(Quellen und Literatur-Angaben am Ende dieser Seite - nummerierte Verweise im Text)
PM = Porter & Moss, Topographical Bibliography of Ancient Hieroglyphic Text, Reliefs and paintings, 1927-1952)


Der Regierungswechsel von Ramses II. zu seinem Nachfolger, König Merenptah vollzog sich scheinbar vollkommen reibungslos, das einige der Beamten, die schon unter Ramses II. dienten, ihre Ämter und Posten unter Merenptah behielten. Als Beispiel ist hier der Hohepriester des Amun, Rama-Rai (Roma-Roy), zu nennen, der am Ende der Regierung von Ramses II. in sein Amt kam und dieses über den Tod von König Merenptah hinaus ausübte.

Wesire

Die ranghöchsten Beamten unter Merenptah waren die beiden Wesire (seit dem Neuen Reich gab es zwei Wesire - einen für Oberägypten und einen für Unterägypten). Für Oberägypten ist ab dem Jahre 2 der Regierung unter Merenptah, der Wesir Panehesi und für Unterägypten der Wesir Pensachmet benannt. Eine nicht gesicherte Nennung gibt es für Meri-Sachmet als Wesir von Unterägypten, der aber evt. auch erst unter Amenmesse oder Sethos II. im Amt war. Ebenso nicht gesichert ist Amenmese als weiterer Wesir gegen Ende der Regierung von Merenptah (oder auch erst zu Beginn von Sethos II. - falls dieser direkt auf seinen Vater folgte ?)

Panehesi

Panehesy ist ab dem Jahr 2 von König Merenptah als Wesir von Oberägypten belegt. Er wird auf einer Reihe von Denkmälern erwähnt, darunter die Stelen und die Kapelle im Speos Haremhab in Gebel el-Silsila. Außerdem ließ er auf der Südseite des Speos eine Felskapelle für sich erbauten. Der Wesir wird gezeigt, bei der Anbetung seines Königs Merenptah und in einer Szene im Türrahmen erscheint er mit Merenptah, Königin Isisnofret II. und dem Prinzen Seti-Merenptah (dem späteren König Sethos II.) 

Kapelle des Wesir Panehesy 
im südlichen Teil des Speos Haremhab
 (PM V, 209 [13])

Die Kapelle des Wesir Panehesy im Speos Haremhab befindet sich am südlichen Ende des Speos. Links und rechts des Türrahmens befinden sich jeweils 3 Textkolumnen mit Texten des Wesirs. Auf der westlichen (rechten) Seite handelt es sich um eine Lobeshymne des Panehesy auf seinen König, in der er ihn mit den Göttern gleichsetzt. Diese hieroglyphische Inschrift wurde zum größten Teil von Champollion abgeschrieben und erscheint auch bei Lepsius (LD Text IV 85 G). Eine vollständige Kopie des Textes erschien 1976 in MDAIK 32 von Ali Radwan, S. 187.

An der linken und rechten Innenseite der Kapelle befindet sich je eine Szene: Panehesy in Verehrung seines Königs Merenptah. Auf einer Art Bank im Inneren der Kapelle sitzen drei - heute nicht mehr zu identifizierende - Figuren. Eine dieser Figuren wird sicherlich der Stifter der Kapelle, der Wesir Panehesy sein. 

 

Bild: mit frd. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

An der rechten (nördlichen) Schmalseite der Vorhalle des Speos befindet sich eine Nische, die aus der Felswand herausgearbeitet wurde, in der sechs Figuren im Hochrelief auf einer Bank sitzen. 

Der Wesirs Panehesi im Speos von Haremhab (Gebel el-Sisila - PM V, 212. [51] )

An der nördlichen Schmalseite der Vorhalle im Speos Haremhab wurden sechs Figuren im Hochrelief aus der Felswand gearbeitet. Sie befinden sich in einer Nische, welche den unteren Teil der Wand einnimmt. Die Figuren zeigen von links den Wesir Panehesi, die Göttin Maat, die Sängerin der Göttin Hathor "Amunnacht", die Göttin Hathor selbst, den Gott Ptah und die Sängerin des Gottes Re mit Namen "Ray".

Die Wand über den Figuren in der Nische ist nicht dekoriert worden.

Bild:; Courtesy to Kairoinfo4U
- alle Rechte vorbehalten -


Panehesy ist im Speos in der Galerie auf einer Stele in der Galerie abgebildet. Eine weitere Stele - am nördlichen Ende des Speos - zeigt Panehesy zusammen mit seinem König Merenptah in einer Verehrungsszene vor den Göttern Amun-Re, Month, Sobek und Hathor. Auf einer weiteren Stele links vom Eingang des Heiligtums ist der Wesir hinter Merenptah und Königin Isisnofret II. dargestellt. 
Zu den Stelen von Panehesy im Gebel el-Sisila siehe auch  hier. 

Der Wesir erscheint auch auf einer Stele außerhalb des Speos, die sich in der Nähe der königlichen Schreine in Gebel el-Silsila befindet, die sich zwischen den Fels-Schreinen von Merenptah und Ramses II. befindet. Das Bildfeld der Stele zeigt Merenptah, der Amun-Re die Maat opfert, gefolgt von einem Prinzen (evtl. Seti-Merenptah, den späteren König Sethos II.) und dem Wesir Panehesy.

Denkschrift in Türform
zwischen den beiden Felskapellen
Merenptah und Ramses II.

Der Wesir Panehesy ließ zwischen den beiden Felsstelen (Felskapellen) von Merenptah und Ramses II. eine Denkschrift in Türform anbringen. 

In der Mitte des Bildes befindet sich König Merenptah, dem diese Denkschrift gewidmet war, der vor dem Gott Amun-Re steht und ihm eine Figur der Maat opfert. Hinter ihm stehen (in verkleinertem Maßstab und in leicht gebeugter Haltung) der Prinz Sethos-Merenptah (sein Name ist gelöscht) mit einem Straußenfächer in der Hand und hinter ihm der Wesir Panehesy. Er hält ebensfalls einen Straußenfächer in seiner Hand und ist gekleidet mit dem typisch langen Gewand eines Wesirs. Die beiden Textkolumnen über ihm geben seine Titel und Namen wieder.

Umzeichnung: Lepsius III, 200a
- public domain -

Aus der Cachette in Karnak (gefunden am 8. 4. 1905 von G. Legrain) stammt eine Würfelhockerstatue (ohne Kopf) von Panehesy (H. 46cm x L. 23,5cm x T. 40cm) aus grauem Granit, die sich heute im Museum Kairo (JE 37859 / SR 4/13774 befindet (siehe: HÄB 33-34, Hildesheim 1992, R. Schulz - Die Entwicklung und Bedeutung des kuboiden Statuentypus) - (Leider kein Foto).

Panehesi erscheint auch evtl. auf einer Blockstatue aus dem Hofeingang des Month-Tempels in Karnak (erhalten ist nur noch der obere Teil) - heute im Museum Kairo (JE 91718 - Quelle: Museums-Liste Cairo Griffith-Institute) und auf einer Stele aus dem Tempel Thutmosis III. in Deir el-Bahin, wo der Wesir in Verehrungshaltung vor dem Gott Amun-Re als Vermittler für eine unbekannte Person (aber vermutlich für seinen König Merenptah, dessen Kartuschen nicht mehr erhalten sind) im unteren Register zu sehen ist.

Des weiteren auf eine Reihe von Skulpturen aus Deir el Medina (dem Arbeiterdorf auf der Westbank), die im Kapellenbereich nördlich des Dorfes und im Heiligtum des Ptah und der Meretseger auf dem Weg nach Süden zum Tal der Königinnen gefunden wurden (Quelle: Aidan Dodson, Poisoned Legarcy, Dez. 2010, AUC-Verlag)

Aus Deir el-Medina (Inventar 201 u. 250, SCA-Inventar 693, Qurna-Register 1/29) (dem Dorf der Nekropolenarbeiter) stammt eine Statue von Panehesy, die sich seit 2007 im Museum Kairo befindet. Die Fragmente der Stele wurden bei den Ausgrabungen im Tempel des Amun und der ptolemäischen Umfassung in Deir el-Medina gefunden. Das Bildfeld der Stele zeigt den Wesir Panehesy, der seine Hände auf beide Seiten eines Throns legt, auf dem ein königliches Paar - von denen die Köpfe nicht mehr erhalten sind - sitzt. Erhaltene Spuren zeigen aber, dass eine der beiden Figuren ein Nemeskopftuch trug, bei der anderen handelt es sich um eine Frau. Anhand der beigeschriebenen Titel zu der königlichen Figur kann diese als König Merenptah belegt werden, wohingegen die weibliche Figur nicht zu identifizieren ist.

Panehesi war auch der Adressat eines Briefes, den der Netropolenschreiber von Deir el-Medina, Quenherchepeschef an ihn schrieb. In diesem Schreiben berichtet der Nekropolenschreiber, dass die Arbeiten am "Großen Ort des Königs" (gemeint ist damit das Königsgrab) gut vorankommen. Es herrsche jedoch auf der Baustelle ein Mangel an Spachteln und Gips, deshalb bittet der Schreiber Panehesi um die Lieferung der benötigten Geräte und Materialien. Panehesi soll im 7. Jahr von König Merenptah die Grabstätte im Tal der Könige besucht haben (Quelle: Aidan Dodson, Poisoned Legarcy, Dez. 2010, AUC-Verlag).

Weitere Nennungen von Panehesi sind belegt auf:

  1. oKairo CG 25504

  2. oValley of King (ohne Nummer), 4. Epogomener Tag

  3. Chester beatty Papyrus (III. vs. 4-5)

Pensachmet

Pensachmet war lt. Ostrakon Cairo 25504 aus dem Jahre 7-8 Wesir von Unterägypten. Evtl. ist er identisch mit dem Wesir Merisachmet (siehe Papyrus Bologna 1086) aus dem Jahr 3). (Belege: OCairo, CG 25504 / 8, II. Achet 13 und 14). Aidan Dodson (1) schreibt dazu: ".....Ein Wesir Merysekhmet ist aus dem Jahr 3 bekannt, welches das von Merenptah sein könnte, aber stattdessen direkt zu der Zeit gehören könnte nach MerenptahsTod. Wenn Pensachmet/Merysachmet auf Merenptahs Regierungszeit datiert werden kann, wäre Pensachmet/Merysachmet vermutlich Panehesis nördliches Gegenstück in dem geteilten Wesirat von Ägypten.

Merisachmet

Bei Merisachmet ist nicht ganz sicher ob er unter Merenptah das Amt des Wesirs ausübte, es wäre auch möglich, dass er unter König Amenmesse oder Sethos II. amtiert hat. (Quelle: pBologna 1086,10.15 / KRI, IV, 79:14 mit 80:7 – Datum Jahr 3, II. Schemu 10)

Vizekönig von Kusch

Aus der Regierungszeit von König Merenptah sind zwei "Vizekönige von Kusch" bekannt, Messui und Chaemturo. Angaben über die Familie von Messui sind nicht belegt. Der Ägyptologe Rolf Kraus (Quelle: Untersuchungen zu König Amenmesse / 1. Teil. SAK 4 / 1976; 2. Teil / SAK 5 / 1977 und Nachtrag SAK 24 / 1997) gefolgt von dem englischen Ägyptologen Dr. Aidan, M. Dodson (JEA 73 / 1997: Messuy, Amada, and Amenmesse JEA, Vol. 34. pp. 41-48 / Poisoned Legary: The Fall of the Nineteenth Egyptian Dynasty, American University in Cairo Press, 2010, sowie Dodson, Hilton: Royal Families of Ancient Egypt, Thames and Hudson, 2004) vermuten, dass der spätere König Amenmesse einst ein "kuschitischer" Vizekönig namens Messui war, wobei R. Kraus seine These u. a. insbesondere auf zwei Darstellungen von Messui im Tempel von Amida beruhen, die angeblich zeigen, dass "....seine Brauen ein königlicher Uräus hinzugefügt worden war, der mit anderen Pharaonen wie Horemhab, Merenpath und einigen Söhnen von Ramses III. übereinstimmt. Andere wie Yurco sind der Meinung, dass es dort keinen Uräus gibt, sondern lediglich eine Verwitterung des Steins, die einen falschen Eindruck vermittelt (Quelle: Frank J. Yurco: Was Amenmesse the Victory of Kush, Messuwy? JEA, Vol. 34 / 1997, pp. 49-56)

Des weiteren nennt ihn lt. Rolf Kraus eine Inschrift im Tempel von Amada auch "der Sohn des Königs selbst", wobei dieses aber nur eine Redewendung sein könnte, um Messuis hohe Stellung als Vizekönig unter Merenptah zu betonen. Diese These von Rolf Kraus wurde in der Fachwelt viel diskutiert und auch vielfach abgelehnt. 

Auch ist die Abfolge Messui - Chaemturo oder Chaemturo - Messui umstritten. Jedoch muss nach neueren Erkenntnissen Chaemturo wohl nach Messui eingeordnet werde, wobei auch Dr. Aidan Dodson die Abfolge: Messui als Vorgänger des Chaemturo für wahrscheinlich hält. Wenn die Usurpation von Amenmesse in die Regierung Sethos II. zu datieren ist, müsste diese Abfolge stimmen, denn Chaemturo, nicht Messui, ist unter Sethos II. datiert. Chaemturo, hatte offensichtlich das Wohlwollen des neuen Herrschers erlangt und wurde von diesem zum Wesir befördert. Messui war vermutlich unter Merenptah gestorben - sein Name ist entgegen Krauss nicht verfolgt worden.

Messui

Messui gelangte im Jahre 5 von Merenptah in das Amt. Er trug ebenfalls die Titel eines Gouverneurs der Südländer und Schreiber der Tabellen der beiden Länder. Messui ließ viele Tempelinschriften und Inschriften auf mehreren Stätten in Nubien hinzufügen, darunter Amada, Akscha, Amara, der Tempel von Beit el-Wali, Wadi es-Sebua und auf der Insel Bigeh. Sein Nachfolger war dann am Ende der Regierung von Merenptah ein Mann mit dem Namen Chaemturo, der dann auch wohl unter Amenmesse und nicht ganz abgesichert bei der Lesung des Königsnamens auf einem Türpfostenfragment unter Sethos II. zu datieren ist.

Als im 5. Jahr Merenptahs in Wawat ein Aufstand ausbrach, nahm vermutlich Messui an diesem Feldzug gegen die Aufrührer teil. Später veranlasste er die Niederschrift des siegreichen Kriegszuges im Tempel von Amada. Die hier gegebene Datierung in das 4. Regierungsjahr scheint lt. Ingeborg Müller (2) ein Fehler zu sein, denn eine Stele aus Amara berichtet im gleichen Wortlauf über den Aufstand und seine Niederschlagung im 5. Jahr des Herrschers. Habachi vermutet als Verfasser des Kriegsberichtes nicht Messui sondern Chaemturo.

Die Wiener Ägyptologin Dr. Irmgard Hein (die ramessidische Bautätigkeit in Nubien, Wiesbaden 1991, Harrassowitz-Verlag) und Prof. Aidan Dodson weisen das Grab SA 36 in Aniba als Grabstätte für Messui zu. Ein Türpfosten aus gesichertem Fundzusammenhang nennt einen „Befehlshaber des Heeres des Königssohnes Messui“, der wohl der Hauptinhaber des Grabes gewesen sei. Dr. Irmgard Hein bezieht den Namen Messui offenbar auf „Königssohn“ und nicht auf den eigentlichen Titel „Befehlshaber des Heeres“, der dann anonym wäre. 

Andere Ägyptologen diskutieren diese These kontrovers, denn auf wen sich auch der Name beziehen mag - ein Beweis für ein Begräbnis des Messui in Aniba bietet die Erwähnung seines Namens im Genitiv eines Titels nicht, ebenso wenig wie die Funde seines Uschebti in Aniba und Wadi es–Sebua. Über seine Tätigkeit macht Messui, ausgenommen der Bericht über den Feldzug gegen Wawat, keine Angaben. Die nubische Provinz war offensichtlich in die Machtkämpfe unter Sethos II. verwickelt.

Denn als Siptah den Thron bestiegen hatte, setzte er noch in seinem ersten Regierungsjahr einen offenbar schon betagten Beamten aus seiner nächsten Umgebung als Vizekönig ein und schickte Abgesandte aus den höchsten Rängen der Streitwagentruppe in die Provinz mit dem Auftrag, dort neue und dem König ergebene Beamte einzusetzen und Verdienstvolle auszuzeichnen.  

Belege für Messui:

Beit el-Wali:
Bet el-Wali ("Haus des Statthalters" / auch Beit el-Wali ist ein altägyptischer Felsentempel aus der Zeit des Neuen Reiches im ägyptischen Unternubien und wurde von Ramses II. für die Götter Amun-Re, Re-Harachte, Chnum, Anukis, Isis und dem vergöttlichten König geweiht. Die gesamte Bildausstattung des Tempels ist ausschließlich Ramses II. als König gewidmet. Rainer Stadelmann
(MDAIK 37 / 1981, 459 und Anm. 7) vermutet, dass der Tempel vermutlich in seine früheste Regierungszeit zu datieren ist.

 Der Tempel stand bis zum Bau des Assuan-Hochdamms etwa 60 km südlich von Assuan an der Westseite des Nils - im sogenannten "Zwölf-Meilen-Land" und wurde 1965-1969 mit amerikanischer Hilfe abgebaut und auf der Insel Neu-Kalabscha - etwas einen Kilometer südwestlich der Staumauer des Hochdamms wiederaufgebaut.

Eine Inschrift (enthält Name und Titeln) mit Darstellung des Messui befindet sich im Tempel von Beit el–Wali - im mittleren Durchgang zum Vorraum des Tempels, an der südlichen Türleibung (LD III. 176g)

Tempel von Beit el Wali

Tempelinschrift – "Königssohn von Kusch Messui"

 

Südtempel in Buhen:
In Buhen wurde innerhalb der Festung im Nord-Ost-Ecke - über dem eingeebneten Tempel aus dem Mittleren Reich wurde ein neuer (Süd-)Tempel aus Sandstein, der dem Horus von Buhen sowie den Göttern Nubiens und der Katarakt-Region geweiht war, errichtet. Der Vorhof wurde unter Thutmosis III. hinzugefügt, dieser ließ auch Reliefs für sich umarbeiten. Tempelinschriften auf Architekturteilen und Stelen stammen u. a. aus der Zeit von Amenophis II, Amenophis III, Sethos I, Ramses II, Merenptah, Sethos II, Amenmesse, Siptah, Ramses III, Ramses IV und Ramses V. 

Tempel von Beit el Wali
Messui vor der Kartusche von Merenptah
- heute im National-Museum Khartum
(PM Buhen, 133,4)

Tempelinschrift – "Königssohn von Kusch Messui" - unteres Register

Auf dem Innenpfosten des Durchgangs im Südtempel von Buhen befand sich eine Darstellung des Vizekönigs von Kusch, Messui, der in kniender Haltung vor der Kartusche seines Königs Merenptah zu sehen ist.

 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

 

Tempel von Amada:
In Amada - ca. 105 km südlich von Philae auf dem Westufer des Nils gelegen - stand ein Tempelblau aus der Zeit des Neuen Reiches, der unter den Königen Thutmosis III. erbaut und unter Amenophis II. und Thutmosis IV. mit einer Säulenhalle erweitert wurde. Der Tempel wurde infolge drohender Überschwemmungen durch den Bau des modernen Assuan-Staudamms in den Jahren 1964/65 abgebaut und ca. 3 km weiter westlich an einem höheren Ort wieder aufgebaut. 

Im Tempel befinden sich insgesamt vier Graffiti vom Vizekönig Messui (siehe KRI IV, 1f - KRI IV, 33 und H. Sourouzian, Merenptah 201) - zwei befinden sich beidseitig des Eingangs an der Fassade des Pylons und zeigen Messui bei der Verehrung des Königsnamens von Merenptah. Des weiteren befindet sich eine Inschrift und Verehrungsszene von Re-Harachte am Architrav XVI an der Ostseite und eine Darstellung mit dem Namen von Messui an der östlichsten Säule.

Türeingang von Amada
(hier: rechte Seite des Eingangs)

Im unteren Bereich der beiden Türeingänge des Tempels befindet sich eine Inschrift und die Darstellung des knienden Vizekönigs von Kusch, Messui bei der Verehrung Namens seines Königs Merenptah.

 

 

 

 

Bild: mit frdl. Dank Saamunra
- alle Rechte vorbehalten -

Im Geröll des Tempels von Amada fand sich ein Sandstein-Pyramidion (Höhe 75 cm) in der Süd-Ost-Ecke des Vestibüls (heute im Museum Kairo JE 40282) - nach der Beschreibung von Brested soll der Name von Messui getilgt sein (siehe A. Weigall, Report, 107 und KRI IV, 95) - und ein Opferständer aus rotem Sandstein mit dem Namen des Vizekönigs von Kusch, Messui, das ebenfalls im Vestibül gefunden wurde (stammt vielleicht lt. Weigall vom Friedhof SA.C.5 in Amada ?)

Akscha:
Zwar wurden im Tempel von Akscha, der von Ramses II. erbaut wurde, ("Lebendes Abbild Ramses (II.) in Nubien") keine königlichen Relikte mehr aus der Zeit von König Merenpath gefunden, aber es wurden Reste einer Darstellung von Vizekönig Messui vor den Kartuschen seines Königs Merenptah an der nördlichen Türlaibung des Tempeleingangs entdeckt (ähnlich der von Amada). Gegenüber dieser Darstellung von Messui befinden sich Textfragmente aus dem Jahre 4 von Merenpath, die über ein militärisches Unternehmen in Wawat berichten. Am Ende des hieroglyphischen Textes befindet sich eine Darstellung des Vizekönigs, der wohl auch für die Anbringung der Inschrift verantwortlich war. Die Datierung des Jahres 4 unter Merenptah, scheint lt. der Ägyptologin Ingeborg Müller (2) ein Fehler zu sein, denn ".....eine Stele aus Amara berichtet im gleichen Wortlaut über den Aufstand und seine Niederschlagung im Jahr 5 des Herrschers, aufgeschrieben jedoch ein Jahr später (siehe Kitchen 1977: 221-224).

Gegend von Assuan:
Auf dem Weg zwischen Assuan und Philae befindet sich auf einer Felszeichnung König Merenptah, der auf seinem Streitwagen sitzt und durch den Vizekönig von Nubien, Messui, verehrt wird (Quelle: Complete Royal Families, Dodson und Hilton) (PM V, 247 [87]).

Felszeichnung auf der Strasse von Assuan nach Philae

Der König Merenptah sitzt rückwärts gewandt auf seinem Streitwagen - hinter ihm läuft der Vizekönig von Kusch, Messui mit einem Straußenfächer in seinen Händen.

(Bildautor: unbekannt - evtl. de Morgan. 1894 ?)

Chaemturo/Chaemti

Nachfolger von Messui (der vermutlich noch unter König Merenptah gestorben war, denn sein Name wurde - entgegen Rolf Kraus - nicht verfolgt) im Amt des Vizekönig von Kusch in Nubien war am Ende der Regierung von König Merenptah ein Mann mit dem Namen "Chaemturo oder Chaemti". Chaemturos Amtszeit ist durch die königliche Kartuschen in die Regierung von Merenptah und durch die nicht ganz abgesicherte Lesung des Königsnamen auf dem Türpfostenfragment aus Buhen unter Sethos II. datiert. Es ist wohl auch anzunehmen, dass er unter Amenmesse im Amt verblieben war - wenn Amenmesse auf König Merenptah folgte. Dr. Aidan Dodson (S. 47 - Messuy, Amada, and Amenmesse, Journal of the American Research Center in Egypt XXXI'V: 41-48) hält die Amtsfolge Messui - Chaemturo für wahrscheinlich und vermutet, dass Messui das Amt des Vizekönigs noch vor dem Ende der Regierung von Merenptah an Chaemturo übergeben hat, denn Messui ist nicht unter Sethos II. datiert und auch sein Name wurde auch nicht verfolgt. Chaemturo wurde dann nach der Usurpation von Amenmesse zum Wesir befördert.

Lt. Habachi (1978) ist der Vizekönig von Kusch Chaemturo gleichzusetzen mit dem gleichnamigen Wesir, dessen Grab Paremheb - Nachfolger des Chaemturo im Amt des Wesirs - usurpierte. Habachi geht davon aus, dass die königlichen Kartuschen von Amenmesse durch die von Sethos II. und dem in Ungnade gefallene Chaemturo durch Paremheb ersetzt wurden. Nach Habachi lautet die Abfolge der Vizekönige deshalb: Chaemturo-Messui (wobei der Sturz von Chaemturo als Vizekönig nicht das Ende seiner Karriere, sondern der Aufstieg zum Wesir unter Amenmesse bedeutete und die Verfolgung seines Namens von Habachi unter Sethos II. datiert wird) (2).

Wie schon oben ausgeführt, ist die Abfolge Messui-Chaemturo oder Chaemturo-Messui in der Wissenschaft umstritten. Da die Datierung des Graffito 15.4.3 in die Regierung Sethos II. nach den neuesten Untersuchungen hinfällig ist (lt. Ingeborg Müller [2] gehören die Kartuschen nicht zu der Felsinschrift des Messui) - muss der Vizekönig von Kusch/Königssohn von Kusch Chaemturo wohl nach Messui eingeordnet werden, denn das Stelenfragment 38.34 trägt die Kartuschen von Sethos II. (siehe auch Dodson: Messuy, Amada, and Amenmesse, Journal of the American Research Center in Egypt XXXI'V: 41-48)

Belege für Chaemturo: 
- Quelle: Meroitica 18, Ingeborg Müller - die Verwaltung Nubiens im Neuen Reich, Harrassowitz-Verlag 2013 -

Buhen: (Residenz der Vizekönige)
Pfeiler Nr. 5 - Südtempel: mit der Nennung "Königssohn Chaemturo" (Zeit Merenptah lt. KRI IV: 97,6-10)
16 Fragmente einer Stele: mit der Nennung "Königssohn Chaemturo" (Zeit Sethos II. - lt. KRI IV: 282,3-6)
Türpfostenfragmente aus der Stadt Buhen: mit Nennung "Königssohn von Kusch Chaemturo (lt. KRI IV: 97,13-14)
Türpfosten aus der Stadt - Titel zerstört: mit dem Namen Chaemturo (lt. KRI IV: 97,11-12)
Fragment - [Königssohn] Chaemturo (lt. Smith 1976: 134 - [1668 Tf. XXXIII,3)

Für Chaemturo sind nur Inschriften in Buhen belegt. Buhen war das wichtigste Zentrum für den Warenumschlag. Leiden fehlen bei den Inschriften jegliche Hinweise zu seinen Tätigkeiten in Nubien. Unter König Merenptah sind für Chaemturo nur die Tempelinschriften 38.32, 38.33 in Buhen belegt.

Lt. dem tschechisch-britischen Ägyptlogen Jaroslav Cerny (1898 - Mai 1970 in Oxford) befindet sich im Chicago Or. Inst. Museum unter der Inventar-Nr. OI 10816 (siehe: KRI, IV, 206:11 - 13) ein Reliefblock, in dem der Name des Wesirs Paremheb (diente unter Sethos II.) über dem Namen des Chaemturo/Khaemtore geschrieben ist. Der Titel auf dem Fragment lautet: "Wedelträger zur Rechten des Königs, Bürgermeister der Stadt und Wesir, Chaemturo" (Quelle: Hopper, Monuments of Amenmesse and Seti II., pdf-online, S. 560). Der Name von Chaemturo wurde von Paremheb, der die gleichen Titel trug, usurpiert. Falls Chaemturo also das Wesirat nach seinem Amt des Vizekönig von Kusch innehatte, wie einige Ägyptologen glauben, kann dieses nur unter Amenmesse gewesen sein. Nach dem Sturz von Amenmesse durch Sethos II. führte dieses auch zum Verlust des Wesiramtes nach der Regierungsübernahme durch Sethos II. Dieses Szenarium würde auch die Auslöschungen des Namens von Chaemturo in Buhen erklären und die Usurpation seines Reliefs (heute in Chicago) durch den Wesir Paremheb (Quelle: Hopper, Monuments of Amenmesse and Seti II., pdf - online, S. 560; Dodson, Poisoned Legacy, 58-59 and 60 fig. 61, sowie Habachi: MDAIK 34, 1978:King Amenmesse and Viziers Amenmose and Kha'emtore, 1978 64-65, 66-67).

Lt. der Untersuchung des Kalksteinblocks durch G. Hughes im Jahre 1966 wurde dieser Reliefblock 1920 in Kairo erworben und soll ursprünglich aus Theben stammen. Lt. Habachi stammt er anscheinend aus einem Wesirgrab, dass später von einem anderen Wesir (wohl durch den Wesir Paremheb, der unter Sethos II. amtierte, siehe Helck: Op. cit., p. 460 [38] ) usurpiert wurde. 

Block aus dem Grab des Chaemturo / Paremheb
- heute im Museum Chicago Institut OI 10816 -

Auf dem Block sind Teile von zwei Registern zu sehen. In jedem der Register ist der Grabherr zu sehen. Im oberen Register sind nur die Füße in Sandalen erhalten geblieben, sowie der untere Teil eines Sockels auf dem ein Gott steht.

Im unteren Register ist das Oberteil des Wesirs zu sehen. Er hat die Arme erhoben und ist mit dem für einen Wesir üblichen Gewand bekleidet. Unter seinem linken Arm hält er einen Fächer. Von der zu dieser Szene gehörenden Inschrift hat sich nur ein Teil erhalten. Von Parenheb gibt es Inschriften aus dem 5. und 6. Regierungsjahr von Sethos II. Die Usurpation der Namen auf dem Block durch Paremheb ist lt. Habachi leicht zu erkennen. Somit kann lt. Habachi Chaemturo das Amt des Wesirs nur unter König Amenmesse innegehabt haben und der originale Name auf dem Block in Chicago war des des Chaemturo (Quelle: Habachi: "King Amenmesse and Viziers Amenmose and Kha'emtore"). 

Bild: Chicago Or. Inst. Museum OI 10816
(Fotograf: G. Hughes)

 

wird weitergeführt......

Literatur und Quellen:
1. Aidan Dodson, Poisoned Legarcy, AUC-Verlag 2010
2. Ingeborg Müller, Die Verwaltung Nubiens im Neuen Reich, Reihe: Meroitica, Bd. 18, 2013, Harrassowitz-Verlag, 


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