Biografie Merenptah


Grab Merenptah (KV 8)

Bauten Merenptah allgemein

(Quellen und Literatur-Angaben am Ende dieser Seite - nummerierte Verweise im Text)
PM = Porter & Moss, Topographical Bibliography of Ancient Hieroglyphic Text, Reliefs and paintings, 1927-1952)

In Theben ließ Merenptah auf beiden Seiten des Nils Bauten erstellen. Im Gegensatz zu seinem Vater Ramses II. war seine Bautätigkeit in Theben verhältnismäßig bescheiden. Gleich zu Beginn seiner Herrschaft ließ er in der thebanischen Nekropole auf der Westseite des Nils seinen Totentempel in traditioneller Art errichten, der sich südlich von dem seines Vaters befindet. Er nutzte als Baumaterial Sandsteinblöcke, die er von Gebel es-Silsile auf dem Nil nach Theben bringen ließ, aber auch aus Kostengründen Baumaterial aus dem damals schon durch eine Naturkatastrophe zum Teil zerstörten Ruinen des Totentempels von Amenophis III.

 Im Tal der Könige - ebenfalls auf der Westseite des Nils - befindet sich sein axial angelegter Grabbau (siehe KV 8  ).

In den Tempelanlagen von Theben-Ost in Karnak und Luxor ließ er Erweiterungen und Restaurierungen vornehmen. Zu nennen sind hier u. a. ein Duplikat des Großen Siegesbericht über die Libyer im sog. Cachettehof in Karnak. 

In seinem 2. Regierungsjahr besuchte Merenptah Theben und weihte eine Stand- oder Schreitfigur aus Diorit für den Gott Amun-Re. Die Figur ist auf der rechten Seitenfläche des Rückenpfeilers mit einer einzeiligen Widmungsformel beschriftet, wobei sich alle Hieroglyphenzeichen in die gleiche Richtung orientieren. Die Inschrift lautet: "(Werk) des Ba-en-Re-meri-Amun", das er gemacht aht als Denkmal für seinen Vater Amun-Re, den Vorzeitlichen der beiden Länder.....". Wo sich allerdings heute diese Statue befindet, ist lt. Silke Grallert nicht mehr feststellbar. (Quelle: Bauen-Stiften-Weihen / Silke Grallert, Achet-Verlag, Berlin 2001, S. 326). 

Im Luxor-Tempel auf der Ostseite des Nils wurden im ramessidischen Vorhof und auch im Sonnenhof von Amenophis III. an den Wänden Bandeau-Texte in vertieften Reliefs gefunden, die im unteren Bereich u. a. auch von König Merenptah mit seinen eigenen Kartuschen usurpiert wurden.

Karnak

Bei einem Besuch König Merenptahs in Theben anlässlich des Opetfestes in seinem 2. Regierungsjahr weihte er eine Standfigur aus Diorit für den Gott Amun-Re in dessen dortigen Tempel. Sie ist mit einer Weiheformel auf der rechten Seitenfläche des Rückenpfeilers beschrieben. Die Statue wurde in der Cachette in Karnak gefunden - wobei heute aber der originale Aufstellungsort nicht mehr feststellbar ist. Die Statue befindet sich im Museum von Kairo (CG 42148/JE 36660)

Kopflose Statue König Merenptah
- Museum Kairo JE 36660/
CG 42148 -
H. 135 cm / Granit

Kopflose Statue König Merenptah - die lt. der Inschrift aus einem  2. Regierungsjahr stammt. Seine Kartuschen sind auf der Oberseite und beiden Seiten der Basis, neben seinem rechten Bein und auf der Brust eingemeißelt.

 

 

 

 

 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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1. Hof - Obeliskenfunde

Im 1. Hof des Karnaktempels befindet sich auf der Ostseite vor dem II. Pylon (Nordturm) ein kleines "Steinlager", wo ein Obeliskenfragment mit den Kartuschen von Merenptah zu sehen ist.

Obeliskenfragment mit der Kartusche König Merenptah
- gefunden im 1. Hof, Nordseite - vor dem II. Pylon-
mit dem Thronnamen von Merenptah

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Rückseite des obigen Obeliskenfragments

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Zwei Fragmente von Obelisken

Beide Fragmente könnten evtl. von dem gleichen Obelisk stammen, wobei das vordere Teil (der Rest einer Obeliskenspitze) mit den Kartuschen von Thutmosis III. aus der 18. Dynastie beschriftet worden ist. Das hintere Teil trägt die Kartusche von König Merenptah (das gleiche Fragment wie in den beiden oberen Bilder).

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Fragment aus dem "kleinen Steinlager" vor dem II. Pylon

Auf einem weiteren Fragment (evtl. auch Teil eines Obelisken) (?) befindet in der unteren Kolumne (linke Seite) der Horusname von König Merenptah: "KA-nxt Ha.j-m-mAa.t" (Starker Stier, der über die Maat jubelt = nach Schneider)

Es ist aber nicht beweisbar, dass es sich hierbei um den gleichen Obelisken handelt, wie das Fragment oben.

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In der 18. Dynastie erfolgten die letzten Umbauarbeiten unter König Amenophis III. Er ließ den jetzigen 2. Hof nach hinten versetzen und einen kleinen Vorgängerpylon sowie die Westseite des Peristylhofs von Thutmosis IV. abreißen und damit als Futter den III. Pylon füllen. Diese Westseite des Peristylhofs steht heute im Open Air Museum (siehe hier )

Auch die beiden Obelisken von Thutmosis III. wurden abgebaut - ihre Basen blieben stehen und wurden in den neu errichteten Pylon "eingebaut". Weitere Fragmente - wohl von Thutmosis II. befinden sich noch immer am III. Pylon - diese wurden später von ramessidischen Königen beschriftet.

Der damalige Inspektor der Antikenverwaltung in Oberägypten, Labib Habachi entdeckte in den 50er Jahren vergrabene Fragmente eines Obelisken von Thutmosis III. vor dem II. Pylon. Diese Trümmer befinden sich jetzt im 1. Hof, direkt vor der Nordseite des II. Pylons im sog. "kleinen Steinlager" - wo sie vor ein paar Jahren aufgebaut wurden. Einige Fragmente davon konnten eindeutig für Thutmosis III. zugeordnet werden. Über Sinn und Zweck dieser "Vergrabung" kann nur spekuliert werden.

Unter der Regierung von Ramses II. wurde damit begonnen, mindestens einen dieser Obelisken wieder aufzurichten und sein Sohn und Nachfolger Merenptah vollendete dieses Projekt. Evtl. stand dieser wiedererrichtete Obelisk vor dem II. Pylon, der ja immerhin 1000 Jahre lang den Eingang des Karnaktempels bildete. Irgendwann später muss der Obelisk dann umgestürzt sein, so dass man seine Trümmer vergrub (evtl. um die Westseite des II. Pylons mehr Stabilität zu verleihen?).

Im "kleinen Steinlager" sind die vor dem II. Pylon vergraben gefundenen Obelisken-Trümmern in die 1. Reihe aufgestellt. Ganz nördlich befindet sich ein interessanter Obelisken-Podeststein mit dem Namen von Ramses II., was vermuten lässt, dass dieser König evtl. einen der Obelisken wiederaufstellen ließ, da sich seine Kartusche auf dem nördlichen Fragment des Obelisken-Podest befindet. König Merenptah fügte später dann ebenfalls seine Kartusche auf dem Obelisken hinzu (siehe Foto).

Südhof - sog. "Cachette-Hof"

Äußere und innere westliche Hofwand (Umfassungsmauer)
Viele Inschriften oder Bandeau-Texte an der Westwand des sog. "Cachettehofes" zeigen die Kartuschen von Sethos II., die aber klar erkenntlich von ihm usurpiert sind. Obwohl leider nur selten Spuren des ursprünglichen Autors zu erkennen sind, ist an einigen Stellen klar, dass der Name von König Merenptah höchstwahrscheinlich hier gestanden hat - wie z. B. bei den Kriegsszenen an der westlichen Außenwand des Cour de la Cachette und auf einigen Blöcke, die man etwas entfernt von der Mauer gefunden hatte. Gelegentlich haben sich hier Spuren der Namen von Merenptah erhalten. Diese "Spuren" bei den ausgelöschten Kartuschen - insbesondere bei den Kriegsszenen an der westlichen Außenwand des Cour de la Cachette in Karnak waren Gegenstand großer Kontroversen unter den Ägyptologen. Einige von ihnen behaupteten, dass sie zuerst die Titulatur von Ramses II. zeigten und später von Merenptah und danach von den Pharaonen Amenmesse und zuletzt von Sethos II. überschrieben wurden. So z. B. Frank J. Yurco (Merenptah's Canaanite Campaign in JARCE 23 / 1986, pp. 189-215), der meinte, er hätte leichte Spuren von Amenmesse's Namen gefunden, die später von Sethos II. überschrieben wurden und sogar noch von Ramses III. Andere Forscher argumentieren, dass diese "Phantom-Spuren" wären und halten diese Kriegsszenen für Darstellungen aus der Zeit von König Ramses II. Ägyptologen wie Redford, H. Sourouzzian, Iskaner und Lurson behaupten sogar, dass die Kartuschen in diesen Kriegsszenen an der westlichen Außenwand (PM II², 491-495) von bis zu 4 Königen stammen - nämlich Ramses II. - Merenptah - Amenmesse und Sethos II., während Frank Yurco argumentiert, dass nur Ramses II. eliminiert wurde. Doch lt. Peter Brandt (Usurped Cartouches of Merenptah at Karnak and Luxor)
sind nur in ein paar der Kriegsszenen und in einer kleinen Anzahl loser Blöcke, welche von diesem Abschnitt der Mauer stammen, Spuren eines früheren Namens zu finden - und diese Spuren gehören wahrscheinlich zu König Merenptah.

An der westlichen Innenseite der Hofwand des Cour de Cachette wurden die ursprünglichen Namen in einer Reihe von Ritualszenen gelöscht und durch die von Sethos II. ersetzt, wobei sie von vielen Forschern original für Ramses II. zugeschrieben werden, andere - wie Peter Brandt - meinen, dass sie eigentlich eher als Werk von König Merenptah anzusehen sind. 
(Quelle: Usurped Cartouches of Merenptah at Karnak and Luxor / Peter Brand, Universität of Memphis - PdF-file)

Östliche Umfassungsmauer des Cachette-Hofes:
Im Jahre 2018/2019 wurden einige Teile der östlichen Umfassungsmauer des Cachette-Hofes im oberen Bereich aus verstreut liegenden Blöcken neu wiederaufgebaut (PM II-1, 131 [482-486] )

Plan der Darstellungen
auf der östlichen Cachettewand
des Karnaktempels

Am nördlichen und südlichen Ende der Innenseite der Ostwand im "Cour de la Cachette" im Karnak-Tempel befinden sich einige Darstellungen aus dem Neuen Reich - drei Szenen am nördlichen Teil und im südlichen Teil (ab PM II-1,131 (486) eine weitere Siegesstele von König Merenptah über den libyschen Krieg aus dem Jahre 5. Bei dem Text handelt es sich um ein Duplikat der sog. "Israelstele" aus dem Totentempel des Königs.

Bei PM 488 befindet sich als Abschluss der östlichen Cachettewand eine "Erschlagen-der-Feinde" (EdF)-Szene.

 

 

 

 

Planzeichnung: nach Porter u. Moss II-1 - Karnak
- bearbeitet  von Nefershapiland -

 

Die östliche Cachettewand des Karnaktempels (PM 482-485)

Beginnend mit dem nördlichen Teil (links) - drei Szenen (PM 482); danach in der Mitte die Nord- und Südstele von Ramses III. (PM 483-484) und am rechten Ende des Bildes das Stelenfragment von Ramses IV (PM 485). Nach rechts folgend setzt sich die Wand mit der Siegesstele von Merenptah fort (PM 486-487) - nicht mehr im Bild.

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

Beginnend mit dem nördlichen Teil der Ostwand (PM II-1, 131 [482] befinden sich dort drei Szenen:

  1. Merenptah (lt. PM 482 - Kartusche des Königs ist aber nicht mehr vorhanden), der nach links gewandt ist, stand hier einst in anbetender Haltung vor den Gottheiten (diese sind heute nicht mehr vorhanden, da in späterer Zeit ein Tor in die Mauer gebrochen wurde, welches den Zugang zum Heiligen See ermöglichte). Hinter dem König steht die Göttin Seschat, die die Heb-sed-Feste des Königs aufzeichnet. Allerdings zeigen die Inschriften hinter der Göttin einwandfrei die Kartusche mit dem Thronnamen von König Ramses IX. Auch die Textzeile unter der Darstellung - bestehend aus großen Hieroglyphen - zeigt zu Beginn in dem erhaltenen Rest dieser dieser Inschrift den Horusnamen von Ramses IX, wobei auf den ersten Blick keine Usurpation zu erkennen ist.

    Nördlicher Teil der Ostwand im Cachettehof (PM II-1, 131 [482]

    Ganz links ist noch ein Rest der Szene vorhanden. Der König steht vor Gottheiten - hinter ihm schreibt die Göttin Seschat die Heb-Sed-Feste des Königs auf die Wand.

    Bild: mit frdl. Dank Saamunra
    - alle Rechte vorbehalten -

  2. Szene 2: Amun-Re (in der Gestalt einer liegenden Sphinx mit Widderkopf, Uräus mit Hörnern und Sonnenscheibe auf dem Kopf. Die Sphinx liegt auf einem Podest, dessen Sockel mit den "was, anch und neb-Zeichen" verziert ist. Vor dem Podest steht ein Opferständer mit einer Libations-Vase sowie Lotusblumen. Vor oder auf (oder zwischen ?) den Pranken der Widdersphinx kniet oder sitzt der jugendliche König mit Kugelperücke und einer Jugendlocke - darüber ein Stirnband mit Uräus. Der jugendliche König hält in seiner linken, vor die Brust gelegten Hand das Heqa-Zepter. In seiner zur Faust geballten rechten Hand hält der König ebenfalls einen Gegenstand, der aber nicht genau zu bestimmen ist. Rechts vor König und Widdersphinx befindet sich eine mehrzeilige Inschrift:

    a) "König von Ober- und Unterägypten, Herr der Beiden Länder (/////////)"
    b) "
    Sohn des Re, Herr der Kronen (//////////////////)|"
    c) "von Amun-Re geliebt"
    d) "beschenkt mit Leben, wie Re"

Hier wurde der ursprüngliche Königsname (evtl. der seines Vaters?) herausgemeißelt und durch den von Merenptah ersetzt. Zwar schreibt Porter u. Moss ((PM II-1, 131 [482], dass es sich hier um die Kartuschen von Ramses IX handelt, aber es sind noch deutlich Spuren des Namens von König Merenptah zu erkennen - allenfalls könnten die Kartuschen später nochmals von Ramses IX usurpiert worden sein. Ungeklärt st aber, wer dann später die Kartuschen aushacken ließ ? (Quelle: Elizabeth Blyth / Karnak, Evolution of a Temple, Routledge-Verlag, London 2006, S. 165)

Die herausgehackten Kartuschen an der östlichen Umfassungsmauer vor der Widder-Sphinx in einem vergrößerten Maßstab. Deutlich sind hier noch die Namen von Merenptah zu erkennen.

Die Deutung der Darstellung ist so zu verstehen, dass der jugendliche König unter dem Schutz von Amun-Re steht. Links über der Widdersphinx schwebt mit schützend ausgebreiteten Flügeln Horus von Edfu. Er hält in seinen Fängen die Symbole für Dauer, Herrschaft und Leben. Darunter steht „mit Leben beschenkt, wie Re“. Hinter dem Falken befinden sich weitere Schutzsymbole: Schutz, Leben, Dauer, Frische. Die ganze Darstellung ist in einen kapellenähnlichen Rahmen mit Himmelshieroglyphe als Dach eingeschlossen.

Ganz unten auf der Basis - unterhalb der Sphinxdarstellung mit dem jugendlichen König auf einem Podest mit einer Reihe von Anchzeichen - befindet sich mehrere kleine Szenen, die den König (auf der linken Seite mit der unterägyptischen Krone und rechts mit der oberägyptischen Krone) und darstellen, wie er seine Feinde vor Amun massakriert. Die "Weiße Krone" steht hier stellvertretend für die südlichen Feinde und die "Rote Krone" für seine nördlichen Feinde (Quelle:
(Quelle: Elizabeth Blyth / Karnak, Evolution of a Temple, Routledge-Verlag, London 2006, S. 165)

3.  Szene 3: Porter und Moss schreibt dazu: "König, Göttin und Gott, mit einer Serie von Kartuschen von Ramses IV (umgewandelt zu
     VI) unten".
     Auf die Szene mit der Widdersphinx (Szene 2) folgt nach rechts - auf höherem Niveau - die Darstellung eines Königs,
     der nach rechts blickt. Erhalten hat sich nur der untere Teil der Königsfigur, der mit einem Spitzschurz bekleidet ist und in seiner 
     Hand einen langen Stab hält. Weiter nach rechts folgend - zwar auf der gleichen Standlinie wie der König und mit der gleichen
     Blickrichtung - jedoch in bedeutend größerem Format - ein Kiosk, in welchem Amun-Re thront. Hinter ihm steht wohl die Göttin Mut.
     
    
Unter dieser Szene beginnt eine Schriftzeile (nach rechts laufend) in großen Hieroglyphen geschrieben mit den Namen Ramses IV
    
später durch Ramses VI. usurpiert – heute ist nur noch ein kurzes Stück davon erhalten, denn die Mauer wurde hier fast vollständig
     abgetragen. An der Basis der Wand beginnt eine Band mit großen Kartuschen mit den Namen Ramses IV, eventuell dann ebenfalls
     von Ramses VI. usurpiert.

     Die Kartuschen werden bekrönt von einer Sonnenscheibe mit Doppelfedern. Wie weit dieses Kartuschenband nach Süden verläuft 
     ist heute wegen der Zerstörung der Mauer in diesem Bereich, nicht mehr feststellbar, es kann aber höchstens bis zum Beginn der
     nördlichen Stele Ramses III. (PM 483) verlaufen sein.

Rechts nach der Stele von Ramses IV. bei PM 485, beginnt ab PM 486 der Große Siegesbericht König Merenptah über den libyschen Krieg im Jahr 5.

Die große Karnakinschrift vom Kampf gegen die Libyer aus dem Jahre 5 
von links nach rechts fortsetzend (PM 486)

Einige Teile der östlichen Umfassungsmauer des Cachettehofes wurden 2018/2019 im oberen Bereich aus verstreut liegenden Blöcken neu wiederaufgebaut und ergänzt. Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten erstrahlen die neu aufgebauten Wandstelen "im neuen Glanz" (ab März 2019). Die Inschrift von Merenptah beginnt ganz links im Bild - hinter der großen "Stele" von Ramses IV / PM 485). Unter dem Siegestext von Merenptah ist eine großformatige Hieroglyphenzeile aus der Zeit von Ramses IV. zu sehen.

In der 80zeiligen Inschrift werden u. a. auch die Verbündeten der Libyer genannt. Die große Inschrift nennt auch die Anmarschwege des Ägyptischen Heeres, die Dauer der Schlacht, die Opferzahlen der Feinde und es wird der Inhalt einer Beuteliste aufgeführt.

Hinter der 80zeiligen Inschrift befindet sich weiter rechts - nicht mehr im Bild - eine Doublette der sog. "Israelstele"(PM 487) und als Abschluss eine Szene in zwei Registern (PM 488) mit Resten einer Darstellung Merenptahs mit Gottheiten und in einer "Erschlagen-der-Feinde-Szene".

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

Am südlichen Ende der östlichen Innenseite des sog. "Cour de la Cachette" (Cachettehof) im Karnaktempel befinden sich die große Karnak-Inschrift über den Sieg Merenptahs gegen die Libyer und den mit ihnen verbündeten "Seevölkern". Dieser Text befindet sich - in verkürzter Fassung - auch auf der freistehenden sog. "Merenptah-Stele" (sog. "Israelstele"), die Flinders Petrie 1896 in den Ruinen des Totentempels von Merenptah fand. Von der Inschrift aus Karnak liegen zwei Bruchstücke vor, die sich im "Cachettehof" im großen Tempel des Amun (nördlich des VII. Pylons) befanden. Den Inhalt der Stele hatte Merenptah am 3. Schemu III (im Jahre 1208 v. Chr.) in seinem 5. Regierungsjahr verfasst. Siehe dazu ( - hier - )

In der großen Siegesinschrift von Karnak werden - im Gegensatz zu der sog. "Israelstele" (heute "Triumphstele Merenptahs" genannt) genaue Anmarschwege der Ägypter, die Dauer der Schlacht, die Opferzahlen der Feinde und der Inhalt einer detaillierte Beuteliste aufgeführt, während die Triumphstele (heute im Museum Kairo) eher den Charakter einer Dankesrede an die Götter für den Sieg des Heeres von Merenptah darstellt.

Die große Karnakinschrift an der östlichen Innenseite des Cachettehofes berichtet, dass "......die Libyer und die Seevölker im Jahre 5 von Merenptah unter Aufgebot aller verfügbaren Kräfte in der Schlacht von "Per-Irer" besiegt wurden. 6000 Libyer und 3.000 Männer der Seevölker wurden getötet, darunter der libysche Herrscher - unter ihnen König Marijaui und seine Söhne.........Außerdem sollen 9.000 Gefangene gemacht worden sein, darunter befanden sich die 12 Frauen des libyschen Herrschers Marijaui, die später am ägyptischen Hof aufgenommen wurden. Bei der Siegesfeier des Königs in Memphis wurden viele Feinde gepfählt und die abgeschnittenen Hände und Genitalien wurden auf einen großen Haufen ausgestellt". (Quelle: Claudia Maderna-Sieben, Staat und politische Entwicklung des Alten Ägyptens, S. 158, Ägyptisches Institut Heidelberg - Handout zum Proseminar - Onlineversion)

rechter Abschluss der östlichen Cachettewand vor dem VII. Pylon
- die Triumph-Szene und ein Text von Merenptah - 

Die letzte Szene auf der östlichen Cachettewand - vor dem VII. Pylon zeigt lt. PM 488 zwei Register: 
1. Reste einer Darstellung König Merenptah mit Gottheiten
2. Merenptah bei einer "Erschlagen-der-Feinde-Darstellung" vor Amun-Re

Hinter dem König befindet sich sein königlicher Ka - über ihm schwebt der Nechbet-Geier mit ausgebreiteten Schwingen.

Bild: mit frdl. Dank Saamunra 2022
- alle Rechte vorbehalten -

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Tor des VII. Pylons

Mit dem VII. Pylon des Karnak-Tempels begann die südliche Prozessionsroute des Amun-Re-Tempels. Er befand sich nördlich des VIII. Pylons der Hatschepsut. Den Eingang flankieren zwei kolossale Statuen von Thutmosis III auf der Südseite. Südlich der Statuen standen zwei Obelisken aus rosafarbenem Granit. Der Pylon war 26m hoch, 63,20m lang und 10,60m breit. 

Durchgang (Tor) des VII. Pylons
(PM 498a-d)

Plan: nach Porter u. Moss: Karnak, VII. Pylon 498a-d
- bearbeitet von Nefershapiland -

Die Szenen Porter u. Moss 498a-e stammen ursprünglich aus der Zeit von König Thutmosis III., nennen aber heute teilweise den Namen von Sethos II. Nach Roy Winston Hopper (Monumente of Amenmesse and Seti II: A Historical inquiry/Dissertation, Dezember 2010, University of Memphis - online-PDF) sind die Kartuschen eindeutig usurpiert. Ursprünglich dürfte hier "[(mnmj…]–Ra [stp.n Ra)|] [(Jmnmss HoAWast)|] - also „(Menmi]re [Setepenre)|] [(Amenmesse, Herrscher von Theben)]“gestanden haben. 

Unmittelbar hinter einer "heb–sed"-Szene mit Sethos II.  befinden sich zwei Statuennischen mit den Titeln von König Thutmosis III. über und auf beiden Seiten der Nischen auf der rechten inneren Wandseite des Pylon-Durchganges. Zwischen diesen Nischen stehen Horusname, Thron- und Geburtsname von Sethos II., links befindet sich noch eine zweite Nische. Nach PM² 169 (498d) sind diese Kartuschen ursprünglich die von König Merenptah. 

Nach Hooper (S. 239) erweisen sich die Szenen zwischen den Nischen auf der rechten Seite des Durchgangs als problematisch für eine evtl. Usurpation oder Umgestaltung durch Sethos II, weil sie in Granit gemeißelt wurden und Hartgestein nicht ohne großen Aufwand nachgearbeitet werden konnte, so dass die ursprünglichen Kartuschen nur mit einigem Aufwand gelöscht werden konnten. Danach musste der Untergrund geglättet werden, damit man eine Fläche für die Kartuschen von Sethos II. schaffen konnte. Lt. Hooper hinterließen die Kunststeinmetze von Sethos II. genügend Spuren, um deutlich zu machen, dass die Kartuschen zwischen den Nischen auf der rechten inneren Durchgangswandseite (PM 498d) ursprünglich nicht die von Sethos II., sondern die von König Amenmesse waren (dagegen: PM II ², 169 [498d]: Merenptah). 

Tor-Durchgang im VII. Pylon von Karnak

Hinter den Figuren auf der westlichen und östlichen Seite des Torpfostens des VII. Pylons sollen sich lt. Porter u. Moss (PM², 169 [498a+b] ebenfalls Darstellungen aus der Zeit von König Merenptah befinden.
Bild:    Tempio di Karnak
Autor:  Luciobochi - Wikipedia, 19. 4. 2009
Lizenz: CC BY-SA 3.0 (an den Rändern beschnitten von Nefershapiland)

Von den Szenen, die sich hinter den Statuen (von denen jetzt einige weggeräumt wurden) am Durchgang zum 7. Pylon befinden ist auf der rechten Seite (rechtes Bild unten) lt. neuester In-Augen-Scheinnahme des Nefershapiland-Fotografen Saamunra vom Oktober 2022 viel zerstört und kaum noch etwas erhalten. Die linke Seite des Durchgangs scheint etwas besser erhalten zu sein.

Auf der linken Seite - hinter der osiden Statue - befinden sich lt. PM ², 169 [498a+b] Darstellungen von König Merenptah vor einem Naos mit dem darin sitzenden Gott Thot  - gefolgt von Opferbringern an der Basis. Auf der rechten Seite sitzt der König vor einer Göttin, die ebenfalls in einem Naos sitzt und die Jubiläen des Königs aufschreibt - gefolgt von Opferbringern an der Basis.

Linker Torpfosten  des Durchgangs

Rechter Torpfosten des Durchgangs

PM 498a: Torpfosten an der Nordseite des 7. Pylons.
Hinter der osiden Figur:
Merenptah sitzt vor einem Naos, Thot beim Aufschreiben der Jubiläen des Königs - gefolgt von Opferträgern an der Basis
. Die Kartusche mit dem Eigennamen "Mer-n-ptah" ist noch schwach sichtbar.
PM 498b: Rechter Torpfosten des 7. Pylons (Nordseite)
Hinter der osiden Figur:
Merenptah sitzt vor einem Naos, eine Göttin beim Aufschreiben von Jubiläen des Königs - gefolgt von Opferträgern an der Basis. 

Beide Bilder: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

Nach PM II², 169 (498c+d) befinden sich auf der linken und rechten Seite der inneren Seiten des Durchgangs ebenfalls Texte und Darstellungen: 

  1. PM 498c - Tordurchgang linke Seite: Text von Thutmosis III.

  2. PM 498d - 2 Register
    I. Register  oben - zwei Szenen:
    1. Szene: Thutmosis III. wird von dem thronenden Amun-Re umarmt
    2. Szene: Thutmosis wird von Horus und Thot geleitet
    II. Register unten:
    Sethos II. (Kartusche ist usurpiert) kniend, hinter ihm steht die Göttin Mut - der König erhält heb-sed-Feste von Amun-Re und Chons. Es folgen zwei Statuennischen, zwischen denen sich die Titulatur von Sethos II. (usurpiert - nach PM II², 169 [498d] König Merenptah) befindet. Um die Statuennischen läuft ein Rahmen mit den königlichen Namen und Titeln von Thutmosis III. - darüber befindet sich die geflügelte Sonnenscheibe. Am linken Ende befindet sich noch einmal eine größere Kartusche mit dem Namen Sethos II. (anscheinend diesmal nicht usurpiert) - die Kartuschen tragen Doppelfedern mit einer Sonnenscheibe dazwischen und stehen auf der Hieroglyphe "nub" (für Gold).

    Tordurchgang, rechte Innenseite - 1. und 2. Register

    Im 2. Register kniet König Sethos II. vor dem thronenden Gott Amun-Re und dem hinter ihm stehenden Gott Chons. Hinter dem König steht die Göttin Mut.

    Es folgen zwei Statuennischen - zwischen denen sich in einem rechteckigen Panel  die Titulatur von Sethos II. befindet. (lt. Porter u. Moss 498d sind diese von König Merenptah usurpiert)

    Bild: mit frdl. Dank Saamunra
    - alle Rechte vorbehalten -

     

    Durchgang rechte Innenseite des VII. Pylons (PM 498e)
    - Detailbild - mit Kartuschen zwischen den beiden Nischen - 

    Zwischen den Nischen befinden sich - in einem rechteckigen Panel - die Kartuschen von Sethos II. (lt. PM 498d) usurpiert von König Merenptah - nach Hooper: König Amenmesse. Die Kartuschen tragen Doppelfedern mit einer Sonnenscheibe dazwischen und stehen auf der Hieroglyphe "nub" (für Gold).

    Bild: mit frdl. Dank Saamunra
    - alle Rechte vorbehalten -


  3. PM 498e - Türpfosten Südseite:
    Thutmosis III. vor einem Gott - mit Renovierungsinschrift von Sethos I., darunter der Torname sowie die Kartuschen von Ramses VI. an der Basis.

 
Month-Bezirk

Der Monthbezirk im Norden des Karnaktempels ist heute die am schlechtesten erhaltene archäologische Stätte Thebens. Im allgemeinen wurden nur noch Grundriss-Elemente gefunden, zu denen mitunter stratigraphische Befunde kommen, die aber insgesamt nur wenig Konkretes für eine Rekonstruktion der Bauten bieten. Es ist heute unbekannt, wo der ursprüngliche Tempel des Month lag. In den Fundamenten oder den Ruinen des gegenwärtigen Tempels aus der Zeit Amenophis III. fand man zahlreiche wiederverwendete Blöcke, die auf einen Vorgängerbau von Amenophis II., wenn nicht sogar Ahmoses zurückgehen dürfen (Quelle: Sergio Donadoni, Theben, Hirmer-Verlag München 1999). 

Der Tempel wurde nach Amenophis III. kaum noch verändert - bis König Taharqa einen Portikus (Vorbau) mit vier Reihen zu je fünf Säulen errichten ließ. In ptolemäischer Zeit wurde die Säulenhalle von Taharqa durch einen einfachen Portikus ersetzt.

Den heutigen Haupteingang des Tempels im Norden bildet das vollständig erhaltene Tor aus ptolemäischer Zeit, das sich unweit der östlichen Ecke der quadratischen Umfassungsmauer des Gesamtkomplexes befindet.

 

Month-Tempel mit Pro-Pylon
und Sphingenallee

Hinter dem sog. "Pro-Pylon" befindet sich im 1. Hof links und rechts der Prozessionsstrasse, auf beiden Seiten je die Reste einer Sphinx mit den Kartuschen von König Merenptah in situ (PM II², 4 [9+10] ).

 

 

Zeichnung: nach PM II², Plan IV. 1
- bearbeitet von Nefershapiland -

Auf der Südseite des sog. "Pro-Pylons" (genannt: Bab e--Abd) von Ptolemaios III./IV. - und der Kolonnade von König Taharqa vor dem Month-Tempel befinden sich links und rechts der Prozessionsstraße im äußeren Hof, Reste von je einer Sphinx, welche den Namen von König Merenptah tragen (PM II², 4 [9+10] ).

Im Vorhof I. des Month-Bezirks - Karnak-Nord - fanden sich wiederverwendete ramessidische Fragmente u. a. mit der Kartusche von Sethos I., Ramses II. und Merenptah (PM II², 7). 

An der rechten äußeren Stirnwand (fast in der Ecke) der Fassade des Month-Tempels wurde ein Stelen-Fragment aus Sandstein mit einem Text und der Kartusche aus der Zeit von Merenptah gefunden (PM II², 7 [17] ) (mit Resten eines Datums ?)

Im Durchgang vom Tempel des Month zum Tempel des Harpre befinden sich Reste einer Darstellung des Gottes Min auf dem linken äußeren Torpfosten (PM II², 9 [19]. Außerdem fand man hier die Fragmente von drei Granitsphingen von Amenophis III., die von Merenptah usurpiert wurden (Verbleib ist uns unbekannt).

Luxortempel

Neben dem Tempel von Karnak auf der Ostseite des Nils, ist der Luxortempel, der im hinteren Teil von König Amenophis III. erbaut wurde, das einzige "Denkmal" am Ostufer des Nils, das Inschriften von Königen der späten 19. Dynastie aufweist. Unter den von Sethos II. usurpierten Kartuschen in Karnak blieben jedoch nur selten Spuren des ursprünglichen Auftraggebers.

Bandeau-Texte (in situ) im Sonnenhof und im Vestibül des Luxortempels
Viele Inschriften - meist Bandeau-Texte in versunkenem Relief - (Anbringungsort: An der Innenwand der Ostmauer des Vorhofes, Südwand Ostseite des Vorhofes, Innere Ostwand des Hofes, Innere Nordwand, östliche Hälfte, Innere Westwand des Vorhofes, Innere Süd- und Nordwände, Westliche Hälfte / siehe Kitchen KRI 4 - 269-71 und PM II² 334 [92-98, 102, 101a-c, 207-209] ) - zeigen Anzeichen von Ausradierungen und Neugravur für einen anderen König. Deutlich erkennbar ist ein "Muster", das schon an der Westwand des Cachettehofes von Karnak zu erkennen ist. Hier wurden die ursprünglichen Namen ausgelöscht, aber keine neuen eingraviert oder aber durch die von Sethos II. ersetzt.

Die Bereiche, wo die Löschungen zu sehen sind, sind diejenigen, in welchen König Merenptah Bandeau-Texte oder seinen Thron- oder Geburtsnamen eingeschrieben hatte, wie z. B. auf den Säulen der Kolonnadenhalle des Luxortempels. Merenptahs Bandeau-Texte wurden größtenteils durch die späteren Texte von Ramses IV. ersetzt, aber von den Inschriften Merenptahs blieb genug zu erkennen, um eine angemessene Rekonstruktion ihres ursprünglichen Aussehens zu ermöglichen (Quelle: nach „The Monumente of Amenmesse and Sethos II.“ Roy Winston Hopper / 2010).

Im ramessidischen Vorhof des Luxortempels (PM II², 27-31) an der inneren Ost-, West- und Südwand befanden sich ebenfalls einst Bandeau-Texte von König Merenptah (in ihren unteren Abschnitten), wobei diese größtenteils gelöscht wurden und bislang weder genauer untersucht noch veröffentlicht wurden (PM II., S. 307-309 / PM 27-31) (Quelle: nach Dissertation „The Monumente of Amenmesse and Sethos II. - A Historical inquiry by Roy Winston Hopper / 2010 The University of Memphis) und (Brand, "Usurped Cartouches of Merenptah, ", 38-39; Epigraphic Survey, Reliefs and Insprictions at Luxor Temple). 

Deir el Bahari

Merenptah ließ im Tempel der Hatschepsut in Deir el Bahari - links von dem Granittor durch das man in den Oberen Hof gelangt (PM 75) unten am Wandsockel eine Inschriftenzeile anbringen. Die Inschrift lautet:„Jahr 3, dritter Monat der Achet-Jahreszeit unter Seiner Majestät des König von Ober- und Unterägypten (Ba–en–re mery–amun)| Sohn des Re (Mer–en–Ptah hetep–her–maat)|..............."

Tempel der Hatschepsut - Oberer Hof, links vor dem Granittor (PM 75)

Inschrift aus dem Jahr 3 von Merenptah. Diese Inschrift unten am Wandsockel aus der 19. Dynastie ist die letzte der Pharaonischen Ära - eine spätere gibt es nicht. 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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Ramesseum:

Das "Ramesseum" war die Totenkultanlage von Ramses II, in welcher sein Totenkult zelebriert wurde. Das Areal auf dem das Ramesseum erbaut wurde, war bereits vor seiner Erbauung heilig, denn an dieser Stelle stand zuvor ein von Sethos I. (Vater von Ramses II.) erbauter Schrein. Es zählt mit den anderen Tempeln, die dort standen, zu den "Millionenjahrhäusern". Im Ramesseum fand der Totenkult für Ramses II. - sowie der Kult für die thebanische Göttertriade, die aus Amun, Mut und Chons bestand, statt. Ebenfalls zum Ramesseum gehören ein Mammisi (Geburtshaus), eine Hafenanlage und ein heiliger See. Diese Kultstätte von Ramses II. befindet sich unterhalb der Nekropole von Scheikh Abbd el-Kurna - am Rande des fruchtbaren Tales. Die Anlage wurde schon in der Antike als Steinbruch genutzt, so dass die Außenmauern und der 1. Hof heute stark zerstört sind. Im Ramesseum finden sich einige Kartuschen von König Merenptah.

Das Ramesseum, West Bank, Luxor

Ramses II. nannte sein massives Bauwerk "das Millionenjahrhaus des User-Maat-Re" - frühe Besucher nannten diesen Tempel das "Grab von Ozymandias" und Jean-Francois Champollion, der die Hieroglyphen entzifferte, nannte es "das Ramesseum".

Bild:  mit freundl. Dank Saamunra
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Die ersten beiden Pylone des Tempels sind teilweise eingestürzt, es ist aber bekannt, dass sie mit Szenen von Ramses II. seiner historischen Schlacht von Kadesh geschmückt waren. 

Der I. Pylon führt in den säulenumstandenen 1. Hof. Dieser bildete den Vorhof des königlichen Palastes. Der zweite Pylon führt zum 2. Hof (hier liegt die umgestürzte Kolossalstatue von Ramses II. (nur noch Kopf und Torso). Der 2. Hof ist ebenfalls säulenumstanden - an der Ost- und Westwand befindet sich je eine Reihe von Osiris-Pfeilern, die König Ramses als Osiris zeigen. Der zweite Hof führt in die Hypostylhalle (Quelle: das Ramesseum, Antike Thebanische Stätten,  kv5.de / deutsch)

An den Basen der Osiris-Pfeiler E, G und H (siehe Plan Porter u. Moss) - auf dem nordwestlichen Portikus des II. Hofes im Ramesseum - befinden sich "heb-sed"-Texte mit den Kartuschen von Ramses II., Ramses IV. (usurpiert von Ramses VI.) und König Merenptah an Pfeiler E (usurpiert von König Amenmesse und einem weiteren König) und Kartuschen von Ramses IV. an Pfeiler G und H (siehe L. D. III, 219 [c (A-C) d]. (Quelle: PM VI. 436).

Die Kartusche von Merenptah befindet sich in Zeile A.

LD III. 219 [c (A – C), d]

 

Portico mit osiriden Pfeilern auf der Rückseite vom II. Hof

Bild: PM VI, Pläne, XL.I. 431 (Ramesseum)

Nach Dodson, Royal Families (Thames Hudson 2004, S. 165) befinden sich im Ramesseum und in den Tempel von Abu Simbel, Derr, Luxor, Wadi es Sebua und Abydos (Tempel von Sethos I.) mehrere Prinzenprozessionen.

Nach PM II², 437 (13) befindet sich auf der Rückseite des Portikus an der Basis - rechte Wandhälfte, unterhalb einer Darstellung des knienden Königs Ramses II., gefolgt von Thot , der "heb-sed" auf die Wand schreibt, beim Opfern vor der thebanischen Triade - eine Prinzenprozession mit 11 Prinzen (die Prinzen bewegen sich nach rechts). Merenptah ist hier allerdings als Sohn Nr. 13 nicht aufgeführt.

Inschrift von Merenptah am Pfeiler E des Ramesseums

An der Basis des Osiris-Pfeilers "E" (nordwestlicher Portikus des II. Hofes) befinden sich "heb-sed" Texte mit den Kartuschen von König Merenptah (siehe weißes "X"), die später von Amenmesse usurpiert wurden und deshalb schlecht zu erkennen ist

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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An der Rückwand der Eingangswand befindet sich unterhalb einer großformatigen Darstellung des auf einen Thron sitzenden Königs (Ramses II.) eine Prinzenprossession. Merenptah ließ später - als er den Thron Ägyptens bestiegen hatte -  über seiner Figur seine Kartuschen einschlagen (siehe roter Pfeil - Bild unten).

Prinzenprozession an der Rückwand der Eingangswand - PM VI. 431 (19)

Die Darstellungen auf der inneren Westwand zeigen unterhalb einer großformatigen Darstellung des auf seinem Thron sitzenden Königs (Ramses II.) an der Basis (PM Ramesseum, 438, 19) eine Prinzenprozession mit den Namen und Abbildern von 18 Prinzen und einer Prinzessin - dann folgt ein Bruch und dahinter noch zwei weitere Prinzen von Ramses II. Merenptah ließ später als König seine Kartuschen hinzufügen (siehe roter Pfeil)
Bild:      Ramesseum 2016-3-23
Autor:   Djehouty, Wikipedia
Lizenz:  CC BY-SA-4.0
- bearbeitet und Ausschnitt erstellt von Nefershapiland - 

Eine weitere Prinzenprozession befindet sich rechts des Haupteinganges (östliche Wand) des Tempelhauses. Dort befinden sich Darstellungen in zwei Register: Ramses II. im Kultlauf und zusammen mit Sachmet, wo er Leben von Amun und Chons erhält. An der Basis, unterhalb der Darstellungen ist die Prozession mit 23 Söhnen von Ramses II. (lt. PM II², 438 [20] ) zu sehen, wo auch Merenptah (als 13. Sohn) genannt wird. Sein Name wird hier in einer frühen Form in einer Kartusche, die nachträglich eingefügt wurde, mit (Ba-en-Ra) dargestellt

Prinzenprozession rechts des Haupteingangs an der östlichen Tempelwand

An der Basis der Wand befindet sich unterhalb einer Kultdarstellung Ramses II. eine Prinzenprozession von 23 seiner Söhne. Merenptah erscheint in der Prozession (von links gesehen) als 13. de Söhne. Eine nachträglich eingefügte Kartusche über seinem Kopf nennt eine frühe Form seines Thronnamens (Ba-en-Ra).

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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Details der Prinzenprozession 

Merenptah ist der Prinz rechts vom Loch in der Wand - über seinem Kopf befindet sich die nachträglich eingefügte Kartusche mit einer frühen Form seines Thronnamens Ba-en-Ra. 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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Lt. Porter u. Moss II², 439 (22) (KRI II, 653f und Helck, op. ci., 148ff)  (Astronomical Room) befindet sich in diesem Raum an der Nordhälfte der Wand die Darstellung von verschiedenen Barken. Priester tragen im unteren Register die Königsbarke auf ihren Schultern. Neben der Königsbarke schreitet ein einzelner - nicht die Barke tragender - Priester (oder der König ?) im Verehrungsgestus. Vor ihm befindet sich eine nachträglich - von Merenptah - eingefügte Huldigungs-Inschrift an seinen Vater Ramses II., womit Merenptah die kultische Kontinuität im Tempel seines Vaters dokumentiert (Quelle: Millionenjahrhäuser / Martina Ullmann, S. 342).

Das Ramesseum - Astronomical Room (PM II², 439, 22)

An der Nordhälfte im Astronomischen Raum befindet sich bei Nr. 22 - neben den Priesterdarstellungen - eine Inschrift von König Merenptah.

Plan: nach Porter u. Moss XLIL - The Ramesseum, Central part
- überarbeitet von Nefershapiland - 

 

Barkendarstellung im astronomischen Raum des Ramesseums
 PM II², 439 (22)
Die Merenptah-Inschrift - siehe weißes Kreuz vor dem Priester im Verehrungsgestus.

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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Inschrift von König Merenptah
 auf der Nordhälfte der Wand -
(siehe Bild oben - gekennzeichnet mit einem weißen Kreuz)

"Der König von Ober- und Unterägypten (Mrj-n-PtH Htp-Hr-MAa.t)|sagt: (Meine) beiden Arme tragen (meinen) herrlichen Vater, den König von Ober- und Unterägypten (Wsr-MAa.t-Ra stp.n-Re),den großen Gott". (Quelle: Helck, op. cit. 153 in Ullmann: Millionenjahrhäuser, S. 342).

 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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Totentempel Merenptah

Der Totentempel (das Milliononenjahrhaus) von König Merenptah mit dem Namen "#w.t (BA-n.i-Ra.w-mrj-Imn)|" (nach Pap. Sallier IV. verso 9,1) befindet sich an  der Straße unterhalb von Qurnet Murrai auf dem Westufer des Nils - in der gleichen Gegend wie die anderen Totentempel der thebanischen Nekropole. Der Tempel liegt etwa 400 Meter südwestlich des Ramesseums zwischen der Anlage des Siptah-Tausret-Tempels und dem von Amenophis III.

König Merenptah ließ - der in der thebanischen Nekropole seit dem Mittleren Reich üblichen Tradition folgend - sein "Millionenjahrhaus" (seinen Totentempel) südlich dem seines Vorgängers (und Vaters) Ramses II. gegen den Nil orientiert anlegen. Er schneidet dabei in die Nordwestecke des Temenos des benachbarten Totentempels von Amenophis III. ein, der damals offenbar schon eine Ruine war, da er dort Baumaterial für die Errichtung seines eigenen Totentempels entnahm und auch einen Teil der Statuen usurpierte, die seiner Selbstverherrlichung dienten.

Luftbild des Totentempels von Merenptah

Vom ursprünglichen Tempel ist leider nicht mehr viel vorhanden. Es befinden sich heute auf dem Tempelgelände noch die Grundmauern, einige Säulenbasen und ein paar Statuenfragmente, die man dort aufgestellt hat. Leider wurden nur sehr wenige Bruchstücke der einstigen Anlage gefunden, deshalb hat man die fehlenden Teile durch helle Ziegelsteine ersetzt.

Auf dem Tempelgelände befindet sich auch ein Abguss der so genannten "Israelstele / auch Merenptah-Stele genannt". Das Original befindet sich im Ägyptischen Museum.

Bild: By ovedc - Arial photographs of Luxor - 2017
Autor: Ovedc - Wikipedia Okt. 2017
Lizenz: CC BY-SA 4.0

Ursprünglich verband ein System von Kanälen die königlichen Totentempel mit dem Nil oder mit einem  heute verschwundenen Nilarm. Schon zu Lebzeiten des König wurden in den Totentempeln rituelle Handlungen der Reinigung und Opferung vollzogen und nach seinem Tod dienten sie dazu, eine Wiedervereinigung des Verstorbenen mit den höchsten Gottheiten zu erreichen. 

Der Totentempel wurde  1896 von M. Flinders Petrie entdeckt, der hier auch als erster Grabungen durchführte und einen Grundriss zeichnete. Petrie grub eine Reihe von Objekten aus, darunter Teile von Sphingen, göttliche und königliche Statuen, Bildnisse von Schakalen, Stelen, Ostraka und Töpferwaren. Er entdeckte dabei auch die berühmte 3 m hohe Siegesstele, deren Vorderseite von Amenophis III. stammt und auf deren leeren Rückseite Merenptah seinen Text eingravieren ließ.

Blick auf die Reste des Totentempels von Merenptah - vom 1. Hof aus

Auf der westlichen Seite des Tempels befinden sich 3 Sitzstatuen aus dem Totentempel von Amenophis III, die Merenptah für sich usurpiert hatte. Im Vordergrund die Kopie der sog. "Israelstele".

Bild: mit frdl. Dank Saamunra (2022)
- alle Rechte vorbehalten -

 

Blick auf den 1. Hof - links mit der berühmten, sog. "Israelstele" (Replica)

Bild: mit frdl. Dank Saamunra (2009)
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Danach geriet die Anlage mehr oder weniger in Vergessenheit, bis unter der Leitung von Horst Jaritz, dem Leiter der Schweizer Instituts in Kairo, 15 Jahre lang Ausgrabungen und Restaurierungen des "Millionen-Jahr-Tempels" durchgeführt wurden. Dabei wurde der Grundriss-Plan dieses fast vollständig ausgelöschten Denkmals durch die Entdeckung der Fundamentsmauern rekonstruiert und durch neue Schlammziegel-Mauern und Steineinlagen im Boden wieder sichtbar gemacht. Die letzten drei abschließenden Grabungs-Kampagnen (2000-2002) dienten ausschließlich der Herrichtung des Platzes und dem Bau eines Grabungsmuseums. Der Platz wurde - anlässlich eines Besuchs des damaligen Präsidenten von Ägypten, Hosni Moubarak, am 3. März 2002 - feierlich eröffnet und am 4. 3. 2002 offiziell den ägyptischen Behörden (der Antikenverwaltung) übergeben (3). 

*

Das an der Nordostecke des Tempels - außerhalb des archäologischen Platzes - gelegene Grabungsmuseum mit den dort untergebrachten Kleinfunden, fragilen Bauteilen und diversen Statuenfragmenten sowie Fragmenten der Tempeldekoration und gefundener Keramik ist zur Zeit leider geschlossen. Wir haben leider keinerlei Information über eine Wiedereröffnung.

Architektur des Totentempels

Der Totentempel von König Merenptah bestand zunächst aus Schlammziegeln, später wurde in Stein gebaut - unter Verwendung zahlreicher Spolien aus dem Totentempel von Amenophis III., der zu dieser Zeit wahrscheinlich schon teilweise in Trümmern lag. 

Das "Millionen-Jahrhaus" von König Merenptah wurde in mehreren Phasen errichtet, wobei man den ursprünglichen, einfachen Plan änderte und durch innovative Strukturen ergänzte. Da der König bei seiner Thronbesteigung nicht mehr der "Jüngste" war, wurde die Anlage anfangs recht bescheiden begonnen - zunächst wurde nur der Teil der Tempelanlage errichtet, der dem persönlichen Kult des Königs gewidmet war. Erst in einer späteren Bauphase fügte man weitere Elemente für den "Re-Kult" und das sog. "Schlachthaus" hinzu. Um Baumaterial für den Tempelbau zu gewinnen, eröffnete man in den Sandsteinbrüchen von Silsila ein neues Abbaugebiet. Des weiteren bedienten sich die Baumeister aber auch mit Steinmaterial aus dem nahe gelegenen - und damals wohl bereits im Verfall begriffenen -  Totentempel von Amenophis III., eines Vorgängerkönigs aus der 18. Dynastie (3).

Der Totentempel ist etwa 120 Meter lang und 100 Meter breit (Quelle Wikipedia). Durch den I. und II. Pylon gelangt man heute über zwei Höfe zu dem aus Stein (Kalkstein und Sandstein) erbauten Hauptteil, der nach einem relativ klassischen Plan errichtet wurde. Im  1. Hof fand F. W. Petrie die berühmte sog. "Israelstele". 

Plan des Totentempels von Merenptah

Von seinem Vater übernahm Merenptah für seinen Totentempel die zwei Höfe nach dem Eingangspylon, die vor dem Allerheiligsten liegenden beiden Säulenhallen und die südliche und nördliche Säulenkolonnade im ersten Hof.

Die Bauweise des königlichen Palastes an der Südseite des ersten Hofes gleicht dem von Sethos I. und Ramses II., ist jedoch bei Merenptah auf ein Minimum beschränkt. Eine Neuerung ist ein zweiter kleinerer Pylon zwischen ersten und zweiten Hof.

 

Planzeichnung: nach HÄB 21 und MDAIK 51
- bearbeitet von Nefershapiland - 

Als Neuerung fügten die Baumeister von Merenptah einen zweiten, kleineren Pylon - zwischen dem 1. Hof und dem 2. Hof hinzu. Im Fundament dieses Pylons fanden die Ausgräber zahlreiche große Blöcke von Tordurchgängen, die ursprünglich aus dem Totentempel von König Amenophis III. stammten. Die Darstellungen sind in ihrer Farbgebung noch relativ gut erhalten, da die Baumeister von Merenptah sie mit den Reliefdarstellungen nach unten verbaut hatten. Diese Blöcke befinden sich heute noch vor Orte in den beiden unterirdischen Schauräumen. Der Niveauunterschied zwischen dem 1. und 2. Hof muss lt. den Ausgräbern zwischen 1,57 m - 1,67 m gelegen haben. 

Im ursprünglichen Plan öffnete sich ein I. Pylon zum 1. Hof, dem sog. "Hof der königlichen Präsenz". Hinter einer Mauer und auf einer oberen Ebene befand sich ein Festhof, an dessen Ende ein Portikus mit osirisförmigen Säulen vor der Fassade des Tempelhauses stand. Ein Eingang führte dann zum 1. Hypostylraum, wo die Barken der thebanischen Triade und des Königs vor ihrem Auszug aufbewahrt wurden. In einem zweiten Säulenraum wurden die Opfergaben für die göttlichen Barken präsentiert. Am westlichen Ende befanden sich die Kapellen von Amun, Mut und Chons. Am nördlichen und südlichen Ende des Tempels befanden sich Gebäude aus rohen Ziegelsteinen, die für den Kult bestimmt waren. An der ganzen Nordwand befanden sich weitere Räume, in denen sich wohl Arbeitsräume, Ateliers und kleine Läden befanden, die für die Verwaltung bestimmt waren. Der nordwestliche Teil des Tempels war die Schatzkammer.

Der Pylon und die Seitenwände der beiden Innenhöfe wurden aus Lehmziegeln erbaut, viele von ihnen tragen die Kartuschen von Amenophis III., während das Tempelhaus selber und die Osiris-Säulen aus Stein sind und auf Fundamenten ruhen. Im Verlauf von 2 Planänderungen - die noch vor der Fertigstellung des ursprünglichen Planes stattfanden, erweiterte man die Fassade des Tempels mit zwei Vorbauten an der Nord- und Südseite, die auch in Stein ausgeführt werden musste. Für die Ergänzungen und Anbauten verwendeten die Baumeister Elemente aus Kalkstein aus dem Tempel von Amenophis III sowie aus Sandstein, der aus ehemaligen Bauten von Thutmosis III., Hatschepsut und Echnaton stammten. An die südwestliche Ecke des Tempels fügte man später Räume für die Anbetung der königlichen Ahnen und im Nordwesten einen Hof und Räume für den Kult von Re sowie einen Schlachthof an.

Ebenso wie die anderen Totentempel des Neuen Reiches besteht auch der Tempel von König Merenptah, der in seinem Raumprogramm und auch in seinem Gesamtumfang bescheidener erbaut wurde, von Osten nach Westen aus drei Hauptabschnitten:
(Quelle: Schweizerisches Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde in Kairo - Onlineseite)

  1. dem zentral gelegenen Haupttempel aus Stein, der zur Verehrung des verstorbenen Königs diente. Er umfasst einen I. Pylon, einen 1. Hof mit seitlichen Säulenkolonnaden, einen II. Pylon, einen 2. Hof mit einer dreiseitig umlaufenden Osiris-Pfeiler-Kolonnade, die gefolgt wird vom gedeckten Teil des Tempels, der aus einem 1. Säulensaal mit jeweils 3 Räumen auf seiner Süd- bzw. Nordseite besteht - einem 2. Säulensaal mit Seitenräumen, dem Allerheiligsten (Sanktuar) mit Barkenräumen für die Thebanische Triade (Amun, Mut und Chons). 

    Südlich davon befanden sich Verehrungskapellen für die Vorfahren und nördlich davon eine Kapelle mit Hof für den Sonnenkult und dem Schlachthaus des Tempels. Ein dreiseitig umlaufender Umlauf-Gang umgibt den gedeckten Tempelteil und trennt ihn von den Nebengebäuden.

  2. Weitere Nebengebäude, die aus Trockenziegeln errichtet wurden, umfassen den Palast auf der Südseite des Tempel sowie das Haus des Oberpriesters und die Häuser der Priester, einen Brunnen mit Umgang, Werkstätten, kleine Läden und Ateliers. Auf der Nordseite des Tempels befanden sich die in drei Gruppen angeordneten Magazine, die durch zentrale Korridore verbunden waren. Den Magazinen im östlichen (vorderen Bereich nahe des Pylons) waren zwei Höfe vorgelagert, die zur Verteilung der ankommenden Vorräte dienten. Die 2. Gruppe von Nebengebäuden (im oberen Bereich - westlich des Sanktuars) ist lt. der gefundenen Inschriften als Schatzhaus des Tempels ausgewiesen.

  3. einer mächtigen, aus Trockenziegeln errichtete Umfassungsmauer - die keine Türme oder Wachhäuser aufwies.

Rekonstruierte Fundamente des Totentempels

Bei der Rekonstruktion des Tempels durch das Schweizer Institut für ägyptische Bauforschung und Altertumskunde in Kairo wurden auch die ursprünglichen Fundamentsmauern durch den Wiederaufbau mit neuen Schlammziegeln und Steineinlagen wieder sichtbar gemacht.

Bild: mit frdl. Dank Hanne Siegmeier
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Rekonstruierte Säulenbasen und Säulenstümpfe der Schatzkammer des Tempels 

Reste der doppelten Säulenkolonnade des Schatzhauses im Norden des Totentempels.

Bild: mit frdl. Dank Hanne Siegmeier
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Südlich von Hypostyl und des 2. Hofes befand sich ein kleines Gewässer, das als Heiliger See diente und zu dem man über eine Treppe gelangte. Dieser Heilige See ging bis zum Grundwasserspiegel, wodurch er nach altägyptischer Vorstellung in Verbindung zum "Nun", dem Ur-Ozean stand. Hier vollzogen die Priester ihre rituellen Waschungen (Quelle: Horst Jaritz, Monika Doll, Brigitte Dominicus u. a.: "Der Totentempel des Merenptah in Qurna" 5. Grabungsbericht. MDAIK 57, 2001).

Auf dem 2. Hof befanden sich an der Süd, West- und Nordseite Osiris-Pfeiler, wobei die westliche Pfeilerhalle auf einem 1,20 m höheren Niveau als der Hof errichtet war (3). Zwischen den westlichen Osirispfeilern ließ der König Kolossalstatuen aufstellen, die original aus dem Amenophis III.-Tempel stammten und von Merenptah usurpiert wurden. Darunter befinden sich auch Anubis-Sphingen. Auch die Umgänge im Norden und Süden des 2. Hofes waren gegenüber dem Hofniveau erhöht. 

Hinter dem II. Pylon befindet sich ein weiterer kleinerer Hof, der zu 2 Säulenhallen und dem Allerheiligsten (Sanktuar) mit Barkenräumen für die thebanische Göttertriade Amun, Mut und Chons führte. Während die südliche Säulen-Kolonnade die Palastfront bildet, standen vor den nördlichen Säulen Statuen des Königs. Der Rest des Tempels und die umgebende Umfassungsmauer wurden aus Lehmziegeln erbaut und bestanden aus einem Palast und verschiedenen Nebengebäuden (Magazinräume, Unterkünfte und Arbeitsräume für die Priester, Schatzkammern und Schlachträume) (3). 

*

Insgesamt wurden bis zum Ende der 9. Grabungskampagne 6101 Fragmente von dekorierten Blöcken und Fragmenten aus der Tempeldekoration unter Angabe ihrer Fundorte im Tempelareal aufgenommen und dokumentiert (davon 1201 Stücke im Maßstab 1 : 1), die vor allem aus den Bereichen des 1. und 2. Hofes, des 1. und 2. Säulensaals mit Seitenräumen, kleinere Mengen aus dem Palast, den Sanktuaren und vom Bereich der Re-Kultstätte stammen. Diese Fragmente wurden in den Magazinräumen deponiert. In der 10. Kampagne konnten 2559 Fragmente dokumentiert werden. Die Mehrzahl dieser Fragmente kam bei der Freilegung der Räume südlich der Sanktuare, des nördlichen Bereichs des 2. Hofes, des Korridors nördlich des 2. Säulensaals, des Sonnenhofes des Re-Heiligtums, des Schlachthauses und des Bereichs westlich außerhalb der Re-Kultstätte und des Schlachthauses zutage. 

Außer den Stücken mit Dekoration von Amenophis III. wurden auch 50 kleinere Fragmente von Talatat-Blöcken mit Dekoration Amenophis IV. (Echnaton) gefunden. Ein weiteres Fragment weist Spuren einer bei der Wiederverwendung durch Merenpah ausgehackten Kartusche von Thutmosis III auf. 

Einige ausgewählte Blöcke aus den genannten Bereichen wurde auf gemauerten Steinsockeln gesetzt und außerhalb der Schutzbauten und Magazine in einem für die Öffentlichkeit zugänglichem Ausstellungsgelände aufgestellt und teilweise mit Hilfe von vor Ort angebrachten Metalltafeln dokumentiert.

Des weiteren wurden die Fragmente von Papyrusbündelsäulen mit geschlossenem und geöffnetem Kapitell aus Sandstein gefunden, wobei die Säulen mit geschlossenem Kapitell teilweise Aufschriften von Amenophis III. trugen (dokumentiert von der Schweizer Ägyptologin Susanne Bickel in Zusammenarbeit mit W. Schenck). Einige der Säulenfragmente wiesen noch Reste von gut erhaltener Bemalung auf Gipsstuck auf (siehe Bild unten).

(Quelle für obigen Artikel: MDAIK 51, 1995 - Horst Jaritz, B. Dominicus und Hourig Sourouzian)

Säulenfragment

Eines der wiedererrichteten Säulenfragmente - dieses weist im oberen Teil sogar noch teilweise die originalen farbige Bemalung auf.

 

 

 

 

 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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Fragmente von Papyrusbündelsäulen aus dem Totentempel von Merenptah

Bild mit frdl. Dank Saamunra
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Reste der Säulenteile von Papyrusbündelsäulen in einem der Magazine
 - mit geöffnetem Kapitell -

Bild mit frdl. Dank Saamunra
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Im Laufe der 8. Grabungs-Kampagne wurden - neben 3 kleinen, im Fundament der mittleren Säule der nördlichen Reihe des 1. Säulensaals gefundenen Sphingen ohne Kopf auf flachen Plinthe, die sich in einem sehr fragilen Zustand befanden - mehrere Fragmente kolossaler Sphingen (Köpfe, Tatzen, Beine und Hinterteile) gefunden und dokumentiert. Schon während der 5. Kampagne wurde im Fundament der Südmauer des 2. Hofs ein verbaut aufgefundener anthropomorpher Kopf eines kolossalen Schakalsphinx gefunden, unter dessen Kinn eine während der 2. Grabungskampagne gefundene Königsfigur stand. Im Füllmaterial des II. Pylons wurden Fragmente der Beine und des Hinterkopfes gefunden. 

All diese Teile - wenn sie nicht im Open-Air-Gelände ausgestellt sind - befinden sich heute im "Lapidaririum" (Ausstellungsräume an der Südwestecke des Tempelbezirks), das als Lager- und Ausstellungsplatz für alles im Tempel wiederverwendete - vor allem aus der Zeit von Amenophis III. stammende - Material dient. Hierzu gehören auch die Fragmente der größeren und kleineren Kalkstein-Sphingen, eine Anzahl von teilweise zusammengehörigen Fragmenten von Sandstein-Schakalen und Teile von Papyrussäulen Amenophis III.

Während der 7. und 8. Grabungs-Kampagne - vor allem im Sockelmauerwerk des II. Pylons / Nordturm - wurden die Kalksteinblöcke eines monumentalen Tores Amenophis III. gefunden - ebenfalls weitere Blöcke mit vertieftem und erhabenem Relief, die im Sockel des Südturms entdeckt wurden und nun eine Ergänzung der bisher bekannten Dekoration eines monumentalen Tores Amenophis III. boten. Dabei bestätigte sich die bisherige Annahme von gleichen Dekorationen des äußeren und inneren Torrahmens mit jeweils 4 übereinander angeordneten Szenen, welche den König (Amenophis III.) durchweg vor Amun und einer dahinter stehenden Gottheit zeigen. Insgesamt fand man während der 7.-10. Kampagne, 162 unter Merenptah wiederverwendete Kalksteinblöcke, wovon sich ein Großteil dieser Blöcke für zwei Tore von Amenophis III. zuweisen ließen. 34 dieser Blöcke gehören anhand ihrer Dekorationen, ihrer Größe und anhand von Toranschlägen usw. zu einem kleineren Tor von Amenophis III., der Rest zum größten Teil zu dem monumentalen Tor (Quelle: MDAIK 55, 1999 - Horst Jaritz u. a., Philipp v. Zabern-Verlag)

Lager des Inspektorrats mit kleineren Pylondurchgängen
- aus der Zeit von Amenophis III. -

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Im Open-Air Gelände gelagerte Blöcke aus dem Totentempel:

Die Archäologen des Schweizer Instituts haben im Open-Air Gelände Metalltafeln angebracht, die ein Bild des gesamten Relief zeigen, worin die einzelnen gefundenen Blöcke eingefügt sind. Die Dekoration der südlichen Außenwand des Tempelhauses im Bereich des 
1. Säulensaals kann hier mit 6 Blöcke zugewiesen werden. Ebenso wie auch auf den Außenwänden anderer Totentempel wird der König hier bei Kulthandlungen vor einer oder mehreren Gottheiten dargestellt, die im oberen Bereich auf ihren Thronen sitzen und im unteren Bereich der Wand stehen. 

Metalltafeln mit den Rekonstruktionen der gefundenen Reliefblöcke
- südliche Außenmauer - 

(Nummerierung der Blöcke folgt der zeichnerischen Darstellung und dem Artikel in MDAIK 51)

Rekonstruktion der südlichen Außenmauer des 1. Säulensaals - diesem Bereich konnten 6 Blöcke zugeordnet werden. Der große Block (Block 9)
und der kleine Block (Block 8 vor dem König) im oberen Register haben beide keine direkten Anschlüsse - die 4 größeren Blöcke im unteren Register schließen waagerecht bzw. senkrecht aneinander an. 

Das Relief im oberen Register (Block 9) zeigt den Gott Amun, der die hohe Federkrone trägt und die Göttin Mut mit der ober- und unterägyptischen Krone. Vor den Kronen befindet sich eine Inschrift. Hinter Mut folgt sicherlich der Gott Chons (nicht mehr auf dem Block zu sehen) (die thebanische Triade). Vor der Triade muss dann mutmaßlich der König stehen, zu vergleichen mit einer rekonstruierten Szene von der nördlichen Außenwand des Tempels (1. Säulensaal).

Die beiden senkrecht anschließenden Blöcke im unteren linken Bereich zeigen die thebanische Triade (Block 2 + 4) mit einer Beischrift vor und unter den beiden ersten Göttern. Vor Amun befindet sich ein Opferständer, daneben ein Papyrusbündelstrauß. Sicherlich stand der König in einer Kulthandlung vor der Triade (ein winziges Stück von  seiner Schulter ist noch im anschließenden Block 4 erhalten)

Die beiden waagerecht anschließenden Blöcke in der Mitte der Tafel gehören zu 3 Szenen. Von einer Trennzeile zwischen dem Ende der 1. Szene (mit einem kleinen Teil der königlichen Schulter) und dem Beginn der 2. Szene ist nichts mehr erhalten. In der 2. Szene (Block 14) tritt der König mit der ober- und unterägyptischen Krone und dem Zeremonialbart weihräuchernd vor dem Gott Thot mit der Atef-Krone auf dem Kopf, dessen Epitheton [Herr von] Hermopolis in der Beischrift zu erkennen ist. 

Hinter dem König - auf dem direkt anschließenden Block folgt eine vertikale Trennzeile, hinter der die 3. Szene (Block 13) beginnt. Zu sehen ist der Gott Amun mit der hohen Federkrone und eine Beischrift. Ebenfalls auf dem Block sind Hand und Arm des Königs mit einem Weingefäß zu sehen, der eine Kulthandlung ausführt (Quelle: MDAIK Bd. 51, 1995, Der Totentempel des Merenptah in Qurna, Horst Jaritz, B. Dominicus u. Hourig Sourouzian - Ph. v. Zabern-Verlag, Mainz, S. 69-72)

Bild: Hanne Siegmeier
- alle Rechte vorbehalten -

- Block 13 (nach MDAIK 51) - 
Rekonstruktion der südlichen Außenmauer des 1. Säulensaals

Dieser Block zeigt Ende und Anfang von 2. Szenen. Links der König mit der ober- und unterägyptischen Krone, dahinter Inschriften. Der Gott Amun-Re mit der hohen Federkrone gehört schon zur nächsten Szene. Am rechten Ende des Blocks sind die Hände und Teile der Arme des Weingefäße opfernden Königs zu sehen.

Bild: Hanne Siegmeier
- alle Rechte vorbehalten -

 

Metalltafeln mit den Rekonstruktionen der gefundenen Reliefblöcke
- nördliche Außenwand des 1. Säulensaals des Tempels -

Von den Szenen der nördlichen Außenwand des 1. Säulensaals konnten 12 Blöcke mit Darstellungen sicher zugeordnet werden. Auf dieser Schautafel sind 6 größere und 1 kleines Fragment (insgesamt 7) dargestellt.

Bild: Hanne Siegmeier
- alle Rechte vorbehalten -

 

Block von der nördlichen Außenwand des Tempels
1. Säulensaal mit dem Block 25

Das Foto zeigt die rekonstruierte Szene von der nördlichen Außenwand des Tempels (1. Säulensaal). Der König (nicht mehr erhalten) steht weihräuchernd und libierend vor der auf ihren Thronen sitzenden thebanischen Triade - vor denen sich ein gefüllter Opfertisch befindet  (Foto entspricht der rechten Szene im oberen Register  auf der Metalltafel-Zeichnung - siehe Foto oben).

Bild: Hanne Siegmeier
- alle Rechte vorbehalten -

 

Block von der nördlichen Außenwand des Tempels
1. Säulensaal 

Dieses interessante Fragment gehört ebenfalls zu der obigen Szenenfolge (untere Register - linke Bildseite) an der nördlichen Außenwand des 1. Säulensaals- Auf dem ersten Blick ist oben quer liegend ein Gott mit dem Götterbart  zu sehen, der ein Szepter in seiner Hand hält, und vor dem ein Opferständer steht. Der quergelegte Gott scheint vor einem Tempeltor oder einem Schrein zu stehen. 

Auf der linken Seite der Darstellung - diesmal senkrecht stehend, befindet sich König Merenptah  - über ihm ist eine seiner Kartuschen zu sehen. Der König opfert auf einem Altar vor einer Göttin mit dem Kuhgehörn und der Sonnenscheibe auf dem Kopf (wahrscheinlich Hathor oder Isis). 

Die Handwerker aus der Zeit von Merenptah haben das alte Relief (aus der Zeit von Amenophis III.) abgeschlagen, dann wurde es neu verputzt und das neue Motiv leicht vertieft eingearbeitet. Später ist der neu aufgetragene Putz abgefallen und Teile der ursprünglichen - im 90-Grad Winkel gearbeiteten - originalen Darstellung traten wieder hervor. Dieser 90 Grad-Winkel ist typisch für eine Wiederbenutzung.

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

Auf einem weiteren Relief, das auch im Open Air Gelände des Totentempels ausgestellt ist (wobei es sich wahrscheinlich um das Relief in der Mitte des unteren Register auf der Schautafel handelt) befindet sich eine quergelegte Figur des Gottes Ptah (oder Osiris?), das  aus einem älteren Relief aus der Zeit der 18. Dynastie stammt und das ebenso wie das oben gezeigte Fragment unter Merenptah teilweise abgeschlagen oder neu verputzt wurde.

Im oberen Teil befindet sich eine Inschrift mit den Kartuschen von Merenptah und seinen Epitheta (Herr der Kronen, Herr der beiden Länder) sowie den üblichen Segenswünschen in der Kolumne hinter den Kartuschen. Darunter ist auf der linken Seite der in den darüber stehenden Kartuschen genannte König (Merenptah) zu sehen. Von ihm sind nur noch die Umrisse des Kopfes (stark beschädigt), die Schultern und die Arme erhalten. Er steht vor dem Gott Horus mit der Doppelkrone auf dem Haupt, der ein Was-Szepter in seiner Hand hält und über die quer liegenden Figur des Gottes (wohl Ptah oder ) eingraviert wurde.

Wiederverwendetes und quergelegtes Relief 
von der nördliche Außenwand des 1. Säulensaals des Tempels -

Im oberen Teil des Blockes befinden sich die Kartuschen von Merenptah nebst seinen Epitheta und den üblichen Segenswünschen (ihm möge Leben.....gegeben sein usw.). Unter den Kartuschen (auf der linken Seite des Blocks) sind - wie im obigen Bild - über eine teilweise noch zu sehende quergelegten Götterfigur (wahrscheinlich Ptah) - nur noch der zerstörte Kopf, die Schultern und die Arme von König Merenptah zu sehen, der opfernd vor Horus (rechts auf dem Block - mit der Doppelkrone auf dem Kopf) steht. 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

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Metalltafeln mit den Rekonstruktionen der gefundenen Reliefblöcke
- nördliche Außenwand des Tempels -

Diese Fragmente auf der Schautafel zeigen ebenfalls Fragmente, die von dem nördlichen Abschnitt der äußeren Tempelhausfassade stammen (Quelle: MDAIK Bd. 51, 1995, Der Totentempel des Merenptah in Qurna, Horst Jaritz, B. Dominicus u. Hourig Sourouzian - Ph. v. Zabern-Verlag, Mainz, S. 69-72).  Sie zeigen die teilweise Rekonstruktion von Kulthandlungen des Königs vor Ptah und Sachmet (?) und vor Osiris im oberen Register, Geleitszenen mit Month und Atum und Mut im Kiosk im unteren Register. Der König ist in diesen rekonstruierten Szenen mit langem Schurz oder einer Kombination von langem Schurz und kurzem Spitzschurz dargestellt (wie in anderen Darstellungen auf den äußeren Tempelwänden bezeugt).

Bild: Hanne Siegmeier
- alle Rechte vorbehalten -

 

Block von der nördlichen Außenwand des Tempels, 1. Säulensaal

Reliefblock auf dem nördlichen Abschnitt der Außenwand der Tempelhausfassade. Der König (rechts im Bild (mit dem kurzen Königsschurz) steht vor einer Statue des Gottes Ptah. Zwischen beiden befindet sich ein schmaler Opferständer (siehe obige Metalltafel - unteres Register, links)

Bild: Hanne Siegmeier
- alle Rechte vorbehalten -

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Rekonstruierte Szene Teil der Südwand des Sonnenhofes

Diese 3 Blöcke (Nr. 1111, 1112 und 992) wurden am Ende der 10. Kampagne der Schweizer Instituts in Kairo im westlichen Tempelumgang gefunden. Lt. der Schweizer Ägyptologen gehören  diese Blöcke zur Innenwand eines Hofes - der Fundlage nach zur Südwand des Sonnenhof.

Der untere Block 992 (im vertieften Relief) wurde bei der Schutträumung im Westkorridor gefunden. Die Szenen sind durch eine 22 cm breite, vertikale Titulaturzeile getrennt. Der König mit der blauen Krone hebt darreichend seine Arme. Hinter ihm befindet sich eine Schutzformel, die lautet: "aller Schutz, alles Leben und alle Herrschaft mögen um ihn sein". 

Links von ihm steht - in einer weiteren Szene -  der falkenköpfige Gott Sokar, der hier bis zu den Schultern und dem Oberkörper erhalten ist. 

In den beiden oberen Fragmenten befinden sich Texte und im rechten Block (über dem König) Teile der Titulatur und seinen Kartuschen. Im Block daneben befinden sich die Beischrift zum gegenüberstehenden Gott in zwei vertikalen und einer horizontalen Zeile vor und über dem Gott.
(Quelle: MDAIK, Horst Jaritz u. s. -  Bd. 55, 1999 - S. 36)

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

 

Weiteres Fragment eines Blocks aus dem Totentempel

Auf diesem Fragment ist der König beim Opfern eines Spitzbrotes darstellt. Er trägt den sog. "Vorbauschutz" mit einem Schmuckgehänge. Oben vor ihm befinden sich seine Kartuschen und Epitheta. Links im Hintergrund befindet sich ein weiterer Block mit einer nicht wieder hergestellten Szene aus der Zeit Amenophis III. mit den Kartuschen von Merenptah (besseres Bild siehe unten). 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

 

Block mit ausgelöschter Szene aus der Zeit von Amenophis III.
König Merenptah ließ die Darstellungen auf diesem Block nicht wieder herstellen, sondern es wurden nur seine Kartuschen und Epitheta draufgeschrieben.

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

 

Zwei zusammengehörige Block mit der Kartusche und dem Epitheta von Merenptah

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

Der unten gezeigte Block 450 (MDAIK 52, 1996: der Totentempel des Merenptah in Qurna 3. Grabungsbericht, S. 217, Horst Jaritz u.a.) wurde im Fundamentsgraben der nördlichen Tempelaußenmauer im Bereich der Seitenräume des 1. Säulensaals gefunden. Er zeigt Schurz, Oberkörper und Kopf des nach links gewendeten Königs mit der ober- und unterägyptischen Krone. Hinter dem König befindet sich eine vertikale Titulaturzeile. Lt. der Wissenschaftler deutet eine senkrechte gemeißelte Linie in der geglätteten Oberfläche dahinter auf eine Verbauung an einer Innenecke hin, so dass nach der Fundlage und der Richtung des Königs der Block von der Nordwand des östlichen der nördlichen Seitenräume des 1. Säulensaales oder vom Nordende der Tempelfassade stammen könnte.

Block mit ritueller Handlung des Königs

Auf einem weiteren Block (Block 450 von der Nordwand des östlichen der nördlichen Seitenräume des 1. Säulensaals/oder vom Nordende der Tempelhausfassade) (Quelle: MDAIK 52, 1996 Horst Jaritz u.a.) - heute im Open-Air-Gelände der Ausgrabungsstätte gelagert - ist oben rechts der Rest der Kartusche von Merenptah zu sehen. Der linke, heller ausgeführte Teil ist rekonstruiert.

Das Relief zeigt den König bei einer rituellen Handlung - er hält in seinen Händen ein Liberations-Gefäß für eine Wasserspende und verbrennt Weihrauch.

Hinter ihm befindet sich eine stark zerstörte Kolumne mit seiner Kartusche und dem Epitheta "Sohn des Re" und evtl. eine weitere Kartusche, die nicht mehr zu erkennen ist (evtl. Amenophis III. ?)

Bild: Saamunra 2022
- alle Rechte vorbehalten -

Schon in der 1. Grabungskampagne wurden im südwestlichen Bereich des 2. Hofs der im Schutt stehenden Torso einer Statuengruppe aus Kalkstein gefunden. Nicht viel später - ebenfalls in der 1. Grabungskampagne fand man im Bereich der Nordhälfte der westlichen Osirispfeiler-Reihe des 2. Hofes  - wohl für die Kalksteingewinnung zurechtgeschlagene - Fragmente einer hier ehemals aufgestellten Statuengruppe (ebenfalls aus Kalkstein). Später wurden diese Teilstücke einer nördlichen und einer südlichen Dyade zugewiesen werden, die wohl lt. der Forscher den bisherigen Erkenntnissen nach, jeweils beiderseits der Tempelachse zwischen dem 1. und 2. Osirispfeiler der Westportikus des 2. Hofs aufgestellt waren. Ebenso wie in Medinet Habu (siehe Hölscher a. a. O., 9, Abb. 3, Taf. 10) standen sie wahrscheinlich auch hier auf einem erhöhten Sockel frei zwischen den Osirisstatuen und gegen den erhöhten Umgang des Westportikus gerückt (Quelle: MDAIK 51, 1995, Der Totentempel des Merenptah in Qurna, 2. Grabungsbericht, S. 81, Horst Jaritz u. a.) 

Diese Statuengruppen stammen ursprünglich aus dem Totentempel von Amenophis III. und wurden von Merenptah im Bereich des Rückenpfeilers und auf der seitlichen Thronseite  neu mit seinen Kartuschen beschriftet.

Fragmente der beiden südlichen Statuengruppen aus der Zeit von Amenophis III.
- von Merenptah usurpiert -

Die Statuengruppen standen einst im Bereich des Totentempels von Amenophis III. und wurden später von Merenptah für seinen eigenen Totentempel verschleppt und auf dem Rückenpfeiler mit seinen Kartuschen beschrieben. 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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Rückseite der rechten südlichen Statuengruppe- von Merenptah usurpiert -
Diese Statuengruppe ist schlechter erhalten als die linke auf dem oberen Bild

Die Kartuschen von Merenptah auf der Rückseite sehen nicht okkupiert aus (vielleicht war der Rückenpfeiler der Statuen original nicht beschriftet?)

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
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Linke südliche Statuengruppe
mit Inschrift und Kartuschen auf der Seite des Sitzes der Göttin (?)
- die besser erhaltene linke südliche Statuengruppe -

Auf dem unteren Teil der Statuengruppe befindet sich links der Horusname von König Merenptah und rechts davon seine Kartusche mit dem Thronnamen.

 

 

 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

 

 

Im Totentempel fanden die Ausgräber die sog. Israelstele. Bei ihr handelt es sich um eine usurpierte Stele aus dem Totentempel König Amenophis III., die Merenptah auf der Rückseite neu gestalten ließ. Das Original befindet sich heute im Museum Kairo - im Totentempel befindet sich ein Replika.

Replik der  sog. "Israelstele" König Merenptah
Rückseite der Stele von Amenophis III

Fundort:     1. Hof des Totentempels
Material:   grauschwarzer Granitdiorit (Basalt ?)
Maße:        H. 3,18m, Breite 1,63 m, Tiefe 31 cm

Das Original befindet sich heute im Museum Kairo (JdE 31408 / CG 34025
.Die Stele trägt das Datum:  Jahr 5. 3. Epihpi 
(3. Sommermonat = 1208 v. Chr.)

Unter der Himmelshieroglyphe des Stelenrund schwebt die geflügelte Sonnenscheibe. Darunter befinden sich in versenktem Relief zwei antithetisch angeordnete Darstellungen, die den König jeweils in Begleitung einer Gottheit (links Mut, rechts Chons zeigt. Sie bringen dem König die "Rispe der Millionen Jahre" und das Symbol des Jubiläums dar) vor Amun–Re zeigt. Der König, der in beiden Darstellungen die Blaue Krone trägt empfängt jeweils das Siegesschwert („Chepesch–Schwert“) und die Zepter der Königswürde aus den Händen des Gottes Amun-Re von Karnak.

Personen und Inschriften sind gelb ausgemalt, und nur die Schmuckstücke, die sie auf der Brust sowie an Hand – und Fußgelenken tragen, sind blau abgesetzt.

Bild: Courtesy to Dr. Karl Leser
- alle Rechte vorbehalten -

Als die sog. "Israelstele" 1896 entdeckt wurde, stiftete sie Verwirrung wegen des Namens Israel, der sich erst in der vorletzten Zeile findet in einer Erwähnung der unterworfenen Völker Palästinas. Die Mehrzahl der Wissenschaftler war damals damit der Ansicht, Merenptah sei der Pharao des Exodus der Israeliten aus Ägypten gewesen. Dies ist das einzigste Mal, dass der Name Israel in einem ägyptischen Text erscheint, dagegen nennt die Bibel das Land Ägypten, das sie hebräisch "Misraim" nennt, fast 700 Mal.

Inzwischen weiß man, dass der Name Israel nicht ein Land, sondern höchstens einen Stamm meint. Hinter dem Namen steht nämlich das Determinativ für eine Gruppe von Männern und Frauen, und nicht das übliche Zeichen für Stadt, das normalerweise an Ortnamen angehängt wird.

Quellen und Literatur:
1) Roy Winston Hopper, "The Monuments of Amenmesse and Seti II: A historical inquiry, Dissertation, University of Memphis, 
    Dez. 2010
2) Porter u. Moss,
Topographical Bibliography of Ancient Hieroglyphic Text, Reliefs and paintings, (1927-1952)
3) MDAIK Bd. 35 (1979) Rainer Stadelmann; MDAIK 55 (1999) Horst Jaritz - der Totentempel des Merenptah in Qurna; MDAIK 51,
    H. Jaritz, Brigitte Dominicus, Hourig Sourouzian: Der Totentempel des Merenptah in Qurna, 2. Grabungsbericht (1995) Ph. v. Zabern
    Verlag.

 


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