten auf dem Kopf und vor ihm die Kartusche mit seinem Namen "Mentuhotep", ergänzt mit dem Epithet "Sohn des Re". Hinter ihm scheint eine verkleinerte Figur mit einem Szepter und dem Ka mit dem Horus-Namen des Königs auf dem Kopf zu stehen - wovon aber nur ein kleiner Teil auf der rechten Seite des Blocks noch vorhanden ist. 

(Quelle: Labib Habachi, "King Nebhepetra Menthuhotep: his Monuments, Place in History, Deification and Usual Representation in the Form of Gods", MDAIK 19, 1963, p. 16-52)

el Tod / Tuphium

El Tod (das altägyptische Djerti / zur griech.-römischen Zeit hieß es Tuphium) liegt ca. 20 km südlich von Luxor auf dem Ostufer - gegenüber von Erment - im 4. oberägyptischen Gau. Im Mittleren Reich wurde hier von verschiedenen Königen gebaut. Sesostris I. errichtete einen steinernen Neubau aus Blöcken, welche den Namen von Mentuhotep Nebhepetre und Mentuhotep Seanchkare trugen, wobei der Tempel aus der Zeit von Sesostris I. heute nicht mehr steht und von ihm nur noch seine 19 x 26 m große Fundamentplatte und eine Wand mit einer historischen Inschrift von ihm existiert.

Plan des Month-Tempel von El-Tod

Im Mittleren Reich haben verschiedene Könige in El-Tod gebaut. Sesostris errichtete einen Neubau aus Steinblöcken, die den Namen König Mentuhotep Nebhepetre und Mentuhotep Se-anch-kare trugen. Der Tempel Sesostris I. ist heute nicht mehr vorhanden (siehe Bild, links vom Ptolemäischen Pronaos). Vom Tempel Sesostris I. existiert heute noch seine 
19x26 m große Fundamentplatte und eine Wand mit einer historischen Inschrift des Königs. Vor diesem - heute nicht mehr vorhandenen Tempel - wurde in der Ptolemäerzeit, unter Einbeziehung der alten Fassadenmauer, ein Pronaos errichet. Unter dem Fundament des Tempels aus dem Mittleren Reich wurde der sog. "Schatz von Tod" gefunden". Reste einer Barkenstation aus der dem Neuen Reich (Zeit Thutmosis III.) fand man an der Allee zur Kaianlage.

Plan: public domain (nach Arnold, Tempel Ägyptens, S. 107)

Aus der Zeit von Mentuhotep Nebhepetre (II.) fanden sich innerhalb des Tempelbezirks des Month, Spolien eines Baus, den Mentuhotep II. hier für diesen Gott errichten ließ. Von diesem Bau selber ist heute allerdings kein Grundriss mehr fassbar, da er durch den kompletten Neubau unter Sesostris I. ersetzt wurde. 

Im Nationalmuseum von Kairo befinden sich zwei Blöcke (Inv.-Nr. JE 66331 und JE 66332), welche wohl ein wichtiges Zeugnis für die Abstammung innerhalb der 11. Dynastie sind (1). Die Blöcke zeigen die drei "Antef-Könige", welche hinter einer Göttin stehen, wobei es sich evtl. um die Göttin Hathor oder die Ortsgöttin "Iwnyt"(Iunyt oder Tjenenti) handelt (nach L. Habachi). Alle drei Vorfahren-Könige, die hier in einer verkleinerten Darstellung gezeigt werden, tragen gemeinsam den gleichen Eigennamen: "Antef". Beim linken (letzten) König ist sein Horusname "%-Hr-tA.wy" (Se-her-taui), beim mittleren Teile des Horusnamens "WAH-anX" (Wah-anch). Bei dem ersten König fehlt der Horusname, da der obere Block zur Vervollständigung der Szene fehlt. Wenn man davon ausgeht, dass es sich hier um die Vorgänger-Könige von Mentuhotep Nebhepetre (II.) handelt, müsste es sich bei dem dritten König um den Horusnamen "Nxt nb-tp-nfr" (Nacht-neb-tep-nefer) handeln, so dass die drei direkten Vorgänger von Mentuhotep II. hinter der Göttin stehen.

Beim opfernden König vor der Göttin fehlt zwar die Beischrift, muss aber der König Mentuhotep Nebhepetre sein, da der Name des Königs anderswo auf einem oberen Steinen zu finden ist und eine weitere Kartusche den Namen "Nebhepetre" nennt. Weitere Reliefbruchstücke des Tempels aus der Zeit von Mentuhotep II. befinden sich heute im Louvre, ebenso ein Türpfeiler (Inv.-Nr. 1561 und 1562), so dass eine Zuweisung des opfernden Königs in der obigen Darstellung mit den Antef-Königen für Mentuhotep Nebhepetre wohl als sicher zu gelten ist.

Zwei zusammengehörige Blöcke aus dem Mentuhotep-Tempel in El-Tod
- beide Blöcke befinden sich heute im Museum Kairo: JE 66331 und JE 66332 -

Zeichnung: L. Habachi, Monuments, in MDAIK 19/1963, S. 46)
- bearbeitet von Nefershapiland - 

Im Louvre in Paris und im Museum Kairo befinden sich insgesamt drei Architrave (sie verbinden Säulen- und Pfeilerstellungen und tragen das Dach) aus Sandstein, die man als Spolien verbaut in den Fundamenten in el Tod fand sowie drei Türsturze und drei Türpfosten, die sich nach Bisson de la Roque (el Tod, 1934 à 1936, Le Caire 1937, S. 47-70) zu drei und nach Dieter Arnold (in MDAIK 31, 1975, S. 176) zu zwei oder drei Toren ergänzen lassen. Auch Eileen Hirsch (in Fs Gundlach, 96) geht von drei Toren aus.

Silke Grallert (Bauen-Stiften-Weihen, ADAIK Bd. 18.1, S. 208 Achet-Verlag Berlin, 2001) hingegen führt aus: "....M.E. müssen aus den überkommenen drei Türstürzen und drei Türpfosten mindestens vier Tore rekonstruiert werden. Zusammen gehören der Türsturz Inv.-Nr. 2120 (Louvre) und der Pfosten Inv.-Nr. 1561-1562 (Louvre)" (Zitat Ende). Übrig bleibt (lt. Grallert) Türsturz Inv.-Nr. 2117, der weder mit Pfosten Inv.-Nr. 2121 noch mit Pfosten Inv.-Nr. 1171 kombiniert werden kann. Aufgrund des geböschten Türsturzes muss das größte Tor Teil der äußeren Mauer gewesen sein, wofür die Dekoration des Türsturzes mit der geflügelten Sonnenscheibe spricht, denn diese befindet sich nicht auf den anderen beiden Sturzen. Nach Dieter Arnold (MDAIK 31, 1975, S. 176) war dieses Tor mindestens 3m bzw. 3,15m hoch (Eileen Hirsch setzt sogar eine Höhe von 3,36m ein). Wo sich die drei anderen Tore einst befanden haben, kann heute nicht mehr mit Sicherheit ermittelt werden. Silke Grallert stellt die Hypothese auf, dass beide Tore evtl. den Eingang zu einem Sanktuar bilden könnten, wobei diese Annahme durch die vorhandenen Dübellöcher zur Befestigung eines Metallbeschlags rund um den Sturz Inv.-Nr. 2117 gefestigt wird (3). 

Architrav aus Sandstein - heute im Louvre, Paris (E 15108 aus El Tod)
- Höhe: 22 cm; Länge: 192 cm; Dicke: 52 cm - 
(Bisson de la Roque: el Tod, Fig. Nr. 18)

Im Louvre befinden sich drei Architrave des Mentuhotep II. Tempels von el Tod. Dieser Architrav aus Sandstein trägt die Kartuschen des Königs und seine Inschrift berichtet von der Erneuerung des Tempels unter Mentuhotep Nebhepetre (II):
"(Lebender) Horus, %mA-tA.wj;die beiden Herrinnen: %mA-tA.wj,
der von Month, dem Herrn von Theben, Geliebte, der König von Ober- und Unterägypten, Neb-hepet-Re, er lebe ewig. Er hat als Denkmal für Month, den über den beiden Ländern Stehenden, den trefflichen Gott an der Spitze der Götter, den Erben dieses (?) ganzen Himmels, die Erneuerung seines Hauses seines Leibes ausgeführt, seines Tempels der ersten Frühzeit, als Tat des Königs, des an Denkmälern Dauernden, des Sohn des Re: Mentuhotep, er lebe ewig".
(
Inschrift nach Wolfgang Schenkel, Herakleopolis-Theben: die epigraphischen Zeugnisse der 7-11. Dynastie Ägyptens, Verlag Harrassowitz 1965, S. 212)
Bild:        Ancient Egypt Hieroglyphic, Türstürz el Tod
Fotograf: Gary Todd aus Xinzheng, China, Wikipedia
Lizenz:  CC0 - no copyright

 

Architrav aus Sandstein - heute im Louvre, Paris (E 15107)
- Höhe: 22 cm; Länge: 192 cm; Dicke: 52 cm - 
(Bisson de la Roque: el Tod, Fig. Nr. 18)

Der Architrav aus Sandstein ist unvollständig erhalten und besteht aus zwei zusammengeklebten Fragmenten und enthält den Geburtsnamen des Königs und einen Widmungstext:
"[.....]......dieser Tempel (war/ist?) in einem sehr gro[ssen] Fest; [R]inder wurden so gestellt, dass der Schwanz auf den beiden Obelisken lag (??) im Angesicht von (??) Weihrauch;
[....]...Er hat den Himmel erreicht im Goldhaus (??) des Hauses des Month, als Tal des Königs, des an Denkmälern Dauernden, des Erben dieses ganzen Landes, des "Sohn des Re: Mentuhotep", er lebe ewig". 
(
Inschrift nach Wolfgang Schenkel, Herakleopolis-Theben: die epigraphischen Zeugnisse der 7-11. Dynastie Ägyptens, Verlag Harrassowitz 1965, S. 212)
Bild:        Ancient Egypt Hieroglyphic, Türstürz el Tod
Fotograf: Gary Todd aus Xinzheng, China, Wikipedia
Lizenz:  CC0 - no copyright

 

Weiterer Architrav aus Sandstein - heute im Museum Kairo (Inv.-Nr. E 15109)
- heutige Höhe: 67 cm; Länge: 167 cm, Dicke: 8 cm (lt. Louve-Seite) -
(Bisson de la Roque: el Tod, Fig. Nr. 19)

Die Inschrift des Architrav lautet übersetzt nach Wolfgang Schenkel folgendermaßen:
"Horus ZmA-tA.wj,die Beiden Herrinnen: ZmA-tA.wy,der von Month, dem Stier, der in NH.tj zu Gast ist, Geliebte. Der König von Ober- und Unterägypten, der Sohn des Re, Mentuhotep, er lebe ewig. Er hat (es) als Denkmal für Month, den über den Beiden Länder stehenden, gemacht, als Tat des Königs, der die Beiden Länder niederwirft, des Erben der Beiden Ufer, des Nb-Hpt-Ra, er lebe ewig.
(siehe Wolfgang Schenkel, Memphis-Herakleoipolis-Theben. Die epigraphischen Zeugnisse der 7-11. Dynastie Ägyptens, 1965, S. 213) in (2). 
Bild:       P1060225 Louve Linteau temple de Montou á Tôd rwk.JPG
Author:  unbekannter Künstler Mbzt 2011 - wikipedia 
Lizenz: CC-BY-3.0

 

Sandsteinarchitrav mit Sonnenscheibe

 

Bild: Bisson de la Roque: el Tod Fig. 19

wird fortgeführt.....

 

Quellen und Literatur:
1. www.mentuhotep.de / Homepage von Frau Elke Noppes (Mentuhotep-Nebhepetre)
2. MDAIK Nr. 19 - L. Habachi, (1963), King Nebhepetra Menthuhotep: his Monuments, Seite 16-52, Otto Harrassowitz-Verlag,
    Wiesbaden
3. ADAIK 18/1 (Bauen-Stiften-Weihen), Silke Grallert, 2001, Achet-Verlag, Berlin, S. 208)


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