Biografie Sethos I.

Bauten Sethos Allgemein

Totentempel in Abydos

weiße links sind noch Baustelle!

Bildausschnitte oben: links und rechts: Kairoinfo4U 

(Quellen und Literatur-Angaben am Ende dieser Seite - nummerierte Verweise im Text)
PM = Porter & Moss, Topographical Bibliography of Ancient Hieroglyphic Text, Reliefs and paintings 1927-1952

Mit Sethos I. setzte in Karnak nochmals ein Bauboom ein. Das Restaurierungsprogramm zur Beseitigung der Spuren der Amarnazeit ereichte seinen Höhepunkt. Vor allem wird jetzt unter Sethos I. die von ihm in Auftrag gegebenen Restaurierungsarbeiten auf den Tempelwänden durch Inschriften dokumentiert.

Karnak war im antiken Ägypten die heilige Stätte des religiösen Zentrums und Schauplatz von religiösen Festspielen,  wie Opet-, Sed- und anderer Feste, sowie der Ort für die Krönung des neuen Königs und Wohnsitz des Staatsgottes Amun. Auch König Sethos I. hinterließ in Karnak in Stein gemeißelte Spuren für die Ewigkeit.

Ein eindrucksvolles Bespiel für die Bautätigkeit Sethos I. in Karnak ist der Große Säulensaal im Amun-Bezirk. Obwohl die Idee zu diesem architektonischen "Wunderwerk" schon von den Architekten aus der Zeit Haremhabs stammt, wurde die Vollendung erst unter Sethos I. und dessen Sohn und Nachfolger Ramses II. ausgeführt.

Allgemein waren seine wichtigsten Bauten in Karnak:

  1. der Bau des nördlichen Teils der großen Säulenhalle im Tempel des Amun;
  2. die Renovierung und Erneuerung mehrerer Pylone im Karnaktempel
  3. Restaurierung und Erneuerung von Stelen und Stationsheiligtümer Thutmosis III. und Amenophis II.

Der große Säulensaal (Hypostyl)

Allgemein
Eines der imposantesten Bauwerke aus der Zeit Sethos I. ist ohne Frage die Schaffung des Großen Säulensaales. Er befindet sich vor dem von Amenophis III. - unter Verwendung älterer Blöcke - errichten III. Pylons, der bis dahin die Fassade des Großen Amun-Tempels bildete. Sethos I. war es allerdings in seiner relativ kurzen Regierungszeit nur vergönnt, den nördlichen Teil des Saales zu gestalten, während sein Sohn und Nachfolger Ramses II. den südlichen Teil übernahm. Das sog. Hypostyl befindet sich zwischen dem  III. Pylon und dem von Haremhab begonnenen und unter seinen Nachfolgern Ramses I. und Sethos I. fertiggestellten II. Pylon. Vor der Errichtung des Hypostyls befand sich auf diesem Areal ein Hof, der mit Bäumen und Sträuchern als Garten gestaltet wurde. Ein bis dahin vorhandener Teich wurde bei Baubeginn zugeschüttet (1).

Die Baugeschichte des Großen Säulensaales war früher lange Zeit nicht eindeutig geklärt - Lepsius berichtet in seinen Aufzeichnungen von Blöcken mit dem Namen von König Eje und von Belegen mit dem Namen von Amenophis III. im Südteil des zerstörten II. Pylon. Auch wenn keine einzige der Säulen der hypostylen Halle jemals von Ramses I. beschriftet wurde, hatte er sicherlich einen gewissen Anteil an der Dekoration der Rückseite des II. Pylons. Auf der Rückseite des Nordturmes des II. Pylons, der gleichfalls die vordere Wand der Großen Säulenhalle bildet, sind fünf Szenen im vierten Register mit den Kartuschen von Ramses I. zu sehen. Sie befinden sich unmittelbar unter dem Fries von Sethos I., der sich entlang der Mauer unmittelbar unter den Dachblöcken erstreckt, die den Nordeingang der Hypostylhalle überragen. Diese fünf Szenen aus der Zeit Ramses I. wurden von Legrain detailliert beschrieben in seinem Werk "Les temples de Karnak, chap. IV".

Der zweite Pylon wurde unter Haremhab erbaut - ebenso die Erweiterung durch einen neuen Torweg - aber die Beschriftung und Dekoration war bis zum Tod des Königs nur teilweise fertiggestellt (er starb ca. 1304 v. Chr.). Es scheint, dass der Gründer der 19. Dynastie, sein Nachfolger Ramses I., während seiner kurzen Regierung nur Zeit für  wenige Projekte hatte, einschließlich der Vollendung der Dekorationsarbeiten am II. Pylon (siehe: Golvin und Goyon 1987: 44; Seele 1940: 12-22) und auch mit der frühen Dekoration der Rückseite des nördlichen Turmes begann. Nach Seele SAOC 19/1940 Chicago und A. Schlüter in Ägypten und das Alte Testament 78 (4) ersetzte Ramses I. evtl. auch die schon vorhandenen Kartuschen Haremhabs durch seine eigenen (7)

Hinter den beiden Türmen des II. Pylons dem von Amenophis III. erbauten III. Pylon befand sich damals ein großer offener Hof, den Sethos I. nutzte, um einen neuen Ort für Feierlichkeiten wichtiger Rituale und Feste zu schaffen. Er ließ eine große Hypostylhalle mit 12 hohen Sandsteinsäulen errichten, die das Mittelschiff der neuen Halle tragen sollten und 122 kleinere Sandsteinsäulen, welche die Seitenschiffe ausfüllten. Das Dach war mit Sandsteinblöcken so gedeckt, dass Licht für die Priester durch die oberen Fensterschlitze in die Halle fallen konnte (7).

Die Hypothese, dass nicht Sethos I., sondern einer seiner Vorgänger, diese Große Säulenhalle errichten ließ, wurde durch die Untersuchung des Bauwerkes widerlegt. Peter Brand (Universität Memphis) belegte, dass die frühesten Inschriften in den Fenstern und den Architraven der zentralen Kolonnade aus der Zeit Sethos I. stammten (7). Unter Sethos I. wurden die Innenwände und die Sandsteinsäulen der nördlichen Halle mit Szenen und Texten im erhabenen Relief dekoriert. Das Vestibül (Vorhalle) - welches dem III. Pylon vorgelagert war, wurde verändert. Die Szenen von Amenophis IV (Echnaton) - an der Nordwand - wurden mit Steinblöcken bedeckt (siehe Sa'ad 1970) (7).

Der Sohn und Nachfolger von Sethos I. vollendete und veränderte das nicht fertiggestellte Dekorationsprogramm seines Vaters auf den Wänden und den Säulen (Brand 2000: 52-53; Seele 1940: 50). 

Architrave:
Interessant sind auch die Architrave aus dem Säulensaal, denn sie enthalten lange Widmungstexte. Manche der Architrave befinden sich noch in situ über den Abakusblöcken der kleineren Säulen. Einige der Unterseiten der Architrave aus der Zeit Sethos I. mit Widmungstexten haben Spuren ihrer Originalfarbe, mit der sie verziert waren, bewahrt. Die Rhetorik dieser Architravtexte ist sehr grandios, wobei der König selber "als Gott unter den Göttern und als großer Krieger" beschrieben wird. In den Texten werden die Halle und ihre Säulen genau beschrieben - manchmal aber in starker Übertreibung. So wird behauptet, dass die Säulen mit Elektron beschichtet waren, wovon aber keinerlei Spuren gefunden wurden.

Einige Architrave befinden sich heute noch über den Abakusblöcken 
der kleineren Säulen im Hypostyl, wie dieser mit den Kartuschen Sethos I.

Die Unterseite der Architrave haben ihre ursprüngliche Farbe behalten, da sie durch ihre Lage vor den Zerstörungen durch die Witterung geschützt waren. 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

Weiheinschriften und Widmungsvermerke Sethos I. im Hypostyl:
Da die Große Säulenhalle mit überhöhtem Mittelschiff nicht mehr von Sethos I. vollendet werden konnte, beschränken sich seine Reliefdekorationen und damit auch die Bauinschriften auf das Mittelschiff und die Nordhälfte der Halle. Das Dach der Halle ist heute weitgehend nicht mehr da. 

Bauinschriften Sethos I. im Großen Hypostyl von Karnak

Beschreibung der Vermerke in der Karte:
TV = Torvermerk
Wf = Weiheformel
Wv = Widmungsvermerk
Die beiden Tore der Querachse der Hypostylen Halle im Norden und Süden sind jeweils mit Torvermerken versehen, die den Namen des Tores enthalten. Alle Kartuschen Sethos I. sind später von Ramses II. usurpiert worden. Nur das nördliche Tor, das zum Ptah–Tempel führt, trägt noch den Namen von Sethos I. Dieser ist mit dem der ganzen Halle nahezu identisch.
Nordtor in der nördlichen Wand; - Inschrift auf Torvermerk 1 + 2:
Tv 1 rechts und TV 2 links = auf dem Torpfosten

"Das große Tor des Königs von Ober- u. Unterägypten, dem Herrn der beiden Länder, Men-maat-Re, Sethos, geliebt von Ptah, der wirksam war im Haus des Amun"....,

Quelle: Silke Grallert (6)
Wv 1(Widmnungsvermerk)  nördliche Hälfte der Säulenhalle
 = Säulen 108-126 auf dem Architrav (siehe KRI I 204, 13-16; (6)
In der Inschrift rühmt sich Sethos I., dass er Denkmäler im Hause des Amun erstellen und mit Säulen füllen ließ für seinen Erzeuger (Amun-Re), in deren Inneren die Barke des Amun ruht an seinem Fest des Jahresbeginns. 
Wv 2 (Fenster): zwischen den Säulen 74-80:
Das (Werk), was der König gemacht hat, für seinen Vater, den König der Götter, der sein Haus baute und seinen Tempel trefflich machte in hervorragender Arbeit in der nHH-Ewigkeit, indem er seinen herrlichen wbA-Hof mit großen herrlichen Denkmälern erleuchtete mit wDA-Papyrussäulen [....}." (6). 
Wf 2-9 = Weiheformel: auf den Säulen (Architrav) 108-126; 1-6; 67-73; 74-80; 81-88/89 -  Quelle (6). 
Die Weiheformeln auf den Architrav-Inschriften im Mittelschiff des Hypostyls sind nach Osten gerichtet (also ins Innere des Heiligtums), während die Inschriften in der nördlichen Hälfte des Hypostyls in Richtung des erhöhten Mittelschiffes - also nach Süden ausgerichtet sind. In all diesen Weiheformeln rühmt sich der König für die "Erschaffung eines Denkmals für seinen Vater Amun-Re, des Königs der Götter und nennt hier das Machen eines Hw.t-nTr namens: Sethos-den-Amun-ausgewählt-hat ist wirksam im pr (Haus) des Amun. aus Sandstein........"

Er rühmt weiter die herrlichen Papyrussäulen und einen großen (offenen) Hof, wo die Tribute der Fremdländer empfangen werden und die Abgaben aus ganz Ägypten, das Bugtau aus Oberägypten, das Hecktau aus Unterägypten. (6)

Zeichnung: nach PM und (6) - bearbeitet von Nefershapiland

Die Säulen des Hypostyls:
Der große Säulensaal wurde auf einer Fläche von 103 Metern Länge und 53 Metern Breite erbaut und hat eine Fläche von insgesamt 5500m² (1). Einst standen hier 134 Papyrussäulen, die das hölzerne Dach des Hypostyls trugen.

Die Mittelkolonnade zwischen den Säulen stellte den Kultweg zum Allerheiligsten des Amun-Tempels dar. Sethos I. ließ jeweils zu beiden Seiten der Mittelkolonnade insgesamt 122 je 15m hohe Säulen (Umfang 8,40m) mit geschlossenen Papyruskapitellen erbauen. 

Die Bildfelder an den Säulen des Hypostyls wurden unter drei Königen dekoriert. Die nördliche Hälfte entstand unter Sethos I . (Säulen 81-134) die südliche Hälfte (Sulen 13-74) und die Kolonnaden (Säulen 1-12) sowie die erste Reihe der nördlichen Hälfte  (Säulen 74-80) unter Ramses II. Beide Pharaonen dekorierten 1-3 Felder (Drittel) am Rund des Säulenschaftes (Quelle: Frau Elke Noppes www.aegyptologie.com ). Die undekoriert gebliebenen Säulenfelder wurden erst unter Ramses IV. mit Bildfeldern versehen.

Die Inschriften auf den Säulen bestehen zumeist aus den Kartuschen des Königs und seine königlichen Titeln, wobei sich auf der Nordseite des Großen Säulensaals Sethos I. und in der südlichen Hälfte sein Sohn Ramses II. verewigten. 

Hypostyl im Karnak-Tempel mit den Säulen

Die Bildfelder der Säulen wurden unter drei Königen dekoriert. Sethos I. ließ die nördliche (linke Seite auf der Darstellung) Hälfte der Säulen in feinem erhabenen Relief dekorieren und beschriften (Säulen 81-134). 

Bei der von Sethos I. dekorierten nördlichen Säulen-Hälfte findet man hauptsächlich eine gleichmäßige Dekoration mit den Göttern Amun-Re und Amun-Re-Kamutef. Auf vier Säulen befinden sich anstatt Amun-Re andere Götter, wie z. B. auf Säule 109 Ptah als Hauptgottheit und auf Säule 84, der Gott Month. Beide Götter besitzen nördlich des Hypostyls eine eigene Tempelanlage. 
- siehe dazu die Arbeit von naunakhte in www.aegyptologie.com   -

Plan nach Porter & Moss - bearbeitet von Nefershapiland

Die Wände des Hypostyls:
Die Innenwände des Hypostyls unterscheiden sich qualitativ in ihrer künstlerischen Ausfertigung. Während Sethos I. im nördlichen Teil die Darstellungen auf den Innenwänden in einem feinen erhabenen Relief ausführen und damit das handwerkliche Können der Künstler in seiner Zeit bezeugen ließ, entstanden die Arbeiten im südlichen Teil des Bauwerkes unter Ramses II. in einem deutlich detailärmeren Stil, was evtl. auf eine hastigere Ausführung hindeutet.

Die Innenwände des Hypostyls haben als Thema religiöse Bedeutung, wohingegen die Außenwände einen gänzlich anderen Charakter haben. Sie sind von den Künstlern unter Sethos I. detailreich in feinen Hochreliefs modelliert und stellen "in Stein verewigte Zeugnisse" für die militärischen Erfolge des Königs dar.

Sethos I. ließ die Texte und detailreichen Reliefs auf der nördlichen Außenwand des Tempels von Karnak anbringen, die wir heute als "Sethos-Wand" kennen und die ursprünglich über 25m hoch war. Die Darstellungen Sethos I. mit seinen Feldzügen überziehen die ganze Wand und entsprechen in ihrer Anordnung der chronologischen Abfolge seiner Kriegszüge.

Zu den Kriegszügen auf der nördlichen Außenwand des Tempels siehe hier:    Sethos-Wand und hier:    Biografie.

Zwischenraum III. Pylon und Sethos I. Reliefwand

Eine seltene Aufnahme: 
Ein Blick von Norden hinter die Westseite des III. Pylons. Die Wandverkleidung bildete dann die Ostwand des Großen Säulensaals.

Links ist die ehemalige Außenseite der Pylontürme mit ihren Nischen für die Flaggenmasten zu sehen. Rechts die moderne Stützwand (wohl aus Beton) für die in der 19. Dynastie davor gesetzte neue Wandverkleidung der Ostwand des Großen Säulensaales mit den Reliefdarstellungen Sethos I. 

Ursprünglich war dieser Zwischenraum mit Schutt aufgefüllt. Nach Entkernung und Wiederaufbau des III. Pylons wurde die Reliefwand verstärkt. Bei den Nischen für die Flaggenmasten ist der Pylon auch beschriftet.

 

Bild mit frdl. Dank Saamunra
alle Rechte vorbehalten

Weitere Baumaßnahmen Sethos I. in Karnak:
Außerdem ließ Sethos I. in Karnak mehrere Pylone restaurieren. Deutlich wird dieses auf der Nordseite des VII. Pylon durch mehrere Kartuschen seiner Vorgänger, die bei den Restaurierungen usurpiert wurden. Er ließ auch am VIII. Pylon die Namen früherer Könige durch seine eigenen ersetzen und außerdem die Darstellungen des Gottes Amun, die unter Echnaton getilgt wurden, wiederherstellen. Des weiteren wurden während des Restaurationsprogramms Sethos I. Stelen früherer Herrscher restauriert (u. a. eine von Amenophis II. vor dem VIII. Pylon) (1).

Auch im Sanktuar Thutmosis III. wurden Erneuerungsarbeiten ausgeführt. Sethos I. ließ u. a. sechs Osiris-Pfeiler erneuern, die allerdings nach seinem Tod von seinem Nachfolger Ramses II. usurpiert wurden (1). Weitere Restaurierungsarbeiten erfolgten an einem Zugangstor zu den Kammern der Hatschepsut im zentralen Tempelbereich und im Sanktuar Amenophis II. und an weiteren Bauten in Karnak (1). Im Zentrum des Hofes der Cachette wurde eine Stele Sethos I. gefunden, sie sich heute im Museum Kairo befindet.

II. Pylon:

Sethos I./evtl. auch schon Ramses I. ließ am inneren Torpfosten des Tordurchganges (hinten) am II. Pylon (PM II² 148g-h) im 3.-5. Register Dekorationen anbringen, die später von seinem Sohn und Nachfolger Ramses II. usurpiert wurden. Die Szenen zeigen den König vor den Göttern und im III. Register den König mit einer Göttin, die seinen Namen auf den Blättern des Persea-Baumens schreibt, während der König davor kniet und Leben von Atum erhält. Alle diese Szenen am Durchgang zum II. Pylon wurden - wie schon erwähnt - später von Ramses II. usurpiert und werden deshalb hier nicht näher besprochen. 

Durchgang am  II. Pylon - (PM 148g-h) mit einstigen Szenen von Sethos I., 
(später usurpiert von Ramses II)
und Szenen an der nördlichen Rückseite des II. Pylons (Ramses I. und Sethos I.)
-
Zeichnung: PM II² 148g-h -

Die Darstellungen aus der Zeit Sethos I. (später z.T. usurpiert von Ramses II.) beginnen am südlichen Ende des Nordflügel des II. Pylons (siehe PM 151 auf dem Plan) - (Rückseite des II. Pylon und rechts  vom Durchgang PM 148) und zeigen den König bei verschieden Opferhandlungen vor jeweils dem Hauptgott Amun-Re/Kamutef und zumeist einer anderen Gottheit als "Nebengott" (wie z. B. Ptah, Mut oder Chons). 

Hypostyl - Rückseite  II. Pylon / Nordturm - großformatige Szene 
Westwand, nördliche Hälfte - südliches Ende (PM II² 151, III. Register) - 

Der König wird von Isis/Hathor (?) (mit einem Sistrum in der Hand) zu dem thronenden Amun-Re und Mut geleitet. Hinter dem König (Sethos I.) steht Chons, welcher die Regierungsjahre und die Heb-sed-Feste des Königs auf eine Palmrispe notiert. Chons steht hier stellvertretend für den Gott Thot.

Über dem Kopf des Königs (welcher Spuren einer mehrmaligen Überarbeitung zeigt) befindet sich eine große "Scheibe", die im versunkenen Relief gearbeitet wurde und zu einer "früheren" Dekoration gehört. In der Scheibe befinden sich die Kartusche von Sethos I. [Men-maat-Re] und der Name des Amun, wobei sie aber den Geburtsnamen des Königs in der zweiten Kartusche zur Hälfte durchschneidet. Legrain vermutete daher, das diese große Scheibe zu einer früheren Darstellung aus der Zeit Haremhab oder Ramses I., gehörte, evtl.  einer großen Amun-Barke mit den Widderköpfen an Bug und Heck und später von Sethos I. komplett gelöscht und neu dekoriert wurde. Nur die tief eingemeißelte Sonnenscheibe ist übriggeblieben (2). 

Bild: mit frdl. Dank Kairoinfo4U - bearbeitet von Nefershapiland

Unter dieser großformatigen Darstellung im III. Register folgen im IV. Register (unten) drei weitere Szenen von rechts nach links mit Götterszenen.

Die weiteren Darstellungen am Nordflügel (linke Seite des Plans) zeigen lt. PM 152 vier Register mit Darstellungen (teilweise noch Ramses I - oder evtl. sogar aus der Zeit König Haremhab (?) - z. T. sind nach Porter & Moss Reliefdarstellungen Haremhabs unter denen von Ramses I. oder Sethos I. noch erkennbar).

I. Register: (oben)
Nach Porter & Moss ist hier König Sethos I. im I. Register in zwei Szenen (Szene 2 und 7) zu sehen beim Opfern von Weißbrot an die Götter Seth und Nephthys (Szene 2) sowie in der Szene 7 zusammen mit seinem Ka wo er Nahrungsmittel an den ithypalischen Amun-Re und Hathor präsentiert. Die anderen Szenen in diesem Register zeigen Ramses I.

II. Register:
Im II. Register erscheint ebenfalls König Sethos I. in neun Szenen vor den Göttern mit verschiedenen Handlungen wie weihräuchernd, opfernd, weihend und dem Ritual des "Treiben der Kälber". Die letzten beiden Szenen zeigen Sethos I. wie er von den Göttern Chons und Atum in den Tempel geführt und von Amun-Re, zusammen mit Hathor (die hinter dem Gott steht) gekrönt wird. Vor dem knienden König steht der Gott Thot, der die Regierungsjahre auf seiner Palmrispe schreibt.

Erwähnenswert ist eine Ritualhandlung in der 6. Szene dieses Registers: "Das Errichten des sHn.t-Zeltes"  vor dem Gott Amun-Re-Kamutef. Sethos I. steht vor dem Gott Amun-Re-Kamutef. Zwischen der Darstellung des Königs und dem Gott befindet sich ein "Gerüst" mit dem "sHn.t"-Zelt. Die Mittelstange besitzt eine gegabelte Spitze und wird von zwei Stützbalken gehalten, an welchem jeweils zwei mit Federn geschmückten Männer hochklettern.

Seit sehr vielen Jahren wird diese Darstellung als "Wettklettern/Kletterzeremonie" beschrieben. Lt. Frank Feder (siehe Ägypten und das Alte Testament Bd. 33,2) kann diese Interpretation heute nicht mehr aufrecht erhalten werden. Hier ist in Wirklichkeit das "Errichten des Zeltes sHn.t" - dem wohl ältesten Kultobjekt des Gottes Min für den kA (Stier) dargestellt. Lt. Frank Feder sind die kletternden Männer Nubier - oder Männer aus dem Süden Ägypten - welche den Gott aus seiner Heimat Punt begleiten und auf den Stangen die Zeltverkleidung vollenden.

*

Auch im III. und IV. Register (PM 152) befinden sich Szenen aus der Zeit Sethos I. Die Hauptszene der Originaldekoration nahm einst die gesamte Länge der Nordseite des II. Pylons ein und war so groß wie das zweite und dritte Register zusammen (oder mehr) - wahrscheinlich sogar ein Teil des vierten Registers und zeigte zwei große Barken (die Barke des Amun und eine weitere Schleppbarke mit Ruderern drauf). Danach folgt im dritten Register noch sechs weitere Opferszenen des Königs vor den Göttern: beim Opfern der Maat vor Amun-Kamutef und Hathor; beim Opfern von Nahrungsmitteln an Amun-Re und Hathor; Opfern von Milch und 4 Kühen an Amun-Kamutef und Hathor (Herrin von Buto, Hierakonpolis); Opfern der Maat vor Amun-Re und Hathor (Herrin von Punt); und als letztes bei der Salbung des ithyphallischen Amun-Re mit Hathor (der Herrin der zwei Ecken des Deltas).

Die ersten Szenen des IV. Registers an der Westwand entstanden schon unter der Regierung von Ramses I. und zeigten ihn beim Opfern vor den Göttern (Quelle: K. C. Seele, The Coregency of Ramses II. with Seti I. and the Date of the Great Hypostyle Hall at Karnak - Chicago 1940). Diese ursprünglichen Inschriften auf der Rückseite des II. Pylons waren so tief eingeschnitzt, dass sie teilweise bei der Überarbeitung in der Zeit von Sethos I. nicht vollständig gelöscht werden konnten. Diese Bereiche wurden mit Gips versehen, welcher dann später verschwunden war und hinter den Basreliefs von Sethos I. sind heute noch Spuren der Originalszenen zu sehen.

In den insgesamt dreizehn Szenen des IV. Registers erscheint dann Sethos I. opfernd vor Chons, Amun-Re und Mut, Min (Amun-Kamutef), Re-Harachte, Hathor und Mut.

Barkendarstellung:
Am südlichen Ende der Westwand der Hypostylhalle (innere Rückwand des II. Pylons - nördlicher Teil) befand sich eine imposante Darstellung der Barke des Amun, Userhat (2). Die ursprüngliche Darstellung, die den Szenen der Ostfassade des III. Pylons ähnelt (Ramses II.), zeigte die große Barke Userhat, die von einer weiteren, gigantischen, von Ruderern fortbewegten Barke gezogen wird, die in Richtung Luxor fährt. 

Die Anordnung der Darstellung wurde während der Vergrößerung des Hypostylsaals vollständig überarbeitet, wobei die große Barke Userhat durch eine kleinere Barke ersetzt wurde, welche nun nicht mehr von Ruderern, sondern vom einem weiteren Schiff mit drei Göttern und dem König selber geschleppt wurde. Diese kleineren beiden Schiffe zeigen Spuren einer Modifizierung. Nach Champollion befinden sich auf der vorderen Schleppbarke 3 Götter und der König (Sethos I.) selbst. "Vorne am Bug befindet drei Standarten (Upuaut, der Falke und die königliche Kartusche) (2). Der Kopf der ersten Götterfigur ist weggebrochen. Er scheint schakalköpfig gewesen zu sein, was auf Upuaut hindeutet. Die zweite Figur ist der König, Sethos-Merenphat, die dritte widderköpfig und die vierte falkenköpfig." (2). 

Hypostyl - Rückseite  II. Pylon / Westwand/nördl. Hälfte - Barke des Amun-Re
-  (PM II² 152, III. Register, 1 Szene) -

Der König (Sethos I.) steht auf der Barke des Amun-Re, die von einer weiteren Barke (links der Königsbarke - nicht mehr im Bild) gezogen wird. Er trägt den blauen Helm (Chepresch) und wirft Weihrauchkörner in den Räucherarm. Vor ihm steht ein kleinerer Barkenaufbau der von den Seelen von Nechen und Pe getragen wird. 

Bild: mit frdl. Dank Kairoinfo4U - bearbeitet von Nefershapiland
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Hypostyl - Rückseite  II. Pylon / Westwamd- opfern von Milch und Kühen
- (PM II² 152, III. Register, 4. Szene (PM II² 152) -

Der kniende König Sethos I. opfert 4 Kühe und zwei Behälter mit Milch vor Amun-Kamutef und Hathor (nicht mehr imBild)Im Text über dem Kopf des Königs werden seine Namen Sethos-Merenptah und Men-maat-re genannt.

Bild: mit frdl. Dank Kairoinfo4U - bearbeitet von Nefershapiland
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Hypostyl - Rückseite  II. Pylon / Westwand
- (PM II² 152, III. Register, 5. Szene) -

Der kniende König opfert die Maat vor dem Gott Amun-Re und der dahinter stehenden Göttin Mut (nicht mehr im Bild).

Bild: mit frdl. Dank Kairoinfo4U - bearbeitet von Nefershapiland
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Nach Porter & Moss befinden sich an dem Torpfosten (PM 163 b) an der Nordostecke des Großen Säulensaales (das zu einem Treppenaufgang führt) und auf dem Türsturz  (PM II² 163a-b) Namen und Titel von Sethos I. (siehe Plan oben)

Des weiten befinden sich (lt. PM) auf dem Torpfosten des Tores an der Nordwestecke des Großen Säulensaals (das Tor führt ebenfalls zu einem Treppenaufgang) die Namen von Sethos I. (PM II² 161 b).

Nördliche Außenwand, rechts (westlich) vom Durchgang – PM 170
Lt. der Dissertation von Ute Rummel (Pfeiler seiner Mutter -Beistand seines Vaters - Pdf-online-Version, S. 120) erscheint Iunmutef  - hier als Wegeöffner des Königs (Sethos I.) in einem für ihn ungewöhnlichen Kontext: Er führt zusammen mit Amun-Re Sethos I. (gefolgt von seinem Ka) die unterworfenen Fremdlandkartuschen zu. Iunmutef ist hier in unüblicher Ikonographie dargestellt. Er trägt eine Perücke mit langen Bruststrähnen und einen Schurz mit Uräusgehänge. Die Szene erstreckt sich über zwei Register (PM 170).

Rede des Iunmutef: "[...] (Ich) habe dir alle Länder und Fremdländer unter deiner Sohle gegeben".
Aus der Rede Amuns (Auszug Zeile 14-17) geht hervor, dass Iunmutef den König (Sethos I.)  bei der Einnahme der Fremdländer geleiten soll: "Ich habe dir die Wege Punts geöffnet [...], die dort sind. Ich habe dir Iunmutef zugewiesen, um dich zu führen, Chons und Horus-Sopdu [...], bereit als dein Gefolge. Behedeti bereitet dir seine Hände als kühles Gemach. Die Fremdländer [...], [die] Ägypten [nicht] kennen, ich veranlasse, dass deine Majestät sie durchziehe wie ein Vergnügter, wie ein Schakal".

(Zitat aus Rummel: Pfeiler seiner Mutter - Beistand seines Vaters, S. 120)

In der identisch aufgebauten Szene links (östlich) des Durchgangs steht an der Stelle Iunmutefs die Göttin Waset. 

Nordwand

 

Nördliche Hälfte des Hypostyl in Karnak / 
 (PM II² 153-154)

 

 

 

Plan nach Porter & Moss - bearbeitet von Nefershapiland
- alle Rechte vorbehalten -

Die Darstellungen auf der Nordwand (westliche Hälfte und östliche Hälfte) wurden in der üblichen Weise angeordnet - streng nach den geographischen Orten der Festplätze. Der König erhält im unteren Register Jubiläen von Amun-Re in Gegenwart von Mut und Chons - die Darstellung der Großen Götterneunheit symbolisiert den Amun-Tempel von Karnak, den Ausgangspunkt der Prozession (wahrscheinlich das Talfest). (5)

Im oberen Bereich der westlichen Hälfte der Nordwand ist das 1. Register zerstört (PM 153) - im 2. Register befinden sich 8 Szenen mit Opferdarstellungen (Opfern von Blumen, Weihrauch, Brot, Salbe und Wein) des Königs vor den Göttern. 

Der König wird gereinigt und in den Tempel eingeführt. Dann weihräuchert er vor den Prozessionsbarken der thebanischen Triade, die sich in einem Schrein befinden (aufgeständert sind - siehe Nordwand/westliche Seite). Anschließend werden die Barken von den Priestern auf ihren Schultern zu ihrem Ziel getragen und ziehen zusammen mit dem König an einen Ort - lt. Beischrift "dem Denkmal, wo sie ruhen möchten". Die Darstellung der beiden Prozessionsbarkenszenen an den Wänden der Nordwand lässt vermuten, dass sie mit einem Fest oder einer Prozession verbunden sind, wobei aber ein Ortsname nicht angegeben ist.

Der Ort des Auszuges ist die Große Säulenhalle von Theben [.....das Gotteshaus, welches im Hause des Amun-Re ist] (5) - er war die letzte Station, bevor die Prozessionsbarken den Tempelbereich verließen auf dem Weg zu den Festen - während der Zielort das verborgene Sanktuar des Ach-menus ist (nach Beendigung des Festes), wo sich der Schöpfergott Amun-Re mit den restlichen Gottheiten der Urgötter trifft, was durch die Darstellung der Neunheit (Urgötter) verdeutlicht wird (5). 

Nordwand des Großen Säulensaales 
- Westliche Seite mit Türdurchgang zum Aufgang auf das Dach des II. Pylons (links) -
(Tor PM II.² 161a-b und Wände PM 153)

Die Darstellungen im II. Register (das I. Register ist zerstört) sind besser erhalten als die im unteren Register. Im oberen Teil der Wand opfert der König (Sethos I.) vor den Göttern in 8 Szenen.
Szene 1: Blumen vor Month,
Szene 2: Nahrung an Amun-Re,
Szene 3: Weihrauch an den ithyphallischen Amun-Re,
Szene 4: der König mit der oberägyptischen Krone
opfert Papyrusblumen an Amun-Re,
Szene 5: Weißbrot an Atum,
Szene 6: der König mit der unterägyptischen Krone opfert Weihrauch an Amun-Re,

Der König opfert Brot an Atum und Weihrauch an Amun (rechts) - darunter die Barke des Chons - getragen von den Priestern auf ihren Schultern (PM II², 153, II. Register, Szene 5+6)

Bild:    Karnak-Tempel, Hypostyl hall, Seti I. 
Autor: Kairoinfo4U, Flickr 2013
Lizenz: CC-BY-NC-SA 2.0

Szene 7: opfert Salbe an Chons,
Szene 8: opfert Wein an den ithyphallischen Gott Amun-Re und einer Göttin.

III. Register - 3 Szenen: (von links nach rechts)
Szene 1: die aufgeständerten Barken der thebanischen Triade - über der Tür in der Nordwand, 
               die aufs Dach des Pylons führt. Sethos I. steht vor den Barken und opfert Papyrusblumen,

Sethos I. opfert ein Blumenbouquet
 (PM 153, Reg. III.)

Sethos I. trägt die kurze, sog. nubische Perücke auf dem Kopf und opfert vor der in einem Naos aufgestellten Barke des Amun. 

Bild: Karnak Tempel Hypostyl, Sethos I. Nordwand
Autor: Kairoinfo4U, Flickr 2013
Lizenz: CC-BY-NC-SA 2.0

Szene 2: Sethos I. wird von Month und Atum in den Tempel geleitet,
Szene 3: die Barken der thebanischen Triade werden von den Priestern in einer Prozession auf den
               Schultern getragen - in Begleitung von Sethos I. und seinem Sohn Ramses (dem späteren
               König Ramses II.).

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

Im unteren Register der nördlichen Wand (Westhälfte - PM 153, III. Register - Mitte bis rechts auf der Wand) befindet sich drei Götterbarken - die Barke des Amun, gefolgt von den Barken des Chons und der Mut. Sie werden von kahlköpfigen Priestern getragen und bewegen sich ostwärts in Richtung des nördlichen Tordurchganges. 

Hypostyl Halle: Nordwand - westliche Hälfte/oberstes Register 
(PM II² 153, III. Reg., Szene 3)

Oben: die Priester tragen die Barke des Chons auf ihren Schultern, darunter (stark zerstört) die Barke der Mut, ebenfalls getragen von den Priestern.
Bild:    Karnak-Tempel, Hypostyl hall, Seti I. 
Autor: Kairoinfo4U, Flickr 2013
Lizenz: CC-BY-NC-SA 2.0

Auf der Barke des Amun befindet sich ein Schrein, der in der Darstellung sehr detailliert zu sehen ist. Im oberen Teil des Schreins sitzt der widderköpfige Amun-Re mit der Atef-Krone auf dem Haupt. Er ruht auf einer Lotus-Blume und wird von den Flügeln von zwei  aufrecht stehenden - mit der Sonnenscheibe gekrönten - Göttinnen beschützt. Sie halten die Maat-Feder und das Anch-Zeichen in ihren Händen.

Vor dem Schrein sitzt unter einem vom Wind aufgeblähten Segeltuch die Göttin Maat mit der Feder auf dem Kopf und mit der Sonnenscheibe bekrönt, was eine anaglyphische Form des Königsnamens Men-maat-Re ist. Der falkenköpfige Gott Re - ebenfalls mit der Sonnenscheibe bekrönt sitzt in dem Schrein auf dem hieroglyphischen Zeichen für "men" und hält die "Maat-Feder" in seinen Händen und wird von zwei Göttinnen mit dem Anch- und dem Djet-Zeichen in den Händen beschützt.

Hypostylhalle - Nordwand, westliche Seite - Barke des Amun
(PM II², 153, III. Reg., 3. Szene)

Die Priester tragen die Barken der thebanischen Triade (hier Amun) auf ihren Schultern und werden vom König (Sethos I.) und dem Prinzen Ramses (später König Ramses II.) - (Köpfe im Bild unten) begleitet.
Bild:    Karnak-Tempel, Hypostyl hall, Seti I. 
Autor: Kairoinfo4U, Flickr 2013
Lizenz: CC-BY-NC-SA 2.0

Östliche Hälfte der Nordwand:

Das nördliche Portaltor (PM 162) - in der Mitte zwischen der westlichen und östlichen Hälfte der Nordwand - ist auf dem ersten Blick nicht besonders interessant und viel kleiner als der große Haupteingang durch den II. Pylon (am westlichen Ende der Halle). 

Die obere Hälfte des Nordtores ist verloren -  einschließlich des Türsturzes (Fragmente davon befinden sich heute im Steinlager - siehe Bild weiter unten) - und es sieht heute viel eher wie eine Lücke in der Mauer aus, als wie ein echtes Tor. Die Inschriften und Szenen auf dem Tor zeigen religiöse Szenen, die identisch sind mit unzähligen anderen religiösen Darstellungen und Texten an den Wänden des Säulensaals. 

Das nördliche Portaltor ist aber für die Besucher die beste Möglichkeit, zu den Darstellungen von Sethos I. Kriegszügen an den Außenwänden der Nordwand zu gelangen.

Die beiden Tore der Querachse der Hypostylen Halle im Norden und Süden sind jeweils mit Torvermerken versehen, die den Namen des Tores enthalten. Alle Kartuschen Sethos I. sind später von Ramses II. usurpiert worden. Nur das nördliche Tor, das zum Ptah–Tempel führt, erhält von Sethos I. einen Namen. Dieser ist mit dem der ganzen Halle nahezu identisch – "Hw.t-nTr Ax (Königsname) m pr Imn - Das Große Tor (namens) [Königsname], das im Hause des Amun ist" (6). 

An der Türleibung des Nordtores ist der Name der Halle zusätzlich als Objektvermerke aufgeführt (lt. Silke Grallert). "
Großes Tor (namens) (Königsname), das wirksam war im Hause des Amun".

Auf dem östlichen Torpfosten der Innenseite des Tores befindet sich eine Darstellung, in welcher Sethos I. den Göttern Amun-Re und Mut ein Tempelmodell überreicht (unterer Pfosten des Nordtores). Interessant ist bei dieser Darstellung, dass die Figur des Königs in der Zeit von Sethos I. mehrfach komplett überarbeitet wurde. Deutlich sind Spuren von zahlreichen ungraden Linien zu erkennen, die durch seinen Oberkörper und seine Arme verlaufen  - auch das Profil des Königs scheint leicht vergrößert worden zu sein (Quelle: Universität von Memphis/The Great Karnak Hypostyl Hall-Projekt). Auch die Krone, das Nemes-Kopftuch und der Königsbart wurden verändert - ebenso wurde die Haltung der Figur verändert. In der neuen Darstellung verneigt sich Sethos I. leicht vor den beiden Göttern (siehe Schwaller de Lubicz, der Tempel von Karnak/Rochester-Verlag 1999, Abb. 28). 

Tempel des Amun/Nord-Wand/östlicher Torpfosten - Innenseite
(PM II², 162b II. Register)
- Sethos I. übergibt ein Modell des Tempels an Amun-Re und Mut -

Von der Dekoration des Torpfostens (2 Register) ist nur noch der untere Block erhalten. Der König vollzieht die rituelle Handlung: "Geben des Tempels an Amun-Re und Mut", d. h., er übergibt Amun-Re und Mut ein Modell des Tempels. 
Bild:    Karnak Great Hypostyl Hall
Autor: Kairoinfo4U, Flickr 2013
Lizenz: CC-BY-NC-SA 2.0

Während der 12jährigen Feldforschung des "Großen Hypostyl Projektes in Karnak" der Universität von Memphis/USA wurden mehr als 300 dekorierte und beschriftete Blöcke gefunden, die von den Wänden der großen Säulenhalle herabgestürzt waren und nun lose verstreut in den Höfen rund um den Tempel liegen, zusammen mit rund 10.000 anderen Fragmenten aus dem gesamten Karnak-Komplex. Bei der Reinigung, Katalogisierung und Dokumentierung der Blöcke wurden auch Blöcke von der Ost- und Westwand des Säulensaales und neun Fragmente eines Torsturzes gefunden wie z. B. ein loser Block mit dem Kopf Sethos I., der die rote Krone Unterägyptens trägt, welches einst Teil des Türsturzes über dem Nordtor war. Die komplette Türsturz-Szene, die aus den Blöcken rekonstruiert wurde zeigt nun Sethos I., bei einem Rituallauf mit einem jungen Stierkalb. Der König hält zwei Trankvasen in seinen Händen, während die der thronende Gott Amun-Re und die hinter ihm stehende Göttin Mut ihm zusehen.

"Verlorener Block" im Steinlager 
- ursprünglich Teil des inneren Türsturzes über dem Nordtor

Der König trägt die Rote Krone Unterägyptens - auf der rechten Seite stehen vor ihm seine Kartuschen. Das Fragment ist Teil einer rekonstruierten  sog. "Laufszene", ein Ritualrennen, das hier mit einem jungen Stierkalb durchgeführt wurde. Sethos I. hält zwei Trinkgefäße in seinen Händen.
(Quelle: The Karnak Great-Hypostyl-Hall-Projekt of the University Memphis)

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten - 

*

Die Darstellungen im II. Register der östlichen inneren Nordwand sind von höchster Qualität und wurden im erhabenen Stil (Basrelief) von den Handwerkern Sethos I. in die rechte Umfassungsmauer des Amun-Tempels eingraviert. Der oberste Teil der Wände ist zerstört und auch von den verbliebenen zwei Registern fehlen Teile.

Auf den beiden unteren Darstellungen wird der König von den Göttern empfangen und als Herrscher bestätigt. Auch die Texte handeln zum überwiegenden Teil von der Legitimierung des Königs

Tempel des Amun/Nord-Wand/östliche Seite 
(PM II², PM 154, II. und III. Register)

Die Darstellungen auf der östlichen (rechten) Seite der Nordwand setzen sich in 3 Register fort, wobei das oberste Register zerstört ist. Im II. Register (oben) (mit insgesamt 8 Szenen) sehen wir den knienden König der ein Collier an Amun-Re opfert, eine Wasseruhr an die Göttin Weret-Hekau (siehe Bild oben).

Das III. Register zeigt abermals eine Barkendarstellung (sehr zerstört); die Barken werden von den Priestern auf ihren Schultern getragen. Der König weihräuchert vor den Barken (nicht im Bild)

 

Bild:    Karnak Great Hypostyl Hall Nordwand
Autor: Kairoinfo4U, Flickr 2013
Lizenz: CC-BY-NC-SA 2.0

Im zweiten Register von oben (1. Register ist zerstört) an der östlichen Nordwand befinden sich einige gut erhaltene und interessante Szenen: (von links)
1. Szene: (nicht im Bild) der König opfert Wein an Amun,
2. Szene: opfert einen Halskragen an Amun
3. Szene: der König opfert Weret-Hekau eine Wasseruhr (Clepsydra), die mit einem Pavian dekoriert war - darunter ein Opferständer,
4. der König kniet vor einem Persea-Baum. Hinter ihm steht Thot und schreibt die Namen des Königs auf den Blättern des Baumes.
    - nach rechts setzt sich diese Szene fort mit Weret-Hekau, welche zusammen mit Re-Harachte dem knienden König ewige Heb-sed 
     geben. 
5. Der König opfert Wasser an Amun (ganz rechts)
6. (nicht mehr im Bild) der König mit einem Opfertablett auf seinem Kopf, zusammen mit seinem Ka vor Amun-Re
7. Sethos I. opfert Wein an Amun (nicht im Bild)
8. Salbe an Amun (nicht im Bild)

Nordwand/östliche Seite des Großen Hypostyl-Saales im Karnak-Tempel
(PM II², 154, II. Register, Szene 2-5) - 
- der König in Ritualhandlungen vor den Göttern -

Bild:    Karnak Great Hypostyl Hall Übersicht
Autor: Kairoinfo4U, Flickr 2013
Lizenz: CC-BY-NC-SA 2.0

 

Tempel des Amun/Nord-Wand/östliche Seite -
( PM II², 154, II. Register, Szene 4+5)

Das zweite Register setzt sich nach rechts (Osten) fort - wir sehen links den knienden König vor dem Persea-Baum (Isched-Baum); die 4. Szene zeigt Im zweiten Register an der östlichen Nordwand befinden sich einige gut erhaltene und interessante Szenen:
von links: Der kniende König Sethos I. mit der oberägyptischen Krone überreicht der Göttin Weret-Hekau eine Wasseruhr (Clepsydra), die mit einem Pavian dekoriert war - darunter ein Opferständer. In der zweiten Szene kniet der König vor einem Persea-Baum. Hinter ihm steht Thot und schreibt die Namen des Königs auf den Blättern des Baumes.
Bild:    Karnak Great Hypostyl Hall NordwandSachmet
Autor: Kairoinfo4U, Flickr 2013 (bearbeitet von Nefershapiland)
Lizenz: CC-BY-NC-SA 2.0

 

Tempel des Amun 
Innere Nordwand -  östliche Seite (PM 154) - 3 Register

Von der inneren Nordwand ist der oberste Teil der Wände zerstört und auch von den verbliebenen zwei Registern fehlen Teile. Die Darstellungen wurden aber in höchster Qualität hergestellt. Die Szenen im III. Register der östlichen Seite der Nordwand sind aber sehr viel schlechter erhalten als die Szenen im oberen Teil. Der ausführende König ist immer Sethos I.
III. Register 5 Szenen: - (fortlaufend von links nach rechts auf dem Bild - im unteren Teil d. Bildes
Szene 1: der König weihräuchert vor den Barken der thebanischen Triade, die von den Priestern auf
               ihren Schultern getragen werden
Szene 2: (links unten auf dem Bild) der König kniet auf dem sma-Symbol und wird von Thot und
               Horus gereinigt.
Szene 3: der König - geleitet von Atum und Month (und begleitet von den Standarten) vor Hathor
Szene 4: der König mit Mut, opfert die Maat vor Amun-Re und Chons.
Szene 5: die thronende Große Götterneunheit über der Tür zum Aufgang zur Mauerkrone

Bild: mit freundl. Dank: Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

 

Tempel des Amun/Nord-Wand/östliche Seite 
- (PM II², PM 154, III. Register, Szene 5) - 
- oberer Teil der "Großen Neunheit" -
ganz rechts in der Nordwand über dem Treppenaufgang im Nordosten

Die "Große Enneade" (Urgötter) von Karnak symbolisiert in der gesamten Darstellung auf der östlichen Nordwand den Großen Amun-Tempel von Karnak - also den Ausgangspunkt der Reise der Heiligen Barken.
Von links nach rechts sind dieses im Bild: 
Month "Herr von Theben, Herr des Himmels",
Atum "Herr der zwei Länder, der aus Heliopolis",
Shu "der Sohn des Re, Herr des Himmels",
und Tefnut "Herrin des Himmels, Herrin der zwei Länder".

Der untere Teil der "Großen Enneade" ist sehr zerstört. Nach rechts setzen sich dann die Darstellungen auf der Ostwand fort, die durch die Rückseite des III. Pylons gebildet wird.
Bild:    Luxor Karnak-Tempel, Große Enneade von Theben
Autor: Kairoinfo4U, Flickr 2013
Lizenz: CC-BY-NC-SA 2.0

 

Aufgang auf die Mauerkrone


Am Ende der Nordwand befindet sich unterhalb der Darstellung der Großen Götterneunheit eine Tür, die zum Aufgang auf die Mauerkrone führt.

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten - 

 

Ostwand des Hypostyls:
- Vorderfront des III. Pylons - 

Der III. Pylon bildet die Ostwand der Großen Säulenhalle (Hypostyls). Er ist sehr stark beschädigt und nur noch bis zu einem Viertel des Mauerwerkes seiner ursprünglichen Höhe ist erhalten. Die Dekoration der Innenwände der Ostwand ist ebenfalls stark beschädigt, wobei ganze Register im oberen Bereich der Wand heute nicht mehr vorhanden sind. Über 45 Szenen, verteilt auf vier Register erstrecken sich über die Nordhälfte der Ostwand (aus der Zeit Sethos I.). Die einzelnen Szenen haben aber weder die gleiche Größe noch die gleiche Anzahl und werden durch senkrechte Nischen (Flaggennischen) unterbrochen. 

Ostwand des Hypostyles

Die einzelnen Darstellungen an der Ostwand werden durch die senkrechten Flaggennischen unterbrochen.

Im Bildhintergrund die Tür, die zum Aufgang auf die Mauerkrone führt (and der Nordwand PM 163). 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra (2019)
- alle Rechte vorbehalten - 

Die Dekoration der Pylonvorderseite wurde auf der östlichen Wand (nördliche Hälfte) von Sethos I. und auf der südlichen Hälfte von Ramses III. vorgenommen (5). 

Das zentrale Thema der Ostwand scheint die Erneuerung des Gottes im Amun-Tempel von Karnak zu sein und stehen hier nicht im Zusammenhang mit einer Prozession. Das Hauptaugenmerk der Handlungen ist der Vollzug des Kultes um den Gott Amun, welcher im Inneren des Tempels ausgeführt wird (5).

Viele der heute noch vorhandenen Szenen der nördlichen Hälfte der Ostwand stellen das "tägliche Kultbildritual" dar, sind aber zumeist nur aufgrund ihrer Beischriften als solche zuzuordnen. Im großen Amun-Tempel gibt es an seinen Innenwänden an keinem Teil eine solche große Ansammlung von Ritualdarstellungen wie an den Wänden der großen Säulenhalle. Zumeist wurden die hinteren Wände eines Tempels mit solchen Kultbildritual-Darstellungen geschmückt, aber bislang ist es ungeklärt, warum auch die Wände des Hypostyls mit derartigen Dekorationen ausgeschmückt wurden

Tempel des Amun - Hypostyl/Ostwand
mit schmalem Durchgang 
zu den Gebäuden nördlich des Großen Amun-Tempels (z. B. des Ptah-Tempels)


Der Durchgang selbst weist lt. PM keine Dekoration auf - evtl. ist dieser Durchgang in späterer Zeit angelegt worden)

Am Ende der Nordwand (links im Bild) befindet sich unterhalb der Darstellung der Großen Götterneunheit eine Tür, die zum Aufgang auf die Mauerkrone führt.

Bild: mit freundl. Dank Saamunra
alle Rechte vorbehalten

Plan der Ostwand des Hypostyls
PM 163 = Aufgang zur Mauerkrone
D = Durchgang

 

Hypostyl Halle - Ostwand/Nördliche Hälfte 
Unteres Register (PM II² 155, Reg. IV. 1. Szene)

oben IV. Register: 
Sethos I. opfert zwei zwei "torches" (Dochte) und in der zweiten Szene Weihrauch an den ithypalischen Amun-Re.
unten  V. Register:
[Sethos I] mit Opferliste vor der aufgeständerten Barke des Amun-Re im Sanktuar
Bild:    Karnak-Tempel, Hypostyl hall, Seti I. presenting two Tapers
Autor: Kairoinfo4U, Flickr 2013
Lizenz: CC-BY-NC-SA 2.0

Eine weitere Gruppe der Dekorationen zeigt Opferdarstellungen des Königs vor den Göttern und sind stets neben den Darstellungen des täglichen Kultbildrituals platziert. Nirgendwo anders in der Großen Säulenhalle sind die Innenwände derart häufig zusammenhängend mit Opferszenen dekoriert, wie an der Ostwand. Somit gibt die Ostwand das Kultgeschehen im Inneren des Amun-Tempels wieder und benennt damit die Stellung des Königs als den Vermittler zwischen den Göttern und den Menschen.

Hypostyl Halle - Ostwand/Nördliche Hälfte (PM II² 155, I. + II.  Register)

1. Register (oben): Sethos übergibt Opfergaben an Amun und opfert Salbe an Ptah, sowie Weihrauch an Mut und Chons.
2. Register: Nemset-Vase an Chons, Salbe an Sachmet und Wein an Amun und Ament
Bild:    Karnak-Tempel, Hypostyl hall, Seti I. Ritualhandlungen
Autor: Kairoinfo4U, Flickr 2013
Lizenz: CC-BY-NC-SA 2.0

 

Hypostyl Halle - Ostwand/Nördliche Hälfte (PM II² 155, III. + IV. Register)

3. Register (oben) - Sethos I. erhält Uraeus-Szepter von Mut, opfert die Maat an Amun-Re
4. Register (unten) - Sethos I. kniet vor Osiris, opfern von Weihrauch vor Amun-Kamutef, opfert Salbe an Amun-Re mit Mut und Chonsu (beschädigt)
Bild:    Karnak-Tempel, Hypostyl hall, Seti I. Szepter von Mut
Autor: Kairoinfo4U, Flickr 2013
Lizenz: CC-BY-NC-SA 2.0

 

    Hypostyl Halle - Ostwand/Nördliche Hälfte (PM II², 155 II., III. + IV. Register)

Bild:    Karnak-Tempel, Hypostyl hall, Seti I. 3. Registser
Autor: Kairoinfo4U, Flickr 2013
Lizenz: CC-BY-NC-SA 2.0

Darstellungen an der Vorderfront des III. Pylons: Sethos I. vollzieht die "täglichen Rituale": - nach rechts hin ist hinter einer zerstörten Flaggenmastnische der Obelisk der Hatschepsut zu sehen. Die hier zu sehenden Szenen zeigen von oben nach unten:
1. Register: an diesem Teil der Wand zerstört
2. Register: teilweise heute nicht mehr vorhanden - 5. Szene: König opfert Wein 
    an Amun und Ament;

Dieses untere Bild (gleiche Wand) zeigt ebenfalls einige der Opferhandlungen des Königs vor den Göttern am südlichen Ende der Ostwand.

3. Register links (oben): 7. Szene
    Sethos kniet vor den Göttern Amun-Re und der Göttin von Theben (mit Bogen) und
    opfert Wasser (?)
    rechts/8.Szene: Sethos I. mit seinem Ka opfert Blumen an den ithyphallischen
    Amun-Re und Isis
4. Register links (unten im Bild) - teilweise zerstört:
    Sethos I. überreicht Blumen an den ithyphallischen Amun-Re
    rechte Szene: Sethos I. opfert Salbe vor Re-Harachte

Bild: mit frdl. Dank Saamunra, bearbeitet von Nefershapiland (beschnitten)
- alle Rechte vorbehalten -

Vorbau am 3. Pylon nach PM II² (176–183)
Der Vorbau (Vestibüle) des III. Pylons ist weitgehend zerstört und wurde von Amenophis III. oder Amenophis IV. erbaut. Nichts außer einigen Resten der "Hülle" (Außenmauer), die während der Modifikation der Hypostylhalle am III. Pylon errichtet wurden, sind übriggeblieben. Die Dekorationen auf den Wänden des Vorbaus stammen aus der Zeit Sethos I. und Ramses II. Einige Dekorationen wurden noch unter Sethos I. im erhabenen Relief ausgeführt, später dann von Ramses II. in einen vertieften Relief umgearbeitet und usurpiert mit seinen eigenen Kartuschen. 

Vorbau (Vestibül) vor dem III. Pylon

PM 176a-b:
a) Pilaster: 6 Register Ramses II. b) 6 Register Ramses II.
c) 5 Register Sethos I
PM 177: fünf Register Sethos I.:
1. Register: zerstört 
II. Register: 4 Szenen: 
Der König opfert die Maat an Ptah und Sachmet und opfert vor [Amun und Mut],
Szene 3+4 sind zerstört
III. Register: Vier Szenen:
Mehrere Opfer und Libationsszenen (vor Amun und Ament ?).
Register IV.: Vier Szenen:
Der König opfert vor Amun und Mut (und Chons in der 4. Szene),
Register V: Reste von Szenen, der König vor Amun, Chons und Ament.

Die Darstellungen und Inschriften PM 178, 179 und 180 stammen aus der Zeit von Ramses II.

Plan: nach Porter u. Moss (bearbeitet von Nefershapiland)

Es ist heute umstritten, ob König Amenophis IV (Echnaton) zu Beginn seiner Regierung vor dem III. Pylon - der von seinem Vater Amenophis III. errichtet wurde - einen Vorbau bauen ließ, oder ob dieses Bauelement noch von Amenophis III. errichtet und dann nur von seinem Sohn dekoriert wurde. Von der Dekoration unter Amenophis IV. / Echnaton ist nur noch die von die EdF-Szene von der Nordwand erhalten geblieben, die sich heute im Open Air-Museum befindet.

Bis vor einigen Jahrzehnten stand dieses Wandelement (PM 177) aus der Zeit Amenophis IV. noch an ihrem ursprünglichen Standort - als Seitenwand des Vestibüls (Vorbau) am III. Pylon. Irgendwann Ende der 1950er Jahre begann man mit dem Abbau des nördlichen Teiles des III. Pylons, in dem zahlreiche ältere Bauten als Füllmaterial verbaut waren. Wie oben schon erwähnt ist es heute umstritten, wer der Erbauer des vorgebauten Eingangsbereichs des III. Pylons war - aber zumindest die Dekoration stammt von Amenophis (Echnaton). Heute steht dieses zum Nordteil des Vorbaus zugehörige Wandteil (13,75m hoch und 9,80m breit) mit dem Motiv des "Erschlagen der Feinde" im Open Air Museum des Karnak-Tempels. 

Freilichtmuseum Karnak - Teil eines Vorbaus des III. Pylons (PM II² 177)
mit Zuweisung (aufgrund Reste der Inschriften) an König Amenhotep IV./Echnaton
Höhe: 13,75m, Breite 9,80m

- siehe hierzu auch: naunakhte.aegyptologie.com/luxor/karnak/oam/edf.htm -

Die Figur des Königs ist grob ausgehackt und nur der Arm, der die Feinde an ihrem Haarschopf hält ist unzerstört. Dieses muss vor dem Bau der neu davor errichteten Mauer unter Sethos I. geschehen sein.

Nur noch Reste der Inschrift, die sich oberhalb der Feindarstellung befindet, sind erhalten, erlauben aber die Zuweisung und Datierungshinweise auf König Amenhotep.. Die Kartuschen nennen uns seinen Namen aus seinem 1. Regierungsabschnitt (Amenhotep/Amenophis) - bevor er ihn ihn Echnaton änderte. In der linken Kartusche steht der Name des Gottes Amun.

Bild: mit freundl. Dank Peter Alscher, Kümmersbruck 2009

Mit dem Anbau der hypostylen Halle unter Sethos I. musste der III. Pylon umgearbeitet werden, denn die Neigung der Pylon-Aussenseite passte nicht zu den von den Baumeistern Sethos I. geplanten geraderen "Innenwände" der hypostylen Halle. Um dieses Problem zu umgehen, baute man eine Wand vor dem Pylon. Damit behielt man die alte Dekoration und vermied eine "Verärgerung der Götter" und erhielt selber neue Flächen zur eigenen Darstellung. Dieses geschah auch bei dem Vorbau aus der Zeit Amenophis III./Amenophis IV. Die "Erschlagen-der-Feinde-Szene" (EdF) aus der Zeit Amenophis IV./Echnaton wurde von den Baumeistern Sethos I. mit einer neu davor gebauten Wand verdeckt. Diese neue Wand steht heute noch in der hypostylen Halle, während das Wandteil mit der EdF-Szene bis Ende der 1950ziger Jahre (und zur Zeit von Porter & Moss) ebenfalls noch an Ort und Stelle stand - dann aber abgetragen und im Open Air Museum wieder aufgebaut wurde.
(Unser Dank geht hier an Frau Elke Noppes für die gute Erklärung der Unstimmigkeiten dieses Bauteils).

Nördliche Seite des Anbaues von Sethos I. vor dem III. Pylon (PM 177)
- Neu errichtete Mauer - heute noch in situ befindliches Wandteil vor dem III. Pylon -

Infolge der Umgestaltung des III. Pylons ließ Sethos I. eine neue Mauer vor der nördlichen Wand des Vorbaus aus der Zeit Amenophis III./Amenophis IV. errichten, die er mit Opfer- und Ritual-Darstellungen vor den Göttern dekorieren ließ (PM 177 - 5 Register)
 - alle nach Porter & Moss -

Register I. = zerstört
Register II. = 4 Szenen:
1. Szene = der König opfert die Maat vor Ptah und Sachmet;
2. Szene = der König opfert vor [Amun und Mut],
3. und 4. Szene = zerstört

Register III. = 4 Szenen:
1. Szene = König opfert Salbe vor Amun;
2. Szene = König opfert (Salat) vor Amun;
3. Szene = König weihräuchert vor Ament (?);
4. Szene = König weihräuchert und libiert vor [Amun;

Register IV. = 4 Szenen:
1. Szene = König opfert vor Re-Harachte und Isis;
2. Szene = König opfert Blumen vor Amun und Mut;
3. Szene = König opfert einen Blumenstrauß vor Amun;
4. Szene = König opfert vor [Chons];

Register V. = Reste von Szenen - der König vor Amun, Chons und Ament

Bild: Mit freundl. Dank Frau Elke Noppes

 

Sethos I. in der südlichen Hälfte des Hypostyls:

Bei den Darstellungen an der Südwand der Hypostylhalle (erbaut unter Ramses II.) befinden sich zwei interessante Szenen (eine auf der westlichen Seite des Südtores - PM 164 und die andere auf der gegenüberliegenden Seite des Tores), in denen Sethos I. als vergöttlichte Statue hinter dem Gott Amun-Re dargestellt und von seinem Sohn, den König Ramses II. angebetet wird.

Hypostyl Südtor - Westseite
Ramses II. weihräuchert vor Amun-Re
 und dem vergöttlichten Sethos I. 

Hypostyl Südtor - Ostseite
Ramses II. vollzieht ein Trankopfer vor Amun-Re und dem vergöttlichten Sethos I.

Beide Szenen zeigen Ramses II. in einer Kulthandlung vor Amun-Re und einer vergöttlichten Königsstatue seines Vaters Sethos I. Über beiden Königen befindet sich eine Doppelkartusche, welche die Königsfiguren identifizieren. Zumindest einige der Kartuschen wurden höchstwahrscheinlich zweimal geändert. Die Originalkartuschen über Sethos I. wurden ursprünglich im erhabenen Stil ausgeführt. Später, bei einer Überarbeitung der Szene wurden die Namen Sethos I. im versenkten Stil neu eingeschnitten. Schließlich wurden zu einem späteren Zeitpunkt auch die Namen Sethos I. durch die von Ramses II. ersetzt.


(
Quelle: Oriental Institute of the University of Chicago - saoc19 pdf / The Coregency of Ramses II. with Seti I. and the date of the Great Hypostyle Hall at Karnak by Keith C. Seele 1940)

beide Bilder: mit frdl. Dank Saamunra - bearbeitet von Nefershapiland

 

West-Ost-Achse/zwischen IV. und V. Pylon 
sowie Palast der Maat:

Sethos I. lässt in der Ost-West-Achse die amarnazeitlichen Schäden beseitigen und macht sie teilweise durch Restaurierungsvermerke (Rv) kenntlich. Außerdem erneuert er auf den beiden Obelisken der Hatschepsut die ausgehackten Darstellungen des Amun-Re in den Ritualszenen. Des weiteren ersetzt er eine Mittelkolumne von Hatschepsut auf dem südlichen Obelisken durch einen heute nur noch teilweise erhaltenen Restaurierungsvermerk: "Erneuern des Denkmals [....]" (6). 

Nach PM II² 79, (202, l) und Schwaller de Lubicz, Karnak II, pl. 114 befindet sich am IV. Pylon (nördlicher Turm) an der Südecke der Ostseite eine Szene, die im versunkenen Relief ausgeführt ist, von der nur noch der untere Torso und die Beine einer sitzenden Göttin erhalten ist. Hinter ihr steht eine kleinere Gottheit, die ein Tablett zu halten scheint. Beide Gottheiten zeigen Überarbeitungsspuren, was vermuten lässt, dass Sethos I. die Wiederherstellung einer früheren Szene - nach einer Amarna-Überarbeitung - vornehmen ließ. Die linke Hälfte der Szene ist heute nicht mehr vorhanden. Hier war evtl. der König zu sehen. Auf der Figur der Göttin sind wenige Spuren einer Aushackung zu erkennen - während auf der Basis der Szene und bei der kleiner darstellten Gottheit deutliche Aushackungen zu sehen sind.

Südecke des nördlichen Pylonturmes (PM 202 l)

Auf der Szene, die im versunkenen Relief ausgeführt wurde ist nur noch der untere Torso und die Beine einer sitzenden Göttin erhalten geblieben. Die linke Hälfte der Darstellung ist heute nicht mehr vorhanden. Auf den Figuren der Götter sind Spuren von Aushackungen zu erkennen. 

In der Mitte (unterhalb der sitzenden Göttin) befindet sich ein Wiederherstellungstext von Sethos I.

 

 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra 2019
- all Rechte vorbehalten - 

Sethos I. fügte unterhalb der Darstellung einen Wiederherstellungstext ein - allerdings mit einer etwas unbekannten Schreibweise des Thronnamens (Mn-n-maat-Re) - eine Variante, die wir aus den ersten Jahren seiner Regierungszeit kennen (8). 

Anmerkung:
Porter & Moss II² 202 l nennt hier allerdings Sethos II. als Eigentümer der Restaurationsinschrift - während Peter J. Brand (8) auf Seite 66 seines Werkes Sethos I. nennt.

Wadjet-Halle mit Obelisken Hatschepsut:

 

Karnak - West-Ost-Achse / zwischen IV. und V. Pylon
Wadjed–Halle und Palast der Maat
(Plan und Daten nach [6] - bearbeitet von Nefershapiland)

Zeichenerklärung:
OB = Obelisk der Hatschepsut (nördliche) **
Rv1 = Renovierungsvermerk, Wadjet-Halle/Obelisk
Rv2 = Renovierungsvermerk, Wadjet-Halle/Obelisk
Rv3 = Renovierungsvermerk, Wadjet-Halle/Obelisk
rWv = restaurativer Widmungsvermerk Wadjet-Halle/Obelisk

Einer der beiden Obelisken der Hatschepsut in der Wadjet-Halle steht noch (der nördliche Obelisk "E"), der zweite ist umgestürzt und zerbrochen (der südliche Obelisk "F"). Der obere Teil befindet sich heute in der Nähe des Heiligen Sees. Thutmosis III. ließ die beiden Obelisken der Hatschepsut bei der Überdachung der Wadjet-Halle "einmauern" - ließ sie aber ansonsten unbeschädigt. In der Amarna-Zeit wurde die Elektrumverkleidung der Spitze entfernt und die Reliefs teilweise zerstört. 

Sethos I. erneuerte auf beiden Obelisken der Hatschepsut die in der Amarna-Zeit ausgehackten Figuren des Amun-Re in den Ritualszenen. Restaurierungsformeln sind in wenigen Szenen auf beiden Obelisken verstreut zu finden. Am nördlichen (Obelisk "E") befinden sich diese in der Mitte des Schaftes auf der Süd- und Westseite.

Nördlichere Obelisk "E" der Hatschepsut 
Westseite PM II², 81-2 (E) 

Auf der westlichen Seite des Obelisken (links neben der Maaat-ka-re-Kartusche) befindet sich eine Restaurationsformel von Sethos I. mit einer Erneuerungsformel: "Erneuerung des Denkmals, gemacht vom Herrn der Erscheinungen  Sethos-meren-Amun" (nach Transkription P. Brandt/übersetzt von Nefershapiland)

Bild: mit frdl. Dank Saamunra 2019
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Auf dem südlichen Obeliks ("F") ersetzte er eine Mittelkolumne der Hatschepsut durch einen Restaurationsvermerk in großen Hieroglyphen: "Erneuern des Denkmals [....]" (6)- 

Südlicher Obelisk "F" der Hatschepsut (PM II²-82-83)
- die obere (umgestürzte) Hälfte befindet sich heute auf dem Gelände des  Heiligen Sees -
ursprünglich stand er in der südlichen Hälfte der Wadjet-Halle. 

Restaurationsformeln von Sethos I. befinden sich in der 2. Szene (vor dem König), der 3. Szene (vor Amun) und der 4. Szene  (vor Amun) von oben (8). 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra - 2019
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PM 210a =südliche Tor der Wadjet-Halle, Nord-Ost Türpfosten:
                   Von der Dekoration Sethos I. ist nur noch ein im erhabenen Stil ausgeführte Relief
                    auf dem östlichen Pfosten erhalten geblieben. Der König macht einen Grußgestus.   
                    Usurpationsspuren eines früheren Reliefs sind nicht erkennbar ((8).

Südliche Tor der Wadjet-Halle, Nord-Ost Türpfosten: (PM 210a)
- der König im Grußgestus - 

Bild mit frdl. Dank: Saamunra - 2019
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PM 210b = Südliche Hälfte der Wadjet-Halle, östliches Tor/ westlicher Pfosten
                    Darstellung Amenophis II mit Grußgestus 
                    Restaurationsvermerk Sethos I. unterhalb des Königs von Sethos I. - evtl. ließ Sethos
                    den während der Amarnazeit beschädigten Namen des Königs wiederherstellen und 
                    die Epitheta von Amun sowie evtl. Beschädigungen der Szenen (8). 
PM 212a+b = Tor nach Osten, Westseite (südliche Hälfte der Wadjethalle): Renovierungsformeln
                    auf dem nördlichen und südlichen Türpfosten.
                    Auf den Torpfosten dieses Durchgangs in der südlichen Hälfte der Fassade der Ostwand
                    befindet sich jeweils eine Darstellung von König Amenophis II. zum Tor hingewandt im
                    Grußgestus. In der anderen Hand hält er einen langen Stab. Links trägt der König die
                    Krone von Unterägypten, rechts von Oberägypten. Die Darstellung wurde dann von 
                    Sethos I. durch eine Restaurierungsinschrift (unter dem Arm des Königs) im versenktem
                    Relief usurpiert. Bei dieser Renovierung scheint es sich um eine Reparatur des 
                    in der Amarnazeit beschädigten Namens und der Epitheta von Amun sowie um eine
                    Neubemalung dieser Szene gehandelt zu haben (8). 

Übersichtsbild - Tordurchgang PM 212 a–b 
an beiden Tordurchgängen befinden sich 
Restaurierungsformeln von Sethos I.

Bild: mit frdl. Dank Saamunra - 2019
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Südliche Hälfte der Wadjet-Halle - nördlicher Torpfosten
Restaurierungsinschrift mit Reinheitsformeln Sethos I.

Bild: mit frdl. Dank Saamunra - 2019
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Südliche Hälfte der Wadjet-Halle - südlicher Torpfosten
Restaurierungsinschrift mit Reinheitsformel Sethos I.

Bild: mit frdl. Dank Saamunra - 2019
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PM 223 + 224 = Im Hof zwischen dem V. und VI. Pylon (Vestibül Thutmosis III.) - gleich links und
                    rechts hinter dem Tor des V. Pylons befinden sich an den dortigen Granitpfosten 
                    dieses Tores mindestens drei Szenen in denen der König von einer anderen Gottheit
                    vor Amun-Re geführt wurde. Der Renovierungstext von Sethos I. (siehe Schwaller de
                    Lubicz, Karnak, pls. 122-34) befindet sich in den untersten Registern beider Pfosten.
                    Nach Peter Brand (Monuments of Sety I. page 72) sind auf dem Hintergrund keine
                    Spuren einer Löschung zu sehen. Die Renovierungen wurden sehr sorgfältig durch-
                    geführt und die Figur des Amun mit seinem Namen und Epitheta wurden im 
                    versenktem Relief ausgeführt. Die Figuren des Gottes Amun wurden in einem Stil
                    dargestellt, der mit den Reliefs von Tutanchamun übereinstimmt. Es gibt auch (lt. 
                    Brandt) keinerlei Hinweis darauf, dass diese Amun-Figuren mehr als einmal 
                    restauriert wurden. Peter Brandt ist daher der Meinung, dass Sethos I. wahrscheinlich
                    den beiden untersten Darstellungen auf beiden Pfosten lediglich einen Erneuerungstext
                    hinzufügte - ohne an den Darstellungen Änderungen vorzunehmen.

Südlicher Torpfosten des Durchganges zum Vestibül Thutmosis III.
(rechte Seite des Bildes) (PM 224)
Bild: mit frdl. Dank
Saamunra
- alle Rechte vorbehalten - 

 

Detailausschnitt vom oberen Bild (PM 224)

Month führt den König (hier Thutmosis III.) zu Amun-Re.Der Renovierungstext von Sethos I. befindet sich vor der Figur des Gottes Amun-Re. Die Renovierungen wurden sehr sorgfältig durchgeführt und die Figur des Amun-Re mit seinem Namen und Epitheta wurden im versenktem Relief ausgeführt. 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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Nördlicher Torpfosten des Durchganges
zum Vestebül Thutmosis III. (PM II² 223)

Der nördliche Torpfosten ist nicht mehr so gut erhalten wie der südliche. Auch hier befindet sich der Renovierungstext Sethos I. im unteren Register vor der Figur des Königs.

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* *der südliche Obelisk der Hatschepsut: oberer Teil mit Pyramidion befindet sich heute westlich des See-Tempels von Taharqa - 

 

Palast der Maat:
(
hinter dem VI. Pylon)

Nach Silke Grallert (Bauen-Stiften-Weihen) ließ Sethos I. am Zugang zu den südlichen Räumen der Hatschepsut (Palast der Maat) einen Renovierungstext am linken Torpfosten anbringen: "Erneuerung des Denkmals, das der König gemacht hat" (PM II² 239c)

Tempel des Amun - Zwischen VI. Pylon und Festival-Tempel Thutmosis III.

Ein weiterer - allerdings stark beschädigter Restaurationsvermerk befindet sich an der Passage durch den VI. Pylon/nördlicher Durchgang (PM II² 239c). Von der Darstellung ist nicht viel mehr als die Beine einer Gottheit zu erkennen, welche den König geleitet. Dazwischen befindet sich der Restaurationstext //////// n nb TAwy [M] n-mAa.t-Re ///// (.....für den Herrn der beiden Länder Men-n-maat-Re.....) (siehe Plan oben).

Passage durch den VI. Pylon - nördlicher Durchgang
(PM II², 239c) - Restaurationstext Sethos I. 

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Im Raum VI. des Festival-Tempels Thutmosis III. befindet sich der untere Teil von Szenen mit Sethos I. (?), die ihn mit der Großen Götter-Enneade zeigt - am Ende mit der Göttin Inty/Inyt - (PM II² 265) - kniend vor Amun-Re, Mut, Ament (?) und Chons. Der Text ist über eine ältere Szene angebracht lt. PM). 

Plan: Porter & Moss 

Unter der Regierung von Sethos I. fanden auch Restaurierungsarbeiten am (heute zerstörten) Granitbarkensanktuar von Thutmosis III. (PM II², 275) . Auf einem der beiden Blöcke, die auf dem Kopf stehen (wiederverwendet an den Decken der Räume IX. und X. des Barkenschreines von Phillip Arrhidaeus) ist eine Opferszene des Königs mit der ithypalischen Form des Gottes Amun-Re erhalten geblieben. Sethos I. ließ außerdem einen Erneuerungstext einfügen. Nach Peter Brand, Monumente of Sety I. (8) - Seite 73, sind keinerlei Spuren einer Aushackung oder einer früheren Version zu sehen. Die restaurierte Figur des Königs stimmt mit anderen Figuren von Sethos I. überein (8).

Räume im südlichem Hof Thutmosis III. 
(Palast der Maat) - Raum VII. und XVI

Die Fragmente des Granitschreins von Thutmosis III. (PM 275) befinden sich jetzt südlich des Schreins von Philip Arrhidaeus. Oben sind die Überreste einer Opferszene an die ithyphallische Form des Amun-Re zu sehen, während unten eine Opferliste aufgeführt ist. Auf dieser Opferliste befindet sich eine horizontale Textzeile, die nur noch teilweise erhalten ist: ".......Opfer für Amun (?)....von Jahr 1 bis Jahr 46 und bis Millionen ....". Dieses impliziert, dass es sich um das derzeit höchste Datum der Dekorationsstruktur handelt (Quelle: GM 79/1984 - Charles C. Van Siclen)

Sethos I. ließ einen Erneuerungstext vor der Gottheit einfügen.

FragFragmente eines Granitschreins Thutmosis III. (PM 275)
mit Erneuerungstext Sethos I. vor der Gottheit
ente

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Nach Porter & Moss II² 104 (313) befinden sich auf dem äußerem Türsturz (rechter Teil) von Raum XVI. (dem sog. "Reinigungsraum") im "Palast der Maat" die königlichen Titel von Thutmosis III. mit dem Namen des Tores. 

Dieser granitene Durchgang in die nord-östliche Ecke des Raumes XVI vom "Palast der Maat" ist sehr schwer beschädigt. Aber auf der Basis des linken Torpfostens hat sich ein Wiederherstellungstext von Sethos I. erhalten. Es konnte lt. Peter Brand (8) nicht geklärt werden, ob und welche weiteren Restaurierungsarbeiten Sethos I. in diesem Teil des Tempels durchführen ließ.

Plan Porter & Moss - bearbeitet von Nefershapiland


*

Reinigungsraum XVI - linker Torpfosten (PM 313)
Die Granittür in der Nordostecke von Raum XVI im Palast der Maat ist schwer beschädigt - erhalten blieb lediglich ein Erneuerungstext von Sethos I. an der Basis des Türpfostens, wobei aber nicht ganz klar ist, welche Reparaturen Sethos I. an diesem Teil des Tempels durchgeführt hatte. Der Renovierungstext am linken Türpfosten am sog. "Palais de Maat" lautet: "Erneuerung des Denkmals, [das der König von Ober- und Unterägypten] Men-maat-Re gemacht hat (8). Darüber ein Text von Thutmosis III. mit dem Tornamen. 

Tordurchgang in der Nordostecke v. Raum XVI.
Palast der Maat

Detailfoto vom linken Torpfosten
- mit Erneuerungsinschrift Sethos I.(siehe Pfeil)

Bilder: mit frdl. Dank Saamunra - 2019
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VII. Pylon - Südseite:
und VIII. Pylon Nord-Seite:

Sethos I. war auch in der Süd-Nord-Achse der beiden thutmosidischen Pylone aktiv. Er ließ dort die Schäden aus der Amarnazeit an den Ritualszenen am östlichen Torpfosten des VII. Pylons restaurieren (siehe PM II², 169-170 [498e] und Schwaller de Lubicz, Karnak II. pl. 369). 

VII. Pylon - südöstlicher Torpfosten (PM 498eI

Restaurierte Szene auf dem süd-östlichen Pfosten des Durchganges durch den VII. Pylon (restauriert von Sethos I.)

Bild mit frdl. Dank Saamunra
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VII. Pylon - westlicher Torpfosten
mit Restaurationsinschrift von Sethos I.

Restaurierte Szene auf dem westlichen Pfosten des Durchganges durch den VII. Pylon (restauriert von Sethos I.) - bei PM nicht erwähnt, doch ist deutlich die Restaurationsinschrift zwischen Gott und König zu sehen (Men-maat-Re/Sethos I.)

Bild mit frdl. Dank Saamunra
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Poetische Stelen Thutmosis III. (Kairo CG 34011)
- mit Restaurationsinschrift Sethos I. - 

G. Legrain fand bei seinen Ausgrabungen 1902 im Amuntempel von Karnak, südlich des VII. Pylons am Fuße einer Kolossalstatue die Fragmente einer Stele, wobei es sich um eine Dublette der sog. "Poetischen Stele" Thutmosis III.  - Original gefunden im 4. Hof hinter dem VI. Pylon  - handelt. Es gibt nur geringe Unterschiede des Duplikats zum Original in der bildlichen Darstellung und im Erhaltungszustand der Stelen. Von den Zeilen 8-14 fehlen bei dem Duplikat lediglich die Anfänge, aber ab Zeile 15 sind diese nur noch fragmentarisch erhalten.

Im Bildfeld befindet sich unter der geflügelten Sonnenscheibe eine antithetische, durch die Restaurationsinschrift von Sethos I. getrennte Szene. Amun Re steht unter der geflügelten Sonnenscheibe mit einem was-Szepter und einem anch-Zeichen vor dem König (Thutmosis III.)  der die Doppelkrone mit dem Kopf trägt mit zwei nw-Gefäßen in den Händen.

Die Restaurierungsinschrift von Sethos I. lautet: "Erneuerung eines Denkmales, das der König von Ober- und Unterägyptens Men-maat-Re machte für seinen Vater Amun-Re, den Herrn der Throne der Beiden Länder". (nach P. Beylage, ÄAT Bd. 54, Teil 1, Aufbau der königlichen Stelentexte, Harrassowitz-Verlag 2002). 

Dublette der sog. "Poetische Stele" Thutmosis III.
gefunden südlich des VII. Pylons
- grauer Granit, H. 140cm, B. 95 cm -
heute: Museum Kairo CG 34011
mit Restaurationsinschrift Sethos I. 

Die wenigen Restaurations-Spuren, die bei den göttlichen Figuren zu sehen sind scheinen kosmetische Anpassungen zu sein und keine sekundäre Restauration.

Restorationen/Änderungen durch Sethos I. scheinen bei den zwei Götterfiguren - deren Gesichter in einem Nach-Amara-Stil erscheinen - ausgeführt worden zu sein. Es sind aber keine Spuren einer weiteren Änderung auf dieser Stele gefunden worden.

Der Restaurationstext Sethos I. lautet: 
"Erneuerung eines Denkmals, gemacht von dem König von Ober- und Unterägypten, Men-maat-Re für seinen Vater Amun-Re, Herr der Throne der beiden Länder".

 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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*

Während seiner Ausgrabungsarbeiten im Karnak-Tempel fand Auguste Mariette im Jahre 1895 im nördlichen Vorhof des Amuntempels (Hof 4) - hinter dem VI. Pylon - eine in zwei Teile zerbrochene, aber vollständig erhaltene Stele aus Granit von Thutmosis III. Ob dieses der ursprüngliche Aufstellungsort der Stele war ist unklar. Vielleicht stand sie auch einst vor einem der großen Pylone und wurde dann hierher verschleppt. 

Wie auch beim Duplikat der sog. "Poetischen Stele" ist auch hier beim Original zu erkennen, dass in der 19. Dynasty Restaurationen vorgenommen worden sind (siehe unterstrichene Textzeilen in ÄAT, Bd. 54, Peter Beilage - Teil 1, Harrassowitz-Verlag 2002). Obwohl sich keine Restaurationsinschrift auf dieser Stele (heute im Museum Kairo CG 34010 / JdE 3425 ) befindet - wie auf der Dublette der Stele (siehe oben) - ist doch davon auszugehen, dass diese Restaurierungsarbeiten in der Regierungszeit von Sethos I. durchgeführt wurden (evtl. wurde mangels Platz auf der Stele  keine Restaurationsinschrift zugefügt).

Original der sog. "Poetischen Stele" Thutmosis III. aus Granit
heute im Museum Kairo: CG 34010 / JdE 3425 
- H. 170m, Breite 1,03 - 

Im gerundeten Oberteil der Stele ist die geflügelte Sonnenscheibe mit herabhängenden Uräen zu sehen. Diese tragen jeweils die Weiße beziehungsweise die Rote Krone, sowie ein anx–Zeichen am Hals. Unter der Sonnenscheibe befindet sich eine antithetische Szene, die durch eine Inschriftenzeile getrennt ist.

Links: 
Der König hält in beiden Händen einen Becher in dem er Weihrauch verbrennt. Hinter ihm steht die Göttin Waset - in der einen Hand einen Bogen und Pfeile haltend, in der anderen eine Keule und ein Anchzeichen. Auf ihren Kopf befindet sich das Gauzeichen des 4.  oberägyptischen Gaus. Das ganze spielt sich vor Amun–Re ab, der ein wAs–Zepter in der einen und ein Anchzeichen in der anderen hält.

Rechts: 
Der König hält in beiden Händen je ein Kugelgefäß mit Wein, das er Amun–Re opfert, der wiederum hält ein wAs–Zepter in der einen und ein Anchzeichen in der anderen Hand.

Hinter dem König steht ebenso wie auf der linken Seite die Göttin Waset -  in der einen Hand hält sie Bogen und Pfeile, in der anderen ein Anchzeichen und auf dem Kopf das Gauzeichen des 4. oberägyptischen Gaus

 Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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VIII. Pylon - Nordseite:

Am VIII. Pylon ließ er auf der Nordseite die Schäden aus der Amarnazeit an den Darstellungen von Thutmosis II, deren Restaurierung bereits unter König Haremhab begonnen haben, ebenfalls restaurieren. Sowohl die westlichen und östlichen Barkendarstellungen (PM 517-519) zeigen Bearbeitungsspuren von Haremhab und Sethos I. Nach Murnane wurden schon unter Tutanchamun erste Restaurationsarbeiten vorgenommen (siehe W. J. Murnane / Tutanchamun on the Eight Pylon at Karnak 1985)

Süd-Nord-Achse der beiden thutmosidischen Pylone
mit Restaurationsinschriften Sethos I.

Sethos I. ließ auf dem südlichen Torpfosten des VII. Pylons die untersten Ritualszenen restaurieren und mit einem Restaurationstext versehen. Die Darstellungen zeigen Thutmosis III. vor Amun-Re, darunter der Torname sowie die Kartuschen von Ramses VI. in einer Zeile an der Basis.
VII. Pylon - Rückseite:
PM 498e = Torpfosten Thutmosis III. vor Amun-Re mit 
Renovierungs-Text von Sethos I.
VIII. Pylon Nordseite:
PM 517: 2 Register
Register 1: Thutmosis II. (im nini-Gestus) wird von Weret-Hekau zur Göttin Hathor geführt, mit Barke des Amun, getragen von Priestern
hinter dem König
Register 2: Thutmosis I. vor der Thebanischem. Triade mit Text

PM 518 - 2 Register:
Register 1: Sethos I. vor Amun-Re, mit der kleinen Götterneunheit,
Register II.: Sethos I. mit einem Renovierungstext, opfert Wein vor
                      Amun-Re mit der Großen Götterneunheit.
VIII. Pylon - Westlicher Turm/Nordseite:
PM 519 - 3 Register:
Register 1: Thutmosis und Hatschepsut mit Renovierungstext
                    von Sethos I.: "Erneuern des Denkmals, gemacht von 
                   dem König von Ober- u. Unterägypten (Men-maat-Re)" (6).

Plan: nach Porter u. Moss - bearbeitet von Nefershapiland

 

Reliefdarstellungen Sethos I. 
an der Nordseite des VIII. Pylon (Ostflügel

(PM II² 174-175 (518)

Auf der Nordseite des VIII. Pylons befindet sich auf dem östlichen Turm (linke Seite PM 518) eine großformatige Szene über zwei Register. Die Figur in dieser Szene ist eine Arbeit aus der Zeit Sethos I. Er opfert Wein an den Gott Amun-Re.

Bei genauerer Betrachtung am Original ist eine sekundäre Restauration zu erkennen (an der Federkrone des Amun-Re befinden sich Umschneidungsspuren und vor dem Gesicht des Königs sind lt. Peter Brand Spuren einer Gipsabdeckung erkennbar) (8). Spuren von Umarbeitungen sind ebenfalls bei dem Text hinter der Federkrone des Gottes zu sehen.

Unter der Regierung von Sethos I. scheinen Umänderungen an der Figur Amuns vorgenommen worden zu sein, ebenfalls an den schon von Tutanchamun vorgenommenen Überarbeitungen und Änderungen der Rede des Gottes, die Sethos löschen und durch neue Worte, die seine eigenen Restaurationsarbeiten hervorheben, ersetzen ließ (8). 

Auch die Götterdarstellungen (kleine und Große Enneade von Theben) zeigen Spuren einer zweimaligen Überarbeitung (8).

 

Bild: Lepsius III, Blatt 125 - public domain

 

VIII. Pylon, Nordseite (östlicher Turm)
- auf der linken Seite des Pylonturmes befindet sich die großformatigen, oben beschriebene Szenen - überarbeitet von Tutanchamun und Sethos I.

Bild: mit freundl. Dank Saamunra - 1019
- alle Rechte vorbehalten - 


VIII. Pylon - Südseite:

Sethos I. ließ auch auf der Rückseite (Südseite) des VIII. Pylons Renovierungsarbeiten zur Beseitigung der amarnazeitlichen Schäden ausführen. Er ist unseres Wissens nach der einzige Herrscher, der seine Restaurierungen von Stelen früherer Könige durch Renovierungstexte markieren ließ. Zumeist wurden diese in der Bildmitte angebracht. Am VIII. Pylon findet man solche Stelen-Renovierungen auf den Stelen "Q" und "R" (siehe Plan).

Übersichtsbild Rückseite (Südseite) des VIII. Pylons

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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VIII. Pylon - Südseite mit östlichem und westlichem Turm
- PM II², 521 + 522 und Stelen Q und R - 

Zeichenerklärung:
PM 517-519 = siehe weiter oben
PM 521:
Amenophis II. mit seinem Ka, beim Erschlagen der Feinde vor Amun–Re, Renovierungsinschrift von Sethos I: "Erneuerung des Denkmals durch den Sohn des Re, Sethos-Merenptah im Hause seines Vaters Amun" (eigene Übersetzung nach Transkription von S. Grallert) (6)- 

VIII. Pylon - Südseite 

Die großen Szenen auf der Südseite des Pylonturmes (hier der östliche Turm) zeigen Amenophis II. beim der "Erschlagen der Feinde"-Darstellung vor der viel kleineren Figur des Amun-Re. Die Figur des Gottes wurde zusammen mit großen Teilen der Rede des Gottes (vor seiner Figur) während der Amarna-Zeit gelöscht. 

Die Darstellung des Amun-Re wurde in der Nach-Amarna-Zeit zweimal restauriert, das zweitemal unter der Regierung von Sethos I. - wie der Renovierungstext belegt. Verschiedene Spuren einer früheren Restauration sind erkennbar.

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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PM 522:
A
menophis II. mit seinem Ka, beim Erschlagen der Feinde vor Amun-Re, Renovierungsinschrift von Sethos I.: "Erneuerung des Denkmals [gemacht] vom König von Ober- und Unterägypten Men-maat-Re, dem Leben gegeben sei " (eigene Übersetzung nach Transkription von S. Grallert)

Westlicher Turm des VIII. Pylons
mit Renovierungsinschrift Sethos 1: 

"Erneuerung des Denkmals [gemacht] vom König von Ober- u. Unterägypten Men-maat-Re, dem Leben gegeben sei."

Auch bei den Darstellungen auf dem westlichen Turm sind Überarbeitungsspuren bei den Federn des Gottes erkennbar, des weiteren an der Basis des Oberschenkels am vorderen Bein und an der Vorderseite des Götterbartes zwischen Kinn und Schulter (8). 

Bild mit frdl. Dank Saamunra 2019
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Stele "Q" Amenophis II. (Grauer Granit, Höhe: 2,30m, Breite 1,15m)
PM II²,177 (Q) = Die Maße der gesamten Stele wurden bei der Renovierung unter Sethos I. verkürzt, wodurch keinerlei Aushackungen der Amarnazeit oder Spuren einer früheren Version mehr sichtbar sind. Die heutigen Beschädigungen sind zum größten Teil die Folge einer Erosion, wobei der größte Teil der Inschrift heute völlig zerstört ist (8). 
Restaurationsschrift Sethos I.: "Erneuerung des Denkmals, gemacht vom König von Ober- und Unterägyptern, Men-Maat-Re [////////] der beiden Länder"
(eigene Übersetzung der Transkription bei Peter Brandt)

fragmentierte Stele "Q" Amenophis II. mit antithetische Darstellung
- mit Erneuerungsinschrift Sethos I. - 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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Stele "R", PM II², 177 (R) vor dem Ost-Turm des VIII. Pylon, Amenophis II. - Rosengranit
Peter Brand (8) schreibt in seinem Werk, dass die Szene auf dieser Stele von Sethos I. komplett neu in den Stein eingeschnitten wurde, wobei die Vertiefung weniger als einen Zentimeter tief ist. Die Ausführung der Arbeit ist hervorragend und es gibt keine Spuren einer amarnazeitlichen Ausmeißelung. Die neu geschnittene Szene befindet sich jetzt in einer quadratischen Vertiefung, welche in die Oberfläche der Stele eingeschnitten wurde. Der Erneuerungstext lautet: "[////////} gemacht vom König von Ober- und Unterägypten Men-Maat-Re im Hause seines Vaters Amun, Herr des Himmels" (eigene Übersetzung der Transkription bei Peter Brandt). 

Stele "R" vor dem Ostturm des VIII. Pylons aus Rosengranit

Sethos ließ die Darstellungen auf dieser Stele komplett neu einschneiden, wobei die Vertiefung weniger als 1cm tief ist - mit Erneuerungstext von Sethos I. 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra 2019
- alle Rechte vorbehalten - 

Auf beiden Türmen der Südseite des VIII. Pylons befinden sich Darstellungen Amenhoteps II. mit seinem Ka beim "Erschlagen der Feinde" vor der kleineren Darstellung von Amun-Re. Die Figuren des Gottes wurden zusammen mit einem großen Teil des beigeschriebenen Textes während der Amarna-Zeit gelöscht. Die Darstellungen des Amun wurden danach zweimal restauriert - das zweite Mal während der Regierungszeit von Sethos I., wie aus den Renovierungstext hervorgeht.

Erkennbar sind, dass die Darstellungen des Amun-Re ebenso wie die Renovierungstexte stärker vertieft eingearbeitet wurden als der Rest der sie umgebenden Wandfläche. 

Plan nach Porter und Moss, Plan XIV. - bearbeitet von Nefershapiland

 

Sedfest-Kapelle/Tempel   - siehe auch hier
- Kapelle Amenophis II. - mit Änderungen von Sethos I. -

Nach Porter & Moss II² 186 (527) und Silke Grallert (6) erweiterte/restaurierte Sethos I. in der Süd-Nord-Achse den sog. "Sedfest-Tempel" Amenophis II, der bis zum Ende der 18. Dynastie vor dem VIII. Pylon stand. In der Amarnazeit wurde er stark beschädigt und später unter der Regierung von Tutanchamun restauriert. Es scheint, dass dieses Gebäude dann von Haremhab demontiert wurde und als völlig neues Bauwerk mit einem ganz anderem Aussehen, aber unter Verwendung des alten, bereits beschrifteten Steinmaterials an die Ostseite des Hofes zwischen dem IX. und X. Pylon neu errichtet wurde. Von den Restaurierungsinschriften unter Sethos I. sind vier Inschriftenvermerke erhalten - zwei Inschriften auf den Südseiten der ersten beiden nördlichen Pfeiler und zwei Inschriften auf den Nordseiten der ersten beiden südlichen Pfeiler (gleich im Eingang am Mittelweg). Dieses sind Inschriften, die auf der quadratischen Säulen an den Seiten vor der Mittelachse eingeschrieben wurden. 

Hebsed-Tempel Amenophis II. 

 Hebsed-Tempel Amenophis II. 
Südseite der nördlichen Pfeiler 2 + 3

Südseite des 1. Pfeilers - nördlicher Bereich Blick in ins Tempelinnere des Hebsedtempels Amenophis II. Die rote Markierung zeigt die Position der Erneuerungsinschrift Sethos I. an der Südseite des 2. Pfeilers.

Beide Bilder: mit frdl. Dank Saamunra
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Hebsed-Tempel Amenophis II. 
- von Haremhab
an die Ostseite des Hofes zwischen dem IX. und X. Pylon neu errichtet -
Erneuerungs-Inschrift Sethos I. auf der Südseite des 1. und 2.  Pfeilers im nördlichen Bereich

Die Erneuerungsinschrift Sethos I. lautet: "Erneuerung des Denkmals, das der König von Ober- u. Unterägypten gemacht hat im Hause seines Vaters Amun-Re." (eigene Lesung)

beide Bilder mit frdl. Dank Saamunra
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Die Figur des Königs ist original geblieben - aber die Kartusche (zwischen der Götterkrone und der Königskrone) und die Figur des Gottes Amun-Re (die wahrscheinlich vollständig ausgehackt wurde) zeigen Spuren einer zweimaligen Erneuerung/Überarbeitung in der Nach-Amarnazeit, vermutlich unter Tutanchamun und Sethos I., dessen Name als letztes auf dem Monument erscheint, da Haremhabs Name dort nicht zu finden ist (8).

 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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Es scheint so, dass Sethos I. das von Haremhab umgestaltete und umgesetzte Gebäude mit den neu-dekorierten Szenen und unter der Regierung von Tutanchamun restaurierten Dekoration unvollständig vorfand und einige der Szenen an die Wände überarbeiten und dann vier Erneuerungsinschriften an die jeweils ersten beiden Säulenpaare hinzufügen ließ (8). Silke Grallert verzeichnet in ihrem Werk "Bauen-Stiften-Weihen" nur zwei Restaurierungsvermerke - nach Peter Brand (8) sind es vier Erneuerungsvermerke an den Pfeilern 31, 32, 36, 37 und einen weiteren Vermerk an einer Wandszene (mit den Kartuschen Sethos I.).

Übersichtsbild und Detail der Wand-Restaurationsinschrift Sethos I.
- 5. Wiederherstellungsinschrift Sethos I. auf der Nord-Wand (8) (siehe Pfeil auf dem Detailbild) - 

 

 

Gegen-Tempel des Amun-Re-Harachte
- östliches Sanktuar des Amun-Re - 

In der Mitte der Umfassungsmauer des Amun-Tempels von Karnak befindet sich ein kleiner sog. "Gegentempel", der an die rückwärtige Mauer angebaut ist, aber keine Verbindung (keine Tür) mit diesem hat. Dieses östliche Heiligtum besteht in seinem heutigen Bauzustand aus einem riesigen Alabaster-Monolithen von Thutmosis III., der von seitlichen Kammern flankiert wird und von einem großen Saal ausgeht, der sich nach Osten hin öffnet und dessen Fassade mit viereckigen Säulen verziert ist, die nach außen hin als "oside Statuen" und zusammen durch Wände oder Interkolumnialschranken verbunden sind. Die gesamte Strukturengruppe wird von den Basen zweier zerbrochener Obelisken Hatschepsut umgeben, die in den zwei Kapellen König Nektanebos I. eingeschlossen sind. Der Gegentempel wurde unter Domitian restauriert und vor den beiden Obelisken wurden zwei sog. "Schranken" aufgestellt.

Es sind nach Silke Grallert (Bauen-Stiften-Weihen, S. 318) keine Bauinschriften aus der Zeit seiner Errichtung unter Thutmosis III. erhalten geblieben - nur ein Restaurierungsvermerk Sethos I. [siehe auch PM II², 216 (6)] auf der Rückseite einer der sechs Osiris-Pfeiler (siehe Plan unten: P4) - 

Gegentempel des Amun-Re von Thutmosis III. 
- der Hof hinter den Osiris-Statuen -

Nach PM 14c-d befanden sich an beiden inneren Torpfosten wohl einst Restaurierungsvermerke von Sethos I., der wohl auch die bildliche Darstellung erneuern ließ. Nach Peter Brand (Monumente Sethos I.) sind auf Pfeiler 3 - siehe Plan unten - 
(PM 14d) nur noch Spuren der Kartusche Sethos I. mit seinem Thronnamen zu erkennen,  während die Inschrift auf Pfeiler 4 (PM 14c) lautet: "
"[Erneuerung] des Denkmals, gemacht vom König von Ober- und Unterägypten Men-maat-Re im Hause seines Vaters Amun-Re" (Übersetzt nach der Transkription Peter Brand - von Nefershapiland)

Gegentempel Thutmosis III, Pfeiler 4
- der Thronname Sethos I. befindet sich in der Mitte -

Bild: Saamunra 2019
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alle Rechte vorbehalten

Bild: mit frdl. Dank Saamunra  (2019)
- alle Rechte vorbehalten - 

Ramses II. usurpierte später die Königsstauen für sich. Nach Peter Brandt (the monumente of Sety I.) ließ Sethos I. Restaurierungsvermerke an den westlichen Seiten der beiden zentralen Säulen an der Fassade des Gebäudes vornehmen. Restaurierungsformeln befinden sich lt. Peter Brandt auf den Pfeilern 3 und 4.  Die Inschrift auf dem Pfeiler 3 (PM 7) ist zerstört mit Ausnahme von Spuren des Thronnamens in einer Kartusche. Die Inschrift auf Pfeiler 4 (PM 6) lautet: "[Erneuerung] des Denkmals, gemacht vom König von Ober- und Unterägypten Men-maat-Re im Hause seines Vaters Amun-Re". (übersetzt von Nefershapiland nach Transkription bei Peter Brandt)

Peter Brand schreibt dazu in seinen Monumenten Sethos I.: (Zitat - übersetzt ins Deutsche von Nefershapiland) "Die Westseite all dieser Pfeiler ist geschnitzt im erhabenen Relief mit Szenen von Amun, der den König umarmt. Die nördlichen und südlichen Pfeilerseiten wurden in versenkten Relief (Flachrelief) ausgeführt - alle wurden von Sethos I. restauriert. In den meisten Fällen blieben nach der Umschreibung Reliefspuren der Aushackungen übrig, wobei die restlichen Vertiefungen mit Gips aufgefüllt wurden."

Wahrscheinlich hat Sethos I. auch im Inneren des Gebäudes Restaurierungsarbeiten ausführen lassen, da alle Szenen so aussehen, als wären sie in der Nach-Amnarna-Zeit restauriert worden (evtl. durch Sethos I.).

Spuren einer Restauration im Nach-Amarna-Stil scheinen auch auf den Fragmenten der Basis des südlichen Obelisken der Hatschepsut bei der Figur des Amun vorhanden zu sein, zumindest wurde die Figur des Amun im Nach-Amarna-Stil überarbeitet (siehe Brandt, S. 92). Der Name des Königs ist allerdings heute nicht mehr vorhanden. Da Sethos I. aber offensichtlich Restaurationsarbeiten im Gegentempel ausführen lassen hatte, besteht die Möglichkeit, dass er auch hierfür verantwortlich zeichnete. Ebenso für die Bearbeitung der Amunfigur auf dem Pyramidion des südlichen Obelisken (heute im Museum Kairo CG 17012), die von Sethos I. in einem thutmosidischen ähnelnden Stil umgeschnitten wurde, wobei keinerlei Spuren einer Aushackung oder einer früheren Wiederherstellung der Amun-Figur aufgrund Zerstörungen in der Amarna-Zeit zu erkennen sind (siehe dazu Peter Brandt, S. 93).

Plan des Gegentempel des Amun-Re-Harachte nach PM II², 216 (6)

Zeichenerklärung:
4+5+6+7+8+9 = sechs Osirisstatuen Thutmosis III - restauriert von Sethos I. und später usurpiert von Ramses II., die mit ihrer Rückseite an dekorierte und beschriftete Pfeiler (der König in Umarmung von Amun sowie heb-sed-Texte) angelehnt sind.
10-13 = Interkolumnien-Schranken (Halbschranken) mit Darstellungen von Nil- und Gaugottheiten sowie Inschriften mit königlichen Titeln.
32 + 33 = Basis (in situ) und Fragmente der Obelisken Hatschepsuts

Plan nach Porter & Moss - bearbeitet von Nefershapiland)

 

Ptah-Bezirk:

Sethos I. ist der einzige König, der in größerem Maße die Restaurierung von Stelen früherer Könige durch Restaurierungsvermerke kennzeichnete - meistens als Mittelkolumne im Bildfeld angebracht. 

Zwischen dem 4. und 5. Tor des Ptahtempels in Karnak befanden sich nach PM II², 198 (5-9) fünf Stelen, die alle von Legrain gefunden wurden und sich teilweise noch vor Ort oder im Museum Kairo befinden.

Die Stele 6 (heute in Kairo JdE 34642) aus der Zeit Thutmosis III. weist einen Restaurierungstext Sethos I. auf.

Die Stele 8 (heute noch vor Ort) stammt aus dem Jahr 1 von König Sethos I. 

  

 Plan nach Porter & Moss - bearbeitet von Nefershapiland

Im Museum Kairo befindet sich eine kgl. Stele aus schwarzem Granit (Kairo CG 34013/JdE 34642), die ursprünglich aus der Zeit Thutmosis III. stammt und in situ auf der Ostseite der Ziegelmauer, die das vierte Tor des Ptah-Tempel mit der Umfassungsmauer des Amuntempels verbindet, von Legrain (der im Auftrag von Mariette Grabungen durchführte) kurz nach der Jahrhundertwende (um 1900/1902) entdeckt wurde (siehe G. Legrain in ASAE 3 - 1902: 107). Die Stele enthält ein königliches Selbstlob und sollte an den Abriss des alten, aus Ziegeln erbauten Tempels, dem Neubau und dessen Ausstattung mit Opferzuwendungen an den Gott im Jahr 23 oder 24 des Thutmosis III. erinnern. Die Stele wurde in der Spätzeit vor der Ziegelmauer, die Tor E mit der Umfassungsmauer von Karnak verbindet, aufgestellt. Ihr vormaliger Standort, ist ungewiss (6). 

Sehr deutlich sind in der Lünette die Auslöschungen aus der Amarna-Zeit zu erkennen - wobei Echnaton nicht nur den Namen des Amun in der Inschrift, sondern auch sämtliche Götternamen tilgen ließ. Echnaton ließ fast die gesamte Lünette vollständig tilgen, lediglich die geflügelte Sonnenscheibe, große Teile der beiden weiblichen Figuren und die Areale hinter ihnen wurden von ihm nicht bearbeitet.

Bei der späteren Restaurierung unter Sethos I. wurde an einigen Stellen, an denen zuvor eindeutig der Name des Ptah gestanden hatte, fälschlich der Name des Amun eingesetzt. Auch die Darstellungen der weiblichen Figuren im Bildteil scheinen nach Legrain und Vandersleyen sowie Piccione (2003) mehrfach überarbeitet zu sein. Die erste erfolgte noch während der Regierungszeit von Thutmosis III, die zweite in der Amarnazeit unter Echnaton und die letzte unter Sethos I., der die Schäden der Amarna-Zerstörungen restaurieren ließ.

Neben dem Namen der Großen königlichen Gemahlin Satiah sind noch Spuren des ursprünglichen Namens einer Frau, deren Name vorher in den Kartuschen stand, zu erkennen (siehe JSSEA 30 - 2003/The woman of Thutmose III. in the Stelae of the Egyptian Museum), über den aber in der Ägyptologie kontrovers diskutiert wird. Einige meinen, den Namen der Königin Merytre-Hatschepsut, die letzte Frau von Thutmosis III. erkennen zu können, andere denken dabei an Neferure, die Tochter der Königin Hatschepsut, was aber dann bedeuten würde, dass diese nicht im Jahre 16 Hatschepsuts verstarb, sondern ihre Mutter überlebte.

Stele Thutmosis III (Kairo JdE 34642/CG 34013)
aus dem Tempel des Ptah mit Renovierungsvermerk Sethos I.
(PM II²,  198, 6) - H.: 1,44m - B.: 0,75m) - Grauer Granit

Renovierungsvermerk auf einer Stele aus dem Ptahtempel zu Karnak in der Mitte des Bildfeldes: "Erneuerung des Denkmals das der König von Ober- und Unterägypten Men-maat-Re im Haus seines Vaters Ptah, dem Herrn der Maat, gemacht hat.

Hellere Bereiche auf der Stele stellen eine Nachbearbeitung der Oberfläche dar, welche weniger poliert ist, als die ursprünglich dunkleren Bereiche. 

Bildteil:
Das Bildteil der Stele zeigt eine symmetrisch aufgebaute Szene die spiegelbildlich (antithetisch) den König, gefolgt von der Großen königlichen Gemahlin Sitiah/Assat (im Schmuck einer Gottesgemahlin) zeigt, opfernd vor der Statue des Ptah. Die beiden Statuen des Gottes sind Rücken-an-Rücken dargestellt, zwischen ihnen verläuft der Restaurierungstext Sethos I. 

Legrain war davon überzeugt, dass der ursprüngliche Name der Königin hinter Thutmosis III. nicht "Sitiah", sondern ging davon aus, dass in der Kartusche der Königin ein "Ra" und ein "Nfr" zu entziffern sei, was von Claude Vandersleyen bestätigt wurde, der auch glaubte, mehrere Nfr-Zeichen erkennen zu können, was die Lesung von "Nfr.w-Ra" (Neferu-Ra) möglich macht - was bedeuten würde, dass diese ihre Mutter um ca. 2 Jahre überlebt hat.

Bild_ mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten - 

*

Legrain fand südöstlich des 4. Tores des Ptah-Tempels diese freistehende Stele aus Sandstein (PM II², 198-8), von der nur noch der obere Teil (die Lünette) erhalten ist. Die erhaltenen Maße der freistehenden, in situ befindlichen Stele sind H.: 1,18m hohe und B.: 0,87m (siehe Legrain, Annales, III, 112,113). 

Die Stele befindet sich in einem schlechten Erhaltungszustand - auf der Oberfläche befinden sich zahlreiche Abplatzungen. Die letzte Inschriftenzeile ist komplett zerstört. Die oben abgerundete Stele ist in ihrer Darstellung und ihrem Text im Bas-Relief gearbeitet. Unter der Bildszene in der Lünette befinden sich 11 horizontale Inschriftenzeilen, die von rechts nach links gelesen werden. 

Die Aufstellung der Stele Sethos I. im Ptahtempel scheint in unmittelbarem Zusammenhang mit dem ersten Feldzug des Königs gegen Syrien und Palästina zu stehen. Er dokumentiert damit gleich nach seiner Rückkehr von dieser Kampagne seinen Sieg über die beiden Fremdländer. Der Stelentext weist eine Datierung auf das Jahr 1 von Sethos und verweist des weiteren in Zeile 5 der Inschrift auf "den ersten siegreichen Feldzug" (eine genauere Datumsangabe fehlt, da der Text am Ende der Stele verloren ist). Das bedeutet aber nicht zwingend, dass die Stele auch im Jahre 1 im Ptah-Tempel aufgestellt wurde, sondern nur auf die Geschehnisse, auf die sich die Stele bezieht (10).

Stele Sethos I. im Ptahtempel
PM II.² - 198 (8) - H. 118cm; B. 87cm (nach Legrain)

Im Bildfeld befindet sich eine antithetische Szene, wobei beide Bildteile aber nicht symmetrisch sind.

Der König steht links und opfert Wein an Amun-Re, der ihm ein Anch-Zeichen und das Was-Szepter entgegenhält. Hinter Amun-Re befindet sich die Göttin Mut. Die Figur des Amun und des Königs haben sehr schmale Schultern, die oft charakteristisch für männliche Darstellungen in der post–Amarna Ära sind.

Auf der rechten Bildseite steht rechts der König und opfert die Maat (ein Abbild) an Ptah, der ein Szepter mit dem Anch-Zeichen und dem Was-Zeichen hält. Hinter dem König steht die Göttin Hathor, die ihm ewige Regierungsjahre garantiert: "Hiermit gebe ich dir Millionen an Jahren (und) Hunderttausende an Jubiläen." (10)

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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Karnak-Süd:

Die sog. "Alabasterstele" aus Karnak wurde in das 1. Jahr, 2. Monat der Achet-Jahreszeit, Tag 1 von Sethos I. datiert (Quelle: ÄAT 36,3 - S. Grallert) - das wäre zwei Monate nach seinem Regierungsantritt (die Thronbesteigung Sethos I. fand zwischen dem III. Monat der Smw-Zeit, Tag 18-Tag 23 statt) (10) -  und wurde im Hof der Cachette im Tempel des Amun-Re gefunden. Ob der Fundort identisch ist mit dem ursprünglichen Standort seiner Aufstellung kann heute nicht mehr festgestellt werden.

Die freistehende Alabasterstele Sethos I. stand einst vor dem "Fürstenhaus", das als "Ort des Erscheinens des Sonnengottes Re-Harachte" gilt, aber der Standpunkt dieses eigentlich aus Heliopolis stammende Heiligtums (Hw.t sr = Fürstenhaus) ist in der Ägyptologie umstritten. Kitchen (KRI I, 28-39, §19) vermutet, dass es sich hierbei um ein Dachheiligtum des Sonnengottes im Achmenu handeln könnte, ebenso P. Barguet (Le temple d'Amon-rê á Karnak/1962).

Die Figuren in der Lünette waren mit ihrem Umriss in den Untergrund eingetieft. Sie selbst bestanden original aus farbigem Glas und Halbedelsteinen-Einlagen, von denen heute nichts mehr vorhanden ist. Gipsmörtel-Spuren, der zur Befestigung der Einlagen diente, wurden an den vier Figuren in der Lünette gefunden - die meisten am Kopf und dem Oberkörper von Chons (8). 

Alabaster-Stele Sethos I. aus Jahr 1 (aus Karnak)
(heute: Museum Kairo CG 34501)
- Alabaster,  erhaltene Maße: H. 2,01m; B. 1,05; T. 0,38m - 

Diese aus einem einzigen Block gearbeitete Stele aus weißem Alabaster wurde kopfüber liegend in der Mitte der sog. "Cour de la Cachette", nördlich des 7. Pylons des Amuntempels von Karnak gefunden. Nach Barguet (Le temple d'Amon-rê á Karnak/1962) besagt der Stelentext, dass sie "gegenüber der Villa des Prinzen am Ort der Erscheinung der Menschwerdung von Re" errichtet wurde. Dieses soll ein Schrein auf dem Dach, der als Hauptheiligtum für den Gott Re in Karnak diente, gewesen sein, in dem Chepri als morgendliche Form des Sonnengottes verehrt wurde.

Aufgrund der obigen Bruchstelle kann nicht festgestellt werden, ob die Stele oben gerundet war. Die Darstellungen und der Text sind im versenkten Relief gearbeitet.

Im Bildfeld steht der König opfernd vor Amun-Re und Mut, die ein was-Szepter in ihrer Hand hält. Daran ist eine "hd-sd- Hieroglypengruppe" angefügt, welche der König mit seiner Hand empfängt. Hinter dem König steht der Gott Chons auf einem Sockel -  mit der Mondscheibe und der Sichel auf dem Haupt. Der König ist mit einem langen, plissiertem Zeremonialgewand bekleidet. Auf dem Kopf trägt er die sog. "Nubische Perücke", mit dem Uräus an der Stirn - darüber haben sich noch teilweise zwei lange Widderhörner erhalten, die einst zu einer Kompositionskrone gehörten.
Unter dem Bildteil erstreckt sich ein 15-zeiliger Text (siehe KRI 
I  38. 13 – 39. 16 (19)

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

 

Tempel des Month:

Der Tempelbezirk des Gottes Month befindet sich nördlich des Amun-Bezirkes. Allerdings besitzt er keine direkte Verbindung zu diesem. Karl Richard Lepsius besuchte und dokumentierte die damals sichtbaren Monumente 1843. Seit 1939 dauern Ausgrabungen des Institut Francais Archéologique Orientale du Caire (IFAO) an. Die französischen Ausgrabungen ergaben, dass die heutige Umfassungsmauer einen Vorgängerbau aus der frühen 18. Dynastie ersetzte, deren Umfang fast doppelt so groß war. Auf den Bruchstücken der Fundamente dieser Umfassungsmauer (Temenos) wurden die Kartuschen von Thutmosis I. und Amenophis II. entdeckt. Eine sog. sekundare Mauer umschloss die Hauptgebäude, sie wurde ca. 60m nördlich des südlichen Eingangstores zum Bezirk von einem Tor unterbrochen, das 1900 von Legrain untersucht und aufgrund fragmentarisch erhaltenen Kartuschen in die Regierungszeit von Thutmosis I. zugeordnet wurde.

Durch dieses Tor gelangte man zu den Gebäuden der frühen 18. Dynastie, wobei es sich um heute nur noch schlecht erhaltene Ziegelbauten handelt, die mindestens viermal abgerissen und verändert wieder aufgebaut wurden (12). Vier selbstständige Kapellen flankierten die Ziegelgebäude - eine im Norden (vollständig zerstört) und drei im Süden (noch in ihren Fundamenten erhalten). Dort fand man eine Granitstele aus dem 4. Regierungsjahr Thutmosis III. und Hatschepsut, wobei die Inschriften von einer Felderscheinung Senenmuts and den Amun-Tempel von Karnak und den Totentempel Hatschepsuts in Deir el-Bahari berichten.

Die Inschrift ist heute leider nur noch fragmentarisch erhalten - sie wurde in der Amarnazeit beschädigt und später unter Sethos I. ( lt Helck 1960, die Opferstiftung des Senenmuts in ZÄS 85, S. 23-24) "von einem mehr oder minder unfähigen Schreiber" restauriert. Diese Stele belegt, dass Thutmosis III. bei seinem Amtsantritt noch ein Kind war (Quelle: Julia Budka, Kemet 2001)

*

Vor dem Torbau König Nektanebos I. am Tempel der Maat im Monthbezirk, befinden sich zwei Granit-Basen (PM 30-31), die offenbar als Sockel für zwei Kolossalstatuen aus Granit von Sethos I. dienten. Die Sockelbasen wurden später von Ramses III. und IV. usurpiert.

Basen von Granitkolosse aus der Zeit Sethos I.
PM II², 11 (30-31) - vor dem Tor Nektanebos I. 
- später usurpiert von Ramses III. und IV. 

Die Granitkolosse wurden von Sethos I. vor einem Tor in der Südseite der Temenos-Mauer aufgestellt, welches zum Tempel der Maat führt. Die Basen wurden später von Ramses III: und Ramses IV. usurpiert.

Zeichnung; nach  Porter & Moss
- bearbeitet von Nefershapiland -

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Im Tempelbezirk des Month - im Norden den Amun-Tempels gelegen - fand man in der Nähe des Torweges vom Monthtempel zum Tempel des Harpre ein in mehrere Stücke zerbrochenes Bauelement, das von seinem Entdecker als eine Sandstein-Stele bezeichnet  wurde, die aus der Zeit Sethos I. stammt und die auf drei Seiten Inschriften aufweist (PM II², 9).

Auf der einen Inschriftenseite ist eine Darstellung zu sehen, in der Nilgottheiten das sma-tAwy Symbol binden. Darüber befindet sich eine heraldische Darstellung der Königskartuschen, die von geflügelten Uräen flankiert wird (8). Die genaue Funktion der einzelnen Fragmente ist noch nicht ganz klar, es kann sich (lt. Peter Brandt in Monumente of Sethos I.) um dekorative Steinelemente, die in einem Lehmziegelgebäude verbaut wurden oder um das Teil einer Stele handeln. 

Bezirk des Chons:

Der Tempel des Chons wurde in der 20. Dynastie unter Ramses III. neu errichtet. Er befindet sich innerhalb des Tempelbezirks des Amun-Tempels und ist dem Mondgott Chons geweiht. Mit Sicherheit existierte an dieser Stelle schon ein Vorgängerbau, der in der 18. Dynastie errichtet und in der 19. Dynastie erweitert wurde. Von diesem wurden viele Teile beim Neubau verwendet (11). Auf diesen Vorgängerbau verweist auch eine Stelle im Papyrus Harris. Etliche Fragmente des Vorgängertempels unter Amenophis II. wurden gefunden, u. a. stand ein großes Wandteil bis zur Neuzeit im Raum V. Im Februar 2014 wurde der Fußboden vom Hypostyl aufgenommen und untersucht. Dabei kamen etliche Fragmente mit den Kartuschen Amenhoteps III. zum Vorschein.

Im Inneren wurden zwei Pavian-Figuren (Statuen des Gottes Thot in seiner Gestalt als Pavian) gefunden, die evtl. in die Zeit von Sethos I. entstanden und daher wahrscheinlich zu dem Vorgängerbau auf diesem Gelände gehörten. Beide Paviane tragen eine Inschrift mit dem Thron- und Geburtsnamen Sethos I. - die rechte Figur mit einer Brustinschrift ist besser erhalten als die Linke.

Chons-Tempel mit zwei sitzenden Pavianen (Statuen des Gottes Thot) aus Kalkstein
 - links und rechts der Säule -

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

 

Chons in Gestalt eines Pavians im Hypostyl des Tempels

Auf der Brust des Mantelpavians stehen Thron– (rechts in der Kartusche) und Geburtsname des Königs 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

 

Fragment mit Thronnamen Sethos I. im Boden des Chonstempels des 1. Hofs

Bei den Restaurierungsarbeiten im Chonstempel wurde 2009 der 1. Hof neu gepflastert. Dabei wurde auch der Untergrund untersucht und teilweise freigelegt, wobei dieses Fragment mit dem Thronnamen Sethos I. zum Vorschein kam.

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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Bezirk der Mut:

 

Fragment aus Rosengranit
- im Bezirk der Mut -

Im Bezirk der Mut befindet sich ein verstreut liegendes Fragment aus Rosengranit mit Reliefdarstellungen. Links ist eine thronende Göttin zu sehen, die nach rechts gewandt dargestellt ist.

Dahinter folgt eine Textkolumne die den Titel "Herr der Beiden Länder" und den Thronnamen sowie den Rest eines Textes wiedergibt. Da das Stück aus Granit besteht, handelt es sich eventuell um den Teil einer Toranlage, oder vielleicht eines Schreines.   

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

 

Quellen und Literatur-Angaben:
1. Kemet 2/2007, Sethos I. als Bauherr in Karnak: Christian Dereser/Gabyx Otto -S. 17-23
2. The temples of Karnak, R. A. Schwaller des Lubicz, Thames & Hudson 1999;
3. Saoc19 (Pdf) - The oriental Institute of the University of Chicago - The Coregency of Ramses II with Seti I and the date of 
    the Great Hypostyle Hall at Karnak/by Keith C. Seele;
4. Ägypten und das Alte Testament (ÄAT 78), A. Schlüter;
5. Der Amun-Tempel von Karnak, Ali El Sharkawy - Verlag Dr. Köster, Berlin 1978
6. Bauen-Stiften-Weihen Bd. 18/1 und 2 / Achet-Verlag Berlin, 2001,
7. UCLA Encyclopedia of Egyptology, S. 15 (Karnak: Development of the Temple of Amun-Ra) Author: Sullivan Elaine, 2010
    https://escholarship.org/content/qt1f28q08h/qt1f28q08h.pdf
8) The monuments of Seti I. and their Historical signifiance by Peter James Brand (pdf-online-Version),
9) Das Karnak Great Hypostyl Hall-Projekt
10) Königseulogien der frühen Ramessidenzeit: Politische Propaganda im Dienst der Legitimierung einer neuen Dynastie/Dissatation von Claudia Maderna-Sieben, Propylaeu-Verlag Uni Heidelberg (CC BY-ND 4.0) - 2018
11) Wikipedia/Tempel des Chons in Karnak (CC-BY-3.0)
12) Kemet 1/2001 Julia Budka, S. 27


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