Bilder oben: links: Merja Attia - rechts: Hanne Siegmeier
Quellen und Literatur-Angaben am Ende der Seite - nummerierte Verweise im Text
PM = Porter & Moss, Topographical Bibliography of Ancient Hieroglyphic Text, Reliefs and paintings 1927-1952Die Beschreibung der Grabanlage TT 71 beruht zum großen Teil auf Peter F. Dorman: The Monuments of Senenmut, London 1988. ISBN 9-7103-0317-3
Senenmut ließ sich zwei Grabanlagen bauen: Theben Tomb 71 und Theben Tomb 353, die er als Auszeichnung und Beweis der Gunst seiner Königin für sich anlegen dufte. Senenmuts thebanisches Grab TT 71 wurde gegen Ende des 7. Regierungsjahres von Hatschepsut begonnen (kurz nach Hatschepsuts Thronbesteigung, was kurz nach dem Tod seiner Mutter Hatnefer und ihrer Bestattung lag). Beeinflusst durch Funde bei ihrer Entdeckung sind die Forscher zu dem Ergebnis gekommen, dass beide Anlagen zeitlich nacheinander erbaut wurden und voneinander unabhängige Grabanlagen waren, welche sehr gut den "sozialen Aufstieg" Senenmuts widerspiegelten. Das erste Grab (TT 71 - dicht unter der Kuppe des "Sheik Abd el-Qurna" war lt. den Ägyptologen eine Grabanlage, welche den Verhältnissen eines hohen Beamten entsprach. Seine zweite (spätere) Anlage (TT 353) - die direkt neben dem Totentempel seiner Herrin Hatschepsut lag, hatte fast "königliche" Ausmaße und spiegelte die Entwicklung seiner Karriere bis in die höchsten Staatsämter des Reiches wider.
Beide Gräber wurden während der Herrschaft von Thutmosis III. oder etwas später schwer zerstört. Keines der beiden Gräber war für sich genommen vollständig fertig geworden (wie man es von einem ägyptischen Grab für eine hochrangige Person erwarten würde. TT 71 ist ein typisches thebanisches Grab mit einem Schacht und einer unvollendeten Grabkammer. Es entspricht den typischen oberirdischen Kultbauten thebanischer Gräber in dieser Zeit. Es besitzt allerdings keine Sargkammer, wie man es von einem Grab dieser Größenordnung erwarten könnte. Dieser Umstand lässt die Forscher vermuten, dass es sich bei TT 71 um eine sog. "Verehrungsstelle" (Kenotaph) handelte, an welcher der Totenkult für den Verstorbenen und seine Familie vollzogen wurde. Interessanterweise sind auch die Eltern von Senenmut in TT 71 dargestellt, die ihr eigenes Grab (ohne Oberbau) ganz in der Nähe hatten.
Frühere Forscher nahmen an, dass es sich bei den beiden Gräbern von Senenmut (TT 71 und TT 353) um zwei voneinander unabhängig angelegte Grabstätten handelt. An dieser Theorie ist aber in den letzten Jahrzehnten Zweifel aufgekommen. Keine der beiden Gräber besitzen alle notwendigen Komponenten für ein thebanisches Grab des Neuen Reiches:
TT 71 entspricht den typischen oberirdischen Kultbauten der thebanischen Gräber dieser Zeit, besitzt aber keine Sarkophagkammer, die zu einem Grab dieser Größenordnung passt. Zwar gibt es in der süd-östlichen Ecke der Querhalle (siehe Plan unten) eine kleine Kammer - diese kann jedoch aufgrund ihrer Größe nur für eine Nebenbestattung gedacht sein.
TT 353 liegt komplett unter der Erde und besitzt keinerlei oberirdische Kultbauten.
Beide Gräber zusammen gesehen, ergeben eine komplette private Grabanlage. Zwar war die Trennung von Kultanlage und Grab ein königliches Privileg Anfang der 18. Dynastie, war aber auch bei Privatgräbern von hohen Beamten zu finden (jedenfalls bei solchen, die sich eine solche Anlage "leisten" konnten (siehe den Wesir User, Maiherperi und Amenmope) (5).
TT 71 (Sheik Abd el-Qurna) Das thebanische Grab TT 71 - die Grabkapelle von Senenmut, dem Verwalter und Architekten Hatschepsuts - befindet sich in der Thebanischen Nekropole, am Westufer des Nils - gegenüber von Luxor, in der Nekropole um Sheik Abd-el-Qurna. Die Grabanlage wurde 1930 von Herbert E. Winlock ausgegraben - war jedoch schon ungefähr 100 Jahre vorher - trotz starker Zerstörungen - Gegenstand von "zahlreichen Untersuchungen" früherer Reisende. Schon Wilkinson (1827-1833), Hay (1824-1838) und Wild (1842-1848) kopierten Reste der Wandmalereien - leider hinterließen diese frühen Forscher keine Berichte von der ganzen Anlage. Auch Richard Lepsius (1842-1845) ließ Texte, welche auf "Stelen" an den Wänden des Grabes geschrieben worden waren und mehrere gesiegelte Ziegel kopieren. Außerdem ließ er eine Scheintür nach Berlin bringen (heute im Neuen Ägyptischen Museum Berlin ÄM 2066), welche an der hinteren Westwand des Grabes liegend gefunden wurde. Wahrscheinlich hatte diese Scheintür eine bedeutende Rolle beim Totenkult für Senenmut gespielt. Erst 1906 kopierte Kurt Sethe alle Inschriften und in den Jahren 1930/31 räumte Herbert Winlock das gesamte Grab frei (siehe Peter F. Dorman: The Monumente of Senenmut, London 1988). Winlock fand die Fragmente eines zertrümmerten Sarkophags.
TT 71 - Senenmut
- nach Porter & Moss - (N=Nischen)Dekoration:
1. Schacht
2.+3. gemauerte Torpfosten
A: Wandreliefs oben: 6 Kreter in einer Tribut-Szene. Drei
zerstört, einer mit Schwert, andere mit Vasen
Fries: Hathor-Köpfe, darunter Texte
B: oben autographische Textreste, Soldaten (zerstört)
4. Felsstele mit den Titeln des Grabherrn
5. Felsstele mit Titel Aufseher der Kornspeicher und Namen
der Eltern
6. Zwei Felsstelen mit Namen Eltern und Titel Haushofmeist.
7. Stele mit Titel d. Grabherrn, Aufseher d. kgl. Arbeiten
8. Stele mit Titel als Großer Haushofmeister und Elternnamen
9. Zwei Register: I. der Bruder Senimen (TT 252) und seine
Frau Senemiah vor Opfergaben sitzend
10. Reliefreste der Begräbnisprozession, gezogene Statuen
11+N. Statuennische und Stele (Berlin 2066) und ElternNeben den Amarna-Zerstörungen sind eindeutige Zeichen einer "Damnatio Memoriae" vorhanden, in denen der Name des Senenmuts systematisch ausgehackt wurde. Lepsius ließ damals eine Sitzstatue des Senenmuts mit Neferu-Ra aus der Nische (bei 11) entfernen und nach Berlin bringen (ÄM 2066). Ein zerschlagener und heute restaurierter Quarzit-Sarkophag des Senenmut befindet sich im Metropolitan Museum New York (Nr. 31.3.95). Es ist unbekannt, warum er sich in TT 71 befand.
In der südöstlichen Ecke der Pfeilerhalle wurde ein Schacht angelegt. Dieser mündete in 1,90 m Tiefe in eine kleine Kammer (3,5 x 1 x 1,05m) und sollte vermutlich als Grabkammer mit dem Sarkophag von Senenmut dienen. Dieser Teil der Anlage war fast fertig, als die Arbeiten eingestellt wurden.
Norman de Garis Davies entdeckte schon 1920 im aufgeschütteten Vorhof von TT 71 ein Ostrakon (Nr. 62, Kalkstein, Text hieratisch, schwarze Tinte), welches auf das Jahr "7, 4. Monat des Peret, Tag 2" datiert war und beschriftet war mit der Aufschrift: "Beginn der Arbeiten an diesem Grab".
Ostrakon Nr. 62 von TT 71
- Bild von H. Burton, public domain -
Kalkstein, hieratischer Text - schwarze Tinte
Maße: 14,5 x 10 x 2,5 cmNorman de Garis Davies entdeckte schon 1920 im aufgeschütteten Vorhof von TT 71 ein Ostrakon (Nr. 62, Kalkstein, Text hieratisch, schwarze Tinte), welches auf das Jahr "7, 4. Monat des Peret, Tag 2" datiert war und beschriftet war mit der Aufschrift: "Beginn der Arbeiten im Grab an diesem Tag".
W. C. Hayes hatte dieses Ostrakon 1942 publiziert und schrieb dazu, dass er der Meinung war, die Inschrift bezog sich auf die ersten Arbeiten an diesem Grab. Hayes war auch der Meinung, dass das Ostrakon erst in den Schutt des Vorhofes geraten war, nachdem das Grab der Eltern bereits zugeschüttet worden war.
Das erste Grab Senenmuts (TT 71) wurde T-förmig in den anstehenden Fels gehauen - davor lag ein Hof, der ca. 40 m breit und 25 m tief war. Dieser wurde aus zwei Terrassen gebildet, die mit einer Rampe verbunden waren. Hayes nahm an, dass das Baumaterial zum Auffüllen der Terrasse wahrscheinlich aus dem Aushub des Grabes stammt (Quelle: 3). Unter dem Hof fanden W. Hayes und A. Lansing 1936 das Grab der Eltern von Senenmut (Hatnefretund Ramose). Die Ägyptologen sind sich sicher, dass die Lage des Grabes seiner Eltern direkt unter dem Hof im Gesamtkonzept der Anlage von TT 71 schon bei Baubeginn berücksichtigt gewesen sein musste. Hatnefret die Mutter von Senenmut ist nach seinem Vater Ramose verstorben - also wenn man dafür das Ostrakon, das uns ein Datum nennt, als Anhaltspunkt nimmt, spätestens im Jahre 7 der Regierung von Hatschepsut, zumindest aber in diesem Jahr beerdigt worden (danach war die Grabanlage nicht mehr zugänglich, da es zugeschüttet war). In der Grabanlage wurden mehrere Tonkrüge mit Aufschriften und einem Siegel der "vollkommenen Göttin Maat-ka-Ra" gefunden. Dieses bedeutet, dass Hatschepsut zu diesem Zeitpunkt der Bestattung seiner Mutter Hatnefret bereits den Titel "Pharao" trug.
Das Gebiet von Sheik Abd el-Qurma mit dem Grab TT 71
- mit Blick auf die weitgehend zerstörte Querhalle in der Mitte -Die Frontansicht von TT 71 (dem ersten Grab von Senenmut) - links oben die weiße Kapelle von "Sheik Abd el-Qurna". Die Fassade ist ca. 30 m breit. Der Eingang befindet sich in der Mitte - auf beiden Seiten gibt es 4 Nischen mit Fenstern. TT 71 wurde T-förmig in den anstehenden Fels gehauen, der davor liegende Hof (40m breit und 25m tief) wurde aus zwei Terrassen gebildet, die mit einer Rampe (siehe links) verbunden waren.
Oberhalb der Kapelle, befindet sich in den Fels gehauen eine Blockstatue von Senenmut.
Bild: Courtesy to Heidi Kontkanen, Finnland
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Linke Seite der Grabfassade (Südseite) mit dem Vorhof
und mit den "Fensternischen" auf der linken FrontseiteDie Unterseite der "Fenster" liegt etwa 2,10 m über dem Boden. Der obere Teil der Fassadenmauer wurde zerstört und konnte von den Forschern nur aufgrund archäologischer Forschungen rekonstruiert werden (siehe Bild - in Ziegelbauweise). Bild: Courtesy to Hanne Siegmeier
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Zentraler Eingang in das Grab TT 71
Blick auf den zentralen Eingang in der Fassade, durch die man die 26m breite Säulenhalle mit zwei Gängen mit 8 Säulen in der Mitte, betrat. Bild: Courtesy to Heidi Kontkanen, Finnland
- all rights reserved -Eine erwähnenswerte und interessante Statuengruppe befindet sich am westlichen Ende eines horizontal verlaufenden Ganges (etwa 7m lang und 2m breit) der genau über dem mittleren Gang der Anlage und in Höhe der Oberkante der Fassadenfront in den Fels geschlagen wurde. Die Blockstatue befindet sich in einer flachen Vertiefung, ist aber leider unbeschriftet und unvollständig. Sie ähnelt den uns schon bekannten Blockstatuen Senenmuts, der die Prinzessin Neferu-Ra vor sich in einem Umhang gehüllt hält. Auch von dem ursprünglichen Gang ist heute nichts mehr erhalten, so dass die Statue vollständig im Freien steht.
Blockstatue des Senenmuts
Über dem zentralen Korridor befindet sich diese unvollendete Blockstatue von Senenmut, der die Prinzessin Neferu-ra in seinem Mantel eingehüllt vor sich hält. Die Statue wurde direkt aus dem Fels gehauen und befindet sich in einem kleinen in den Fels gehauenen Schrein.
Bild: Courtesy Heidi Kontkanen, Finnland
- alle Rechte vorbehalten -Eine ähnliche architektonische Ergänzung durch eine Statuengruppe - aber nicht identische - kennen wir aus der Grabanlage eines Zeitgenossen von Senenmut, dem "Diener und Amme der Prinzessin Neferu-Ra, " Senimen, der von den Forschern zeitweilig für seinen Bruder gehalten wurde. Dieser ließ ebenfalls eine solche Statue oberhalb seines Grabes TT 252 aufstellen. Auch er hält die Prinzessin Neferu-Ra auf seinem Schoß vor sich.
Blockstatue den Senimen - oberhalb seines Grabes TT 252 Sheik Abd el-Qurna
Oberhalb der Grabanlage des Senimen (Diener und Amme der Gottesgemahlin Neferu-Ra) befindet sich ebenfalls eine Statuengruppe - die seinem Titel entsprach. Er hält die Prinzessin Neferu-Ra auf seinem Schoss - neben ihm steht eine Frau, die Norman de Garis Davies als seine "Gemahlin Sen(iemyahl), geboren von der Herrin des Hauses Tu-ef, gerechtfertigt" identifizierte (Davies weist aber daraufhin, dass aufgrund des stark verwitterten Textes die Möglichkeit besteht, dass es sich bei Tu-ef um die Gemahlin des Senimen handeln könnte. Andere Forscher (Roehrig, C. H. 1990) vermuten, dass Sen(iemyahl) die Mutter von Senimen sein könnte.
Bild: Courtesy to Hanne Siegmeier
- all rights reserved -Das Innere der Kapelle hat einen T-förmigen Grundriss (auf dem Kopf stehend). Der Innenraum liegt lt. F. Kampp (1996) ungefähr einen halben Meter tiefer als der äußere Vorhof. Die Querhalle ist ca. 26 m lang und wird von 8 Säulen getragen. Auf der Rückseite der Querhalle befinden sich mehrere kleine Nischen. Interessant bei der Dekoration ist die bislang älteste bekannteste Darstellung von "Minoern" in Ägypten. U. a. befinden sich in den Darstellungen auf der nördlichen Stirnwand des nordwestlichen Korridors der Querhalle auch marschierende Soldaten (Reste von zwei Figuren sind lt. Dorman 1991 noch erkennbar), ebenso unterhalb der Figuren, wo sich Reste eines in Rot ausgeführten Gitternetzes befanden, das als Hilfslinie für die Übertragung der Zeichnung an die Wand benutzt wurde. Diese Hilfslinien befinden sich auch bei den Reliefs der kretischen Tributträger (aus Kreta) an der Westwand des nordwestlichen Ganges der Querhalle. Sethe (nach Dorman, loc. cit. Sethe, loc, cit) identifizierte einige Textreste in verschiedenen Zeilen mit "Südland" (tA-nhsj=Nubien) - Armband - ich habe gepackt (Beute machen?), und vermutete daher, dass Senenmut seine Karriere beim Militär begonnen hatte. Dorman (1991) zweifelte dieses an und weist daraufhin, dass die Belege für eine militärische Karriere von Senenmut nicht beweiskräftig und sehr dünn wären. Es fehlten auch in der Aufzählung seiner vielen Titel irgendwelche Hinweise auf militärische Titel.
Reste eines Hathorfrieses
An der Westwand des südwestlichen Ganges der Querhalle befinden sich Reste eines Hathorfrieses
Bild: Courtesy to Merja Attia
- all rights reserved -
Reste der Deckendekoration
Im südwestlichen Gang der Querhalle sind Reste der Deckendekoration erhalten
Bild: Courtesy to Heidi Kontkanen
- all rights reserved -
Reste der Deckendekoration
Im südwestlichen Gang der Querhalle sind Reste der Deckendekoration erhalten
Bild: Courtesy to Merja Attia 2014
- all rights reserved -
Einige Reste der Deckendekoration befinden sich im Metropolitan Museum New York
Deckenmalerei aus dem Grab TT 71 des Senenmuts
- heute im Metropolitan Museum (SAE 71)Bild: Senenmut-CeilingPaintingsMET
Autor: Keith Schengili-Roberts, Wikipedia 31. 1. 2007
Lizenz: CC BY 2.5
Deckenmalerei aus dem Grab TT 71 des Senenmuts
- heute im Metropolitan Museum (SAE 71) -Bild: Senenmut-CeilingPaintingsMETCampel03
Autor: Keith Schengili-Roberts, Wikipedia 31. 1. 2007
Lizenz: CC BY 2.5Dieser nordwestliche Teil der Querhalle ist mit einem Ziegelbauwerk vom restlichen Teil abgetrennt und heute nicht mehr zugänglich - wohl zum Schutz der bedeutenden Dekorationsreste in der Ecke des westlichen Korridors des rechten Flügels. Von der originalen farbigen Dekoration ist heute nur noch sehr wenig erhalten.
Blick vom südlichen Teil der Säulenhalle von TT 71
auf den nordwestlichen (vermauerten) Teil, der heute nicht mehr zugänglich ist.Bild: Courtesy Hanne Siegmeier 2011
Mehrere Grabschächte - von denen der eine am rechten Ende der Querhalle und der andere am Ende des axialen Korridors nach F. Kamp (1996) evtl. zur ursprünglichen Grabanlage gehörten - befinden sich vor und im Grab. Andere, wie der Grabschacht, der sich unmittelbar hinter dem Eingang zur Querhalle befindet und der Stollen, der etwa in der Mitte des axialen Korridors abgeht, entstanden vermutlich erst bei der späteren Wiederverwendung der Grabanlage. Die gesamte Anlage ist außen und innen weitestgehend zerstört.
Die acht 16-kantigen Säulen, die zentral angeordnet sind wurden direkt aus dem Fels geschlagen und teilen die Säulenhalle in zwei Gänge (einen östlichen und einen westlichen Gang). Sie haben einen Durchmessen von ca. 1,4 m. Die Decke in beiden Gängen ist unterschiedlich geformt und ihre Höhe liegt bei etwa 4,2 - 4,5 m. Die Breite der Halle erreicht ca. 5,2 m.
Die südlichen Reste der Säulenhalle in TT 71
rechts vom rechten Korridor, ist der Eingang zum axialen Korridor.Photo: Courtesy to Heidi Kontkanen, Finnland
- all rights reserved -An der Decke der Säulenhalle befinden sich die Namen der Eltern von Senenmut: Ramose und Hatnefer/Hatnofret. Der Vater wurde als "Sab / Würdiger" bezeichnet und seine Mutter trug den Titel "Herrin des Hauses". Hier befand sich auch der einzig erhaltene Name von Senenmut und auch ein Fluch gegen alle, die seinem Grab Schaden zufügten, der aber wohl nicht wirklich gewirkt hatte, denn die meisten Teile seiner Grabdekoration sind zerstört (absichtlich). Vermutlich wurden die Götternamen während der Amarnazeit zerstört, für die Zerstörungen des Namens und der Bilder von Senenmut ist - je nach Lesart und Deutung - Hatschepsut (wenn er wie einige glauben, bei ihr in Ungnade gefallen ist) oder ihr Nachfolger Thutmosis III. verantwortlich gewesen sein. Alle Inschriften in TT 71 wie auch auf seinen Statuen zeigen einen starken Bezug auf Hatschepsut bzw. seine hervorgehobene Stellung am Hofe der Königin. Es gibt aber keine Belege oder Hinweise auf Neferu-Ra innerhalb der Grabanlage - nur die Felsstatue oberhalb der Anlage geben einen Bezug auf Neferu-Ra wieder, was zu vermuten lässt, dass diese bei Baubeginn von TT 71 noch am Leben war.
Der südliche Teil der Säulenhalle
Die mittlere Reihe von acht 16-seitigen Säulen mit einem Durchmesser von ca. 1,4 m wurde ebenfalls direkt aus dem Fels geschnitten und teilt die Querhalle in 2 Seitenschiffe (ein östliches und ein westliches). Diese Seitenschiffe waren ca. 4,5 m hoch und hatten alle eine unterschiedlich geformte Decke. Die Breite der Halle betrug ca. 5,2 m. Hierin der südlichen Säulenhalle gibt es noch drei Säulen, welche die Decke stützen, ein wenig Dekoration ist auch noch erhalten. Der größte Teil der Querhalle ist aber zerstört, nur am südlichen Ende sind die Decke und einige Stützpfeiler erhalten geblieben. Die Decke des Nordflügels ist komplett eingestürzt.
Photo: Courtesy to Hanne Siegmeier
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Nischen in der Pfeilerhalle
Auf der Rückwand der Säulenhalle waren mehrere Nischen (unterschiedlicher Größe) so in den Fels gehauen, dass sie am Morgen aus den gegenüberliegenden Fenstern beleuchtet wurden. Über ihre Funktion ist nichts bekannt. Photo: Courtesy to Merja Attia, Finnland
- all rights reserved -Von der Mitte der Rückwand führte rechtwinklig ein schmaler Korridor (ca. 23 m tief) in den anstehenden Fels hinein. Er endete an einer Wand, vor der vermutlich eine aus rotem Quarzit gearbeitete Scheintür stand, die von Lepsius nach Berlin ins Ägyptische Museum, gebracht wurde. Lepsius fand diese Scheintür an der hinteren Westwand liegend vor. Er vermutete ihre ursprüngliche Position unterhalb der Nische (1,15 m x 1,30 m x 1,74m), die mit Kalkstein ausgekleidet war. Vermutlich hatte in der Nische eine Statue des Senenmuts gestanden, die sich jetzt ebenfalls im Neuen Ägyptischen Museum Berlin befindet (Berliner Würfelhocker des Senenmuts mit der Prinzessin Neferu-Ra, die 1843 aus Privatbesitz angekauft wurde, womit leider ihr genauer Aufstellungsort nicht bekannt ist).
TT 71 - zentraler Korridor mit Nische
Der zentrale Korridor des Senenmut-Grabes ist 23 m lang und an seinem Ende wurde die Scheintür gefunden, die sich heute im Neuen Museum Berlin befindet. Über der Scheintür befand sich diese auf dem Foto zu sehende Nische. Sie ist über 2 m hoch (vom Boden aus). In dieser Nische befand sich ein kleiner Kalksteinschrein - von dem heute noch ein Teil zu sehen ist.
An der Decke sind Reste der Bemalung zu erkennen.
(Bild: Courtesy to Hanne Siegmeier)
- alle Rechte vorbehalten -
Senenmut - Blockstatue Berlin ÄM 2296
Bild: Courtesy Peter Alscher, Kümmersbruck
- alle Rechte vorbehalten -
Scheintür Senenmut aus dem Grab TT 71
heute im Museum Berlin ÄM 2066
(Quelle: www.maat-ka-Re.de)Die Lepsius-Expedition fand diese Scheintüre an der hinteren Westwand liegend vor und ließ sie nach Berlin ins Ägyptische Museum bringen. Sie wurde aus einem einzigen gelben Quarzitblock gearbeitet. Die Dekoration zeigt eine Kapellenfassade mit Hohlkehle und Rundstab. In der Mitte befindet sich die eigentliche Scheintür mit Türrolle, in der ein Register mit der "Speisetischszene" in ihrer Mitte eingearbeitet worden ist.
Die Beschriftung besteht aus dem Spruch aus dem Totenbuch (Nr. 148) - von den 7 Kühen des Re und den 4 Himmelsrudern (rechts aussen). Auf der rechten Seite ist der Gott Anubis dargestellt, darunter die 4 Steuerruder - hier nicht als einfache Ruder, sondern als mumienförmige Götter.
Diese Scheintür ist außergewöhnlich, denn der verwendete Stein - Quarzit - war nur den Königen vorbehalten - Beamte durften nur andere Gesteinsarten wie Granit verwenden. Dieses geschah bei Senenmut nicht versteckt - sondern war für alle zu sehen (also mit ausdrücklicher Genehmigung seiner Herrin - was seine ganz explizite Stellung zeigte - wie auch die in Resten noch sichtbare grau/grüne Bemalung auf der Scheintür bei der Figur des Anubis und der mumienförmigen Götter.
Bild: False door of Senenmut
Autor: Osama Shukir-Muhammed Amin FRC (Glasg.)
Wikipedia 22. Juli 2019
Lizenz: CC BY-SA 4.0In der Speisetischszene - in der Mitte - ist Senenmut zusammen mit seinen Eltern in einer "Speisetischszene" zu sehen. Sein Vater Ramose sitzt links von ihm und hat seinen Arm um die Schultern von Senenmut gelegt. Ihm gegenüber sitzt seine Mutter Hatneferet, die ihm eine Lotusblume an die Nase hält.
Nur noch sehr wenige Reste sind von der ursprünglichen Decken- und Wanddekoration erhalten. Zu den eher ungewöhnlichen Dekorations-Elementen in TT 71 gehören u. a. neun stelenförmige Wandflächen, die geglättet wurden und beschriftet. Auch diese weisen alle deutliche Spuren von Zerstörungen auf.
Der Text und die Beschreibung der Wandstelen erfolgt nach Dorman, Die Monumente Senenmut, Problems in Historical Methodology, London, Kegan Paul 1900 ISBN =-7103-0317-3.
Im axialen Gang von TT 71 befindet sich in der Mitte eine Opferliste (lt. Dorman) von der heute nichts mehr zu erkennen ist. Auf der westlichen (linken) Seite der Opferliste, sitzt Senenmut, der nach Osten schaut - auf der anderen Seite (westliche Seite / rechts) sitzt Senimen (der früher oft für einen Bruder von Senenmut gehalten wurde lt. Sethe 1906) neben einer Frau mit Namen Seniemyah, die später von Norman de Garis als seine Gemahlin identifiziert wird. Aber auch diese Identifizierung von Norman de Garis wird später noch einmal durch C. H. Roehrig (1990) revidiert, wobei er vermutet, dass Tu-ef die Gemahlin des Senimen war und Seniemyah, die Herrin des Hauses, seine Mutter sein muss.
Bankettszene aus dem Grab Senenmuts (TT 71)
Auf der nördlichen (rechten) Wand des axialen Korridors (nach Dorman) befindet sich eine Bankettszene mit Senimen (Diener und Amme der Gottesgemahlin Neferu-Ra) auf der rechten Seite und hinter ihm seine Frau (oder Mutter) Senemiyah. Beide schauen nach rechts zu einer Opferliste. Photo: Courtesy to Merja Attia
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Teil einer Opferliste an der südlichen Wand des axialen Korridors.
Bild: Courtesy to Merja Attia
- all rights reserve -Auf der südlichen Wand des axialen Korridors befinden sich die Wandstelen 1-6. Links davon - ganz oben rechts auf der Wand ist eine rituelle Pilgerfahrt nach Abydos dargestellt (lt. Dorman). Links sind ein Segelboot und rechts davon ein kleines Boot zu sehen, das von dem Segelboot im Schlepptau gezogen wird, auf dem ein Sarkophag erkennbar ist. Nach rechts fortsetzend befinden sich die Wandstelen 1-6. Unklar ist die Dekoration, welche die Wandstelen umgab. Die Fläche der Stelen wurde etwa 8-9 cm tief in den anstehenden Fels eingearbeitet und weiß bemalt. Die Hieroglyphen wurden im erhabenen Relief in den Fels geschnitten und original blau bemalt.
Wandstele Nr. 1 - südliche Wand des Korridors
(H. 73 cm x B. 36 cm)Wandstele Nr. 2 - südliche Seite des Korridors
(H. 37cm x B. 29cm)Diese Wandstele wurde von Dorman (1991) mit der Nr. 1 bezeichnet und befindet sich auf der südlichen Seite des Korridors. Die Inschrift (zerstörte Textzeile in Klammern) lautet: "Der große Haushofmeister des (Amun, Senenmut). Wegen der unterschiedlichen Bearbeitung der Auslöschungen wird vermutet, dass der Name Senenmut direkt nach dem Ende der Regierung Hatschepsuts und der Name des Amun evtl. erst in der Amarna-Zeit gelöscht wurde. Der Text der Stele Nr. 2 ist lt. Dorman (1991) zweispaltig - die Figur schaut nach Westen (rechts) und der Text lautet nach Dorman:
"Der große Haushofmeister (des Amun, Senenmut)
Bild: Courtesy Hanne Siegmeier
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Wandstele Nr. 3 - südliche Wand des Korridors
(H. 52 cm x B. 26 cm)Wandstele Nr. 4 - südliche Seite des Korridors
(H. 71cm x B. 43mDiese Stele auf der südlichen Seite des Korridors ist im Text und in der Anordnung identisch mit Stele Nr. 1.
Der zweispaltig angeordnete Text ist nach links (Osten) ausgerichtet und lautet (lt. Dorman) "Der Aufseher des Kornspeichers des (Amun, Senenmut), gezeugt von Ramose, geboren von Hat-nefer". Bild: Courtesy Hanne Siegmeier
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Wandstele Nr. 5 - südliche Wand des Korridors
(H. 74 cm x B. 44 cm)Wandstele Nr. 6 - südliche Seite des Korridors
(H. 37 cm x B. 23 cm)Der zweispaltig angeordnete Text ist nach Osten (links) angeordnet. Die Inschrift nennt sowohl Titel als den Namen von Senenmut und den von Amun, die beide zerstört sind (Lesung ist daher unklar). Wahrscheinlich lautet sie aber (nach Dorman): "(Der Haushofmeister des Amun, Senenmut), gezeugt von Ramose, geboren von Hat-nefer". Der Text ist einspaltig und wurde hier nach Westen ausgerichtet. Er lautet: "Der Haushofmeister, Senenmut". (nach Dormann)
Bild: Courtesy Hanne Siegmeier
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Wandstele Nr. 7 - nördlichen Wand des Korridors
(H. 36 x 22 cm)Wandstele Nr. 8 - nördlichen Seite des Korridors
(H. 6e7 cm x B. 42 cm=Der Text der Stele ist zweispaltig und nach Osten gerichtet. Der Name von Senenmut in der rechten Spalte ist unsauber ausgelöscht, einige der Hieroglyphen in der linken Spalte sind aber noch gut die roten Vorzeichnungen zu erkennen. Dorman übersetzte den Text wie folgt:
"Der große Haushofmeister (Senenmut, gerecht)fertigt, gezeugt von Ramose, geboren von Hat-nefer".Der Text auf der Stele Nr. 8 ist einspaltig angeordnet und nach Osten gerichtet. Zu lesen sind noch "Der Aufseher aller königlichen Arbeiten (Senenmut) - Name ausgelöscht".
Bild: Courtesy Merja Attia
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Stele Nr. 9
Stele Nr. 9 - auf der rechten Seite des Ganges war wohl einspaltig und nach Osten hin angeordnet. Die Hieroglyphen sind aber sorgfältig zerstört. Dorman vermutete aber trotzdem, dass die Inschrift "Der Haushofmeister, Senenmut" lautete.
Bild: Courtesy to Merja Attia
- all rights reserved -Im Metropolitan Museum New York befinden sich zwei Grabkegel, die lt. Dorman zu TT 71 zugewiesen werden können - diese nennen seinen Namen und seine Titel: (Macadam Nr. 84):Haushofmeister des Amun, Senenmut, Priester der (Barke) Userhat-Amun, Senenmut gerechtfertigt, Vermögensverwalter der kgl. Tochter, Neferu-Ra, Senenmut, Aufseher der Rinder des Amun, Senenmut.
(Macadam Nr. 88): Inschrift: Speichervorsteher des Amun, Senenmut, Vorsteher der Felder des Amun, Senenmut, Vermögensverwalter der Gottesgemahlin Hatschepsut, Senenmut, Kanzler, Senenmut gerechtfertigt.(Übersetzung: Zenihiro, 20098)
| TT 353 - im Steinbruch des Senenmut - Deir el Bahari - |
Herbert E. Winlock entdeckte die zweite Grabanlage von Senenmut während der Grabungssaison 1926/27 im Januar des Jahres 1927 versteckt liegend in der westlichen Ecke einer Bodensenke (Steinbruch des Senenmuts) bei seinen Untersuchungen einer Begrenzungsmauer um den Grabtempel von Mentuhotep II. Neb-hepet-Ra in Deir el Bahari. Er entdeckte den Eingang zu TT 353, der mit Lehmziegeln vermauert war, als er den Teil einer Bodensenke zwischen einem Schutthaufen von der Grabung Naville untersuchte, weil er wohl die Absicht hatte, dort seinen eigenen Grabungsschutt vom Bereich des Mentuhoteps abzulegen.
Leider sind die Aufzeichnungen über diese Ausgrabungen völlig unzureichend und stimmen wenig überein. Das Archivmaterial ist lt. Dorman (1991) "sehr dürftig" und die relevanten Aufzeichnungen scheinen erst einige Jahre später niedergeschrieben worden zu sein. Der Ausgrabungsfortschritt wurde von dem Fotografen Harry Burton fotografiert - aber nur wenige der Negative wurden mit Datum erfasst oder sortiert - aber die zeitliche Abfolge konnte rekonstruiert werden. Durch die unzureichende Publikation und Dokumentation der Ausgrabung ist auch eine Datierung des Baubeginns von TT 353 schwierig, der ungefähr um das Jahr 16 von Hatschepsut erfolgte, was wichtig ist für die Bestimmung des evtl. Todes der Prinzessin Neferu-Ra.
Winlock beschloss 1926, den Steinbruch zu untersuchen, der zu diesem Zeitpunkt ein großer Schutthaufen war. Zwei Wochen nach Beginn der Arbeiten fand eine der beiden Ausgrabungsgruppen von Winlock, die im Steinbruch nahe des "Cook-Rasthauses" von Thomas Cook & Söhne (das dieser für Touristen errichten ließ) arbeitete, ein Gründungsdepot, welches auf ein nahegelegenes Grab aus der 18. Dynastie hindeutete. Winlock erwähnte in diesem Bericht zum erstenmal ein Ostrakon aus dem Jahre 16 der Hatschepsut, welches man zwischen den Ziegeln gefunden hatte.
Dorman geht aber davon aus, dass der Baubeginn von TT 353 um einige Jahre früher als im Jahr 16 von Hatschepsut zu datieren ist, wodurch man aufgrund der Fundlage in und um TT 353 nicht mehr sicher ein Ableben von Neferu-Ra zwischen dem Jahr 11 (wo sie auf einer Stele belegt ist) und dem Jahr 16 zu datieren ist. Evtl. hat die Prinzessin ihre Mutter überlebt.
Das Jahr 16 in der Regierung von Hatschepsut scheint ein zeitlicher Fixpunkt für weitere Datierungsversuche zu sein, welcher an zwei "Eckpunkten mit Belegen" festzumachen ist.
1. eine Inschrift in Karnak, die sich auf der
Basis des nördlichen Obelisken zwischen dem 4. und 5. Pylon befindet und
belegt, dass das 2. Obeliskenpaar
der Hatschepsut im Jahre 16 aufgestellt wurde.
2. auf einem Ostrakon, datiert auf das Jahr 16, der von Winlock 1926 in Deir el Bahari (im sog. "Senenmut-Steinbruch) gefunden wurde.
Grabbeschreibung:
Die Grabanlage TT 353 liegt in der
thebanischen Nekropole nahe dem Totentempel von Hatschepsut in Deir el Bahari
und wurde vollkommen in den Felsen gehauen. Der Eingang liegt in einer Mulde,
östlich vom Tempel der Königin. TT 353 hat keine oberirdische Kultstelle und
besteht nur aus einem sehr langen unterirdischen Gang, der nach ca. 80 m zu
einer Grabkammer führt.
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Theben Tomb 353 - in Deir el Bahari (links) |
| Der Grabeingang von Senenmuts Anlage befindet sich links neben dem Grab des Nespekaschuti (TT 312) |
| Bild:
Felsengräber
Deir el-Bahari 8 Autor: Olaf Tausch, Okt. 2019, Wikipedia Lizenz: CC BY-3.0 DEED |
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Theben Tomb 353 - in Deir el Bahari (links) |
| A-C = Kammern Der Nebenraum befindet sich ca. 45 m vom Eingang entfernt auf der linken Seite des Ganges. Die "Stele" auf der gegenüberliegenden Wand - also auf der rechten Seite - zeigt die bekannte Tuschezeichnung des Senenmuts (siehe Bild unten von Meretsegerbooks. Der Raum A ist als einziger dekoriert. Hier befindet sich auch die weltbekannte astronomische Sternendecke und eine in Stelenform in die Westwand gearbeitete Scheintür, die fast identisch ist mit der Scheintür von TT 71. |
| Planzeichnung: nach Infotafel vor dem
Grab TT 353 - bearbeitet von Nefershapiland - (nach einem Bild von Heidi Kontkanen) |
Hinter dem Eingang führt eine Treppe von Osten nach Westen über drei gradlinig absteigende Gänge in die Tiefe. Nach etwa 45 m (andere Quellen nennen 58 m vom Eingang entfernt) befindet sich an der Südseite eine kleine Tür, die in einen kleinen Nebenraum führt, der in den Kalkstein geschlagen wurde. Direkt unterhalb dieses Nebenraumes findet sich eine Nische in der Wand. Auf der rechten Seite des Ganges - direkt gegenüber der Nische - wurde ein kleiner Bereich in Form einer Stele in den Felsen geschnitten, welche die allgemein bekannte Tuschezeichnung des Senenmuts zeigt.
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Tuschezeichnung Senenmut Diese Tuschezeichnung Senenmuts befindet sich auf der rechten Seite des abwärts führenden Ganges. Er blickt in Richtung des Ausgangs. Die Beischrift rechts neben seinem Kopf lautet: Domänenvorsteher des Amun", dazu der Name Senenmut. Die Zeichnung zeigt Kopf und Schulter von Senenmut. Die Zeichnung wurde über einem Raster aus roten Quadraten ausgeführt und weist deutliche Korrekturen an der Nackenpartie aus. Die vollen Wangen und das Doppelkinn charakterisieren die Darstellung eines "gut situierten Beamten". Bild: Courtesy to www.meretsegerbooks.com |
Der gradlinige Hauptgang mündet nach weiteren 10 Metern in eine Kammer (A), die als einzige der Grabanlage dekoriert wurde. Die Wände sind mit Kalkstein verkleidet worden - Unregelmäßigkeiten wurden mit Gips ausgebessert. Die Dekorationen an Wand und Decke wurden vollendet.
An den Wänden und Decken von Raum A befinden sich Texte aus dem Totenbuch sowie unvollendete astronomische Kalendereinträge, die als erste Vertreter der Dekanlisten C auf den Vorlagen der Dekanliste A2 des Mittleren Reiches in Asyut basieren (6).
Astronomische Sternendecke
Die Sternendecke im thebanischen Grab 353 des
Senenmuts ist die früheste astronomische Darstellung, die man bislang
gefunden hat. Eine weitere solche Decke fand man im Grab von Sethos I.
Einige der Hauptfiguren und Sterne im Diagramm sind Sirius, Orion, Großer Bär, Drache (kann auch als Nilpferd mit Krokodil auf dem Rücken dargestellt werden). Die vier Planeten Jupiter, Saturn, Merkur und Venus sind relativ leicht zu erkenn. Der Planet Mars ist in der eigentlichen Gruppierung nicht enthalten und scheint auf den ersten Blick auf der Karte zu fehlen. Eine Erklärung dafür kann jedoch sein, dass Mars auf der Senenmut-Karte als leeres Boot im Westen dargestellt ist und evtl. rückläufig war und sich nicht bei den anderen Planeten befand. Oder eine andere Erklärung (von J. A Belmonte/die astronomische Decke von Senenmut: ein Traum aus Mysterium und Fantasie, Tagungsbericht des SEAC 2005) könnte sein, dass "aufgrund des Platzmangels beim Verschieben des Entwurfs von einer konischen auf eine flache Oberfläche (die Grabdecke ein Teil der Dekorationsvorlage verloren ging".
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Astronomische Decke aus dem Grab TT 353 von Senenmut (Raum A) |
| Die Figuren stellen
Sternbilder oder Schutzgötter dar und die Textspalten im oberen Teil
über den Sternen listen Planeten und Sterne auf, die als Dekane
bezeichnet werden. Die 12 Kreise in der Mitte, die jeweils in 24
Segmente für die Stunden des Tages und der Nacht unterteilt sind,
sind mit den Namen der Monate des Jahres beschriftet.
Auf der nördlichen Hälfte werden Sternbilder des Nordhimmels gezeigt (mit dem Großen Bären/Ursus major) - dargestellt als Stier mit ovalem Körper, in welchem der Name unter den drei Sternen steht. Eine Reihe von Göttern mit Sonnenscheiben auf den Köpfen bewegen sich zur Bildmitte hin. Über den roten Kreisen sind die ursprünglichen Monatsfeste im Mondkalender aufgeführt. In der unteren Reihe sehen wir in der Mitte ein aufrecht stehendes Nilpferd, das ein Krokodil umklammert und ein zweites auf dem Rücken hat. Sein Name ist "IsFakset-Djamet-Heb-Pet" (Isis-Djamet, Fest des Himmels) |
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Bild: CC0 1.0 Universal - no Copyright |
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Senenmut - Astronomische Decke
in TT 353 Die astronomische Decke erstreckt sich über3 x 3,6 m (im Bereich ihrer größten Ausdehnung). In der südlichen - oberen - Hälfte zeigt die Darstellung eine Liste der Dekangestirne sowie dazu gehörende Sternenbilder des Südhimmels, des Orion und der Sothis. Ferner befinden sich die Planeten Jupiter, Saturn, Merkur und Venus, die zum Teil als Götter in ihren Barken fahrend dargestellt sind, auf der astronomischen Decke. Eine Inschrift verläuft in mehreren Registern quer zwischen den beiden Himmelshälften. Hier wird Senenmut (nicht gelöscht) direkt neben seiner Herrin Hatschepsut genannt: "Es lebe Horus - Mächtig an Ka-Kräfte - die Beiden Herrinnen, jung an Jahren, Goldhorus, Göttlich an Erscheinungen, König von Ober- und Unterägypten, Maat-ka-Ra, geliebt von Amun, sie lebe, der Siegelbewahrer des Königs, Domänenvorsteher des Amun, Senenmut, gezeugt von Ramose, geboren von Hatnefret". Die Inschrift deutet daraufhin, dass sich Senenmut zu diesem Zeitpunkt (des Baues von TT 353) auf dem Höhepunkt seiner Macht befand und höchste Privilegien hatte.
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Astronomische Decke im Grab TT 353 des Senenmuts |
| Dieser Teil der astronomischen Decke (nördlicher Teil) zeigt rechts eine Reihe von Göttern, die Sonnenscheiben auf dem Kopf tragen. |
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Bild: “Courtesy of www.meretsegerbooks.com”. |
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Astronomische Decke im Grab Senenmuts )TT 353) |
| Sternbild am Nordhimmel mit dem Großen Bären (Ursus major), dargestellt als Stier mit ovalem Körper, in dem der Name unter den 3 Sternen auf dem Körper des Stiers steht. Der Schwanz des Stiers endet in drei Kreise. Der Dritte ist mit dem oberen Ende des spitzen Dreiecks in der Mitte verbunden. Vor dem Stier steht eine Figur mit einem Falkenkopf, deren Name "Anu" ist, der den ovalen Stier mit einem Speer durchbohrt und "Serket", die Göttin hinter dem Stier. |
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Bild: “Courtesy of www.meretsegerbooks.com”. |
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Astronomische Decke im Grab Senenmuts )TT 353) |
| Südliche - obere - Hälfte der Liste der Dekangestirne mit den Sternenbildern des Sirius und des Osiris. Links ist Isis zu sehen, de Sirius darstellt, mit Krone und Feder geschmückt. Die drei ausgerichteten Sterne und die Figur auf dem Schiff mit Zepter und Anchzeichen in den Händen sind mit dem Sternzeichen Orion verbunden. |
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Bild: “Courtesy of www.meretsegerbooks.com”. |
Dorman stellt fest, dass es im Grab "TT 353" keinerlei Anzeichen einer Beerdigung gibt und auch keine Gegenstände aus Senenmuts Grabbeigaben vorhanden sind. Entweder wurden also alle Grabbeigaben zerstört oder geraubt oder sie waren nie dort.
Scheintür:
Zentrum der Dekoration im Raum A ist
eine als Scheintür gearbeitete Stele auf der Westseite der Kammer, welche
fast identisch ist mit der aus TT 71 und die teilweise mit dem Spruch
148 des Totenbuches dekoriert ist. Die restlichen Wandflächen sind auch mit
Totenbuchsprüchen in versenkten Relief beschriftet.
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Scheintür aus TT 353 - Bild aus Dorman, Peter (1991) Ebenso wie bei der Scheintür in TT 71 sind auch hier wieder auf der linken Seite Bullen und 7 Kühe zu sehen, an deren Spitze (oben) Anubis und darunter der Sonnengott Re steht. Auf der anderen Seite - gegenüber unter Anubis - die vier Steuerruder des Himmels - wiederum als mumiengestaltige Götter dargestellt. Wie schon auf der Scheintür aus Grab 71 erscheint Senenmut in der Mitte sitzend, hinter ihm sein Vater Ramose, der ihn umarmt. Ihm gegenüber sitzt seine Mutter Hatnefer, die ihm die Lotosblüte an die Nase hält. In der Szene darüber erscheint Senenmut zweimal an einem Speisetisch sitzend in gegenüberliegenden Darstellungen. Ganz oben auf der Scheintür kniet Senenmut - zweimal dargestellt - rechts und links neben einem "tit"-Knoten mit in Anbetung erhobenen Armen. |
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Von Kammer "A" aus führt eine Treppe etwa 25 m hinab zur vollkommen undekorierten Kammer B, der ein rechteckiger Raum mit einer flachen Decke ist. Dieser Raum wurde nie fertiggestellt - die Wände sind nicht verputzt und es wurde nie ein Versuch gemacht, die Risse in den Wänden zu glätten. Genau über dem Gang, der von Raum A nach Raum B führt, befindet sich eine Darstellung des Senenmuts, der die "Gefilde der Zufriedenheit" durchquert (3).
Links vom Eingang zu Raum B beginnt eine weiterer, ca. 10 m langer Gang, der zum letzten Raum "C" führt. Dieser Raum ist 96 m entfernt von der ersten Stufe des Grabeinganges. Raum C hat eine in nord-südlicher Richtung gewölbte Decke, ist aber ebenso unvollendet geblieben wie Raum B. Nur die Wände wurden - im Gegensatz zum Raum B geglättet. Eigentlich hätte man mit der Dekoration beginnen können, was aber nicht geschah. In der nord-östlichen Ecke des Raumes wurde ein etwa 1,5 m tiefer Schacht gegraben - oberhalb des Schachtes befinden sich zwei Nischen.
Es sieht so aus, als ob die Arbeiten an Senenmuts Grab TT 353 ziemlich plötzlich eingestellt wurden. Nur die Gesichter sind in allen Darstellungen zerstört - sein Name und auch der Name von Hatschepsut blieben erhalten. An den Wänden befinden sich noch Datumsangaben mit Monat und Tag (ohne Jahreszahlen) - so dass man nicht erkennen kann, wann die Arbeiten eingestellt worden sind.

Gästebuch
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Literatur und Quellen:
1) Wikipedia: Senenmut
2) Dorman, Die Monumente Senenmut, Problems in Historical Methodology, London,
Kegan Paul 1900 ISBN =-7103-0317-3
3) Dr. Karl Leser: www.maat-ka-Re.de
4) TT 71 - engl.
Wikipedia
5) Dorman, Peter (1991) Tombs of Senenmut at Thebes
6) Wikipedia: TT 353
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